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    Der Massenmörder aus Detmold

    Vor 75 Jahren: Am 19. April jährt sich der Jahrestag des Aufstandes im Warschauer Ghetto.

    Die Niederschlagung hat der Ex-Katasteramtsgehilfe Jürgen Stroop befehligt. Zehntausende wurden getötet und deportiert

    Von Sven Koch | NW

    Es ist drei Uhr morgens am Montag, 19. April 1943, als die Deutschen anrücken. Zwei Bataillone der Waffen-SS umstellen das Warschauer Ghetto. Doch die 850 Soldaten werden von Partisanen beschossen, mit Brandbomben beworfen und müssen sich zurückziehen. Damit hatte niemand gerechnet.

    In Berlin ist das Wetter an diesem Tag schlecht. Es passt zur Stimmung von Reichsführer-SS Heinrich Himmler, als er von den Vorfällen erfährt. Eigentlich hatte er Adolf Hitler am nächsten Tag zu dessen Geburtstag mitteilen wollen, dass Warschau "judenfrei" ist.

    SS-Sturmbannführer: Stroop 1934. 
    FOTO:Landesbibliothek Lippe (nachträglich coloriert)
    Jetzt soll SS-Standartenführer Jürgen Stroop von der Division Totenkopf zeigen, was er kann, denn er führt das Kommando. Jürgen Stroop, der aus weltanschaulichen Gründen seinen Taufnamen Joseph geändert hat, ist Katasteramtsgehilfe und wohnt in Detmold in der Mühlenstraße an der "Herberge zur Heimat". Den diskriminierenden Umgang mit sozialen Randgruppen hat er früh gelernt: "Zu den Aufgaben seines Vaters gehörte die Überwachung der dort untergebrachten nichtsesshaften Wanderarbeiter", schildert die Detmolder Stadtarchivarin Bärbel Sunderbrink. In Zusammenarbeit mit Heike Fiedler vom Landesarchiv NRW hat sie die Ausstellung "Detmold und das Warschauer Ghetto" in Detmold konzipiert.

    »Die Bedingungen im Ghetto waren unbeschreiblich«

    Und Stroop funktioniert. Bis zum 16. Mai radiert er mit seiner Division das Ghetto aus, in dem sich jüdische Kampfgruppen formiert haben - junge Männer, die auf den Straßen täglich mit Elend und Entsetzen konfrontiert sind und nichts zu verlieren haben.

    Pro Quadratkilometer leben 150.000 Menschen im Ghetto, pro Zimmer sieben bis acht Personen. Verhungernde und Erfrierende, darunter viele Kinder, gehören zum Straßenbild. "Auf das unerlaubte Verlassen stand die Todesstrafe. Die Lebensverhältnisse waren unbeschreiblich. In den Jahren 1941/42 starben im Ghetto 83.000 Menschen, zumeist an Erschöpfung, viele auch an Fleckfieber", schildert die Detmolder Archivarin. Am 22. Juli 1942 beginnen die Deportationen ins Vernichtungslager Treblinka, eigens für die Ermordung der Juden aus dem Warschauer Ghetto errichtet.

    Keiner der Widerstandskämpfer will sich freiwillig auf die Schlachtbank führen lassen. "Der Warschauer Ghettoaufstand war die erste Massenrevolte von Juden im von Deutschland besetzten Europa. Tausende Ghettobewohner hielten die Deutschen in einem wochenlangen, vollkommen unerwarteten Kampf in Atem", schildert Bärbel Sunderbrink.

    Stroop hat den Auftrag, das Ghetto zu räumen, von Himmler persönlich. Der Mann aus Detmold gilt als durchsetzungsstark. Begeisterter Soldat ist er schon lange. Sofort nach Kriegsbeginn im August 1914 hat er sich zum Militärdienst gemeldet, bekam Orden, aber für eine Offizierslaufbahn fehlte die höhere Schulbildung. 1918 muss er zurück zur lippischen Katasterverwaltung. 1932 tritt er in die NSDAP ein und wird nach der Machtübernahme Chef einer Hilfspolizei aus SA, SS und Stahlhelm, die unter anderem den Detmolder Journalisten Felix Fechenbach am 11. März 1933 verhaftet, der wenige Monate später im Wald zwischen Kleineberg und Scherfede erschossen wird. "Möglicherweise war Stroop an den Planungen des Mordes beteiligt", sagt Sunderbrink. "Dass er Mitwisser war, ist sehr wahrscheinlich."

    In Warschau führt er eine ungleiche Schlacht und geht gnadenlos vor, mit Soldaten, Panzern und Flammenwerfen. Durch ein System von Bunkern und Kanälen versuchen viele zu entkommen. Am 16. Mai lässt Stroop die Synagoge sprengen - ein symbolträchtiges Ende. "Die Sprengung hatte Stroop eigenhändig durchgeführt", so Sunderbrink. Und er meldet stolz nach Berlin: "Es gibt keinen jüdischen Wohnbezirk in Warschau mehr!"

    Abtransport ins Vernichtungslager: Akribisch hat SS-Führer Jürgen Stroop die Ereignisse bei der Niederschlagung des Warschauer Ghetto-Aufstands dokumentiert. Foto: Bundesarchiv/Stroop-Bericht (nachträglich coloriert)



    Stroop hat seine Arbeit akribisch dokumentiert und in rund 50 Bildern fotografisch festhalten lassen. Das Foto, das einen Jungen mit erhobenen Händen zeigt, der sich den Deutschen ergibt, geht später um die Welt. Als "Juden und Banditen" bezeichnet er sie in seinem Rapport an Himmler, den er in zweifacher Ausfertigung herstellen lässt. Das andere geht an Adolf Hitler.

    Stroops Erfolg wird honoriert und der Detmolder in den Rang eines höheren SS- und Polizeiführers für Warschau erhoben. Er geht nach Wiesbaden als SS- und Polizeiführer "Rhein-Westmark", wo er in Fliegermorde verwickelt wird: In der Endphase des Krieges sind es vor allem Polizei- und Parteifunktionäre, die abgeschossene oder notgelandete alliierte Flugzeugbesatzungen töten.

    Am 8. Mai 1945 wird Jürgen Stroop von den Amerikanern festgenommen und im Zusammenhang mit den Fliegermorden am 21. März 1947 zum Tode verurteilt. Vollzogen wird das Urteil jedoch nicht, sondern Stroop wird nach Polen ausgeliefert. Sein akribischer Bericht wird ihm zum Verhängnis, anderen ebenfalls: Er gilt als einzigartiges Dokument der Vernichtungsmaschinerie und ist ein wichtiges Beweisstück bei den Nürnberger Prozessen. In Warschau wird Stroop am 23. Juli 1953 erneut zum Tode verurteilt. Seinem Gnadengesuch wird nicht entsprochen. Stroop wird am 6. März 1952 gehängt.

    Während Stroop auf seine Hinrichtung wartet, muss er sich eine Zelle mit dem Offizier der national-polnischen Heimatarmee Kazimierz Moczarski teilen." Der Journalist dokumentiert Jahrzehnte später aus der Erinnerung seine "Gespräche mit dem Henker". Dokumentiert sind auch andere Gespräche, die Stroop mit Schalom Grajek, einem Mitglied einer jüdischen Kampforganisation, geführt hat. Er erzählt diesem von jüdischen Schulkameraden - 32 Menschen aus Detmold sind ins Ghetto deportiert worden. Er wird gefragt, was er getan hätte, wenn ihm einer im Ghetto wieder begegnet wäre. Und antwortet kühl: "Ich hätte ihn ganz einfach begrüßt, wenn er nicht zu den Kämpfern gehörte."

    Auch in seinem Gnadengesuch bleibt er ohne jeglich Empathie - außer für sich selbst: Er habe nur bedingungslosen Gehorsam gegenüber den Vorgesetzten gekannt. "Mein ganzes Leben", erklärt der Detmolder Massenmörder, "galt dem Dienste meines Vaterlandes und dem Wohle meiner Frau und meiner Kinder."

    Foto: rarehistoricalphots.com - nachträglich coloriert



    Am 7. Dezember 1970 sinkt Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) am Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos auf die Knie. "Am Abgrund der deutschen Geschichte", sagt Brandt später, "und unter der Last der Millionen Ermordeten tat ich, was Menschen tun, wenn die Sprache versagt."

    © 2018 Neue Westfälische
    03 - Bielefeld Süd, Donnerstag 19. April 2018

    ______________________________________________

    es hagelt dieser tage ja mal wieder jahrestage der erinnerungskultur um israel, den juden und den holocaust: vor 70 jahren: gründung des staates israel - vor 75 jahren: aufstand im warschauer ghetto - 

    uns bleibt nur die pflicht, immer wieder an diese dinge eindringlich zu erinnern, die immer mehr zu verblassen drohen. da wird mitten in berlin ein israeli angegriffen, der sich eine kippa aufgesetzt hat, um die reaktionen dazu in berlin zu testen, der aber gar kein gläubiger jude ist ... - und er kam gar nicht weit, bis er von einem 19-jährigen araber angegriffen wurde und mit einem gürtel geschlagen wurde - wobei der angreifer immer wieder "yahudi/jude" rief ... - also einfach auf äußere attribute entsprechend reagierte ...

    solche tätlichen übergriffe mehren sich in den letzten monaten - und auch mit dem zuzug arabischer flüchtlinge und der allgemeinen sittenverrohung gegenüber ausländern allgemein sowie vordergründig rechten und hier und da auch linken antiisraelischen umtrieben allerorten ...

    wir haben hier in deutschland vielleicht zu rasch unsere moralische haftpflicht gegenüber israel und den juden in eine "normalität" setzen wollen, wie gegenüber bürgern und "gästen" anderer nichteuropäischer staaten auch - es gibt ja gottseidank aber erstaunlicherweise auch in der geschichte keine übergriffe gegenüber asiaten hinduistischen, buddhistischen oder konfuzianischen glaubens - und der dalai lama ist ein wohlgelittener gast hier allerorten.

    die übergriffe von ein paar radikalen israelis gegenüber palästinensern im nachbarland - und überhaupt das ganze klein-klein und "auge-um-auge und zahn-um-zahn" dort zwischen palästinensern und israelis haben diese verpflichtungen und das verantwortungsbewusstsein gegenüber juden hier und israel und den juden dort schrumpfen lassen - wobei wir in den letzten jahren ja mühsam unsere offensichtlich gefühlten defizite gegenüber muslime haben versucht aufzuarbeiten und zu reglementieren ...

    und doch: es gibt keine "neutralität" gegenüber juden und israel - wie wir sie vielleicht gegenüber dem herkunftsland und dem glauben unseres türkischstämmigen nachbarn und kollegen gefunden haben - es gibt im höchsten falle vielleicht eine "all-parteilichkeit", in dem wir versuchen empathisch beide seiten, die dort unten im nahen osten aufeinanderprallen, zu verstehen - wobei uns israel aber nie "gleichgültig" werden darf - da sind wir zur parteilichkeit gefordert - denn "juden" sind eben keine "anderen", sondern waren und sind unsere angestammten landsleute und nachbarn ...

    insgesamt wäre es einfacher, wenn christen, juden und muslime sich auf ihren großen gemeinsamen und identischen stammvater abraham besinnen lernten, der im alten testament und damit in der thora und im koran gleichermaßen erwähnt und verehrt wird, als den gemeinsamen ursprung unserer religionen auch aus und zu dem einen gott, den die muslime "allah" nennen ...

    diesen traum habe ich, auch angesichts des legendären kniefalls von willy brandt 1970 in warschau - dass diese drei abrahamitischen religionen voller gegegnseitiger achtung und eigenständigkeit trotz allem einmal zusammenfinden zu einem miteinander ... - das wäre ein großer schritt zum frieden in der welt - und ein zeichen gegenüber allen atheisten und agnostikern ... - S!

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    Dr. Marcus Knauf und Prof. Dr. Helen Knauf aus Bielefeld lassen das Gedicht in Absprache mit seinem Schöpfer auf ihre Hauswand malen. Sie sehen das auch als ein Statement gegen die Einschränkung der Kunstfreiheit. Foto: Bernhard Pierel | WB

    Werk angeblich »sexistisch«

    Umstrittenes Gomringer-Gedicht jetzt auf Hausfassade in Bielefeld

    Von Sabine Schulze | WB

    Von der Wand der Berliner Alice-Salomon-Hochschule muss das Gedicht »Avenidas« des bolivianisch-schweizerischen Schriftstellers Eugen Gomringer verschwinden, weil es angeblich »sexistisch« ist. In Bielefeld ist es seit Mittwoch im öffentlichen Raum zu sehen.



    Für Marcus und Helen Knauf, die das Gedicht an die Hausfassade anbringen lassen, ist »Avenidas« einfach nur schöne Poesie. Es seien acht Zeilen, die das Leben besingen. Für das Ehepaar Knauf ist die Argumentation der Hochschule nicht nachvollziehbar: »So ein Gedicht zu problematisieren, lenkt von den wahren Problemen ab«, sagt Prof. Dr. Helen Knauf. Für ihren Mann sei es auch ein Statement für die Freiheit der Kunst und Wissenschaft, es an die Wand des eigenen Hauses malen zu lassen.

    »Es ist ein für den öffentlichen Raum schönes Gedicht, besonders geeignet, weil es so einfach ist.« Zeitlos sei es außerdem, denn die Stimmung, die Gomringer festgehalten habe, könne man auch heute noch nachvollziehen. »Und das macht gute und große Kunst aus.«

    Das ungefähr ist die Stimmung auf den Ramblas von Barcelona, 1951/53, die Gomringer in dem Gedicht eingefangen und skizziert hat ... : Die Straße/Allee - die Blumen - die Frauen - und mich und dich - als Betrachter/Bewunderer dieser Szenerie hier im Bild - holt Gomringer mit in seine Textkomposition - einfsch genial ... S!|art






    Gedicht als junger Mann verfasst

    Gomringer, heute 93, hat das Gedicht als junger Mann verfasst: 1951 bummelte er durch Barcelona, nahm Alleen, Blumen und flanierende Frauen wahr. Sein Gefühl drückte er in Gedichtform aus. Das auf Spanisch verfasste Gedicht steht seit 2011 an der Fassade der Alice-Salomon-Hochschule. Es ist umstritten, seit vor zwei Jahren Studentenvertreter die Verse in einem offenen Brief als frauenfeindlich kritisierten.

    Übersetzt auf Deutsch, heißt es in dem Gedicht:

    alleen
    alleen und blumen

    blumen
    blumen und frauen

    alleen 
    alleen und frauen

    alleen und blumen und frauen und 
    ein bewunderer

    »Beim besten Willen ist aus dem Gedicht nichts Sexistisches oder Frauenfeindliches herauszuholen«, sagt der Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Braungart. Für ihn ist »Avenidas« so offen und zugänglich, dass es als öffentliche Kunst tauge. »Davon versteht Gomringer etwas.« Drei Stichworte, wiederholt und variiert, genügten, um einen Moment der plötzlichen Sinnfülle, eine aufblitzende erotische Spannung zu beschreiben, die im nächsten Augenblick vorüber ist.

    »Eine Reverenz an Baudelaire, der städtische Szenerie prägnant ins Bild gesetzt hat«, sagt Braungart. Kein Verb verbindet die Sub­stantive. »Wer Schlimmes dabei denkt, ist der Ertappte.«

    Bei dem Gedicht geht es um den letzten Satz: »Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer.« Nach einer langen und teils erbittert geführten öffentlichen Diskussion hatte das Hochschulparlament im Januar dieses Jahres beschlossen, das Gedicht bei einer Fassadenrenovierung im Herbst zu übermalen. Künftig soll alle fünf Jahre das Werk eines neuen Poetik-Preisträgers auf die Wand kommen.

    Eugen Gomringer wird sein »Avenidas« unterdessen wohl bald in Bielefeld bewundern: Thomas Thiel, Geschäftsführer des Kunstvereins, hatte die Idee, ihn Ende Juni gemeinsam mit der literarischen Gesellschaft zu einer Lesung einzuladen. »Ich hoffe, dass er dann auch uns besuchen kommt«, sagt Marcus Knauf.

    aus: WESTFALEN-BLATT, Nr. 91 | 19.04.2018 

    Lesen Sie hier eine ultimative Rezension zu dem Lyrik-Streit ...

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  • 04/19/18--12:31: alter nativ





  • ist denn
    das wort
    schad-
    haft
    noch erlaubt?

    wer haftet da 
    für wen ?
    wer verhaftet 
    wann wen ?
    denn wer den 
    schaden hat
    spottet jeder 
    beschreibung

    oder wäre 
    es besser
    heil-
    frei
    als gegen-
    teil
    aufzuzeigen

    und wäre bei
    letzterem
    nicht doch
    heil-
    froh
    die noch viel
    bessere
    alternative

    sinedi


    „die konstellation ist die einfachste gestaltungsmöglichkeit der auf dem wort beruhenden dichtung. sie umfasst eine gruppe von worten – so wie ein sternbild eine gruppe von sternen umfasst. in ihr ist zwei, drei oder mehreren neben- und untereinandergesetzten worten – es werden nicht zu viele sein – eine gedanklich-stoffliche beziehung gegeben. und das ist alles!“
    eugen gomringer, 1954 | NZZ

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  • 04/19/18--13:48: neigungen


  • groß
    flächlich
    ober
    flächig:
    auf einer schrägen 
    gibt es 
    unweigerlich
    ab einem
    bestimmten
    neigungswinkel
    keinen halt mehr

    meine mutter 
    warnte immer:
    beuge dich nicht 
    so weit nach vorn
    sonst bekommst 
    du noch das
    übergewicht
    heute misst
    mein bmi: 26.9





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  • 03/20/18--16:13: rauchwerg


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    Zum Welttag der Poesie 

    wurde der 21. März von der UNESCO ausgerufen. Dieser Tag wird seit 2000 jedes Jahr gefeiert, die zentrale Veranstaltung für Deutschland richtet die Literaturwerkstatt Berlin und deren Internetplattform lyrikline.org aus. Er soll an „die Vielfalt des Kulturguts Sprache und an die Bedeutung mündlicher Traditionen erinnern“. Weiterhin soll ein interkultureller Austausch gefördert werden.

    Der Gedenktag soll auch dazu beitragen, dem Bedeutungsverlust der Poesie entgegenzutreten. Im 19. Jahrhundert seien, so der Literaturwissenschaftler Nikolas Immer, 20.000 Lyriksammlungen allein im deutschsprachigen Raum veröffentlicht worden – eine Zahl, die inzwischen utopisch erscheint. Mit dem Aktionstag soll gezeigt werden, dass die Poesie auch im Zeitalter der neuen Informationstechnologien einen wichtigen Platz im kulturellen und gesellschaftlichen Leben einnehmen kann.

    Am Welttag der Poesie finden Lesungen, Ausstellungen und Rezitationen lyrischer Werke in Medien und Kulturinstitutionen statt. Die zentrale Veranstaltung in Deutschland findet seit Beginn im Max Liebermann Haus der Stiftung Brandenburger Tor statt. Weiterhin sollen poetische Werke veröffentlicht und Poesiepreise vergeben werden. Besonders Schüler werden angesprochen. Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt sind aufgefordert, Gedichte zum Thema Gewalt und Frieden zu schreiben. Zudem trommeln sie an diesem Tag um 11:30 Uhr (MEZ) für den Frieden.

    Der Welttag der Poesie steht unter der Schirmherrschaft der UNESCO und der Vereinten Nationen. (wikipedia)


    → lyrikline blog:

    Um den Welttag der Poesie am 21. März zu feiern, veröffentlicht Lyrikline zwischen dem 19. und 21. März sechs ausgezeichnete neue Dichter aus der ganzen Welt ...

    Nun hat Els Moors einen offenen Aufruf im Zusammenhang mit dem Welttag der Poesie gestartet :

    Adoptiere deine Stadt mit einem Gedicht

    Am 21. März 2018, dem Welttag der Poesie, lädt Els Moors, die "Nationaldichterin Belgiens", alle Menschen weltweit dazu ein, ihre schönsten Oden und Elegien zu ihren Städten (/ Ländern / Staaten / ...) zu sichten und öffentlich zu machen. In Zeiten der Gentrifizierung, des Massentourismus und der weltweiten Migration sehnen wir uns nach einsamen Flaneuren und notorischen Wanderern, die das mysteriöse Herz ihrer Städte enthüllen wollen. Bist du immer noch in die Stadt verliebt, in der du geboren wurdest? Wurdest du von Liebe getrieben oder bist du gezwungen, deinen Herd und dein Zuhause zu verlassen? Adoptiere deine Stadt, indem du eine urbane Elegie schreibst und schreibe zu dieser Zeit am exotischsten Lonely Planet: Die adoptierten Städte. 


    Möchtest du zu dieser speziellen weltweiten Anthologie beitragen und andere zum Mitmachen motivieren?
    Dann schließen Sie sich dieser Aktion in wenigen Schritten an:

    1. Veröffentlichen Sie Ihr eigenes Gedicht ab dem 21. März 2018 auf unserer Seite: www.adoptedcities.be

    2. Poste dein Gedicht über all deine möglichen (sozialen) Medien und ermutige Mitbürger, eine Stadt mit einem Gedicht zu adoptieren und mitzumachen . Jeder kann sein Stadtgedicht auf unserer Website teilen. Auf Facebook verwenden Sie bitte #adoptedcities, damit wir Ihre Beiträge verfolgen und teilen können.

    3. Genießen Sie eine leicht zugängliche und interaktive Online-Anthologie, eine spielerische Art, Menschen zum Lesen und Schreiben von Poesie zu motivieren!


    Wir würden - sehr gerne - Menschen aus aller Welt nur eine Minute Zeit nehmen, um über Poesie (und all ihre modernen Interpretationen) nachzudenken und sogar ein kurzes Stück Poesie zu schreiben. Lasst uns der Poesie und unserer Welt gemeinsam Tribut zollen!

    Wir hoffen, dass viele Leute da draußen Els Moors 'Aufforderung folgen, Gedichte zu veröffentlichen.

    _______________________________

    Dieser Aufruf war mir Befehl ...


    S!|art-montage: sennestadt global - unter verwendung einer luftaufnahme von d.wittig | nw


     
    sennestadt 

    meine stadt wurde wie teig geknetet
    in eine form gedrückt
    und in den ofen geschoben: schwupps -
    war die brezel fertig

    der große bruder hat sie dann aufgefressen
    mit haut und haaren
    hat geschlungen und gewürgt daran
    sich verschluckt dabei - gerülpst

    davon zeugen noch die bröselstraßen
    die hier oft noch alleen heißen
    keine bäume stehen dort stramm
    in reih & glied schon gar nicht

    und hinten im blau 
    hinten im tau - der wald
    der kommt und schreitet und vergeht
    je nach wetterlage

    in meiner stadt knirscht der sand
    unter den puschen
    werden bemooste grabsteine zerbröselt
    zu goldfarbenen stolpersteinen

    wo elstern über die gräber hüpfen
    rollen rollatoren durch die parks
    in meiner stadt laufen und springen noch kinder
    tragen migranten ihre bunten plastiktüten

    hier ärgern nachbarn ihre nachbarn
    und schlagen im aufzug die
    augen nieder
    gut - dass es nicht mehr ist ...


    sinedi - 21.03.2018 - zum welttag der poesie

    p.s.: von wegen "heimatminister"...👆

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  • 04/21/18--10:16: liga ist liga
  • »Walser und Grass in die Seniorenliga versetzt«

    Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Klaus-Michael Bogdal über Schriftsteller und die 68er-Bewegung

    Hatte 1968 eine große Bedeutung für die deutschsprachige Literatur? Oder waren die Zeiten gar nicht so politisch, dass sich die Revolte auf dem Buchmarkt niederschlagen konnte? Darüber hat Andreas Schnadwinkel mit dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Klaus-Michael Bogdal von der Universität Bielefeld gesprochen.

    1968 und die Literatur: Waren die Phasen vor und nach der Bewegung wichtiger als das Jahr selbst?

    Klaus-Michael Bogdal: Ja, das kann man so sagen. In den 60er Jahren differenziert sich die Nachkriegsliteratur stark aus. Je nach Prägung und Strömung verhalten sich die Schriftsteller dann im Jahr 1968 recht unterschiedlich. Was vorher war, kann man also nicht abtrennen. Und was danach kam, ist von der allgegenwärtigen 68er-Revolte geprägt. Einige konservative Schriftsteller lehnen die Ideen der jungen Generation allerdings vehement ab. Die deutsche Literatur reagiert jedoch mehrheitlich neugierig auf die Bewegung oder nimmt an ihr teil. Nicht wenige Autoren und Autorinnen hatten sich schon vorher mit den Umbruchprozessen in der Gesellschaft beschäftigt und 1968 mit vorbereitet.



    Was hatte mehr Einfluss auf die Literatur um 1968: Die US-amerikanischen Beatniks um William S. Borroughs oder die Gruppe 47 samt Hans Magnus Enzensberger?

    Bogdal: Da nennen Sie zwei zentrale Kräfte, die sogar aneinander gerieten. Zum einen politisierten sich viele Mitglieder der Gruppe 47 zunehmend, zunächst im Gefolge des Auschwitz-Prozesses und wachsenden Auseinandersetzungen mit der braunen Vergangenheit der Führungseliten in Staat, Politik und Wirtschaft. Die Gruppe traf sich 1967 in Princeton im US-Bundesstaat New Jersey und stritt über die Haltung der Schriftsteller zum Vietnamkrieg, der ebenfalls zur Politisierung beitrug. Autoren wie Peter Weiss und Günter Grass positionieren sich dort unterschiedlich, was die Radikalität ihrer Kritik betraf. Zum zweiten war die Einebnung des Unterschieds zwischen Hochkultur und populärer Kultur nicht mehr zu übersehen, die in den USA ihren Anfang genommen hatte. Spektakulär und provokativ wirkte die Hinwendung von Künstlern zur Popkultur, die sich noch innerhalb der Hochkultur einen Namen gemacht hatten. Eine Schlüsselfigur war Rolf Dieter Brinkmann als Übermittler und Herausgeber der Literatur der amerikanischen Beat-Generation und als Autor von Werken wie dem »Godzilla« betitelten Gedichtband von 1968.

    1968 hat der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger in seinem »Kursbuch Nr. 15« den »Tod der Literatur« proklamiert. War das nur Provokation oder mehr?

    Bogdal: Das war eine typische dialektische Denkfigur des Adorno-Verehrers Enzensberger. Er registriert zutreffend den Bedeutungsverlust hochkultureller Literatur in vielen Bereichen. Gleichzeitig kann man aber nachlesen, dass er diesen Verlust an Bedeutung als Chance sieht, weil die Literatur damit von den hoch geschraubten Ansprüchen an sie entlastet würde. Enzensberger ist politischer Autor, aber er glaubt nicht mehr wie die bekannten Autoren der Gruppe 47, mit Romanen oder Gedichten gesellschaftliche Veränderungen bewirken zu können. Dafür sind 1968 seine politischen Vorstellungen zu radikal, als dass Literatur zu ihrer Verwirklichung etwas Entscheidendes beitragen könnte.

    In den Bestseller-Listen von 1968 steht in der Belletristik Siegfried Lenz’ »Deutschstunde« hinter Simmel und bei den Sachbüchern Rudi Dutschke hinter Erich von Däniken. Haben sich politische Bücher 1968 gut verkauft?

    Bogdal: Na ja, der absolute Bestseller des Jahres hat den symptomatischen Titel »Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung« des britischen Autors Eric Malpass. Das ist auch 68: sich der Revolte entziehen, Tradition bewahren, Risiken meiden. Aber es ist ebenso zutreffend, dass politische Bücher viel gelesen und von den Studenten geradezu verschlungen werden. Enzensbergers »Kursbuch« ist auch ein Verkaufserfolg.

    Welche Autoren hat 1968 groß gemacht: Peter Handke und Elfriede Jelinek?

    Bogdal: Zunächst einmal werden Großschriftsteller wie Martin Walser und Günter Grass in die Seniorenliga versetzt, auch wenn sie es sich nicht eingestehen wollen. Sie und andere wie Heinrich Böll, Max Frisch und Siegfried Lenz sind zwar weiterhin erfolgreich und genießen ein hohes Ansehen, aber als Leitfiguren der vielfältigen Veränderungen und der neuen sozialen Bewegungen, die nach 1968 einsetzen, spielen sie keine entscheidende Rolle mehr. Mehr als moralisches Gewissen in Streitfragen vom Terrorismus über Umweltprobleme bis zur Atomaufrüstung. Grass ist im Unterschied zu Enzensberger schon für die 68er als Sozialdemokrat der Mitte eher ein politischer Gegner als ein Stichwortgeber. Für die Generation von Schriftstellern, die in den 60ern und 70ern mit dem Schreiben beginnen, bedeutet die Krise der Nachkriegsliteratur eine Chance. Sie müssen nun konzeptionell und ästhetisch nicht mehr in den Fußstapfen der Gruppe 47 unterwegs sein. Sie können sich zum Beispiel wieder experimentell mit der Tradition avantgardistischer Literatur auseinandersetzen. Insofern öffnet 1968 gleich mehrere Türen: Peter Handke, Elfriede Jelinek, Hubert Fichte oder Rolf Dieter Brinkmann. Zur neuen Vielfalt gehört auch die Konkrete Poesie, für die Bielefeld über lange Jahre zu einem wichtigen Kommunikationsort wird.

    Jede anständige Bewegung erzeugt eine Gegenbewegung. In der Literatur hat Marcel Reich-Ranicki das Anfang der 70er Jahre »Neue Subjektivität« genannt. Was versteht man darunter?

    1968 und die Literatur: Bücher von Siegfried Lenz, Christa Wolf und anderen prägten den Zeitgeist der Protestgeneration. Foto: Gert Westdörp | NOZ


    Bogdal: Peter Handke und andere verstehen darunter, dass sie bei ihrem Schreiben nicht mehr von der Analyse der gesellschaftlichen Macht- und Lebensverhältnisse ausgehen, sondern vorrangig danach fragen, wie die Individuen diese Verhältnisse subjektiv erleben: leidend oder glücklich. Man versucht, eine Sprache zu finden, mit deren Hilfe man die Innenwelt ausleuchtet, ohne sich dem Zwang zu unterwerfen, die Erfahrung wieder auf die gesellschaftliche Realität zurückzuspiegeln. Wenn Handke nachspürt, wie die Krankheit und der Tod seiner Mutter auf ihn wirken, dann ist das ein anderes Schreibkonzept als die Beschreibung von Schizophrenen inklusive der Forderung, alle psychiatrischen Kliniken zu schließen, die unsere Normalität auf Kosten des Ausschlusses der Kranken aufrechterhalten.

    Heute verkaufen Autoren auch mit ihrer politischen Haltung Bücher. Ist das streng genommen noch Literatur?

    Bogdal: Das hängt einzig von der Qualität der Texte ab. Man kann eine Sprache finden, die ästhetischen Ansprüchen genügt, und sich in dieser Sprache politisch positionieren. Das literarische Konzept des Realismus mit politischer Ausrichtung kann wie bei Uwe Timm durchaus zu bedeutender Literatur führen.



    War Rolf Hochhuth ein Vorläufer der 68er?

    Bogdal: Ja, thematisch und auch formal. Der authentische Wahrheitskern und die dokumentarische Präsentation sind die Stärke seiner Stücke. Diese Verbindung hat literarisch zu 1968 hingeführt.

    Erleben wir durch die Flüchtlingskrise und das Aufkommen des Rechtspopulismus in Deutschland so etwas wie 1968, wenn politische Autorinnen wie die umstrittene Juli Zeh den Leuten in der Provinz den Puls fühlen?

    Bogdal: Vielleicht. Solche Autoren können ja schreiben und nähern sich kritisch gesellschaftlich zen­tralen Themen. Die Erzählung muss nicht zwangsläufig in der Gegenwart oder der Zukunft spielen, wenn man an Daniel Kehlmanns »Tyll« oder Feridun Zaimoglus Martin-Luther-Roman »Evangelio« denkt. Diese Geschichten finden in der Vergangenheit statt und erzählen sehr beeindruckend über die heutige Zeit.

    Wenn bei der Leipziger Buchmesse die Antifa gegen rechtsgerichtete Verlage protestiert, ist das ein Hauch von 68?

    Bogdal: Durchaus, vor allem im Rückblick auf die Auseinandersetzungen bei den Frankfurter Buchmessen 1968 und 1969. Wenn junge Leute sich dort zeigen, wo Bücher gelesen werden, halte ich das generell für ein gutes Zeichen.



    WESTFALEN-BLATT Nr. 93, 21./22.04.2018

    __________________________________________

    Ein Gedicht von Rolf Dieter Brinkmann

    Zerstörte Landschaft mit
    Konservendosen, die Hauseingänge
    leer, was ist darin? Hier kam ich

    mit dem Zug nachmittags an,
    zwei Töpfe an der Reisetasche
    festgebunden, Jetzt bin ich aus

    den Träumen raus, die über eine
    Kreuzung wehn. Und Staub,
    zerstückelte Pavane, aus totem

    Neon, Zeitungen und Schienen
    dieser Tag, was krieg ich jetzt,
    einen Tag älter, tiefer und tot?

    Wer hat gesagt, dass sowas Leben
    ist? Ich gehe in ein
    anderes Blau.

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  • 04/23/18--10:57: france sud
  • S!|art: nach diesem kurzen april-sommer ist es legitim, mal an urlaub zu denken ...




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    »Der Rechtsstaat war in keinem guten Zustand«

    Staatsrechtler Prof. Dr. Christoph Gusy über die Bedeutung der 68er-Bewegung für die Justiz

    Die 68er-Bewegung hat Staat und Gesellschaft verändert. Auch Rechtsprechung und Justiz. Darüber hat Andreas Schnadwinkel mit dem Staatsrechtler Prof. Dr. Christoph Gusy von der Universität Bielefeld gesprochen.

    Was bedeutet die 68er-Bewegung für den deutschen Rechtsstaat?

    Christoph Gusy: Das ist wissenschaftlich bislang eher wenig erforscht. Die juristische Zeitgeschichte hat diese Zeit noch nicht so recht eingeholt. In der Geschichtswissenschaft gibt es eine breite Debatte darüber, ob 1968 überhaupt eigenständig größere Folgen hat oder eine größere Bewegung nur beschleunigt hat. Anders ausgedrückt: Die Folgen von 68 wären auch ohne 68 eingetreten, weil das dem Großtrend der Zeit entsprach. In gewisser Weise stehe ich dieser Position nahe. Ich bin der Auffassung, dass namentlich in Deutschland die 68er-Bewegung nur im Großtrend ihres Jahrzehnts richtig gedeutet werden kann. Hier hatte sie eine Verdichtung und Beschleunigung von Ereignissen und Strömungen zur Folge, die auch ohne diese Verdichtung und Beschleunigung bestanden und erkennbar waren. Das hätte ein bisschen länger gedauert, wäre aber sonst in eine ähnliche Richtung gegangen.

    Haben Sie ein Beispiel aus juristischer Sicht?

    Gusy: Aus heutiger Sicht würde man ja erwarten, dass wegen der vielen und auch der neuen Formen der Demons­trationen, die es damals gab, das Demonstrationsrecht verschärft worden wäre. Einfach deshalb, um die neuen Formen des Protests in den Griff zu bekommen. Kurioserweise war aber das Gegenteil der Fall. Heißt im Klartext: Der Gesetzgeber machte erst einmal eigentlich nichts. Nachdem die 68er-Bewegung abgeflaut war, versuchte man, eine gewisse Bereinigung rechtlicher Altlasten hinzubekommen. Man fing an, Amnestien zu erlassen für politische Delikte, die nicht mehr so verfolgbar schienen. Man fing an, das Strafrecht zu liberalisieren, wie man auch andere Dinge liberalisierte. Und im Versammlungsrecht entdeckte man eigentlich erst jetzt das Grundrecht der Versammlungsfreiheit. Die 68er hatten insofern einen gewissen Erfolg, als die von ihnen angestrebten Ziele zum Teil verwirklicht wurden. Die Liberalisierung betraf neben dem Strafrecht auch die Rechtsprechung. Von daher reagierte der Staat hier auf Druck nicht mit Gegendruck.

    Waren die Notstandsgesetze ein Katalysator für die 68er-Bewegung?

    Gusy: Ganz bestimmt. Die Notstandsdebatte war das spezifisch Deutsche an den 68er-Ereignissen. Die Strömung hatte ihr Zen­trum ja nicht in Deutschland, sondern in den USA und in Paris. Bei uns war 68 die ankommende Welle einer internationalen Strömung. Im Mittelpunkt standen die Bewältigung der Reste der nationalsozialistischen Vergangenheit und die Notstandsgesetze. Man stellte sich nämlich damals vor, dass die Notstandsgesetze nicht nur erlassen würden, sondern auch mal angewendet würden. Was in 50 Jahren danach aber nie der Fall war. Nicht mal zu dem Zeitpunkt, als der Staat einen Notstand hatte – während der Attentate und Entführungen der Roten Armee Fraktion, der RAF.

    Und die 68er setzten die Notstandsgesetze mit Hitlers Ermächtigungsgesetzen gleich?

    Gusy: Ja, in gewisser Weise schon. Die Notstandsgesetze waren eine Art Kulminationspunkt, vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung. Man hatte in den Unterstützern der Notstandsgesetze Feindbilder, das waren damals die Innenpolitiker der CDU und CSU, welche schon länger Pläne für eine solche Gesetzgebung gehegt hatten. Auch die SPD stand als Regierungspartei der Großen Koalition in der Kritik, weil sie sich auf diese Gesetze eingelassen hatte.

    Und die Anwendung der Notstandsgesetze gegen die 68er-Proteste stand nie zur Debatte?

    Gusy: Doch. Der damalige Bundesinnenminister Paul Lücke schlug genau das vor und goss damit Öl ins Feuer. Das schweißte den Protest natürlich zusammen. Interessanterweise brach der Protest gegen die Notstandsgesetze nach deren Verabschiedung zusammen, da war die Luft raus. In Deutschland war 1968 der Protest gegen die Notstandsgesetze, durch die Notstandsgesetze bedingt und auf die Notstandsgesetze fokussiert.

    Welche Angriffsflächen hat der deutsche Rechtsstaat noch 1968 geboten?

    Gusy: Die allergrößten NS-Nachlässe waren 1968 schon beseitigt, die Beseitigung erfolgte in der ersten Hälfte der 60er Jahre. Beispielsweise wurden Anfang der 60er hochrangige Richter, die in der NS-Zeit amtiert hatten, reihenweise in den Ruhestand versetzt und damit aus der Schusslinie genommen. Dennoch gab es eine Reihe von gesellschaftlichen Praktiken und Vorschriften, die man mit dem Nationalsozialismus assoziieren konnte. So war das Strafgesetzbuch noch völlig unreformiert. Man durfte beispielsweise kein Zimmer an ein unverheiratetes Paar vermieten, und Homosexualität war noch strafbar. Auch im Familienrecht war die Gleichheit von Mann und Frau noch keineswegs so hergestellt, wie es eigentlich vom Grundgesetz vorgesehen war. Und das Grundgesetz war zu diesem Zeitpunkt immerhin 20 Jahre alt. Kurz gesagt: Der Rechtsstaat war 1968 durchaus noch in keinem guten Zustand und bot Angriffsflächen.

    Gibt es dafür noch weitere Beispiele?

    Gusy: 1966 erklärte das Bundesverfassungsgericht das so genannte Sammlungsgesetz für verfassungswidrig. Darin stand auch 1966 noch, dass Sammlungen nur zulässig seien für die Partei (d.h. die NSDAP) und deren Untergliederungen. Das war ein typisches Relikt, das stehen geblieben war. Es bestand also ein Reformstau, der zum Teil bis in die Weimarer Republik zurückreichte.


    "Wenn's denn der Wahrheitsfindung dient" - Rudi Dutschke und Fritz Teufel | Foto Keystone|Tagesspiegel - coloriert


    Haben sich seit oder durch 1968 in Rechtswissenschaften und praktischer Justiz entscheidungsrelevante Wertvorstellungen verändert?

    Gusy: Ja, ganz eindeutig. Das erkennt man besonders auffällig daran, dass sich einer der stärksten Proteste gegen die Justiz richtete. Der Satz des Aktivisten Fritz Teufel »Wenn’s denn der Wahrheitsfindung dient« ist bis heute ein geflügeltes Wort. Damals ging es um die Frage, ob man aufstehen müsste, wenn der Richter den Gerichtssaal betritt. Plötzlich wurde die Sinnfrage gestellt. Und die Justiz hat in dieser Beziehung tatsächlich erhebliche Entwicklungen genommen. Das obrigkeitliche Gehabe wird entspannter gesehen, die Architektur der Gerichtssäle hat sich in Richtung Konferenzraum verändert. Entscheidend für die Veränderungen in der Justiz ist auch, dass der Rechtsapparat keine Männerdomäne mehr ist, wie er es damals war.

    Sind die Urteile lascher geworden?

    Gusy: 1968 war die Resozialisierung eines Straftäters ein neuer Ansatz. Bis dahin herrschten der Vergeltungs- und Präventionsgedanke vor. Und dass es mit der Resozialisierung auch heute noch nicht weit her ist, sehen wir daran, dass es in der Haft oft zu wenige Therapiemöglichkeiten gibt und die Rückfallquoten zum Teil hoch sind.

    Der »Marsch durch die Institutionen« hat auch in den Justizapparat geführt. Ist 1968 verantwortlich für das, was heute »Kuscheljustiz« genannt wird?

    Gusy: Resozialisierung bedeutet ja nicht »Kuscheljustiz«. Auch der resozialisierende Staat hat seine Freiheitsstrafen und seine Sicherungsverwahrung. Man kann sagen, dass die Justiz seit 68 sensibler geworden ist, was die Menschen und ihre Umwelt angeht. Seit dieser Entwicklung gilt die Empathie den Tätern, sofern sie selbst Opfer gesellschaftlicher Verhältnisse sind, und auch den Opfern, die bis dahin im Prozess kaum vorkamen.


    WESTFALEN-BLATT, Nr. 95, 24.04.2018, S. 5
    http://www.westfalen-blatt.de/Ueberregional/Die-68er

    In der Geschichtswissenschaft gibt es eine breite Debatte darüber, ob 1968 überhaupt eigenständig größere Folgen hat oder eine größere Bewegung nur beschleunigt hat. Anders ausgedrückt: Die Folgen von 68 wären auch ohne 68 eingetreten, weil das dem Großtrend der Zeit entsprach. In gewisser Weise stehe ich dieser Position nahe. Ich bin der Auffassung, dass namentlich in Deutschland die 68er-Bewegung nur im Großtrend ihres Jahrzehnts richtig gedeutet werden kann. Hier hatte sie eine Verdichtung und Beschleunigung von Ereignissen und Strömungen zur Folge, die auch ohne diese Verdichtung und Beschleunigung bestanden und erkennbar waren. Das hätte ein bisschen länger gedauert, wäre aber sonst in eine ähnliche Richtung gegangen.
    Da sind nun die Staatsrechtler und Historiker am Zuge, um über 50 Jahre Vergangenes ein Resümee zu ziehen - und es gelingt ihnen nicht, den Begriff "68er" eindeutig zu benennen und in seinem Umfang und seiner Bedeutung und Ausdehnung zu definieren und einzugrenzen. 

    Für mich als bekennenden 68er umfasst der Begriff der "68er" alle Dynamiken, die europa- und sogar weltweit im "Großtrend der Zeit" (Christioph Gusy) im gesellschaftlich-kulturellen Bereich befeuert wurden. Diese Dynamiken bekamen dann umgangssprachlich und "volkstümlich" das Etikett "68er" kennzeichnend aufgepeppt.

    Das war so ein "Ruck" der durch die nach Kriegsende noch immer verkrustete Welt ging - im Kleinen wie im Großen.

    Man kann die "68er" nicht eingrenzen auf die tatsächlichen Geschehnisse Anno 1968 - und auch nicht auf die Handvoll krakeelender und protestierender Studenten des SDS in Berlin. Das waren nur die populären Marginalen in diesem "Ruck", den bereits der Bundespräsident Roman Herzog 30 Jahre später - 1997 - wieder für Deutschland herbeisehnte.

    Es ist schon ein wenig wie die Quadratur des Kreises, dass alle Medien nach 50 Jahren die "68er" in den Fokus rücken, um den Begriff gewinnträchtig zu vermarkten, wo doch gleichzeitig "historisch" gestritten wird darüber, ob überhaupt und welche Bedeutung diesem "künstlichen konstruierten Begriff" nun zukommt ... - aber das ist ja Teil der Medienkampagne im Aschenputtel-Stil - je nach politischem Gusto und belieferter Klientel: "Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen" ...

    Auf alle Fälle - es tat sich vor ca. 50 Jahren weltweit etwas, was man heute die "68er" nennt ...- die einen mit Stolz, die anderen voll Abscheu - und mit vielen, die sich nicht durchringen können und diese Epoche einfach verdrängen wollen ...

    Und man kann sich durchaus da auf etwas verständigen, was die Zeilen in den Gazetten füllt und was auf dem wie auch immer gefärbten Sofa in den Talkshows um der flankierenden Werbeeinnahmen willen bekakelt wird ...

    "68er" - da war doch was ... - S!


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    MULTIKULTURELLE GESELLSCHAFT

    „Wir alle sind einmal der andere gewesen“

    Die US-Ahnenforscherin Jennifer Mendelsohn entlarvt einwanderungsfeindliche Politiker, indem sie ihnen die eigene Familiengeschichte unter die Nase reibt. Denn der Stammbaum verrät, was viele vergessen wollen.

    Hannes Stein | WELT

    Hashtag #resistancegenealogy: Jennifer Mendelsohn twittert zur Ahnenforschung

    Jennifer Mendelsohn ist eine freiberufliche Journalistin, die in Baltimore lebt. Bis gerade eben kannte ihren Namen kein Mensch. Aber dann fing sie, in ihrer Küche und in Hausschuhen, an, über Ahnenforschung zu twittern – mit dem Hashtag #resistancegenealogy. Damit nahm sie in Amerika jene Politiker aufs Korn, die sich gegen Einwanderer aussprachen: Sie entlarvte sie als Heuchler.

    WELT: Wie kam es zu Ihren Tweets?

    Jennifer Mendelsohn: Ich interessiere mich schon seit Jahren intensiv für Ahnenforschung. Alle meine Großeltern waren osteuropäische Juden, und während ich meinen Familienstammbaum untersuchte, stieß ich – was unausweichlich war – auf Themen wie jenes, dass Leute versuchten, als Flüchtlinge anerkannt zu werden, oder verzweifelt versuchten, in die Vereinigten Staaten zu gelangen. Mit der Zeit wurde mir klar, dass die historische Forschung über meine Familie Bedeutung für die heutige Situation hatte, vor allem, als der Einreisestopp gegen Muslime beschlossen wurde. Also verwendete ich Geschichten aus meiner eigenen Familie, um ein Licht auf den Einreisestopp gegen Muslime zu werfen. Als dann die Rhetorik der Regierung Trump immer aggressiver gegen Einwanderer wurde, dämmerte mir eines Tages, dass es sehr wenige Amerikaner gibt, die ihre Geschichte nicht auf Einwanderer zurückverfolgen können.

    WELT: Eigentlich nur die Ureinwohner Amerikas.

    Mendelsohn: Die Ureinwohner Amerikas und die meisten Afroamerikaner, deren Vorfahren gegen ihren Willen als Sklaven hierher verschleppt wurden. Die meisten anderen können ihre Familiengeschichte bis zu irgendeinem Schiff zurückverfolgen – die Frage ist nur, wann dieses Schiff angekommen ist. Wirklich angefangen habe ich mit dem Tweeten, als Steve King, der republikanische Kongressabgeordnete aus Iowa, im letzten Januar sagte, wir könnten unsere Zivilisation nicht mit den Babys anderer Leute wiederherstellen. Ich dachte: Wir waren alle irgendwann die Babys anderer Leute! Also beschloss ich, mir seinen Stammbaum anzuschauen.

    WELT: Und was haben Sie gefunden?

    Mendelsohn: Seine Großmutter kam 1894 als Kind aus Deutschland. Das heißt, sie war ganz buchstäblich eines von diesen Babys.

    WELT: Ein sehr brenzliges Thema in Amerika ist im Moment die „Kettenmigration“, also der ungehinderte Zuzug von Familienmitgliedern.

    Mendelsohn: Dan Scavino Jr., der im Weißen Haus für soziale Medien zuständig ist, hat gesagt: „Kettenmigration erwürgt Amerika.“ Nun ist „Kettenmigration“ nur ein böses Wort für eine ganz normale Sache, nämlich Familienzusammenführung. Sie gehört zu den Fundamenten unserer Einwanderungspolitik: Einwanderer und Besitzer von „Green Cards“ können ihre engsten Familienmitglieder mitbringen. Jeder, der überhaupt irgendetwas über die Geschichte der amerikanischen Einwanderung kennt, weiß auch, dass das der Geist war, in dem die überwältigende Mehrheit der Einwanderer nach Amerika gekommen ist – und zwar lange, bevor es gesetzlich verankert wurde. Irgendjemand kam hier an, sparte Geld und brachte dann den Rest der Familie über den großen Teich: einen nach dem anderen.

    Ich habe mir also den Stammbaum der Familie Scavino angeschaut. Dabei stellte sich heraus, dass Dan Scavino Jr., der so sehr gegen „Kettenmigration“ wettert, selber das Resultat einer „Kettenmigration“ ist. Sein Urgroßvater war ein Einwanderer; er war das dritte von fünf Geschwistern, von denen jeder in einer Kette herüberkam, also die Schiffspassage für das nächste Familienmitglied bezahlte, das herüber wollte, und als dessen Kontaktperson aufgeführt wurde.

    WELT: Können Sie mir erklären, warum eine Nation wie die Vereinigten Staaten, die von Einwanderern gegründet wurde und in deren Gründungsdokumenten von dem „Recht auf Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück“ für jedermann die Rede ist, in unregelmäßigen Abständen durch fiebrige Anfälle von Fremdenhass geschüttelt wird?

    Mendelsohn: Das müssen größere Geister als ich beantworten. Ich kann Ihnen nur sagen, dass Benjamin Franklin schon 1751 schrieb, er fürchte, die Deutschen in Pennsylvania könnten nie assimiliert werden und dass sie eher versuchen würde, uns zu Deutschen zu machen, als dass es uns gelingen würde, sie zu amerikanisieren. Und dass sie nie und nimmer Englisch lernen würden. Klar ist, dass Furcht vor dem Fremden eine Rolle spielt – hinzu kommt leider Rassismus, da die gegenwärtige Welle von Immigranten dunklere Haut hat als frühere Einwanderer.

    Andererseits gibt es da die Geschichte meiner Großmutter. Sie ist die einzige gebürtige Amerikanerin: Ihre Wiege stand 1906 in New York. Und ihre Schwestern wollten nicht, dass sie meinen Großvater heiratet. Warum? Nun, weil er ein Einwanderer war. Ich wurde neugierig und forschte nach und stellte fest, dass eine jener Schwestern 1895 in New York geboren worden war. Ihre Mutter aber war 1891 angekommen, also nur vier Jahre früher – aus der heutigen Ukraine. Es gibt, scheint’s, ein Anspruchsdenken, das sich blitzschnell entwickelt. Man bekommt die amerikanische Staatsbürgerschaft, also ist man Amerikaner, und plötzlich sind die anderen nicht mehr gut genug, um Amerikaner zu sein.

    WELT: Das ist ja wie im Zugabteil! Der Erste, der dort sitzt, fühlt, dass ihm das Abteil ganz allein gehört. Wenn der Nächste zusteigt, funkelt er ihn giftig an. Aber wenn an der Haltestelle danach ein dritter Fahrgast die Abteiltür öffnet, sind die ersten beiden schon Alteingesessene. Darum verteidigen sie nun gemeinsam ihr Territorium mit bösen Blicken. Wahrscheinlich ist das Ganze genetisch veranlagt.

    Mendelsohn: Ich weiß nicht. Wahrscheinlich fühlen Leute sich besser, wenn sie auf andere herabschauen können. Jedenfalls gibt es Millionen von amerikanischen Karikaturen, die sich gegen Einwanderer richten. Dan Scavino Jr. sollte sich mal anschauen, wie früher über Amerikaner italienischer Abstammung geredet wurde. Wir alle sind irgendeinmal „der Andere“ gewesen.

    WELT: Wenn Sie Jüdin osteuropäischer Abstammung sind, haben Sie Familienmitglieder im Holocaust verloren.

    Mendelsohn: Der tiefste Verlust für meine Familie war der Bruder meines Großvaters und seine gesamte Familie. Mein Großvater war eines von sieben Geschwistern. Sie alle kamen zusammen mit ihrer Mutter nach Amerika, aber dem ältesten Bruder, der 1913 für ein Jahr in die Vereinigten Staaten kam, gefiel es in New York nicht, also fuhr er zurück. Wir haben eine Folge von zunehmend verzweifelten Briefen, die er 1939 aus dem von den Nazis besetzten Polen schrieb und in denen er seine Familie in New York anflehte, ihm zur Flucht zu verhelfen – später flehte er, einer von seinen Töchtern zu helfen. Er sagte, er werde einen Brief an Präsident Roosevelt schreiben und ihm sagen, dass er Familie in Amerika habe und dass seine Eltern in Amerika begraben seien. Aber es half alles nichts. Er und seine Frau und ihre vier Töchter wurden ermordet.

    Diese Geschichte kannte ich, als ich aufwuchs, weil mein Großvater sie mir erzählte, der durch diesen Verlust natürlich am Boden zerstört war; sie hing wie ein Schatten über meiner Familie. Doch als ich anfing, Ahnenforschung zu betreiben, fand ich mehr als fünfzig Mitglieder meiner weiteren Familie, die ermordet wurden, darunter Cousins ersten, zweiten und dritten Grades meines Großvaters väterlicherseits. Ganze Zweige meines Stammbaumes wurden dezimiert. Ich hatte außerdem das Glück, die Großmutter meines Mannes kennenzulernen. Sie war eine Überlebende des Holocaust. Sie starb im vergangenen Jahr. Ihre gesamte engere Familie wurde ermordet.

    WELT: Wenn man in Amerika den Fernseher einschaltet, sieht man viele Firmen, die DNA-Tests anbieten, mit deren Hilfe man herausfinden kann, wo die Vorfahren herkommen. Was halten Sie davon?

    Mendelsohn: Ich finde es großartig. Ich habe DNA-Tests mit großem Gewinn benutzt, um meinen eigenen Stammbaum zu erforschen; sie sind ein wunderbares neues Instrument im Werkzeugkasten des Ahnenforschers.

    DIE WELT edition © Axel Springer SE. Alle Rechte vorbehalten

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    nichts ist so beständig wie der wandel - lautet eine doch so paradox klingende binsenwahrheit - und nichts ist so migrationsmäßig vielgliedrig durchzogen wie der ahnen-stammbaum der angeblich "alt-eingesessenen" ...

    ja - selbst der name orbán ist sooo ur-magyarisch-ungarisch nicht - und der name ist im belgischen und lothringischen durchaus auch in alten zeiten anzutreffen: was war also zuerst? - huhn oder ein??? ...

    ich glaube - ein "normaler" stammbaum strotzt nach so vielen großen kriegen mit fluchtaktionen von a über b nach c nur so vor familien-urahnen - allesamt mit migrationshintergrund ... - und meistens waren das schlichtweg neben der flucht vor der vernichtung besonders auch die flucht aus wirtschaftlichen gründen. gerade in den vielvölkerstaaten des balkan waren es ja nach dem 30-jährigen krieg und den türkenkriegen "staatlich" eingesetzte "menschenwerber", die sogar mit finanziellen mitteln für die einwanderung warben - und viele machten sich wegen der erbfolge bei nacht und nebel auf den weg ...-S!


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    für internationale studien zum opfer-schicksal meiner tante erna kronshage, die 1944 in einer "nazi-tötungsklinik" umgbracht wurde, habe ich hiermit einen ersten kurz-überblick in vermeintlich englischer sprache (automatisch übersetzt mit translator) als blog ins netz gestellt. per links kann man hier auch bei interesse zu den multimedialen info-seiten weiterclicken.
    for international studies on the fate of my aunt erna kronshage, who was killed in a "nazi death clinic" in 1944, i have put a first short overview in supposed english language (automatically translated with translator) as a blog on the net. you can also click here for more information on the multimedia pages.

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    ich möchte heute auf das anlaufen eines films am 03.05.2018 - wohl hauptsächlich in den einschlägigen programmkinos - hinweisen:

    Eleanor & Colette (Originaltitel 55 Steps) ist eine belgisch-deutsche Filmbiografie von Bille August, die im September 2017 im Rahmen des Toronto International Film Festivals ihre Weltpremiere feierte und am 3. Mai 2018 in die deutschen Kinos kommen soll.

    Im Film tut sich die unter einer chronischen paranoiden Schizophrenie leidende Eleanor Riese mit der Patientenrechtsanwältin Colette Hughes zusammen, um ein Mitspracherecht bei der Medikation von Patienten mit psychischen Krankheiten durchzusetzen.


    click dazu auch hier

    Ein ttt-Beitrag dazu wurde ebenfalls gesendet (click here)

    Da der Film in Köln mitproduziert wurde, gibt es den folgenden Beitrag inh der "westart" dazu: 

    San Francisco in Köln am Rhein? Die Filmfirma Elsani macht's möglich. Chefin Anita Elsani hat die Produktion von "Eleanor & Colette" mit Hilfe der Film- und Medienstiftung NRW in die Domstadt geholt. Gedreht wurde in den MMC Studios und an verschiedenen Orten im Rheinland. Autor/-in: Christof Boy
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    ich bin gespannt auf diesen film: er ist ja vielleicht in etwa die fortsetzung der geschichte meiner tante erna kronshage - wenn sie eben nicht 1944 in der vernichtungsanstalt tiegenhof von den akteuren der nazi-psychiatrie umgebracht worden wäre. ich stelle mir wenigstens vor - erna hätte auch gekämpft, wenn man ihr nicht medikamentös und physisch den eigenen willen gebrochen hätte.

    als beispielsweise die drei richter des mobilen ns-erbgesundheitsgerichtes bielefeld erna kronshage am 29.03.1943 - also vor 75 jahren - mutterseelenallein in einem raum in der provinzialheilanstalt gütersloh befragen, um über ihre bevorstehende sterilisierung von rechts wegen zu befinden und zu entscheiden - wird ihre verstörte und verzweifelt unsichere reaktion auf diese makabere szene, die ein „unmotiviertes auflachen“ ist - von ihr auf befragen kommentiert mit: „mein lachen ist weinen“...

    und diese an sich ja tiefgründige antwort wird von den drei akademisch ausgebildeten herren (obermedizinalräte und richter) mit als indiz für eine bei ihr angeblich vorliegende "schizophrenie" gewertet...

    aber die 20-jährige erna lacht ja, um nicht losheulen zu müssen, weil sie sich ihrer tränen vor diesen herumschwadronierenden männern schämen würde – denen sie da in dieser heiklen und existenziell intimen frage ausgeliefert ist...

    und doch: erst in den 80er jahren wurden den psychiatrisch erkrankten menschen persönliche grundrechte zugestanden ... - in den usa und dann auch in der westlichen hemisphäre - also das lag (und liegt vereinzelt) immer noch weltweit im argen ... - S!




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    diese sendung "STOLPERSTEINE" vom schüler-radio "kurzwelle" der "hans-ehrenberg-schule" in sennestadt bekam 2015 einen anerkennungspreis beim bürgermedienpreis der landesanstalt für medien nrw 2015 - für dieses interview


    Bielefeld-Sennestadt - 
    Hier - direkt am Fußgänger-Überweg
    der Schranken-/Ampelkreuzung
    Verler Straße - Krackser Straße - 
    Sender Straße - in Laufrichtung
    Bahn-Haltepunkt/Buskehre befindet
    sich der "Stolperstein" zum Gedenken
    an Erna Kronshage ... (vorn im
    Bild - im Hintergrund hinter den
    Bahnschienen das Geburtshaus - 
    der "Mühlenkamp" - Verler Straße 76

    Der Stein wurde erst kürzlich
    wegen eines fehlerhaften Eintrags
    neu gelegt!



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  • 04/27/18--00:28: work of art
  • click here

    Das Künstlerpaar Eva und Adele im me Collectors Room in ihrer Ausstellung in Berlin (dpa / picture alliance / Annette Riedl)



    Retrospektive von Eva & Adele in Berlin

    Kunst und Leben vereint

    Eva & Adele im Gespräch mit Eckhard Roelcke


    Die Trennung von Kunst und Leben überwinden – das war schon immer der Traum der Avantgarde. Eva & Adele sind diesem Traum sehr nahe gekommen, wie eine Retrospektive des Künstlerpaares in Berlin zeigt.

    L’amour du Risque nennt sich die Retrospektive von Eva & Adele und die Liebe zum Risiko hat sich unter anderem in ihren Outfits ausgedrückt. 165 Kostümpläne sind zu sehen in Berlin – immer glamourös, gerne in Rosa und mit Perlen. Seit 1991 gibt es Eva & Adele als Kunstwerk, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr, da blieben Anfeindungen nicht aus.

    Gegen die düsteren Seiten hilft nur "futuring"

    "Es war schon sehr drastisch. Das sind unsere düsteren Jahre, am Anfang unseres Werkes. Dadurch dass wir glücklicherweise zu zweit sind, haben wir uns bei den Händen genommen und sind wacker drauf los und haben sehr schnell gelernt mit all dem umzugehen, mit den düsteren Seiten des Lebens um uns herum und haben gelernt 'futuring' zu leben und 'futuring' in die Welt zu setzen", erzählt Eva.

    Da springt Adele Eva zur Seite und erläutert 'futuring': "Wir wurden mit unglaublich viel Unverständnis konfrontiert, selbst in der Kunstwelt. Vielen war es wahnsinnig peinlich, wenn wir plötzlich neben ihnen standen. Und all diese Momente, die muss man dann aushalten als Künstler und Du denkst dann immer 'Mein Gott, kennen die die Kunstgeschichte nicht. Haben die noch nichts gehört von den Avantgarden vergangener Jahre?' Aber trotz dieser Hürden war unser Wille zur Durchsetzung da, gepaart mit einer guten Portion Revolte. Und immer, wenn ich gedacht hab, mir ist das jetzt zu viel, ich schaff es nicht, war immer Eva die, die gesagt hat 'weiter, weiter'."

    Das Künstlerpaar Eva und Adele in einem Studio von Deutschlandfunk Kultur (Deutschlandradio / Susanne Utsch)



    Es gibt keinen Urlaub von Eva & Adele

    Und weiter ging es in der Tat. Urlaub von Eva & Adele gibt es nicht. "Ich glaube, wirkliche Künstler brauchen keinen Urlaub", sagt Eva. "Es gibt sogar eine Arbeit, die heißt 'Die Ferien von Eva & Adele'. Aus der Gruppe Transformer/ Performer. Wir haben versucht, Ferien zu machen. Wir sind ans Meer gefahren, haben unsere Strandspaziergänge gemacht und atmen die frische Luft und schlafen ruhig. Aber am zweiten Tag haben wir schon begonnen zu zeichnen. Und auf der Rückreise haben wir bei Freunden gestoppt und hatten plötzlich die Idee, diese Blätter collagieren wir jetzt", ergänzt Adele.

    "Die Idee, Kunst und Leben zu einem zu machen, das ist grade bei uns ganz, ganz wichtig", bilanziert Eva.

    Deutschlandfunk Kultur

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    Instagram/artculturecotedazur

    Eva & Adele sind die lächelnden Eierköpfe des Kunstbetriebs. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Expressionismus, Pop und Trash - und sollen vor allem Feindseligkeit überwinden




    EVA & ADELE

    Ihre Freundlichkeit macht uns fertig

    Zum Berliner Gallery Weekend zeigt das Künstlerpaar Eva & Adele seine neuen Werke. Seit 27 Jahren bringen die kahlen Zwillinge im Geiste der notorisch humorlosen Kunstwelt das Lachen bei.

    Von Lisa Schmidt-Herzog


    Die Türen schwingen auf, und perfekt manikürte Hände heißen einen willkommen, dazu zwei Augenaufschläge in irisierenden Farben. So beginnt ein Besuch bei Eva & Adele in ihrem Atelier in Berlin-Charlottenburg. Seit 27 Jahren lebt das Künstlerpaar von seiner einprägsamen Transgender-Erscheinung: kahl rasierte Schädel, tadelloses Make-up, dazu eine schillernde Garderobe, die sich immer bis aufs Miederhöschen gleicht. Eva & Adele behaupten, aus der Zukunft zu stammen, und lachen über die gelegentliche Lästerei, sei seien in den Neunzigern hängen geblieben. Aber zweifellos war das ihr Jahrzehnt; hier tauchten sie bei jedem denkbaren Kunstevent auf. Trotz mancher Abnutzungserscheinungen: die Blicke sind ihnen seit jeher sicher.

    Ihre an absurdes Theater erinnernden Besuche auf Kunstmessen und Vernissagen sind streng choreografiert, jedes Interview wird zur Performance. Ihr öffentlicher Auftritt als hermaphrodites Zwillingspaar ist von ihrem Werk nicht zu trennen. Dabei wird eines manchmal vergessen: Hinter der Maske des scheinbar alterslosen Glamourgespanns stehen zwei bildende Künstler*innen (das kann man hier ausnahmsweise mal so schreiben), die nicht nur vor der Kamera posieren, sondern auch selber fotografieren, malen, zeichnen. Ihre Arbeiten bewegen sich irgendwo zwischen abstraktem Expressionismus, Pop und Trash. Sie wurden schon im Musée d’art moderne de la Ville de Paris ausgestellt, in der Londoner Tate Gallery oder im japanischen Hara Museum für zeitgenössische Kunst.

    me berlin.com: eva & adele - l'amour du risque

    „Wherever We Are Is Museum“ – ihr früher Wahlspruch zeugt von einer gesunden Portion Größenwahn und vom Talent, diesen Anspruch auch Realität werden zu lassen. Erstmalig erprobt haben sie ihren Sprung in die Wahrnehmung der Kunstwelt 1991 im Berliner Martin-Gropius-Bau. Als glatzköpfige Pierrots in weißen Brautkleidern platzten sie in die „Metropolis“-Ausstellung, die damals die aktuelle Kunst der Zeit zeigen wollte, aber Eva & Adele nicht berücksichtigt hatte. Ihr Auftritt zelebrierte die gleichgeschlechtliche Ehe als künstlerische Aktion – drei Jahre bevor die Strafbarkeit von Homosexualität durch Paragraf 175 abgeschafft wurde.

    Ob sie davon betroffen waren? Auch beim nettesten Plausch in ihrer offenen Atelierküche achten Eva & Adele peinlich darauf, keine privaten Informationen über ihre Vergangenheit herauszulassen. Zwischen Mandelgebäck und Espresso dringt ab und zu aber doch ein Bekenntnis durch. So zum Beispiel, dass Eva seit frühester – biologisch männlicher – Kindheit damit beschäftigt war, sich zum heroischen Einzelkünstler zu erziehen. Der feministisch geprägten Eva war das ein Dorn im Auge, als sie ihren späteren Partner 1989 kennenlernte. Sie wollte damals ein Zeichen setzen gegen solche Selbstvergötterung in der Kunst. Im Nachhall der Neoexpressionisten oder der Neuen Wilden war der Künstler-Machismo noch immer omnipräsent.

    Aber sie fanden zusammen, auch wenn bei ihrer ersten gemeinsamen Videoarbeit „Hellas“ von Eyeliner geschwärzte Tränen in Strömen geflossen seien: „Wir saßen am Rande eines Hügels in Griechenland und dachten, dass wir zu schlimm sind und dass wir zwei Sturköpfe es nicht schaffen werden, gemeinsam Eva & Adele zu sein.“ Und wie zur Bestätigung tupft die eine der anderen behutsam das Auge trocken, wenn ein leichter Allergieschub die Wange befeuchtet.

    Selbst wenn sie damals nicht immer an ihr Lebensprojekt geglaubt haben, gab es doch mindestens zwei gute Gründe, „Eva & Adele“ am Laufen zu halten: die Liebe und der unbedingte Wille, etwas in die Welt zu setzen, das diese noch nicht gesehen hatte. Ihr Konzept ist der situative Eingriff in die Leben anderer Menschen. Ihrer Malerei liegen Zusendungen von Fremden zugrunde, die auf der Straße um ein gemeinsames Foto gebeten haben. Die Herstellung dieses Kontakts ist sowohl Intervention als auch Begegnung. Vor allem dann, wenn er nicht den Erwartungen entspricht: Das sind gar keine Exzentriker, die ausschließlich in Mäusemilch baden und Morgenmäntel aus Schlangenleder tragen?

    Tatsächlich kaufen Eva & Adele im Bio-Supermarkt, machen im pink Camper am Wannsee Urlaub und lieben die Torten eines Berliner Hipster-Konditors. Na so was. In Steve Barrons Filmkomödie „Die Coneheads“ machen die Erdbewohner eine ähnliche Beobachtung: Die Außerirdischen sind dort eigentlich sehr nett! Eva & Adele sind die Eierköpfe des Kunstbetriebs. Ihre Botschaft lautet, dass Akzeptanz einen Prozess des Kennenlernens voraussetzt.

    Trotz ihres freundlichen Wesens klappt das nicht immer. Unison berichten Eva & Adele von Zusammenstößen mit Menschen, die ihnen nicht so wohlgesinnt sind, die im Flugzeug nicht neben ihnen sitzen wollen oder die ihren Kindern die Augen verdecken, wenn sie vorbeigehen. Jedes Bild, auf dem sie abgebildet seien, zwinge irgendjemanden, es anzusehen, der sie aus seinem Weltbild lieber ausschließen würde, weil ihm aufdringliche Kunstzwillinge sauer aufstoßen, sagen sie. Ihre Ausstellung, die zum Berliner Gallery Weekend im Me Collectors Room eröffnet, ist als Konfrontationstherapie zu verstehen. Beim Gang durch die halb fertige Schau „L’Amour du Risque“ räumt Adele ein: „Diese Leute müssen mit unserem Bild, unserem Lächeln, unserer Freundlichkeit fertig werden. Und das ist ein extrem politisches Statement.“

    Unwillkürlich fragt man sich: Wann habe ich eigentlich zuletzt im Museum gelacht? Zügelloses Lachen gilt als exaltiert und daneben, in dieser Einschätzung unterscheidet sich die Kunstgeschichte nicht vom Jesuitenpater in Umberto Ecos „Der Name der Rose“, der überzeugt ist: „Lachen entstellt die Gesichtszüge und macht die Menschen den Affen gleich.“

    Eva & Adele sind zum Lachen, weil sie systematisch absurde Momente produzieren. Dabei stellen sie zur Diskussion, was eigentlich lachhaft ist: zwei Glatzen im Lackkostüm oder die Unfähigkeit, das auszuhalten? Die Andersartigkeit von Eva & Adele muss nicht jeder vorbehaltlos abfeiern, aber respektieren und ertragen können. Darin liegt ein tief humaner Anspruch: einerseits die Überwindung von Feindseligkeit und andererseits von blindem Zuspruch aus Angst, Befindlichkeiten zu verletzen. Diese Einsicht ist fundamentaler Bestandteil der Marke Eva & Adele.

    Eva & Adele, „L’amour du risque“, 27. April bis 27. August 2018, Me Collectors Room, Berlin

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    in fortführung der maxime von joseph beuys "jeder mensch ist ein künstler" haben sich eva & adele auf den patt gemacht mit ihrer philosophie: "der mensch ist kunst - das leben ist kunst" und bei zweien ist es eben kunst hoch ² - ja sogar: "wo immer wir sind, ist das museum"/"wherever we are is museum" ... - und sie haben diese strategie "penetrant" (wenn dieser ausdruck hier erlaubt ist) durchgehalten ... 

    anfangs - vor über 25 jahren - sind sie den vernissagisten auf die nerven gegangen mit ihrem getue - bis es bei denen dann allmählich "klick" gemacht hat und gefunkt hat - und sie dazugehörten - wie ein neuerworbenes dauerinventar - und das hat gedauert - und es hat rückschläge gegeben.

    ja allmählich merkte das interessierte publikum, dass es den beiden nicht einzig um klamauk ging - wie wir es z.b. von jonathan meese immer noch kennen: provokation um der provokation willen ... - aber dem meese haben ja pegida und afd inzwischen ganz un-art-ig längst den rang abgelaufen ...

    fast im zarten rosa und gepuderten heiteitei-gegenteil kommen nun eva & adele daher: perfekt gepflegt und "mit stil", den sie him-/her-self kreiert haben ...: sie selbst - ihr gehabe, ihre wohnung, ihr atelier und ihre werke bilden das neuartige multitasking-gesamtkunstwerk ... - und die kunsthistoriker müssen nun eine neue kategorie zur einordnung bilden ...: wie etwa der "eva-&-adele-stijl" - wobei in diesem falle"weniger nicht mehr wäre" ...

    um so etwas zu kreieren und durchzuhalten und inzwischen schon zum inventar jeder großen vernissage zu gehören - und dabei sogar auch noch eigene betörende werke über sich selbst hinaus zu schaffen - das hat schon klasse ... - das kommt nie überzogen daher - sondern hat sich profiliert und sich raum genommen.

    das ist so gut - die beiden sind so gut - dass man ihr zweisames alleinstellungsmerkmal wohl nie kopieren wird können - unerreichbar ... - S!

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    Ein "Kulturzeit"-Interview mit Bettina Röhl - click here


    also - ich bin in diesem fall mal wieder eher "all-parteilich" ... für beide verhalten gab und gibt es ja persönliche innerpsychische erklärungen - aber der bettina röhl möchte ich sagen, dass ich es nicht fair finde, wenn sie ihre mutter nun im nachhinein bloßstellt und vorführt... - die kann sich nämlich nicht wehren - und ihre sicht der dinge von damals kundtun bzw. erwidern. -S!

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    Spiegel-Titel Nr. 18 v. 28.04.2018 (Ausschnitt)
    vielleicht ist das ja höheren orts in wirklichkeit gemeint wenn vom "dreieinigen" gott die rede ist ... : diese attribute, diese zeichen - und dieses 2-malige "ach" dazwischen - eben dieser "abrahamitische" gott, wenn man die zeichen richtig deutet:
    • ein muslimischer allah - einhergehend mit
    • dem christlichen gott und einhergehend mit dem 
    • gott des davidsterns am schluss - als zeichen für den jüdischen glauben ... - 
    und allen drei gemeinsam ist eben der stammvater "abraham/ibrahim", der in den heiligen schriften aller drei richtungen gleichermaßen verehrt wird ...

    ich habe bei wikipedia nachgeschaut:

    als jüngste eigenständige religion, die sich auf den bund abrahams bezieht, wird in den vergleichenden religionswissenschaften
    • das "bahaitum" genannt, das aber bisher nur vereinzelt als abrahamitische religion aufgeführt wird. den bahai gilt abraham als „gottesbote“, als „von gott erwählter“, als stammvater späterer religionsstifter und als „vorbild im rechten glauben“: uns christen erinnern all diese attribute ja auch an jesus ... - im bahaitum gelten die schriften bahāʾullāhs als geoffenbartes wort. die bibel und der koran, aber auch die schriften anderer religionen (wie die lehrgespräche buddhas) werden ebenfalls als heilige schriften verehrt und neben den umfangreichen schriften bahāʾullāhs in den bahai-tempeln rezitiert.
    außerdem verstehen sich
    • ein "abrahamisches forum" wurde am 6. februar 2001 im martin-buber-haus in heppenheim an der bergstraße vom interkulturellen rat in deutschland gegründet. es ist ein zusammenschluss von juden, christen, muslimen, bahai mit wissenschaftlern und experten, die sich auf abraham berufen und sich für ein friedliches zusammenleben einsetzen. in seiner arbeit ist das "abrahamische forum" offen für andere religionen.
    und ich habe ja neulich hier schon einmal den traum geäußert, dass eines tages auf dieser grundlage diese drei großen weltreligionen zusammenkommen - das würde den weltfrieden ein großes stück näherbringen - aber dazu müssten das "forum" und die beteiligten kircheninstitutionen beschleunigt in die pötte kommen S!
    S!|graphic nach einer abraham/ibrahim-comic-darstellung der amerikanischen zeugen jehovas


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    • 04/28/18--06:33: kernspaltungen


    • Albert Giacometti and Francis Bacon at the Tate Gallery, London, in 1965 (Foto:© Graham Greene)
      Ihre Kunst ist eine einzige Krise

      Mit Giacometti und Bacon wagt die Fondation Beyeler den Vergleich zweier völlig unterschiedlicher Künstler. 

      Von Philipp Meier | NZZ

      «Dies ist der Mann, der mich mehr als irgendein anderer beeinflusst hat.» Alberto Giacometti war Francis Bacons grosses Vorbild. Was aber mag der acht Jahre jüngere Bacon, der künstlerisch ganz andere Wege ging, in Giacometti gesehen haben? Kann das uns vielleicht eine Gegenüberstellung dieser beiden Giganten der modernen Kunst verraten?

      Solche Künstlerdialoge sollen ja manchmal fruchtbar sein. Erst gerade ist im Kunstmuseum Winterthur eine Schau zu Giacometti und Hodler eröffnet worden. Und vor anderthalb Jahren kombinierte das Musée Picasso in Paris die Kunst des dort beheimateten Meisters mit Werken Giacomettis, während gleichzeitig die Frankfurter Schirn-Kunsthalle Giacometti mit Bruce Nauman zusammenbrachte. Das hat manchmal auch einen etwas didaktischen Anstrich. Wir sollen vergleichen und alles in neuem Licht sehen.

      Nun also in der Fondation Beyeler Giacometti und Bacon. Sie haben sich immerhin gekannt. Während ihrer Retrospektiven in der Tate Gallery in den sechziger Jahren sind sie sich jedenfalls begegnet. Gemeinsam sollen sie ganze Londoner Nächte durchzecht haben. Die ausschweifende Lebensführung war beiden eigen. Der eine, Bacon, trank übermässig, der andere, Giacometti, rauchte fast ununterbrochen. Auch waren sie mit derselben Frau im Bett: Isabel Rawsthorne, die Malerin, die Bacon mit Giacometti bekannt gemacht hatte, soll die einzige Frau gewesen sein, mit der sich der homosexuelle Brite je auf ein erotisches Abenteuer einliess. Als Modell hat Isabel, die schöne, trinkfeste Lebefrau, ins Werk beider Eingang gefunden. Mit beiden persönlich bekannt war schliesslich auch Ernst Beyeler. Er vermittelte als Galerist ihre Arbeiten, und in seiner Sammlung sind Hauptwerke von ihnen zu finden. Grund genug also für eine solche Doppelausstellung.

      Die Kuratoren können denn auch verblüffende formale Übereinstimmungen zutage fördern. So soll Bacon etwa den Käfig, in den er gerne seine gespenstischen Päpste setzte, von Giacometti übernommen haben. Vergleichbar sind auch der obsessive Schaffensdrang, der permanente Zweifel am eigenen Werk, das unbedingte Bekenntnis zur menschlichen Figur. Beide sind in der Nachkriegszeit zu Ruhm gelangt. Das Menschenbild war von zwei Weltkriegen erschüttert. So wird in der Ausstellung auch stimmig argumentiert, dass sich Giacometti wie Bacon mit denselben wohl existenzialistisch angehauchten Fragen nach dem modernen Menschen befassten. Einsamkeit und Schmerz, Sexualität und Gewalt, Leben und Tod – die Nöte des Daseins waren immer schon grosse Themen der Kunst.

      Nichts als Chaos

      Während solche Parallelen die Gegenüberstellung zweier völlig verschiedener Œuvres etwas einleuchtender machen, ist für den Besucher aber eigentlich vor allem das Unvereinbare das Interessante. Und dieses kann er an rund hundert Exponaten feststellen. Das ist bisweilen irritierend. Hellwach jedenfalls erblickt man das vermeintlich längst Bekannte plötzlich wie zum ersten Mal. Da ist der eine, Bacon, mit seiner lauten Malerei von poppig knalligen Farben und einem manchmal fast cartoonartigen Stil. Und da ist der andere, weitaus stillere Giacometti, der in Gips und Ton arbeitete und die Farbtönung der Erde auch in seiner Malerei bevorzugte. Der Zusammenstoss der beiden Werke führt unweigerlich dazu, dass das eine das andere in seiner Eigenheit heraushebt.

      Die Schau gewährt auch einen Einblick in die Arbeitssituation der beiden Künstler. In einer Multimedia-Installation werden die Ateliers der Protagonisten in bewegten Bildern rekonstruiert, die auf historischem Fotomaterial beruhen. Die beengten Raumverhältnisse dieser Ateliers – der von Giacometti porträtierte Japaner Isaku Yanaihara sprach von einer Bruchbude – und vor allem das totale Chaos darin verraten jedenfalls mehr über eine allfällige Seelenverwandtschaft als alle herbeigezogenen Parallelen in Leben und Werk. In diese Höhlen zogen sich Giacometti und Bacon täglich zurück, um ihren ureigenen Kampf mit der Kunst auszufechten.

      Denn von Arbeiten in herkömmlichem Sinn konnte in diesen chaotischen Klausen keine Rede sein. Da ging es nicht ums Konzipieren, Entwerfen und Ausführen von Kunstwerken, wie es heute so viele Kunstschaffende tun, als übten sie irgendeine Profession aus. Die Werke, die Bacon und Giacometti schufen, wenn man hier überhaupt von Erschaffen in einem kreativ-schöpferischen Sinn sprechen kann, sind eigentlich keine fertigen künstlerischen Produkte. Es sind vielmehr durch Zufall begonnene, oft wieder abgebrochene, meist unvollendete und vor allem irgendwie immer gescheiterte Versuche geblieben.

      Das sieht man den Exponaten auch an. Dass sie hier überhaupt gezeigt werden können, verdankt sich oft dem Einschreiten von Drittpersonen. Im Fall von Alberto Giacometti war es der Bruder Diego, der immer wieder Arbeiten vor dem Zerfall oder, noch schlimmer, vor der Zerstörung durch die eigene Hand des Künstlers rettete und für die Vorbereitung zum Bronzeguss zur Seite nahm. Bei Bacon geht die Anekdote, dass sein Galerist jeweils Bilder für fertig befand, bevor sie von der aggressiven Arbeitswut ihres Urhebers bis zur Unkenntlichkeit zugemalt oder gar willentlich vernichtet werden konnten.

      Kunst als Exzess

      Vor allem aber sprechen die Werke selber von diesem täglichen Wahnsinn, dem sich Giacometti wie Bacon aussetzten. Giacomettis Figuren sind von Narben und Schrunden, Rissen und Kerben übersät, die er ihnen in seinem Ringen mit der Unmöglichkeit, einem adäquaten menschlichen Abbild näherzukommen, mit dem Taschenmesser zufügte. Dasselbe gilt für seine Porträtbilder, die zerkratzt sind von suchenden Pinselhieben im Kampf um den richtigen Ausdruck. Manchmal bleibt von den Porträtköpfen in zentimeterdicker grauer Farbschicht, die alles davor sichtbar Gewesene unter sich begraben hat wie eine Schlammlawine, fast nur noch ein gespenstisch aus unergründlicher Leere starrendes Augenpaar übrig.

      Nichts als Krise sind auch Bacons ­Gemälde. Delirierende Pinselschlieren zwingen Körper in unmögliche Verrenkungen, rote Farbe spritzt wie Blut aus aufgeplatzten Fleischhaufen. Mit obszön weiss leuchtender Ölfarbe werden Knochen und Zähne blossgelegt, schwarze Pfeile unterstreichen die Be­wegungsrichtungen sich windender Leiber. Und alle Torsion und Konvulsion gefriert plötzlich in der Schockstarre eines krampfhaft herausgepressten Schreis, als ob Bacon seine Figuren auf den elektrischen Stuhl gefesselt hätte.

      Michel Leiris, der von beiden Künstlern porträtiert wurde, hat einmal in Bezug auf Giacometti bemerkt, was geradeso gut Bacon hätte gelten können: «Ich mag die Bildhauerei Giacomettis, weil alles, was er macht, die Versteinerung einer Krise zu sein scheint.» Im Grunde war beider Schaffen in einer permanenten Krise begriffen. Das macht die zwei Künstler zu Schicksalsgenossen.

      In letzter Konsequenz betraf die Krise ihre ganze seelische wie körperliche Existenz. Was wir sehen in der Fondation Beyeler, ist deshalb weit entfernt von gewöhnlichen Kunstprodukten. Es ist vielmehr die zu Kunst erstarrte Verausgabung eines Lebens als Exzess. Das lässt uns diese Werke bisweilen wie kostbare Reliquien erscheinen.

      Riehen, Fondation Beyeler, bis 2. September. Katalog Fr. 62.50.

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      Einsamkeit und Schmerz, Sexualität und Gewalt, Leben und Tod: diese ewigen Themen in der Kunst haben diese beiden Künstler sich wie im Delir regelrecht immer wieder neu ausgewrungen. Der eine mit seinen zerhackten und verstellten Torsi - der andere, der im Ringen mit dem Abbild die Figur jeweils bis aufs Skelett traktierte ...

      Beide Künstler wollten dem Menschen "beikommen", beide haben vor Abscheu mit gleichzeitiger Empathie mit dem Modell gerungen und sich in ihm verloren - eben um den Kern abzubilden.

      Es ging nicht um die saftige Frucht rundherum, es ging um den Kern, den Stein, der innen drin schlummert und freigelegt werden wollte ...

      Insofern arbeiteten beide auch als Ausgräber und Archäologen: nämlich zur unverbrüchlichen Substanz vorzustoßen, da wo die Gene sich bilden und brodeln und köcheln - da wo vielleicht das Erb-"gut" blüht - was sich dann beim Freilegen und Erforschen Schicht um Schicht vielleicht letztlich als stinkig, faulig, schleimig, eitrig - als "schlecht" entpuppte ...

      In ihrer künstlerischen Besessenheit wurden beide oft zu Massenmördern an ihren jeweiligen Motiven. Irgendeinen Trost jedenfalls kann man in ihren Arbeiten nur erahnen: vielleicht - in dem Eingeschlossenes von ihnen freigelegt - und aus einer Enge be-freit wird ... - S!

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      Söder, das Kreuz und die Kippa

      Macht der Symbole

      Symbole der Religion sind Symbole der Politik. Darum liegt Markus Söder voll im Trend, wenn er Kreuze in bayerischen Amtsstuben aufhängt. Aber Berlin soll bitte die Kippa wieder absetzen. Nicht wegen der Religion. Sondern aus Anstand.

      Eine Kolumne von Jakob Augstein

      Vielleicht sollte Religionsunterricht doch wieder an allen Schulen verpflichtend sein. Denn in den vergangenen Tagen hat das Land mit großer Hilflosigkeit auf tatsächliche und scheinbare religiöse Provokationen reagiert. Kreuz und Kippa - in einer unerwarteten Parallelität hat sich die Macht der Symbole in Erinnerung gerufen. (Und Kopftücher schweben ja sowieso dauernd durch den deutschen Assoziationsraum.)

      das kreuz als abwehr gegen vanpire ...

      Manchmal tut der Herr Zeichen und Wunder. Und seinen Freunden gibt er es, wie es in Psalm 127 heißt, im Schlaf. Anders wäre zum Beispiel an Markus Söder vermutlich auch kein Rankommen. Jedenfalls hat das blinde Huhn Söder ein ziemlich großes Korn gefunden, als er verkündete, im Eingangsbereich aller bayerischen Dienstgebäude ein Kreuz aufhängen zu lassen. Die Rechtschaffenen erregen sich darüber. Aber vermutlich haben sie Söder gar nicht verstanden. Das Erstaunliche ist nämlich: Er hat recht.

      Söder hat gesagt, das Kreuz sei "nicht ein Zeichen einer Religion, sondern für die geschichtlich-kulturelle Identität und Prägung Bayerns". Da bangt man um die Seele des bayerischen Ministerpräsidenten und möchte ihm gleich den Beichtvater schicken. Denn das Kreuz ist, bitteschön, das Symbol für die Erlösung, das Sinnbild des Leidens und der Herrschaft Jesu Christi. Jedenfalls, wenn man Christ ist. Aber - mal im Ernst: Wer ist schon Christ?

      Symbol der Abgrenzung

      Heutzutage ist das Kreuz für die meisten Leute einfach das Markenzeichen des Abendlandes. Die Trademark des Westens. Das Kreuz spricht zum Gläubigen, zum frommen Christen. Die meisten Menschen sind aber gar nicht fromm. Die meisten Menschen sind nicht einmal besonders gläubig. Schon klar, dass das Kardinal Marx nicht gefällt. Aber für die meisten Menschen dürfte das Kreuz kein Zeichen der Versöhnung Gottes mit den Menschen sein, sondern ein Symbol der Abgrenzung zu anderen Kulturen: Christen tragen ein Kreuz, Muslime und Juden nicht.

      Genau so ein Kreuz der Abgrenzung will Markus Söder in den bayerischen Behörden aufhängen lassen. Als Christ muss man ihn dafür geißeln. Söder macht aus dem "Zeichen von Ohnmacht, Leid und dem Schrei nach Barmherzigkeit" (Margot Käßmann) einen staatlich beamteten Balkensepp. Das ist pure Blasphemie. Aber Söder ist eben kein Priester sondern bayerischer Ministerpräsident. Und darum hat seine Entscheidung mit Religion gar nichts, mit Politik dagegen sehr viel zu tun.

      Auch der Angriff auf den Kippaträger in Berlin hatte mit Religion wohl nichts zu tun und wurde sofort zum Politikum. Den genauen Grund des Angriffs kennt man nicht. War der Angreifer ein rassistischer Antisemit, der Juden hasst, weil sie Juden sind? Oder galt die Wut, die sich da Bahn brach, dem Nahostkonflikt, dem Schicksal der Palästinenser, der israelischen Besatzungspolitik?

      Die Empörung war groß. Und ebenso groß war der Wunsch, Wiedergutmachung zu leisten. Also trafen sich etwa in Berlin zweitausend und paar Wohlmeinende vor einer jüdischen Einrichtung. Und ganz viele hatten sich dafür extra eine Kippa aufgesetzt. Nun wurde in jüdischen Schriften viel darüber gestritten, wann und wo die Kippa zu tragen ist. Aber was um alles in der Welt hat sie auf dem Kopf von Frauen, Muslimen und Christen zu suchen?

      Kippa auf Kopftuch

      Was war das: Todtraurig oder zum Totlachen? In der Hauptstadt des Holocausts bemächtigen sich die Nachkommen der Täter inbrünstig eines religiösen Symbols ihrer früheren Opfer, und schlüpfen dadurch - für kurze Zeit - selbst in die Rolle des Opfers. Der jüdische Publizist Armin Langer schrieb, diese Demonstration sei, bei allem guten Willen, ein klassisches Beispiel für das hinlänglich bekannte Phänomen der kulturellen Aneignung, die darin besteht, "sich die kulturellen Merkmale von früher unterdrückten Minderheiten anzueignen und sie ihrer originären Bedeutung zu berauben". Langer empfahl: "Wer nicht jüdisch ist und die jüdische Religion achten will, trägt keine Kippa."

      Aber da hat er die Rechnung ohne die Versöhnungsgewalt der Berliner gemacht: Ein paar Musliminnen wollten ihre Solidarität mit den Juden so dringend zeigen, dass sie sich eine Kippa oben auf ihr Kopftuch gesetzt hatten.

      ebay-verkauf kippa


      Wir sind stolz darauf, dass wir die Vermischung von Politik und Religion ablehnen. Aber wo kommen wir hin mit diesem Stolz in einer Welt, die der Macht der religiösen Symbole gehorcht? Der Streit um Kreuz und Kippa passt zu einer religionsentwöhnten Gesellschaft, die alle Religionen, die eigene und die anderen, missverstehen muss. Das alles hat mit einer Rückkehr der Religionen nichts zu tun. Sondern mit ihrer Politisierung.


      es ist ein kreuz - mit dem kreuz: also - ich empfinde jesu kreuzestod auch als bekennender protestant nun nicht so, als habe es die erlösung der welt gebracht - und uns alle von allen sünden rein gewaschen ... - da sei der herr vor ...
      aber als so ein larifari, wie herr söder es nun im wahrsten sinne "verkauft", ist es auch nicht: wer hat das christentum verraten: csu-"demokraten" - und wenn du meinst, es ging nicht blöder - ... S!

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    • 05/01/18--01:31: postmoderne I - V


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      So sieht es aus, das Produkt einer revolutionären Erziehung. Aufgenommen wurde dieses Kind in einem antiautoritären Kinderladen in München im Jahre 1974. Foto: action press/ULLSTEIN BILD/R. Dietrich - nachträglich bearbeitet und coloriert




      Erziehung zum Widerstand

      "1968 - Land im Aufbruch": Die antiautoritäre Bewegung bricht radikal mit einem Bildungssystem, das auf Strenge und Zwang setzt. Kinder sollen frei von Gewalt aufwachsen, demokratisch und selbstbestimmt. Auch in OWL entstehen Kinderläden

      Von Sigrun Müller-Gerbes | NW

      Als die Erzieherin auf warme Jacken besteht, weil es kalt draußen ist, reicht es den Kleinen. Aufruhr im Kinderladen Laerstraße in Bielefeld. Die Praktikantin des "Vereins für fortschrittliche Kindererziehung" muss Plakate malen für eine Demonstration: "Wir wollen alleine bestimmen!" Das tun die Kinder dann auch, erinnert sich Kita-Leiterin Eva Duda an die Episode in den 70ern - bis sie daran scheitern, ein Mittagessen auf den Tisch zu bekommen. "Dann haben sie eingesehen, dass sie Hilfe brauchen. Dass unsere Regeln sinnvoll sind." Kinder nicht zum Gehorsam zu zwingen, sondern sie eigenständig Erfahrungen und Einsichten gewinnen zu lassen: Damals war das Konzept in der Laerstraße revolutionär.

      Oder, um es mit dem Schlagwort der 68er zu sagen: antiautoritär. Bis 1973 hatten Lehrer noch das Recht, Kinder körperlich zu züchtigen. In Kindergärten der 60er war es üblich, Kinder festzubinden, wenn sie nicht gehorchten. Eine "unvorstellbare Hierarchie" habe geherrscht im Verhältnis zwischen Kindern und Erwachsenen, sagt Bildungsforscher Klaus Hurrelmann.

      "Wir Eltern hatten alle selbst eine sehr autoritäre Erziehung erfahren", berichtet Kinderladen-Gründerin Dietlind Wild, die 1968 mit ihrem Mann Heiner und der einjährigen Tochter aus Berlin nach Bielefeld gekommen war. Sie holte eine Gruppe von Eltern zusammen, die die Überzeugung einte: Es gibt eine unmittelbare Linie von der autoritären Erziehung zum Grauen von Auschwitz. Wild: "Wir wollten unsere Kinder anders aufwachsen lassen, offen, demokratisch. Sie sollten lernen, sich gegen Autoritäten zu wehren."
      Frei von Zwang: Drei Kinder im Bielefelder Kinderladen Laerstraße. Foto: archiv kinderladen | nw - nachträglich coloriert u. bearbeitet


      Auch die 
      Bielefelder Laborschule 
      ist ein Kind der 68er

      In der Sprache der Kritiker hieß das damals wie heute: Den Kindern keine Grenzen setzen, sie einfach machen lassen, sie im Grunde vernachlässigen. Eine "Erziehungskatastrophe" habe das ausgelöst, kritisierte beispielsweise Autorin Susanne Gaschke. Die Generation 68 habe sich in dem "bequemen Glauben" eingerichtet, "das Kind wisse schon selbst am besten, was gut für es sei" - und verzichte deshalb schlicht auf Erziehung.

      Wild widerspricht: "Es gab Grenzen." Vor allem im Umgang miteinander. Die Kinder durften sich nicht gegenseitig verletzen oder in Gefahr bringen und sollten lernen, Rücksicht zu nehmen. "Mit laissez-faire - alles einfach laufenlassen - hatte das nichts zu tun."

      Aber es gab auch die Kinderläden, in denen schon der Begriff Erziehung tabu war - weil im "Ziehen" bereits Gewalt anklingt. Die antiautoritäre Bewegung habe "eine brutale Gegenposition" gegen traditionelle Erziehungsmodelle bezogen, analysiert Hurrelmann. Sie sei unerträglich belehrend und ideologisch aufgetreten. Und sie habe unter dem Deckmäntelchen der Gleichberechtigung zwischen Jung und Alt die "krankhaften Auswüchse" erst möglich gemacht, die Jahrzehnte später als Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule Schlagzeilen machten.

      Ansonsten aber betont der Wissenschaftler, der lange Professor in Bielefeld war, welche Verdienste die 68er um die Liberalisierung der Erziehung erworben haben. Die Idee, dass Kinder ohne Gewalt groß werden sollten, habe eine enorme Strahlkraft entwickelt - auch, wenn nur ein Bruchteil der Kinder in Kinderläden betreut wurden. "Plötzlich mussten sich Eltern rechtfertigen, wenn sie ihre Kinder schlugen."

      Und Hurrelmann gibt zu bedenken: Die autoritären Strukturen seien so verkrustet gewesen, "da brauchte es einen radikalen Befreiungsschlag". Dass heute "70 Prozent der Eltern eine gute, ruhige Mischung" zwischen autoritativer Erziehung und Partizipation pflegten - liebevolle Strenge nennt der Bildungsforscher das -, sei auch ein Resultat der damaligen Debatten.

      Genau wie die Veränderungen im öffentlichen Bildungswesen. Heute gibt es keine Kitas mehr, in denen Kinder an den Tisch gezwungen werden, bis sie alles aufgegessen haben. "Extrem" hätten sich Betreuungseinrichtungen verändert.

      Was die Kinderläden für die Kindergärten waren, das war womöglich die Bielefelder Laborschule für manche Regelschule: Anstoß, die eigene Praxis zu überdenken. Auch die Laborschule ist ein Kind der 68er. In dem Jahr kam Reformpädagoge Hartmut von Hentig an die Uni Bielefeld, mit Plänen für eine Schule, die die Kinder nicht zum Pauken zwingt, sondern auf Neugier und Entdeckerfreude setzt. Eine Schule, die bestimmt ist von offenen Räumen, Kleingruppen, fächer- und jahrgangsübergreifendem Unterricht. Bis heute ist das Leitbild der Schule der "freie, selbst denkende Mensch", wie es Christine Biermann formuliert, seit zwölf Jahren didaktische Leiterin.

      Von Anbeginn habe die Schule ein Schulparlament in allen Altersgruppen gehabt, und viele Elemente der Mitbestimmung. Noten gibt es hier erstmals am Ende der Klasse neun, damit die Kinder einen anerkannten staatlichen Schulabschluss haben.

      Ist die Laborschule eine antiautoritäre Schule? "Nein, sind wir nicht", widerspricht Biermann, "waren wir nie. Kritiker hätten mitunter geglaubt, in der Schule sprängen die Kinder über Tisch und Bänke, ohne etwas zu lernen. Aber: "Wir waren nie eine Schule, in der sich die Kinder morgens überlegen konnten: ,Machen wir Unterricht oder doch lieber nicht??" Also doch kein Kind der 68er? In einer Hinsicht auf jeden Fall, erläutert Christian Timo Zenke, der sich an der Uni wissenschaftlich mit der Geschichte der Schule beschäftigt: "Ohne das Klima des gesellschaftlichen Aufbruchs wäre die Gründung der Laborschule nie möglich gewesen."

      Kinderladenbewegung 
      Der erste Kinderladen wurde 1967 in Frankfurt gegründet - von Monika Seifert, die heute als "Mutter der antiautoritären Kinderläden" gilt. 
      Richtig los ging es mit der Bewegung 1968 in Berlin: Angetrieben und organisiert vom "Aktionsrat zur Befreiung der Frau" - einem Zusammenschluss von Frauen aus der Studentenbewegung - entstanden in vielen Stadtvierteln Elterninitiativen. Getragen waren sie von sozialistischen Idealen und der Vorstellung eines emanzipatorischen "Kinderkollektivs".

      Mehr als 270 solcher Einrichtungen zählte Berlin in den 70er-Jahren.


      es ging gegen alle tabus - erziehung zur freiheit ... -

      leider hatten damals die akteure vergessen, dass "erziehung" - etwas mit "ziehen" und "ge(er)zogen werden" zu tun hatte - aber nicht mehr unbedingt mit "zögling": ein totales laissez fair führte jedoch in die orientierungslosigkeit. in jenen jahren machte ich eine erzieher-ausbildung - und unser studienleiter mahnte immer: die kinder brauchen zwei eingrenzende stützgeländer, sonst geraten sie in die irre und fallen ... - und genau dieser grundsatz wurde zu oft nicht beachtet bei aller freiheitsliebe ...

      oder wie ich es neulich vom vater eines konfirmanden gehört habe, der als bauleiter tätig ist: "was wir dir (dem sohn) mitgeben können ist ein "fundament", auf das du aufbauen kannst - aber das "richtfest" ist dann dein werk" ...  

      ansonsten war es schon wichtig, dass die quasi "paramilitärischen" erziehungsmaßnahmen mit drill und "stillgestanden" endlich ein ende fanden und überwunden wurden ...

      die kinder waren nicht mehr die nur nasgeführten, sondern konnten wählen - aber in einem begrenzten rahmen ... - eben, um sich nicht zu verirren ... - S!



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