Are you the publisher? Claim or contact us about this channel


Embed this content in your HTML

Search

Report adult content:

click to rate:

Account: (login)

More Channels


Showcase


Channel Catalog


older | 1 | .... | 126 | 127 | (Page 128) | 129 | newer

    0 0
  • 05/31/18--23:29: überall und rundherum
  • Die Scherben unserer Welt: "Untitled Ceiling Projection" - MIKA ROTTENBERG


    Reste des Kapitalismus

    Von Hans-Joachim Müller | DIE WELT

    Glück und Glas, wie leicht bricht das: Die Arbeiten der Künstlerin Mika Rottenberg sind in jeder Hinsicht heiß und verführen durch Intelligenz. Jetzt ist ihr eine große Schau in Bregenz gewidmet


    Man wird gleich am Ticketcorner gewarnt: Vorsicht, zweiter Stock, heiß, nicht zu nahe, keinesfalls berühren. Also spart man sich die Gefahr noch eine Weile auf. Unten ist ja auch was los. „Sneeze“ heißt der Video-Loop. Es wird ununterbrochen geniest. Wobei der Proband nach einiger Leidenszeit sichtlich gealtert und verwüstet erscheint. Was ja noch hingehen mag. Aber dass bei jeder schwergeburtlichen Entladung ein rohes T-Bone-Steak auf den Tisch klatscht, das bestärkt einen doch im vegetarischen Vorsatz.



    Und schon ist man in der Welt der Mika Rottenberg. Die Künstlerin, in Argentinien geboren, gehört mit ihren 42 Jahren noch nicht zu den Post-Internet-Artists, die sich ein Kreativleben ohne 3-D-Printer nicht vorstellen können. Zwar sind ihre Videoarbeiten technisch brillant, das Steak mit der Trockenblutkruste fällt aus dem Off wie im besten Animationsfilm. Aber darüber hinaus werden ihren sehr heterogenen Installationen gerne Haltung, Anspruch, Überzeugung und Bedeutung attestiert – politische Qualitäten, die noch aus der analogen Vergangenheit stammen könnten.

    Und noch keine Rottenberg-Interpretation hat auf den Hinweis verzichten wollen, dass es im Werk um Waren gehe und darum, wie Menschen die Waren herstellten und was die Waren mit den Menschen machten.

    Vorerst machen Menschen erst einmal mit sich etwas. Wir sind in „Cheese“, einem betret- und begehbaren Bretterverschlag, der durch die eingebauten Bildschirme zu einem verwinkelten Hüttendorf wird. Man zieht von der einen zur anderen Abspielstelle, wo eine Herde Geißen über Rampen getrieben wird, dass ihr Trappeln wie rurale Percussion klingt, und ein halbes Dutzend junger Frauen mit ihren sehr, sehr langen Haaren zugange ist. Es könnten die Töchter einer tief religiösen Shaker-Community sein, die wie im Versteck den Übergang ins moderne Leben üben – oder soll man sagen: den Eintritt in den „Cheese“-, den unerbittlichen „Bitte lächeln“-Alltag?

    Es geht eine suggestive Sinnlichkeit von der schiefen Zimmermannsarbeit und den weichen Videobildern aus. Und man bleibt lange, auch wenn einem der scharfe Kommentar dazu nicht einfällt. So wenig hier der entgrenzende Digitaltrip versprochen ist, so überflüssig erscheint es, in diesem eigentümlichen Märchen nach versteckten zeitdiagnostischen Motiven zu forschen. Dass man völlig zufrieden ist mit Ziege und blondem Haar, das gibt der Freundschaft mit der Künstlerin ein Fundament. Zumal um die Ecke ein Pony-Schwanz aus einem Loch im geschliffenen Beton hängt, mit dem Peter Zumthor sein makelloses Bregenzer Kunsthaus ausgekleidet hat. Auch vor dem Pferdeschwanz denkt man nicht gleich an die zielführende Referenz. Denn dass er wippt und wackelt, als trainierte das zugehörige Tier hinter der Wand den Stehgalopp, das ist so verwunderlich, wie wenn im Wald aus einem Vogelhaus ein Eichhörnchen mit roter Clownsnase schaute. Es mutet, wenn man an die Bedeutungsansprüche zeitgenössischer Kunst denkt, fast unwahrscheinlich an, wie hier noch einmal alles Vertrauen dem starken Bild gilt.

    Nie löst sich irgendetwas restlos auf in diesem eigensinnigen Werk. Keine Geschichte, die wirklich zu Ende käme. Kein Bild, das irgendwann stillstünde. Keine Erkenntnis, die abgeschlossen erschiene. Keine Erfahrung, von der man sagen könnte, man hätte sie nun gemacht. Keine Beschäftigung, die endlich geschafft wäre. Der Pony-Schwanz beschäftigt sich ja mit überhaupt nichts. Und gerade deshalb bleibt man etwas irritiert stehen und nimmt das Wackelbild mit ins nächste Stockwerk.

    Die Glücksspielmetapher ist zwingend, und hier scheint auch die Gebrauchsanleitung für das Werk von einiger Plausibilität zu sein. Dass sich Mika Rottenberg „mit den finsteren Themen unserer Zeit“ auseinandersetze, mit Globalisierung, Ausbeutung, Produktion, Lohnarbeit und Kapital, das muss wohl schon so sein, wenn man die verwaltete Trostlosigkeit der Glückshoffnung vor Augen hat.

    Oder in einer anderen Videobox den Perlenzüchtern am langen Fabriktisch zusieht, wie sie Sandkörner ins Muschelweiche pinzettieren und ihr Schnellhandwerk künstlicher Befruchtung mit der gleichen Routine verrichten, mit der im Kaufhaus die Uhrenbatterie gewechselt wird. Wenn man da eine Weile zuschaut, spürt man förmlich, wie sich die Arbeiterinnenkörper mit ihren ameisenartigen Repetitivhandgriffen demnächst in Roboter verwandeln werden, was die Arbeitsbedingungen möglicherweise humaner, aber nicht unbedingt attraktiver macht.

    Vollends deutet alles Botschaft und Kritik, wenn man sich die 26 Minuten Bilderflussdauer der monumentalen Videoinstallation „Cosmic Generator“ antut, die im vergangenen Jahr für die Skulpturenausstellung in Münster entstanden ist. Immer wieder blickt die Kamera in bis oben hin verstopfte Läden mit Plastikhausrat, Winke-Figuren und Ramsch-Folklore, folgt einsamen Verkäufern und Verkäuferinnen, die einem vorkommen wie überwachsen vom Schrott, für den das Wort Ware fast zu kostbar erscheint.

    Es sind seltsam klaustrophobische Ansichten, die an eine riesenhafte Puppenstube erinnern, bei der man durch die offene Front in sämtliche Zimmer und Kabinette sehen kann. Und dass das skurrile Gewerbe irgendwo in Asien spielt, verleitet natürlich, in der Proliferation einer Gegenstandsklasse, die garantiert nicht zu den Bedarfsartikeln zählt und nach dem Erwerb unverzüglich ins Recycling übergeht, die große Abrechnung mit einem sinnentleerten Kapitalismus zu sehen. Vielleicht ist es ja so. Aber wie sie sich damit beschäftigt, das hat nichts mit Antworten auf gestellte Fragen zu tun. Und schon gar nicht befreit einen die thematische Vorgabe aus dem Gewirr möglicher Anspielungen, in das man in jeder Installation aufs Neue gerät.

    Das Beunruhigende ist ja gerade, dass diese Arbeiten so gänzlich frei von adressierter Polemik sind. Mika Rottenberg recherchiert nicht, sie inszeniert. Und zur Frontsoldatin in Philipp Ruchs „Zentrum für politische Schönheit“ eignete sie sich schwerlich. Ohnehin sollte man mit Zuschreibungen und Ordensverleihungen etwas vorsichtig umgehen, seit Kapitalismuskritik zu Discountpreisen zu haben ist und die ehemals linksgesicherte Position von rechts außen gekapert wurde. Und von dort, möchten wir einmal unterstellen, würde sich Mika Rottenberg doch nicht so gerne den Beifall holen. Die Intelligenz ihres Werks besteht im Triumph des Bildes über den Begriff, in den ikonischen Verführungen, die sie aus dem kruden Lebensstoff gewinnt.

    Noch war man ja nicht im zweiten Stock, wo um den Kreis aus Herdplatten – Vorsicht, heiß, nicht zu nahe, keinesfalls berühren – niemand herumsteht. 240 Grad laut Anzeige. In den Stilpfannen kalkig wabernde Wasserkrusten. Und wenn es von oben in sie hineintropft, dann zischt ein Nebel auf wie bei einem gutmütigen Vulkanausbruch. Lagerfeuer? Alchemistenlabor? Werden gleich Hexendarstellerinnen auf Besen in den abgedunkelten Raum reiten? „Zisch“ macht der Nebel, steigt nach oben zu den Deckenfenstern, in denen eine Videoprojektion knallbunte Glasscherben durcheinanderrührt.

    Nach Lage der Dinge muss es sich um Kapitalismusreste handeln. Und das ist dann vielleicht kein Trost, aber doch ein schönes Schlussbild: Mag über den ewig harten Realien „Globalisierung, Ausbeutung, Produktion, Lohnarbeit und Kapital“ längst jede Kunstanstrengung verzweifeln, so zischt bei 240 Grad Dauertemperatur doch immer noch der Kunstnebel, und wenn man aufschaut, dann zersplittern all die strengen Weltbilder im Kaleidoskop banaler Farben.

    Kunsthaus Bregenz, bis 1. Juli

     DIE WELT © Axel Springer SE. Alle Rechte vorbehalten.







    bei diesem "spaß" bleibt einem zumeist ja das lachen im halse im wahrsten sinne des wortes stecken: es ist immer ein lachen, das uns gleichzeitig in den spiegel schauen lässt. 

    und da wir ja am liebsten über die fehler anderer kichern - "erschrecken" wir uns lachend in den kunst-"performances" von mika rottenberg in bregenz vielleicht ja vor uns selbst - weil wir da in den installationen überall mitmischen - direkt und indirekt ...

    da wird unsere global-turbokapitalistische produktionsweise in ihrer eigentlichen sinnlosigkeit bloßgelegt ...

    da zeigt man uns ja gestern minutenlang und in der wiederholung immer wieder wie in hamburg wegen der luftverschmutzung zwei straßen für besondere dieselfahrzeuge gesperrt werden: und wenn wir uns das u.a. mal aus der "meta-ebene" betrachten: erkennen wir ja vielleicht noch diesen anteil an "luxus-problematik" in diesem "einscheidenden" ge- und verbot.

    und wenn heute der herr söder in bayern all die kreuze in die amtsstuben hängen lässt, dann ist das auch so eine "aktionskunst", die mit steuergeldern gezahlt wird - es wird das elend in der welt um keinen deut verbessern - es ist purer spätkapitalistischer aktionalismus für nichts und wiedernichts.

    mika rottenberg führt in bregenz ähnliche beispiele unserer alltäglichen arbeitswelt ins ad absurdum - und vorsichtig: manchmal ist's regelrecht heiß ... - S!

    rottenberg zeigt frauen und ihren monotonen arbeitsalltag. - derstandard.at/2000078425385/Mika-Rottenberg-In-Tunneln-die-Menschen-verbinden - foto: markus tretter 


    0 0
  • 06/01/18--03:45: teufel nochmal
  • Juan de Flandes: Die Versuchung Christi - Ausschnitt
    „Jesus trat als Exorzist auf. Das zu verstehen, fällt vielen schwer“

    Von Lucas Wiegelmann | Stellv. Ressortleiter Feuilleton | DIE WELT | 30.05.2018

    Lange scheute sich die Kirche, vom Teufel zu sprechen: zu irrational, zu unmodern. Doch nun fangen Theologen plötzlich wieder an, Satan zu untersuchen. An der Spitze: ausgerechnet Papst Franziskus.

    Selbst für den lieben Gott, der in seinem Wirken bekanntlich hin und wieder zu überraschenden Entscheidungen neigt, darf es als ein Ratschluss von besonderer Ironie gelten, dass er sich für das Comeback des Teufels ausgerechnet den Papst als treibende Kraft ausersehen hat. Erst vor wenigen Tagen hat der Heilige Vater einen neuen Vorstoß gewagt. Eigentlich ist ja gerade Mai, Wonnemonat, Marienmonat, österliche Zeit, pfingstliche Zeit. Aber Papst Franziskus wollte in seiner Predigt in seinem Wohnhaus im Vatikan, dem Gästehaus Santa Marta, lieber über den Satan sprechen.

    Der Teufel sei wie „ein tollwütiger und angeketteter Hund“, dem man nicht zu nahe kommen dürfe, warnte der Papst. „Er ist angekettet. Ja also, gehst du da nicht hin, um ihn zu streicheln? Tu das nicht, denn er beißt dich, er zerstört dich.“ Satan sei so gefährlich, dass man es selbst auf einen bloßen Wortwechsel mit ihm nicht ankommen lassen dürfe. „Mit dem Teufel spricht man nicht, denn er besiegt uns, er ist intelligenter als wir ... Er verkleidet sich als ein Engel des Lichts, doch er ist ein Engel des Schattens, ein Engel des Todes.“ Im Anschluss an den denkwürdigen Auftritt hielt die offizielle Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ mit inspirierender Nüchternheit fest: „Die Betrachtungen von Papst Franziskus bei der Messe in Santa Marta am Dienstag, dem 8. Mai, konzentrierten sich ganz auf den geistlichen Kampf gegen den Teufel.“ Was soll ein Papst auch sonst tun?

    Tatsächlich ist daran allerdings gar nichts selbstverständlich: Der Teufel, der alte Feind, der das Verderben der Menschen im Sinn hat und das Böse hervorbringt, war nämlich eigentlich längst abgeschafft. Im Laufe einer langen Entzauberung der Welt seit der Aufklärung ist der gefürchtete Versucher von einst geschrumpft zu einer bloßen bizarren Erinnerung an einen längst versunkenen Glaubenskosmos voller bemitleidenswerter Irrationalitäten, ein Relikt des rührenden Aberglaubens, das heute allenfalls noch als Handpuppe im Kindergarten und als Pausenwitz fürs Priesterseminar benötigt wird, aber sicherlich nicht mehr in der ernsthaften Theologie oder gar – horribile dictu – im Gottesdienst und in der Seelsorge.

    Doch die Predigt von Santa Marta und all die anderen Auftritte, bei denen der Papst über den Teufel spricht, stehen beispielhaft für eine neue Entwicklung: Wenn nicht alles täuscht, kehrt gerade der Teufel zurück. Seit einiger Zeit taucht er an allen möglichen Orten wieder auf, an denen er schon lange nicht mehr gesehen wurde. Zum Beispiel in der Welt der Gelehrten: Ganze Teams von Theologen – und keineswegs nur katholische – erforschen seit einigen Jahren wieder das Wesen Satans und diskutieren, ob er nicht doch ein integraler Bestandteil des christlichen Weltbilds sein müsste.

    Ausgerechnet Franziskus

    Gleichzeitig wächst an der Basis die Nachfrage nach mehr einschlägigem Know-how: Päpstliche Hochschulen bieten gerade verstärkt Fortbildungen zum Thema Exorzismus an, da sich, wie der Vatikan erst vor wenigen Wochen mitteilte, „seit der Jahrtausendwende … die Bitten um Befreiung von Dämonen verdreifacht“ hätten.

    Niemand aber spricht so oft vom Satan wie der Papst selbst, das Oberhaupt der größten Glaubensgemeinschaft der Welt. Vielen Franziskus-Fans mag es schwerfallen, sich das einzugestehen. Schattenengel und Kettenhunde gelten, zumindest in Deutschland, nicht gerade als Gewinnerthemen. Sie passen nicht zum bekannten Bild des sanften Revolutionärs Franziskus, des Papstes, auf den die Reformer hoffen und dem die Frauen vertrauen, des Mannes, der die Kirche arm und sexy macht. Ausgerechnet dieser Franziskus widmet sich voller Inbrunst einer Gestalt, die seine Vorgänger lieber umschifften oder abstrahierten.

    Aber vielleicht ist das für die Gläubigen am Ende sogar eine bessere Nachricht, als sie ahnen. In den verschiedenen Schichten des Alten Testaments lässt sich jedenfalls noch spüren, dass das Judentum die Erfindung des Teufels eher als Segen denn als Fluch empfunden zu haben scheint. Der Teufel kommt in der hebräischen Bibel nur an drei Stellen ausdrücklich vor, und zwar stets in jüngeren Schriften. In den älteren Teilen der Bibel gebietet noch Gott allein über das Gute und das Böse auf Erden: „Ich erschaffe das Licht und mache das Dunkel, ich bewirke das Heil und erschaffe das Unheil. Ich bin der Herr, der das alles vollbringt“ (Jes 45,7).

    Was den Vorteil hatte, monotheistisch gesehen auf der sicheren Seite zu sein: Neben dem einen guten Gott kann kein auch nur annähernd ebenbürtiger dunkler Lord bestehen, der ohne Zustimmung Gottes sein Unwesen triebe. Doch der Nachteil war: Gott, den es doch mit ganzer Seele zu lieben galt, war damit auch für Leid und Not verantwortlich zu machen.

    So kam der Teufel ins Spiel: Zwar von Jahwe geschaffen und ihm untergeordnet (Monotheismus!), aber aus freiem Willen von ihm abgefallen und mit einem gewissen eigenen Spielraum ausgestattet, betrat der Teufel die Weltbühne als Sündenbock für alles Böse, das man nicht Gott selbst anlasten mochte.

    Wie das lief, zeigt die biblische Geschichte, in der König David einmal eine Volkszählung in Israel befiehlt. Gott missbilligt diese Volkszählung (warum, wird nicht ganz klar), und zur Strafe dezimiert er demonstrativ ihren Gegenstand, indem er sorgfältig abgezählte 70.000 von Davids Untertanen im Rahmen einer dreitägigen Pest zugrunde gehen lässt. Fieserweise ist es laut dem zweiten Buch Samuel, das die Episode überliefert, allerdings Gott selbst gewesen, der David überhaupt erst zu der Volkszählung überredet hat – um einen Vorwand zu haben, ihn nachher dafür zu bestrafen: „Der Herr reizte David gegen das Volk auf und sagte: Geh, zähl Israel und Juda!“ (2 Sam 24,1).

    Dieser Hinweis muss für das Judentum irgendwann nicht mehr nachzuvollziehen gewesen sein: Im 1. Buch Chronik, das die David-Geschichte ebenfalls erzählt, das aber viel später entstand als das Samuel-Buch, ist der entscheidende Vers jedenfalls geändert worden. Dort heißt es plötzlich: „Der Satan trat gegen Israel auf und reizte David, Israel zu zählen“ (1 Chr 21,1).

    Zur Zeit Jesu war die Idee eines bösen Gegenspielers Gottes, der die Menschen zur Sünde verführt, längst zu einem festen Bestandteil der religiösen Vorstellungswelt in Palästina geworden. Der evangelische Theologe Jan Dochhorn, der an der englischen Durham University lehrt und als deutscher Teufelspapst gilt, sagt: „Es gibt kaum ein Stück Literatur im Neuen Testament, das den Teufel unerwähnt lässt.“ Die Frage, ob Satan existiere, wäre Jesus von Nazareth wohl unsinnig vorgekommen, war er doch nach den Evangelien zu urteilen mit kaum etwas so beschäftigt wie damit, Dämonen, Satans Helfershelfer, auszutreiben.

    „Vor allem im Markusevangelium tritt Jesus als Exorzist auf, als jemand, der Menschen von der Herrschaft dämonischer Mächte befreit“, sagt Dochhorns katholischer Kollege Ludger Schwienhorst-Schönberger, Professor an der Universität Wien. „Das zu verstehen fällt heute vielen schwer, ist aber ein wesentlicher Aspekt der jesuanischen Botschaft und gehört somit zu jenem Prozess, der im Christentum ,Erlösung‘ genannt wird.“

    Im Alten Testament hieß der Teufel „hasatan“ (hebräisch für Feind, Widersacher). Im Neuen Testament findet sich neben der griechischen Version „satanas“ auch das griechische „diabolos“ (Verleumder, Verwirrer). Beide werden synonym verwendet. Von „diabolos“ wurden später der lateinische „diabolus“ und der deutsche „Teufel“ abgeleitet. Das Neue Testament beschreibt den Teufel als Anführer der bösen Geister und den Herrscher der irdischen Welt, der Jesu Heilswerk zu vereiteln oder wenigstens zu verzögern sucht, der sich aber letztlich als der Schwächere erweisen wird.

    Schlange, Drache, Löwe, Bär

    Diese Vorstellung war für die Christen der folgenden Jahrhunderte nicht nur völlig einleuchtend, sondern auch äußerst spannend. Mittelalterliche Denker konnten ganze Klosterjahre damit verbringen, sich die gewaltigen Möglichkeiten und dunklen Strategien des Versuchers und seiner Dämonenheere vorzustellen. Der Mediävist Günter Bernt vermutet, dass der Teufel „nächst Gott die in der mittelalterlichen Literatur am meisten genannte Person“ war.

    Was wiederum die Maler von Handschriftenillustrationen, Altarbildern oder Kuppelfresken zu immer kühneren Darstellungen anspornte. Bezeichnenderweise hat sich zumindest im westlichen Christentum für den Teufel, anders als für andere biblische Personen oder Heiligenfiguren, nie eine allseits akzeptierte Ikonografie herausgebildet – den Malern fiel einfach viel zu viel ein, Schlange, Drache, Löwe, Bär, Bock, Fledermaus, nackte Knaben, mit oder ohne Hörner (Widder oder Ziege), mit oder ohne Fledermausflügel, Hufen, Klauen. Manche gingen in ihrer dämonologischen Begeisterung sogar so weit, den Teufel als Rechtsanwalt zu malen.

    Doch je nüchterner das Weltbild spätestens seit der Aufklärung wurde, desto schwerer hatten es gehörnte und geflügelte Dämonen in gebildeten Kreisen. Außerdem wurde die Schattenseite der Teufelslehre immer deutlicher: Je plastischer Satan hervortrat, desto lähmender drohte die Angst vor ihm zu werden. Die Hoffnung, ihn im Glauben zu überwinden, verblasste zusehends. Deshalb mehrten sich mit der Zeit die Stimmen, die den Satan abschaffen wollten, und spätestens im 20. Jahrhundert war der Teufel am Ende. Sogar in der katholischen Kirche.

    Das Zweite Vatikanische Konzil setzte eine Liturgiereform in Gang, der die allermeisten Erwähnungen Satans im Gottesdienst zum Opfer fielen, etwa das Gebet, das bis dahin am Ende jeder Stillen Messe obligatorisch zu sprechen war, auf Latein: „Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe! Gegen die Bosheit und die Nachstellungen des Teufels sei unser Schutz! … Stoße den Satan und die anderen bösen Geister, die zum Verderben der Seelen in der Welt umherschweifen, in der Kraft Gottes hinab in die Hölle!“

    Das Problem ist nur: Nur weil der Teufel seltener im Messbuch vorkommt, scheint sich das Böse in der Welt noch nicht nennenswert verringert zu haben. Not und Leid, Gewalt und Sünde bleiben menschliche Realität. Nur dass der Mensch für alle Untaten, für die man früher den Teufel oder, noch früher, Gott selbst zumindest mitverantwortlich machen konnte, heute selber geradestehen muss, als der neue, der vermeintlich vollständig rationalisierbare Teufel.

    Die Wissenschaft sieht Diskussionsbedarf

    Umberto Eco hat diesem Paradigmenwechsel, dieser humanisierten Satanologie 1980 mit seinem Roman „Der Name der Rose“ ein Denkmal gesetzt: Eine ganze hysterisierte Riesenabtei vermutet hinter einer Serie unerklärlicher Todesfälle ein Ränkespiel Satans, dabei handelt es sich um ein rein menschliches Komplott. Seinem weisen Franziskanermönch William von Baskerville (im Film Sean Connery) legt Eco die entsprechende Sentenz in den Mund: „Vielleicht ist das überhaupt der einzig wahre Beweis für das Wirken des Teufels: die Intensität, mit welcher alle Beteiligten in einem bestimmten Augenblick danach verlangen, ihn am Werk zu sehen.“

    Die Frage ist, ob das wirklich so viel weniger beängstigend ist, so viel weniger deprimierend als die Annahme einer bösen äußeren Macht, die dem – an sich zum Guten berufenen – Menschen zusetzt. Ob die Verlagerung aller dämonischer Kräfte der Welt in das Innere des Menschen auf Dauer so eine große Entlastung für das Gewissen der Gläubigen darstellt.

    Die wissenschaftliche Community jedenfalls sieht wieder Diskussionsbedarf. Er äußert sich in Publikationen (2019 soll unter anderem eine große Monografie über den Teufel in der renommierten Fachreihe Topoi Biblischer Theologie erscheinen) und Symposien, etwa den Tagungen des „Evil Network“ von Theologen aus Amerika und Europa.

    Der Wiener Alttestamentler Ludger Schwienhorst-Schönberger sagt: „Die Rede vom Teufel ist nicht so primitiv, wie viele meinen.“ Bevor zum Beispiel Kain seinen Bruder Abel erschlage, werde er von der Sünde wie von einer Art Dämon belauert und bedrängt. Kain sei also Opfer und Täter zugleich. „Dieses Ineinander von Opfer- und Tätersein entspricht durchaus unserer Erfahrung mit dem Bösen. Statt den Teufel totzuschweigen, wäre es besser, die mit dieser Figur veranschaulichte Realität theologisch wieder ernst zu nehmen.“ Und auch Forscher Dochhorn sagt: „Theologen scheuen sich heute vor der Frage, ob der Teufel existiert. Diese Frage müssen wir aber wieder diskutieren. Können wir wirklich, gerade mit Blick auf unsere Krisenerfahrungen des 20. Jahrhunderts, weiterhin postulieren, es könne nichts inkommensurabel Böses in der Welt geben? Da müssen wir theologisch nachbessern.“

    Wobei er, anders als etwa Papst Franziskus, davon ausgeht, dass sich damit auch etwas am modernen Gottesbild ändern muss: „Je intensiver man sich mit satanologischen Texten beschäftigt, desto klarer wird, dass der Teufel und das Böse Teil des Systems Gottes sind.“ Gott werde immer wieder als machtvolle Realität beschrieben, als ambivalent und sogar potenziell gefährlich, indem er den Teufel gewähren lassen könne. „Gott ist kein Sugardaddy. Wir sollen ihn fürchten und lieben, wie Luther im kleinen Katechismus sagt.“

    Aber selbst wer auf solche Debatten lieber verzichten würde, sollte die allgemeine Teufelsrenaissance positiv sehen. Zwar prophezeit sogar die Bibel selbst, dass sich das Thema Satan eines Tages wirklich ein für allemal erledigt haben wird: „Und der Teufel, ihr Verführer“ werde „in den See von brennendem Schwefel geworfen“, so stellt es uns die Apokalypse des Johannes in Aussicht, „Tag und Nacht“ werde er dort gequält werden, „in alle Ewigkeit“ (Offb 20,10). Allerdings wird dieser finale Abschied vom Teufel leider auch signalisieren, dass das Ende der Welt hereinbricht, und das will doch auch niemand.

    DIE WELT © Axel Springer SE. Alle Rechte vorbehalten.

    ________________________________________________________


    Bild Renata Sedmakova/Fotolia.com - katholisch.de



    Warum Franziskus so oft über den Teufel redet

    Immer wieder spricht der Papst vom Teufel: Ist das nur symbolische Rede vom Bösen? Nein, sagt Pater Klaus Mertes. Er zeigt, wie der Jesuit Franziskus von den Exerzitien des heiligen Ignatius geprägt ist.

    katholisch.de | 27.02.2018

    Papst Franziskus spricht häufig vom Teufel. Das befremdet viele, gerade auch viele unter seinen Anhängern im säkularen Westen, die ein so konkretes Sprechen über den Teufel nicht mehr gewohnt sind. Der Papst hingegen besteht darauf, dass der Teufel keine "diffuse Sache" sei, sondern eine Person. Er wählt plastische Worte, wenn er vom "entzweienden Säer von Unkraut" spricht, vom "Spalter von Gemeinschaften", und so weiter. Auf die Kinderfrage, warum Gott den Teufel nicht besiegt habe, obwohl er die Menschen doch so sehr liebe, antwortet Franziskus:

    "Gott hat den Teufel besiegt, und zwar am Kreuz! Aber du weißt doch, wie das mit Drachen ist - mit dem Teufel ist das wie mit einem großen, schrecklichen Drachen. Auch wenn der getötet wird: Er hat einen langen Schwanz, und auch wenn er tot ist, schlägt der Schwanz noch hin und her."

    Auch wohlwollende Berichterstatter kommen an eine Grenze

    Gelegentlich ist dem Umfeld des Papstes und auch bei seinen wohlwollenden Berichterstattern anzumerken, dass sie mit seiner Teufelsrede an eine Grenze kommen: "Der Papst hat es wieder getan: Franziskus predigte bei seiner Morgenmesse am Donnerstag in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses Santa Marta erneut über den Teufel. Das christliche Leben sei ein andauernder Kampf gegen den Dämon …" Ein anders Mal muss der Vatikan nach einer Predigt des Papstes hochnotpeinlich dementieren, dass der anschließende Segensgestus auf dem Petersplatz als Exorzismus zu verstehen sei.

    Papst Franziskus unterscheidet sich im Umgang mit der Rede vom Teufel signifikant von seinen Vorgängern. Diese sprachen viel seltener über den Teufel, den "Verwirrer" (diá-bolos). Ihre Aussagen wirkten, wenn sie über ihn sprachen, säkularer als die von Franziskus. Von Paul VI. ist die Rede über den "Rauch Satans" in gesamtkirchlicher Erinnerung geblieben, die er aber schon am Beginn des Satzes subjektiv abmildert: "Wir haben das Gefühl, dass durch irgendeinen Spalt der Rauch des Satans in den Tempel Gottes eingedrungen ist … Wir glauben, dass etwas Außernatürliches in die Welt gekommen ist, nur um zu stören, die Früchte des Konzils zu ersticken."

    Papst Benedikt XVI. formulierte am Ende des Priesterjahres 2009/2010 im Zusammenhang mit den just in diesem Jahr bekannt gewordenen Missbrauchsfällen durch Kleriker im Konjunktiv: "Man könnte nun meinen, der Teufel konnte das Priesterjahr nicht leiden und hat uns daher den Schmutz ins Gesicht geworfen. Als hätte er der Welt zeigen wollen, wie viel Schmutz es gerade auch unter den Priestern gibt." Beide Äußerungen bewegen sich im Rahmen gesamtkirchlicher Entwicklungen und wirken eher wie Metaphern zu ihrer Beschreibung und Deutung. Bei Franziskus hingegen klingt es so, als sei der Teufel eine ganz unmittelbarere, persönlich erfahrene Wirklichkeit, mit der auch er selbst täglich zu tun habe. Entsprechend konkret und alltagspraxistauglich sind seine Ratschläge: "Wenn du ein Gespräch mit dem Teufel anfängst, hast du schon verloren, er ist intelligenter als wir und stößt dich um und verdreht dir den Kopf."

    Die "Unterscheidung der Geister"

    Warum ist das so? Es ist die jesuitische Prägung von Franziskus, die hier durchschlägt, genauer: Die Prägung durch die ignatianischen Exerzitien. In deren Mittelpunkt steht bekanntlich die "Unterscheidung der Geister", die Unterscheidung des "guten Geistes" vom "bösen Geist". Den zentralen Stellenwert der ignatianischen Mystik für sein Selbstverständnis machte Franziskus schon am Beginn seiner Amtszeit deutlich: "Die Unterscheidung im Herrn leitet mich in meiner Weise des Führens." Sie hilft, gute Entscheidungen "im Herrn" zu treffen, sowie mit diesen Entscheidungen zu leben und weiter zu gehen. Was Franziskus hier "Entscheidung" nennt, heißt in der ignatianischen Sprache "Wahl". Um diese "Wahl" geht es Ignatius. Sie ist die Frucht der Unterscheidung.

    Es gibt für Papst Franziskus 
    keine geistliche Erkenntnis 
    ohne das Wagnis der Unterscheidung der Geister.

    P. Klaus Mertes SJ


    Die "Geister" sind auch bei Ignatius ganz konkret, erfahrungsbezogen gedacht. Ein anderes Wort für "Geister" lautet "mociones"*), d.h. Regungen oder auch Bewegungen, spontane Lebensäußerungen, die vor der bewussten Einflussnahme liegen: Gefühle, Stimmungen, Gedanken, Assoziationen. Sie sind für Ignatius nicht zu reduzieren auf Ursachen, die psychologisch zu erklären wären. Vielmehr kommen sie von Gott oder eben vom "bösen Feind der menschlichen Seele" (Ignatius), der "nicht diffus sondern persönlich" (Papst Franziskus) vorgestellt wird. Wer sich also auf die Regeln zur Unterscheidung der Geister einlässt, befindet sich in einem religiösen Diskurs. Es ist zwar auch möglich, mociones psychologisch oder anders humanwissenschaftlich zu erklären. Aber das ist weder die Perspektive von Ignatius noch die von Papst Franziskus. Ihre Sicht auf die mociones ist eine religiöse. Der "Geist Gottes" und der Widersacher Gottes wirken durch mociones auf die menschliche Seele ein und kämpfen um sie, und zwar täglich.
    *) vgl "emotionen"

    Lebendige Wirklichkeit des Teufels

    Ignatius kennt wie Franziskus für den Widersacher Gottes plastische Bilder: "Der Feind", der "böse Geist", der "böse Engel"; er hat einen "Schlangenschwanz" (EB, 334); er ist "intelligent" (Franziskus), denn er tarnt sich "schlau" (vgl. Gen 3,1) als "Lichtengel" (vgl. 2 Kor 11,14), wenn er sich der menschlichen Seele nähert; er zieht einen über Tisch wie eine Person, die in dem Maße stärker wird, wie man ihrem Druck nachgibt (vgl. EB, 325); er verstrickt einen wie ein "falscher Liebhaber" in Heimlichtuereien (EB, 326) und greift die Burg "wie ein Hauptmann oder Anführer" an ihrer jeweils schwächsten Stelle an (EB, 327) - weswegen es sich für das geistliche Leben empfehle, sich selbst und die eigenen Schwachstellen zu kennen.

    Franziskus will den Teufel 
    nicht von seiner Verantwortung
    für die Versuchung entlasten.

    P. Klaus Mertes SJ

    Papst Franziskus geht also nicht nur von der lebendigen Wirklichkeit Gottes, sondern auch von der des Teufels aus. Das zeigt sich auch in den Worten, mit denen er die deutsche Übersetzung der sechsten Vaterunser-Bitte ("Führe uns nicht in Versuchung") kürzlich kritisierte: "Ein Vater tut so etwas nicht; ein Vater hilft sofort wieder aufzustehen. Wer dich in Versuchung führt, ist Satan." Franziskus will den Teufel nicht von seiner Verantwortung für die Versuchung entlasten, gerade deswegen, weil der Teufel für ihn keine "diffuse Sache" ist, sondern "Person". Wer die Äußerung von Papst Franziskus zur sechsten Vaterunser-Bitte würdigen will, muss den Teil mit dem Teufel hinzunehmen. Die Äußerung gewährt Einblick in die Art seines theologischen Denkens. Es stützt sich auf die Unterscheidung der Geister, also auf die Reflexion der jeweiligen mociones im eigenen Inneren, um zu erkennen, welche Erkenntnis vom guten Geist und welche vom bösen Geist stammt. Kriterien für die richtige Unterscheidung sind einerseits Schrift und Tradition, aber eben auch die Kriterien, wie sie Ignatius formuliert.

    Mystische Theologie

    Blaise Pascal, wahrlich kein Jesuitenfreund, hat einmal passend geschrieben: "Le coeur a ses raisons que la raison ne connait pas." Neben der logisch denkenden Vernunft gibt es eine Herzensvernunft, die keineswegs beliebig funktioniert und dennoch nicht nach denselben Regeln denkt wie die mit verallgemeinerbaren Prinzipien arbeitende Vernunft. Die Dynamiken der "raisons du coeur"kennenzulernen ist gerade die Aufgabe geistlicher Unterscheidung. Das ist mystische Theologie. Sie kann im Fall der Fälle zu einem Korrektiv einer bloß gelehrten Theologie ohne Herzensbildung werden. Die ersten Jesuiten nannten solche mystische Theologie "non scholastice, sed practice".

    In der Einschätzung des gegenwärtigen Pontifikates spielt folgendes Argument häufig eine Rolle und wird gerade auch von seinen Kritikern mehr oder weniger polemisch ins Feld geführt: Bergoglio/Franziskus sei gar kein professioneller Theologe, sondern eher ein pastoraler Praktiker; im Vergleich zu seinem Vorgänger, dem Jahrhundert-Theologen Ratzinger/Benedikt falle er ohnehin erheblich zurück; deswegen sei er auch stärker auf Begleitung durch theologische Profis angewiesen, die er leider, weil er ja eher ein pastoraler Praktiker ist, nicht genügend wertschätze.

    Solche Einschätzungen sind blind für das mystische Element in der Theologie des Bergoglio-Papstes. Die drastische Rede vom Teufel durchbricht diese Blindheit - vielleicht ohne dies intentional zu wollen, was die Wirkung der Rede allerdings nur umso stärker macht. Es ist dabei vorausgesetzt, dass es zu mystischer Theologie wesentlich gehört, das Wirken eines Versuchers im Leben und im Herzen der Menschen ernst zu nehmen. Die mystische Erkenntnis wird aus dem Unterscheidungsprozess gewonnen. Wen wundert es also, dass Papst Franziskus "es immer wieder tut", nämlich ganz selbstverständlich vom Teufel zu sprechen? Es gibt für ihn keine geistliche Erkenntnis ohne das Wagnis der Unterscheidung der Geister. Deswegen ist die drastische Rede des gegenwärtigen Papstes, so fremd sie vielen Ohren im säkularen Westen auch klingen mag, keineswegs eine persönliche Marotte und auch kein Gegensatz zu professioneller Theologie. Mystische Theologie kann, ja muss mit Fachtheologie zusammen gehen, ohne dass man dabei in die Fallen eines fehlgeleiteten Enthusiasmus zu tappen braucht, für den übrigens manchmal gerade auch Profis anfällig sind, die vor lauter fachlichem Wissen und Gelehrtheit den Kontakt zu dem verloren haben, was in ihrem Herzen los ist.

    Der subjektive Charakter mystischer Theologie

    Mystische Theologie ist practice: Sie findet in der täglichen Praxis statt, ist auch auf die tägliche Praxis bezogen und müht sich um die Erkenntnis der Stimme des Geistes Gottes mitten in dem Stimmengewirr des Alltags.

    Mystische Erkenntnisse und die aus ihnen folgenden Wahlen lassen sich zwar nachträglich als Geschichten erzählen - wie es Ignatius ja auch am Ende seines Lebens auf Bitten seiner Mitbrüder im "Pilgerbericht" tat. Allerdings sind sie zunächst nur für das erkennende Subjekt und seine Praxis von Bedeutung. Sie sind nicht übertragbar auf andere Personen und deren Wahlen. Es mag sein, dass sich aus ihnen ein gesamtkirchlich relevanter Prozess entwickelt. Doch ein von Anfang an für die Allgemeinheit relevanter Masterplan steckt gerade nicht dahinter, wenn die Geschichte im Rückblick auf einen größeren Sinnzusammenhang hin transparent wird. Auch Ignatius‘ geistlicher Weg begann im Verborgenen, auf dem Krankenbett in Loyola. Die Entdeckung der Geister sowie die Entwicklung der Unterscheidungskunst waren nicht mit Privatoffenbarungen und Prophezeiungen verbunden, die der Kirche und der Welt als Ganzer galten. Ignatius verließ das Krankenbett auf Loyola in eine offene Zukunft hinein. Das mindert aber im Rückblick die gesamtkirchliche Bedeutung seines geistlichen Weges nicht.

    Das Herz hat seine Gründe, 
    die der Verstand nicht kennt.

    Blaise Pascal

    Wegen des subjektiven Charakters mystischer Theologie erwartet Ignatius vom geistlichen Magister (also von der Person, "die die Übungen gibt" - EB, 7), dass er die Person, die "die Übungen nimmt", nicht belehrt, sondern ihr dazu hilft, zu einer eigenen Erkenntnis des göttlichen Willens zu kommen. Ziel der Exerzitien ist, dass Personen, die die Übungen nehmen, selbst zu Subjekten mystischer Theologie werden und sich zugleich in ihrem Selbstverständnis vor Gott so zurücknehmen, dass Gott als in der Geschichte wirkender Gott frei bleibt.

    Die Absicht hinter der Versuchung ist hingegen, die Freiheit Gottes einzuschränken und Gott nach dem eigenen Willen, den eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu lenken. Das ist ja im Kern auch das Ansinnen des schriftkundigen Teufels, dem Jesus in der Wüste begegnet (vgl. Lk 4,1-13). Jesus antwortet darauf mit einem dreifachen schroffen Nein. Das Nein wiederholt sich mehrfach auf seinem Weg von Galiläa nach Jerusalem, sehr deutlich in der Szene von Caesarea Philippi: Dort versucht Petrus - subjektiv wohlmeinend - Jesus davon abzuhalten, den gefährlichen Weg nach Jerusalem zu gehen. Die Antwort Jesu lautet: "Zurück, hinter mich, Satan" (Mk 8,33). Die Situation wird als Versuchungs-Situation markiert ("Satan"), und zugleich wird das Wesen der Versuchung bestimmt: Petrus setzt sich selbst, ohne ganz zu begreifen, was er tut, an die Spitze des Zuges, statt "hinter" Jesus zu folgen.

    Geistliche Expertise

    "Wenn du ein Gespräch mit dem Teufel anfängst, hast du schon verloren, er ist intelligenter als wir und stößt dich um und verdreht dir den Kopf." Wer sich in einer verantwortlichen Position befindet, steht immer wieder vor Wahlen, für die ihm oder ihr niemand die Verantwortung und Zuständigkeit abnehmen oder absprechen kann. Wer meint, das ginge doch, hat sich schon den Kopf verdrehen lassen.

    Das bedeutet zwar nicht, dass man gute Ratschläge und Expertise einfach in den Wind schlagen und taktische Überlegungen grundsätzlich verachten sollte. Aber die Verantwortung bleibt, auch bei der Übernahme von Ratschlägen oder bei Entscheidungen für taktische Winkelzüge. Der Freiheit Gottes und seines liebenden Willens entspricht eine nicht delegierbare Verantwortung des unterscheidenden, wählenden Subjekts. Das ist die Ausgangposition mystischer Theologie - sie nimmt die unterscheidende Person ganz in Anspruch. Daraus folgt dann aber auch eine eigene Expertise, die der Intelligenz des Teufels eine eigene Kompetenz entgegenzustellen hat. Diese Expertise ist eine der theologischen Quellen von Papst Franziskus.

    Von Klaus Mertes SJ | katholisch.de

    🔳 Zum Autor 
    Der Jesuitenpater Klaus Mertes ist Leiter des Kollegs St. Blasien. Der Text ist eine leicht gekürzte Fassung und erschien zuerst unter dem Titel "Vernunft des Herzens" in der Jesuiten-Zeitschrift "Stimmen der Zeit".
    Ein Graffito an einer Hauswand in Rom zeigt Papst Franziskus und US-Präsident Donald Trump, die sich küssen.  KNA


    Abk. EB = Ignatianisches Exerzitien-Buch

    _________________________________

    teufel nochmal - da tritt er wieder auf - der verschwiegene - der totgeschwiegene: vom teufel heutzutage noch reden - das war ... - das ist doch mittelalterlicher geisterkram ... (???)

    luther hat angeblich auf der wartburg mit einem tintenfass nach ihm geworfen, als er ihm bei der bibelübersetzung zu nahe und übergriffig über die schulter blickte.

    und mir war der teufel als sinnbild und begriff auch abhanden gekommen. ich ahnte zwar noch seine existenz - aber ich habe "ihn" als personales individuum auch nie gesehen - und sehe "ihn" auch heute noch nicht so - auch nicht nach den interventionen von papst franziskus.

    ich konstatiere eher "das teuflische" im menschen - wie franziskus da ja auch sagt: ich unterscheide inzwischen wieder eher - in dem ich "auf die Reflexion der jeweiligen mociones im eigenen inneren achte, um zu erkennen, welche erkenntnisse vom guten geist und welche vom bösen geist stammen". und hierzu dient mir die "richtschnur" des "gewissens" als inneres "navi" für die seele: "da geht's lang" ...

    und ich glaube auch, das ist gemeint, wenn man heute in vielen exerzitien und meditationen auf die "achtsamkeit"hingewiesen wird: achtgeben auf das was gut & schlecht bzw. "böse" ist - auf licht und schatten ...

    nine-eleven - wtc
    2001 habe ich bei den "nine|eleven"-ereignissen um das world-trade-center in new york mich wieder
    auf das teuflische im menschen besonnen - angesichts der unvorstellbaren bilder des grauens, die abends verstörend über die bildschirme huschten - und desto länger ich mich mit dem gewaltsamen "euthanasie"-mord meiner tante erna kronshage beschäftigt habe und dazu recherchierte, wie perfide von den nazis damals eine tötungs-industrie installiert und in gang gesetzt wurde - mit vielen hunderttausend überzeugten helfern aus allen schichten des "deutschen volkes" - da trat mir dieses "teuflische" - dieses abgrundtiefe böse - wieder in den blick, das ich doch schon recht erfolgreich als symbolbild verdrängt hatte.

    und beim hiob wird mir auch immer von den kirchenoberen zu klischeehaft vornehm verschwiegen, dass am anfang der ganzen hiob-geschichte ja ein "teuflischer" deal - eine "wette" - zwischen gott und dem satan stand ... (Hiob 1, 6-12 - gute-nachricht-übersetzung):
    "6 Eines Tages kamen die Gottessöhne zur himmlischen Ratsversammlung und jeder stellte sich an seinen Platz vor dem Herrn. Unter ihnen war auch der Satan. 7 Der Herr fragte ihn: »Was hast denn du gemacht?« »Ich habe die Erde kreuz und quer durchstreift«, antwortete der Satan. 8 Der Herr fragte ihn: »Hast du auch meinen Diener Ijob gesehen? So wie ihn gibt es sonst keinen auf der Erde. Er ist ein Vorbild an Rechtschaffenheit, nimmt Gott ernst und hält sich von allem Bösen fern.« 9 Der Satan entgegnete: »Würde er dir gehorchen, wenn es sich für ihn nicht lohnte? 10 Du hast ihn und seine Familie und seinen ganzen Besitz vor jedem Schaden bewahrt. Du lässt alles gelingen, was er unternimmt, und sein Vieh füllt das ganze Land. 11 Taste doch einmal seinen Besitz an! Wetten, dass er dich dann öffentlich verflucht?« 12 Da sagte der Herr zum Satan: »Gut! Alles, was er besitzt, gebe ich in deine Gewalt. Aber ihn selbst darfst du nicht antasten!« Danach verließ der Satan die Ratsversammlung."
    ja - da ist also von einem umgang gottes   m i t   dem teufel, dem satan, die rede - und ebenfalls von der "einschmeichelnden" verhandlungsart, dem sogar der liebe gott auf den leim gegangen ist ...

    und jesus dann bannte den teufel - aber gab sich zuvor mit ihm ab als den großen "versucher" und "verführer" - in der wüste zu beginn - und spätestens am kreuz zum schluss - mit der eigenartigen rolle auch des judas ischariot in dieser ganzen geschichte ...

    und dann die deutschen mythen, die märchen: goethes "faust" mit seinem mephisto - die hexen, die teufel, das böse in allerhand tiergestalten - es ist ja nicht so als wäre uns diese schattenseite unseres daseins völlig fremd.

    im un - und unter-bewussten - im magischen denken - in träumen auch - ist es weiterhin durchaus aktiv - in jedem von uns: wir alle müssen uns entscheiden - achtsam sein - immer wieder neu: zwischen gut & böse - zwischen gut & schlecht - und all diese gegensätzlichkeiten sind ja auch gleichzeitig die polaren antriebskräfte in vielen physikalischen und physiologischen lebens- und naturerscheinungen ... - und daraus generieren sich dann die schattenseiten unserer handlungen des freien willens - zu dem uns gott geführt hat: der freie wille, zwischen gut & böse zu entscheiden - und sich ver-antwort-ungsbewusst festzulegen ...

    und genau wie wir uns kein bild von gott machen können - können wir uns auch den satan kaum bildlich vorstellen: nämlich weder als der gute opa mit dem weißen bart auf der sonnenseite - und die rote
    ziegenbockmaske mit hörnern und pferdefuß auf der anderen, der schattenseite ...: wer das glaubt wird sicherlich nicht selig ... - sondern wer zwischen licht und schatten zu unterscheiden weiß und sich entsprechend ent-scheidet - und auf die berufungen ins leben seine antworten findet ... - S!

    0 0
  • 06/03/18--14:45: tatort: abendmahl
  • Angestellt beim Staat? Gelenkt vom einer höheren Macht? Im Münchner „Tatort – Freies Land“ ermitteln die Kommissare Leitmayr und Batic unter „Reichsbürgern“ ...

    Tatort: Freies Land - Das Erste | 03.06.2018 - 20.15 Uhr

    Die einprägsamte Aufnahme des neuen „Tatorts“ aus Münchens ist eine Abendmahlsszene: ein Prediger im Kreis seiner Jünger. Die Tische befinden sich in einem Hof fernab von München. Der Heiland im Mittelpunkt zählt zur sogenannten „Reichsbürgerbewegung“. Er scheint ganz beseelt von seiner Rolle, geht ganz in ihr auf. Nur sind seine Stunden womöglich gezählt. Das bringen Abendsmahlsbilder seit Da Vinci nun einmal so mit sich.


    Filmstill aus dem Tatort: "Freies Land" - ARD


    Oder soll die Aufnahme bloß bedeuten, dass hier einer an einem messianischen Gesamtkunstwerk baut? Einer, der zu allem fähig wäre, würde sein Kunstwerk bedroht? „König Ludwig“ wird die ideologische Führerfigur von den Polizisten des kleinen Orts in Niederbayern genannt, in dem sich eine Gruppe von Aussteigern mit stacheldrahtbesetzten Metallwänden („Ausweis unaufgefordert vorzeigen“) von der Außenwelt abgrenzt. Hochachtungsvoll meinen die Ordnungshüter das nicht.

    Tatsächlich heißt der Mann Ludwig Schneider, ein zum Beruf-Charismatiker gewordener Koch aus Siegen, den Schauspieler Andreas Döhler mit einem reizvollen Hauch Schwermut spielt: Dieser Mensch könnte auch ganz anders. Nahe der tschechischen Grenze verfügt Schneider über einen zwölf Hektar großen Flecken Land, den er als eigenes Staatsgebiet betrachtet; eine Alternative zur Bundesrepublik, die seine Anhänger – neben schlichteren Gemütern sind darunter auch warmherzige Aussteiger, die sich nach der Sonnenseite des Lebens sehnen – für eine von „Marionetten aus Washington und Tel Aviv“ gelenkte „GmbH“ halten.

    Wenn nichts mehr hilft

    Jedem, der im Wirrwarr der Gegenwart Antennen für solch pseudojuristisch unterfütterten Verschwörungstheorien bekommen hat, wird bei Schneider geholfen. Seine Gemeinschaft betreibt eine Hotline, die GEZ-Kritikern und Querulanten praktische Tipps gibt; sie vermittelt bei Bedarf auch Choleriker, die Richter und Gerichtsvollzieher am Telefon den Marsch blasen können. Zudem drucken sie ihre eigenen Ausweise. Die „Info-Abende“, bei denen Gäste auf die verräterische Bezeichnung des Personalausweises aufmerksam gemacht werden – „Personal, das sind Sie, nichts anderes!“ –, sind gut besucht. Bei einem dieser Info-Abende sind die Hauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) zugegen. Sie wurden durch einen Toten in einer Badewanne in München, der vom „Freiland“-Gelände in die Großstadt zurückgekehrt war, auf Schneider aufmerksam. An einen Suizid glaubt so recht niemand.

    ...

    Dem Duo Nemec-Wachtveitl aber schaut man dennoch gern zu. Kameramann Johann Feindt („Goster“) sorgt für liebevoll komponierte Bilder. Und auch den Wurstautomaten im „Tatort – Freies Land“ sollte man gesehen und vor allem gehört haben. Arme Würstchen.


    F.A.Z. 


    okay - es war ja nur ein tatort-krimi. und auch das thema wurde in den letzten monaten immer mal wieder strapaziert: "reichsbürger" - "freiländer" - rechte kommunen - diesmal in bayern - nicht in den östlichen bundesländern - wo sie sich ja auch sonst schon mal rumtreiben ...

    irritiert und zum nachdenken angeregt haben mich hier drehbuch, regie und der kameramann - mit den ikonenhaften nachstellungen des "heiligen" da-vinci-abendmahls in dieser rechten "freiland-kommune": 3 - 4 mal wurden die freilander reichsbürger so platziert ikonenhaft eingeblendet, dass man schon fast meinen konnte: halt - hier hat man falsche schnappschüsse eingeblendet ...

    aber diese szenen haben mich auch auf einen aspekt gebracht, den ich für mich noch eher selten angedacht habe: waren jesus von nazareth und seine jünger- und geschwister-kommune vor 2000 jahren in den augen der römischen besatzer und des jüdischen tempel-establishments auch "nur" eine versprengte "reichsbürger"-gruppe - bürger des "reiches gottes" - wie sie sich ja selbst bezeichneten, die sich gegen die weltlich und tempelmäßig herrschenden kräfte auflehnten: die die "heiligen" bisherigen "gesetze" und "gebote" ganz neu und radikal überspitzt auslegten ...???

    und war das wohl auch die absicht vom regisseur andreas kleinert und dem kameramann johann feindt ??? zwar schreibt die f.a.z. in ihrer besprechung: "eine überraschende sicht auf das thema gelingt dem drehbuchautor holger joos und dem regisseur andreas kleinert jedoch nicht," - dem ich aber doch mit dem wahrnehmen dieser abendmahl-ikonen und meinen "schlussfolgerungen" daraus widersprechen möchte.

    man kennt zwar schon den vergleich der jüngerschaft mit einer "kommune" bzw. lebens- und wohngemeinschaft - und das klösterliche leben in allen konfessionen ist ja auch noch heute davon mit durchdrungen in ganz unterschiedlichen intensitäten. 

    aber dieser hier locker mitschwingende politisch verblendete gestus ist ja relativ neu akzentuiert.

    in den augen des pontius pilatus und des tempel-chefanklägers, dem hohenpriester kaiphas, sind jesus und seine leute sicherlich auch nur so etwas wie eine anarchistische gruppe, die den rechtmäßigen jüdischen glauben verraten und den unter römischer besatzung stehenden staat israel untergraben wollen - und nicht als autorität anerkennen ...

    wie heutzutage auch der spanische staat gegen den katalanen puigdemont (sprich - bezeichnenderweise -: "putsch-dämon") auf "hochverrat" plädiert und auf auslieferung pocht, so schrie auch damals die von der tempelpolizei aufgebrachte menge: "kreuziget ihn" - und plädierte ebenfalls auf hochverrat des gültigen glaubens und des herrschenden römischen vasallenstaates ...: "so gebt dem kaiser, was des kaisers ist, und gott, was gottes ist"! (matth. 22, 21) 

    mir geht erst jetzt auf: wie konsequent dieser vergleich tatsächlich zutrifft, wenn man die ostergeschichte liest - und auch die rolle des tragischen judas iskariot bei dem ganzen prozedere beleuchtet: der ja vielleicht auch plötzlich erkannte: jesu "reich ist gar nicht von dieser welt" - und dass es fast wie jetzt im "tatort" - gar keinen "kaufvertrag"über das "reich gottes" gab - sondern alles nur ein glaubengespinst war - für das nicht mal ein schnöder weltlicher pachtvertrag existierte ... - das "reich gottes" im wahrsten sinne des wortes: "eine "luftnummer" - ein "scheingeschäft" - das "blaue vom himmel" ...

    nur der pfiffige paulus von tarsus hat das dann schnell erkannt - und diese vorwiegend anarchistische politnummer einfach mal theologisch neu bewertet und mit charisma versehen: mit der "erfindung" des "sühneopfers" jesu am kreuz, mit dem er dann mal justement "in einem abwasch" alle menschen "erlöst" ...

    jesu selbst hat diese dinge ja so nie explzit benannt - sie wurden ihm erst durch die paulianischen redakteure später, also den evangelisten, als aussprüche in diese richtung auf die tafeln diktiert...

    und was mache ich jetzt - mit den "reichsbügern" von damals: mit jesus, maria magdalena, thomas, johannes, petrus, judas, jakobus und - und - und ... ???

    was hat sich doch aus dieser kleinen ausgeflippten "freiland"-bewegung von damals alles entwickelt: es zeigt uns heute die ungeheuerliche freiheit, die jesus uns mit seinem begriff "reich gottes" geschenkt hat - und er hat damit gott selbst aus den himmeln auf die erde geholt: vom kopf auf die füße gestellt - bzw. ins herz geholt ...

    ja - mit: "so gebt dem kaiser, was des kaisers ist, und gott, was gottes ist"  hat jesus selbst das reich gottes schon im leben - und darüber hinaus - mit begründet: ein ideelles und virtuelles reich für unsere fantasie, für unsere gebete, für unsere hoffnungen - als "ankerzentren" für die flüchtigen wie du und ich in dieser unbotmäßigen welt mit ihrem teuflischen von maschinen gesteuerten süchtigmachenden globalen turbokapitalismus und allen aktuellen ablegern und verzweigungen daraus ...

    unser tatsächliches "reich" ist nicht von dieser welt ... - danke - 

    ist doch toll, was so ein "tatort" aus münchen alles (aus-)lösen kann ... -S!

    0 0





    Johann Valentin Meder (1649-1719)
    Cantata pro festo S . Michaelis archangeli: Singet, lobsinget mit Hertzen und Zungen a 11,  PL-GD Ms Joh 192 
    Sinfonia
    Tutti
    Aria Soprano e Alto. Ritorrnelo. Tenore e Basso
    Tutti

    Goldberg Baroque Ensemble
    Marie Smolka - soprano
    Franziska Gottwald - alto
    Hermann Oswald - tenore
    Markus Flaig - basso
    Andrzej Szadejko - conductor


     Bildmaterial u. Video: S!|art

    0 0

    manchmal ist der schreck auch hübsch ... - S!|art


    0 0


    ... es ist in ihrem Sprachgebrauch ja nur ein Vogelschiss, Herr Gauland - click here - oder auf deutsch: klicken Sie hier an








    HOLOCAUST ALS PETITESSE

    Die Grenze des Zumutbaren


    Von Thomas Schmid | DIE WELT

    Wer Deutschland nur wertschätzen kann, indem er die NS-Barbarei zur Petitesse erklärt, liebt dieses Deutschland nicht. Er hat seinen moralischen Kompass verloren – und darf sich nicht wundern, wenn sich die Justiz seiner annimmt.

    Wer in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf deutschen Gleisen einen Güterzug vorbeifahren sah, dem konnte sich die Frage aufdrängen, ob in diesen Waggons womöglich 20 Jahre zuvor Juden in ein Vernichtungslager verschleppt wurden. Zahlreiche Mörder, unzählige kleine und größere Täter lebten unerkannt und unbehelligt unter uns.

    Im Holocaust hatte der Vernichtungswahn der Nationalsozialisten gegipfelt. Er wurde mit monströser industrieller Präzision ins Werk gesetzt. Nie zuvor hatte ein Regime versucht, ein ganzes Volk auszulöschen. Nie zuvor war ein auf Auslöschung zielender Rassismus erklärtermaßen zur Regierungspolitik geworden.

    Es hat lange gedauert, bis die bundesdeutsche Öffentlichkeit begann, sich darüber allmählich Rechenschaft abzulegen. Zwar gehörte das entschiedene Nein zu jedwedem Totalitarismus zum offiziellen Gründungskonsens der Bundesrepublik. Es wurden aber noch lange viele Augen zugedrückt. Dass dieses Land ein ungeheures Menschheitsverbrechen begangen hatte: Der Schock dieser Erfahrung dämmerte erst sehr viel später. Und er hielt sich.

    Es gehört zu den besten Seiten der bundesdeutschen Geschichte, dass es viele Kräfte gab und gibt, die das Gedenken an den Tiefpunkt deutscher Geschichte wachhalten. Das Holocaust-Mahnmal in Berlin ist ein steinernes Zeugnis für diesen schlichten Willen, nicht zu vergessen. Wer die NS-Zeit zur Kleinigkeit erklärt, will an diesem Tabu rütteln.

    Die deutsche Geschichte vor 1933 lief nicht zwangsläufig auf Auschwitz zu. Deutschland blickt auf eine reiche, aber auch sehr zerrissene Geschichte zurück. Die Deutschen waren sich die meiste Zeit ihrer selbst nicht sicher. Den Staat, der zu ihnen und ihrer buntscheckigen föderalen Verfassung gepasst hätte, fanden sie lange nicht.

    Der Bruch, der die Deutschen rettete

    Die deutsche Geschichte war die längste Zeit über keine Nationalgeschichte. Und als sie schließlich im 19. Jahrhundert zur Nationalgeschichte geriet, hatten die Deutschen noch längst keine angemessene Staatsform gefunden. Sie blieben rastlos. Und bald wurde es furchtbar. Mit der Bundesrepublik musste Deutschland neu begründet werden.

    Dieser Bruch, nicht Kontinuität hat uns gerettet. Wer Deutschland nur wertschätzen kann, indem er die NS-Barbarei zu einer Petitesse erklärt, liebt dieses Deutschland nicht. Er hat seinen moralischen Kompass verloren oder weggeworfen, hat allen Anstand fahren gelassen. Er darf sich nicht wundern, wenn sich die Justiz seiner annimmt. Es gibt Grenzen des Zumutbaren. Seine Mitstreiter täten gut daran, sich Rechenschaft darüber abzulegen, wen sie da zu ihrem Leithammel erkoren haben.


    🔳 Thomas Schmid, geboren: 6. Oktober 1945 in Leipzig, ist ein deutscher Journalist und war Herausgeber der Tageszeitung Die Welt. In den 1960er Jahren gehörte er zur Westdeutschen Studentenbewegung, in den 1970er Jahren zur Sponti-Szene, in den 1980er Jahren zu den Politikern der Grünen. Wikipedia
    ______________________________________

    ach - und vorsicht jetzt bei allen versuchen des "zurückruderns" in teilen der afd - denn:

    in einer zweiten erklärung am montag ruderte gauland bereits weiter zurück - und gab mal die rolle des reuigen sünders: 
    Seine „tiefste Verachtung für den Nationalsozialismus“ habe er „mit einem Sprachbild zum Ausdruck gebracht, das für Missverständnisse sowie Missdeutung gesorgt“ habe. Zwar betonte Gauland abermals, für ihn sei „‚Vogelschiss‘ der letzte Dreck, ein animalischer Auswurf“.
    Doch nun fügte der AfD-Spitzenmann hinzu: „Ich muss aber zur Kenntnis nehmen, dass viele in dem Begriff eine unangemessene Bagatellisierung gesehen haben. Nichts lag mir ferner, als einen solchen Eindruck entstehen zu lassen, was sich aus dem übrigen Teil der Rede auch zweifelsfrei ergibt. Die entstandene Wirkung bedaure ich. Niemals war es meine Absicht, die Opfer dieses verbrecherischen Systems zu bagatellisieren oder gar zu verhöhnen.“
    Es ist das erste Mal, dass der Übervater der AfD klein beizugeben hat. Bisher war dies in der Regel umgekehrt. Einknicken mussten jene in der Partei, die es eigentlich nicht hinnehmen wollten, wie sehr Gauland einer rechten Radikalisierung der AfD Vorschub leistete – sei es durch öffentliche Reden („ ... stolz sein auf die Leistung deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“) oder seine Ablehnung des Parteiausschlussverfahrens gegen den Rechtsaußen Björn Höcke („Denkmal der Schande“).
    Dieses Mal kam es anders. Denn im Unterschied zur pauschalen Diskreditierung von Migranten oder „des“ Islams wird in weiten Kreisen der AfD eine Bagatellisierung des Nationalsozialismus denn doch als zu viel des Schlechten angesehen.

    Auszug aus: DIE WELT
    ich jedenfalls traue all diesen schlickenfängern nicht über den weg: und wenn jetzt sogar die alte mehrmals gewendete broder-fraktion in der "welt" anfängt davon zu reden: "eklat-um-gauland:-was-dieses-mal-anders-ist" - dann ist für mich höchste aufmerksamkeit geboten: denn das ganze kann auch ein raffinierter schachzug sein, mit einem "verabscheuungswürdigen crescendo" - mit einem paukenschlag, der vermeintlich nun auch teile der afd selbst aufschreckt - sich in die "bürgerliche mitte" vorzurobben und festzusetzen ... - denn bei ähnlichen eklatanten äußerungen früher von dem gleichen gauland oder von höcke und von storch und weidel blieben solche distanzierungen in teilen der fraktion ja noch aus - und da passen ja auch die gemeinsamen wenn auch unterschiedliche anträge auf einen untersuchungsausschuss von fdp und afd zum "bamf-skandal" wie die faust aufs auge ... - und lindner und gauland regieren bereits munter vor sich hin - und alle anderen "parteien" dort wägen ab und sind empört - wenigstens empört erstmal ...

    das erinnert an den bösen kreidefressenden wolf im schafspelz: "liebe geißlein - macht mir auf, euer liebes mütterchen ist heimgekommen und hat jedem von euch etwas aus dem walde mitgebracht..." - will heißen: liebes volk - ihr könnt uns ruhig wählen - wir sind ab sofort auch nicht mehr so erschrecklich rechts-radikal - und wir streuen jetzt jedem von euch mal unseren "seriösen" sand in die augen ...

    und mit vereinten kräften will man sich als "intellektuelle rechts-konservative" nun von den "einfachen" radikal-rechten mit kalkül distanzieren, um wählbar zu werden bzw. zu bleiben - und um den stimmenanteil der spd jetzt kurzfristig zu überflügeln: attacke, denn die nahles schwächelt ...

    und das passt ja auch zu den äußerungen des neuen us-amerikanischen botschafters in deutschland: in einem interview, das er der ultrarechten website "breitbart" gab, erklärt dieser neue mr. grenell, sich in politische angelegenheiten uropas einmischen zu wollen - aus ganz uropa hätten ihn vertreter der konservativen kontaktiert um ihm zu sagen, dass sie derzeit aufwind verspürten, sagte grenell. "ich möchte andere konservative in uropa, andere anführer, definitiv stärken."

    aufgepasst also: nachtijall ick hör dir trapsen - da steckt strategie dahinter - eine "konzertierte aktion" - eine versteckt operierende populistische stimmungs-offensive - wie im theater-drama: einer gibt den schurken - damit die anderen dann auf ein zeichen hin kreide fressen können ... - und wir sehen es ja jeden tag an donald trump oder dem herrn kurz in österreich und dem herrn orban in ungarn und den damen und herren z.b. in polen: - solch typen haben damit echt "erfolg" ... - vielleicht sind diese rechten aber auch gemessen an der gesamtgeschichte tatsächlich auch nur nichts wie ein "vogelschiss" ... - "ein animalischer auswurf" (originalton: gauland) S!



    Zur neuen Kolumne zum Thema:
    CLICK HERE


    0 0
  • 06/06/18--09:25: die die welt bedeuten ...
  • S!|art: die die welt bedeuten ...

    die bretter, die die welt bedeuten: die darstellungs-rollen, die wir spielen: tag für tag - stunde um stunde - und der drang, aus diesen rollen auch wieder mal auszusteigen oder sie zu wechseln.

    die bretter hier auf meinem bild sind noch besudelt mit farbresten all der bühnenbildner, die uns allen die requisite basteln und formen: saison um saison - spielplan um spielplan - stück für stück: aus denen wir dann treten, mit denen wir werfen, auf die wir zu pinkeln haben ...

    so wurschteln wir uns durch - eine aufführung dauert ja immer so mindestens 60 - 90 - 120 minuten ... - je nach verwicklungen, in die wir zu schlittern haben ... - egal - es gleicht sich ...

    und - um nun mal zum eingemachten zu kommen - ich formuliere das hier bei aller gender-debatte möglichst geschlechtsneutral - nach bestem wissen und gewissen ... - obwohl - "neutral" gibt es ja genaugenommen gar nicht - habe ich gelernt - habe ich gelernt von den systemikern: denn jeder mensch ist schon durch seine geschlechtlichkeit irgendwie verstrickt: es gibt nur allparteilich: also hier geschlechtlich-allparteilich: wenn es mir als mann gelingt, mich beispielsweise auch in die hirnwindungen einer frau einzuklinken - um diesen part dann abzugleichen mit meinen ureigensten männlichen an-triebs-kräften - ob frauen jetzt lieber schreiben würden: an-mach-kräften (?) - was weiß ich - denn ... klingeling: kein anschluss unter dieser nummber ...

    und ehe wir jetzt zu "verhütung", promiskuität, islamischer vielweiberei zum beispiel kommen, oder auf die siedlungspolitik der juden in palästina - auf das tragen der kippa und das tragen der burka - und was daran jeweils (!) moralisch zu verwerfen sei - und dem kreuzgebammel in den bayerischen amtsstuben - höre    ich          hiermit         m   a   l        l i e b e r      auf ... !!! S!

    0 0
    0 0
  • 06/06/18--22:25: ganz besonders
  • Foto: Theaterwerkstatt Bethel | NW

    Jeder ist anders und besonders

    Jugendvolxtheater feiert mit »Besonders anders – ich will Leben« Premiere

    Von Janina Bergemann | WB

    Am Samstagabend war volles Haus in der Theaterwerkstatt Bethel. So voll, dass zusätzliche Stühle rangeschafft werden mussten. Das Stück »Besonders anders – ich will Leben« des Jugendvolxtheaters der Theaterwerkstatt Bethel feierte Premiere und die acht Jungdarsteller gaben auf der Bühne alles. Das Publikum honorierte das mit tosendem Applaus.

    In dem Stück geht es um existenzielle Fragen: Wer bin ich? Was brauche ich zum glücklich sein? Was bedeutet es, anders zu sein? Wohin führen Intoleranz und Ausgrenzung?

    Im Zentrum steht dabei das Schicksal von Erna Kronshage, die von den Nationalsozialisten verfolgt und am 20. Februar 1944 ermordet wurde. An ihr Schicksal will das Stück, stellvertretend für alle anderen, erinnern. Erna Kronshage wurde 1922 in Senne II (heute Bielefeld-Sennestadt) geboren und arbeitete dort auf dem Bauernhof der Eltern. Als Kronshage 1942 die weitere Mitarbeit auf dem Hof verweigerte, wurde sie vom Amtsarzt in die Provinzial-Heilanstalt Gütersloh eingewiesen. Der Arzt diagnostizierte Schizophrenie, die durch Arbeitstherapie und Elektroschocks behandelt wurde. Schließlich wurde sie zwangssterilisiert und nach Polen transportiert, wo sie ermordet wurde.

    Dem Stück und den Darstellern gelingt es durch eine abwechslungsreiche Inszenierung, an das Leben und grauenhafte Schicksal von Erna Kronshage zu erinnern. Oft herrscht Schweigen auf der Bühne, und die Darsteller zeigen ausdrucksstarke und emotionale Tanz-Choreografien. Dialoge und Monologe werden sparsam und auf den Punkt gebracht eingesetzt. Die Mischung aus Spiel und Tanz macht die Emotionalität des Stückes aus.

    Ein Highlight ist das Ich-Bin-Fragespiel, bei dem das Publikum mitmachen kann und das auch mit viel Spaß tut. So wird eine Verbindung zwischen den Zuschauern, aber auch eine zum Leben von Erna Kronshage geschaffen. Zu Beginn der Vorstellung hat jeder Zuschauer eine rote Karte für »Nein« und eine grüne Karte für »Ja« erhalten. Abwechselnd machen die Darsteller Aussagen, wie zum Beispiel »Ich hatte schon mal eine Null-Bock-Phase« oder »Ich tue gerne verrückte Dinge«, und die Zuschauer antworten, indem sie entweder die rote oder grüne Karte hochhalten.

    Besonders emotional wird es noch einmal nach dem Stück, als der Neffe von Erna Kronshage die Bühne betritt. Edward Wieand hat dem Ensemble die Geschichte seiner Tante nähergebracht und ist sichtlich gerührt und dankbar über die Vorstellung.

    WESTFALEN-BLATT, Bielefeld, Dienstag 5. Juni 2018, S. 13


    Szenenfoto | WB



    ja - ich möchte mal "sichtlich gerührt" doch so stehen lassen - und vielleicht noch in "sichtlich berührt" modifizieren - besonders auch durch die ungeheuerlichen äußerungen des herrn gauland von der afd, der all dieses leid und elend und diese unvorstellbaren einzelqualen ja als "vogelschiss" in der deutschen geschichte abtun will.

    und so als meine spontane reaktion auf das stück hier einfach mal meine mail an die akteure des "jugendvolxtheaters" in der "theaterwerkstatt bethel" abdrucken:

    Liebe Schauspieler – liebe Regisseure – liebe Helfer – liebes Publikum – liebe Lotti Kluczewitz -
    und nicht zuletzt: lieber Canip Gündogdu

    Die “Ur-Aufführung” Eures Stückes heute, der ich beiwohnen durfte, ist jetzt 2 Stunden her ...:

    Und ich bin immer noch “ganz hin & weg” – wie der Westfale zu sagen und zu meinen pflegt ...

    Mir schwirren viele authentische – und ich sagte es ja schon: fast “archetypische” – uralt eingelagerte – innere Vorstellungs-Sequenzen durch den Kopf:
    Bilder, die ich teilweise schon seit über 30 Jahren mit mit mir herumtrage zum Schicksal meiner Tante Erna Kronshage -
    zu den Bildern, die ihr mir heute mit eurer greifbaren physischen und psychischen und künstlerischen Mühe dazu dargestellt und “geliefert” habt.

    Bewahrt Euch bitte diese Sequenzen zu Erna Kronshage – und erzählt sie weiter – immer weiter ...

    Ich musste mich – im übertragenen Sinne – schon einige male “kneifen” – um zu überprüfen – ob ich wache oder träume ...:
    Eure Darstellungen – Eure Dramaturgie – der Aufbau Eurer “Spannungsbögen”, Kulissen und Raumaufteilungen – Eure Textsicherheit und -originalität – das alles begeistert mich ...

    Nochmals allen Beteiligten dazu meinen allerherzlichsten Dank.

    Wie gesagt – Erna ist jetzt 74 Jahre tot – und gerade deshalb ist es immer wieder wichtig – mit soviel Respekt und trotzdem munterer Lebendigkeit immer wieder neu über sie zu berichten.

    Vielen vielen Dank – wir sehen uns ja noch hoffentlich zumindest bei einem “Abschlussgespräch” im Juli ...

    Für Eure nächsten Aufführungen des “Erna”-Stücks – und Eurer weiteren Stücke wünsche ich viel Erfolg – und alles Gute -

    und wenn Ihr mal Zeit habt oder Eure Lieben  oder auch die Besucher der nächsten Aufführungen -
    clickt bitte hier– und dann blättern Seite für Seite – 114 x ...:
    CLICK HERE


      und Euren Kindern und Kindeskindern zeigen und vorlesen ...:
    Seid alle herzlichst gegrüßt

    Edward Wieand 



    0 0

    BILD-Ztg. 07.06.2018 - S. 13 - heute zufällig im Hausflur gefunden in ca. 50 Exemplaren
    [liegen schon morgen früh alle im papier-abfall - und meine frau dreht gern gemüseabfälle für die grüne tonne darin ein...]
    "Weltstar"Julian Schabel (click here) - Foto: S!



    ähhh - mit "kunst" in bezug auf die "springer-presse" tue ich mich schwer: da ist auf der einen seite die für mich hervorragende zeitschrift "blau" als beilage zur jeweiligen samstags-ausgabe um den 20. jeden monats herum in der zeitung "die welt" - oder auch im freien verkauf - und da sind dann die nur zum teil hervorragenden künstler-ausgaben der "welt", vielleicht 2- oder auch 3 x mal im jahr (habe ich nicht statistisch ausgewertet) ... 

    und da sind auch sehr gute redaktionelle berichte zur zeitkunst - aber da ist auch einhergehend viel klamauk - wo es meiner meinung nach nur um kohle geht und um public relation für irgendwelche typen der kunstszene, die den hals nicht vollkriegen können - bzw. (wie im bundesliga-fußball) ihre "sklavenhalter", die agenten und manager und galerien und agenturen usw.

    das heute in "bild" angepriesene "kunstwerk" ist für mich ein witz:  es heißt "happy thursday" - und ist vom "weltstar" julian schnabel, anlässlich der "bild"-heimatausgabe als limitierte und signierte grafik in einer auflage von 75 exemplaren - 79 x 120 cm groß - zum preis von 3.400 uro (i.w. dreitausendvierhundert) - wobei ein teil des erlöses "auf wunsch des künstlers" an "ein 💗für kinder" (einer "bild-hilft e.v."-initiative) geht.

    schon neulich bestand die "künstler-ausgabe" der "welt" von jeff koons zum allergrößten teil nur aus kopien alter und antiker großer meister - alle besser als koons - einfach, weil der "meister" selbst meiner meinung nach handwerklich nicht allzuviel zu bieten hat - und seine weltmarktpreise für mich eher mit "krypto-währung" zu vergleichen sind - alles rein virtuelle geschäfte, die mit dem tatsächlichen "kunstwerk" bzw. "kunstwert" nix aber auch gar nix mehr mehr zu tun haben - einfach weil sie "schwach" sind - um es gelinde auszudrücken - weil sie mit "können" nichts mehr zu tun haben ... - [erinnern sie sich noch an den alten spruch: "kunst kommt von können" - zumindest aber von einer zündenden idee und einer guten individuellen und nicht kommerziell-industriellen umsetzungs-fertigung ...] 

    aber zurück zu dem machwerk "happy thursday" von julian schnabel: auch da schüttele ich mit meinem weisen haupt: das ist null - nothing - ein paar kringel um eine bunte "brandenburger-tor-kopie" - naja - wer es denn mag ... ???

    la-la-la - es ist zum heulen - da gibt es überall echte könner und echte künstlerische werke und initiativen - allerdings meistens wohl unter- und außerhalb des radarschirms der "springer-presse" ... - und da gibt es im kommerziellen zentrum aber diese totengräber seriöser kunst - die um des klamauks willen auch handstand auf der rasierklinge machen würde, um dann das blut tröpfchenweise - in kunstharz eingegossen - zu verscherbeln: "dröppke for dröppke - chaude kwaliteit" ... -

    p.s.: hoffentlich finden Sie für die "spitzengrafik""happy thursday" auch den passenden rahmen - und das alles dann ins wartezimmer oder ins vorzimmer oder ins büro ... - einfach nur schön und toll ... S!


    0 0



    0 0
  • 06/08/18--12:23: klappe halten
  • S!|art: Klappe halten - übrigens, ich werde hier bis Anfang Juli wg. Urlaub meine Klappe halten


    0 0
  • 06/24/18--23:53: kerngesund

  • Foto: Praxis Viata
    Jeder vierte Deutsche klagt über Lebensmittelallergien

    Ernährung: Viele Menschen vertragen manche Nahrungsmittel nicht. Ärzte zweifeln aber, ob immer eine Erkrankung dahintersteckt

    Von Tessa Rinkes | NW

    Vor 20 Jahren waren Wörter wie Laktose-Intoleranz, Fruchtzucker-Allergie oder Histamin-Unverträglichkeit noch nahezu unbekannt - heute klagt ein Viertel der Deutschen über solche Beschwerden. Immer mehr Menschen geben an, dass sie nicht alles essen können, ohne mit Krankheitssymptomen zu reagieren. Laut einer Studie der Krankenkasse Pronova sind 30 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer betroffen. Allerdings waren nur bei der Hälfte der Befragten die Beschwerden so stark, dass sie einen Arzt aufsuchten.

    saarland.de
    An der Spitze der Unverträglichkeiten steht laut Umfrage die Laktose-Intoleranz - viele Menschen
    sind überzeugt, dass sie Milchprodukte nicht vertragen. Besonders allergisch reagieren viele auch auf Nüsse und, wie sie angeben, auf Geschmacksverstärker. Ob die selbst festgestellten Beschwerden tatsächlich organische Ursachen haben, könne aber nur eine medizinische Untersuchung klären, sagt Gerd Herold, Beratungsarzt der Kasse. "Es kann sich auch um eine temporäre Überreaktion des Körpers handeln", sagt er. Diese können schnell abklingen.

    Foto: Ärzteblatt.de


    Überhaupt zweifeln Ärzte, dass die gefühlte Unverträglichkeit immer auch eine tatsächliche ist: Während neun Prozent der Bevölkerung bei sich selbst eine Gluten-Intoleranz vermuten, beziffert die deutsche Zöliakie-Gesellschaft den Anteil der Betroffenen auf lediglich ein Prozent. Sie können wegen der sehr belastenden Autoimmunerkrankung das Kleber-Eiweiß im Getreide nicht vertragen.
    Viele Menschen vermuten bei Bauchschmerzen oder Durchfall schnell, dass Lebensmittel die Beschwerden auslösen. Doch Ernährungsexpertin Sabine Schulze sagt, auch Stress könne solche Symptome hervorrufen. Daher sollten Betroffene nicht nur auf ihre Ernährung achten, sondern auch auf Stress und Bewegung. "Selbst aufrechtes Sitzen und langes und bewusstes Kauen können das Unwohlsein oft verhindern", sagt die Bielefelderin.

    Schulze rät zudem ab, auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten, bevor eine Unverträglichkeit oder Allergie wirklich diagnostiziert wurde. "Beispielsweise ist Gluten - ein Getreidebestandteil - ein wichtiges Protein zur Produktion der Darmschleimhaut", erklärt die Ernährungsberaterin.

    Auch Bianca Maurer, Sprecherin der Zöliakie-Gesellschaft, warnt vor dem Weglassen von Gluten: "Gesunde leben durch glutenfreie Nahrung nicht gesünder, eher das Gegenteil ist der Fall", sagt Maurer, weil die Nahrung meist mehr Fett enthalte.

    © 2018 Neue Westfälische, Donnerstag 21. Juni 2018


    ___________________________________________________________


    da pustet der diesel nachgewiesener maßen unverhältnismäßig viel zu viel feinstäube in die luft, da ist laut u viel zu viel nitrat im trinkwasser - da zucken die experten mit den schultern, wenn es um fragen der sich überkreuzenden allergien und unverträglichkeiten von nahrungsmitteln geht - und um die verstoffwechselungen im miteinander all der auftretenden und zugeführten stoffe - und doch winken die ärzte im allgemeinen ab - und verweisen auf "stress" und "falsche körperhaltungen" und natürlich über "zu wenig an bewegung" ...

    ein viertel aller menschen klagen mittlerweile über eigenartige symptome bei sich, oft wenn sie bestimmte lebensmittel zu sich genommen haben: und auf den zum teil völlig unsinnigen plastikverpackungen der lebensmittel stehen ja jetzt oft winzigklein auch hieroglyphenartige "zusatzstoffe" aufgedruckt: "enthält: e xxx" - und um den einsatz von giften und pflanzen"schutz"mitteln wird mit der landwirtschaft gerungen - und ihrer ausbringung von viel zu viel gülle auf die felder: alles - um noch mehr hohe erträge zu erzielen: der rubel muss rollen ...

    zur "besseren bewirtschaftung" werden kleine acker-parzellen zusammengelegt und zentral bewirtschaftet mit millionenteuren maschinenmonstern - kolchosenwirtschaft wie zu besten ddr-zeiten - aber der endverbraucher all dieser erzeugnisse bildet sich die unverträglichkeiten und allergien nach ansicht vieler ärzte nur ein - dabei ist niemand ein besserer "experte" seiner eigenen gesundheit als der mensch selbst ... - und oft versagt die sprache, die genaue befindlichkeit auch auszudrücken.

    überhaupt - diese ärzteschaft -: sie scheint an keinerlei unverträglichkeiten zu leiden, sie sitzt immer aufrecht stressfrei hinterm schreibtisch - und läuft jeden mittwochnachmittag - wenn die praxis geschlossen ist - selbstverständlich den dazugehörigen halbmarathon - und anscheinend abends, nachdem man mit dem fahrrad nach hause geradelt ist, ergeht man sich noch im grünen wald und bolzt mit den kindern ... - die auch alle keinerlei unverträglichkeiten haben ...

    wer durchforscht und durchforstet mal all die abhängigen allianzen zur wertschöpfung zwischen politik, medizin, landwirtschaft, pharmazie und düngemittelindustrie - auch hinsichtlich der zulassungsüberprüfungen und überwachungsinstitute - und die festlegung der toxischen bzw. "wünschenswerten" oder "unbedingt zu erzielenden" oder "einzuhaltenden" grenzwerte, die dann mit dem millionenschweren umsatz von arzneimitteln "erzielt" werden "müssen" - sie alle haben ihre lobbyisten in berlin und brüssel sitzen, und die schauen ja schon nach "dem rechten" - da können sie gift drauf nehmen ... - und statistiken und messwerte kann man ja bekanntlich so oder so lesen ...

    und ich muss hier jetzt schluss machen und mir mal den roten quaddel im spiegel betrachten, der sich da gebildet hat, seitdem ich gestern die pizza .... - S! 


    Foto: SuperMED


    0 0
  • 06/25/18--03:27: schaltkreis






  • ich bin wieder hier - in meinem revier ... - und da hat mich doch gleich die muse geküsst: ein motiv verschlimmbessert nach 3 wochen abstinenz hier: nach der "klappe" also hier der "schaltkreis" by S!NEDi



    0 0
  • 06/26/18--03:48: kirchendämmerung
  • aus einem Spiegel-Titelblatt von 1981 - mit einem Holzschnitt von Otto Pankok aus 1950



    Wie 1968 die Kirche veränderte

    Die Protestbewegung hat auch Spuren in den Religionsgemeinschaften hinterlassen. Willi Nettingsmeier, damals im Dienst der Evangelischen Kirche, machte besonders prägende Erfahrungen

    Von Stefan Boes | NW

    Löhne-Obernbeck: ein Sonntagnachmittag in den Sechzigerjahren. Die Mitglieder der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde haben den obligatorischen Kirchenbesuch absolviert. Eine Selbstverständlichkeit in der traditionell geprägten Gemeinde im Kreis Herford. Auch für Willi Nettingsmeier, der damals Anfang 20 ist. Nach dem Kirchgang ist dann nicht mehr viel los in dem kleinen Ort. Die Freizeitindustrie steht noch am Anfang und Smartphones und Videospiele gibt es ebenso wenig wie Bundesligakonferenzen und Serienmarathons vor dem TV. "An den Wochenenden gab's nichts", erinnert sich Willi Nettingsmeier.

    Dann erzählt er von Pfarrer Erich Kleine, der 1962 nach Obernbeck kommt. Ein Modernisierer, der die Kirche damals in der Krise wähnt. Und ein Mann mit dem Auftreten eines Managers. "Sehr beliebt", sagt Nettingsmeier. Anfang der 1960er-Jahre führt Kleine an den Sonntagnachmittagen Treffen für Jugendliche ein. Man spielt Schach und Tischtennis. Aber man redet auch über Dinge, über die sonst nichts gesprochen wurde. Über Aufklärung und Sexualität. Es war damals schwer, sich als junger Mensch eine Vorstellung von solchen Themen zu machen und eine Haltung dazu zu finden. Pfarrer Kleine brachte Aufklärungsbücher mit zu den Treffen. Es sollte noch zum großen Krach deshalb kommen.

    Nettingsmeier, Jahrgang 1944, hat fast 50 Jahre im Landeskirchenamt Bielefeld gearbeitet. Heute erteilt er in Löhne ehrenamtlich Konfirmandenunterricht. Die Kirche hat sein Leben geprägt. Jetzt, 50 Jahre nach 1968, musste Willi Nettingsmeier wieder an den vor fünf Jahren verstorbenen Pfarrer Kleine denken und an den Aufbruch, der damals auch in der Kirche zu spüren war. Als Kirchenbeamter habe er tiefe Einblicke gehabt in die sich allmählich öffnenden kirchlichen Strukturen und Veränderungen. "Die 1968er-Bewegung hat die Kirche verändert", sagt Nettingsmeier. Nicht auf Anhieb, aber nach und nach.

    "Es gab mancherlei Anstöße, deren Tendenz war: Weg mit unhinterfragten Autoritäten und Traditionen", sagt Andreas Duderstedt, Pressesprecher der Evangelischen Kirche von Westfalen. An vielen Orten habe man experimentiert, neue Formen ausprobiert, die bis heute fortwirken - etwa in Jugendgottesdiensten mit Bands und szenischem Spiel. "Wichtig war die Erkenntnis: Das Evangelium ist immer auch politisch. Das wirkte sich in Predigten und Veranstaltungsformen aus", sagt Duderstedt. Das Risiko dabei: Wenn die politische Dimension alles andere verdrängt, bleibe für das Evangelium kein Platz. "Und wenn überlieferte Formen ganz über Bord geworfen werden, geht ein Schatz verloren", sagt Duderstedt.

    Heinrich Wilhelm Schäfer, Religionssoziologe an der Uni Bielefeld, spricht von langfristigen Entwicklungen, die die 68er angestoßen haben. Die völlige rechtliche Gleichstellung von Frauen im Pfarramt in der Evangelischen Kirche seit 1974 etwa. Die Kirche habe sich zwar nicht explizit auf die 68er-Bewegung bezogen, doch die starken linken Bewegungen an den theologischen Fakultäten hätten dazu geführt, dass die Studenten später mit einem anderen Bewusstsein in den Kirchendienst gegangen sind.

    Die Aufbrüche in der Gesellschaft und in der Kirche, die Politisierung der Jugend, die Kirchentage jener Zeit, die ganz neue Traditionen wie die Politischen Nachtgebete hervorgebracht haben, zuerst in Köln, wo es starke Proteste gegen den Vietnamkrieg gab, später auch an vielen anderen Orten - das alles ist Willi Nettingsmeier "in lebhafter Erinnerung", sagt er. Und besonders das Gemeindeleben in Obernbeck. Erich Kleine blieb jedoch nicht lange in der Gemeinde. Er galt als zu fortschrittlich. Dass der Pfarrer den Jugendlichen Themen wie Sexualität und Aufklärung nahebrachte, sei nicht gerne gesehen worden, erinnert sich Nettingsmeier. Aber auch einige der Schriften von Kleine kamen nicht gut an. 1968 veröffentlichte er ein Buch, aus dem sein kritischer Geist spricht: "Nun, es ist ja sehr bequem, auf alteingefahrenen Gleisen zu fahren und sich nicht umstellen zu müssen", schreibt Kleine. Aber: "Als Christen täte es uns gut, etwas liberal zu werden, so wie Jesus liberal war, gerade im Blick auf die kirchlichen Ordnungen und Traditionen." In der Erinnerung von Willi Nettingsmeier sind das Sätze, die auch 50 Jahre später noch nachhallen.

    © 2018 Neue Westfälische
    03 - Bielefeld Süd, Dienstag 26. Juni 2018

    _______________________________________________________



    ich habe im geist der 68er damals meinen "kriegsdienst mit der waffe" verweigert, nachdem ich bereits 9 monate grundwehrdienst in einem fernmeldebataillon als sprechfunker mit dem dienstgrad des "gefreiten" absolviert hatte.

    ein vertragsarzt für psychiatrie-neurologie der bundeswehr riet mir aufgrund meiner andauernden psychosomatischen problematiken zu diesem schritt, und nannte das ganze damals ein umfassendes "angstsyndrom" ... - eine andauernde panik - vor willkür und militär.

    und mein weiser körper lehnte sich zu recht dagegen auf - und ich stellte dann meine anträge und unterwarf mich der verhandlung, um mein grundrecht auf "kriegsdienstverweigerung" durchzusetzen - quasi als "therapie": ich musste vom "ge-freiten" zum "be-freiten" werden - und dafür musste ich "kämpfen".

    als sohn eines eingesegneten bethel-diakons berief ich mich dazu auch auf religiöse gewissensgründe.

    den anschließenden rest-ersatzdienst von nochmal 9 monaten nach der anerkennung zum kriegsdienstverweigerer trat ich in bethel-eckardtsheim an, in der pflege von menschen mit epilepsien, die z.b. in der landwirtschaft arbeiteten.

    so kam ich zu "kirchens" - zum kirchlich-diakonischen dienst, denn ich gab daraufhin meinen damals aussterbenden beruf als schriftsetzer im bleisatz und als verlagskorrektor auf, um in berufsbegleitenden umschulungs-ausbildungskursen die nötige pflegerisch-heilpädagogische Kompetenz zu erlangen.

    das alles war getragen und durchdrungen damals vom 68er zeitgeist (69/70 trat ich diesen zivildienst an) - und ich fand im wahrsten sinne des wortes in manchen bethel-häusern noch "unter den talaren [und 'brüderkitteln'] den muff von von 1000 jahren" - in die grau-"sterilen" schlafsäle und "tagesräume" zog nun farbe ein (manchmal gekauft vom eigenen "sold"geld) - und es gab plötzlich gemütliche sitzecken und gemischtgeschlechtliche wohngruppen - und vor allen dingen setzten wir zivildienstleistende den "paramilitärischen" drill und ton in den pflege(!)häusern außer kraft und wandelten ihn um in kontakte von face to face und in annahme und tatsächlicher auseinandersetzung mit den persönlichen problematiken der bewohner und patienten - heute würde das sicherlich als eine zu große nähe und zu viel an gemeinsinn abgetan.

    ab dann traf man auch bei den alltäglichen andachten und den sonntagsgottesdiensten und den kirchentagen (die kirche war ja ab dann auch mein "dienstgeber") immer öfter auf gleichgesinnte "brüder und schwestern" in den verschiedenen professionen auf diesem gebiet.

    natürlich nahm man an friedensgebeten und antimilitaristischen kundgebungen teil - natürlich sog man die grundsätze der lateinamerikanischen befreiungstheologie förmlich auf, von deren geist auch sicherlich der jetziger papst franziskus mit durchdrungen ist ist in seinen progressiv-ökumenischen momenten.

    all das strahlte ab 68 in die kirche ein, die ja kein "geschlossenes system" war - sondern von ihren "schafen" und "hirten" jeweils mitgeprägt wird.

    und ich erkannte rasch, dass viele aspekte dieses noch immer hier und dar währenden zeitgeites durchaus dem entsprachen, wie ich es in der bibel - in der bergpredigt beispielsweise - vorfinde und lese und wovon ich mich be- und anrühren lasse ...

    es gibt ja heute zuhauf diese typen, die diesen 68er geist verteufeln wollen und ihm jedes originäre quellentum meinen absprechen zu müssen, oder noch alte "versteckte" faschistischemechanismen darin hier und da erkennen wollen - aber dabei vergisst man, mit welcher "wucht" sich dieser "geist" weltweit damals nach geradezu "systemischen" lehrsätzen entwickelte und ausbreitete und beflügelnd wirkte für viele elemente des lebens und der kultur [= der flügelschlag eines schmetterlings in brasilien kann einen tsunami in japan auslösen ...] .

    ich jedenfalls bin dankbar für diesen 68er "kuss", der mich und viele andere in meiner nähe wachgeknutscht hat ... S!






    0 0

    Foto: FOTOLIA - Gestaltung: Brinkmann | NW - bearbeitet

    Das vergiftete Land

    Bestandsaufnahme: Es war einmal eine entspannte Republik. Doch "Schland" ist tot. Statt Party-Patriotismus schwankt Deutschland in diesem Sommer zwischen Hysterie und Fatalismus. Nur Toni Kroos bleibt cool. Wie geht es weiter?

    Von Jan Sternberg | NW

    Berlin. Wir gehen noch einmal zurück in die 95. Minute im Fischt-Stadion von Sotschi. Zurück zu dem Freistoß, zu dem Schuss voller Trotz. In den Winkel gezwirbelt von Toni Kroos, dem Schweiger aus Greifswald, dem Champion mit Wohnsitz Madrid. Nach dem Spiel schwieg er nicht mehr. "Du musst dann eben auch die Eier haben, so zu spielen", sagte Kroos. Und: "Relativ viele Leute in Deutschland hätte es gefreut, wenn wir rausgegangen wären. Aber so einfach machen wir es denen nicht."

    Seinen Freistoß hat er gefühlvoll um die schwedische Mauer gezirkelt, doch seine Aussage glich einem ausgestreckten Mittelfinger ins Gesicht all der Nörgler und Hassenden: Wir sind wieder da! Alles ist wie immer! Deutschland ist eine Turniermannschaft! Und jetzt liebt uns gefälligst!

    Fußball kann so einfach sein. Wer den letzten Ball reinmacht, hat Recht. Dazu braucht es keinen Masterplan, sondern nur den Mut für eine Aktion und drei rettende Punkte auf dem Konto. Im Fußball geht es immer um das nächste Spiel, heute gegen Südkorea in Kasan. Sicher ist noch gar nichts. Aber das Selbstvertrauen ist zurück.

    Doch 3.000 Kilometer von Sotschi und Kasan entfernt ist es nicht mehr weit her mit dem entspannten Selbstvertrauen, das dieses Land seit der Heim-Weltmeisterschaft vor zwölf Jahren eingeübt hat. "Die Stimmung im Land ist vergiftet, wir werden das Flüchtlingsthema nicht mehr los", sagt ein einflussreicher CDU-Politiker in Berlin. Das hysterische Dauerfeuer von rechts dringt in einem Abnutzungskampf der Parolen bis weit in die Mitte vor, nicht nur die CSU hat sich schon ganz der Sprache der Populisten ergeben, der Rechten. Normalerweise hält sich die Politik zu WM-Zeiten ein Stück zurück, alle schauen gemeinsam Fußball, und die Kanzlerin lässt Fotos von ihren Besuchen in der Kabine verbreiten, Macht und Männer ganz nah beieinander.

    »Trump trägt entscheidend zu dem Übergangsgefühl bei.«

    Dieses Jahr hat die Politik ihr eigenes Endspiel, begonnen just am Tag des Eröffnungsspiels in Moskau. Horst Seehofer, der Getriebene im Bundesinnenministerium, sorgt für einen deutschen Sommer der hysterischen Bräsigkeit. Eine Woche nachdem Seehofer angekündigt hat, Personen mit Einreisesperre an den Grenzkontrollpunkten zurückzuweisen, sind zwei solcher Fälle bekannt. Sein Nachfolger als Ministerpräsident in München, Markus Söder, wird nächsten Montag mit großem Getöse die neue bayerische Grenzpolizei ins Leben rufen. Es sind zunächst dieselben 500 Beamten, die bereits jetzt als normale Landespolizei im grenznahen Gebiet unterwegs sind. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei spricht von einer "Mogelpackung". So geht Populismus. Nur dass die echten Populisten ihn immer noch besser beherrschen und die AfD Chancen hat, in Bayern zweitstärkste Kraft hinter einer immer weiter schrumpfenden CSU zu werden.

    In Österreich sind sie schon einen Schritt weiter. Dort übten gestern Polizei und Militär das Vergraulen von fiktiven Flüchtlingen in Spielfeld an der slowenischen Grenze. Echte kommen dort nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen nicht mehr vorbei. Kritiker der Aktion holten ein Bild des früheren Außenministers Alois Mock (ÖVP) aus dem Archiv, wie er vor genau 29 Jahren mit seinem ungarischen Pendant Gyula Horn den Eisernen Vorhang durchschnitt. Bilder aus einer anderen Zeit: Politiker, die Grenzzäune niederreißen. Oder auch dieses: ein strahlender Mesut Özil mit freiem Oberkörper neben der Kanzlerin. Kein Sündenbock des hysterischen Deutschlands, sondern ein unbeschwerter Fußballheld. Das war 2010. Auch eine Ewigkeit her.

    In seinem Berliner Büro bereitet Jeremy Cliffe gerade den Abschied aus Deutschland vor. Der Korrespondent des ehrwürdigen britischen Economist wird ab Herbst aus Brüssel berichten. Wenn es nicht überraschend Neuwahlen gibt, dann müsste er bleiben. Nicht-Muttersprachler sind ja oft von den Möglichkeiten der deutschen Sprache fasziniert, für diffuse Gefühle präzise Begriffe bereitzuhalten. Cliffe macht da keine Ausnahme. "Unbehagen" sei so ein typisch deutsches Wort, und für ihn trifft es die aktuelle Stimmung auf den Punkt. Im April hatte Cliffe eine Titelgeschichte im Economist, "Cool Germany" hieß sie. Cliffes These: Das immer vielfältigere Deutschland könnte ein Vorbild für den zaghaften, vom Populismus bedrohten Westen sein, wenn es sich mehr zutrauen würde. Auch damals schon aber war Unbehagen sein Leitmotiv. "Deutschland ist in einer Übergangszeit", sagt er jetzt. Nach der Kohl-Ära und der Vereinigung begann eine 20-jährige Phase der gesellschaftlichen Modernisierung unter Schröder und Merkel, die nun zu Ende gehe. Was darauf folgt, weiß noch keiner. Sicher sei nur, dass die Sicherheiten flöten gehen. Und die Quelle dieser Unsicherheit sitzt nicht in Berlin, München, nicht in Wien oder Rom, sondern in Washington: "Trump trägt entscheidend zu diesem Übergangsgefühl bei", sagt Cliffe. Die Grundpfeiler Deutschlands waren US-garantierte Sicherheit und Exporterfolge. Ein Präsident, der immer mal die NATO in Frage stellt und mit Handelskrieg droht, legt die Axt an beides. Der eskalierende Zoff in der Union wiederum vernichtet die Stabilität der letzten verbliebenen Volkspartei, nachdem die SPD nicht aus ihrer Agonie herausfindet.

    Vor seinem Wechsel nach Brüssel will Cliffe den Deutschen in einem weiteren Artikel noch einen Abschiedsgruß zurufen. "Seid nicht zu pessimistisch!" Dass Deutschland als Motor Europas, "in tiefen Pessimismus verfällt, ist eine meiner größten Ängste", sagt der Brite. "Euch geht es doch trotz allem gut!" Eine Arbeitslosenquote von 5,2 Prozent und steigende Reallöhne sprechen dafür. Die Kriminalitätsrate sinkt, was die Unsicherheits-Predigerin Beatrix von Storch in einem BBC-Interview in grotesk anzuschauende Erklärungsnot brachte. Doch das Unbehagen lässt sich nicht wegargumentieren, weil es zu tief sitzt: Auch außerhalb der Trendbezirke in den Metropolen wird es immer schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden, und die Regierung leistet sich einen Detailstreit ums Baukindergeld. Das Gefälle zwischen Stadt und Land wird immer größer, doch der dafür jetzt zuständige Heimatminister heißt Seehofer und verwendet seine Energie darauf, zwei Menschen pro Woche an der Autobahnkontrolle zu Österreich zurückweisen zu lassen.

    Wo gibt es in diesem Land denn noch Optimisten, "verdammte Hölle" (Gary Lineker)? Also, andere als Toni Kroos. Einer steht hinter der Theke seines Handyladens in der Sonnenallee, im arabischen Teil Berlins. Ibrahim Bassal einen Fußballfan zu nennen, wäre weit untertrieben. "Ich bin nicht einfach nur ein Fan, ich bin verrückt nach Deutschland", sagt der Geschäftsmann, der in den 1980ern als Kind aus dem Bürgerkriegsland Libanon nach Berlin kam. "Es wird alles gut werden, wir steigern uns, wir kommen ins Finale! Und dann gewinnen wir, 2:1 gegen Portugal." Ibrahim Bassal und sein Laden waren einmal ein Teil der Sommermärchen. Ein siebzehn Mal fünf Meter großer Teil, der überall in den Zeitungen zu sehen war. Sie hatten Berlins, ach was, Deutschlands größte Deutschlandflagge ans Haus gehängt, vom vierten Stock bis zum Erdgeschoss. Heute hängt dort nichts mehr. "Die Nachbarn haben gewechselt", sagt Bassal, "sie wollen nicht mehr, dass ihre Balkone verhängt werden. Sehr schade."

    Beim "Sommermärchen" 2006, in Südafrika 2010, in Brasilien 2014 spielten sich junge Mannschaften in die Herzen zu Hause. Eine Mannschaft, deren Spieler Eltern aus Ghana, der Türkei oder Polen hatten, was aber wundersamer Weise nur für Folklore sorgte, nicht für Diskussionen. Auch auf den Fanmeilen und vor den großen Bildschirmen in den Straßencafés waren Haut- und Haarfarbe egal geworden, solange man nur ausreichend schwarz-rot-goldene Fan-Accessoires mit sich führte.

    "Es hat alles gepasst. Bei den Fanfesten haben unterschiedliche Rassen, Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und Religionen nebeneinander gestanden. So stellt sich der liebe Gott die Welt vor, auch wenn wir in der Realität noch 100.000 Jahre davon entfernt sind", sagte Franz Beckenbauer auf dem Höhepunkt seines Kaisertums. Sein Ruf und der dieser Heim-WM sind nach den Enthüllungen über versteckte Zahlungen und Rückzahlungen schwer angekratzt, um es vorsichtig auszudrücken. Doch die kaiserliche Anrufung der Realität hat sich leider bestätigt. 2006 sagte der Potsdamer Historiker Martin Sabrow, "Die Deutschlandfahnen an den Autos - das ist fröhlicher Patriotismus und eben nicht der enge Nationalismus früherer Zeiten, weil er ja Spieler wie Asamoah und Odonkor mit einschließt." Damals wurde Gerald Asamoah nur von einer rechtsradikalen Splittergruppe mit dem Satz "Gerald, du bist nicht Deutschland" angegriffen. 2016 pilgerte der gläubige Muslim Mesut Özil nach Mekka, die Kritik daran blieb nur deswegen aus, weil sich AfD-Senior Alexander Gauland keine Namen von Fußballern merken kann. Er wollte Özil angreifen und traf Boateng, den er nicht als Nachbarn haben wollte. (Man will sich übrigens nicht vorstellen, was passiert wäre, hätte Boatengs Platzverweis gegen Schweden zum Vorrundenaus geführt).

    Nun werden Özil und Ilkay Gündogan wochenlang wegen ihres Fotos mit Erdogan angegriffen. Es zeigt die düstere Kehrseite des "fröhlichen Patriotismus", bei dem jeder dazugehört, der schwarz-rot-gold trägt. Waren die Migrantensöhne im Team vielleicht nur geduldet, so lange sie Leistung brachten, quasi Deutsche auf Bewährung und die ersten Sündenböcke, wenn es nicht mehr so gut läuft? "Wir werden nie dazugehören", posten deutsche Intellektuelle mit türkischen Namen jetzt in den sozialen Netzwerken.

    Auf der Sonnenallee schwankt Ibrahim Bassal zwischen Optimismus und Unbehagen. Sein Laden brummt, von elf bis 21 Uhr reißt der Kundenstrom nicht ab. Fast alle sprechen arabisch. Bassal, der Deutschland-Extremfan, hat gut zu tun. Doch wenn er einen Moment durchatmen kann, sagt er einen Satz, der alles abschließt: "In Deutschland bleibst du Migrant. Egal, wie lange du hier bist. Egal, was du machst."

    © 2018 Neue Westfälische
    03 - Bielefeld Süd, Mittwoch 27. Juni 2018

    _______________________________________________


    ja - das ist ja mal eine bestandsaufnahme der derzeitigen zerrissenen befindlichkeiten in der deutschen seele in meiner heimatzeitung.

    aber - gibt es das überhaupt: eine "deutsche" seele - deutsche gene,
    deutsches blut, deutschen boden ... ???

    wir sind menschen, die in einem "künstlich" durch geschichte und kriege und adeligen erbstreitigkeiten geformten staatsgebilde namens deutschland leben: ein zufälliger fleck auf dem erdenrund - in den wir durch geburt hineingepurzelt sind oder zu dem wir irgendwie hingekommen sind durch oft widrige umstände.

    mein großvater lebte in ungarn und war der nachkömmling ursprünglich wohl elsässisch-lothringischer wirtschaftsflüchtlinge des 30-jährigen krieges.

    die kinderreichen angesiedelten familien in ungarn konnten ihre ihnen zugewiesene parzelle nur bestenfalls 4x unterteilt weitervererben - gab es mehr als 4 kinder, mussten die sich als saisonarbeiter in verschiedensten berufen und tätigkeiten verdingen, um zu überleben - und die kindeskinder teilten dieses schicksal sowieso.

    also machte man sich auf in das "gelobte land" - z.b. in die usa. mein großvater schipperte 1903 mit der "ss chemnitz" von bremen nach baltimore ... - aber in den usa fand er kein auskommen und kam 4 jahre später in dortmund an, wo er als kohlenhauer im pütt malochen musste. nebenher hat er schuhe repariert, was er dann später zu seinem hauptberuf dort machte. 1909 wurde mein vater in dortmund geboren, der dann beruflich nach bielefeld kam, wo ich dann zur welt kam - übrigens von einer seit generationen durch und durch ostwestfälischen mutter zu hause geboren in einem in hartfaserplatten-leichtbauweise abgetrennten 2 x 3 m großen schlafzimmer in untermiete ...

    insofern fühle ich mich schon eher als waschechter "uropäer" - der durch wirtschaftsflucht und geschichte und "schicksal" hier geboren wurde - zufällig hier: is also nix mit "deutscher seele" - aber ich bin noch im besitz der preußischen einbürgerungsurkunde meines vaters, der bis dahin als "staatenlos" galt - habe deshalb auch keinen vordergründigen "migrationshintergrund" mehr ...

    insofern bin ich auch froh, das diesmal in diesem lande - wenigstens hier in meiner nächsten umgebung - kaum schwarz-rot-goldene fähnchen gesichtet werden - am auto und auf den balkonen ...

    vor 4 jahren löste dieses "fröhliche""schland"nationalistische getöse bei mir schon etwas befremden aus ...

    das oben im artikel beschriebene deutsche "unbehagen" kommt meines erachtens daher, dass in vielen menschen - angestachelt durch das gebaren des mr. trump und von pegida und afd hierzulande und den populistischen staatslenkern in unseren nachbarstaaten - gleichzeitig ein gefährlicher faschistischer nationalismus wieder aufkeimt und doch auch im gleichen moment wieder in sich zusammenfällt - da ja fast jeder in diesem lande eine ähnliche bigrafie und "ahnenreihe" hat, wie ich - und in den usa erst recht: da leben nur zugezogene, deren vorfahren die urbevölkerung ausgerottet und vertrieben haben und in lager und "reservaten" zusammengepfercht ...

    das "schwarz-rot-goldene schland" ist ja auch nur ein phantom - ähnlich dem kaiser in dem andersen-märchen von "des kaisers neue kleider": wenn man genau auf dieses "schwarz-rot-goldene" textil schaut, bleibt nur ein gewebter oder geprägter eingefärbter lappen übrig, der sich im wind bewegt wie "das fähnchen auf dem turme - sich kann drehen bei wind und sturme" ...: und das kleine mädchen in dem märchen von "des kaisers neuen kleidern" stellt ja auch fest: "der hat ja gar nichts an - der ist ja nackt" ... 

    ich halte nichts von allem nationalistischen getue und dschingderassabumm und getröte, und nichts von nationalgrenzen (herr dobrindt und herr seehofer und herr söder): alles das sind nur willkürlich von menschen erdachte labels, die etabliert wurden, um sich vom nachbarn abzuheben - es wurden damit lediglich antike "marken" kreiert, die in konkurrenz zueinander gerieten - die sich gegenseitig die futtertöpfe abspenstig machten ...

    der liebe gott wenigstens hat keine staaten und flaggen und grenzen geschaffen ... - er hat für die seinen immer auf neue weideplätze hingewiesen und hat ihre jeweilige wirtschaftsflucht willfährig begleitet ...

    heute nachmittag um 16 uhr tritt eine millionen- ja milliardenschwere auswahlmannschaft eines ebenfalls milliardenschweren deutschen fußballverbandes an, um sich ca. 90 minuten in einem wettkampfspiel (!) mit einer auswahlmannschaft aus südkorea zu messen - nicht mehr und nicht weniger - mit gefärbten textilien in bestimmten farben - oder mit genetischer verzückung hat das nichts - aber auch gar nichts zu tun - sondern mit geschäft und knete ...

    und wenn einstmals - diese hoffnung habe ich - dieser allseits nationalistische wahnsinn  in der welt (und in bayern im besonderen) endlich mal besiegt wird - und die menschheit von dieser fixen idee geheilt wird: dann herrscht frieden - dann könnte diese welt ein paradies sein - aber nur dann ... - S! 

    ja - ich bekenne es ganz offen: ich bin ein vaterlandsverräter !!! - ein vaterlandsloser geselle ... -  aber natürlich schaue ich mir heute das fußballspiel an - und drücke selbstverständlich die daumen für die dfb-auswahlmannschaft ...

    0 0
  • 06/28/18--00:27: click here
  • 0 0




    Eugen Gomringer (93) ist Begründer der Konkreten Poesie. An seinem Gedicht "Avenidas" stören sich Feministinnen. Foto: Thomas F. Starke | WB



    Vom Gewicht der Worte

    In Bielefeld verteidigt Eugen Gomringer sich und sein Gedicht »Avenidas« gegen Vorwürfe

    Von Andreas Schnadwinkel | WB

    Eugen Gomringer ist überzeugt. Wenn die Debatte über sein – aus Sicht radikaler Feministinnen sexistisches – Gedicht »Avenidas«, das im Herbst von der Fassade der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin-Hellersdorf verschwinden soll, ein Gutes hat, dann das: »Der Wert der Lyrik wird höher geschätzt.«

    In der Bielefelder Stadtbibliothek verteidigte Gomringer am Dienstagabend seine spanischen Zeilen über Alleen, Blumen, Frauen und einen Bewunderer. »Ich glaube nicht, dass dieses einfache spanische Gedicht Frauen zu nahe tritt. Ich war selbst erstaunt über die Forderung, das Gedicht zu entfernen«, sagte der 93-Jährige.

    Der Protagonist der Konkreten Poesie – darunter versteht man die Wechselwirkung zwischen Lyrik und Bildender Kunst – sprach auf Einladung der Literarischen Gesellschaft OWL und des Bielefelder Kunstvereins über »Demokratie – Correctness – Lyrik – Kunst«. Der in Bolivien geborene Schweizer machte seine Ausführungen an der Diskussion über sein skandalisiertes Gedicht fest, das er 1952 verfasst hatte und das sechs Jahre lang unbehelligt auf der Berliner Hauswand stand.

    Bis eine Studentin »Admirador« googelte und herausfand, dass es »Bewunderer« bedeutet. »Dieser Bewunderer ist offenbar der Schrecken der Studentinnen dieser Hochschule«, sagte Gomringer und berichtete von einem Kontakt mit der Studentin, die ihm ihr »unangenehmes Bauchgefühl« beschrieb – angesichts des »Bewunderers«. Der Vorwurf: Dieser Mann betrachtet, beobachtet und beurteilt Frauen. »Viele Frauen haben mir geschrieben, dass sie bewundert werden wollen«, meinte Gomringer und bekannte offen: »Man kann sich als Lyriker nicht darauf einlassen, Fehltritte vermeiden zu müssen. Ich kann mich nicht an Political Correctness halten. Diese Correctness ergibt sich aus einer Vorstellung, was links und rechts, oben und unten ist.«

    Auch seine Frau und seine Tochter hätten entrüstet auf die Kritik und die Vorwürfe reagiert. Gomringers Frau Nortrud, die ihn nach Bielefeld begleitete, sagte unter Beifall: »Nun gut, dann habe ich halt einen Sexisten zu Hause.«

    Als er »Avenidas«, das 1953 in dem Gedichtband »Konstellationen« erstmals veröffentlicht wurde, vorlas und die Entstehungsgeschichte erläuterte, war Gomringer ganz in seinem Element. Wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg war er als Student der Universität Bern durch Europa gereist und auch nach Barcelona gekommen. »Dort entstand bei mir das Bild der Alleen, Blumen und Frauen, das ich in eine neue Sprache übertrug.« Sein Ansatz als Vertreter der Konkreten Poesie: Wörtern verschiedener Sprachen eine Struktur geben.

    Gomringer gab ein Beispiel mit den Wörtern Baum, Kind, Hund, Haus. »Ich bin in meiner Weltsicht noch nicht weiter gekommen als diese vier Wörter. Sie sagen mir alles.« Auf Anfrage bei ihm und nur mit ausdrücklicher Erlaubnis dürfen seine Gedichte an Fassaden geschrieben werden. So geschehen im Bielefelder Westen, wo »Avenidas« an einer Hauswand zu lesen ist.

    Die Aufregung um seine Zeilen möchte er hinter sich lassen und sich verstärkt Sonetten widmen: »Das ist meine neue Phase.« Gomringer wird im Januar 94.

    WESTFALEN-BLATT Nr. 147, Donnerstag, 28.Juni 2018, S. 24

    _______________________________________


    Dies ungefähr scheint mir das innere Bild - die innere "Vorlage" - Gomringers zu seinem Poem "avenidas" zu sein - so wie ich es hier skizziere: ein Bummel über die Ramblas in Barcelona - verfasst 1952 - veröffentlicht 1953 ... Damals ist der heute fast 94-jährige Autor 28 Jahre alt ... - als das "Bewundern" von Frauen  von Ferne - ohne jede "Übergriffigkeit" - als "Kopfkino" - noch durchaus zum 'political correctness' zählte ... - 

    Und noch eins: es ging Eugen Gomringer in der "Konkreten Poesie" gar nicht so sehr um eine reale Bildbeschreibung - vielmehr achtete er auf den auch "graphischen" Rhythmus der Zeilen zueinander - und - wie er es in Berlin erläuterte: auf die für ihn interessante Stellung und Aufeinanderfolge des "y" als Zeichen - als graphisches Element, als Letter - im spanischen Text ... - also auch ein 28-jähriger Mann achtet nicht ausschließlich auf weibliche Attribute - ich hoffe das unschuldige "y" ist da über jeden verdacht erhaben ... 👴 S!


    0 0

    ULTIMATIVE ANLEITUNG

    Keine Ahnung, aber klug über Kunst sprechen

    Was sagt man, wenn man in einer Galerie vor einem abstrakten Gemälde steht? Welche Wörter kann man benutzen, um Kunst zu beschreiben? Eine Anleitung zum Smalltalk über das schwierigste Thema der Welt.

    Von Boris Pofalla | DIE WELT

    Seit meinem ersten Kunstgeschichtsseminar weiß ich, dass „Die raven ja!“ keine korrekte Zusammenfassung eines Fêtes-Galante-Gemäldes aus dem 18. Jahrhundert sein kann. Die selbstvergessene Feier des Augenblicks, der ständige Flirt mit allem und jedem, das Wogen der Körper und der Gewänder in den tollen Farben, das alles findet man auf einem Technofestival wie bei dem französischen Rokoko-Maler Antoine Watteau. Aber man beschreibt es anders.

    Dieses Gemälde von 1718,1719 von Antoine Watteau ist auch unter dem Titel Der Tanz bekannt und gehört zu der Gruppe der fetes galantes. Dargestellt ist eine Gesellschaft. Man vermutet, dass die Szene von dem Ballett Venezianische Feste angeregt wurde, das 1710 auf der Opernbühne von Paris aufgeführt wurde. www.billerantik.de

    Kunsthistorische Beschreibungen sind wie Polizeiberichte über spektakuläre Verbrechen: Sie versuchen, alles Subjektive daraus verschwinden zu lassen, und verwenden ein lange erprobtes Fachvokabular. Das ist richtig so, denn anders als systematisch kann man Wissenschaft oder Verbrechensbekämpfung ja nicht betreiben.


    Wenn man über Kunst aber nicht promovieren, sondern bloß plaudern will – in der Galerie, dem Museum, auf der Gartenparty des lokalen Kunstvereins oder einer langen Autofahrt mit dem rembrandtverrückten Schwiegervater, dann sollte man bloß nicht so tun, als wolle man sich um einen Lehrstuhl am Kunsthistorischen Institut bewerben.

    Wie um Himmels willen redet man über Kunst? Auffällig ist, dass gerade die, die der Sache berufsmäßig am nächsten stehen, also Künstler, Sammler, Ausstellungsmacher, Restauratoren oder Museumschefs überhaupt nicht so über Kunst reden, wie man sich das als Laie immer vorgestellt hat, also wahnsinnig objektiv und in mit jeder Menge Fremdwörtern, die in gedrechselten Sätzen sitzen wie der heilige Hieronymus im Gehäus.

    Überraschend handfest und direkt geht es zu auf Biennalen, Kunstmessen, Auktionen, Galerieessen und anderen Branchenterminen. Die für Uneingeweihte unverständlichen Diskursplatzpatronen fliegen eine Etage tiefer herum, dort, wo vom korrekten Gebrauch von Gendersternchen und Worthülsen Drittmittel und Credibility abhängen. Künstler reden fast nie so über ihre Arbeit. Sie können damit meist auch nichts anfangen.

    Womit sie was anfangen können: Lob. „Great show!“, „starke Arbeit“, „beeindruckend“ oder auch, wenn Amerikaner anwesend sind: „amazing piece“. Einfach zu loben, ohne ins Detail zu gehen, das ist relativ einfach in der Kunst, weil man Lob so leicht zurückgeben kann und dann alle miteinander happy sind. Ein Betrieb, eine Familie. Eine Falle.

    Rainald Goetz schrieb 2007 in „Abfall“ über das „stricherhaft Abgefuckte des Lobens, Lobnutten, Lobtrottel, Trottelkartelle gegenseitigen Lobens“. Zu der Zeit konnte man ihn oft in Galerien sehen. Also, immer nur loben ist öde. Kritik an Kunst dagegen wird, je näher man dem Glutkern kommt, umso seltener und unhörbarer geäußert. Nicht nur, weil vielen der Mut fehlt, es sich mit anderen vermeintlich Wichtigen zu verscherzen, sondern weil man als Kunstfachmensch immer wieder räumlich zusammenhockt – und es ein simples Gebot der Höflichkeit ist, auf einer Vernissage nicht über die Arbeiten der dort ausstellenden Künstler zu lästern.

    Wer das, was er sieht, partout nicht gut findet, redet besser über unverfängliche Themen wie Sommerferienorte, jüngst erschossene amerikanische Rapper oder Superfood. Ein gutes Thema, wenn man informiert wirken will, sind wenig geläufige Referenzgrößen, die artists’ artists oder Künstlerkünstler, deren Spurenelemente man in dem gerade gesehenen Werk wiedererkennen kann.

    Weißes Bild mit weißen Streifen: In Yasmina Rezas Drama "Kunst" (hier am Berliner Ensemble) zerbrechen Freundschaften am Gespräch über ein Gemälde
    Copyright: © Birgit Hupfeld (bearbeitet)


    Wenn einem zum Thema Performance aber immer nur Marina Abramowitsch und zum Thema Malerei immer nur Gerhard Richter einfällt, sollte man auf solche Übungen besser verzichten. Und stattdessen genauer hinsehen. Das Werk, über das man sprechen möchte, weil es einen beschäftigt, dieses Werk wird von den eigenen Worten und eigenem Wissen dann nicht zugewuchert, sondern freigelegt. Alles, was den plastischen Eindruck beim Zuhörer befördert, ist gut.

    Man muss als Zuhörer nichts von der „Arbitrarität einer Lokalität“ oder „parakuratorischen Logiken“ wissen wie ein Leser von Texten zur Kunst, sondern das Gefühl haben, das Werk hier und jetzt vor sich zu sehen. Das wird aber nur funktionieren, wenn man sich bei der Schilderung seiner eigenen Worte und Bilder bedient. Man muss den eigenen Beobachtungen trauen und ihnen Zeit geben, sich zu ordnen. Das gilt gerade für die neue und neueste Kunst, die noch nicht im Setzkasten der Geschichte gelandet ist, sondern nach allen Seiten hin lebendig wuchert.

    Ein Dschungelstück in Südamerika, abgescannt und in eine Animation übersetzt, durch die man sich nun mit einer superneuartigen 3-D-Brille bewegen kann, fliegend und schwebend durch die Kronen und das Gehölz. Was macht das mit mir? Da kann ein Naturfilm oder ein Videospiel besser zum Vergleich dienen als körnige Videokunst von 1972. Für den Anfang jedenfalls.

    Wenn man sich nun gemeinsam darüber unterhält, was an dieser Kunsterfahrung anders war als an einem Videospiel, ob man sich freier oder unfreier oder ruhiger, befreit oder melancholisch gefühlt hat, dann ist man schon dabei, über die Wirkung und das Wesen dieser Arbeit nachzudenken. Und darüber kann man doch reden.

    Das Anstiften zum Gespräch ist eine Wirkung, die Kunst übrigens nur auf Menschen hat. Wir sind die einzige Zielgruppe, das muss man sich immer wieder vor Augen führen, die Kunst ist für uns da, so wie wir für sie da waren, damals, als wir sie vor 40.000 Jahren auf die Welt gebracht haben.

    Jedes Wort, das wir an sie richten, wird sie gnädig akzeptieren, wie schon so viele andere Wörter in anderen Sprachen, zu anderen Zeiten. Es gibt keinen Grund, Angst davor zu haben, über und mit Kunst zu sprechen. Kunst gehört zur Familie. Deshalb geht es beim Reden um Kunst auch niemals ums Rechthaben oder ums Beeindrucken. Es geht zu fünfzig Prozent um die Kunst und zu fünfzig Prozent um das Reden an sich. Was wiederum erklären könnte, warum so viele Kunstfreunde Rheinländer sind.

    DIE WELT © Axel Springer SE. Alle Rechte vorbehalten


    schauen, "witterung" aufnehmen, abschmecken - innere bilder dazu abrufen - und reden, wie einem der schnabel gewachsen ist: alles was einem dazu in diesem moment in den kopf kommt ...: das ist für mich meine kurzanleitung, um über "kunst" zu reden ... 

    das kann auch nie "falsch" sein - wenn man sich selbst gegenüber dazu ehrlich ist ... - und nicht nach zustimmung heischt, nach anerkennung: "poooaaahhh eeeei, was hat der drauf" ...

    das kunsthistorische fachchinesisch soll eben auch dort angesiedelt sein: und die kunsthistoriker und die kritik dürfen sich auch über die korrekte einordnung und beschreibung gern streiten und aufsätze erwidern und kritiken absetzen und sich um die ohren knallen - das ist mir egal ... - es ergänzt bestenfalls meine sichtweise - aber es sollte sie nicht beeinflussen ...

    und hier hört für mich dann doch "kunst" auf - dafür gehe ich in den uro-shop und nehme es als mitbringsel mit, wenn ich jemanden zum lachen bringen möchte:




    Preis: US $82.19 - 190.63 / Stück ( EUR € 72.13 ~ 167.30 / Stück ) https://de.dhgate.com/product/jeff-koons-039-balloon-dog-american-popart/390366579.html

    und eine binsenwahrheit ist noch ganz wichtig: "neutralität" gibt es nicht - man kann sich immer nur bestenfalls um "allparteilichkeit" bemühen ... - S!

    0 0

    Art. 56 Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
    Verzockt: Falls Herr Seehofer nun wirklich von allen seinen Ämtern zurücktritt - wie z.Z. (Sonntag, 1.Juli 2018, 23.41 Uhr) allerorten kolportiert wird - so zeigt das, dass er seinen Ministereid tatsächlich ernst nimmt: da heißt es nämlich u.a. - ..."das Grundgesetz (z.B. Art.16 GG: "Asylrecht") und die Gesetze des Bundes wahren"... - von bayerischen Sonderwegen und Außengrenzen und "Ankerzentren" und von "Ultimaten" dazu an seine Kanzlerin usw. ist da keine Rede ... - "so wahr mir Gott helfe ...S!

    - so - ich nehme jetzt meine leichten schlaftropfen ("neurexan") werde sicherlich ohne albträume schlafen - gute nacht ... das ausscheiden der dfb-auswahlmannschaft bei der wm in russland haben wir ja auch gut überstanden - da macht uns doch so'n "rücktritt" ein paar tage später nichts mehr aus ...


older | 1 | .... | 126 | 127 | (Page 128) | 129 | newer