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    wenn im blumenmarkt die sonne aufsteigt | S!NEDi 2014

    wenn im blumenmarkt
    über all dem geblüte
    die sonne aufsteigt -

    wenn der regenwurm

    und der ohrenkneifer
    sich verschlafen die augen reiben

    wenn das mäuslein schlafen geht

    und seine knopfäuglein schließt
    und minivögel und blattläuse
    dazu ihr morgenlied zirpen

    dann - ja dann
    dann ist blumenmarkt-erweckung



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    Wir sagen ja öfter mal: Sie/Er bekommt den Schalter nicht umgelegt - wenn jemand partout auf seinen Standpunkt beharrt, auch wenn er längst widerlegt ist ... Das hat dann mit Lebensphase, Alter, Umfeld und Gesundheitszustand zu tun, die die Verstoffwechselungen der Nahrung beeinflussen, und die dann jeweils damit die Proteine und Synapsen produzieren und sensibilisieren, die die neuen Schaltungen zur Einnahme eines neuen Standpunktes (noch) nicht zustande bekommen: Sie/Er will ja vielleicht längst - aber seine inneren "Biotechnik"-Abläufe hängen (noch) hinterher ...: 
    Erst das Gezicke - dann das Geknutsche ... - S!NEDi-bild|bearbeitung

    Wir haben das ja jetzt jüngst in der uropa-Politik studieren dürfen, als Angela Merkel direkt nach der Wahl sich zunächst für ihren EVP-Spitzenkandidaten Jean-Claude Juncker nicht erwärmen konnte und herumzickte - inzwischen aber sagt: "Deshalb führe ich jetzt alle Gespräche genau in diesem Geiste, dass Jean-Claude Juncker auch Präsident der Europäischen Kommission werden sollte.": Also merke: Das war eine öffentlich ausgelöste Synapsen-Umschaltung im Gehirn von Frau Merkel, die vorher noch so innerlich verschaltet war, dass sie gern ihr eigenes Süppchen dazu gekocht hätte ...- vielleicht hat sie aber auch Informationen, die ihr dieses Ja zu Herrn Juncker so schwer machten ...

    SPIEGEL-ONLINE | WISSENSCHAFT
    Synapsen-Modell


    Wie funktioniert das Gehirn? Deutsche Forscher haben erstmals mit einem 3D-Modell den Aufbau einer Synapse visualisiert. Die Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen sind Meister der Effizienz. (nach einer Bild-Simulation von CORBIS | SPIEGEL-ONLINE)


    Blick ins Hirn - jetzt in 3D

    Ohne Synapsen funktioniert das Gehirn nicht. Sie sind die Kontaktstellen, über die Nervenzellen miteinander kommunizieren. Bislang waren Aufbau und Ausstattung der hochkomplexen Strukturen ein Rätsel. Silvio Rizzoli von der Universitätsmedizin Göttingen hat nun erstmals alle wichtigen Bausteine einer Synapse in einem wissenschaftlich fundierten 3D-Modell nachgebildet. In einem eindrucksvollen Video zeigen sie den detaillierten Aufbau einer Rattensynapse.

    Das Modell zeigt ungefähr 300.000 Proteine in großer anatomischer Genauigkeit, berichten die Forscher im Fachmagazin "Science". Sowohl ihre Menge als auch ihre genaue Anordnung sind originalgetreu dargestellt. Um die Synapse nachzubilden, entnahmen die Forscher Ratten Teile des Gehirns und untersuchten die enthaltenen Moleküle. "Anhand des 3D-Modells der Synapse können wir nun erstmals zeigen, dass Proteine in ganz unterschiedlicher Anzahl für die verschiedenen Vorgänge innerhalb der Synapse benötigt werden", sagt Benjamin Wilhelm, der ebenfalls für die Universitätsmedizin Göttingen forscht.

    Besonders interessierten die Forscher sogenannte synaptische Vesikel, kleine Bläschen, die sich in den Synapsen befinden. Sie beinhalten die Botenstoffe, über die Synapsen Informationen weitergeben. Werden diese Botenstoffe frei, gehen die Vesikel kaputt. Anschließend werden die Bausteine recycelt und genutzt, um neue Vesikel herzustellen.

    Die Forscher haben entdeckt, dass jede Zelle etwa 26.000 der Proteine besitzt, die an der Ausschüttung der Botenstoffe aus den Vesikeln beteiligt sind. Dagegen sind Proteine, die für das Recycling der Vesikel zuständig sind, lediglich mit 1.000 bis 4.000 Kopien pro Synapse vertreten.

    Die Funktion von Zellen simulieren

    Unklar war bisher, wie viele synaptische Vesikel in einer Synapse gleichzeitig verwendet werden können. Die aktuelle Studie zeigt: Um Botenstoffe freizusetzen, sind mehr als genug Proteine vorhanden. Doch die für das Recycling vorhandenen Proteine reichen nur für sieben bis elf Prozent aller Vesikel in der Synapse aus. Heißt: Der Großteil der Vesikel einer Synapse kann nicht gleichzeitig genutzt werden.
    Der Funktion der Hirnzellen tut das keinen Abbruch. Denn die Anzahl der jeweils benötigten Proteine ist erstaunlich genau aufeinander abgestimmt. Es gebe weder Unterproduktion noch Verschwendung. Wie genau die Zellen die Feinabstimmung bewerkstelligen, bleibt weiter unklar. Einfach ist das System jedenfalls nicht, denn verschiedenen Proteine werden auf ganz unterschiedlichen Wegen in den Zellen transportiert und leben unterschiedlich lang.

    Das neue Modell soll helfen, künftig zielgerichteter zu forschen. Außerdem soll es weitere 3D-Modelle aus dem Gehirn geben: "Unser Ziel ist es, letztendlich eine komplette Nervenzelle zu rekonstruieren", sagt Rizzoli. Kombiniert mit Studien zur Funktion und zur Wechselwirkung einzelner Proteine wäre es damit in ferner Zukunft möglich, die Funktion der Zelle zu simulieren.


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    Ähhh - ich meine - was ist mit den Nationalspielern los: Sperren jetzt die millionenschweren Top-Vereine wie Bayern ihre Leistungsträger irgendwie mit müller- bzw. wohlfahrtschen-diagnostischen Sperenzken, um für die kommende Saison von vornherein besser gewappnet zu sein: Bayern-Welttorhüter Neuer hat Schulter - Lahm hat Sprunggelenk, Ribery hat Rücken, Schweinsteiger hat Knie - und im DFB-Pokalendpiel hatten diese gut tränierten Jungs in der Verlängerung viele Wadenkrämpfe - obwohl ja Herr Sammer anfragt, ob vielleicht die anderen Mannschaften (gemeint war Dortmund) auch tatsächlich so "akribisch" tränieren wie die Bayern ... usw. - usf.


    Brasilianischer Alltagsfußball (Foto: Reuters)

    Nur diese dummen Dortmunder: die haben zur Weltmeisterschaft mal fast keine Wehwehchen - außer vielleicht in dem einen Fall ungehörige nächtliche Spontan-Urinabgangsprobleme ... 
    (lieber Kevin Großkreutz - mal so von Mann zu Mann: Beherzige folgenden Rat: Liegt keine organische Ursache vor, versuche, Deine Blase gezielt zu trainieren. Gehe nicht beim ersten Einsetzen des Harndranges zur Toilette, sondern unterdrücke diesen bewusst eine Zeit lang. So gewöhnt sich die Blase langsam wieder an größere Füllmengen. Auf keinen Fall weniger trinken, nur weil Du ggf. häufig zur Toilette müsstest. Damit schadest Du Deinem Körper langfristig
    ... - ansonsten: versuche 'Granu-Fink' - das kann helfen ... - und du kannst endlich wieder nachts durchschlafen) - 
    ... aber die Dortmunder haben in der vergangenen Saison zu Genüge gezeigt - wohin individuelle bzw. mannschaftliche Überbelastungen führen können - aber  - aufgepasst!!!: Da jammert man ab sofort nicht mehr über Nicht-Einladungen in den WM-Kader (Weidenfeller bis neulich zum Beispiel) - da jubelt man eher verhalten - und gewinnt dann zu Hause den Pott ... - 

    Aber - die Borussia versemmelt aufgrund ihres ungebrochenen WM-Ehrgeizes und der damit verbundenen Überbelastungen auch noch die nächste Deutsche Meisterschaft und den nächsten DFB-Pokal ... - wenn sie denn mal überhaupt alle ihre abgestellten Spieler heile über die Sommerpause kriegt - und Gündogan endlich seine langwierige Beißhemmung wieder verliert ...
    Übrigens - ganz im Vertrauen: ich weiß ja nicht - aber so von Ferne betrachtet - fällt mir bei Gündogan immer wieder zum Beispiel der Name Sebastian Deisler eher ein als Gündogans Rücken - bzw. sein Lendenwirbel bzw. seine Nervenentzündung ...:






    Ja - ja - ich weiß ja: Krankengeschichten sind nichts für die Öffentlichkeit ... - seh ich genau so - sind halt "intime Daten" ... - aber all diese "intimen" Krankenblätter beflügeln die Phantasie der Neider - und all diese Stars treten für Millionen in die Bütt ... - Millionen, die ihnen die treuen Fans im engeren und weiteren Sinne immer wieder langanhaltend und gern in den Hintern blasen ...

    Ähh - und bevor es in Vergessenheit gerät:

    • „Elf Freunde müsst ihr sein.“
    • „Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten.“
    • „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“
    • „Fußball ist deshalb spannend, weil niemand weiß, wie das Spiel ausgeht.“
    • „Das Runde muss in das Eckige.“
    • "Das nächste Spiel ist immer das schwerste."
    • „Der schnellste Spieler ist der Ball."
    • "Höchstleistung im Sport und vergnügliches Leben sind wie Feuer und Wasser. Man kann nicht zwei Herren gleichermaßen dienen. Entweder - oder!"
    • "Freilich muss ich Dummheiten verhindern. Aber doch nicht alle! Wer meint, er könne alle Dummheiten wegtrainieren, der ist ein Dummkopf."
    • „Das Tor steht in der Mitte“
    • "Der Ball ist unser Dolmetscher."



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    „Sie war Sozialistin, Feministin, Filmkritikerin und eine Art Sagen-wir-es-wie-es-ist-Mensch. Sie lernte Englisch, indem sie Theater besuchte, und sie liebte das Theater. Sie trug ein Herrenjackett, Herrenschuhe und meistens einen großen Hut. Sie machte ständig Fotos und zeigte sie niemandem.“ 
    – John Maloof

    Vivian Maier 
    (* 1. Februar 1926 in New York City; † 21. April 2009 in Chicago) war eine amerikanische Amateur-Straßenfotografin.Sie zog 1956 in die nördlichen Vororte von Chicago in der Metropolregion Chicago und arbeitete in den folgenden 40 Jahren als Kindermädchen, davon 14 Jahre bei einer einzelnen Familie.


    Ihre Fotografien blieben unbekannt und die meisten ihrer Filme unentwickelt, bis sie von John Maloof, einem Chicagoer Heimatforscher im Jahr 2007 bei einer Zwangsversteigerung entdeckt wurden. Die Würdigung von Maiers Werk begann erst nach ihrem Tod. Seither sind ihre Bilder in Zeitschriften in Italien, Argentinien und England erschienen und wurden in Gruppenausstellungen in Dänemark und Norwegen gezeigt. Maiers erste Einzelausstellung wurde am Chicago Cultural Center von Januar bis April 2011 gezeigt. Erstmals in Deutschland zu sehen waren ihre Fotografien in der Hamburger Galerie Hilaneh von Kories von Januar bis April 2011, von Oktober bis Dezember 2011 wurden sie im Amerika-Haus in München gezeigt.
    (WIKIPEDIA)


    Höhepunkt des Details
    Jerry Saltz über den Film 
    "Finding Vivian Maier"



    Filmstill aus "Finding Vivian Maier", USA 2014, Regie: John Maloof, Charlie Siskel, © Vivian Maier/Maloof:
    "Self-Portrait", 5. Mai 1955


    Die Geschichte wirkt fast zu gut, um wahr zu sein: Eine der großartigsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts, deren allesverschlingender, hyperempfänglicher Blick sich mit jedem Kameravisionär messen kann, war bis 2007 völlig unbekannt. Damals ersteigerte ein junger Mann aus Chicago namens John Maloof, der nach Bildmaterial für ein Buch über einen Stadtteil in Chicago suchte, auf einer Autkion eine Kiste mit Fotonegativen einer gewissen Vivian Maier – 380 Dollar zahlte er für ihre 30.000 bis 40.000 Bilder aus den 50er- bis 70er-Jahren. Für sein Projekt erwiesen sie sich zwar als unbrauchbar, doch dafür erschlossen sie eine ganz neue Welt. Ein Star war geboren. Dass zufällig gerade dieser Käufer auf dieser Auktion über diese Bilder stolperte, einer, der die Mittel und die Hingabe besaß, der Lebensgeschichte dieser außergewöhnlichen Frau nachzugehen, kann man fast schicksalhaft finden.

    In ihrer fesselnden, 83-minütigen Dokumentaton „Finding Vivian Maier“ folgt man nun Maloof und Co-Regisseur Charlie Siskel auf ihrer Spurensuche und bekommt einen Einblick in Maiers kreatives Universum, wie sie tickte, wie sie arbeitete. Ein Großteil des Films beruht auf nüchternen Interviews mit ihren ehemaligen Arbeitgebern, die wiederum mit schönen Bildern belegt werden. Man sieht Maloof, wie er die zahllosen Bilder auf dem Fußboden ausbreitet, er beschreibt die Versuche, Maier zu finden. Und er zeigt dazu jede Menge ihrer wundervollen Fotografien. Als Kindermädchen in Chicago hatte Maier stets Anstellungen, in denen sie versorgt war und sich dabei um ihre Kunst kümmern konnte. Sie wurde so zu einer Dienerin ihrer Gabe, sie widmete ihren ganzen Diensteifer ihrer eigentlichen Leidenschaft.

    Maiers Geschichte ist spannend und voll Pathos. 1926 in New York geboren, begann sie 1949 mit einer einfachen Eastman Kodak-Brownie zu fotografieren. Schon drei Jahre später brachte sie sich mit einer Rolleiflex auf den Stand der damaligen Technik und stürzte sich damit in ihre Berufung. Sie knipste überall, oft auf der Straße, aber auch in Läden, am Strand und auf Fähren, sie fotografierte ihr Zimmer, Kinder, sich selbst, ununterbrochen bis zu ihrem Tod 2009. 

    Fast niemand wusste davon. Sie hamsterte Berge von Dingen und füllte ihre Zimmer damit. Die Interviewpartner beschreiben eine seltsame, schroffe, fast aspergerartige Persönlichkeit, eine Frau mit entschlossenem Schritt, die beim Gehen die Arme schwang wie beim Marschieren. Sie war nicht leicht einzuschüchtern, und sie nahm die Kinder, die man ihr anvertraute, überall hin mit - mindestens einmal sogar in ein Schlachthaus, wo sie sie fotografierte. Sie ist hochgewachsen, auf unglamouröse Weise hübsch, und sie kleidete sich unauffällig, oft altmodisch. Die Kamera hing ihr ständig um den Hals, auch bei der Arbeit mit den Kindern. Sie reiste allein durch die Welt, fotografierte dabei ständig und machte dazu noch Film- und Tonaufnahmen. 1976 wechselte sie mehr oder weniger dauerhaft von Schwarz/Weiß zu Farbe. Abzüge ihrer Aufnahmen machte sie nur selten, aber sie verwahrte sie sorgfältig. Sie hat niemals ausgestellt.

    Maloof widmet sich ganz dem Sammeln ihrer Arbeiten. Seit er den ersten Schwung ersteigerte, ist sein Archiv auf fast 150.000 Negative angewachsen. Das beweist Maiers erstaunliche künstlerische Produktivität und Leidenschaft. Es belegt aber auch die außerordentliche Qualität ihrer Bilder. Sie halten ohne weiteres dem Vergleich mit den Großen stand, mit Künstlern wie Cartier-Bresson, Lisette Model, Robert Frank, André Kertesz, Diane Arbus, Richard Avedon, Walker Evans, Gary Winogrand, Richard Avedon und Weegee, an die sie gelegentlich auch erinnert.


    Vivian Maier - Fotos | Quelle: http://hosergraphics.com/blog/the-story-of-vivian-maier-20th-century-photographer/


    Die Rolleiflex — eine zweiäugige Spiegelreflexkamera – war offenbar instrumental und hilfreich, Maiers künstlerische Kraft zu entfesseln. Im Film erklärt der Fotograf Joel Meyerowitz, dass man die Kamera nicht wie die einäugigen Modelle dramatisch, ostentativ und bedrohlich vors Gesicht halten muss. In den Sucher der Rolleiflex schaut man vielmehr von oben, und man hält sie bei der Justierung von Schärfe und Ausschnitt auf Hüfthöhe. Auf diese Weise konnte sich Maier ihren Objekten nähern, ohne dass diese es bemerkten, unaufdringlich, ohne allzu forsche Geste. Das erklärt die gelegentlich bildfüllende Nähe zu ihren Gegenständen. Durch das quadratische Bildformat der Rolleiflex fällt die übliche Hierarchie in der Komposition, von oben nach unten, von links nach rechts weg. Daher fehlt hier auch der Sinn für die gängigen Formate von Landschafts- oder Porträtfotografie; die Welt erscheint stattdessen stets als seltsam künstliches Quadrat. Das verstärkt die Direktheit, Intensität und Beharrlichkeit von Maiers Blick. (Wie übrigens auch bei Diane Arbus, die unter anderem auch eine Rolleiflex benutzte.)

    Maiers Welt erscheint zugleich monumental und eintönig. Manchmal lauert sie ihren Objekten offenbar auf, sie erwischt Menschen beim Aussteigen aus Bussen, auf U-Bahntreppen, beim Verlassen von Läden. Sie erfasst die Menschen mitten in der Bewegung. Zugleich aber verleiht sie ihnen eine irgendwie fast klassische Statur, sie wirken nicht flüchtig, sondern konkret, selbstverständlich, sterblich. Beim Betrachten ihrer Bilder läuten die Kirchenglocken; man wird Zeuge von etwas Großem. Proust spricht vom „Höhepunkt des Details“. Genau den sieht man hier. Maiers Werk bekommt dadurch psychologisches und philosophisches Gewicht, man erlebt einen Moment eindringlichster Beobachtung. Zugleich blickt sie als Außenseiterin auf die Welt. Sie schaut zu, verfolgt still und registriert aufmerksam die kleinsten Störungen im visuellen oder psychischen Feld. Sie zeigt einen Zeitungshändler, der inmitten von Magazinen und Zeitungen in seinem Kiosk eingeschlafen ist – und gibt so dem Schläfer gleichsam einen Traum. In den Vordergrund rückt die Ahnung vom Wert des Lebens.

    Mahnola Dargis, die ansonsten ausgezeichnete Kritikerin der "New York Times", nannte die Dokumentation mit ungewohnter Grobheit eine „spielfilmlange Werbung für Maloofs kommerzielles Interesse als Alleinbesitzer ihres Werks.“ Eine solche zynische Schroffheit fällt mir in letzter Zeit öfter unter Kritikern auf – sobald irgendeine Art von Profit ins Spiel kommt, wird ein Werk automatisch verdächtig, weniger gut und rein. Wie dem auch sei: Ich liebe diese Werbung. Nebenbei: Maloof hat versucht, das MoMA für Maiers Arbeiten zu interessieren. Im Film zeigt und zitiert er die routinierte Absage, die ihm das Museums schrieb. Er war also auf sich allein gestellt. Niemand außer ihm wollte sich der Verantwortung stellen, diese wahrhaft große Küstlerin zu entdecken und ins Rampenlicht zu führen. Die Geschichte wird es ihm danken, und niemand sollte diese Hingabe an Vivian Maier zynisch kleinreden.




    "Finding Vivian Maier" kommt am 26. Juni auch in die deutschen Kinos. Mehr über Vivian Maier und den Film lesen Sie hier und hier und hier...

    Die Homepage Vivian Maier hier anclicken ...

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    S!NEDi|photography: silbergrau wird das haar im alter ...


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    Hoffentlich ist es kein zu großer Spagatschritt, die Alltagsspiritualität und die Achtsamkeit mit der Kunst ausgerechnet auch noch eines Joseph Beuys in Verbindung zu bringen: Aber darauf gekommen bin ich, als mir meine Frau von einem Fachtag-Forum zum Thema "Demenz" berichtete, wo der Referent Erich Schützendorf sinngemäß die Aussage machte, eine am Mittagstisch mit der Papierserviette nestelnde und damit umherblätternde an Altersdemenz erkrankte Person, wolle vielleicht damit ein "Zeitungslesen" nachempfinden - oder einfach "Spielen", Ausprobieren - auf alle Fälle wäre dieses für viele Pflegende und Alltagsbegleitungen "sinnlose" Tun eine "Aktivität", ein Ausdruck, "sie mache etwas", was es aufzunehmen gelte: Man müsse diese Handlungsreste "sehen" und "deuten" wie "Poesie" - und müsse die "Brille" der "Zweckmäßigkeit & Rationalität" ablegen lernen, auf deren Duktus wir alle ja fast schon von Kindesbeinen fixiert - und reduziert - werden im Alltag ... Und ich meine: Die "Achtsamkeit" und die Kunst bieten dazu Alternativen an ... - Genau vor 30 Jahren erschien im SPIEGEL 23/1984 das legendäre "Mysterien-Bahnhof"-Interview mit Joseph Beuys - geführt von Peter Brügge ... 


    Spiritualität | Achtsamkeit | Kunst im Alltag 


    Quelle: nahrungsretter.simontobor.de





    Im Alten Testament, beim Propheten Micha, findet sich ein sensibler Vers: 
    „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, nämlich Liebe üben und aufmerksam mitgehen mit deinem Gott.“ 



    Der Satz lässt sich erden. Und dann gelten die Aufmerksamkeit, die Achtsamkeit, die Sorgfalt der Erde und ihren Geschöpfen, den Menschen und den Dingen, dem Partner und – nicht zuletzt – mir selbst. Denn dann merke ich, dass ich lebe. Und nicht gelebt werde.
    Achtsamkeit ist die Fähigkeit, mit vollem, ungeteiltem Bewusstsein bei einem Eindruck oder einer Begegnung gegenwärtig zu sein. Und nicht mit dem Kopf schon wieder woanders. Was auch heißt, das, was gerade zu tun ist, mit Respekt vor den Wesen und Dingen zu verrichten. Denn Achtsamkeit hat mit Achtung und Wertschätzung zu tun. Sie beeinflusst die Qualität des Zusammenseins. Was vor allem an der Unachtsamkeit deutlich wird, meint Bernardin Schellenberger, Trappistenmönch und Schriftsteller.
    Ein Zen-Mönch, der einmal gefragt wurde, welche Praxis seiner geistlich-religiösen Übungen er pflege, antwortete:
    „Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich.“
    Darauf der Frager: „Das ist doch nichts Besonderes. Das tun doch alle.
    Da meinte der Mönch: „Nein, wenn du sitzt, dann stehst du schon. Und wenn du stehst, dann bist du schon auf dem Weg.“

    Diese Zen-Geschichte erzählt Anselm Grün, Verwalter der Benediktinerabtei Münsterschwarzach.
    Auf Anwesenheit kommt es also an. Sie schließt die Bereitschaft ein, aufgeschlossen und unvoreingenommen mitzudenken, mitzuentscheiden, mitzuhoffen und mitzuleiden, wo immer gedacht, entschieden, gehofft und gelitten wird. Auf jene Fantasie auch, die unerschöpflich nach neuen Wegen sucht. Auf jene Frömmigkeit, die die Spirale der Verdrossenheit durchtrennt, die den Kampf um Frieden und Gerechtigkeit nicht aufgibt, die „Hoffnungen zusammenführt und niemanden aufgibt“ (Heinrich Albertz).

    Von dem Objektkünstler und Aktionisten Joseph Beuys stammt der Satz, dem inzwischen schon Flügel wuchsen: 
    „Die Mysterien finden im Hauptbahnhof statt ....“*) 

    Im Vorfeld des Jugendtreffens der ökumenischen Bruderschaft von Taizé umschrieb einer der bei der Vorbereitung engagierten Brüder Achtsamkeit so: 
    „Es geht darum, Geschmack am Leben, am Schönen, an der Unterschiedlichkeit und an der Begegnung zu wecken.“ 
    Nicht nur auf dem Hauptbahnhof - auch am Mittagstisch - mit einer Papierserviette*).

    Text nach Hans-Albrecht Pflästerer

    ............................................................................


    In dem Moment, 
    in dem man etwas 
    seine ganze Aufmerksamkeit schenkt,
    selbst einem Grashalm, 
    wird es zu einer geheimnisvollen, 
    Ehrfurcht gebietenden,
    unbeschreiblich großartigen eigenen Welt.
    Henry Miller

    ........................................................

    Joseph Beuys | S!NEDi|photo|graphic nach einem Bild von DAPD|welt.de


    *)"Die Mysterien finden im Hauptbahnhof statt ..."

    Joseph Beuys zu seinem Kunstbegriff und seinem tiefen künstlerisch-philosophischen Verständnis von Achtsamkeit zur Schöpfung - 
    Ausschnitte aus dem berühmten SPIEGEL-INTERVIEW mit Peter Brügge, SPIEGEL 23/1984 - also genau vor 30 Jahren:
    .................................. 
    SPIEGEL: Sie, Joseph Beuys, jedenfalls nehmen in Kauf, daß nur wenige Ihnen folgen können. Vor Ihren Werken zerbrechen sogar die Bildungsprivilegierten sich oft vergeblich den Kopf, so verkapselt sind die Botschaften. Andererseits hoffen Sie, so haben Sie gesagt, "jeden arbeitenden Menschen auf der Welt" mit Ihrer Erkenntnis zu erreichen, daß jeder irgendwie, irgendwo Künstler und Gestalter sei, nämlich frei und kreativ. Wie geht das zusammen?
    BEUYS: Nun besteht meine Arbeit ja nicht nur aus diesen Gebilden im Museum oder sonstwo, sondern zum großen Teil aus sprachlicher Aufklärung. Die Hauptaktivität lag immer auch in den Organisationen und Unternehmungen wie dem von mir mitbegründeten Achberger Kreis, der Organisation für direkte Demokratie, der Freien Hochschule für Kreativität, meiner Mitwirkung bei der Gründung der Grünen oder meiner Aktion zur Documenta 7 ...
    SPIEGEL: ... die "Stadt-Verwaldung" anstelle von Stadt-Verwaltung ...
    BEUYS: ... ja die Pflanzung von 7000 Eichen und 7000 Basalt-Stelen, aus der sich wiederum diese Münchner Arbeit ergeben hat.
    SPIEGEL: Wo auch immer, die Leute stehen Ihren Werken wie Ihrem Werben für ein radikal anderes Verständnis von Natur, Arbeit und Produktivität ratlos und sogar aggressiv gegenüber.
    BEUYS: Auch betroffen. Da gibt es eine Langzeitwirkung. Viele schreiben mir, manche beschimpfen mich. Aber sie kommen immer wieder.
    SPIEGEL: Vielleicht schreckt die Leute das Mystische und Schamanische in Ihren Auftritten und Arbeiten, das Auftauchen alchimistischer und mythischer Zeichen, wie sie gerade noch dem fortgeschrittenen Anthroposophen geläufig sind.
    BEUYS: Die Mysterien finden im Hauptbahnhof statt, nicht im Goetheanum.
    SPIEGEL: Und um davon was mitzukriegen, muß man bei Ihnen mühsam sehen lernen.
    BEUYS: Deswegen sage ich doch andererseits ganz einfache Sachen und will für die Leute etwas ganz Entgegengesetztes, nämlich ein Spielzeug sein. Die können mit mir machen, was sie wollen. Ich bin der Narr, der Idiot mit dem Filzhut. Sie stoßen mich in die oder jene Ecke. Ich stelle mich da ganz einfach zur Verfügung. Ich will den Leuten klarmachen, daß ich eigentlich genauso bin wie sie selber.
    SPIEGEL: Selbst wenn Sie sich zum Punchingball oder Narren machen, kommt das, was Sie eigentlich meinen, diese Utopie einer wiedergewonnenen Einheit von Natur und Mensch, von Denken, Fühlen und Handeln, am allerwenigsten bei denen an, denen das vor allem beschert werden soll.
    BEUYS: Es handelt sich eigentlich darum, das Unmögliche möglich zu machen. Das reißt die Leute letztendlich aus den Sesseln.
    SPIEGEL: Jeder Mensch also ist Künstler. Darin sehen Sie eine Säule Ihrer Freiheits-Idee. Können Sie das an einem Beispiel erklären?
    BEUYS: Was ich meine, ist: Jeder Mensch ist ein Träger von Fähigkeiten, ein sich selbst bestimmendes Wesen, der Souverän schlechthin in unserer Zeit. Er ist ein Künstler, ob er nun bei der Müllabfuhr ist, Krankenpfleger, Arzt, Ingenieur oder Landwirt. Da, wo er seine Fähigkeiten entfaltet, ist er Künstler. Ich sage nicht, daß dies bei der Malerei eher zur Kunst führt als beim Maschinenbau ...
    SPIEGEL: ... Maschinen, wie die berühmte Honigpumpe, verwenden Sie ja selbst in Ihrem Werk.
    Honigpumpe | bild: tate.org.uk|© DACS, 2014
    BEUYS: Wer richtig und behutsam vorgeht, findet einen Bereich, in dem er, obschon er sich dauernd abhängig fühlt, doch frei ist und seine Abhängigkeit, unter der er leidet, beseitigt und einen neuen Schritt tut.
    SPIEGEL: Das klingt ein bißchen nach Flucht ins Hobby, nach einer Bewegung der kleinen Freiheiten mit zentrifugaler Wirkung fürs Ganze.
    BEUYS: Mein Erweiterter Kunstbegriff ist die einzige Möglichkeit, die herrschenden Verhältnisse zu überwinden.
    ............................
    SPIEGEL: Beziehen Sie denn nicht auf dem anthroposophischen Schulungsweg Ideen für Ihre künstlerische Arbeit?
    BEUYS: Das ist praktisch alles Schulungsweg.
    SPIEGEL: Das heißt aber doch auch okkulte Erkenntnis-Gewinnung aus dem Übersinnlichen.
    BEUYS: Ich glaube, wir müssen die Räucherwerk-Atmosphäre da rausbrin
    gen. Ich benutze klare Begriffe. Mein Weg, das ist die Arbeit und die Konzentration auf die Arbeit. Vielleicht ist das meine Meditation. Natürlich gibt es nichts Normaleres als die Auseinandersetzung mit der Wahrheit des Bestehenden, der ganzen Wahrheit und Wirklichkeit, nicht nur der Hälfte.
    SPIEGEL: Glauben Sie an Wiedergeburt?
    BEUYS: Das ist für mich keine Glaubensfrage. Es war mir eigentlich immer klar, daß da nicht irgend etwas plötzlich lebt, ein biologisches Etwas, und dann stirbt, und es geht nicht weiter. Wenn der Geist eine Funktion in der Welt hat, dann gibt es ein Vor- und Nachher. Wenn dieses Grundverhältnis zum Leben bei mir nicht dagewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich nicht zur Anthroposophie gefunden. Es gibt heute sehr viele Denkende, die das so wie ich sehen.
    SPIEGEL: Immer wieder spielt in Ihre Entwürfe Ur- und Evolutionsgeschichte herein. Wurzelt das in Rudolf Steiners Vorstellungen der gleichzeitigen Entwicklung von Mensch und Kosmos?
    BEUYS: Eher in den Visionen Swedenborgs oder Jakob Böhmes.
    SPIEGEL: Ist Ihnen selber denn auch schon Visionäres begegnet?
    BEUYS: Ich hatte eine ganze Reihe von was man so schön Schlüsselerlebnisse nennt.
    SPIEGEL: Schlüsselerlebnisse des Verstandes oder visionäre Begegnungen?
    BEUYS: Auch solche Sachen. Daß mir plötzlich ein Wesen gegenübergestanden und mir mitgeteilt hat, was ich machen sollte. Und das Merkwürdige ist, daß das, was es mir gesagt hat, als ich so um die vier Jahre alt war, genau das ist, was ich heute machen muß. Natürlich geschah es in einer Sprache, die nur der vernimmt, der auf dieser Linie hören kann. Es wurde nicht etwa gesagt: Du mußt den Erweiterten Kunstbegriff entwickeln.
    SPIEGEL: Und wer war das?
    BEUYS: Es war eigentlich mehr ein Unbekannter, ein Engel.
    SPIEGEL: Haben Sie ihn wiedergesehen?
    BEUYS: Später ist dieselbe Gestalt öfter wiedergekommen.
    SPIEGEL: Eine immaterielle Gestalt?
    BEUYS: Ja, die aber sichtbar war, so real, wie Sie da jetzt sitzen.
    SPIEGEL: Hat sich die Gestalt zu erkennen gegeben?
    BEUYS: Nein, nur wiedererkennbar. Einmal sehr hell, fast nicht vorhanden, ein durchsichtiges Wesen. Und ein andermal ganz schwarz von oben bis unten, aber praktisch mit demselben Inhalt der Vermittlung. Ich habe mich immer damit zu befassen, jeden Tag.
    SPIEGEL: War das vergleichbar mit Traum-Erscheinungen a la Freud?
    BEUYS: Nein, nein. Die typischen Freudschen Träume kenne ich auch. Aber dies war ja gar kein Traum. Es war ja am hellichten Tage. In der Nacht habe ich geträumt, wie andere träumen.
    SPIEGEL: Was für Träume? Sind Ihnen da auch welche in Erinnerung?
    BEUYS: Manche Träume habe ich immer wieder. Einen hab'' ich mindestens 500mal geträumt: Ich stehe morgens aus dem Bett auf, und mein Bein bleibt im Bett. Schrecklich und lustig. Ich gehe dann und nehme ein Stück Zeitungspapier und wickle das Bein damit ein und gehe zu irgendeinem Arzt. Der hält das einfach nur so dran und guckt - alles ist wieder gesund. Der Traum erzeugte zuerst ein schlechtes Gefühl von Krankheit - später, wenn er wiederkam, habe ich gedacht, brauchst keine Angst zu haben. Man kann alles heilen.


    Das Interview führte Peter Brügge - und erschien im SPIEGEL 23/1984










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  • 06/04/14--09:31: NSA-Skandal: Anklage
  • Ach - ich habe keine Lust mehr - die "Spähaffäre" in "NSA-Affäre" zu übersetzen: Das ist ein unnützer Streit um Wort und Begriffe ... Gut ist es, dass der Generalbundesanwalt weiterermittelt ... Natürlich wird es   d e n   Täter dabei nicht geben - dazu haben zu viele angestellte Einzeltäter und (internationale) Organisationen "Dreck am Stecken" ... - aber gut ist trotzdem: ein "Rechtsstaat" setzt sich endlich gegen einen selbsternannten "Multi-Rechtsstaat" zur Wehr ...: Mal sehen, wohin solch eine "Rechthaberei" letztlich führt ...


    Ermittlungen wegen NSA-Aaffäre

    Mit Paragrafen gegen Amerikas Spione

    Von Veit Medick, Annett Meiritz und Severin Weiland | SPIEGEL-ONLINE

    Im Rechtsausschuss gab der Generalbundesanwalt Range nun Auskunft über seinen Umgang mit der NSA-Spähaffäre. Teilnehmer beschrieben die Sitzung als turbulent, es kam zu heftigen Auseinandersetzungen. Die Union beschuldigte Grüne und Linke, den Generalbundesanwalt unter Druck zu setzen und die Unabhängigkeit der Justiz zu missachten. Die Grünen, allen voran der Abgeordnete Hans-Christian Ströbele, schimpften, es sei Ranges Pflicht, in der Spähaffäre aktiv zu werden.

    Nach dieser Feuerprobe im Rechtsausschuss ist der Weg für Ranges Ermittlungen frei. Der Generalbundesanwalt will die Handy-Affäre der Kanzlerin offiziell untersuchen. Vorläufig will Range aber nicht wegen des massenhaften Ausspähens von Bundesbürgern durch die NSA ermitteln. Dafür gebe es nicht genügend Hinweise, so die Begründung.

    Die Aufteilung der Ermittlungsgegenstände ist nicht ungeschickt. Range entkräftet damit den Vorwurf, er sei in der Spähaffäre untätig. Gleichzeitig macht er das Zugeständnis, weiter zu beobachten, ob ausländische Geheimdienste Daten deutscher Staatsbürger sammeln. Eine neue Abteilung in seiner Behörde soll sich mit Spionage im Internet beschäftigt. Ein Ermittlungsverfahren in dieser Sache ist also nicht vom Tisch.

    Auf die USA angewiesen

    Allerdings stellt sich die Frage, was Range überhaupt in der Hand hat und wie er die Mission zu einem Erfolg führen will. Theoretisch steht ihm der gesamte Baukasten der Ermittlertätigkeit offen. Er kann Durchsuchungen veranlassen, Telefone anzapfen, Räumlichkeiten überwachen, Zeugen vernehmen.

    Das Problem ist, dass er beim Versuch, den Spähangriff auf Merkels Handy aufzuklären, auf die USA angewiesen ist. Und da wird es schwierig. Die Amerikaner werden dem Generalbundesanwalt kaum die Türen ihrer Botschaften, Konsulate oder Truppenstandorte öffnen. Irgendwo hört die transatlantische Partnerschaft eben auf.

    Wie die nächsten Schritte aussehen, verriet Range im Rechtsausschuss nicht. Er wäre ja ein schlechter Staatsanwalt, wenn er seine Planungen öffentlich machen würde, zitieren ihn Teilnehmer. Nur so viel gab er preis: Es werde jetzt darum gehen, Behördenauskünfte anzufordern und Zeugenvernehmungen zu veranlassen.

    S!NEDi: General|bundes|anwalt: photo|graphic



    "Geschehenes nicht einfach ausblenden"

    Als Zeuge würde er sehr gerne auch Edward Snowden vernehmen. Er habe über dessen deutschen Anwalt versucht, den Ex-NSA-Mitarbeiter zu kontaktieren und ihm die Möglichkeit zu geben, sein Wissen über etwaige NSA-Aktivitäten in Deutschland mitzuteilen, so Range. Ohne Erfolg. Im Rahmen des Ermittlungsverfahrens sieht er nun aber eine größere Chance darauf, Snowden zu einer Aussage bewegen zu können. Im NSA-Untersuchungsausschuss gibt es über eine Vernehmung des Schlüsselzeugen seit Monaten Streit.

    Range erhielt am Mittwoch für seinen Schritt viel Zuspruch. Der neue transatlantische Koordinator der Bundesregierung, Jürgen Hardt (CDU), begrüßte das Ermittlungsverfahren und widersprach dem Eindruck, es könne das deutsch-amerikanische Verhältnis belasten.

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    Graffiti in Mexikos Todesstadt
    Wir übermalen die Angst

    SPIEGEL-ONLINE-Bericht von Sonja Peteranderl 

    Fotostrecken-Fotos: Sonja Peteranderl


    Misstrauen, Angst, Leere: Juárez in Mexiko galt lange als gefährlichste Stadt der Welt. Die Künstlergruppe Jellyfish will das Image ihrer Heimat aufpolieren und übertüncht den Schrecken mit grellen Wandgemälden.

    Wenn sie erzählen, dass sie aus Ciudad Juárez kommen, begegnen sie nur ehrfürchtigem Schaudern. Das nervt die Clique von Leonel "Pilo" Portillo Ida. Viele halten die mexikanische Grenzstadt für eine Todeszone. Tatsächlich führte sie lange vor allem negative Rankings an: höchste Mordrate der Welt, Stadt der Frauenmorde, dazu viel Korruption bei Polizei und Politik.

    Aber Gewalt passiere in ganz Mexiko, nicht nur in Juárez, findet der 26-jährige Pilo. Er und seine Clique wollen die Stadt auf andere Art präsentieren und Menschen mit Phantasie und Farbe glücklich machen. Mit seiner Freundin Atenas hat er "Jellyfish" gegründet, eine inzwischen fünfköpfige Kreativtruppe, die Kunstprojekte und Ausstellungen organisiert - und Juárez einen neuen Anstrich verpasst.

    Die Spuren der Gewalt haben sich ins urbane Relief gegraben: leerstehende Häuser in vielen Vierteln, Freiflächen in der Stadt, Straßenzüge voller verlassener Geschäfte und Restaurants. Viele Bars und Clubs mussten schließen, als die Bewohner sich in ihre Wohnzimmer zurückzogen, weil der Krieg zwischen rivalisierenden Kartellen, Gangs, Polizei und Militär eskalierte.


    Ciudad Juárez war jahrelang die Stadt mit der höchsten Mordrate der Welt - und kämpft jetzt noch mit den Folgen des Drogenkriegs. Die Kreativtruppe "Jellyfish Colectivo" will die mexikanische Grenzstadt mit bunter Street-Art aufpolieren - und Jugendlichen neue Perspektiven eröffnen. Jellyfish | Foto: Sonja Peteranderl



    Eine Stadt voller Narben

    Ciudad Juárez ist eine Stadt voller Narben - und die Leinwand der fünf sympathischen Hipster vom "Jellyfish Colectivo". Sie haben Spitznamen wie Comicfiguren und sehen mit ihren Sonnenbrillen, Röhrenjeans und dem wuchtigen, roten Ford Taurus aus wie eine Rockabilly-Band.

    Pilo, Francisco "Pika" Alfredo Chávez Flores, Alfonso "Poncho" de la Cruz, Ricardo "Kukui" Herrera Gonzalez und Atenas Campbell de la Cruz schlendern über einen versteckten Platz im Zentrum: Früher wurden hier Partys gefeiert, heute sind alle Bars rundherum geschlossen. Auf einem Haus erhebt sich ein riesiger, pinkfarbener Fuchs, die Pop-Art-Interpretation eines Fabelwesens des spanischen Schriftstellers Cervantes.

    Die Werke der Clique lassen sich von Weitem erkennen. Auf Mauern, Häuserwänden, Garagentoren und Plätzen prangen phantasievolle Farbexplosionen: surreale Monster, bunte Vögel oder Figuren, die von Mexikos prähispanischer Geschichte inspiriert sind. Politische Botschaften gegen den Krieg um Drogen, Macht und Märkte sparen sie sich.

    "Wir finden es sinnlos, die tägliche Gewalt zu kommentieren", sagt Pika, ein kleiner, sanfter Mexikaner. Morde, Verbrechen, Korruption würden sowieso schon die Schlagzeilen über Ciudad Juárez dominieren. Er findet, dass Künstler, die nach Juárez kommen, es sich oft zu leicht machen: "Manche setzen sich ein paar Monate ins Hotel, tippen dort im Internet herum, und nutzen dann das Schlimmste von Juárez für ihre Werke."

    Berliner Start-Up-Flair in Juárez

    Das "Jellyfish"-Kollektiv hat durchgehalten. In dem Haus, in dem Kukui mit seiner Mutter lebt, lagern ihre Kunstwerke, Kisten voller Sprühdosen, an den Wänden hängen besprühte Schallplatten, Masken und ein grün besprenkeltes Plastik-Sturmgewehr, Farbkleckse überall. In einem großen Fabrikgebäude haben sie sich ein Büro gemietet, das auch ein Berliner Start-Up beheimaten könnte: ein schmaler Raum, zwei Tischreihen mit Flatscreens, auf der sie gerade Szenen eines Animationsfilmes bearbeiten, von Pilos Opa ausrangierte Spielautomaten, auf denen sie "Pacman" spielen.

    Inzwischen ist die Gewalt in Juárez zurückgegangen, wohl weil es einen Pakt zwischen den Kartellen gab. "Früher haben wir ständig Schießereien gehört und es gab 20 oder 25 Morde am Tag, jetzt sind es vielleicht fünf oder sechs", erzählt Kukui, mit 39 Jahren der Älteste der Gruppe. Mexikanische Städte wie Acapulco, Torreón oder Nuevo Laredo haben heute eine höhere Mordrate pro Einwohner.

    "Ich glaube, die Leute brauchen Zeit"

    Dass die Stadt sich in ein Idyll verwandeln könnte, glaubt Kukui nicht - es werde nie aufhören, weil die Grenze an den USA das Drehkreuz für Drogen sei. Und die "kollektive Paranoia", wie die Jellyfish-Truppe es nennt, sitzt tief. Viele trauen nicht einmal den Nachbarn, fast jeder hat während des Drogenkrieges jemanden verloren. Es wachse eine ganze Generation von Waisen heran.

    Die "Jellyfish"-Gruppe gibt deswegen Street-Art-Workshops an Schulen und in den Armensiedlungen. Sie bemalen mit den Jugendlichen Häuser und Turnschuhe, bringen ihnen Siebdruck und Graffiti-Techniken bei. "Streetart kann ihnen zeigen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, sich zu entwickeln", sagt Atenas, 26. Sie glaubt, dass den Jugendlichen Vorbilder, Inspiration, Freizeitangebote fehlen. Als Teenager hat sie sich im Nachtleben der Grenzstadt amüsiert - heute ließen Eltern ihre Kinder kaum nach draußen.


    Der Drogenkrieg hat die Einwohner Juárez' traumatisiert: Viele trauen nicht mal mehr ihren Nachbarn, Eltern lassen ihre Kinder nicht auf die Straße. Mit ihren bunten Bildern wollen die Künstler der Stadt einen neuen Anstrich verpassen. Jellyfish | Foto: Sonja Peteranderl
    Wenn die Künstler von "Jellyfish" ihre Wandbilder malen, kommen jedes Mal neugierige Passanten, Nachbarn und sogar Polizisten vorbei, fragen nach, manche bringen sogar Essen. Die "Jellyfish"-Truppe hofft, dass die Menschen wieder mehr Vertrauen zueinander fassen. "Wir werden aber erst in 10 oder 15 Jahren sehen, ob wir es wirklich schaffen, etwas zu verändern", sagt Kukui. Dann ist die Generation, die mit dem Drogenkrieg groß geworden ist, erwachsen.

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    "Liebe Leute - lasst Euch sagen - die Uhr hat schon vor langer Zeit 12 geschlagen ..."
    Und nun ist es schon beträchtlich nach 12: Es ist aus - Es ist vorbei: Nach dem Kommunismus in seiner der Welt überkommenen Form ist heute auch der Kapitalismus in seiner bisher der Welt überkommenen Form zu Grabe getragen worden... Jakob Augstein schreibt in seinem Kapitalismus-Abgesang: "Die unsichtbare Hand des Markts ist nur deshalb unsichtbar, weil sie nicht existiert. Wir haben inzwischen gelernt: Der Markt klärt gar nichts. Nur Institutionen und Gesetze klären den Abgleich der Interessen"... - So ist das also mit Angie's Politik einer "marktkonformen Demokratie" - Und die gute alte deutsche Tugend einer "freien(und sozialen)Marktwirtschaft" - "...der Markt wirds schon richten ..." hat ihren Geist in Frankfurt ausgehaucht ... 
    Ja - wir müssen aufhören, unser System als Kapitalismus zu bezeichnen - denn diese Bezeichnung beruht ja darauf, dass das Kapital seinen Preis hat und auch in risikofreien Anlageformen vor allen Dingen Rendite abwerfen soll. Doch ab nun gibt es nennenswerte Gewinnchancen im neuen Postkapitalismus nur noch für diejenigen, die mit ihrem Geld auch Verlustrisiken eingehen - so ungefähr wie der legendäre Uli Hoeneß bis neulich herumgezockt hat: Etwa, indem griechische Staatsanleihen gekauft werden oder man sich an Unternehmen beteiligt, die plötzlich pleitegehen können. Das ist die schlechte Nachricht für die ängstlichen Sparer. Aber auch für alle Superreichen und Großbanken...: "Die Reichen werden immer reicher" - na ja - das kommt jetzt auf das Gespür an - auf den richtigen Riecher ... Daher kommt wahrscheinlich diese Wortverwandtschaft: Riechen - Reich ... Und Omas Sparstrumpf kommt wieder in Mode - auch Schatzkästchen vergraben - gar nicht schlecht - und einfach mal abwarten ... 
    Nun müssen einige Lehrbücher zur Volkswirtschaft sicherlich aus dem Verkehr gezogen - bzw. umgeschrieben werden ... - und - liebe BWL-Studenten - aufgepasst: Eure auswendig gelernten Multiple-Choice-Tests müssen alle abgeändert werden: Das alles bringt ein paar Verlagen richtig Kohle - und ihr müsst auf der Hut sein vor alten Tests im Netz...: Denn die Kombination aus niedrigen Zinsen, niedrigem Wachstum und niedriger Inflation, die weite Teile Europas seit 2008 ebenso im Griff hält wie die USA und Japan, ist die neue Normalität und nichts "Vorübergehendes" mehr ... Das seit Jahrzehnten praktizierte westliche Wirtschaftsmodell, sich immer niedrigere Wachstumsraten mit immer höheren Staatsschulden zu erkaufen, ist an seinem endgültigen Schlusspunkt angelangt! Der olle Party-Song: "Auf und nieder - immer immer wieder" - ist ausgeröchelt und die Platte hat sich abgeschaltet: Jetzt ist "Augen zu - und durch" angesagt ...
    Ja - und wahrscheinlich deshalb auch dieses ganze Gezerre um Jean-Claude - und die deutschtümelnde Wahlwerbeaussage der SPD zur €uropa-Wahl: "Martin Schulz. - Aus Deutschland. - Für €uropa." Bla - bla - blupp ... 
    Und wie rief doch Herbert Zimmermann 1954, als das Endspiel gegen Ungarn in Bern abgepfiffen wurde: " Aus - Aus - Es ist aus ...: Deutschland ist Weltmeister ..." (= Dax über 10.000 Punkte)...



    Umbrüche in Europa

    Es ist vorbei, bye-bye!

    Eine SPIEGEL-ONLINE-Kolumne von Jakob Augstein | "Im Zweifel links" ...

    Frankfurt macht Minus-Zins-Politik, und London denkt über den Austritt aus der EU nach. Das zeigt: Der angelsächsische Kapitalismus ist nicht zu retten. Europa braucht weniger Markt und mehr Brüssel.

    Eine Revolution hat begonnen. Sind wir uns dessen bewusst? Es ist die Revolution Europas und seines Wirtschaftssystems. Wir sind von Geschichtszeichen umgeben. Wenn wir die Augen öffnen, können wir sie sehen. Kant hat dieses Wort im Zusammenhang mit der Französischen Revolution benutzt.



    Die Europäische Wahl war so ein Zeichen. Auch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank ist eins.
    Wer dabei vom Ende Europas träumt, egal ob in London oder in Moskau, der wird enttäuscht sein. Europa schreitet voran. Das Europäische Parlament ermächtigt sich selbst. Das ist - noch mal Kant - der Beweis: Jeder echte Fortschritt ist immer ein Rechtsfortschritt. Nicht Europa ist am Ende - sondern der Kapitalismus, so wie wir ihn kennen.

    In Frankfurt hat Zentralbankpräsident Mario Draghi mit seiner spektakulären Minus-Zins-Politik den klassischen Kapitalismus beerdigt: Nicht nur wer Geld fälscht, wird künftig bestraft, sondern auch wer es bei der Zentralbank parkt. Diese Paradoxie entlarvt den modernen Kapitalismus. Er ist mit all seinen Sicherheiten am Ende angekommen. Die unsichtbare Hand des Markts ist nur deshalb unsichtbar, weil sie nicht existiert. Wir haben inzwischen gelernt: Der Markt klärt gar nichts. Nur Institutionen und Gesetze klären den Abgleich der Interessen. Das ist die Stunde Europas. Wer weniger Brüssel will, leugnet die Lehren der Bankenkrise.

    Londons Wirtschaftspolitik ist das Gegenteil von pragmatisch

    Es ist darum kein Zufall, dass die Briten ausgerechnet jetzt über den Austritt aus der EU nachdenken. Derzeit lahmen nämlich alle Pferde, auf die sie gesetzt haben - und das waren wahrhaftig nicht die Pferde des Pragmatismus.

    Es ist ja nur ein Stück Folklore, dass die nüchternen Briten sich lieber an den Pragmatismus halten als an die Prinzipien. Die britische Wirtschaftspolitik ist das genaue Gegenteil von pragmatisch, sie gehorcht einer gefährlichen Mischung aus Ideologie und Interessen: Immer geht es um die Symbolwirtschaft, um Währungswerte, Geldmengen, Inflationsraten, Kapitalanlagen und viel zu wenig um die Produktion. Lord Cockfield, "One Man Think Tank" von Margaret Thatcher, vertrat vor dreißig Jahren die Ansicht, je eher Großbritannien aufhöre, eine Industrieproduktion zu besitzen, desto besser. Dem Ziel ist die Insel ein gutes Stück näher gekommen.

    Auf dem Weg dorthin haben die Briten ihre Gewerkschaften zerstört, ihren Geheimdienst GCHQ Milliarden E-Mail-Daten abfischen lassen und den Spekulanten aus der City eine nie dagewesene Machtfülle zukommen lassen. Im angelsächsischen Finanzkapitalismus wachsen die Vermögen der Reichen und stagnieren die Einkommen der anderen.

    Das Wesen der Revolution: Sie schreibt sich ihre Gesetze selbst

    Mit Absicht missversteht der britische "Economist" darum das Geschichtszeichen der Europawahl. Diese Wahl sei, heißt es, die Absage an das Europäische Projekt: die "Schaffung einer immer engeren Union der Völker Europas." Das ist falsch. All jene, die für die sogenannten "populistischen" Parteien gestimmt haben, wenden sich doch nicht gegen Europa - sondern gegen das ungerechte Wirtschaftssystem, das ihre Lebensgrundlage gefährdet.

    Der Weg des Kontinents muss ein anderer sein. Indem das Europäische Parlament gegenüber dem Rat darauf beharrte, dass der Sieger der Europa-Wahl auch Präsident der Kommission wird, fordert es in einem revolutionären Akt sein Recht ein. Die Europakritiker waren entsetzt. In der "FAZ" schreibt der Brite Charles Grant: "In den Verträgen steht nichts über Spitzenkandidaten, sondern dass der Europäische Rat bei seiner Entscheidung das Wahlergebnis berücksichtigen solle." Das ist das Wesen der Revolution: Sie schreibt sich ihre Gesetze selbst.

    Martin Schulz wäre dann der neue Comte de Mirabeau. Drei Wochen vor dem Sturm auf die Bastille hatte der den Zeremonienmeister des Königs mit seinem berühmten "Donnerkeil" abgefertigt, als die Nationalversammlung aufgelöst werden sollte.

    Kleist hat die berühmte Szene in seinem Essay "Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden" festgehalten. Und man kann sich übrigens gut vorstellen, dass auch die Fraktionschefs des Europäischen Parlaments noch keinen fertigen Plan im Kopf hatten, als neulich das Wahlergebnis feststand und sie sich aufmachten, den Rat zu konfrontieren. Wie damals Mirabeau.

    Ob alle den Befehl des Königs vernommen hätten, fragte der Gesandte am 23. Juni 1789. "Ja", antwortete Mirabeau, "wir haben des Königs Befehl vernommen. Ja, mein Herr, wir haben ihn vernommen. Doch was berechtigt Sie, uns hier Befehle anzudeuten? Wir sind die Repräsentanten der Nation. Die Nation gibt Befehle und empfängt keine. Und damit ich mich Ihnen ganz deutlich erkläre: So sagen Sie Ihrem Könige, dass wir unsere Plätze anders nicht, als auf die Gewalt der Bajonette verlassen werden."

    Daran sollten die Europarlamentarier denken.


    S!NEDi photo|graphic: Banken-Skyline Ffm ...


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    S!NEDi|montage zur Ausstellung mit Fotomaterial von Ann-Christine Woehrl/ Echo Photo Agency



    Fotoprojekt über Gewaltopfer

    Die Schönheit der Verbrannten

    Aus einem SPIEGEL-ONLINE-Bericht von Kristin Haug

    Tiefe Narben, entstellte Gesichter, verformte Gliedmaßen: Ann-Christine Woehrl hat Frauen fotografiert, deren Körper durch Säure oder Feuer entstellt wurden - das Völkerkundemuseum in München zeigt ihre Bilder.

    Es war das letzte Streichholz in der Schachtel, das Neehaari in Flammen aufgehen ließ. Alle anderen 49 Hölzchen hatten kein Feuer gefangen. Die junge Frau aus dem indischen Bundesstaat Andhra Pradesh hat sich selbst angezündet. Nach fünf Monaten Ehe mit einem Mann, den ihre Eltern für sie ausgesucht hatten, war sie am Ende ihrer Kräfte. Er hatte sie seelisch, körperlich und sexuell missbraucht, sie wie eine Prostituierte behandelt. Einmal gab er ihr 100 Rupien, etwa zwei Euro, als Bezahlung für die vergangene Nacht.


    Neehaari aus dem indischen Bundesstaat Andhra Pradesh hat sich vor fünf Jahren mit Kerosin übergossen und selbst angezündet. Die deutsche Fotografin Ann-Christine Woehrl hält das Schicksal der 25-Jährigen in dem Bildband "In/visible" fest. Foto: Ann-Christine Woehrl/ Echo Photo Agency | Fotostrecke: hier clicken


    Neehaari war im zweiten Monat schwanger, als sie zu ihren Eltern flüchtete. Es war der 9. Juli vor fünf Jahren. Sie ging in das Schlafzimmer und schüttete sich Kerosin über ihren Körper. Das war das Ende ihres ersten Lebens.

    "Ich habe es nicht mehr ausgehalten, ich war so unglaublich traurig", sagt Neehari am Telefon. Sie ist jetzt 25 Jahre alt und arbeitet als Assistentin an einer Klinik für plastische Chirurgie in Hyderabad, der Hauptstadt von Andhra Pradesh. Über Neeharis Gesicht ziehen sich tiefe Narben, ihre Hände und Arme sind durch den Selbstmordversuch verkrümmt. "Ich bin seelisch fit, aber körperlich nicht."

    Neehaari aus Indien hat ihr zweites Leben begonnen. Sie hatte das erste Vorstellungsgespräch, den ersten Job. Sie sei nun selbstsicherer, erwachsen und zufrieden mit ihrem Leben, sagt sie. Was ihr widerfahren sei, sollen alle erfahren. Es gebe kein Grund, sich zu verstecken oder zu schweigen. Neehaari sagt, sie sei glücklich. Sie will nun ihre eigene Hilfsorganisation gründen. Einen Namen hat sie schon dafür: "Beauty of The Burnt".

    Das Schicksal von Neehaari hält die deutsche Fotografin Ann-Christine Woehrl in einem Fotobuch fest, das gerade erschienen ist. Sie hat es "In/visible" ("Un/sichtbar") genannt. Das Völkerkundemuseum in München zeigt ab Freitag ihre Aufnahmen. Zwei Jahre lang ist Woehrl in Länder wie Indien, Nepal, Uganda, Bangladesch, Kambodscha und Pakistan gereist, um Frauen zu fotografieren, deren Körper entstellt wurden. Entweder durch die eigenen Hände oder durch Menschen, die sie mit Säure übergossen haben: eifersüchtige Ehemänner, zurückgewiesene Verliebte, rachsüchtige Schwiegermütter. Woehrl hat sie über Hilfsorganisationen gefunden und langsam Vertrauen zu den Opfern aufgebaut.


    Ann-Christine Woehrl/ Echo Photo Agency


    Un/sichtbar - Frauen überleben Säure, Staatliches Museum für Völkerkunde, München, bis 11. Januar 2015

    Museums-Flyer zu dieser Ausstellung: hier clicken

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    Ann-Christine Woehrl, Laura Salm-Reifferscheidt:
    In/visible: Un/sichtbar
    Edition Lammerhuber; 212 Seiten; 49,90 Euro: hier anclicken



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    Schöpfer & Kritiker der digitalen Welt

    Jaron Lanier erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

    Internet-Pionier Jaron Lanier gilt als Vater des Begriffs "virtuelle Realität"

    Von Thomas Maier | dpa|NW


    Der amerikanische Technologiepionier und Internetkritiker Jaron Lanier erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Der 54-jährige Informatiker und Autor habe erkannt, welche Risiken die digitale Welt für die freie Lebensgestaltung eines jeden Menschen habe, teilt der Stiftungsrat in Frankfurt mit. 

    Jaron Lanier | Foto: http://briongysin.com/




    Erstmals geht der mit 25 000 Euro dotierte Friedenspreis, eine der bedeutendsten Kulturauszeichnungen Deutschlands, damit an einen Wissenschaftler, der sich mit der Internet-Revolution auseinandersetzt. Der Dachverband der Buchbranche schlägt so eine Brücke zur digitalen Welt, die derzeit auch die Buchbranche massiv verändert.

    Lanier weise in seinen Büchern auf die Gefahren hin, "die unserer offenen Gesellschaft drohen, wenn ihr die Macht der Gestaltung entzogen wird und wenn Menschen, trotz eines Gewinns an Vielfalt und Freiheit, auf digitale Kategorien reduziert werden".

    Der einstige Technologie-Guru, der als Vater des Begriffs "virtuelle Realität" gilt, war als Unternehmer an zahlreichen digitalen Entwicklungen beteiligt. Er initiierte internet-basierte Computernetzwerke und konstruierte virtuelle Kameras, 3-D-Grafiken für Kinofilme und den ersten Avatar, einen künstlichen Stellvertreter für eine reale Person in der virtuellen Welt. 

    Lanier, der Dreadlocks trägt, tritt auch als Pianist und Musiker mit asiatischen Wind- und Harfeninstrumenten auf und komponiert. Gemälde und Zeichnungen von ihm wurden in Ausstellungen präsentiert. 

    Sein jüngstes Buch "Wem gehört die Zukunft?" sei ein Appell, wachsam gegenüber Unfreiheit, Missbrauch und Überwachung zu sein, heißt es in der Begründung für die Preisvergabe weiter. Der digitalen Welt müssten Strukturen vorgegeben werden, um die Rechte des Individuums zu achten und die demokratische Teilhabe aller zu fördern. Häufig zitiert wurde Laniers Satz: "Du bist nicht der Kunde der Internetkonzerne. Du bist ihr Produkt."

    Lanier beschäftigt sich seit Jahren mit der immer größer werdenden Diskrepanz zwischen Mensch und Maschine, Wirklichkeit und virtueller Realität sowie dem Missbrauch von Daten für kommerzielle Zwecke. Er betreut derzeit nach Angaben des Börsenvereins als führender Wissenschaftler ein Projekt mehrerer Universitäten zur Erforschung des "Internets 2" und arbeitet als Forscher für Microsoft Research. Neben der Forschung gründete er das Unternehmen VPL Research. 

    Immer wieder unterzieht Lanier das Internet-Zeitalter einem kritischen Blick. Das größte Problem unserer Gesellschaft seien derzeit die Arbeitsplätze, die durch die technische Revolution wegrationalisiert würden, sagte Lanier vor einigen Monaten in einem Interview der Zeit. Diese Gefahr sieht er durch Erfindungen wie 3-D-Drucker noch einmal deutlich beschleunigt. Die Hochtechnisierung in den Betrieben führe möglicherweise in ein "Zeitalter der Hyperarbeitslosigkeit".

    "So wie sich die Digitalisierung bislang entwickelt hat, zerstört sie die Mittelschicht unserer Gesellschaft", sagte er der Wochenzeitung. Während die digitale Gesellschaft Errungenschaften wie die freie Enzyklopädie Wikipedia als Befreiung von Herrschaftswissen und Werkzeug der Demokratisierung feiert, geißelt Lanier sie als Instrumente von Schwarmintelligenz und Verbreitung von Durchschnittsmeinungen. Dass von der Digitalisierung einmal alle profitieren werden, habe er auch einmal geglaubt. Das habe sich aber als falsch erwiesen. Für ihn ist das Internet zu einem Herrschaftsinstrument geworden, bei dem die Daten nur noch einigen wenigen gehören.

    Dabei funktioniere beispielsweise Googles Übersetzungsfunktion nur deshalb gut, weil das Unternehmen in Millionen von Daten der Nutzer nach ähnlichen Sätzen sucht. Reale Personen legten also den Grundstein dafür. In seinem aktuellen Buch schlägt Lanier deshalb auch ein Vergütungssystem, eine Art Micro-Bezahlsystem vor, das die Profite im Netz auf alle verteilt, die ihre Daten zur Verfügung stellen. 

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    ZUR PERSON:
    Jaron Lanier
    Geboren am 3. Mai 1960 in New YorkBrach die Schule mit 15 Jahren ab und besuchte Vorlesungen in MathematikVater des Begriffs "virtuelle Realität", Unternehmer und Forscher2010 laut Time Magazine einer der 100 einflussreichsten KöpfeBücher: "Gadget. Warum die Zukunft uns noch braucht" (2010), "Wem gehört die Zukunft?" (2014)- 2014 Goldsmith Book Prize der Harvard UniversitätLebt mit Frau und Tochter in Berkeley, KalifornienLehrt als Informatiker an mehreren US-Universitäten


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    Homepage: www.jaronlanier.com

    Lesetipp: Jaron Lanier, "Wem gehört die Zukunft?", 480 S., Hoffmann und Campe, 24,99 €.

    © 2014 Neue Westfälische, Freitag 06. Juni 2014

    S!NEDi: digitale welt


    Links:
    Jaron-Lanier Artikel in der FAZ von 2010
    Jaron-Lanier-Interview: Der digitale Maoismus ist zu Ende, 2010
    fischmarkt-Aufsatz: Warum Jaron Lanier im Netz ignoriert wird - Von Martin Recke, 2010
    Die FAZ: Zum Friedenspreis
    ZEIT-Interview mit Jaron Lanier 2014

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    music an-/aus: unbedingt lautsprecher-symbol anclicken ...


    Gloria - Songtext - 
    (Achtung - dieser Text ist nicht frei von Obszönitäten ... - bitte entscheiden Sie selbst - wie immer - ob Sie ihn lesen wollen oder nicht ...)

    Ich erzähl euch von meinem Mädchen 
    Sie kommt vorbei 
    Sie kommt hier vorbei 
    Mit hängendem Kopf

    Sie kommt hier vorbei 
    Ungefähr um Mitternacht 
    Durch sie fühle ich mich so gut 
    Durch sie fühle ich mich wohl

    Sie kommt jetzt durch meine Straße 
    Sie kommt zu meinem Haus 
    Klopft an meine Tür 
    Steigt meine Treppe hoch 
    Eins, zwei, drei 
    Komm rauf, Liebling 
    Mmmm, jetzt ist sie in meinem Zimmer oh Mann

    Hey, wie heißt du? 
    Wie alt bist du? 
    Wo gehst du zur Schule? 
    Jetzt wo wir uns ein klein bisschen besser kennen – warum kommst du nicht rüber zu mir?

    Mach, dass ich mich wohl fühle!

    Gloria (5x) 
    Die ganze Nacht! Den ganzen Tag! 
    Genau! Richtig!, Ja! 
    Du warst meine Königin und ich war dein Narr 
    Auf der Heimfahrt von der Schule 

    Du nahmst mich mit 
    Zu dir nach Hause 
    Dein Vater ist arbeiten 
    Deine Mutter irgendwo einkaufen 
    Nahmst mich mit auf dein Zimmer 
    Zeigtest mir alles 
    Warum hast du das getan, Liebling?
    Ah ein wenig sanfter, mach langsamer 
    Sanfter, langsamer 
    Nun zeig mir, was du kannst yeah

    Leg deine Beine um meinen Hals 
    Leg deine Arme um meine Beine 
    Leg dein Haar um meine Haut 
    Schließ deine Lippen um meinem Schwanz

    Ich werde 
    Es wird stärker 
    Es geht verdammt zu schnell 
    Es wird stärker 
    Ja, so ist´s gut! 
    Komm schon, Liebling jetzt geht´s los… 
    Oh! Zu spät! 
    Zu spät! (5x) 
    Es ist Halt!Oh

    Mach, dass ich mich wohl fühle, Liebling

    Gloria (3x)

    Die ganze Nacht 
    Den ganzen Tag 
    So ist´s gut 
    Okay

    Laß es so weitergehen, Liebling! 
    So ist´s gut 
    So ist´s gut 
    Fuck 

    Ahuh

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    Ein begeisterndes Pfingstfest
    wünscht S!NEDi

    S!NEDi|bild|montage: pfingsten in symbol und immerwährender realität


    „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt 
    mit immer neuer und zunehmender 
    Bewunderung und Ehrfurcht, 
    je öfter und anhaltender
    sich das Nachdenken damit beschäftigt:
    Der bestirnte Himmel über mir, 
    und das moralische Gesetz in mir.“

    Immanuel Kant | „Kritik der praktischen Vernunft“ 

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    S!NEDi|photo|graphic: wenn der lauf der zeit innehält - ein pfingsterlebnis





    so ähnlich wird es sein:
    wenn die zeit in feuer & flamme aufgeht
    wenn es zu knistern anfängt
    zu schäumen zu brausen
    wenn feuerfunken toben und wirbeln

    feuer & flamme sein
    begeistert sein
    brennen und beben vor lust ...

    wenn der lauf der zeit
    einfach innehält und verschmort:
    zu asche zerbröselt im hier & jetzt

    die zeit ist nur eine idee
    die mit der zeit vergeht
    tempus fugit: heureka

    wenn der lauf der zeit
    nicht mehr als zeitachse läuft
    von links - nach rechts:

    sondern wenn sie sich zu einem
    strahl auftürmt: vertikal
    unten ist oben - und oben ist unten
    das ende und der anfang sind im nu
    immer wieder neu ...
    von oben bis unten ...

    der zahn der zeit -  gezogen:
    forever young - forever 

    sinedi

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  • 06/09/14--13:19: Barmherzigkeit im Huckepack
  • Im Huckepack zur Barmherzigkeit
    Krankenfürsorge im reichsten Land der Erde ...

    14-jähriger Held trägt kranken Bruder 64 Kilometer

    Hunter Gandee lief gegen Regen, Hitze und Müdigkeit an. 64 Kilometer legte der Teenager zurück - mit seinem kleinen Bruder auf dem Rücken. Mit der Aktion verfolgt er einen ganz bestimmten Zweck.


    S!NEDiphoto|graphic nach einem Foto von AP | SPIEGEL-ONLINE


    Detroit - Monatelang hatte Hunter Gandee mit Gewichten für die Aktion trainiert. Dann nahm der 14-Jährige den sieben Jahre alten Braden auf den Rücken und lief los: 64 Kilometer durch den US-Bundesstaat Michigan.

    Hunter Gandee wollte auf die Krankheit von Braden aufmerksam machen. Der Siebenjährige leidet an einer zerebralen Lähmung, die bewegungsunfähig macht. Die Aktion soll Wissenschaftler und Experten dazu animieren, neue medizinische Maßnahmen sowie Bewegungshilfen für die Erkrankten zu entwickeln, wie der Nachrichtensender ABC berichtet.

    Am Samstagmorgen (Ortszeit) begann für die zwei Jungen die Reise. Ihr Ziel: Die Universität von Michigan in Ann Arbor. Dabei trotzten sie dem Regen, der Hitze und der Müdigkeit. Mit einem orangefarbenen Stirnband, auf dem "Tough Mudder" steht, hielt sich der 25 Kilogramm schwere Junge während des langen Marsches am Oberkörper seines Bruders fest.

    Immer wieder legten die Geschwister Pausen ein. Auf einem Teil der Strecke wurden sie von der Familie und Freunden unterstützt. "Wenn er Probleme hat, bin ich direkt an seiner Seite", sagte Hunter über seinen kleinen Bruder. Knapp eineinhalb Tage brauchten die Brüder, am Sonntagnachmittag erreichten sie ihr Ziel.

    SPIEGEL-ONLINE | kha/dpa/AP



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    auf gehts ...


    Flämmchen der Hoffnung für Nahost

    Beten für den Frieden
    Papst bringt Israels Staatschef und den Palästineneserpräsidenten zusammen


    Papst Franziskus hat ein historisches Zeichen gesetzt. Zusammen mit Israels Staatschef Peres und Palästinenserpräsident Abbas betete er leidenschaftlich für Frieden in Nahost und für Wege der Versöhnung.

    Von Hanns-Jochen Kaffsack | dpa | nw

    Ein dreieckiges Rasenstück in den Vatikanischen Gärten, umgeben von hohen Sträuchern, als Schauplatz der Geschichte: Drei Weltreligionen waren dort am Pfingstsonntag abends vereint für ein intensives gemeinsames Gebet um Frieden. Papst Franziskus hatte es eingefädelt - für einen Tag sollte die Politik einfach mal das Feld räumen für die Religion und für den Glauben an Versöhnung gerade im Heiligen Land. Israels demnächst scheidender Staatschef Schimon Peres und der Palästinenserpräsident Mahmud Abbas waren ohne zu zögern dem Aufruf des Papstes gefolgt, mit ihm zu beten. Sie haben Krieg erlebt, beide, die Kriege gegeneinander. Und das soll endlich ein Ende haben.


    Der Kriege müde: v.l.n.r.: Peres, Abbas, Papst Franziskus - S!NEDI|photo|graphic nach einem Foto von DPA


    Bei strahlendem Frühsommerwetter vollendete Jorge Mario Bergoglio so, was er jüngst auf seiner Nahostreise vorbereitet hatte. Zuvor hatte er beim pfingstlichen Mittagsgebet noch schnell den Wunsch nach einer Kirche ausgedrückt, die überrascht und Unruhe stiftet, nicht harmlos ist. Auch seine Einladung nach Rom war eine der Überraschungen dieses Papstes, der gern neue Wege geht, Gesten liebt, auch medienwirksame.

    Ein von ihm angeregter Tag des Gebets für das geschundene Syrien war bereits ein solches Zeichen. Nun führt er Juden, Muslime und Christen in den pittoresken Gärten des Vatikans zusammen. Auch der ökumenische Patriarch Bartho-lomaios ist dabei - so ist es ein Nahost-Quartett des Glaubens, das sich auf seine Weise für Friedensgespräche stark macht.

    "Ich hoffe, dass diese Begegnung der Beginn eines neuen Weges auf der Suche nach dem sei, was eint, um das zu überwinden, was trennt" - mit ganzer Leidenschaft plädiert Franziskus dafür, Mauern der Feindschaft einzureißen. "Ja zum Dialog und nein zur Gewalt", ruft er aus, und er wiederholt seine Forderung "Nie mehr Krieg!". 

    Nach dem politischen Scheitern der US-Bemühungen um Verhandlungen und Abmachungen zwischen den Israelis und den Palästinensern gelingt es ihm, dem Oberhaupt der katholischen Weltkirche, alle in dem malerisch eingefassten Ambiente zu vereinen. Wobei wohl niemand sich der Illusion hingibt, den Frieden für morgen herbeibeten zu können, auch wenn alle sich ihn doch innigst wünschen.

    Es war eine ernste frühabendliche Zeremonie voller Symbolik und Friedensgesten, also nicht nur der schönen Worte. Gemeinsam pflanzt das Quartett mit langen blauen Schaufeln einen Olivenbaum. Der Papst und die Präsidenten reichen sich die Hände, umarmen sich und küssen sich auf die Wange. Franziskus kann mit dem Erfolg seiner Initiative zufrieden sein. Vor allem für die heranwachsende Generation möchte er den Frieden am liebsten erzwingen, "für all die Kinder, die müde und erschöpft sind von den Konflikten". Doch dafür, das weiß Franziskus, braucht es mutige Politiker. Seine päpstliche Macht ist allein eine moralische. Gefragt ist "große Seelenstärke", so drückt er es aus.


    Pontifex heißt Brückenbauer, und Friedensnobelpreisträger Schimon Peres nennt den argentinischen Papst einen solchen Konstrukteur der Brüderlichkeit und des Friedens. "Ich bin alt", sagt Peres noch, "ich habe den Krieg erlebt." 

    Der Präsident der jüdischen Gemeinde Roms, Riccardo Pacifici, sieht in dem Treffen in den Gärten des Vatikans ein "Flämmchen der Hoffnung", das unpolitisch die Herzen erwärmen wolle: "Jetzt ist es unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass diese kleine Flamme nicht erlischt." Wie brennend die Palästinenser einen "gerechten Frieden und ein würdiges Leben" herbeiwünschen, das hatte Abbas betont: Ein Frieden in Jerusalem wäre ein Signal an die Welt.

    Ein Zeichen ist gesetzt. Ob es etwas bewirkt, bleibt abzuwarten. Bergoglio ist jedenfalls ein Mann, der mit dem Glauben Mauern einreißen will. Und er glaubt an die Macht des Gebetes. In Bethlehem stieg er aus seinem Papamobil aus, um an der umstrittenen Mauer der Israelis schweigend und betend zu verharren. Er will etwas erreichen.


    © 2014 Neue Westfälische, Dienstag 10. Juni 2014

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  • 06/11/14--12:29: Pfingsten - nachgehakt ....
  • Nun - ich muss da noch einmal nachhaken:
    P-F-I-N-G-S-T-E-N -- 

    eingentlich ganz einfach: "Pfingsten": Aber ich lese allerorten, dass viele mit dieser christlichen Feier nichts oder nur sehr wenig anzufangen wissen: Okay - Weihnachten is klar: Krippe, Ochs & Esel, Maria & Joseph, 3 Heilige aus dem Morgenland mit Myrrhe - Weihrauch - Gold --- Ostern: auch klar: Osterhase, Ostereier, Auferstehung (was immer dazu auch zu verstehen ist ...) ---- aber - Pfingsten: Brausen vom Himmel (hatten wir ja in den Gewitterregionen ...) - Feuerflammen über den Häuptern (hatten wir ja ebenfalls in den Gewitterregionen ...) - Zungenreden (jeder drückt sich so aus - wie er will und kann ...: hatten wir auch: beim Papst mit Abbas und Perez - mit "Alt-Bundespräsident" Wulff zu seinem neuesten Buch ... - bei den Pressekonferenzen des DFB in Brasilien zur Fußball-WM...) ---

    Eines der Fenster, die Sigmar Polke in Zürichs größter Kirche geschaffen hat. Foto: © 2009 Sigmar Polke/Grossmuenster ZH








    Bibelauthentisch wird Pfingsten so geschildert: 

    In der Apostelgeschichte (2,1-41) wird berichtet, dass sich die Jünger Jesu am 50. Tag nach Ostern in einem Haus versammelten und dort den Heiligen Geist empfingen. Er versetzte sie in die Lage, mit Menschen zu sprechen, deren Sprache sie ursprünglich nicht beherrschten. Jerusalem war an diesem Tag, an dem das Wochenfest gefeiert wurde, mit Pilgern überfüllt. Sie waren aus vielen Ländern angereist und überrascht, die Jünger in der eigenen Muttersprache reden zu hören. Zuschauer hatten für dieses Geschehen nur Spott übrig, denn sie hatten den Eindruck, die Gläubigen seien betrunken. Gegen diesen Vorwurf verwahrt sich Petrus in seiner Predigt (2,16-36, s. bes. 2,15). Auf die Verkündigung von der Auferweckung Jesu reagieren die Menschen ergriffen und fragen, was sie tun sollen. Petrus fordert sie auf, Buße zu tun und sich taufen zu lassen (2,38). 3.000 Menschen folgen diesem Aufruf (2,41). Damit wurde das Ereignis der Ausgießung des Heiligen Geistes zur Geburtsstunde des "Christentums" und somit auch der verschiedensten christlichen Kirchen:

    In Wirklichkeit ist es ein Fest, was sich sehr gut in unseren Sprach-Floskeln ebenso niedergeschlagen und hinein etabliert hat - wie es in der Bibel schon vor 2000 Jahren mit den damaligen bildsprachlichen Möglichkeiten beschrieben wurde: 


    • 01. Er ist ganz "Feuer & Flamme" ...
    • 02. Da hat jemand einen "Geistesblitz" ...
    • 03. Er "brennt" geradezu darauf, die neue Aufgabe zu erfüllen ...
    • 04. Ich bin "begeistert" ... - vor "Begeisterung geradezu davon getragen" - da ist echt Verstand (Geist) bei - der Beitrag war "geistreich" ...
    • 05. Da befindet sich etwas im Aufwind - da "geht die Post ab" - die Sache hat echt    "Pfiff" ... - da ist etwas ganz "pfiffig" ...
    • 06. Da "kommt etwas auf uns herab ..." - da "senkt sich etwas auf uns nieder ..." - 
    • 07. Da ist jemand ganz "erfüllt von seiner neuen Aufgabe" ... - "er geht geradezu auf in seiner Aufgabe" ...
    • 08. Da ist jemand "angerührt" - 
    • 09. "Wess das Herz voll ist - dess geht der Mund über" ...
    • 10. Geradezu "davongetragen" (von dieser These) ...

    usw. (= vielleicht fallen Ihnen auch noch ein paar Beispiele "in dieser Richtung" ein, die Sie vielleicht in den Kommentaren mitteilen mögen ...)

    Mir sind dazu auch noch mal wiederholt - wie schon vor ein paar Tagen - die "Doors" eingefallen - diesmal mit ihrem Song "Riders On The Storm" - aus dem Jahre 1970: 
    -

    Riders On The Storm 

    Übersetzung

    Reiter auf dem Sturm
    Reiter auf dem Sturm
    In dieses Haus geboren
    In diese Welt geworfen
    Wie einen Hund ohne einen Knochen
    Ein ausgeliehener Schauspieler
    Reiter auf dem Sturm

    Es ist ein Killer unterwegs
    Sein Gehirn windet sich wie eine Kröte
    Mach einen langen Urlaub
    Lass deine Kinder spielen
    Wenn du diesen Mann mitnimmst
    Wird deine liebe Familie sterben
    Der Killer ist unterwegs

    Mädchen, liebe deinen Mann
    Mädchen, liebe deinen Mann
    Nimm ihn an der Hand
    Mach ihm klar:

    Die Welt hängt von dir ab
    Unser Leben wird niemals enden
    Liebe deinen Mann

    Reiter auf dem Sturm
    Reiter auf dem Sturm
    In dieses Haus geboren
    In diese Welt geworfen
    Wie einen Hund ohne einen Knochen
    Ein ausgeliehener Schauspieler
    Reiter auf dem Sturm

    Reiter auf dem Sturm
    Reiter auf dem Sturm
    Reiter auf dem Sturm
    Reiter auf dem Sturm

    Auch für mich wenigstens eine weitere Metapher - auf dieses himmlische Brausen und dem feurigen Sturm zu Pfingsten - und der Sprachen, in denen jeder Einzelne plötzlich für sich plötzlich authentisch sprechen konnte ...





    please click on the speaker-icon ....



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    VfB Stuttgart sagt Testspiel gegen RB Leipzig ab

    links: altes beanstandetes Logo - rechts: neues abgeändertes Logo


    RB Leipzig (offiziell: RasenBallsport Leipzig e.V.)ist ein deutscher Fußballverein aus Leipzig. Die erste Herrenmannschaft spielt ab der Saison 2014/15 in der 2. Fußball-Bundesliga.
    Hinter dem Verein steht die Red Bull GmbH, die als langfristiges Vereinsziel den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga angibt. Da die Satzung des DFB eine Namensgebung zu Werbezwecken verbietet, ist Red Bull als Namensbestandteil unzulässig.

    Der Verein würde von der DFL demnach für die Saison 2014/15 grundsätzlich eine Spielberechtigung für die 2. Bundesliga erhalten., wenn er dafür drei Auflagen erfülle: 

    • sich durch deutliche Senkung des Mitgliedsbeitrags (bisher 800 Euro jährlich) für neue Mitglieder öffnen, 
    • in der Vereinsführung keine Mehrheit von Red-Bull-Funktionären mehr zulassen und 
    • das Vereinslogo nach den Vorgaben der DFL vom Red-Bull-Unternehmenslogo abgrenzen. 

    Das juristische Online-Magazin Legal Tribune Online bewertete alle drei Forderungen der DFL als rechtlich fragwürdig.

    RB Leipzig legte am 30. April 2014 fristgerecht Beschwerde gegen die erteilten Auflagen ein, die die DFL am 8. Mai ablehnte.Während der Verein selbst sich offiziell weder zu den Auflagen noch zu einer eventuell eingelegten Beschwerde äußerte, schloss Red-Bull-Geschäftsführer Dietrich Mateschitz eine weitere Saison in der 3. Liga kategorisch aus. Sportdirektor Ralf Rangnick zeigte sich in Mediengesprächen zuvor jedoch kompromissbereit hinsichtlich einer Änderung des Logos. 

    Am 15. Mai 2014 erteilte die DFL dem Verein die Lizenz. Im Gegenzug verpflichtet sich RB Leipzig, zwei der ursprünglichen Forderungen zu erfüllen, nämlich die Änderung des Wappens und Abgrenzung vom Red-Bull-Logo sowie die Besetzung der Führungspositionen mit vom Hauptsponsor unabhängigen Personen. (aus: WIKIPEDIA)

    Nach Fanprotesten sagt nun Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart sein Vorbereitungsspiel gegen RB Leipzig ab. 

    Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart hat sein Vorbereitungsspiel gegen Zweitligaaufsteiger RB Leipzig abgesagt. Nach Informationen der Leipziger Volkszeitung hätten Proteste der Stuttgarter Fans zu der Spielabsage geführt. Mit Protest-Statements und einer Online-Petition hätten sich die Stuttgarter Anhänger demnach an die Vereinsführung gewandt. "Gemeinsam gegen den Kommerz" sei in dem Schreiben zu lesen, das 1700 Menschen unterzeichnet hätten.

    Der von Red Bull gesponserte Fußballklub aus Leipzig hat sich noch nicht zu dem Vorfall geäußert. Bereits in der Vergangenheit hatten mehrere Vereine, daunter der 1. FC Nürnberg, Union Berlin und 1860 München, nach Fanprotesten ihre Testspiele gegen RB abgesagt.



    Diese für mich absurde Meldung las ich heute beim SPORTICKER von SZ-Online - aber ich verstehe diese Unterschiede nicht:
    Weshalb spielt der VfB Stuttgart mit Mercedes Benz als Hauptsponsor gegen Bayer Leverkusen, das nie einen Hehl daraus gemacht hat, ein "Werksverein" zu sein - und die Marke "Bayer" bedenkenlos im Namen führen darf ... - auch das Vereinslogo von Bayer Leverkusen ist die 1:1-Kopie des Marken-Logos ... Und der Autohersteller, der dem VfL Wolfsburg sein Leben einhaucht, und die Geschicke des Vereins bestimmt, prangt auch in Gänze als VW-Logo auf jedem Spieler-Trikot - riesengroß ... - und man spielt natürlich in Wolfsburg in der "Volkswagen-Arena" - und wenn man mal den Vereinsnamen Vfl Wolfsburg in 2 Buchstaben abkürzt - weiß man doch gleich, wer hier das sagen hat ... 
    Ja - da spielt man sogar inzwischen auch in Stuttgart in der "Mercedes Benz"-Arena - nachdem 2010 Mercedes als Hauptsponsor den Mitbewerber Porsche ausgebremst hat: Wie die "Stuttgarter Nachrichten" aufgedeckt haben, war Porsche 2010 bereit, für eine Zahlung von acht bis zehn Millionen Euro jährlich als Trikotsponsor beim VfB einzusteigen. Dieser Deal stieß jedoch bei Daimler dem Bericht zufolge auf keine Gegenliebe, so dass die Verhandlungen des damaligen VfB-Präsidenten Erwin Staudt vom Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Hundt und seinem Stellvertreter Joachim Schmidt unterbunden wurden. Schmidt ist bei Mercedes für den weltweiten Vertrieb verantwortlich. Und doch: das Logo des VfB Stuttgart darf man mal getrost mit dem Porsche-Logo vergleichen ... - Ja - und Dortmund spielt im "Iduna Park" - der HSV in der "Imtech-Arena" in Hamburg usw. usf. 
    Ja - und da werden zur Austragung der Fußball-WM ziemlich offen inzwischen jeweils Millionen hin und her gereicht, um den Zuschlag als Austragungsland zu ergattern (z.B. Deutschland, Russland, Katar) ... 
    Und unter all diesen Umständen wenden sich nun die Edelfans vom VfB Mercedes/Porsche Stuttgart mit Protest-Statements und einer Online-Petition an die Vereinsführung unter dem Motto: "Gemeinsam gegen den Kommerz" ... - das ist ein Witz - und eigentlich so überflüssig wie ein Kropf ... Man hätte sicherlich ein paar €uro für dieses Vorbereitungsspiel gut in der Kasse des VfB Stuttgart gebrauchen können ... 
    Also - was für ein Unsinn - Sinn würde das ja nur machen, wenn auch den eigenen VfB-Sponsoren sofort gekündigt würde - und der Spielbetrieb in einer "Amateur"-Liga weitergeführt wird ...

    Hier eine Liste der Sponsoren des VfB Stuttgart:
    (Quelle: hier anclicken...) 


    Hauptsponsor

    Exklusiv Partner

    Premium Partner

    Team Partner

    Club Partner


    Service Partner


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    Tja - heute am Tag der WM-Eröffnung - geht es uns allen so wie den Brasilianern auch: Demos in den großen Städten dagegen - unfertige Stadien - unfassbare Zwangsumsiedelungen von den Ärmsten der Armen - und doch irgendwie auch anderweitige klammheimliche Freude und Stolz - und bevorstehende spannende Spiele und und turbulente Fernsehminuten ...
    Und während ich unten in einem Beitrag noch lästere über die "Kommerz"-Vorwürfe der Edelfans vom VfB Mercedes/Porsche Stuttgart gegenüber dem RasenBallsport-Verein RB Leipzig (sprich: "Red Bull" ...) mit denen sie ein Vorbereitungs-/Freundschaftsspiel zwischen beiden Mannschaften mit einer "Petition" an den VfB-Vorstand zu Fall gebracht haben - unter dem Motto: "Gemeinsam gegen den Kommerz" - ... 
    muss ich - quasi im gleichen Atemzug - Jakob Augstein mit seiner neuesten S.P.O.N-"Im-Zweifel-links"-Kolumne beipflichten:"Die Korruption tötet diesen Sport. Das Geheimnis ist weg, die Freude ist weg. Rettet den Fußball - oder macht Schluss mit der WM!" ... 
    Ja - und das gilt es dabei auch zu bedenken: Es ist in erster Linie die KORRUPTION die den Fußball tötet - nicht unbedingt der benötigte "Kommerz" - vor allen Dingen nicht, wenn man willkürlich zwischen "gutem" und "schlechtem" Kommerz - wie jetzt in Stuttgart geschehen (Mercedes-Kommerz ist gut - Red-Bull-Kommerz ist schlecht ...) hin-und-her-eiert ... 
    Realistischer Weise wird man Werbung und Sponsorentum bei solchen Massen-Sportereignissen nicht verhindern können - und sobald neben dem sportlichen Wettkampf auch ein pekuniärer Wettstreit tritt begibt man sich meist auch auf das Glatteis des manipulierten Glücksspiels ... -  
    Aber die Machenschaften rund um die ewig neuen Austragungsländer wie in Brasilien und dann in Russland oder dann in Katar sind das Schreckliche: Um moderne Infrastrukturen gesponsert zu bekommen, muss man im Sommer in der Wüste spielen, muss man Hunderten von Zwangsarbeitern die Menschlichkeitsrechte verwähren - bei zynischen Bemerkungen des "Kaisers" zu dieser Misere ... 
    Weltmeisterschaften sollten unter sportlichen Bedingungen jeweils in existierenden Stadien - vielleicht auch wie in der Champions-League aber als zusammenfassendes Turnier  - mit Hin- und Rückspielen jeweils in den qualifizierten Ländern stattfinden vielleicht nur unter den letzten acht Mannschaften - und vielleicht nur noch das einzige Endspiel auf neutralem Platz: also z.B. das Endspiel Deutschland - Niederlande in Belgien ... 
    Dann würde der Sport wieder die jeweiligen Spielstätten bestimmen - und nicht mehr das Portemonnaie ...
    ...


    Korruption im Fußball

    Schluss mit der WM!

    Eine Kolumne von Jakob Augstein | SPIEGEL-ONLINE: Im Zweifel links ...

    Die Welt ist ein Ball und alle Menschen werden Freunde - an diese fröhliche Fifa-Fußballphilosophie glaubt kein Kind mehr. Die Korruption tötet diesen Sport. Das Geheimnis ist weg, die Freude ist weg. Rettet den Fußball - oder macht Schluss mit der WM!

    Die WM nervt. Zwischen den Prügelpolizisten von Rio und den Millionenschiebern von der Fifa in Zürich ist die Freude am Fußball verloren gegangen, bevor die Spiele überhaupt begonnen haben. Wie viele verletzte Demonstranten kommen auf jeden Anstoß? Wie viele Millionen an Schmiergeldern auf jedes Tor? Der internationale Fußball ist Leuten wie Sepp Blatter, Franz Beckenbauer und Michel Platini in die Hände gefallen. Es muss gelingen, ihn wieder zu befreien. Sonst droht das Geld den Fußball zu vernichten, so wie das Doping den Radsport vernichtet hat.

    Im Dezember hat Fifa-Chef Sepp Blatter zu einer Schweigeminute für Nelson Mandela aufgerufen - um gleich darauf wieder das Wort zu ergreifen. Das war peinlich. Seitdem weiß man, dass die Blatter-Minute genau elf Sekunden dauert. Was sonst noch alles in Blatters Fußballuniversum schiefläuft, ist schon länger bekannt: "Wenn man den Ruf der Fifa in den letzten sieben Jahren sieht, verbinden die Menschen die Fifa mit Korruption und Bestechung." Das hat der Chef des niederländischen Fußballverbands gesagt.
    Die Erkenntnis kommt vielleicht zu spät. Es kann sein, dass die Fifa und mit ihr der Weltfußball nicht mehr reparabel sind. Selbst für die sehr heruntergekommenen Standards dieses Sports liegt ein sehr unguter Verdacht über der Doppelvergabe für Russland 2018 und Katar 2022. Wer kommt auf die Idee, im Sommer in der Wüste Fußball spielen zu lassen? Und spricht Franz Beckenbauer wirklich so schlecht Englisch, dass er dem Korruptionsermittler der Fifa keine Auskunft geben wollte? Mehr und mehr gewinnt man das Gefühl, dass in der Welt des internationalen Fußballs das Gesetz des Statthalters Agrippus Virus regiert, der bei Asterix und Obelix auftaucht: "Ehe Rom überhaupt reagiert, bin ich weit weg! Weit weg und reich!"

    Jeder Fernsehzuschauer macht sich mitschuldig

    Immerhin: Wenn der Rubel in die Tasche rollt, kommt auch das Runde ins Eckige. Fußball ist Geld: Als er noch Bundespräsident war, unterstützte Christian Wulff die Kandidatur Katars, weil er sich Aufträge für deutsche Firmen davon versprach. Und ein Unternehmen des Golfstaats kaufte einen französischen Fußballverein - kurz nachdem der katarische Premierminister sich in Paris mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy getroffen hatte und die Entscheidung für Katar gefallen war.

    Wo endet da die Politik, und wo beginnt die Korruption? Kein Wunder, dass Franz Beckenbauer, Träger des "Fifa-Verdienstordens", voller Überzeugung sagt, "für das Thema Korruption" sei er "der falsche Ansprechpartner".

    "Linken Fußball im Sinne César Luis Menottis", von dem der europäische Politiker Daniel Cohn-Bendit träumt - ein Fußball, der sich vom "Terror der Systeme" befreit und von der "Diktatur der Taktik" - den gibt es nur noch in der Erinnerung alter Männer.

    Heute missbraucht der neoliberale Kapitalismus die Begeisterung der Fans. Korruption, Umweltzerstörung, Unterdrückung. Jeder Fernsehzuschauer macht sich mitschuldig, wenn ganze Wohnviertel dem Erdboden gleichgemacht werden, um Platz für neue Stadien zu schaffen, wenn Arbeiter wie Sklaven gehalten werden, wenn Protest niedergeknüppelt und Aktivisten verhaftet werden.

    Auch die Konzerne tragen Verantwortung

    Die großen Sportereignisse sind zu gigantischen Geldpumpen in der amoralischen Thermodynamik eines entgrenzten Globalkapitalismus geworden: Westliches Geld leistet am Austragungsort institutionelle Aufbauhilfe für ein Geflecht aus bestechlicher Bürokratie, korrupten Unternehmen und organisierter Kriminalität und fließt dann über Firmenaufträge und Konsumgüterverkauf wieder an seinen Ursprungsort zurück. Unterwegs sind ein paar Leute sehr reich geworden und noch viel mehr ihrer Rechte verlustig gegangen, manche ihres Lebens. Der internationale Sport ist ein Schweinesystem.

    Die Konzerne, die daran verdienen, tragen Verantwortung. Aber wer auf die ethischen Selbstheilungskräfte der Wirtschaft und des Markts warten will, der kann auch hier lange warten. Sony, einer der wichtigsten Geldgeber der Fifa, hat jetzt eine "angemessene Untersuchung" der mutmaßlichen Katar-Korruption gefordert. Nach so vielen Jahren der Blatter-Wirtschaft! Das Kreditkartenunternehmen Visa, ein anderer der Großsponsoren, ließ verlauten, man beobachte das Verhalten der Fifa sehr genau.

    Nur zur Erinnerung: Als Wikileaks 2010 amerikanische Verbrechen im Irak und in Afghanistan enthüllte, reagierte Visa viel schneller - und sperrte kurzerhand die Wikileaks-Spendenkonten.

    "Ordem e progresso" lautet das Motto in der brasilianischen Flagge. Ordnung und Fortschritt. Der pure Positivismus. Vielleicht sollte die Fußballweltmeisterschaft künftig jedes Jahr in Dänemark stattfinden und das Sponsorenwesen wird abgeschafft. Eine andere Möglichkeit wäre, auf solche Spiele zu verzichten.

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    Frank Schirrmacher - nach einem Foto von: picture-alliance / Sven Simon/picture-alliance



    Frank Schirrmacher ist tot ... Heute abend hörte ich diese bittere Nachricht. Ich habe schnurstracks sein Buch "EGO" aus dem Bücherschrank gezogen - und bin zu meiner Frau gelaufen, die just im selben Moment die gleiche Nachricht in der "Tagesschau" serviert bekam ...

    Frank Schirrmacher ist ein überragender Journalist, der gern Dinge zusammenzieht, die eigentlich diametral im ersten Moment voneinander getrennt sind ...

    So etwas hat er im Gespür: und - nicht zu vergessen - sein "EGO"-Buch kommt vor den Enthüllungen des Edward Snowden auf den Markt - ein Buch, in dem er eigentlich den moralischen und faktischen Inhalt der Snowden-Recherchen vorwegnimmt.


    Ich habe zu meiner Frau eben gesagt, dieses Buch ("EGO") ist seit seinem Erscheinen für mich das wichtigste, was es neben der Bibel unbedingt zu lesen gilt ... Na ja - sie hat etwas ungläubig dreingeblickt - und ich weiß nicht, ob ein so hehrer Vergleich tatsächlich gerechtfertigt sein kann: Aber mit "EGO" hat mir Frank Schirrmacher den Blick geöffnet - und "wie Schuppen von den Augen" gezogen: Das waren keine "Verschwörungsstrategien", sondern da war ein ganz virtuelles unfassbares Machtgehabe und Machtgeschiebe, dem er einen allgemeinverständlichen Zugang eröffnet hat: Ein Zugang - nicht um der publikumsträchtigen Sensationshascherei und der Auflagenpuscherei willen - sondern viel eher eine Warnung fürs Leben und für die Welt: "Aha - so läuft das ab ..." - "aber das gibt's doch gar nicht" ...

    Ja - aber das gibt es doch: So wie Frank SWchirrmacher es beschrieben hat - vielleicht noch eine Spur knallharter - denn Schirrmacher selbst war nicht kantig hart - sondern eher empathisch weich - umsichtig - verantwortungsvoll ...

    Für mich ist Frank Schirrmacher immer der "Gute" gewesen - vor allem im Vergleich mit BILD-Zeitungs Kai Diekmann: der tiefgründige Denker gegen den hin und her hüpfenden Macher, Ernst gegen Klamauk - und in Bezug auf die Cyberwelt: der glattrasierte grübelnde Warner - vor dem ein Jahr in Silicon-Valley einsitzenden und bartsprießenden und herumwuselnden Diekmann ...

    Politisch hatte ich lange meine Vorbehalte gegen Schirrmacher: ich meinte immer, dass der F.A.Z.-Journalismaus eigentlich schon "von Haus aus" mit meiner 68-er Prägung gar nie kompatibel werden könne: 

    Aber - auch da war Frank Schirrmacher vor - ich musste lernen: Wenn es um "die Sache" geht, spielen ideologische Unterschiede eigentlich keine Rolle ...


    Ich werde nie die Stelle vergessen, die Schirrmacher in seinem "EGO"-Buch beschreibt: 
    "Seit die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik auf dem Höhepunkt der Lehman-Krise (2008) filmreif (und fast beispiellos) eine Reihe von Chefredakteuren einlud, um sie vor Panik zu warnen, befand sich die deutsche und europäische Politik in einem Irrflug – als würde eine hochnervöse Bodenstation (die Politik) versuchen, mit einem hochnervösen Piloten (den Märkten) über starkes Hintergrundrauschen hinweg zu kommunizieren. Und darum darf kein Bundesverfassungsgericht, kein Plebiszit und vor allem kein »falsches Wort« bei Absturzgefahr des Gesamtsystems diese Kommunikation zusätzlich stören...."

    Eine dichtere Stelle - ganz nah am Abgrund - ist selten in einem Sachbuch beschrieben worden - wahrscheinlich direkt von Schirrmacher miterlebt - und in ihrer politischen und ethisch-moralischen Brisanz nur vergleichbar vielleicht mit Situationen und Szenen während der Schleyer-Entführung durch die RAF im Bundeskanzleramt unter Helmut Schmidt und dem damaligen Krisenstab ...

    Ja - ich bin tieftraurig: Frank Schirrmacher ist tot ...


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