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    EUCH ALLEN EINE SCHÖNE WOCHE ... - 
    Wenn Du nicht gut drauf bist - stell Dir das Video am besten auf Vollbild - und hör - und vor allem seh Dir aktiv diesen Song an ....

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    Günter Lamprecht als Franz Biberkopf in Fassbinders Film BERLIN ALEXANDERPLATZ nach Alfred Döblin -
    Bild nach europeanfilmgateway.eu

    GEDICHT



    Willst Du, oh Mensch auf dieser Erden,
    Ein männliches Subjekte werden,
    Dann überleg es Dir genau,
    Eh Du Dich von der weißen Frau
    Ans Tageslicht befördern läßt.
    Die Erde ist ein Jammernest.

    Glaub' es dem Dichter dieser Strophen,
    Der oft an dieser doofen,
    harten Speise kaut,
    Zitat aus Goethes Faust geklaut:
    "Der Mensch ist seines Lebens froh,
    Gewöhnlich nur als Embryo"



    Da ist der gute Vater Staat,
    Der gängelt Dich von früh bis spat.
    Er zwickt und beutelt Dich nach Noten
    Mit Paragraphen und Verboten.
    Sein Erstgebot heißt "Mensch berappe",
    Das zweite "Halte Deine Klappe".

    So lebst Du in der Dämmerung
    Im Zustand der Belämmerung.
    Und suchst Du ab und zu den steifen
    Verdruß im Wirtshaus zu ersäufen,
    In Bier beziehentlich mit Wein,
    Dann stellt sich prompt der Kater ein.

    Inzwischen melden sich die Jahre,
    Der Mottenfraß zermürbt die Haare,
    Es kracht bedenklich im Gebälke,
    Die Glieder werden schlapp und welke,
    Die Grütze säuert im Gehirn
    Und immer dünner wird der Zwirn.

    Kurzum Du merkst,
    Es wird jetzt Herbst,
    Du legst den Löffel hin und sterbst.

    Nun frag ich Dich, oh Freund, mit beben,
    Was ist der Mensch, was ist das Leben?
    Schon unser großer Schiller spricht:
    "Der Güter höchstes ist es nicht."
    Ich aber sag es gleicht 'ner Hühnerleiter,
    Von oben bis unten, und so weiter, und so weiter.

    (aus Berlin Alexanderplatz - Alfred Döblin)


    --------------------------------------------


    ... ich hab das manchmal: plötzlich schießt mir ein thema durch den kopf - nimmt gestalt an - gewinnt profil - ein alter film, eine episode aus einem früheren leben, eine jugendsünde, eine alte feier, verflossene, nostalgisches, fetzen ... - und diesmal war es Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz" von 1929 - natürlich auch diese alte fachschul-lektüre - und natürlich die nächte am fernseher für fassbinders düster-film dazu von 1979/1980 - vor 35 Jahren ...: ich werde hier jetzt ab und zu berichten von meinem nostalgie-trip (romanlektüre - video...) - aber muss jetzt schon sagen: franzens biberkopfs entlassung aus dem gefängnis in tegel erinnert mich stark an meine "entlassung" in den (vor-)ruhestand vor 5,5 jahren ...: plötzlich kein dienstplan mehr um die ohren - machen was spaß macht - erst einmal orientieren in der "freien" welt: "kommts heute nicht - kommts morgen" ... - ja - was ist das eigentliche leben ...???: die 62-jährige fremdbestimmung - und die paar jahre noch in selbstbestimmung: wie trainiert man das - die erziehung - die schule versäumten das - die schule des lebens schafft das bis dahin nicht - kommt zeit kommt rat ...

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    In meiner Ausgabe 
    von Alfred Döblins "BERLIN ALEXANDERPLATZ" 
    (dtv 21. Aufl. 1979) steht diese folgende Szene auf Seite 85:

    Und die Dicke holt in der Elektrischen, wie sie fahren, noch ein Blättchen aus ihrer Tasche, das ist ganz verknautscht. Das hat sie ihm mitgebracht, es ist ein Sonntagsblatt, der Friedensbote.

    Franz bemerkt, mit dem Blatt handelt er nicht, er drückt ihr die Hand, freut sich über den schönen Titel und die Überschrift auf der ersten Seite: »Durch Unglück zum Glück.«

    S!NEDi|rekonstruction des Sonntagsblatts mit dem angestrichenen Gedicht ....

    Mit den Händchen klapp, klapp, mit den Füßchen trapp, Fische, Vögel, ganzen Tag, Paradies.

    Die Elektrische stuckert, sie lesen im Wagen bei dem schwachen Licht, die  Köpfe zusammen, das Gedicht auf der ersten Seite, das Lina mit  Bleistift eingerahmt hat: 

    »Es geht sich besser zu zweien«

    von E. Fischer: 

    »Allein zu gehn, 
    ein schlimmer Gang, 
    der Fuß oft strauchelnd, 
    das Herz so bang: 
    es geht sich besser zu zwein.

    Und willst du fallen,  wer stützt den Schritt? 
    Und bist du müde, wer zieht dich mit? 
    Es geht sich besser zu zwein.

    Du stiller Wanderer durch Welt und Zeit,
    nimm Jesum  Christum dir zum Geleit; 
    es geht sich besser zu zwein. 

    Er weiß die Wege, 
    er kennt den Pfad, 
    er hilft dir weiter
    mit Rat und Tat; 
    es geht sich besser zu zwein.«

    Durst hab ich aber doch noch, denkt zwischendurch Franz beim Lesen, zwei Glas war zu wenig, und das viele Reden trocknet die Kehle aus. 


    S!NEDi|photo|graphic aus dem VideoStill BERLIN ALEXANDERPLATZ v. R.W. Fassbinder


    ----------------------------------------------------

    Dazu Prediger/Kohelet 4, 9-11 (Bibel in gerechter Sprache):

    Es ist gut, wenn zwei zusammen sind, besser als allein, und sie haben einen guten Lohn für ihr Bemühen. In der Tat: Wenn sie fallen, können sie einander aufrichten. Aber ach, wenn jemand fällt, und es niemanden zum Aufrichten gibt. Zudem: Wenn zwei sich schlafen legen, wird ihnen warm. Wie soll Einzelnen warm werden?


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    Inzwischen bin ich auf Seite 209 gelandet in meiner Lektüre "BERLIN ALEXANDERPLATZ" von Alfred Döblin und fand dort folgenden Songtest: 

    Es liegt in der Luft eine Sachlichkeit
    Es liegt in der Luft eine Stachligkeit
    Es liegt in der Luft, Es liegt in der Luft, in der Luft
    Es liegt in der Luft was Idiotisches
    Es liegt in der Luft was Hypnotisches
    Es liegt in der Luft und es liegt in der Luft
    Und es geht nicht mehr raus aus der Luft!

    Und in dem von mir gefundenen Song wird das dann noch ergänzt mit:


    Fort mit Schnörkel, Stuck und Schaden!
    Glatt baut man die Hausfassaden.
    Nächstens baut man Häuser bloß
    Ganz und gar fassadenlos.
    Krempel sind wir überdrüssig!
    Fort die Möbel aus der Wohnung!
    Fort mit was nicht hingehört!
    Ich behaupte ohne Schonung:
    Jeder Mensch, der da ist, stört!

    Was liegt heut in der Luft bloß?
    Was ist heut bloß mit der Luft los?
    Durch die Lüfte sausen schon
    Bilder, Radio, Telefon
    Durch die Luft geht alles drahtlos
    Und die Luft wird schon ganz ratlos
    Flugzeug, Luftschiff, alles schon!
    Hört, wie’s in den Lüften schwillt
    Ferngespräch und Wagnerton
    Und dazwischen saust ein Bild.



    Sehr spannend - finde ich - da wird doch in dem Kabarettsong damals von 1928/1929 der damalige "Zeitgeist" - die Neue Sachlichkeit, BAUHAUS etc. irgendwie auch kritisch besungen ... - 
    Wie Sie das von mir gewohnt sind, habe ich dann zu diesem Original-Song von Margo Lion & Oskar Karlweis von 1928 zeitgenössisches Bildmaterial u.a. aus der GOOGLE-Bildersuche
    hinzugefügt ...: Ja - die "Goldenen Zwanziger" hatten eben auch
    neben allen lustigen Seiten ihre Plackerei ...
    Interessant ist auch wie die "Luft" - damals sagte man auch gern "Äther" - besungen wird - und wie man diese Luft voll von Radio- und Funkwellen und tragend für Flugzeuge und Luftschiffe besang ... und wie die "Schnörkellosigkeit" nun nach dem Jugendstil auf die Schippe genommen wird ...


    dtv-Cover von Celestino Piatti von 1965
    - bei mir 21. Auflage, 1979: 411. - 440.Tausend


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     = Auf dieses Button clicken - hier können Sie meine derzeitige Lektüre 
    BERLIN ALEXANDERPLATZ lesen ....


    Marc Chagall: Die Opferung Isaaks | 1960 - 1966 | Öl auf Leinwand | H. 230,5cm; L 235 cm

    In dieser obigen YUMPU-Online-Reproduktion des Romans steht auf den Seiten 418-420 folgende Textpassage zu Abraham und Isaak ....

    Und der gewaltsame Schlaf kommt wieder und reißt ihm die Augen auf und Franz weiß alles.

    Und da ist ein Gebirge und der alte Mann steht auf und sagt
    zu seinem Sohn: Komm mit. Komm mit, sagt der alte Mann zu
    seinem Sohn und geht und der Sohn geht mit, geht hinterdrein
    ins Gebirge hinein, hinauf, hinunter, Berge, Täler. Wie lange
    gehts noch, Vater? Das weiß ich nicht, wir gehen bergauf, berg-
    unter, ins Gebirge, komm nur mit. Bist du müde, Kind, magst
    du nicht mit? Ach, ich bin nicht müde; wenn du willst, daß ich
    mitkomme, geh ich schon mit. Ja, komm nur. Bergauf, bergab,
    Täler, es ist ein langer Weg, es ist Mittag, da sind wir. Sieh dich um, mein Sohn, da steht ein Altar. Ich fürcht  mich, Vater.
    Warum fürchtest du dich, Kind? Du hast mich früh geweckt,
    wir sind rausgegangen, wir haben den Hammel vergessen, den
    wir schlachten wollten. Ja, den haben wir vergessen. Bergauf,
    bergab, die langen Täler, das haben wir vergessen, der Hammel
    ist nicht mitgekommen, da ist der Altar, ich fürchte mich. Ich
    muß den Mantel ablegen, hast du Furcht, mein Sohn? Ja, ich
    fürcht mich, Vater. Ich furcht mich auch, Sohn, komm näher
    heran, furcht dich nicht, wir müssen es tun. Was müssen wir
    tun? Bergauf, bergab, die langen Taler, ich bin so früh aufge-
    standen. Furcht dich nicht, Sohn, tu es gern, komm naher her-
    an zu mir, ich hab den Mantel schon abgelegt, ich kann meine
    Ärmel nicht mehr blutig machen. Ich furcht mich doch, weil du
    das Messer hast. Ja, das Messer hab ich, ich muß dich ja schlachten,ich muß dich opfern, der Herr befiehlt es, tu es gern, mein Sohn.

      Nein, ich kann es nicht tun, ich schreie, faß mich nicht an, ich will nicht geschlachtet werden. Jetzt liegst du auf den Knien, schrei doch nicht, mein Sohn. Ja, ich  schreie. Schrei nicht; wenn du nicht willst, kann ich es nicht tun, wolle es doch. Berg-auf, bergab, warum soll ich nicht mehr nach Hause gehen. Was willst du zu Hause, der Herr ist mehr als zu Hause. Ich kann nicht, doch ich kann, nein ich kann nicht. Rück naher, sieh, ich hab schon das Messer da, blick es an, es ist ganz scharf, es soll an deinen Hals. Soll es durch meine Kehle? Ja. 

     Dann sprudelt das Blut? Ja. Der Herr befiehlt es. Willst du es? Ich kann noch nicht, Vater. Komm doch bald, ich darf dich nicht morden;wenn ich es tue, muß es so sein, als wenn du es  selbst tust. Ich selbst tue? Ah. Ja, und keine Furcht haben. Ah. Und das Leben nicht lieben, dein Leben, denn du gibst es für den Herrn hin.

     Rück näher. Der Herr unser Gott will es? Bergauf, bergab, ich
    bin so früh aufgestanden. Du willst nicht feige sein? Ich weiß,
    ich weiß, ich weiß! Was weißt du, mein Sohn? Setz  mir das
    Messer an, warte, ich will meinen Kragen zurückschlagen, der
    Hals soll ganz frei sein. Du scheinst was zu wissen. Du mußt nur
    wollen und ich muß es wollen, wir werden es beide tun, dann
    wird der Herr rufen, wir werden ihn rufen hören: Hör auf. Ja;
    komm her, gib deinen Hals. Da. Ich hab keine Furcht, ich tue es
    gern. Bergauf, bergab, die langen Täler, da setz das  Messer,
    schneid zu, ich werde nicht schreien.

     Und der Sohn legt den Hals zurück, der Vater tritt hinter ihn,
    drückt ihm auf die Stirn, mit der Rechten fuhrt er das Schlacht-
    messer vor. Der Sohn will es. Der Herr ruft. Sie fallen beide auf
    das Gesicht.

     Wie ruft die Stimme des Herrn? Hallelujah. Durch die Berge,
    durch die Täler.  Ihr seid mir gehorsam, hallelujah. Ihr sollt
    leben. Hallelujah. Hör auf, wirf das Messer in  den Abgrund.
    Hallelujah. Ich bin der Herr, dem Ihr gehorcht und immer und
    allein gehorchen müßt. Hallelujah. Hallelujah. Hallelujah. Halle-
    lujah. Hallelujah. Hallelujah. Hallelujah. Hallelujah, luja, luja, lujah, hallelujah, lujah, hallelujah...


    ----------------------------------------------------------

    Und hier die gleiche Opfergeschichte aus Genesis 22,1-13:
    in der sehr wörtlichen Übersetzung von Martin Buber mit Franz Rosenzweig
    (Issak heißt hier Jizchak):

    Genesis 22,1-13

     Nach diesen Begebnissen geschahs,
    Gott prüfte Abraham
    und sprach zu ihm:
    Abraham!
    Er sprach:
    Da bin ich.
     Er aber sprach:
    Nimm doch deinen Sohn, deinen Einzigen, den du liebst, Jizchak,
    und geh vor dich hin in das Land von Morija,
    und höhe ihn dort zur Darhöhung auf einem der Berge,
    den ich dir zusprechen werde.
     Abraham stand frühmorgens auf,
    er sattelte seinen Esel,
    er nahm seine beiden Knaben mit sich und Jizchak seinen Sohn,
    er spaltete Hölzer für die Darhöhung
    und machte sich auf und ging nach dem Ort, von dem Gott ihm gesprochen hatte.
     Am dritten Tag erhob Abraham seine Augen
    und sah den Ort von fern.
     Abraham sprach zu seinen Knaben:
    Bleibt ihr hier mit dem Esel,
    ich aber und der Knabe wollen bis drüben hin gehen,
    niederwerfen wollen wir uns und dann zu euch kehren.
     Abraham nahm die Hölzer zur Darhöhung,
    er legte sie Jizchak seinem Sohn auf,
    in seine Hand nahm er das Feuer und das Messer.
    So gingen die beiden mitsammen.
     Jizchak sprach zu Abraham seinem Vater, er sprach:
    Vater!
    Der sprach:
    Da bin ich, mein Sohn.
    Er sprach:
    Da ist nun das Feuer und die Hölzer,
    aber wo ist das Lamm zur Darhöhung?
     Abraham sprach:
    Gott ersieht sich das Lamm zur Darhöhung, mein Sohn.
    So gingen die beiden mitsammen.
     Sie kamen an den Ort, den Gott ihm zugesprochen hatte.
    Dort baute Abraham die Schlachtstatt
    und schichtete die Hölzer
    und fesselte Jizchak seinen Sohn
    und legte ihn auf die Schlachtstatt zuoberst der Hölzer.
     Abraham schickte seine Hand aus,
    er nahm das Messer, seinen Sohn hinzumetzen.
     Aber SEIN Bote rief ihm vom Himmel her zu
    und sprach:
    Abraham, Abraham!
    Er sprach:
    Da bin ich.
     Er sprach:
    Schicke nimmer deine Hand nach dem Knaben aus,
    tu ihm nimmer irgendwas!
    Denn jetzt habe ich erkannt,
    daß du Gottes fürchtig bist, -
    nicht vorenthalten hast du mir deinen Sohn, deinen Einzigen.
     Abraham hob seine Augen und sah:
    da, ein Widder hatte sich dahinter im Gestrüpp mit den Hörnern verfangen.
    Abraham ging hin,
    er nahm den Widder
    und höhte ihn zur Darhöhung anstatt seines Sohns.

    -----------------------------------------------------------------



    ...und hier der übersetzte Text zu Leonard Cohen's Song 
    "STORY OF ISAAC":

    Die Tür öffnete sich langsam
    Mein Vater kam ins Zimmer
    Ich war neun Jahre alt
    Und er stand groß über mir
    Mit leuchtend blauen Augen
    Und mit frostiger Stimme
    Sagte er: "Ich hatte eine Vision
    Du weißt, ich bin stark im Glauben und Gott gefällig
    Ich muss tun, wie mir geheißen"
    So stiegen wir den Berg hinauf
    Ich rannte herum, er ging
    Und seine Axt glänzte wie flüssiges Gold

    Die Bäume wurden niedriger
    Der See war wie ein runder Spiegel
    Dort, als wir hielten, um etwas Wein zu trinken
    Dann warf er die Flasche fort
    Sie barst eine Minute später
    Und er legte seine Hand auf meine
    Ich glaubte einen Adler zu sehen
    Doch vielleicht war es auch ein Geier
    Das konnte ich noch nie unterscheiden
    Dann baute mein Vater einen Altar
    Nur einmal schaute er über seine Schulter zurück
    Er wusste, ich würde bleiben

    Ihr, die ihr heute Altäre baut
    Um unsere Kinder zu opfern
    Hört auf damit!
    Ihr legt euch nur was zurecht, es ist keine Vision!
    Und nie seid ihr versucht worden
    Von einem Dämon oder Gott
    Ihr, die ihr nun über ihnen steht
    Mit stumpfen und blutigen Beilen
    Ihr wart damals nicht dort
    Als ich auf dem Berg lag
    Als die Hand meines Vaters zitterte
    In der Reinheit seines Versprechens

    Und wenn ihr mich jetzt Bruder nennt
    Verzeiht, doch lasst mich fragen
    "Wer hat euch denn darauf gebracht?"
    Wenn alles zugrunde geht
    Werde ich euch töten, falls nötig
    Oder ich helfe euch, wenn ich kann
    Wenn alles zu Staub zerfällt
    Werde ich euch helfen, falls nötig
    Oder ich töte euch, wenn ich kann
    Und Gnade, Gnade unserer Uniform
    Ob als Pazifist, ob als Krieger
    Der Pfau schlägt sein tödliches Rad ...

    ------------------------------------------------------

    LEGO-Bibel-Projekt | Jugendkirche Berlin


    Und dazu eine hoffentlich allseits erhellende Predigt von Pfarrerin Antje Lütkemeier, Bad Lippspringe:

    Wir haben es heute mit einem dunklen, unbequemen, spröden, ja wahrscheinlich sogar ärgerlichen Text der Bibel zu tun, liebe Gemeinde. Haben Sie ihn noch im Ohr? Einer der sogenannten Urväter des Glaubens, Abraham, wird beauftragt, seinen Sohn Isaak auf dem Berg Morija zu opfern. Und der zieht los, mit Isaak, zwei Knechten und mit allem ausgerüstet, was man üblicherweise für ein Opferritual braucht. Drei Tage später erreichen sie die Opferstätte, die Tradition sagt dort, wo heute der Felsendom in Jerusalem steht, und Abraham hat das Messer schon gezückt, als ihm ein Engel in buchstäblicher letzter Sekunde in den Arm fällt und den Kindesmord verhindert.
    Dunkel, unbequem, spröde, ärgerliche? – Schockierend! Was ist denn das für ein Gott, der einem Menschen eine solche Prüfung auferlegt?
    Was für ein Vater, der bereitwillig seinen Sohn schlachtete?
    Was für Knechte, die mitgehen und wegsehen?
    Und nun beginnen die Erklärungsversuche, die uns ermöglichen sollen, mit dieser Geschichte umgehen zu können.
    Hier sei der grausame Gott des Alten Testaments am Werk, ist zu hören, unser Gott, der liebende Gott des Neuen Testaments, hätte so etwas nie verlangt. Falsch und blasphemisch! So einfach können wir es uns nicht machen, denn wir hören und lesen im ersten wie im zweiten Teil unserer Bibel von der gleichen Liebe und auch dem gleichen zornigen Eifer mit dem Gott handelt.

    Sicher haben wir es hier mit einer sehr alten Überlieferung zu tun. Religionsgeschichtlich beschreibt die Erzählung den Übergang vom Menschen- zum Tieropfer. Gott selber setzt das Tieropfer anstelle des Menschenopfers ein. Eine solche Veränderung geschah vom Übergang von der Jäger- und Sammlerkultur zur Kultur der Hirten und Bauern. Man kann diese Erzählung als ätiologische Sage des Tieropfers bestimmen.

    Auch ist es gewiß eine fromme Legende um den Erzvater Abraham zu rühmen und seinen Gehorsam und seinen Glauben zu preisen.
    In der christlichen Schuld-, Sühne- und Opfertheologie ist dann die geforderte Opferung Isaaks ein Hinweis auf den Tod Jesu am Kreuz. Wahrscheinlich ist der Text deshalb in die vorgeschlagenen Predigt- und Lesungstexte der Passionszeit aufgenommen worden.

    Die islamische Tradition überliefert die Perikope als ein Traumgesicht Abrahams. Für Abraham ist die Prüfung seines Glaubens eine Realität, die er durchstehen muss, von Gottes Seite allerdings wird der Erstgeborene Ismael nie gefährdet.

    Die jüdische Tradition nimmt das Opfer des Geschehens in den Blick, spricht von der "Bindung Isaaks". Gebunden wird er, aber keineswegs geopfert.

    Können wir es damit gut sein lassen? Ätiologie, Legende, Religonsgeschichtlicher Blick?
    Mich läßt die Geschichte um Abraham und Isaak nicht so schnell los.
    Vielleicht weil es um existentielle Themen geht.
    Abraham hat alle Menschen um sich herum preisgegeben. Seine Ehefrau Sara, die er als seine Schwester ausgibt, um seinen Kopf zu retten. Gleich zweimal wird eine solche Begebenheit berichtet. Hagar, die Mutter seines erstgeborenen Kindes und dann auch noch diesen Ismael dazu, die er in die sprichwörtliche Wüste schickt. Nun wird mit Isaak seine Zukunft, das Weiterleben Abrahams und seines Namens in seinem Kind gefährdet.
    Und ich erfahre in einigen Begegnungen und Gesprächen, dass Menschen existentielle Gefährdungen ihres Lebens, ihrer Zukunft durch Krankheit, durch Leid oder Katastrophen, als von Gott geschickte Prüfungen erfahren. Wie Abraham.
    Sie erleben Gott dann wie entrückt, grausam und ungerecht - als habe er die Menschen, als habe er uns vergessen. Und vielleicht kann dann die Geschichte davon erzählen, dass das manchmal so scheint. Drei lange Tage und einen weiten Weg braucht es um zum Berg Morija – er sieht – zum Ort der Gotteserkenntnis zu kommen und zu entdecken: Gott will keine Opfer, Gott will keine religiösen Großtaten als Beweis.

    Ein zweiter Ansatz

    Die Geschichte dient dazu zu beschreiben, wie Menschenopfer durch Tieropfer abgelöst wurden und wir heutigen Menschen sind so rational und aufgeklärt, auch auf diese Tieropfer zu verzichten.
    Schön wäre das schon, wenn es denn auch wahr wäre. Die Menschenopfer sehen heute etwas anders aus, nur wir haben uns an sie gewöhnt. Auch jetzt noch werden Kinder geopfert: Kinder, die in die Prostitution verkauft werden. Kinder, denen die einfachsten Medikamente verweigert werden, aus finanziellen und patentschutzrechtlichen Gründen und weil sie dummerweise in Afrika oder Asien leben. Kinder, die dem religiösen Fanatismus ihrer Eltern dienen müssen. Oder auch Kinder, die zum Opfer des „alles ist machbar“ oder des „besser, schneller, mehr“ werden.

    Und zum Schluss

     – erzähle ich Ihnen eine Geschichte zu unserer Geschichte, die der jüdische Philosoph und Rabbiner Emil Fackenheim überliefert und die mir gefällt, weil sie mir hilft, den biblischen Text nicht einfach ad acta zu legen, sondern mich weiter damit zu beschäftigen, mich darüber zu ärgern, mich daran zu reiben:
    Emil Fackenheim schreibt:
    "Einst wurde ich in Jerusalem von einem jungen Mann besucht, dessen Frömmigkeit zu bezweifeln ich keinen Grund hatte: Er trug die schwarze Kleidung des Ultra-Orthodoxen. "Haben sie je darüber nachgedacht", fragte er mich, "warum Gott selbst zu Abraham spricht, wenn ER ihm den Befehl gibt, Isaak zu opfern, aber einen Engel sendet, um die Erlassung mitzuteilen?" Ich gab zu, darüber nicht nachgedacht zu haben. "Gott hat sich über Abraham geärgert", fuhr er fort. "Abraham hat die Prüfung nicht bestanden. Er ist durchgefallen. Als er Abraham befahl Isaak zu opfern, wollte Gott Abrahams Weigerung. Er wollte nicht Ja, sondern Nein."
    Und der Geist Gottes, der größer ist als unsere Vorstellungskraft, sei uns Stärke und Hilfe zu allem Guten und bewahre uns in Gottes Liebe. Amen.


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    S!NEDi|photography: jetzt strahlt die dunkelheit ...


    Warum soll man,
     wenn abends alle Farben schwinden etwas von Fehlen sprechen?
    Es war der Tag, der positive Tag,
    und jetzt kommt die positive Nacht.
    Vorhin strahlte die Sonne,
     jetzt strahlt die Dunkelheit.
    Beide sind Lichter.
     Lichter verschiedener Art,
     und du musst nicht glauben,
     Schlaf ist bloß Schlaf,
    nämlich nicht wachen!
    Wie kommst du darauf,
    dass wir die Hälfte des Lebens nicht da sind?
    Wir begeben uns nur in ein anderes Dasein.
    Der Nachthimmel ist da,
     endlich ein anderes Gestirn,
    und wir werden aus elenden Tagelöhnern,
    aus Lohnarbeitern des Tages
     für einige Stunden wir selbst.
    Mehr ich als vorher.
     Mehr Mensch als unter der Sonne.
    Alfred Döblin - aus der "Sommerliebe", 1933




    S!NEDi|photographic: lichter verschiedener art



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    S!NEDi|photo|graphic: zeitzeichen - oder: die uhr ist abgelaufen ...

    Und hier nun der Abschluss meiner BERLIN ALEXANDERPLATZ-Serie ...

    Die Bäume hören nicht auf zu singen. Es ist ein langes Predigen. 

    Ein jegliches, ein jegliches hat seine Zeit und alles Vornehmen
    unter dem Himmel hat seine Stunde, ein jegliches hat sein Jahr,
    geboren werden und sterben, pflanzen und ausrotten, das ge-
    pflanzt ist, ein jegliches, jegliches hat seine Zeit, würgen und
    heilen, brechen und bauen, suchen und verlieren, seine Zeit, be-
    halten und wegwerfen seine  Zeit,  zerreißen und zunähen,
    schweigen und reden. Ein jegliches hat seine Zeit. Darum merkt
    ich, daß nichts Besseres ist, als fröhlich sein. Besseres als fröh-
    lich sein. Fröhlich sein, laßt uns fröhlich  sein. Es ist nichts
    besseres unter der Sonne als lachen und fröhlich sein.

    Alfred Döblin: BERLIN ALEXANDERPLATZ Yumpu Online-Reproduktion [Link clicken] : S. 512 - in meiner Ausgabe (dtv, 21. Auifl. 1979): S. 311


    S!NEDi|photo|graphic vom Fim-/Video-Still zu genau dieser Textstelle ... | ... und es sind nur noch wenige Schritte bis zu Mietzes Ermordung durch Reinhold ... - und Franz Biberkopf weiß von nichts ...




    PETER MAFFAY
    Alles Im Leben Hat Seine Zeit - Songtext

    Alles im Leben hat seine Zeit 
    Zu schweigen, zu reden, allein und zu zweit. 
    Weinen und Lachen, Ernten und Säen, Zerstören und Bauen 
    Kinder, Männer und Frauen 

    Alles im Leben hat seine Zeit, 
    Verdammen, Vergeben, Freude und Leid 
    Verlieren und Finden, Entstehen und Vergehen 
    Und manchmal erblinden und dabei doch klar zu sehn 

    A und O, Liebe und Hass, 
    es gibt diesen Schlüssel für alles und jegliches Maß. 
    Es gibt die Treue, die Hoffnung und manchmal Versöhnung und Streit, 
    glaub mir, alles auf dieser Welt hat seine Zeit. 

    Es gibt diesen Trost und die Zuversicht, 
    es gibt die Sonne und im Dunkeln das Licht. 
    Es gibt die Hoffnung, die Leben erhellt, 
    es gibt den wahren König der Welt. 

    A und O, Liebe und Hass, 
    es gibt diesen Schlüssel für alles und jegliches Maß. 
    Es gibt die Treue, die Hoffnung und manchmal Versöhnung und Streit, 
    glaub mir, alles auf dieser Welt hat seine Zeit. 

    Er ist Anfang und Ende zugleich, 
    er macht uns arm und unendlich reich. 
    Denn er ist die Kraft und die Ewigkeit 
    Und nur er besiegt die Zeit. 
    Denn er ist die Kraft und die Ewigkeit 
    und nur er besiegt die Zeit. 
    Denn nur er besiegt für alle Zeit die Zeit.


    Lyrics powered by www.musiXmatch.com


    Und dazu auch wieder der diesbezügliche Kohelet-Text aus der Buber/Rosenzweig-Übersetzung des Alten Testamentes ... mit einem Predigt-Auszug ...

    Kohelet/Versammler:

    3_ 1 Für alles ist eine Zeit,- übersetzt Martin Buber - eine Frist für alles Anliegen unter dem Himmel: 2 eine Frist fürs Geborenwerden und eine Frist fürs Sterben, eine Frist fürs Pflanzen und eine Frist fürs Entwurzeln des Gepflanzten, 3 eine Frist fürs Erschlagen und eine Frist fürs Heilen, eine Frist fürs Niederbrechen und eine Frist fürs Erbauen, 4 eine Frist fürs Weinen und eine Frist fürs Lachen, eine Frist fürs Klagen und eine Frist fürs Tanzen, 5 eine Frist fürs Steinewerfen und eine Frist fürs Steinestapeln, eine Frist fürs Umschlingen und eine Frist, von der Umschlingung sich fernzuhalten, 6 eine Frist fürs Suchen und eine Frist fürs Verlorengeben, eine Frist fürs Bewahren und eine Frist fürs Verschleudern, 7 eine Frist fürs Aufreißen und eine Frist fürs Vernähen, eine Frist fürs Schweigen und eine Frist fürs Reden, 8 eine Frist fürs Lieben und eine Frist fürs Hassen, eine Frist des Krieges und eine Frist des Friedens. 9 Was ist da der Vorteil dessen, ders tut, bei dem, womit er sich abmüht?
    [Vers 9 übersetzt die Bibel in gerechter Sprache: Welcher Gewinn bleibt denen, die so handeln, von ihrer Mühe?]

    Kohelets Gedicht von der Zeit zeigt uns, dass eine unerklärbare Macht uns Fristen setzt – ob wir wollen oder nicht. Diese höhere Macht lässt uns staunen, ehrfürchtig und demütig werden. Aber in all seiner Demut sollte der Mensch nicht vergessen, dass er manche Dinge selbst in die Hand nehmen kann. Ich nenne die Frist für das Erschlagen, für den Hass und für den Krieg. Das entscheidet nicht Gott, das entscheidet der Mensch allein. Hier benötigt der Mensch eine Utopie - eine Vision, die Mut macht – einen Stern von Bethlehem über Kohelet hinaus.

    Sonst aber ist diese Fristsetzung dem Menschen nicht in die Hand gegeben, sie fällt ihm zu. Was das Morgen bringt, weiß nur Gott. Und dessen Handeln ist unbegreiflich, uneinsichtig. Der Mensch kann sich vor diesem Handeln nur beugen. Den Sinn kann er nicht erkennen. Vielleicht ist das ein Hinweis für rational denkende Menschen wie mich, darüber nachzudenken, ob es doch einen Gott gibt? Erst das Unerklärbare zeigt uns, dass es jemanden geben muss, der in Strukturen denkt, die jenseits unserer zeitlichen und kausalen Vorstellungskraft liegen. Denn nur aus dem Nichterkennen des Sinns kann ich das menschliche Unvermögen akzeptieren und muss zu dem Schluss kommen – es gibt ein höheres Wesen.

    aus einer Predigt von Dr. Gerd Heinemann, Eschweiler 


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    Berlin Alexanderplatz:
    die Geschichte Franz Biberkopfs

    1931 - nach Alfred Döblin
    von Phil Jutzi
    mit Heinrich George
    (Vater von "Schimanski" Götz George)





    Hinweis: Das 900-min.-Film-/Video-Epos BERLIN ALEXANDERPLATZ von Rainer Werner Fassbinder (1979/1980)
    wurde inzwischen digitalisiert und ist auch auf DVD erhältlich - in italienischer Sprache ist der gesamte Film in 14 Folgen bei YouTube zu besichtigen ...


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    S!NEDi: eruptions - the core explodes in the unit much - very small and inaudible


    ach - wie entfacht das alles
    ja - aus dem nichts entspringt
    diese eine feuerwerksspinne
    und der wind
    der wind weht immerr
    wo er will
    eruptionen - eruptionen
    brechen hervor aus dem nichts
    da will etwas - 
    nach außen treten
    sich entfachen
    und die schlange
    die schlange hat ihre
    käsestange doch längst verschluckt
    glauben sie mir

    für schlechte zeiten
    versteht sich
    denn sand hält frisch
    und kühl ...

    ne käsestange auf der kunstzeitung
    macht zunächst einmal
    fettränder ins papier
    - wundersame schweißabdrücke
    - als subversive zeichen

    ............
    eine jenseitige
    botschaft - vielleicht

    böse blicke
    mit gütesiegel
    mitten in einer
    ausstellungsübersicht:

    also - sie müssen schon
    auch mitgehen
    mit dem zeitgeist
    und seinen multimedialen entfaltungen
    sonst - sonst
    verstehen sie ihn nicht
    oder nur äußerst schwer
    wenn er da vor sich hin ...

    das gebrochene auge ...
    wenn der glaskörper
    regelmäßig die strukturen zeichnet
    und mit uns im sand 
    um die wette knirscht

    sinedi



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  • 02/08/15--12:14: gespräch miteinander ....
  • SINEDi|graphic: zwiegespräch





















    und ich sag noch ...
    ein wort ergibt das andere
    hin und her
    streit diskussion
    ein zähes ringen

    und sie wissen ja:
    mehlwürmer stecken immer
    ihren kopf in den sand

    und hinterher
    also - danach
    wenn alles vorbei ist
    und ich schwebe endlich allein
    und ich habe alle 
    bodenhaftung verloren:
    .. dann versteh ich das 
    .. denn so einfach ist das nicht ...
    oder ich versteh es nicht ...

    und ich sag noch ...
    man muss auch so
    sensibel sein - 
    bei allem wohlwollen

    und sich in den anderen
    hineinversetzen
    mit ihm mitfühlen
    ganz bei ihm sein ...
    ich muss fühlen
    wenn er blähungen hat ...

    und das nennt man dann 
    achtsamkeit
    empathie
    einnehmen - ausschalten
    herrschen und unterwerfen
    oder so ...

    und ich sag noch ...

    sinedi



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    Kunstkontext
    Zunächst irritiert

    Das Werk der ermordeten Reporterin Anja Niedringhaus wird in Kaiserslautern präsentiert. Gehören diese Bilder ins Museum?

    ALEXANDER JÜRGS | der Freitag

    Italienischer Soldat nach einem Selbstmordattentat in Nasiriya, Irak, 2003Foto: Anja Niedringhaus/AP/dpa



    Zum Beispiel das Foto oben: Ein Soldat steht im Dunklen. Die eine Hand am Helm, die andere am Gewehr. Auf den Boden starrend, kraftlos. Es handelt sich um einen italienischen Soldaten im Einsatz in Nasiriya, Irak. Aufgenommen wurde das Foto nach einem Selbstmordattentat auf eine Militärkaserne, bei dem 16 italienische Soldaten und acht irakische Zivilisten ums Leben gekommen sind. Das Foto zeigt nicht die Katastrophe, nicht die sichtbaren Folgen der Tat, sondern die Trauer, die Verzweiflung.


    US-Marines bei einer Besprechung in Falludscha, Irak, 2005Foto: Anja Niedringhaus/AP/dpa
    Oder das Bild aus Falludscha, das durch eine Fensterscheibe hindurch geschossen wurde, weil die Fotografin an der Versammlung nicht teilnehmen durfte. Eine Gruppe US-amerikanischer Soldaten ist zusammengekommen. Konzentriert blicken sie auf ihre Notizbücher, die Stimmung wirkt ruhig. Vor ihnen auf dem Boden sind Ziegelsteine aufgereiht. Es ist das Modell eines Stadtteils der irakischen Metropole. Längst gewöhnt an die Ästhetik von Hightech-Militärschlägen am LED-Bildschirm, verstört uns die Einfachheit ihrer Kriegsplanung.

    Palästinensische Mädchen in einem Vergnügungspark bei Gaza-Stadt, 2006Foto: Anja Niedringhaus/ AP/dpa
    Und dann das Bild der Mädchen aus Gaza. Lachend, im Vergnügungspark, im Karussell. Ein kurzer Glücksmoment. Es sind Kriegsbilder, aber es sind untypische Bilder vom Krieg. Trotzdem haben sie es häufig auf die Titelseiten von Zeitungen und Magazinen geschafft.

    Als Reportagefotografin war Anja Niedringhaus immer parteiisch. Parteiisch für den Menschen. Was macht der Krieg mit ihm? Wie hält er es überhaupt aus? Solche Fragen waren es, die sie angetrieben haben. Und darum haben sich ihre Bilder in den allermeisten Fällen auch den gewohnten Rastern der Kriegsfotografie widersetzt, darum haben sie andere Geschichten erzählt. „Ich bin viel mehr am Leben der Leute vor Ort interessiert als an der Ballerei. Ich sitze sicher nicht hier und warte auf den nächsten Anschlag“, hat Niedringhaus in einem ihrer letzten Interviews gesagt.

    Es traf die Falsche
    At War heißt nun eine Ausstellung ihrer Fotografien im Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern – genauso wie das lange vergriffene und erst kürzlich wiederaufgelegte Buch mit Bildern, die sie als Fotografin der Presseagentur Associated Press in Afghanistan, im Irak, in Gaza oder Libyen schoss, genauso wie eine andere Schau, die ihr das Fotokunstzentrum C/O Berlin 2011 widmete. Es ist die erste Einzelausstellung mit Werken von Niedringhaus nach dem gewaltsamen Tod der Fotografin im April 2014 in der afghanischen Provinz Khost. Niedringhaus begleitete damals einen Konvoi, der Stimmzettel für die Präsidentenwahl auslieferte. Ermordet wurde sie von einem Polizisten, der sich damit für die Tötung von Familienangehörigen durch einen NATO-Angriff rächen wollte. Mit seinem Attentat traf er eine der schärfsten Gegnerinnen des Afghanistan-Kriegs.

    Geplant wurde die Ausstellung lange vor dem Tod von Anja Niedringhaus. Dicht an dicht hängen ihre Fotografien in vier Räumen des Museums, thematisch sortiert nach den Begriffen „Alltag und Spiel“, „Stille und Kontemplation“, „Kampfhandlung“ und „Verwundung und Trauer“. Ein kleiner Teil der Schau wird außerdem im benachbarten Pfalztheater gezeigt.

    Dass Niedringhaus’ Kriegsfotografien in einem Kunstmuseum zu sehen sind, ist nichts Außergewöhnliches. Bereits in den frühen Nullerjahren wurden Fotografien von ihr, die in den Jugoslawienkriegen entstanden sind, im Frankfurter Museum für Moderne Kunst (MMK) ausgestellt. Damals begann man dort auch, ihre Bilder für die Museumssammlung zu erwerben. Niedringhaus’ Werke gingen aber auch in die Sammlung der Deutschen Börse, die als eine der herausragenden Unternehmenssammlungen für Fotokunst gilt. Es folgten Ausstellungen in der Neuen Galerie Graz, bei C/O Berlin, im Kasseler Kunstverein. Nein, die Musealisierung von Niedringhaus’ Werk ist kein neues Phänomen.

    Es heißt, dass Anja Niedringhaus zunächst irritiert gewesen war, als sich Museen bei ihr meldeten, die ihre Bilder zeigen wollten. Dass sie nicht begreifen wollte, was ihre für den Moment, für eine schnelle Veröffentlichung gemachten Fotografien in einer Ausstellung verloren hätten.

    Fotografiert hat Niedringhaus, Jahrgang 1965, schon als Schülerin, für die Lokalzeitung in ihrer Heimatstadt Höxter. Nach dem Abitur ging sie für die Kindernothilfe nach Indien, später studierte sie in Göttingen. Niedringhaus arbeitete weiter als freie Fotografin, ihre Bilder vom Berliner Mauerfall verschafften ihr 1990 eine erste Festanstellung bei der European Pressphoto Agency. Ihr erster Einsatz als Kriegsfotografin brachte sie ins umkämpfte Jugoslawien. Für ihre Fotografien aus dem Irakkrieg wurde sie 2005, gemeinsam mit neun anderen Fotografen der Agentur Associated Press, mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Sechs bis acht Monate war sie pro Jahr in Krisenregionen unterwegs, dafür musste sie einen Großteil ihres Privatlebens aufgeben. „Kriegsfotografin zu sein, ist mehr als ein Beruf, wenn man ihn so intensiv macht wie ich. Aber ich bin glücklich damit“, sagte Niedringhaus.

    Was passiert mit ihren Fotografien, wenn sie aus der Zeitung und aus dem Netz ins Museum wandern? Das Interesse der Ausstellungshäuser an dokumentarischer Fotografie ist in den vergangenen Jahren jedenfalls stetig gewachsen. Waren es zunächst Künstler, die sich an der Grenze zur Dokumention bewegten, wie Wolfgang Tillmans, Larry Clark oder Nan Goldin, sind es heute immer mehr Pressefotografen, denen große Ausstellungen gewidmet werden: Martin Parr, Barbara Klemm, Robert Lebeck oder James Nachtwey. Eine „Ästhetisierung“ ihrer Werke ist dabei quasi unausweichlich, die Verschiebung des Blicks weg vom historischen Ereignis, von den Inhalten, hin zur Komposition, zur Bildsprache. In seinem Beitrag für das Buch über Anja Niedringhaus vergleicht Jean-Christophe Ammann, der frühere MMK-Direktor, ihre Arbeiten mit Werken von Georg Seurat, Caspar David Friedrich, Kasimir Malewitsch oder des chinesischen Konzeptkünstlers Liu Wei. Ist das nicht etwas weit hergeholt? Indem er Niedringhaus’ Bilder in ein kunsthistorisches Korsett zwängt, legitimiert er erst ihr Auftauchen im musealen Kontext. Natürlich sind auch Anja Niedringhaus kompositorische Farben, Wirkung und Farbigkeit ihrer Bilder wichtig gewesen. Sie arbeitete mit starken Kontrasten, mit großen Bildflächen. Fotografiert hat sie mit der Digitalkamera. Ihre Agentur hat Niedringhaus’ Bilder oft farbig vermarktet, so wurden sie meistens auch gedruckt. Für Ausstellungen und ihre Bücher bestand die Fotografin auf Abzügen in Schwarz-Weiß.

    Nach der Autopsie
    Wichtig ist, wie solche Fotos präsentiert werden. In Kaiserslautern werden sie sehr sachlich, nüchtern gezeigt. Zu jedem Foto gibt es eine detailreiche Bildbeschreibung, wie sie bei Agenturfotografien üblich sind. Eine kleine Auswahl von Niedringhaus-Bildern stellt aktuell auch das Frankfurter MMK in seiner neuen Filiale in einem Luxushochhaus im Bankenviertel aus. Die Gruppenausstellung Boom She Boom zeigt ausschließlich Künstlerinnen aus der Sammlung des Museums. Dort, wo Niedringhaus’ Fotografien hängen, stehen sie lauter anderen Werken in Schwarz-Weiß gegenüber, einer minimalistischen Malerei von Jo Baer, einer Word Vitrine von Bethan Huws, den 32 schwarz-weißen Herren von Katharina Fritschs Skulptur Tischgesellschaft. Diese formale Klammer wirkt aufgesetzt. Rechts neben den Bildern von Niedringhaus wurde Teresa Margolles’ Arbeit Banco platziert. Die mexikanische Künstlerin formt diese Bänke aus einer Mischung aus Zement und dem Abwasser aus einem Leichenschauhaus. Es ist das Wasser, mit dem die Opfer von Gewaltverbrechen nach der Autopsie gewaschen werden. Tod, Gewalt, die getötete Fotografin: In einer solchen Aneinanderreihung der Werke verschwimmt alles zu einem Grundgefühl, geht die Differenzierung verloren.

    Damit kein falscher Eindruck entsteht: Es ist natürlich hervorragend, wenn Anja Niedringhaus’ Fotografien heute in Kunstmuseen auftauchen. Man kann ihre Bilder gar nicht oft genug zeigen. Man kann sich auch gar nicht oft genug an ihre Arbeit erinnern. Als junge Fotoreporterin ist sie mit dem Wunsch angetreten, die Welt durch ihre Arbeit ein Stück besser zu machen. Als sie merkte, dass das naiv war, hat sie ihre Ziele revidiert. Dazu beizutragen, dass die Gräuel wenigstens nicht vergessen werden, war fortan ihre Maxime. „Wenn ich es nicht fotografiere, wird es nicht bekannt“, hat Anja Niedringhaus gesagt. Ihre Zeugnisse für weitere Präsentationen zu konservieren, dafür ist eine Museumssammlung tatsächlich der am besten geeignete Ort.
    Ausstellungen: Anja Niedringhaus: At War Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, bis 26. April | Boom She Boom MMK 2 Frankfurt, bis 14. Juni

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    nach einem Foto von REUTERS | fr-online

    Anja Niedringhaus(* 12. Oktober 1965 in Höxter; † 4. April 2014 in Banda Khel) war eine deutsche Fotojournalistin, die aus Kriegsgebieten in Jugoslawien, Palästina, Afghanistan, Kuwait, Libyen und Irak in einzelnen Fotos komplexe Geschichten erzählte. Sie wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet. 2014 wurde sie einen Tag vor der Präsidentschaftswahl in Afghanistan erschossen.

    Leben
    Anja Niedringhaus wuchs mit zwei Geschwistern auf. Mit 17 Jahren begann sie, für die Lokalredaktion der Neuen Westfälischen Zeitung in ihrer Heimatstadt Höxter zu arbeiten. Nach dem Abitur 1986 am König-Wilhelm-Gymnasium Höxter ging sie für die Kindernothilfe nach Indien. Sie studierte ab 1986 an der Universität Göttingen Germanistik, Philosophie und Journalismus und schrieb und fotografierte für das Göttinger Tageblatt. Sie wohnte zuletzt mit der Familie ihrer Schwester auf einem Hof in Kaufungen und hatte eine weitere Wohnung in Genf.

    Ihre Fotos vom Fall der Mauer in Berlin verschafften ihr 1990 eine Anstellung bei der European Pressphoto Agency (EPA), sie wurde als erste Frau fest angestellt. Nach zwei Jahren Sport- und Gesellschaftsfotografie wurde sie 1992 in den gerade begonnenen Krieg in Jugoslawien geschickt. Bei ihrem ersten Einsatz in Sarajewo wurde sie von Heckenschützen unter Feuer genommen und getroffen; sie überlebte dank einer kugelsicheren Weste. 1997 erlitt sie bei einem Unfall mit einem Polizeifahrzeug in Belgrad mehrere Fußfrakturen. Im Kosovo 1998 wurde ihr Wagen von einer Granate getroffen und sie von Granatsplittern verletzt. 1999 wurde sie mit einer Gruppe von Journalisten bei einem Grenzübergang zwischen Albanien und dem Kosovo irrtümlich von NATO-Flugzeugen bombardiert.

    Im Jahr 2001 fotografierte Niedringhaus die Folgen der Terroranschläge am 11. September in New York. Kurz darauf arbeitete sie erstmals in Afghanistan, wo sie in Mazar-e-Sharif und Kabul drei Monate lang über den Sturz der radikalislamischen Taliban berichtete. Ab 2002 arbeitete sie für die US-amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press (AP), auch als Reporterin und Kriegsberichterstatterin.

    2003/04 gehörte sie zu den wenigen Kriegsreportern, die „embedded“ (innerhalb der US-Armee) bei der Schlacht um Falludscha im Irak anwesend sein durften. Sie war bei der ersten Angriffswelle dabei; 60 Prozent der Soldaten der Einheit, die sie begleitete, starben. Ihr berühmtestes Foto dieser Serie zeigt den damaligen US-Präsident George W. Bush, der streng geheim unter großen Sicherheitsvorkehrungen eingeflogen worden war, um im schwer gesicherten Flughafen Bagdad den Soldaten überraschend zum Thanksgiving-Fest einen Truthahn zu servieren; später stellte sich heraus, dass der Truthahn nur Dekoration war. Außer ihr hatte die Szene kein Fotograf abgelichtet.

    Sie fotografierte die Bombenanschläge auf die Zentrale des Internationalen Roten Kreuzes in Bagdad, auf das Hauptquartier der italienischen Sicherheitskräfte in Nasiriya und im irakischen Abu-Ghuraib-Gefängnis sowie die irakischen Wahlen im Jahr 2005. Niedringhaus erhielt für Fotoberichterstattung aus dem Irak – als erste deutsche Frau – zusammen mit neun AP-Kollegen den „Pulitzerpreis“ 2005. Im selben Jahr wurde ihr auch ein Preis für Mut, den „Courage in Journalism Award“ der International Women’s Media Foundation (IWMF), verliehen. 2008 bekam sie die „Goldene Feder“ für herausragende Reportagen als Frau in Krisengebieten.

    2007 verbrachte sie ein akademisches Jahr mit einem Nieman-Fellowship-Stipendium an der Harvard University, die auch für Stipendiaten fällige Studiengebühr übernahm Warren Buffett.

    Als Ausgleich zu ihrer hauptsächlichen beruflichen Tätigkeit fotografierte Niedringhaus wichtige Sportereignisse, zum Beispiel war sie jedes Jahr bei den Wimbledon Championships.

    Niedringhaus war im September 2009 die Erste, die nach dem ISAF-Raketenangriff Fotos der beim Luftangriff bei Kunduz zerstörten Tanklastwagen machte. Die zwei von den Taliban entführten Tanklastwagen waren auf Befehl des deutschen Oberst Georg Klein bombardiert worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Bundeswehr noch bestritten, dass bei dem Luftangriff auch 91 Dorfbewohner getötet worden waren.

    Anja Niedringhaus' Arbeiten wurden vielfach ausgestellt, so im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt, im Kasseler Kunstverein, im Internationalen Forum für Visuelle Dialoge C/O Berlin, im Museum of Fine Arts in Houston, im Coalmine Forum für Dokumentarfotografie in Winterthur und Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum. Ihr Motto als Kriegsberichterstatterin war: "Wenn ich es nicht fotografiere, wird es nicht bekannt."

    Attentat
    Niedringhaus und ihre Associated-Press-Kollegin, die kanadische Journalistin Kathy Gannon, waren in einem Wahlkonvoi aus afghanischen Sicherheitskräften und Wahlhelfern, die Stimmzettel auslieferten, in der Provinz Chost unterwegs, um über die Präsidentschaftswahl in Afghanistan 2014 zu berichten. An einem Stützpunkt der Sicherheitskräfte warteten sie am 4. April auf der Rückbank ihres Fahrzeugs auf die Weiterfahrt, als ein Polizist mit den Worten „Allahu Akbar“ eine Feuersalve aus einem AK-47 auf sie abgab. Niedringhaus war sofort tot, Gannon wurde durch drei Kugeln verwundet.

    Der 25-jährige Schütze ließ sich widerstandslos festnehmen. Er hatte seit 2012 bei der Afghan National Police gearbeitet und war von US-Ausbildern in Masar-e Scharif ausgebildet worden. Er hat angegeben, aus Rache für den Tod von Familienangehörigen bei einem NATO-Bombardement in der Provinz Parwan gehandelt zu haben.

    Am 22. Juli 2014 wurde er von einem Gericht in Kabul nach einer zweistündigen nichtöffentlichen Verhandlung zum Tode verurteilt. Das Urteil ist bis zur Bestätigung durch ein übergeordnetes Gericht nicht rechtskräftig und muss zudem vom afghanischen Präsidenten genehmigt werden. Bis zur Rechtskraft des Urteils führt auch die Generalbundesanwaltschaft ein Verfahren gegen den Polizisten. Die deutsche Regierung sprach sich ausdrücklich gegen ein Todesurteil aus. Beim Prozess in Kabul drängte ein Diplomat auf die Verhängung einer Freiheitsstrafe statt der Todesstrafe.

    Niedringhaus wurde am 12. April 2014 in ihrer Geburtsstadt Höxter auf dem Friedhof am Wall beigesetzt.

    Hintergrund
    Zwischen dem offiziellen Beginn des Präsidentschaftswahlkampfs am 15. Februar und der Wahl am 5. April 2014 wurden in mindestens 20 Fällen Journalisten bedroht oder angegriffen. Zwei von ihnen starben im März, darunter Nils Horner.[19]

    Das Attentat wurde von einem Innentäter verübt. Neben dem Fall von Anja Niedringhaus gab es bis Anfang August 2014 drei solche Attentate in Afghanistan, bei denen auch Deutsche zu Schaden kamen. Entgegen der verbreiteten Auffassung, dass es sich bei den Tätern regelmäßig um eingeschleuste Terroristen handelt, spielen bei den Taten oft interkulturelle Missverständnisse, soziale Beleidigungen und persönliche Rache eine Rolle. WIKIPEDIA




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    Konrad Klapheck: S!NEDi|photo|graphic nach einem Video-Still















    Zum 80. Geburtstag von Konrad Klapheck
    Das Gedächtnis der Maschinen

    Von Simone Reber | tagesspiegel.de


    Bei Konrad Klapheck verschmelzen Mensch und Objekt. Der Düsseldorfer Maler feiert am 10. Februar achtzigsten Geburtstag


    „Mit Hilfe meiner Maschinenbilder konnte ich ohne zu suchen die Vergangenheit wieder finden“, schreibt Konrad Klapheck über sein wichtigstes Motiv. Die Schreibmaschinen und Nähmaschinen, die Feuerlöscher und Motor­räder verbinden sich im Werk zu einer Familie mit eigenem Stammbaum. Dusche und Telefon werden mit ihren durchlöcherten Scheiben zu Verwandten, aus denen Lautsprecher und Sirenen hervorgehen. Sie alle treten als Einzelgänger auf, nur Fahrradklingeln und Schuhspanner bilden Gruppen. In diesem seltsam zeitversetzten Werk fungieren die Objekte als Medien, um die eigene Biographie zu befragen. Am 10. Februar 1935 in Düsseldorf geboren nennt Konrad Klapheck als entscheidendes Kindheitserlebnis den Tod seines Vaters.


    Der Künstler zwischen allen Stühlen

    Beide Eltern waren Kunsthistoriker. Seine Mutter Anna Klapheck schrieb mehrere Künstlerbiographien. Sein Vater Richard Klapheck wurde 1934 von den Nationalsozialisten als Professor an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf entlassen. Er starb, als Konrad Klapheck vier Jahre alt war. Auf der Suche nach Mitteilungen des toten Vaters habe er als Kind die Papierkörbe durchwühlt, erzählt Konrad Klapheck später. Nach dem Krieg liegt die Welt seiner Kindheit in Schutt und Asche. Mit dem Fahrrad fährt er durch die Trümmerlandschaft seines Wohnviertels, findet Trost bei den glänzenden Maschinen und Kränen am Hafen, die ihn an die Vergangenheit erinnern. Während des Kunststudiums in Düsseldorf wird das Bild von einer Continental-Schreibmaschine 1955 sein erstes wiedererkennbares Werk. Dazu ermuntert hatte ihn sein Lehrer Bruno Goller, der in seiner Malerei selbst immer wieder in die Räume seiner Kindheit zurückkehrte. Klapheck verschreibt sich der Präzision, der undurchdringlichen Oberfläche, den harten Kanten der Mechanik. Er will sich vom Informel absetzen und landet zwischen allen Stühlen. Zu spät für den Surrealismus, zu früh für den Hyperrealismus, zu skeptisch für die Pop Art, zu verschattet für den lichterfüllten Aufbruch von ZERO.

    Die Nähmaschine als Symbol für das Weibliche

    Aber als Einzelgänger weckt er früh die Neugier. Zunächst bei den Surrealisten. Klapheck trifft  Max Ernst, er lernt René Magritte kennen.  André Breton schreibt einen Aufsatz über seine Kunst. Schon 1966 widmet die Kestner-Gesellschaft ihm eine Retrospektive. Ab 1979 unterrichtet er an der Düsseldorfer Akademie. Am plausibelsten öffnet sich das Werk, wenn man es als Autobiographie liest. Der Künstler selbst steuert freigiebig Geschichten und Legenden dazu bei. Auf die erste Schreibmaschine im Kunststudium folgt die erste Näh­maschine, als Vertreterin der weiblichen Welt. Nach einem Streit mit seiner Freundin und späteren Ehefrau nennt er das Bild „Die gekränkte Braut.“ Sein Selbstbildnis wird eine Schreibmaschine mit athletischer Figur, überbreitem Wagen und schmaler Tastatur. Spätere Ehekrisen schlagen sich in Gestalt von Sägen nieder, mit dem Heranwachsen der Kinder tauchen Rollschuhe auf.


    Konrad Klapheck: "Schmerz", 1988, 143 x 115cm | Den Tod seiner jüdischen Frau fasste
    Klapheck in dieses Bild einer "Schreib"maschine mit hebräischen Buchstaben -
    S!NEDi|Scan nach einem Abdruck in der "art", 5/2013

    1987 stirbt Klaphecks Frau Lilo beim Brand des Ferienhauses in Holland. Nach dem jüdischen Begräbnis malt er eine rote Schreibmaschine mit gelben hebräischen Buchstaben und nennt sie „Schmerz“. Die Maschinen sind nicht mehr Freunde und Verwandte, sie werden zu Ungetümen. Klaphecks größtes Maschinenbild „Im Zeitalter der Gewalt“  von 1995 zeigt auf sieben Meter Breite einen Schaufelbagger, der die Erde aufwühlt. 


    Konrad Klapheck: "Zeitalter der Gewalt", 1994 -
    FOTO: K. BARTSCH,VILLA GRISEBACH / VG BILDKUNST, BONN 2014 | tagesspiegel.de
    Danach verdrängt der menschliche Körper die Maschinen. Klaphecks Figuren sind oft mit den robusten Gestalten von Fernand Léger verglichen worden. Sie erinnern an eine erotische Version sozialistischer Wandbilder. Und sie wirken ebenso zeitversetzt wie das ganze Werk. Die Inspiration zu seinem ersten Gemälde mit vier nackten Frauen in einer Küche stammt von einem Foto aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Inzwischen feiert die Malerei von Konrad Klapheck ein Revival. Das Museum Kunstpalast Düsseldorf widmete ihm 2013 eine große Retrospektive. Aus der Sicht des digitalen Zeitalters, in dem die Geräte mit dem Körper verschmelzen, wirken Schreibmaschine und Brausekopf wie ein rares sinnliches Erlebnis. Konrad Klaphecks Werk begann als Suche eines Einzelgängers nach seiner individuellen Lebensgeschichte. Inzwischen erzählen die analogen Objekte eine kollektive Vergangenheit.

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    Konrad Klapheck (* 10. Februar 1935 in Düsseldorf) ist ein deutscher Grafiker, Maler, Künstler und (emeritierter) Kunstprofessor an der Kunstakademie Düsseldorf. Er gilt heute als Klassiker der Nachkriegs-Avantgarde.



    Leben
    Konrad Peter Cornelius Klapheck wurde am 10. Februar 1935 als Einzelkind des Professors für Kunstgeschichte Richard Klapheck in Düsseldorf geboren. Sein Vater, der vier Jahre nach Konrads Geburt starb, arbeitete bis zu seiner Entlassung durch die Nazis 1934 an der Kunstakademie Düsseldorf, wo Konrads Mutter Anna (geb. Strümpell) nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 ebenfalls einen Lehrstuhl innehatte. Während des Krieges floh Anna mit Konrad zu den Großeltern nach Leipzig, wo er mitansehen musste, wie die Villa der Großeltern durch einen Bombenangriff zerstört wurde und in Flammen aufging. Diesen Augenblick erlebte der Achtjährige als fesselndes Schauspiel.

    Nach Kriegsende zogen Anna und Konrad 1945 zurück nach Düsseldorf. Dort besuchte er das Humboldt-Gymnasium. 1954 legte er nach der regulären Schulzeit sein Reifezeugnis ab und schrieb sich in die Kunstakademie Düsseldorf ein, wo er Schüler von Bruno Goller wurde. Mit starkem Interesse am Surrealismus besuchte er in diesem Jahr den zu dieser Zeit in Paris lebenden Max Ernst. Sein erstes Schreibmaschinenbild (Schreibmaschine, 1955) erntete Zuspruch von Goller, und dieser ermutigte Klapheck, die Objektmalerei weiter zu verfolgen. 1958 beendete Klapheck sein Studium und feierte seinen ersten größeren Erfolg mit der Malerei. Er verkaufte sechs Gemälde an George Staempfli, der diese ein Jahr später in seiner Galerie in New York neben Werken von Yves Klein, Jesús Rafael Soto und Lucio Fontana ausstellte.

    1960 heiratete Klapheck Lilo Lang, die er bereits seit seinem 16. Lebensjahr kannte, besuchte den Maler Richard Oelze in Worpswede und erwarb eines seiner Werke, das den Grundstein für eine kleine Sammlung des Künstlers legte. 1961 kam Klapheck mit dem Pariser Surrealistenkreis um André Breton in Kontakt.Im darauf folgenden Jahr machte er Bekanntschaft mit dem belgischen Maler René Magritte auf einer von Magrittes Ausstellungen. Bei einem weiteren Treffen der beiden präsentierte Klapheck Magritte eine Auswahl seiner Arbeiten. Magritte kritisierte die Hintergründe der mitgebrachten Werke – Steinchenhintergründe, die Magritte zu „pittoresk“ fand. Im selben Jahr wurde Klaphecks Tochter Elisa Klapheck geboren. Drei Jahre später bekam das Ehepaar Klapheck das zweite Kind, David. 1965 stellte Klapheck erstmals in einer Einzelausstellung in Paris aus, wo 1956 sein Aufnahmeantrag in die École nationale supérieure des beaux-arts de Paris abgelehnt worden war. Die Aktualität seiner Werke wurde 1970 durch die neue Stilrichtung des Hyperrealismus bestätigt.

    1979 drängte das Interesse für neue Stilrichtungen wie „Wilde Malerei“ Klaphecks Art des Malens zeitweilig in den Hintergrund. Er übernahm zwischen 1997 und 2002 eine Professur für Freie Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Von 1992 bis 2002 porträtierte Klapheck Kollegen, Freunde und Prominente aus der internationalen Kunstszene. Er malt Frauen und Männer, schwarz auf weiß, ganzfigurig und mit ungewöhnlichen Attributen ausgestattet. Eine Auswahl erschien 2002 in Buchform im Verlag Schirmer Mosel, München.



    Werk
    Klaphecks Malstil vereinigt Merkmale des Neo-Realismus, Surrealismus und der Pop Art zu einem eigenen Stil, an dem er bis heute festhält. Seit den 1950er Jahren malt er präzise, gegenständlich, oft großformatig und scheinbar realistisch technische Geräte, Maschinen, Apparate und Alltagsgegenstände, doch seltsam verfremdet und neu komponiert, so dass sie zu Dämonen, Ikonen oder Monumenten werden. Dazu gehören Schreibmaschinen, Nähmaschinen, Wasserhähne und Duschen, Telefone, Bügeleisen, Schuhspanner und Schuhe, Schlüssel, Sägen, Autoreifen, Fahrradschellen und Uhren. Diese Anordnung entspricht der Reihenfolge, in der die Themen in Klaphecks Werken auftauchten. Die Sujets aus der Welt der Maschinen, Geräte und Werkzeuge trugen dem Künstler den Ruf eines „Maschinenmalers“ ein.


    Wesentlich sind auch die Titel der Gemälde wie Die charmante Chaotin, Die schwierige Gattin, Die Supermutter, Die Sexbombe und ihr Begleiter, Die Gewalt der Dinge, Im Zeitalter der Gewalt, Das Orakel oder Die Vasallen von 1986, die oftmals die gemalten Gegenstände zu Darstellern und surrealistischen Personen machen. WIKIPEDIA

    Eine weitere Auswahl seiner Werke: clicken Sie hier


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    S!NEDi|graphic mit HOHE LUFT-Titel 3/2013 (clicken)
    Das ist ja die Frage aller Fragen - und darauf

    kann niemand bis jetzt die Antwort sagen: Die Philosophie-Zeitschrift HOHE LUFT 3/2013 hat in ihrem Titelthema einen "dritten Weg" aufgezeigt auf die Frage: KÖNNEN WIR DEN TOD ÜBERLEBEN ...
    Ob wohl es noch gar nicht Aschermittwoch ist - und noch ein paar Tage hin bis Karfreitag bzw.bis zum Ostermorgen - möchte ich Ihnen dieses spannende Thema nun als pdf. zum Lesen im Original anbieten:
    HIER CLICKEN ...

     

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    S!NEDi: da kriecht blut um die häuser








    da springt ein verkrüppelter wolf
    blutrot aus der linken ecke
    von oben
    mitten ins bild:
    eine ganz durchsichtige sache

    ein schatten - ein riss 
    auf betoniertem grund
    eine vision - super:
    direkt aus der metaebene
    herauskomponiert 

    rechts im sw-filmstreifen
    von oben nach unten
    die schattenspiele:
    elisabet & maria vielleicht
    frauen mit kopftuch
    und ein blick in
    den schafstall
    von oben links brechen
    sonnenstrahlen ein

    blutschatten auf plattenwegen
    round the corner
    sie haben einen täter gesucht
    und sie haben einen täter bekommen
    ab zu den akten
    espresso hinterher - mit einer
    süßstoff-tablette ...

    wie immer bleiben
    fragen offen
    bleibt nur das
    stochern im nebel
    spaltet sich die theorie
    und reibt sich die praxis
    fragen bleiben offen

    sinedi

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    Bestrickender Australier

    Die Masche des John Alfred Date

    Pinguin-Puppen: Pullover schützen - nach einem Foto von: PINP/ AAT Kings/ Spotlight/ Rex Features | spiegel.de



    John Alfred Date ist mit 109 Jahren der älteste Mann Australiens. Vor kurzem hat er ein altes Hobby neu entdeckt. Profiteure sind Zwergpinguine - und Frühgeborene.

    Als die "Titanic" sank, da war er sieben. Noch mit 90 spielte er Golf. Heute lebt John Alfred Date im gesegneten Alter von 109 Jahren im Seniorenheim und pflegt seinen trockenen Humor. Wie er die Welt finde, fragte ihn 2014 ein Reporter. "Sie ist rund", antwortete Date. Das Geheimnis seines langen Lebens? "Jeden Morgen aufwachen."

    Wenn er nicht gerade Besucher empfängt, widmet sich der älteste Mann Australiens neuerdings wieder einer alten Leidenschaft: Er strickt. Wie es dazu kam, erzählte Date dem TV-Sender Nine News. Zwei Schwestern seien im vorigen Jahr zu ihm gekommen und hätten gesagt: "Wir glauben, Sie können stricken." Er habe nicht Nein sagen können.

    Eine Pinguin-Stiftung bat um Hilfe. Es ging um Zwergpinguine, eine Art, die nur im Süden Australiens und Neuseeland lebt. Falls Tiere bei einem Ölunfall zu Schaden kämen, wollte man gewappnet sein. Date machte sich auf Geheiß der Schwestern an Minipullover für die Tiere - im Ernstfall ein wichtiger Schutz. Öl verklebt das Gefieder, sodass Wasser in tiefere Hautschichten eindringen kann. Die Pinguine beginnen zu frieren.

    Date hatte das Handwerk bereits in den Dreißigerjahren von seiner Schwägerin gelernt. Mit Akribie strickte er manchmal zwölf, 13 Stunden am Tag. Inzwischen ist die Stiftung bestens versorgt. "Großzügige Stricker aus aller Welt" hätten genug Pullover geschickt.




    Für Alfred Date kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Er strickt jetzt nicht mehr Pullöverchen für Zwergpinguine - sondern Scheitelkäppchen für Frühgeborene.

    Alfred Date - nach einem Foto von: dailytelegraph.com.au.
    sms | spiegel.de 

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    Ist diese Masche von Alfred Date nicht einfach bestrickend: Da "handarbeitet" einer der ältesten lebenden Menschen der Welt - und dann sogar ganz untypisch noch ein Mann ... - er strickt schöne kleine Accessoires - und aus diesem seinen ewigen Betätigungsdrang wird auch noch eine Tugend gemacht: Puppenpullover, Zwergpinguinschutz vor Ölverschmutzung - und nun Scheitelkäppchen für Frühgeborene ...

    Ich halte das für ganz wichtig, dass die "Erzeugnisse" dieser Altersklasse auch noch "sinnvoll" sind ... - im weitesten Sinne also "vermarktet" werden können ...  | Meine Mutter ist "nur" 92 Jahre alt geworden, aber sie hat auch bis in ihren Lebensabend hinein gestrickt, gehäkelt und geknüpft - zum Teil wurden wir "Kinder" dabei mit Schals "beglückt", die nicht immer unbedingt der damaligen Mode entsprachen - und die leider immer viel zu kurz ausfielen - hier hätten wir diese Beschäftigung ernster nehmen sollen ...

    Was sich da in Australien für Alfred Date an Motiven und Inhalten entwickelt hat - ist schon im wahrsten Sinne des Wortes bestrickend.

    Leider sind in den Altenheimen hierzulande Betätigungen und Mithilfen oder das Mittun der Bewohnerschaft "im Haushalt" oftmals verpönt - manchmal aus "hygienischen" Bedenken heraus ...: so sitzen sie oft da - langweilen sich - und "wackeln nur mit dem Kopf", entwickeln aus purer Langeweile Tics und Jactationen - und um diese dann einzudämmen werden oftmals Psychopharmaka verabreicht ... - und sie stumpfen ab, weil Anregungen für das eigene Tun fehlen (ein Fernseher ist ein Fernseher ist ein Fernseher ... - und mehr nicht ...) = also - wenn schon ein alter Mensch in Deutschland "ausgegrenzt" und exkludiert wird - dann aber richtig und mit aller Konsequenz ... 

    Nun - zum Glück gibt es einige vielversprechende gegenläufige Entwicklungen und Beispiele...

    Aber: Der Rotstift für Einsparungen in den Sozialbudgets wird gern bei diesen sogenannten "Sozialdiensten" in den Alten-, Senioren- und Behindertenheimen angesetzt, die genau für diese "Betätigungen" und Tagesgestaltungen mit allem Drum und Dran zuständig sind ... Da heißt es dann schnell: So etwas können doch auch "Ehrenamtliche" preiswerter machen ... Aber ein passend angemessenes Setting mit dem Anspruch, den betagten Menschen "da abzuholen wo er tatsächlich steht" - und die damit oft erforderlichen individuell verschiedenen und komplizierten (Er-)Kenntnisse von Alzheimer- und Demenz-Erkrankungen mit zu berücksichtigen - um ihm so würdevoll angemessen zu begegnen und seine Lebensleistung anzuerkennen - das bleibt dann oft auf der Strecke, weil die notwendige "Biographiearbeit" und Persönlichkeitsrecherche im Hinblick auf den individuellen Werdegang eines jeden Einzelnen unterbleibt ... - und weil die "bürokratischen" und praktischen Belastungen der Pflegekräfte eine solche Tagesbeschäftigung mit einer gewissen Ausgefülltheit gar nicht mehr zulassen ...

    Der sogenannte "ganzheitliche" Versorgungsaspekt (der Mensch ist mehr als die Summe seiner Teile ...) bleibt auf der Strecke - weil der Mensch aus seiner Leib-Seele-Geist-Einheit auseinanderdividiert und zerrissen wird: Medizinisch und pflegerisch unterliegt er der oftmals "modisch" gefärbten Sichtweisen der einzeln beteiligten Fachdisziplinen - und wird "aufgeteilt" und portioniert in den Minutentakt für amtlich definierte "benötigte" Pflege, Mahlzeiten "reichen", Medizin "stellen", Arztvisiten und Ärztlicher Dienst bzw. Heimaufsicht, Frühschicht, Spätschicht, Nachtwache - und dann bleibt da nur noch ein winziger Rest für "Freizeit" und "Tagesstruktur" und "Selbstfindung" - und für Ausflüge und Feste feiern - letzteres aber oftmals unter der Prämisse der Massen-"Zwangsbeglückung" (ein Groß-Event jagt dann oft das nächste - zumeist dank des Schlechte-Gewissen-Spendenschecks eines betuchten Angehörigen ... - und damit diese "tollen Initiativen" auch unter dem Aspekt der Platz-Akquise entsprechend lauthals in der Lokalpresse "vermarktet" werden (denn gestorben wird laufend - da muss geradezu "fliegend" Schlag auf Schlag "Nachwuchs" her: die Platzauslastung in Heimen sollte nämlich aus Kostengründen 98% nicht unterschreiten ...) - und das alles wird jeweils durchgeführt von schlecht vernetzten, schlecht bezahlten und viel zu wenigen "Fach"leuten - ersatzweise dann sogar von im Crash-Verfahren angeleiteten und oft ungeeigneten Hilfskräften... - 

    Alfred Date hat es da gut - und ich wünsche ihm weiterhin viel Spaß ... - so wird man eben geradezu steinalt ...



    Links: Die Geburtsurkunde Date's vom 08.11.1905 - Rechts: die erste Hochzeit 1926: mit 21 Jahren heiratet Alfred Date seine große Liebe Muriel (Fotos: Dailytelegraph.com.au)




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    Foto nach strickeria.ch


    ... und hier für alle - die es Mr. Date nachmachen wollen:

    Strick-Anleitung für Mützchen

    Variante 1

    Nadelstärke 2,5, 4 fädige Sockenwolle ca. 10 - 12 g

    Anschlag je nach Strickart (fest oder locker) 64, 72 oder 80 Maschen im Bündchenmuster (2 re., 2 li.) 12 cm stricken (ca. 55 Reihen).

    In der nächsten Reihe alle linken Maschen links zusammenstricken.
    Eine Reihe die Maschen stricken, wie sie erscheinen.
    In der nächsten Reihe alle rechten Maschen rechts zusammenstricken.
    In der nächsten Reihe alle Maschen stricken, wie sie erscheinen.
    Nächste Reihe: Immer 2 Maschen rechts zusammenstricken.

    Die restlichen Maschen entweder im Maschenstich zusammennähen oder von links zusammenstricken und abketten.

    Passt je nach Anschlag und fester oder lockerer Strickweise für einen Kopfumfang von 23 bis 30 cm.

    Variante 2

    Aktion "Stricken fuer Fruehgeborene" Muetzen

    4 fädige Sockenwolle ca. 10 - 12 g

    Anschlag 64 Maschen nicht zu fest anschlagen, 2 cm 2 re., 2 li. stricken, dann wechseln zu glatt rechts bis zu einer Gesamthöhe von 9 cm.

    Abnahmen:

    1. Runde : 6 Maschen stricken, 2 Maschen rechts zusammenstricken immer wiederholen, bis Rundenende

    2. Runde: 5 Maschen stricken, 2 Maschen rechts zusammenstricken ...

    3. Runde: 4 Maschen stricken, 2 Maschen rechts zusammenstricken ...

    4. Runde: 3 Maschen stricken, 2 Maschen rechts zusammenstricken ...

    5. Runde: 2 Maschen stricken, 2 Maschen rechts zusammenstricken ...

    6. Runde: 1 Masche stricken, 2 Maschen rechts zusammenstricken...

    7. Runde: 2 Maschen rechts zusammenstricken....

    Faden durchziehen - fertig



    http://www.strickeria.ch/fruehgeborene/anleitung.html

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  • 02/12/15--07:01: Selfie | S!NEDi | 2015
  • S!NEDi: self & shadow - 2015
    S!NEDi: selfie 2015





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    S!NEDi|photography: quadrocolor|light







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    Rekordergebnis: Gerhard Richter: Abstraktes Bild - Sotheby's

    166,5 Millionen €uro an einem Abend

    Der Star der vergangenen Londoner Auktionswoche mit Gegenwartskunst war wieder einmal Gerhard Richter. Das sehr grossformatige «Abstrakte Bild» von 1986, das bis anhin als Leihgabe im Museum Ludwig in Köln hing, sorgte bei Sotheby's für eine wahrhafte Überraschung. Bei einer Schätzung von 14 bis 20 Millionen Pfund erzielte es 30,3 Millionen und damit den neuen Auktionshöchstpreis des Künstlers. Der Verkäufer hatte das Gemälde im Mai 1999 in New York für 607 000 Dollar erworben, was schon damals einen Preisrekord für seine ungegenständlich gemalten Bilder darstellte.

    So teuer kam noch nie ein Werk des deutschen Malers Gerhard Richter unter den Hammer: "Abstraktes Bild" hat in London einen Rekordpreis von umgerechnet 41 Millionen Euro erzielt. Ein Maßstab für künftige Auktionen.

    Damit habe Richter Maßstäbe für lebende europäische Künstler gesetzt, teilte das Auktionshaus Sotheby's nach der Versteigerung am Mittwoch mit. Das farbenfrohe Bild von 1986 gehört zu Richters Lieblingswerken und hing lange im Kölner Museum Ludwig. Geschätzt worden war sein Wert auf bis zu 27 Millionen Euro. Der Käufer blieb anonym.

    Bei Christie's hingegen blieb Richters fotorealistischer «Vierwaldstätter See» etwas hinter den Erwartungen zurück. Die romantische Landschaft in Grau von 1969, wohl die beste der vier existierenden Versionen, kostete dann 15,7 Millionen Pfund = 21,3 Millionen €uro ... Das Gemälde aus dem Jahr 1969 ging an einen anonymen Käufer, wie Christie's mitteilte.

    Nachdem im letzten November in New York mit einem Gemälde von Cy Twombly ein Spitzenpreis von knapp 70 Millionen Dollar erzielt worden war, wurden Begehrlichkeiten geweckt. Nicht weniger als acht kapitale Werke des Künstlers kamen in dieser Woche auf den Markt. Das Toplos, «Untitled (New York City)» von 1970, war bei Christie's mit einer Verkaufsgarantie versehen und ging mit 19,6 Millionen Pfund = 26,6 Millionen €uro wohl an einen Kunden aus Asien. 

    "Study for a Head" (Studie für einen Kopf) des Iren Francis Bacon (1909-1992) aus dem Jahr 1955 brachte rund 13,6 Millionen Euro. 

    Insgesamt wechselte am Dienstagabend zeitgenössische Kunst für 166,5 Millionen Euro den Besitzer.

    Mit Textbausteinen von SPIEGEL.de und focus.de




    «Untitled (New York City)» von 1970 ging mit 19,6 Millionen Pfund = 26,6 Millionen €uro
     wohl an einen Kunden aus Asien. 




    "Study for a Head" (Studie für einen Kopf) des Iren Francis Bacon (1909-1992)
    aus dem Jahr 1955 brachte rund 13,6 Millionen Euro. 

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    Ja - ich möchte hier mit teilhaben an einer solchen Kunstauktion: die Atmosphäre - die Gebote - das Ambiente - das Setting - das Profil ... - Nun - leider haben wir hier (vermutlich) nicht das nötige Kleingeld, um bei so etwas einfach mal mitzubieten ... - aber dieses ganze Ritual um eine solche kunst-kultur-kapitalistische aber auch irgendwie dekadente Vermarktung ist natürlich in jedem Fall eine - wie auch immer gewertete - Erfahrung wert ...  

    Doch wiederum: solange wie so viel Geld von Privatsammlern für Kunst ausgegeben wird kann keiner sagen, der kulturelle Bereich sei in einem gesellschaftlichen Tief ...

    Nur - hoffentlich lagern die neuen Besitzer ihre frisch erworbenen Schätze nicht irgendwo in einem Privat- und Spekulationsdepot, sonderm leihen sie den einschlägigen Museen aus - damit die Öffentlichkeit auch davon etwas hat ...
    Allerdings sind die Versicherungssummen für die Aussteller bei solchen Preisen ja kaum noch erschwinglich ...: Das ist irgendwie auch eine Katze, die sich in den Schwanz beißt ...

    Übrigens: Hier in diesem Blog und in meinem Blog S!NEDi | galleria d'arte können Sie ohne jeden Eintritt und ohne jede Versicherungssumme meine bildnerischen Erzeugnisse betrachten - Tag & Nacht - und sogar auch montags ...

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    ... das pisst ein Hund in New York an die Hauswand ...

    • Es ist eine verrückte Welt: Gestern noch berichtete ich hier im Blog von den Kunst-Auktionen bei Christie's -und bei Sotheby's - die beide fast 300 Mio. €uro Auktions-Umsatz erzielten ... - als Beispiel für friedfertige Kultur-"Spiele" in einer an sich dekadenten Welt ...
    • Und heute lese ich, dass sich diese nach außen hin friedliebende Bundesregierung in großem Stil Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien leistet. Allein im vergangenen Monat genehmigte das Haus von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) Exportanträge in Höhe von 110 Millionen Euro - so viel wie seit vergangenem Sommer nicht mehr. Tatsächlich ausgeführt wurden seit Oktober 2014 sogar Waffen im Wert von 332 Millionen Euro. Darunter befinden sich neben Lenkflugkörpern und Ersatzteilen für Kampfflugzeuge auch "Teile für Geschützmunition, Haubitzenmunition, Mörsermunition", heißt es in einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Linkenfraktion.
    • Tja - und gleichzeitig erinnert man sich an die Bombenangriffe auf Dresden 1945 - vor 70 Jahren:
    • Dresden ist und war Elbflorenz: ein barockes Schmuckstück - und doch auch Chiffre für Schrecken und Leid. Die Stadt steht weltweit wohl wie kein anderer Ort - neben den von US-Atombomben zerstörten japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki - als Symbol für Zerstörung. Die Angriffe britischer und amerikanischer Bomber in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 machten aus einer Bilderbuch-Stadt eine Ruine. 15 Quadratkilometer brannten, 25.000 Menschen starben, ein Inferno.
    • Und ausgerechnet dieser derzeit amtierende Bundespräsident, der vor Jahresfrist noch für "mehr Verantwortung Deutschlands in der Welt" plädierte, wozu auch militärische Einsätze für ihn zählten - und zu denen er durchaus "seinen Segen" schon im Vorhinein gab - er musste hier in der Frauenkirche die Versöhnungs-Festrede halten ... - was die Spitzen-Genossen der Linken dazu bewog, diese Rede zu boykottieren ...: "Wer bereit ist, die Fixierung auf das eigene Schicksal zu überwinden, erfährt auch einen Akt der Selbstbefreiung", orakelt Gauck in der Frauenkirche ... 
    • Immerhin gibt es diesmal, anders als in vielen Vorjahren, keine große Neonazi-Demonstration, das sehen viele schon als positives Zeichen...
    • Die Stadt hat eine erfolgreiche Universität, internationale Unternehmen, eine interessante Künstlerszene. Aber es gibt da eben auch dieses etwas finstere Dresden 70 Jahre nach der verheerenden Dresden-Katastrophe. 
    • Martin Roth war lange Jahre Museumsdirektor in der Stadt, inzwischen ist er Chef des "Victoria and Albert"-Museums in London. Roth sagt über Dresden: "Übrig geblieben ist eine Fassade, die Demokratie und Toleranz nur vorspielt." Und das sagt er sicherlich auch in Hinblick auf die NPD-, AfD-Sympathisanten rund um Dresden und die Pegida-Versammlungen in diesem "Elbflorenz" - wobei sich letztere wohl allmählich aber sicher aufzulösen scheinen ... - wollen wir es hoffen - und: "Gottseidank" ...
    ... an Banksys Graffiti ...

    • Und in der Ostukraine brüllen sich die Waffen an und die Propagandamaschinen beider Seiten - 24 Std. vor der angeblichen Waffenruhe, die mit ganz viel Tam-Tam und "Brennpunkten" mediengerecht mit den bei so etwas üblichen Nachtsitzungen - sehr hoch aufgehängt - in "äußerst zähen Verhandlungen""vereinbart" wurde - bevor man sich unausgeschlafen am nächsten Nachmittag mit den €uro-müden Griechen auseinanderzusetzen hatte ...
    • Merke(l): Nachtsitzungen und das diesbezügliche Hin- und Her-Gefliege - das ist zunächst einmal nur hektischer Aktionalismus - bei dem man sich für die Medien gern ablichten lässt: Irgendwas muss man ja tun - oder wenigstens so tun als ob - und in Hamburg sind immerhin Wahlen - und... und... und... 
    • Es ist einfach eine verrückte Welt ...



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    Endlich: Der Durchbruch (???) - ich erhielt im Dezember 2014 eine Mail von der 
    Corporate Publishing
    Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit 
    Medizinische Universität Wien:



    Im März 2015 feiern wir 25 Jahre Lungentransplantation in Wien. Dieses Bild würden wir gerne auf dem Cover einer Einladung (Format des Layouts 99x210mm) zu der Jubiläumsveranstaltung verwenden, auf einem Ankündigungsposter und evt. auch auf der Broschüre mit wissenschaftlichen Beiträgen (40 Seiten). Es wird jedoch keine kommerzielle Verwendung geben, allerdings bräuchten wir das Foto in entsprechender Auflösung, bzw. zumindest in der Größe A4, 300 dpi.



    Nun - gesagt - getan - und hier nun das Ergebnis (man beachte auf der Seite mit dem Lageplan rechts längs den Copyright-Hinweis... - immerhin ...:






    aber: Nun denken Sie bitte nicht - ich hätte dafür ein horrendes angemessenes Honorar erhalten (trotz der illustren Reihe von "Unterstützern" dieses Jubiläum-Projekts - s.o.) - es war mal wieder 
    "für die Ehre"...
    (siehe dazu auch hier)
    ........................................................................

    und dies hier ist der ursprüngliche Original-Blogbeitrag vom 21.07.2014:




    wenn die grüne lunge
    geröntgt wird
    dieser frischluft-blasebalg

    einatmen - ausatmen
    und wieder einatmen
    luft anhalten
    und wieder ausatmen

    so - ich werte jetzt das bild aus - 
    und wenn alles okay ist

    kann es ja wieder herbst werden ...
    und sie können sich wieder anziehen

    das bild ist so i.o.
    aber da blickt jetzt 
    noch der facharzt durch

    ob da schatten sind
    oder tb vielleicht
    oder ob etwa diese lauwarmen legionellen
    oder schwarz-klumpige verquarzungen gar

    wenn die grüne lunge
    geröntgt wird
    dieser frischluft-blasebalg

    einatmen - ausatmen
    und wieder einatmen
    luft anhalten
    luft anhalten
    luft anhalten

    nicht mehr ausatmen
    nie mehr ausatmen
    halten sie mal die luft an ...
    nicht weiteratmen ...

    ... bis der arzt kommt ...
    ... und sie von ihrem leiden erlöst ... 

    sinedi




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