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    hochgestreckt
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     Ja - haben wir denn sonst keine Sorgen? Da beschäftigen sich die deutschen  bzw. westeuropäischen Medien zur Freude der versammelten marktkonformen Demokratur-Akteure um Frau Merkel und Herrn Schäuble mit einem ausgestreckten Mittelfinger, den ein noch nicht ministeriabler Gastredner des "Subversive-Festivals" in Zagreb im Mai 2013 ganz nebenbei und lapidar gezeigt hatte, um damit deutlich zu machen, was er von der damaligen Finanzpolitik der riesigen Anleihen seines Landes im Jahre 2010 gegenüber den €U-Finanzpartnern hielt: der Stinkefinger galt den riesigen Darlehen, zu deren Bedienung und Rückzahlung man sich somit verpflichtet hatte, statt andere Stundungen in Anspruch zu nehmen ... 

    So hatte sich Griechenland im wahrsten Sinne mit Haut & Haaren der €U anheimgegeben - wie man ja heutzutage sieht - und dagegen hatte Varoufakis den bösen Finger gezeigt - übrigens in Griechenland eine ganz normale abwehrende Geste - längst nicht so moralisch verbrämt besetzt wie hier in Deutschland, wo eine solche Geste im Straßenverkehr mit bis zu 4000,-- € Bußgeld geahndet wird, und wofür bereits 1994 Stefan Effenberg von der damaligen Fußball-WM in den USA zurück nach Hause geschickt - und aus dem Kader gestrichen wurde ... - und der eigentlich als Gentleman geltende Fußballtrainer Ottmar Hitzfeld wurde 2012 für zwei Spiele als Schweizer Nationaltrainer gesperrt, weil er in einem WM-Qualifikationsspiel diese erschröcklich obszöne Geste zeigte... - ja - und wie groß war die Aufregung bei Peer Steinbrücks Stinkefinger-Geste auf der Titelseite des Magazins der "Süddeutschen Zeitung": er reagierte damit auf die Kritik an seinem an Pannen reichen Wahlkampf. Das Echo dazu wurde massiv und negativ parteipolitisch-moralisch einseitig völlig humorlos im Wahlkampf 2013 entsprechend überhöht aufgepeppt ...- eben typisch "deutsch" - ... Ursprünglich verteidigte Steinbrück die Geste, im Rückblick bezeichnete er sie als Fehler.

    Das Phänomen des "Stinkefingers" tauchte schon in der ausgehenden Antike auf. Ursprünglich trugen Ärzte Salben mit dem längsten der Finger, also dem Mittelfinger auf, weil sie damit am tiefsten in Körperöffnungen eindringen konnten. Doch der Mittelfinger galt zunehmend als obszön. Er wurde deshalb als der digitus impudicus, der schamlose Finger, bezeichnet. Ärzte gingen dazu über, Salbe mit dem Zeigefinger aufzutragen.

    Der Grund für dieses obszöne Empfinden war auch, dass der längste Finger als Phallussymbol angesehen wurde. Schon vor den Römern sprachen daher die Griechen vom Mittelfinger als dem"geilen" Finger. Der Philosoph Diogenes Laertios streckte etwa in diesem Bewusstsein dem berühmten Athener Redner Demosthenes zu dessen Bloßstellung den Mittelfinger entgegen. Also - eine ur-griechische Geste ...

    Ja - die Medien kennen sich in dem so moralisch verkorksten Deutschland mit dem gestreckten Mittelfinger von Sportlern und Politikern bestens aus - und suchten jetzt nach einem Haar in der griechischen Suppe - und der heimliche Regierungssprecher Günter Jauch entblödet sich auch noch, ein solches zusammengesuchtes "Argument" tatsächlich ins Spiel zu bringen ...- völlig haltlos aus dem Zusammenhang gerissen - was in dieser so konstruierten "Deutungshoheit" vom "Täter" Varoufakis mit diesem hineininterpretierten unterstellten "Sinn" nur als "Fälschung" deklariert werden konnte - und ihm auch so vorkommen musste ...: Nicht der lapidare Stinkefinger ist gefälscht - wohl aber die ihm so unterstellte gemeinte Bedeutungsaussage dazu ...
    drum merke: ... und wenn Du denkst, es geht nix mehr - kommt irgendwo aus dem TV-Archiv ein lang gestreckter Mittelfinger her ... 

    S!-bearbeitung aus dem Video-Still


    Debattenbeitrag zum "Mittelfinger" Varoufakis

    "Den Finger in die richtige Richtung gestreckt"

    spiegel.de 

    Die Politiktheoretiker Slavoj Zizek und Srecko Horvat haben 2013 jenen Kongress organisiert, auf dem Giannis Varoufakis die Mittelfinger-Geste zeigte. Hier erklären sie in einem Debattenbeitrag ihre Sicht auf die Diskussion in Deutschland.

    Als zwei der Organisatoren und Teilnehmer des Subversive-Festivals in Zagreb im Mai 2013 freuten wir uns sehr, dass Giannis Varoufakis unserer Einladung gefolgt war, einen öffentlichen Vortrag auf dem Festival zu halten und sein Buch "Der globale Minotaurus" vorzustellen. Als Antwort auf eine Frage aus dem Publikum zeigte Herr Varoufakis damals nicht Deutschland oder den Deutschen den Mittelfinger. Er bezog sich auf die Situation im Januar 2010. Sein Ansatz war, dass Griechenland damals besser bei seinen privaten Gläubigern hätte in Verzug geraten sollen, als riesige Anleihen bei seinen europäischen Partnern - einschließlich natürlich Deutschland - zu tätigen.

    Im Zuge der aktuellen Empörung wurden Varoufakis' Geste (oder besser gesagt: Redewendung) und ihre Bedeutung von deutschen Medien aus dem Kontext gerissen und in brutalster Propaganda-Manier manipuliert: Seine Redewendung von vor zwei Jahren wurde auf eine komplett andere Situation bezogen. Warum also wurde das unbedeutende Detail von einer Konferenz in Zagreb ausgegraben? Die Antwort ist nicht schwer zu erraten: Es ist Teil einer höchst zweifelhaften Strategie, die Syriza-Regierung zu diskreditieren.

    Was uns allen Sorgen bereiten sollte, ist das Niveau, auf dem persönliche Attacken gegen die Schlüsselfiguren von Syriza gefahren werden. Herr Varoufakis wird dafür kritisiert, dass er in einer komfortablen Wohnung wohnt. All die rassistischen Klischees über die vermeintlich faulen Griechen, die nur auf Kosten hart arbeitender Europäer leben wollen, werden schamlos bedient. Welche Realität soll damit verschleiert werden?

    Das Opfer werden wir alle sein

    Sowohl in den Verhandlungen mit der €U als auch in seinen öffentlichen Stellungnahmen hat Herr Varoufakis stets auf maßvolle Weise versucht, einen rationalen Ausweg aus der Sackgasse zu finden. Dabei zeigte er soviel Kompromissbereitschaft, dass es in Griechenland schon zu ersten Demonstrationen gegen Syriza gekommen ist.

    Was er und Griechenland nun im Gegenzug bekommen, ist die wiederholte und beschämende Weigerung, sich auf eine ernsthafte Verhandlung einzulassen. Um eine rationale Debatte zu vermeiden, begeben sich deutsche Medien immer stärker auf das Niveau der Boulevardpresse und stellen Tsipras und Varoufakis als Exzentriker da, die nur Zirkustricks aufführen und unverantwortliche demagogische Vorschläge präsentieren.


    Stinkefinger in Schwarz-Rot-Gold

    Die traurige Botschaft von alldem ist eindeutig: Um das Ganze noch schlimmer zu machen, muss Griechenland nicht nur in finanzielle Ketten gelegt bleiben, sondern auch erniedrigt werden. Das letztendliche Opfer werden wir alle sein - oder auf den Punkt gebracht: €uropa.

    Insofern Varoufakis "Deutschland den Finger gezeigt hat", bezog sich das Wort "Deutschland" nicht auf den Staat oder die Bevölkerung, sondern auf die deutsche Regierung, die damals (wie auch heute) die wichtigste Verfechterin der katastrophalen Sparpolitik der €U ist. Insofern war der Finger in die richtige Richtung gestreckt. Diese Botschaft kam bei allen auf dem Subversive-Festival im Mai 2013 unmissverständlich an - und sollte es heute, besonders in Deutschland, eigentlich auch.

    Der wahre Skandal ist deshalb nicht der Gebrauch der guten alten griechischen Tradition des Mittelfingers - und wer hat nicht schon mal in seinem Leben den Mittelfinger gezeigt? Sondern das, was die deutsche Regierung Griechenland und dem Rest Europas antut. In der Debatte um kleine Finger sollten wir also nicht vergessen, was für einen riesigen Finger Berlin und Brüssel in Richtung Griechenland zeigen.

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    Slavoj Zizek, 65, ist einer der bekanntesten Kulturtheoretiker der Gegenwart. Der in Ljubljana geborene Denker war 1990 in Slowenien Präsidentschaftskandidat. Seine Texte wurden von Hegel und Marx beeinflusst, aber auch durch den Psychonanalytiker Jacques Lacan. Hier schreibt er gemeinsam mit dem Philosophen Srecko Horvat, dem 1983 geborenen Gründer des linken Subversive-Festivals im kroatischen Zagreb.
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    Gerhard Haderer | stern.de 
    Bitterböse, aber treffende Zeichnungen:


    Im Anflug auf Athen | Gerhard Haderer|stern.de


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    aufgebauscht



    Verwirrung um Stinkefinger von Varoufakis 

    Böhmermann
    "Wir haben das Video gefälscht"

    19. März 2015, 06:15 Uhr - stern.de

    Jan Böhmermann behauptet in seiner Sendung "Neo Magazin Royale", dass er das umstrittene Stinkefinger-Video von Yanis Varoufakis gefälscht habe. Die Aufregung ist groß. Sogar Varoufakis meldet sich.

    TV-Moderator Jan Böhmermann liebt die Anarchie. Sein neuester Streich: Am Mittwochabend behauptet er in seiner Sendung "Neo Magazin Royale", dass er und seine Redaktion das umstrittene Video mit dem Stinkefinger des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis gefälscht haben. Seine Redaktion will die Mittelfinger-Geste in das ursprüngliche Video hereinmontiert haben. Um das zu beweisen, zeigt Böhmer eine Art Making-Of-Film, in dem die Entstehung des Videos zu sehen ist - und zwar unter hochprofessionellen Bedingungen im Studio.

    Varoufakis war am vergangenen Sonntagabend live in die Talkshow von Günther Jauch geschaltet und interviewt worden. Dort wurde das Video vorgeführt, dass Varoufakis im Jahr 2013 bei einer Konferenz in Zagreb zeigt. In einem Redebeitrag hatte Varoufakis seine Sicht der Dinge über den Beginn der griechischen Schudenkrise im Jahr 2010 beschrieben. An einer Stelle sagte er: "...and stick the finger to germany." In dem Moment war deutlich zu sehen, wie der griechische Finanzminister, der damals noch nicht im Amt war, den Mittelfinger zeigt.

    Varoufakis bestritt danach bei Jauch entschieden, jemals den Stinkefinger gezeigt zu haben, und warf der Redaktion der Jauch-Talkshow vor, einer Fälschung auf den Leim gegangen zu sein. Geglaubt hat Varoufakis niemand, zumal Jauch und seine Redakteure schnell die Echtheit des Videos betonten.

    Böhmermann spielt nun mit der Verwirrung. Nach dem "Neo Magazine Royal"-Beitrag fragt man sich unweigerlich: Hat Böhmermann tatsächlich das ursprüngliche Video von 2013 gefaked, hat er schon vor der ganzen Diskussion den Finger hereinmontiert, um nun alle herein zu legen? Oder springt Böhmermann auf die Diskussion auf und retouchierte nachträglich den Finger aus dem echten Video heraus? Quasi um zu zeigen: So einfach manipuliert man ein Video im Jahre 2015.

    Böhmermann sagt am Endes seines Beitrages: 

    "Liebe Redaktion von Günther Jauch. Yanis Varoufakis hat Unrecht. Ihr habt das Video nicht gefälscht. Ihr habt einfach das Video nur aus dem Zusammenhang gerissen und nen griechischen Politiker am Stinkefinger durchs Studio gezogen. Damit sich Muddi und Vaddi abends nach dem 'Tatort' nochmal schön aufregen können. 'Der Ausländer! Raus aus Europa mit dem! Er ist arm und nimmt uns Deutschen das Geld weg. Das gibt’s ja wohl gar nicht. Wir sind hier die Chefs! So!' Das habt ihr gemacht. Und der Rest ist von uns".

    Neben der ganzen Verwirrung lautet Böhmermanns eigentliche Botschaft also: Der Rest, der ist egal. Leicht zu manipulieren ist das Ganze sowieso. So oder so.

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    Reaktionen auf Böhmermann 

    Varoufakis fordert Entschuldigung von Günther Jauch

    19. März 2015, 07:58 Uhr | stern.de


    Jan Böhmermann will das Stinkefinger-Video von Yanis Varoufakis gefälscht haben. Auf Twitter überschlagen sich die Reaktionen - und auch der griechische Finanzminister meldet sich zu Wort.
    Jan Böhmermann und seine Sendung "Neo Magazin Royale" haben das Stinkefinger-Video mit Yanis Varoufakis gefälscht - so hat es der TV-Moderator am Mittwochabend verraten und einen angeblichen Making-Of-Film gezeigt. Nun überschlagen sich die Reaktionen - hat Böhmermann Deutschland tatsächlich an der Nase herumgeführt? Griechenlands Finanzminister zumindest, der schon zuvor behauptet hatte, das Video sei gefälscht, wartet nun auf eine Entschuldigung von Günther Jauch. An den Talkmaster gerichtet schrieb er auf Twitter:"Bald eine Entschuldigung? Dafür, ein gefälschtes Video benutzt zu haben, um eine versöhnliche griechische Stimme zum Schweigen zu bringen?"




    #varoufake | #fingergate = Das sind die neuen Rekord-Hashtags bei Twitter: So "einfach" kann man also die "Wahrheit" manipulieren - wie es uns der Böhmermann demonstriert hat: Und nun fragt sich die TV-Jauch-Gemeinde: Was war zuerst - Huhn oder Ei - Finger oder doch kein Finger - ...

    Mich erinnert die ganze Story auch ein wenig an diese ominöse "Gaucho-Lied"-Story - womit ein paar Nationalspieler seinerzeit den WM-Endspielgegner Argentinien angeblich verhöhnen wollten - und wofür dich der DFB-Chef beim Argentinischen Fußballverband entschuldigen musste - und wo auch ein paar Medien eine "Story" draus gemacht haben - zum Glück ist das dann rasch wieder eingeschlafen - und ein paar Wochen später hat Argentinien die "Deutschen" im Revanche-"Test-Länderspiel" 4:2 in Düsseldorf besiegt - und niemand hat da mehr an die so schröcklich verhöhnten "Gauchos" gedacht - aber im Kindergarten wird das Lied weiterhin gern intoniert ...

    Wie rasch Meldungen geboren werden und Fälschungen lanciert werden können haben uns jeweils beide (!) Seiten im Ukraine-Konflikt ja gezeigt - oder auch in Syrien - in Afghanistan - in Israel/Palästina - beim 15-min.-Seitenstraßen-"Trauermarsch" der Regierungschefs für "CHARLIE HEBDO" in Paris... Und die Experten von NSA und GCHQ hecken just in diesem Moment ganz professionell mit viel Knowhow wahrscheinlich den nächsten Fake aus ... - als hübsche Nebenerwerbsquelle - für REUTERS und DPA und ARD/ZDF und all dem "seriösen" Medien-Gedöns ... - 

    Und die Boulevardpresse muss morgen ja auch wieder ihre "unvorstellbare" Schlagzeile haben ...

    Und am Stammtisch heißt es dann: "Das haben 'DIE' aber gesagt/geschrieben..." - [aber es muss deshalb noch lange nicht stimmen ... - was "DIE" gesagt haben] - so oder so ... - und so ist auch im Alltag wieder viel "Glaube" gefragt: Wer's glaubt wird selig ...


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    9 Photomontagen: (C) "Krydy" - Cristina Guggeri

    Visit: facebook.com/cristina.guggeri

    Quelle der Abbildungen: theinspiration.com


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    Abort (Deutsch)

    Substantiv, m


    Worttrennung:
    Ab·ort, Plural: Ab·or·te

    Aussprache:
    IPA: [aˈbɔʁt], auch (in der Schweiz ausschließlich): [ˈabˌʔɔʁt], Plural: [aˈbɔʁtə], auch (in der Schweiz ausschließlich): [ˈabˌʔɔʁtə]

    Bedeutungen:
    eine baulich feste Räumlichkeit zur Verrichtung der Notdurft
    Herkunft:
    wahrscheinlich von niederdt.: af ort - abgelegener Ort, seit Mitte des 18. Jahrhunderts belegt

    Synonyme:
    Abtritt, Bedürfnisanstalt, Häusl, Klo, Klosett, Latrine, Lokus, Null-Null, Örtchen, Scheißhaus, Toilette, Wasserklosett, WC

    Beispiele:
    • Er suchte den Abort, fand aber nur das Bad.
    • „Der Geruch, der vom Abort in die Wirtsstube wehte, war in diesen Tagen nicht so schlimm, weil die dazugehörige Sickergrube unter der Broad Street geleert worden war.“
    • „Irgendwann bat Doublet, ihm den Abort zu zeigen.“
    • „Die beiden Alten kamen überhaupt nicht mehr aus ihrem Zimmer hervor, sie blieben unsichtbar, ja schienen sich sogar der Notdurft zu enthalten, denn niemand sah sie den Abort links neben der hinteren Eingangstür des Niebertschen Anwesens benutzen.“



    Charakteristische Wortkombinationen:
    • auf dem Abort sein, auf den Abort gehen



    Wortbildungen:
    Abortbrille, Abortbürste, Abortdeckel, Abortfenster, Abortgrube, Abortpapier, Abortschüssel, Abortspülung


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    Menschliches - Allzumenschliches - abzubilden oder entsprechend täuschend ähnlich zu montieren ist ja das Höchste (wir sehen das ja auch andern-"orts" mit dem "Stinkefinger" von Yanis Varoufakis) womit man sich als Künstler bzw. Bastler unsterblich machen kann ... - besonders dann, wenn man mit phantasievollem Röntgenblick Szenen kreiert, die eigentlich im Verborgenen liegen: Selfies auf der Toilette sozusagen ... - Und die gute Cristina Guggeri hat mit viel Einfühlungsvermögen für jede ihrer "Großen" Persönlichkeiten ein stilsicheres Rundum-Ambiente geschaffen ... - einfach "göttlich" - (zumindest im Falle seiner Heiligkeit Papst Franziskus und seiner Heiligkeit des Dalai Lama)...

    Früher - bei meinen Komplexen besonders vor vermeintlichen Autoritäten - rieten mir meine Therapeuten und Coaches oft, mir meinen Chef bei nächster Gelegenheit einfach in Unterhose vorzustellen - er käme dann zumindest ideell von seinem hohen Sockel und erreichte so in der Begegnung fast gleichberechtigte "Augenhöhe" ...
    Hier nun gibt es die Gelegenheit, die Großen dieser Welt in eben dieser Art "Augenhöhe" zu begegnen ...
    Ich wollte mich auch in diesem Foto-Genre versuchen - habe aber leider die Kamera zu spät "abgeschossen" - zu spät auf den Auslöser gedrückt - ich war schon aufgestanden, hatte mich abgeputzt und war schon "fertig": ...


    Toiletten-Selfie Selbstversuch ...



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    Spöttischer Blick auf die Warenwelt: Museumsbesucher betrachten das "Schokoladenbild" von Sigmar Polke aus den 60er Jahren. Foto: dpa




    Genie wider Willen

    Das Museum Ludwig in Köln widmet Sigmar Polke unter dem Titel "Alibis" eine Werkschau

    Von Christoph Driessen | dpa | Neue Westfälische


    Sigmar Polke - nach dpa-foto
    Eigentlich dürfte es die Sigmar-Polke-Ausstellung im Kölner Museum Ludwig gar nicht geben. Denn Polke hat sich sein ganzes Leben lang lustig gemacht über den Geniekult des Kunstbetriebs. "Höhere Wesen befahlen: rechte obere Ecke schwarz malen!" heißt sein bekanntestes Bild. Deshalb entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, wenn er nun selbst als begnadeter Ausnahmekünstler gefeiert wird.

    Die Ausstellung ist die erste Retrospektive seit Polkes Tod vor fünf Jahren. In abgewandelter Form war sie zuvor im Museum of Modern Art in New York und in der Tate Gallery in London zu sehen, den beiden wichtigsten Museen für moderne und zeitgenössische Kunst überhaupt.

    Dies zeigt schon den Stellenwert Polkes. Die Kölner Ausstellung geht über New York und London hinaus, indem sie Polke nicht nur als Maler zeigt, sondern als einen Künstler, der mit allen möglichen Medien arbeitete, vor allem auch mit Foto und Film.

    Polke hat in Köln den Großteil seines Lebens verbracht, ebenso wie sein Studienfreund Gerhard Richter. Doch während dieser geradezu schüchtern ist, war Polke eine respekteinflößende Erscheinung. Ein großer Mann, der einen Raum sofort dominierte - so schildern ihn diejenigen, die ihn erlebt haben. Richter selbst sagte: "Polke war extremer als ich. In den 1970er Jahren war Polke dann in einer ganz anderen Szene als ich und nahm auch Drogen." Damals zerbrach die Künstlerfreundschaft. Legendär sind Polkes schlechten Manieren. 

    Die englische Zeitung The Guardian verbreitete vor ein paar Jahren eine Geschichte, wonach er sich einmal, als einige stinkreiche Sammler sein Atelier besuchten, von hinten angeschlichen und einem von ihnen gegen den Mantel gepinkelt hatte. Ein anderes Mal zerriss er die Grafiken, die ein Sammler gerne kaufen wollte, vor dessen Augen. "Die magst du doch so gerne", sagte er dabei.

    Die Kölner Ausstellung zeichnet Polkes Entwicklung chronologisch nach. Ganz von selbst erschließt sich so, wie stark er jeweils auf aktuelle Entwicklungen reagierte. "Für mich ist das die größte Überraschung: dass wir hier nochmals die ganze Geschichte der BRD aufgefaltet sehen", sagt die Kuratorin Barbara Engelbach. Es beginnt mit Bildern von Oberhemden, Socken, Würsten und Schokolade. Wie die amerikanische Pop Art setzt sich Polke mit der Warenwelt der Konsumgesellschaft auseinander, aber kritischer, spöttischer als Warhol und Lichtenstein. Immer wieder erwarten den Betrachter böse Überraschungen: Zwei "Freundinnen" wirken aus der Distanz wie Illustrierten-Models, geht man näher heran, erscheinen ihre Augenhöhlen schwarz und tot. In einer abstrakten Konstruktion wird ein angeschnittenes Hakenkreuz erkennbar. Und überall zerstören Kleckse, Flecken, Druckstellen und andere Fehler die schöne Ordnung.

    Später experimentiert Polke mit Meteoritenstaub, Schneckensaft, Uran und hochgiftigem Kobaltnitrat, schafft Bilder, die sich je nach Temperatur oder Blickwinkel verändern. Man nennt ihn den "Alchemisten", den "Magier" - alles Begriffe, die er ablehnt. Am Ende malt er einfach wunderbare Bilder - riesig groß und von selten gesehener Leuchtkraft. Und er schafft ebensolche Kirchenfenster im Grossmünster von Zürich.

    Hier ergeben sich wieder Parallelen zu Gerhard Richter, der zu dieser Zeit sein Fenster für den Kölner Dom entwarf. Doch obwohl die beiden jahrzehntelang in derselben Stadt lebten, haben sie nicht mehr zusammengefunden. "Als ich in Köln wohnte, haben wir uns nie besucht, kaum jemals gesehen", erinnert sich Richter. Er bedauert das. Und freut sich nun umso mehr auf die Ausstellung.

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    Polkes witzigste Kunstwerke

    Drei der bekanntesten - und witzigsten - Werke von Sigmar Polke sind in der Kölner Ausstellung zu sehen:


    • "Höhere Wesen befahlen: rechte obere Ecke schwarz malen!": Das berühmteste aller Polke-Bilder ist einfach nur weiß grundiert mit einer schwarzen Ecke rechts oben. Was will uns der Künstler damit sagen? Dass sich seinesgleichen oft zu wichtig nimmt. Polke glaubte nicht an den Geniekult, an das hehre Meisterwerk. Darüber wollte er sich mit diesem Bild von 1968/69 lustig machen.



    • "Kartoffelhaus": Eine Hütte aus einem Holzlatten-Gitter, an dem lauter Kartoffeln befestigt sind, entstanden 1967. Die Kartoffeln müssen von den Museumskuratoren natürlich regelmäßig ausgetauscht werden. Polke fand Kartoffeln toll, weil sie von ganz allein kreativ sind: Sie keimen auf und entwickeln dann die interessantesten Formen.



    • "Der Wurstesser": Eines der frühesten Werke, datierend von 1963, zeigt eine nur angedeutete Person, die dabei ist, eine lange Kette von Frankfurter Würstchen zu verspeisen. Die Würste sieht man sofort, die Person erst auf den zweiten Blick. Es wirkt fast, als wäre die Würstchenkette lebendig - eine Art Schlange oder Kopffüßer. Außerdem bildet die Wurstkette auch wieder eine menschliche Figur ab. Das Bild gilt als ironischer Kommentar zur großen "Fress-Welle" im Deutschland des Wirtschaftswunders.


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    Info
    • Die Ausstellung "Alibis. Sigmar Polke. Retrospektive" im Kölner Mueum Ludwig ist bis zum 5. Juli zu folgenden Zeiten geöffnet: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat bis 22 Uhr.  
    • Katalog: Alibis: Sigmar Polke 1963-2010, Prestel Verlag 2015, 328 Seiten, 39,95 Euro im Museum.

    © 2015 Neue Westfälische
    03 - Bielefeld Süd, Donnerstag 19. März 2015

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    Ich habe mich im Mai letzten Jahres schon einmal mit Sigmar Polke hier im Blog beschäftigt: indem ich mich in erster Linie auf seine sieben Kirchenfenster konzentrierte, die er 2009 vollendet hat - sieben Kirchenfenster für die Zürcher Grossmünster-Kirche, die aus Achatschnitten gefertigt wurden ... 

    Dieser wohl vielseitigste und witzigste Künstler (1941 - 2010) ist nun leider seit 5 Jahren tot - und es ist halt wie immer: erst nach dem Tod konstatiert die Kunstwelt das umfangreiche und bedeutende Oeuvre und die tatsächliche Wucht, mit der ein Künstler das hinterlassen hat. Und nun zeigt somit endlich das Kölner Museum Ludwig seine Retrospektive: "Alibis", die zuvor schon im MoMA in New York und in der Tate Gallery in London zu sehen war.

    Als was geisterte und geistert dieser kreative Mann durch die einschlägigen Kunst-Gazetten: als "ironischer Alchemist" - als "ein Künstler im psychedelischen Wunderland – zwischen Sex, Drugs and Rock’n Roll, Hippie-Kultur und politischem Aktivismus" - und vieles andere mehr - aber Sigmar Polke konnte immer auch "anders" - er war eben ungeheuer vielseitig - ein Künstlerleben in echter "diversity-Vielfalt" - und mit der Rubrik "Pop-Art" allein kaum zu fassen ...


    Raster Drawing (Portrait of Lee Harvey Oswald), 1963. 

    Bei Polke erscheinen vor meinem geistigen Auge immer zuerst seine extrem großen fleckig leuchtenden in Rasterpunkte zerlegten Motive ... - und in seinen schlitzohrigen wilden Phasen erinnerte er mich immer an den ebenso vielseitigen Künstler Martin Kippenberger (1953-1997) ... - und doch wieder auch völlig anders ...

    Auf alle Fälle schielt das deutsche Publikum in erster Linie immer gern über die Grenzen auf vermeintlich echte "Kunst-Typen" - und vergisst da oft den Grundsatz: "Warum in die Ferne schweifen? - Sieh - das Gute liegt so nah ...": z.B. Gerhard Richter, Anselm Kiefer, Georg Baselitz, Martin Kippenberger und nun hier, Sigmar Polke - dazu die Szene der deutschen Meisterphotographie aus der Düsseldorfer Photoschule Bernd und Hilla Becher - wie z.B. Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte, Simone Nieweg, Thomas Ruff, Jörg Sasse und Thomas Struth (dazu ggf. jeweils die (falls vorhanden) Namen-Tags in der Cloud in der rechten Sidebar dieses Blogs anclicken ...) - das ist schon total sehenswerte und absolute Weltklasse - und doch: Was gilt schon der Prophet im eigenen Land ... - Also - für Polke - auf nach Köln ins Museum Ludwig ...


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    Näheres siehe hier und hier

    ... und hier noch ein Text - der sich plötzlich dazu in meinem Kopf einnistete: Apostelgeschichte 8,30-35 - hier ähnlich der Übersetzung in der BIBEL Hoffnung für Alle:

    Philippus lief hin und hörte, dass der Mann laut aus dem Buch Jesaja las. Er fragte den Äthiopier: »Verstehst du eigentlich, was du da liest?« »Nein«, erwiderte der Mann, »wie soll ich das denn verstehen, wenn es mir niemand erklärt!« Er bat Philippus, einzusteigen und sich neben ihn zu setzen.

    Gerade hatte er die Sätze gelesen: »Wie ein Schaf, das geschlachtet werden soll, hat man ihn abgeführt. Und wie ein Lamm, das sich nicht wehrt, wenn es geschoren wird, hat er alles widerspruchslos ertragen. Er wurde gedemütigt, nicht einmal ein gerechtes Urteil war er seinen Peinigern wert. Niemand glaubte, dass er noch eine Zukunft haben würde. Denn man hat sein Leben auf dieser Erde vernichtet.« Der Äthiopier fragte Philippus: »Von wem spricht hier der Prophet? Von sich selbst oder von einem anderen?« Da begann Philippus, ihm die rettende Botschaft von Jesus anhand dieses Prophetenwortes zu erklären...


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    Winter-WM 2022 in Katar

    Hier: Die Alternative zum Spielplan des Wahnsinns


    Eine Fußball-WM kurz vor Weihnachten, mitten im laufenden Saisonbetrieb: Das erwartet Spieler und Klubs 2022. Das Turnier in Katar könnte im Extremfall für 28 (i.W.: achtundzwanzig) englische Wochen sorgen. Ein Spielplan-Modell, das den völlig verkorksten und überdreht-kommerziellen Fifa-Wahnsinn zeigt.





    Also - ich frage mich als alter "68er" schon lange - wann der erste Fußball-Nationalverband - und wenn es auch der DFB wäre - der Fifa für Katar endlich den absoluten Stinkefinger zeigt: Wir boykottieren - wir nehmen nicht teil - und tschüß - FIFA ...



    Mein Gott - was seid ihr nur für Schlaffies - nicht Opa Blatter hat die Macht - sondern ihr - ganz allein ... - und wenn sich der Welt-Fußballverband dann spaltet: Macht nichts - Wir haben ja schon jetzt "Champions-League" neben "€uropa-League" - was dann immer durch einen Super-Cup als zusätzliche Einnahmequelle abgerundet und versüßt wird. 

    Was ist so schwierig daran - wenn wie bei den zerstrittenen Boxverbänden - auch beim Fußball konkurrierende Verbände in den Wettbewerb treten würden: statt "World Cup FIFA" vielleicht  "Other Federation International Football" also ein : "OFIF World Cup" - im Sommer 2022  - z.B. in Italien - Österreich - und der Schweiz ... - oder so ähnlich ... - Und dann das Super-Cup-Spiel um den "eigentlichen" Weltmeister ... - Mensch - lasst Euch was einfallen ...

    Und auch ihr Spieler: Ihr habt es in der Hand einfach zu erklären: In Katar starte ich nicht - Weihnachten 2022 schon gar nicht: WEHRT EUCH - Eure Freundinnen wollen euch sicherlich um Weihnachten 2022 (in nur noch ca. 7,5 Jahren) ausschließlich "zu Hause" haben: O du fröhliche ...


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    Jeder von uns hat irgendwo und irgendwie einen angeborenen, chronischen oder akuten Defekt - und wenn es nur die derzeitige Schniefnase ist - oder ein Pickel am linken Nasenflügel, Heuschnupfen, Rücken, Schulter, Kopfschmerz ...  - oder zu klein, zu dick, zu kurz, zu groß, rote/blonde Haare, Sommersprossen, falsche Augenfarbe, zu kleiner/großer Busen/Bauch, zu kurzer, dicker langer Penis ... - falsche Zähne, falsche Körperhaltung usw. ...

    Es kommt immer darauf an, was die Gesellschaft, die Ärztekammer, die Krankenkassen oder der Lebensabschnittpartner gerade als "Defekt" identifizieren und beschreiben bzw. anerkennen oder akzeptieren - und womit man durch Kuren und Heilbehandlungen, Operationen, Gegenmittel, Therapien und/oder Prämien, am besten und leichtesten und einfachsten seine Knete verdienen kann ... 

    So werden viele "Krankheiten" und Anomalien einfach mal "erfunden"- heute hüh - morgen hott - in dem man willkürlich irgendwelche Normen lukrativ für die Arzt- und Pharma-Industrie festsetzt ... - und dabei ist alles - gerade auch im Hinblick auf die antike Medizin-Forschung - auch einer gewissen "Mode" - einem Zeitgeist - unterworfen ...


    Nun - BILD ist ja nicht immer mein bevorzugter Info-Geber - aber wenn es um gut und knapp gemachte Infos geht, die schnell verstanden werden können - ist der Stil von BILD wohl unschlagbar ...

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    Für Kinder mit „Trisomie 21“ gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Davon profitiert auch diese Schülerin, die von einer Schulassistentin unterstützt wird ... - nach einem Foto von DPA





    Und jeder hat von diesem heute so bezeichneten genetischen "Defekt" gehört: Down-Syndrom oder Trisomie 21. Er stört die geistige Entwicklung von Kindern, die anstatt der üblichen 23 Chromosomen-Paare in ihren Zellen ein zusätzliches Chromosom haben. Das macht Eltern Angst, aber ist diese berechtigt?

    Irma ist jetzt ein Jahr alt. Als ihre Mutter Susanne Schulz wenige Tage nach der Geburt den Begriff „Down-Syndrom“ googelte, gab es wegen des bevorstehenden Welt-Down-Syndrom-Tages besonders viele aktuelle Einträge. Geholfen bei der Bewältigung der Diagnose hat ihr die Recherche nicht.

    „Man kann sich auch totgoogeln“, sagt sie und hält ihre kleine dunkeläugige Tochter fest im Arm. Irma ist ein bisschen müde. Ihren Kopf halten kann sie noch nicht so gut, sich drehen auch nicht. Dass das kleine Mädchen das Chromosom 21 drei- statt zweimal besitzt und damit das Down-Syndrom hat, wussten ihre Eltern vor der Geburt nicht.

    Neun von zehn betroffenen Frauen lassen abtreiben

    Susanne Schulz gehörte nicht in die Risikogruppe der Spätgebärenden ab 35. Und auch nicht jede ältere Schwangere lässt ein sogenanntes Erst-Trimester-Screening oder eine Fruchtwasseruntersuchung vornehmen. Steht die Diagnose „Trisomie 21“ aber im Raum, lassen neun von zehn Frauen das Kind abtreiben.

    „Es gibt unglaublich viel Angst vor Chromosomen-Anomalien“, sagt die Humangenetikerin Elisabeth Gödde. „Das Risiko wird völlig überschätzt.“ Nur bis zu vier Prozent aller Babys hätten überhaupt irgendeine Anomalie – und genetisch bedingt sei davon nur ein Bruchteil.

    „Das Down-Syndrom ist der Prototyp für die Katastrophe“, sagt Gödde, Leitende Ärztin an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln. „Bei aller Aufgeklärtheit: Es ist eine völlig verkehrte Welt.“ Das Risiko, ein Kind mit Trisomie 21 zu bekommen, stehe in keinem Verhältnis zu den diesbezüglichen Ängsten werdender Eltern.
    Bis zu 50 000 Menschen mit Down-Syndrom leben derzeit in Deutschland.

    Gute Möglichkeiten und viele Angebote

    „Im Vergleich zu früher leben wir auf einer Insel der Glückseligkeit“, sagt Bernd Breidohr, der vor 15 Jahren den ersten Karlsruher Arbeitskreis Down-Syndrom gründete. Der 68-Jährige ist Vater eines inzwischen 41 Jahre alten Sohnes mit Trisomie 21. René kann lesen und schreiben, er arbeitet in einem Lebensmittelladen, hat eine Freundin.
    Niemals hätte er seinen Sohn hergeben wollen, sagt Breidohr. Aber die Zeit nach der Geburt sei schwierig gewesen. „Wir hatten keinen Ansprechpartner, keine Hilfestellung, nichts.“ Heute sei das anders. „Wer sein Down-Kind fördern will, der findet viele Angebote.“

    Die einjährige Irma etwa geht zur Logopädie, zur Physiotherapie und hat die Zusage für einen Inklusions-Kita-Platz.

    Die immer ausgefeiltere pränatale Diagnostik sehen manche Experten mit Argwohn.
    „Ohne es moralisch bewerten zu wollen: Es ist jedenfalls nicht im Sinne des Kindes. Leben will leben“, sagt der Kinderarzt Matthias Gelb, selbst Vater eines 25 Jahre alten Sohnes mit Down-Syndrom und Leiter der Sprechstunde Down-Syndrom am Olgahospital Stuttgart. Die Eltern stürzt das Warten auf ein Ergebnis oft in leidvolle Ungewissheit, nach einem Abbruch drohen lang währende Schuldgefühle.

    Risiken bei Bluttests vor der Schwangerschaft

    Ganz neue Risiken sehen Experten bei den seit einiger Zeit erhältlichen nicht-invasiven pränataldiagnostischen Bluttests (NIPT). Eine mütterliche Blutprobe kann damit auf bestimmte Erbgutfehler des Fötus untersucht werden.

    Erlaubt ist die Suche nach den Trisomien 21, 18 und 13, Klinefelter- und Turner-Syndrom sowie Triple-X- und XYY-Syndrom – möglich wären aber auch weiter reichende Untersuchungen. Kritiker befürchten, dass damit immer mehr Menschen nach ganz speziellen Erbgut-Eigenheiten des Embryos suchen. Klare Regeln seien nötig, um z.B. eine Auswahl nach Kopfform oder Größe zu verhindern.

    Eine Trisomie hat in Deutschland nach wie vor jedes 600. bis 700. Kind: Es gibt wegen der zunehmend genutzten Früherkennungsmethoden zwar mehr Abbrüche, aber auch immer mehr ältere Mütter mit höherem Risiko für eine Erbgutstörung des Embryos. Genaue Statistiken etwa zu den Befunden bei medizinisch indizierten Abtreibungen gebe es in Deutschland nicht, sagt Gödde.

    Susanne Schulz will sich auch bei einer zweiten Schwangerschaft nicht testen lassen. Zwölf Monate Leben mit Irma und dem Down-Syndrom liegen hinter ihr. Eine schwere Herz-Operation hat die Kleine gut überstanden, ebenso einen Herzstillstand und die anschließende Reanimation.

    Die 32-Jährige freut sich über ihr Kind und zeigt stolz ein kleines Handy-Video mit einer laut lachenden Irma auf dem Wickeltisch. „Einfach alles auf sich zukommen lassen“, sagt Schulz. Angst macht ihr vor allem ein Gedanke: „Dass Irma irgendwann mal ausgelacht wird.“




    Dieses Video 
    verbreitet sich anlässlich des heutigen Welt-Down-Syndrom-Tages (21. März) rasant durchs Netz.

    Unter dem Hashtag #dearFutureMom wurde es in den vergangenen Tagen mehr als 1,6 Millionen Mal angeklickt. Die Botschaft des Videos: Ein Leben mit Down-Syndrom ist lebenswert und Frauen, die ein Kind mit diesem Gendefekt erwarten, brauchen keine Angst davor zu haben.

    Das Video beginnt mit der Einblendung einiger Sätze, die aus der E-Mail einer schwangeren Frau an die italienische Down-Syndrom-Vereinigung „Coordown“ stammen. Sie schrieb: „Ich erwarte ein Kind. Es wurde entdeckt, dass es das Down-Syndrom hat. Ich habe Angst. Was für ein Leben wird mein Kind haben?“

    Statt einer Rückantwort per Mail hat „Coordown“ ein Video erstellt, in dem Kinder und Jugendliche mit Trisomie 21 berichten, was alles möglich ist – trotz des Gendefektes.

    Liebe zukünftige Mama, dein Kind kann glücklich sein, so wie wir

    „Liebe zukünftige Mama, du musst keine Angst haben. Dein Kind wird eine Menge Dinge tun können. Es wird dich umarmen und lieben können, es wird laufen, sogar rennen und sprechen können. Es wird wie jedes andere Kind in die Schule gehen können, es kann schreiben lernen und dir einen Brief schreiben.
    Irgendwann wird es weg sein – weil es reisen können wird. Es kann seinem Vater bei der Fahrrad-Reparatur helfen, arbeiten und sein eigenes Geld verdienen, eine eigene Wohnung haben, allein leben und Freunde einladen.
    Manchmal wird es schwierig, sehr schwierig, sogar fast unmöglich, aber ist das nicht für jede Mutter so?

    Liebe zukünftige Mama, dein Kind kann glücklich sein, so wie wir. Und auch du wirst glücklich sein.“


    Bei Menschen mit Down-Syndrom ist das Chromosom 21 dreifach statt zweifach vorhanden. Charakteristisch dafür sind körperliche Auffälligkeiten und eine verminderte Intelligenz. Typische organische Probleme sind Herzfehler, Anfälligkeit für Infekte und Schwerhörigkeit.

    Wissenschaftlich beschrieben hat die Besonderheiten von Menschen mit Trisomie 21 erstmals der englische Neurologe John Langdon-Down (1828-1896) im Jahr 1866. Nach Angaben des Arbeitskreises Down-Syndrom kommt auf 700 Geburten etwa ein Kind mit Down-Syndrom.

    Ob die Wahrscheinlichkeit einer Trisomie 21 besteht, lässt sich während der Schwangerschaft durch eine Nackenfalten-Messung während des Ultraschalls, eine Blut- oder Fruchtwasseruntersuchung erkennen. Eine Abtreibung ist dann gesetzlich möglich.

    Kritiker sehen in den Tests allerdings eine Diskriminierung von Menschen mit Behinderung. Sie verstoßen „gegen das in der Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen normierte Recht auf Leben und muss bundeseinheitlich verboten werden“, sagt Gerd Weimer, Behindertenbeauftragter von Baden-Württemberg.

    nach Texten aus BILD.de und hier



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    Der oder das "gefakte Fake" - das ist die Situation - erinnern Sie sich ? - als der ZDF-Neon-Royale Jan Böhmermann satirisch behauptete, den Stinkefinger von Yanis Varoufakis in das von Jauch gezeigte Video implementiert zu haben ... - damit entstand dann - auch in alter griechischer Tradition - so etwas wie ein Lügen-Paradoxon, das von nun an nicht mehr auflösbar ist: "Was war zuerst - Huhn oder Ei ..." - kein Finger oder doch nen Finger ... - gegen Deutschland oder gegen wen oder was - aktiv oder passiv (... "Die spinnen - die Römer ...") oder doch nicht ...

    Und darum könnte Yanis Varoufakis als Grieche auch behaupten: Alle Griechen lügen ... - tja - und jetzt haben wir erneut diesen ganzen unentscheidbaren Salat im Kopf - unendliches Hin und Her ...


    Ein Lügner-Paradox ist in der Philosophie bzw. Logik ein Paradoxon, das entsteht, wenn ein Satz seine eigene Falschheit (bzw. Unwahrheit) behauptet. Wenn der Satz wahr ist, so folgt durch seine Selbstreferenz, dass er falsch ist, und umgekehrt. - Wenn der Varoufakis - als Grieche - sagen würde: Alle Griechen lügen - dann lügt er (vielleicht) gerade auch - denn es gibt aber vielleicht auch Griechen, die nicht immerzu lügen ... - oder so ... - vielleicht lügen aber tatsächlich alle - nur er im Moment mal nicht ...(...dabei fällt mir gerade ein: Der Varoufakis hat auch den Australischen Pass ...) - also Schäuble - an dieser Aussage knobeln Sie in einer SUDOKU-Pause mal dran herum ... - Stinkefinger hin oder her ... - S!|caricatur nach einem AFP-Foto



    „Wenn ich lügend sage, dass ich lüge, lüge ich oder sage ich Wahres?“
    „Du sagst Wahres.“
    „Wenn ich Wahres sage und sage, dass ich lüge, lüge ich.“
    „Du lügst offenbar.“






    Κρῆτες ἀεὶ ψεῦσται.
    Κρῆτες ἀεὶ ψεῦσται, κακὰ θηρία, γαστέρες ἀργοί·
    Krētes aei pseustai, kaka theria, gasteres argoi;
    „Die Kreter sind immer Lügner, böse Tiere und faule Bäuche;“

    Der Apostel Paulus zitiert mit diesem Vers in seinem Brief an Titus das Paradoxon des Epimenides, eine der ersten Formulierungen des Lügner-Paradoxons:

    „Es hat einer von ihnen gesagt, ihr eigener Prophet.
    "Die Kreter sind immer Lügner, böse Tiere und faule Bäuche"
    Dies Zeugnis ist wahr.“ 

    Paulus zitiert den Satz des Epimenides, der selbst ein Kreter war, als wahres Sprichwort. Aber in der Natur eines Paradoxons liegt es, dass es nicht auflösbar ist. Wenn Epimenides behauptet, alle Kreter seien Lügner, dann lügt er – da Kreter – entweder selber, oder er sagt die Wahrheit, und dann sind wieder alle Kreter Lügner.

    Der Satz Κρῆτες ἀεὶ ψεῦσται (Die Kreter sind immer Lügner) wurde sprichwörtlich; er begegnet z. B. auch im Zeus-Hymnus des Kallimachos (v. 8), wo als Beweis angeführt ist, dass die Kreter sogar ein Grab des Zeus erfunden (wörtlich: „ausgeheckt“) hätten, obwohl dieser doch unsterblich sei.

    Sechs Jahrhunderte später griff Paulus diesen Gedanken auf und mit dem Aufkommen des Christentums gerieten die logischen Methoden der griechischen Philosophie weitgehend in Vergessenheit. Der Paulus-Schüler Titus soll als Missionar auf Kreta gewirkt haben und war der Überlieferung nach der erste Bischof der kretischen Stadt Gortyn. Auf Kreta gab es eine starke jüdische Gemeinde, die neubekehrte Christen oft verwirrte. In diesem Zusammenhang zitiert Paulus das bekannte Paradoxon.
    • Ein Lügner-Paradox ist in der Philosophie bzw. Logik ein Paradoxon, das entsteht, wenn ein Satz seine eigene Falschheit (bzw. Unwahrheit) behauptet. Wenn der Satz wahr ist, so folgt durch seine Selbstreferenz, dass er falsch ist, und umgekehrt.

    Paradoxon des Epimenides

    Das Paradoxon des Epimenides ist die erste bekannte Vorform des Lügner-Paradoxons und lautet in der populären Version: „Epimenides der Kreter sagte: Alle Kreter sind Lügner.“

    Der Hexameter aus einer nicht erhaltenen Dichtung wird seit Clemens von Alexandria (150–215 n. Chr.) dem Epimenides von Kreta (5., 6. oder 7. Jh. v. Chr.) zugeschrieben.

    Das Kreter-Paradoxon wurde 1908 von Bertrand Russell an erster Stelle in die Reihe der mathematisch-logischen Paradoxien eingereiht und ist seither Gegenstand der modernen philosophischen und mathematischen Logik. Er brachte es in die oben zitierte populäre Kurzform.

    Beim Epimenides-Ausspruch handelt sich nicht um eine Paradoxie im Sinn einer Antinomie, denn es lässt sich kein logischer Widerspruch ableiten. Es gibt vielmehr verschiedene konsistente Lösungen, je nachdem, wie man den Begriff „Lügner“ präzisiert:

    Schwache Lesart: Ein Lügner ist jemand, der manchmal lügt. Hier ergibt sich keine Antinomie, gleichgültig ob die Aussage des Epimenides wahr oder falsch ist. Entweder ist die Aussage des Epidemides wahr (so Paulus in Tit 1,13), weil alle Kreter manchmal lügen, auch Epimenides, der in diesem Fall aber nicht gelogen hat, oder sie ist falsch, weil es andere Kreter gibt, die nie lügen.

    Starke Lesart nach Russell: Lügner sagen nie etwas Wahres, sondern lügen immer. Auch hier ist keine Antinomie ableitbar. Denn angenommen, die Aussage des Epimenides ist wahr, so folgt, dass alle Kreter immer lügen, also auch Epimenides. Das widerspricht der Annahme, die damit als widerlegt gelten kann: Also ist die Aussage des Epimenides falsch und es gibt Kreter, die nicht immer lügen. Ob Epimenides zu diesen gehört oder zu den notorischen Lügnern, ist offen. Sicher ist nur, dass er in diesem Fall gelogen hat.

    Der Epimenides-Ausspruch ergibt aber in der Verschärfung durch Bertrand Russell zu „Ein Mann sagt: Ich lüge gerade“ das echte Lügner-Paradoxon, da sich die Behauptung nur auf die momentane Äußerung bezieht.

    Im Alten Testament findet sich im Buch der Psalmen 116,11 EU eine allgemeinere Form:
    „Ich sprach in meiner Bestürzung: Alle Menschen sind Lügner!“

    Quellen: hier und hier und hier


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    S!NEDi: confetti-buddha-face


    meditatives sehen
    beginnt ganz tief innen - 
    hinter der pupille

    sinedi

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    punktum
      Teufel - Hölle - da lachen doch die Hühner ... - Und doch schiebt sich ein Ausläufer der "Hölle" stinkend und dampfend seit fast 100 Jahren an die Oberfläche ... Und fast alle schauen weg ... - Bis 2022 will man die Brände in Jharia/Indien erstickt haben - genau dann wenn in Katar zu Weihnachten die Fußball-WM stattfinden soll ... - mal sehen - wo es dann dampft ...

    Ja - bei unserer alten Mutter Erde - unserer Gaia - knistert es im Gebälk - weil wir sie gnadenlos ausbeuten - und undankbar sind - und weil uns die Demut fehlt - weil wir verlernt haben, uns mit ihr zu arrangieren ...  
    S!NEDi: Tor zur Hölle




    Unterirdische Feuer
    Die Hölle auf Erden - das Höllenloch von Jharia

    Seit fast hundert Jahren brennt im indischen Jharia ein Feuer unter der Erde; langsam frisst es sich durch den Boden - eine ökologische Katastrophe. Reisejournalist Johnny Haglund dokumentiert das Leben der Menschen am Höllenschlund.

    Wie genau das Feuer entstand, wissen sie im indischen Jharia nicht mehr. Am wahrscheinlichsten ist, dass die Kohleminen nicht richtig verschlossen wurden, damals, 1916. Seither brennt in der Stadt im Westen Indiens das Feuer. Verschluckte Hunderte Gebäude, verkohlte die Erde, vertrieb Menschen aus ihren Häusern, fraß sich mit der Zeit durch 41 Millionen Tonnen Kohle.

    In vielen Ländern brennt es unterirdisch, vor allem Indien, China, Indonesien, Südafrika und die USA sind betroffen. Meist haben sich Kohleflöze entzündet. Die Brände lassen sich nur sehr schwer löschen.

    In Jharia brennen mittlerweile 70 Feuer, die Gegend sieht aus, wie der brennende Eingang zur Unterwelt, wie das fiktive Schattenreich Mordor aus "Der Herr der Ringe". Die Menschen in Jharia haben gelernt, mit den Flammen zu leben - auch wenn sie schädlich sind.

    Der norwegische Reisejournalist Johnny Haglund hat bei den Menschen gelebt. In seinem Film "The Earth is on Fire" dokumentiert er das Leben mit dem Inferno vor der Haustür. "Ich habe mich oft gefühlt, als würde mein Gesicht brennen", sagte Haglund dem US-Magazin "Wired".

    Die Menschen in Jharia leben im giftigen Rauch der Feuer, der pausenlos aus Erdspalten steigt. Flammen haben Löcher in die verkokelte Erde gerissen. Die Gase verursachen Hautprobleme, wirken sich auf die Lunge aus, produzieren giftiges Kohlenmonoxid. "Am Ende jedes Tages hatte sich eine Schicht Kohle auf meine Kleidung und meine Haut gelegt", sagt Haglund. An manchen Tagen sei es so heiß gewesen, dass seine Schuhsohlen schmolzen.

    Umso mehr bedrückte es ihn zu sehen, wie Menschen, die wesentlich schlechter ausgestattet waren als er, mit dem Feuer kämpfen. Viele seien arm und versuchten, Kohle aus den alten Minen zu holen, um sie zu verkaufen oder zum Kochen oder Heizen zu gebrauchen. Viele dieser Menschen verletzten sich dabei, sagt Haglund. Manche fielen in die glühenden Erdspalten.

    "Ich habe junge Kinder gesehen, sechs oder sieben Jahre alt, die barfuß Kohle schleppten und diese Luft einatmeten", sagt Haglund in "Wired". Es sei schrecklich gewesen.




    Menschen, die an geruchlosen Kohlenmonoxid-Schwaden im Schlaf ersticken, Kinder, die in Erdspalten verschwinden, der heiße Boden - Haglunds Erlebnisse decken sich mit denen von Experten. Kohlefeuer gelten mittlerweile als weltweite ökologische Katastrophe. Händeringend wird nach Lösungen gesucht.

    In Jharia arbeiten auch deutsche Ingenieure daran, das Flammenmeer zu löschen. Bis 2022 wollen sie die Brände in Jharia erstickt haben. Doch selbst, wenn das gelingen sollte: Die Kohle ist für die Menschen lebenswichtig. In Indien graben daher viele Leute auf eigene Faust nach Kohle. Doch der sogenannte Wühlbergbau ist genau das Problem.

    Wird die Erde aufgebrochen, dringt Luft ein. Bei dem Kontakt von Kohle und Sauerstoff finden chemische Reaktionen statt, Wärme wird freigesetzt. Bei mehr als 80 Grad bricht Feuer aus. Regelmäßig brechen in Indien neue Feuer aus.

    Die Regierungen versuchen, die Betroffenen umzusiedeln. Doch das klappt selten, laut Haglund sind es vor allem bürokratische Hürden, die einen Umzug erschweren. Außerdem fehlt das Geld. "Die Leute fühlen sich machtlos." Machtlos gegenüber den Flammen.

    gam 

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    nachgespürt

    Nackt in Hitlers Badewanne
    Die ungeheuerliche Bildikone von Lee Miller 
    bzw. David E. Scherman

    Am Tag, als Hitler sich umbrachte, posierte Miller in seiner Badewanne - nachdem sie zuvor die Leichenberge in Dachau fotografierte - Foto David E. Scherman ...




    Es ist ein banales Bild. Eine Frau sitzt in einer Badewanne. Es ist ein ungeheuerliches Bild: Ein berühmtes US-amerikanisches Fashion-Model, die Kate Moss ihrer Tage, sitzt in Hitlers Münchner Badewanne. Mitten im Krieg, an dem Tag, an dem Hitler sich umbrachte, am 30. April 1945. Die junge Frau wäscht sich in koketter Pose den Nacken, neben der Wanne steht ein Hitler-Foto, davor die neoklassizistische Figur einer nackten Idealfrau. Alles ist perfekt inszeniert, alles ist total verwirrend – Glamour, Schock und Mythos fallen hier zusammen.

    Wie konnte so ein Foto entstehen? Warum fühlen wir uns von ihm noch heute provoziert? Und wer, bitte, ist diese Frau?

    Sie hieß Elizabeth, genannt »Lee«, Miller, und ihre 1977 in Alkoholismus und Depression zu Ende gegangene Lebensgeschichte liest sich wie das Drehbuch zu einem echt guten Hollywood-Biopic. Es geht um Kindesmissbrauch, Mode, Kunst, Sex, Feminismus, Exotik, Krieg, Drogen und einen ungeliebten Sohn, der die kranke Mutter schließlich rehabilitiert.

    Die Welten von Populärkultur und Avantgarde waren bei Lee Miller aber nie zu trennen, sie vereinte beides wie keine andere. Sie war nicht nur eines der schönsten Gesichter ihrer Zeit und eine hemmungslose Lebefrau, sondern auch durchtriebene Surrealistin und wagemutige Berufsfotografin. Im »Badewannen«-Bild laufen alle diese Leben zu einem fulminanten ikonischen Bildwerk zusammen.

    Nicht umsonst hängte es documenta-13-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev in das »Brain« ihrer Großschau, wie sie die kleine zentrale Ausstellung in der Rotunde im Fridericianum nannte. Sie sah in dem Foto einen »mythischen« Moment, in dem Lee Miller stellvertretend versucht, die Menschheit von ihren Sünden reinzuwaschen. 
    Lee Miller: Dachau
    Lee Miller: Dachau

    An ihr haftet schließlich noch der Staub des gerade befreiten KZs Dachau, durch das sie nur wenige Stunden zuvor als eine der ersten Fotografen gegangen war. Eine sehr poetische Interpretation. Man könnte auch an schieres Besatzergehabe denken, an eine klassische Triumphgeste, wie man sie kennt vom Sturz von Diktatoren, zuletzt etwa in der Ukraine.


    David E. Scherman in der Wanne - 
    Foto: Lee Miller
    Auf dem Foto links - jetzt von Lee Miller - sitzt einfach ein Mann, der Fotokumpel Scherman, lächelnd in einer Badewanne. Doch wenn Lee Miller in der gleichen Badewanne posiert (siehe oben), wird es »sophisticated«. Dann kommt noch die Ebene ihres eigenen Ruhms hinzu, die sie minutiös und konträr zum Gegenschuss mit Scherman inszenierte: Plötzlich geht es um das Hitler-Porträt (Susanna im Bade?), die Statue (das missbrauchte weibliche Schönheitsideal?) und die Richtung, in die die Spitzen ihrer Stiefel zeigen. Nämlich zur Wanne hin. Sie ist angekommen. Bei Scherman deuten sie von der Wanne weg, er wird bald aufbrechen. Miller muss sich dieser Gender-Codes bewusst gewesen sein, sie wurde künstlerisch bei den Pariser Surrealisten sozialisiert. Drei Jahre lang war sie Schülerin und Geliebte von Man Ray, dem Foto-Genie des surrealen Zirkels.

    Damals war sie Anfang 20 – und hatte schon eine eigene Karriere und mehrere Schicksalsschläge hinter sich.


    Kriegsberichter-Presse-Ausweis von Lee Miller


    Text aus: art - das kunstmagazin - 4/2015 - ab S. 34 | Text: Almuth Spiegler

    (C) siehe auch hier

     Tja - diese - ich nenn es denn mal "Kaltschnäuzigkeit" - die man bei solche einem extremen Motiv-Abbildungsprogramm wohl in sich tragen muss, wenn man an einem Tag zunächst das KZ Dachau mit den Leichenbergen als erste Fotoreporterin besucht - um dann in die Privatgemächer des "Führers" weiterzufahren - um dort mit dem Fotografen-Kumpel David E. Scherman "Wasserspiele" zu inszenieren in der dortigen Badewanne ...: Man kann die so zustandegekommenen Fotoikonen dann deuten als ein notwendiges "Reinwaschen" vom Anblick und der Psycho-Belastung durch die Leichenberge - oder als einen dringend benötigten ebenso extremen emotionalen "künstlerischen" Tagesausgleich - oder eben - wie oben angedeutet - als Besatzer-/Sieger-Pose und Inbesitznahme mit fast militärischer Option und extra kalkulierter und propagandistisch ausgeklügelt in Szene gesetzter Show ... - die gut an Agenturen vermarktet sicherlich ne Menge Kohle bringen kann ... - aber tatsächlich einfühlsame Sensibilität für das, was da tatsächlich zu Tage trat, muss man als solche Art Kriegsberichterstatter wohl in jedem Falle wegstecken können - und je nach Marktlage und Bedarf in jedem Fall einfach "draufhalten" - oder so ???...  


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    |ausstellungs-empfehlung


    Arnulf Rainer.Malerei, Arbeiten auf Papier

    15. Februar  - 26. April 2015
    Kunstmuseum Ahlen


    Arnulf Rainer ist einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart.


    Arnulf Rainer: Ohne Titel, 2009, Leimfarbe auf Leinwand auf Holz,
    82 x 59 cm © Atelier Arnulf Rainer. Foto: Robert Zahornicky © VG Bild-Kunst, Bonn 2015



    Aus Anlass seines 85. Geburtstages präsentiert das Kunstmuseum Ahlen eine retrospektiv angelegte Ausstellung mit ausgesuchten Arbeiten aus allen Werkphasen.

    In enger Zusammenarbeit mit der Familie des Künstlers sowie in Kooperation mit dem Arnulf Rainer Museum in Baden bei Wien sind insgesamt rund 100 Exponate ausgewählt worden, die bislang in Deutschland noch nicht öffentlich gezeigt worden sind.

    Die Ausstellung wirft einen ungewöhnlichen Blick auf das Œuvre des österreichischen Ausnahme-Künstlers und schließt auch die sensiblen Facetten des eher als harsch empfundenen Werkes mit ein.

    Arnulf Rainer: GRABES FURCHT,
    1973, Tusche, Ölkreide, Öl auf Fotografie,
    61 x 47,5 cm © Atelier Arnulf Rainer.
    Foto: Robert Zahornicky © VG Bild-Kunst, Bonn 2015
    Frühe Zeichnungen der unmittelbaren Nachkriegszeit bilden den Auftakt der Ausstellung und zeugen von der anfänglichen Auseinandersetzung Arnulf Rainers mit dem Surrealismus. In den ersten tachistischen, stark reduzierten Zeichnungen aus den 1950er Jahren wird das Streben nach einer radikalen Bildauffassung bereits spürbar. Zu dieser Zeit pflegte Rainer enge Verbindungen mit den Künstlern der Düsseldorfer ZERO-Gruppe, deren künstlerischen Errungenschaften sich das Kunstmuseum Ahlen seit seinem Beginn mit Ausstellungen und Ankäufen widmet. So werden in Ahlen erstmals auch die grenzüberschreitenden Verbindungen der Gruppe bis nach Österreich deutlich.

    Die Ausstellung untersucht wesentlich die damals von Rainer entwickelte Strategie des Übermalens in ihren wechselnden Ausprägungen von den Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart.

    Der Überblick umfasst zudem neben den fotografischen Selbsterkundungen der 1970er Jahre auch Arbeiten aus dem kaum bekannten „Hiroshimazyklus“ (1982), eines der wenigen Beispiele für die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Atomkrieg überhaupt, und reicht bis zu den späteren Überarbeitungen berühmter Gemälde der Kunstgeschichte von Rembrandt, van Gogh u.a. Mit den „Teneriffa Kreuzen“ (2009) wird zudem die Relevanz des Kreuzmotives im Werk von Arnulf Rainer bis heute offenbar sowie sein noch immer erstaunlich kraftvoller Duktus.


    Arnulf Rainer: Ohne Titel, 1957, Ölkreide,
    Tusche auf Papier, 50 x 70 cm.
     © Atelier Arnulf Rainer.
    Foto: Robert Zahornicky
    © VG Bild-Kunst, Bonn 2015
    Arnulf Rainer ist für sein Schaffen mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Sein Werk wurde u.a. im Guggenheim Museum New York, im Stedelijk Museum in Amsterdam, in der Tate Modern in London oder im Centre Pompidou in Paris gezeigt, auf der documenta in Kassel, in den Pinakotheken in München und in der Albertina Wien.

    Es erscheint ein Katalogbuch zum Preis von € 29.-  mit zahlreichen Abbildungen und Texten von Burkhard Leismann, Andreas Dombret, Martina Padberg, Sandra del Pilar, Stefan Skowron und Susanne Buckesfeld.




    Kunstmuseum Ahlen
    Öffnungszeiten
    Di-Fr 14-18 Uhr
    Sa, So und Feiertage 11-18 Uhr
    Mo geschlossen
    Weitere Zeiten nach Vereinbarung

    Quelle: hier

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    siehe auch hier
    und hier

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    Ein starkes Stück zwischen Schuld & Sühne
    und dem unendlichen Schicksalsrad von Opfer & Tätern

    Haben Sie gestern auch den ZDF-Montagskrimi gesehen mit dem Titel "Die kalte Wahrheit" ?

    Basis dieser Geschichte ist das Bedürfnis der Menschen, in jedem tragischen Ereignis nach einem tieferen Sinn zu suchen, um es auf eine eigenartige individuelle Weise besser verarbeiten zu können - aber auch um die eigene belastende Verantwortung so zu streuen, dass es leichter wird, sie zu ertragen - um dieses quietschend sich drehende Karussell mit ständig wechselnden Opfer- und Täterrollen an anzuschieben und am Laufen zu halten - um den dabei entfleuchten "Flaschengeist" wieder in die Flasche zurück zu bekommen, damit sie dann zugekorkt und versiegelt werden kann ... 

    Die Tatsache, dass sie juristisch gesehen nicht schuldig ist, befreit die immer weitersuchende Ärztin Helen nicht von ihren Schuldgefühlen. Ihre Rekonstruktion der letzten Stunden des von ihr überfahrenen jungen Mannes sind also auch eine Form von Sühne.


    Und zum Abschluss der Trauerfeier, die Helen durch einen Türspalt verfolgt, erklingt das bei solchen Anlässen beliebte „Stairway to Heaven“ von Led Zeppelin. Die Film-Komponistin Susan DiBona hat diese Grundmelodie von nun an immer wieder kaum hörbar und in vielen Varianten und Improvisierungen in ihre sanfte und sparsam eingesetzte Filmmusik integriert: So ist „Die kalte Wahrheit“ mal ein musikalisch-psychologisches Gesamtkunstwerk, das so oft im deutschen TV nicht zu sehen ist ...

    Und zur Erinnerung hier noch mal der Ohrwurm von Led Zeppelin, mit S!-Bildmaterial unterlegt:

      
    hier clicken

    STAIRWAY TO HEAVEN
    LED ZEPPELIN 

    SONGTEXT ÜBERSETZUNG

    Es gibt eine Dame, die sich sicher ist, dass alles Gold ist, was glänzt.
    Und so kauft sie eine Treppe zum Himmel.
    Sie weiß, wenn sie dort ankommt, kann sie mit einem Wink alles 
    bekommen, was sie möchte, auch wenn alle Läden geschlossen sind.
    Und sie kauft eine Treppe in den Himmel.

    Das ist ein Zeichen an der Wand , 
    Doch sie will sich sicher sein, 
    Denn ihr wisst, manchmal sind Worte doppeldeutig.
    In einem Baum am Bach zwitschert ein Singvogel,
    Manchmal sind all unsere Gedanken böse Ahnungen.

    Oh, das gibt mir zu denken...

    Wenn ich nach Westen schaue, bekomme ich so ein Gefühl,
    Und meine Seele schreit: hau ab
    In meiner Vorstellung sah ich zwischen den Bäumen Rauchschwaden
    Und hörte die Stimmen all der Gaffer

    Oh, das gibt mir zu denken...

    Und es wird gemunkelt, dass bald, wenn wir alle einig sind
    Wird uns ein Rattenfänger zur Vernunft führen
    Und ein neuer Tag wird für jene anbrechen, die ausharrten
    Und im Wald wird Gelächter widerhallen

    Wenn es dann raschelt in deinen Hecken, mach' dir keine Sorgen
    Das ist nur der Frühjahrsputz für die Maikönigin
    Ja, es gibt zwei Wege, die du beschreiten kannst
    Aber schließlich bleibt immer die Zeit, den Gehweg zu wechseln

    Und das gibt mir zu denken

    Dein Schädel brummt und das wird nicht aufhören
    Falls du nicht weiter weißt: 
    Ruft dich der Rattenfänger auf, sich ihm anzuschließen
    Liebe Dame, hörst du den Wind rauschen?
    Und wusstest du, dass deine Himmelsleiter
    Am flüsternden Wind lehnt

    Und so wie wir den Weg herabschlängeln 
    Unsere Schatten größer als unsere Seele
    Geht da eine Dame, die wir alle kennen 
    Die in weißem Licht erstrahlt und uns zeigen will 
    Wie man alle zu Gold macht
    Und wenn du ganz genau hinhörst 
    Wird das Lied auch dich erreichen 
    Wenn alle Eins sind und einer Alle ist
    Um ein Felsen zu sein, der sich nicht mehr bewegt

    Und sie kauft eine Treppe in den Himmel



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    Mit dem Übergang vom vormodernen
    zu einem modernen
    Gottesbild verbindet sich der
    Abschied von einem Glaubensmodell,
    das der Welt eine himmlische
    Parallelwelt
    überordnet.

    (Hubertus Halbfas)






    Nur, wenn man das Geglaubte
    denken kann, kann man diesen
    Glauben auch leben.

    (Klaus-Peter Jörns)


    ==============================











    Die Beziehung zu Jesus als Gottes-beziehung 

    Dass es Erfahrungen gibt, die Menschen von (einem) Gott herleiten, hat damit zu tun, dass wir das uns umgebende Leben als etwas empfinden, das größer ist als wir, ja, das unfassbar ist. Unfassbar ist das wirkliche Leben in seiner Vielfalt und Vielschichtigkeit, weil wir es trotz allen Wissens und Verstehens niemals von außen betrachten können. Denn wir sind und bleiben vom Geborenwerden bis zum Sterben selbst Teil des Lebens. Das Reden von „Gott“ ist, so besehen, ein vernünftiger Versuch auszudrücken, dass alles mit allem zusammenhängt - durch den Geist, der alles in Beziehung hält.

    Wer das Leben mit Gott in Verbindung bringt, vertraut darauf, dass sich das eigene und alles andere Leben zusammen mit der Erde und dem Weltall weiter entwickeln werden, obwohl alle Lebensgestalten sterblich sind. Denn jede Pflanze, jedes Tier und jeder Mensch gestalten, indem sie sich entfalten, das Leben als Ganzes in der fortdauernden Schöpfung (creatio continua) mit. Alle Begegnungen und Entdeckungen, aber auch alle Abschiede und Verluste und vor allem das wachsende Bewusstsein, selber sterben zu müssen, lösen Fragen nach dem Sinn des Lebens aus. Die Antworten auf diese Fragen wandeln sich - und sprechen davon, dass auch Gottes Sein ein Werden ist. Zu Gottes Werden gehören Bilder und Namen, mit den Menschen Gott wahrnehmen. Auch sie sind an die Bildprogramme der sich wandelnden Kulturen gebunden, werden und vergehen.

    In Gott sind weiblich und männlich, unsere Herkunft und Zukunft, aber auch Lebens- und Gottesbeziehung verbunden. Gott ist Geist, ist in uns und ist das alltägliche Du, an dem wir werden (M. Buber). „Denn das Leben ist die Liebe, und des Lebens Leben Geist“ (J. W. v. Goethe, Westöstlicher Divan). In jedem Gegenüber können wir Gott Dank sagen für das, was wir am Leben als schön und gut empfinden, aber auch beklagen, was uns erschreckt und peinigt.

    Glaubensreform zielt darauf, diesen Lebensbezug des Glaubens wieder herzustellen. Der Weg dahin wird von der Spur gewiesen, die die Jesus-Überlieferung in den vier biblischen Evangelien und in außerbiblischen Quellen bereithält. Allerdings ist die Jesus-Überlieferung schon im Neuen Testament von der „apostolischen Tradition“ in vielen Bereichen wieder den religiösen Denkstrukturen angepasst worden, die Jesus überwunden hatte. Davon ist inbesondere die Deutung seines gewaltsamen Todes als kultisches Sühnopfer betroffen. Für Jesus galt der Grundsatz: Menschen sind nicht für die Religion da, sondern Glaube und Religion haben dem Leben zu dienen (Markus 2, 27), Leiden zu lindern (Matthäus 25, 40.45) oder zu heilen (Lukas 9, 1-6) und eine mit dem herrscherlichen Gottesbild verbundene lebensfeindliche Gesellschaftsstruktur zu bekämpfen.

    Wo dieser Grundsatz gilt, ist die Gestalt der Kirche sekundär (Lukas 9, 49-50). Gerade weil es so viel Leid in der evolutionär-kreatürlichen Welt gibt, ist seit Jesus der Dienst an Menschen und Tieren (Matthäus 12,11f) und ihrer je eigenen Würde der zentrale Gottesdienst. Und weil es schwer ist, gut zu sein, ist es das „Gesetz Christi“, sich gegenseitig zu helfen (Galater 6,2), Schuld zu vergeben und so einander Christus zu sein (Johannes 20, 21-23) - ohne Vorbedingungen und über alle religiösen Grenzen hinweg. Indem uns die Beziehung zu Jesus zur Vergebung fähig macht, erweist sie sich als Gottesbeziehung. Herrschaftsansprüche über Menschen und die alte Schreckensherrschaft der Menschen über Tiere (Genesis 9,2) aber gehören nicht mehr zum „Reich Gottes“, wie Jesus es gelebt hat.



    Das Menschenbild Jesu als Evangelium *)

    Das Besondere an Jesu Denken und Leben wird durch sein Bild vom Menschen geprägt. Allen einzelnen Charakteristika, die ich im Folgenden aufzählen werde, ist eins gemeinsam: Jesus sieht die Menschen nicht als missratene und auf kultische Erlösung angewiesene Wesen. Vielmehr bleiben sie auf jeder Stufe ihres Lebens auf die Liebe anderer Menschen und auf eine geduldige Begleitung angewiesen - denn Mensch sein ist Mensch werden. Niemand ist vollkommen, alle bleiben im Laufe ihres Lebens vielen vieles schuldig. Und weil keiner sich selbst entschuldigen kann, ist Vergebung der Schlüssel zum Reich Gottes.

    - Das Bild vom bösen Menschen, der für seine Taten bestraft und so angeblich vor dem Bösen bewahrt werden muss, ist nicht mehr Jesu Menschenbild. Deshalb benutzt Jesus auch nicht mehr die „Sprache der Gewalt“, mit der die Menschen vor allem im 5. Buch Mose zum absoluten Gehorsam gegenüber Gott Jahwe gezwungen werden sollten. Trotzdem verschwindet die „Sprache der Gewalt“ im Neuen Testament nicht, sondern modifiziert sich in der apostolischen Tradition nur und wird vor allem im Zusammenhang mit dem Thema Erlösung bzw. Versöhnung benutzt. Denn für die kultische Theologie gilt: „Vergebung ohne Blutvergießen ist nicht möglich“ (Hebr. 9,22). Von dort aus ist die Sprache der Gewalt in den Sprachgebrauch der Kirche gekommen: Durch Drohungen mit dem Jüngsten Gericht und durch den Einsatz von Gewalt in der Kindererziehung sind unendlich viele Menschen seelisch und leiblich gequält worden. Vor allem Eugen Biser hat herausgestellt, dass Gott, wie Jesus ihn verkündet und gelebt hat, uns un-bedingt liebt, also ohne jede Vorleistung; und dass es ihm nicht um den Gehorsam der Menschen geht, sondern darum, dass sie sich in der von Gott ausgehenden Lebensbeziehung geborgen wissen.

    - Jesu Menschenbild spiegelt seine Gottesverkündigung und richtet sich zuerst an die Kinder. Jesus hat den Kindern das Himmelreich aufgeschlossen und die Erwachsenen ermahnt: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Reich Gottes kommen“ (Matthäus 18,3). Jesus hat den Kindern damit einen Rang zugewiesen, den sie bis dahin nicht hatten. Das bedeutete die völlige Abkehr vom gewohnten Bild des durch die „Erbsünde“ bösen Menschen.

    - Frauen sind für Jesus nicht besser oder schlechter als Männer. Er lebte mit beiden zusammen. „ Die Zwölf begleiteten ihn und einige Frauen …, die mit ihrem Vermögen für sie sorgten.“ (Lukas 8,1-3) Seine Auferstehung haben zuerst Frauen bezeugt. Deswegen kann sich niemand auf Jesus berufen, der Frauen von irgendwelchen Ämtern prinzipiell ausschließt oder Kindern durch Prügel „den Teufel austreiben“ will oder sie sonst irgendwie zwingt, ihm zu Willen zu sein. Verraten und verleugnet worden ist Jesus nach den Evangelien von Männern.

    - Zu Recht hat man den folgenden Ausruf Jesu gern als „Heilandsruf“ bezeichnet: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und belastet seid, ich will euch Ruhe geben (vor dem, was euch quält).“ Jesus hat offenbar wahrgenommen, dass das Leben gerade für diejenigen Menschen schwer ist, die gut sein wollen. Seine Aufgabe hat er darin gesehen, die Menschen von der Vorstellung zu befreien, dass Gott als Despot mit allen Mitteln seelischer und körperlicher Gewalt sein Recht einfordert.

    - Auch bei Jesus sollen Menschen bekommen, was sie verdient haben. Aber das ist nicht das letzte Wort. Im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Matthäus 20,1-15) fügt Jesus eine neue Regel hinzu, die die alte Äquivalenzregel bricht. Denn es gibt viele Menschen, die keinerlei Verdienst vorweisen können. Jesu Regel lautet: Jeder soll bekommen, was er zum Leben braucht. Denn keine Regelung kann lebensdienlich heißen, die nicht dafür sorgt, dass alle leben können.

    - Der Mensch braucht Zeit, um zu lernen, auch aus Fehlern. Niemand verliert das Lebensrecht dadurch, dass er ein fehlerhafter Mensch ist.„Wie oft soll ich meinem Bruder vergeben? Bis zu sieben Mal?“ wurde er gefragt. Und Jesus soll geantwortet haben: „Sieben Mal siebzig Mal.“ (Matthäus 18,21-22) Das heißt: Immer wieder, wenn es nötig ist. Und weil wir alle Täter und Opfer zugleich sind, können wir nicht Gott für uns um Vergebung bitten, ohne den Mitmenschen vergeben zu wollen (Matthäus 6,12).

    - Doch nicht nur Menschen schulden wir Liebe und Achtung, sondern auch Tieren. Jesus lebte 40 Tage und Nächte allein mit Tieren, bevor er seine Wandertätigkeit begann, lesen wir bei Markus (1,12-13). Vielleicht deshalb wollte er später auch, dass Menschen für ein Tier, das Hilfe braucht, die Sabbatruhe brechen (Matthäus 12,11). Welche Gewohnheiten müssen wir aufgeben, damit wir uns vor Gott und den Tieren sehen lassen können?

    Prof. Dr. Klaus-Peter Jörns

    - Das Recht zu vergeben, kennzeichnet die neue Würde der Menschen, die Jesus folgen.Das ist nicht nur Sache des einen Gottessohnes, sondern aller Kinder Gottes. Mit der revolutionären Entscheidung, die Vergebung der Sünden aus der Vollmacht der Priester und des Kultes herauszunehmen und den Fischern und Handwerkern zu übertragen, hat Jesus die Mächtigen in Jerusalem gegen sich aufgebracht. Sie hat ihn sogar den Kopf gekostet. Aber mit ihr hat er auch am stärksten ausgedrückt, wie viel er denen, die seinen Weg gehen wollten, anvertraut und zugemutet hat: „Ihr seid das Licht der Welt!“ hören sie, die ‚kleine Lichter’ wie wir alle waren. „Ihr seid das Salz der Erde!“ Wer sich von Gottes Liebe anstecken lässt, bringt Gott als große Energie ins Lebensspiel, überall. Der als einziger Gottessohn Geglaubte wollte für sich keine Sonderrolle. Die Kraft, die traditionellerweise von dem einen Messias, Erlöser, Heiland, Versöhner, Davids Sohn, Gottessohn und seinen Priestern erwartet wurde, sollte nach Jesu willen nun von allen ausgehen, die ihm folgten. Darum hat er die Vergebung, die wir von Gott erbitten, zusammen mit der Bereitschaft zu vergeben im Zentrum des Unser-Vater-Gebetes verankert. Ein Amt oder gar eine spezielle Weihe braucht es dafür nicht, aber die Einsicht, dass das Reich Gottes ohne Vergebung der Menschen untereinander nicht gebaut werden kann.

    Klaus-Peter Jörns (25.11.2014)



    *)Dieser Abschnitt bezieht sich auf meinen Aufsatz „Das Menschenbild Jesu als Weg aus der Glaubenskrise“, erschienen in: R. Heinzmann (Hg.), Kirche – Idee und Wirklichkeit. Für eine Erneuerung aus dem Ursprung, Freiburg


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    Auch wenn da im WIKIPEDIA-Text zu Mariä Verkündigung steht, Martin Luther habe den Tag als „eins der fürnehmsten Feste“ bezeichnet, hatte ich als lutherischer Protestant mit den Mariä-Gedenktagen der Katholiken wenig im Sinn: Gebete an die "Heilige Mutter Gottes" - und letztlich auch die Jungfrauengeburt - nee - also weißte ...

    Erst als ich mich seit einiger Zeit intensiver mit Meister Eckhart beschäftige, bekam ich von ihm eine ganz neue andere - ja für mich sogar äußerst "moderne" theologische dogmensprengende Erklärung für diese "Jungfrau" Maria:

    "Jungfrau heisst soviel, wie ein Mensch, der aller fremden Bilder ledig ist, so ledig wie er war als er nicht war. Seht, nun könnte man fragen: Der Mensch, der geboren und zu vernünftigem Leben vorgeschritten ist, wie kann der so frei von allen Bildern sein, wie damals als er nicht war, da er doch viel weiss, und das sind alles Bilder: wie kann er dann frei sein?
    Nun achtet auf die Unterscheidung, auf die ich euch hinweisen will. Wäre ich so vernünftig, dass alle Bilder, die je Menschen empfangen haben, und die in Gott selbst sind, vernünftig in mir stünden, und zwar, dass ich sie, im Tun und im Lassen, ohne Eigenschaft begriffen hätte, ohne Vor und ohne Nach, ... dann wäre ich in Wahrheit Jungfrau, unbehindert von allen Bildern, und wahrlich so wie ich war als ich nicht war. Wie die Meister sagen, dass gleich und gleich allein eine Sache der Einheit sei, so muss auch der Mensch keusch sein und Jungfrau, der den keuschen Jesus empfangen will"... aus: Predigt 5 "Von der Stadt der Seele

    Für Meister Eckhart ist diese "Jungfräulichkeit" also nicht nur ein pur weibliches Attribut - sondern ein Attribut des Menschen an sich, wenn er unvoreingenommen und un"verbildet" sich auf seinen Jesus in sich selbst einlassen will - wenn er ihn in sich zur Sprache kommen lassen will ...

    Und für Meister Eckhart ist die Menschwerdung Gottes auch kein einmaliges Ereignis da damals anno tuck in Bethlehem - und nicht in erster Linie eine tatsächliche physische "Geburt" - sondern er weist mit seinen Auslegungen eigentlich konsequent auf die antike wirkmächtige Bild-Symbolsprache hin, wenn eigentlich innerpsychische oder meinetwegen auch theologische Sachverhalte und Vorgänge in der Bibel beschrieben und im wahrsten Sinne des Wortes "ausgedrückt" werden sollen - von verschiedensten Redakteuren zu jeweils verschiedenen Zeiten und Epochen mit jeweils unterschiedlichsten Sozialisationen, Bildungshorizonten und Sprachvermögen: Wir müssen also vielmehr die Texte und Beschreibungen dahingehend reduzieren und übersetzen auf die dahinterliegenden gemeinten "Zustände", die sie innerpsychisch-seelisch in ihrer jeweiligen Symbolkraft heute auszulösen vermögen ... Das ist vergleichbar mit dem allzu schwierigen Auslesen eines Voice-Recorders aus der zerdetschten Blackbox nach einem Flugzeug-Crash: Wer hat was wem warum wann mit welchen Worten oder Metaphern gesagt oder sagen wollen ... - was waren die dem zugrundeliegenden Motive dazu ... - und welche Interessen sollten eventuell damit bedient werden ... - auch hinterher mit den "ausgewerteten Ergebnissen", die man ja auch wieder auch unbewusst entsprechend "einfärben" und "frisieren" kann (das Original Tizian-Bild unten - und die schrittweisen Improvisationen dieses "Themas" durch Gerhard Richter geben hierzu einen umgedrehten optischen Eindruck... - wie Fakten interpretierbar sind - und Moden und Zeitgeist unterliegen):

    „Der Vater gebiert seinen Sohn ohne Unterlass [...] Er gebiert mich als seinen Sohn und als denselben Sohn“. Gott sei nicht nur „dort“ – als Jesus von NazarethMensch geworden, sondern„hier wie dort“, „ [...] und er ist aus dem Grunde Mensch geworden, dass er auch dich als seinen eingeborenen Sohn gebäre und als nicht geringer“, meint Meister Eckhart in seiner Predigt 6.

    Wir alle sind nach Eckhart also auch Töchter und Söhne Gottes - natürlich mit einem Vater und mit einer Mutter "in echt" ausgestattet - wie Jesus mit seinen leiblichen Eltern Josef und Maria auch - da kommen wir alle ja als Menschen auch nicht drum herum - aber da drinnen, besonders auch dann, wenn die leiblichen Eltern mal nicht mehr existent sind - setzt sich ab dem Zeitpunkt der Abnabelung auch noch dieser Entwicklungsprozess in Gang, der mit Anteilen von Anima (weiblichen Attributen) und Animus (männlichen Attributen) einhergeht - wie C.G. Jung diese Anteile unserer Individuationswerdung hin zu einer kompletten "Persona" nennt: 
    • laienhaft extrem verkürzt beschreibe ich das mal als die Individualisierung/Reife/Ganzwerdung im Erwachsensein der Persönlichkeit, die innerpsychisch mit weiblichen (Anima) und männlichen (Animus) Attributen zu einer gesunden und eigentlich androgynen "Seele" hin [aus]gebildet werden und sich allmählich miteinander verschmelzen und durchwirken ... - die Seele als Verortung göttlich-"elterlichen" Seinsin uns ...
    Gleichzeitig wird mit der Maria aber überhaupt eine solche "Anima" in theologischer Hinsicht konstatiert und implementiert: als die weiblichen Anteile unseres Gottes - denen ja auch die feministische Theologie - nach 2000 Jahren folgenreicher Verdrängung durch Paulus und seiner immer männlicher werdenden Männerkirche -  endlich emsig nachspürt und aufspürt ... 

    Insofern konnte ich mich allmählich auch mit den Mariä-Gedenktagen anfreunden: Maria also nicht als die/das "Andere"/Fremde, nicht als diese historisch immerwährende Leihmutter - mit ihrem Gejammer und der Meinung der übrigen Familie Jesu: Mein Sohn - Jesus - ist "von Sinnen"(Mk 3,21f.) - und zum Schluss dann doch noch ein paar Tränen und Klagen unter dem Kreuz ... - nee-nee - Maria repräsentiert immer mehr für mich diesen ewig weiblichen Anteil dieses einen dreieinigen Gottes, eine Art Eva-Aspekt Gottes sozusagen - den die katholische Kirche sich - wenn auch verbrämt, zerzaust und mit großen Opfern und ohne Konsequenzen für die personalen Besetzungen in ihrer Männerkirche - in der Figur und Rolle einer "heiligen Mutter Gottes" bewahrt hat - in dem christlichen drei- und damit ja fast schon sechs-einigen GOTT:
    • 1. Gott Vater & Mutter gleichzeitig 
    • 2. Gott Sohn & Tochter gleichzeitig 
    • 3. Gott maskuliner (Animus) und femininer (Anima) Heiliger Geist, 
    den man damit auch als "heilig"/"heile" im Sinne des eigentlichen Wortstammes bezeichnen muss - nämlich das in sich Abgespaltene/Gebrochene/Gegensätzliche und Wirre als wieder neu zusammengeführt und sortiert zu betrachten und zu denken - als "heile" Einheit - als das Gegenprinzip, als Antipode, bezeichnet man das "Teuflische" - von griechisch Διάβολος diábolos, wörtlich „Durcheinanderwerfer“ im Sinne von „Verwirrer, Faktenverdreher, Verleumder“; lateinisch diabolus)...: Und das war die eigentliche Botschaft dieses "Engels" bei der "Verkündigung" an einen Teil unserer Seele - nicht nur damals - sondern immer wieder neu - überall auf der Welt: "Da wird etwas in dir wachsen, was dich prägen kann, was Schluss macht mit inneren Verwirrungen, was dich führt, was der ordnende Anteil von dir werden kann und werden will, was dich zur Ganzheit ergänzt, deine "blinden Flecken" tilgt, dein Vakuum ausfüllt - und was folglich nicht allein 'von dieser Welt' ist" ...

    "Mariä Verkündigung" also nicht nur als des Engels Verkündigung an Maria - sondern auch als Mariens Verkündigung eines Werden Gottes in uns allen ...


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    25. März: Mariä Verkündigung

    Verkündigung des Herrn, lateinisch Annuntiatio Domini, auch Mariä Verkündigung (In Annuntiatione Beatæ Mariæ Virginis), ist ein Fest am 25. März, das in vielen christlichen Konfessionen gefeiert wird. Es wurde auch Conceptio Christi (‚Empfängnis Christi‘), früher auch Ancilla (‚Magd [Gottes]‘) genannt. Gefeiert wird die Verheißung der Geburt Jesu an Maria.

    Biblische Überlieferung des Festes
    An diesem Tag feiert die Kirche das im Lukasevangelium (Lk 1,26–38 EU) dargestellte Ereignis: Der Engel Gabriel kommt zu Maria nach Nazareth und kündigt ihr die Geburt ihres Sohnes Jesus durch die Kraft des Heiligen Geistes an. „Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden“ (Lk 1,35 EU). Diese Ankündigung wird zugleich als Moment der Empfängnis verstanden, nach dem biblischen Grundsatz: Wenn Gott spricht, geschieht, was er sagt (vgl. Schöpfungsgeschichte) – die Jungfrauengeburt gilt als eigenständiges Mysterium.

    Maria antwortet: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38 EU, „Ecce ancilla Domini, fiat mihi secundum verbum tuum“, daher auch der alte Name des Festes, zu lateinisch ancilla, ‚Magd‘).

    In deutscher Übersetzung sagt der Engel zu Maria: „Ich grüße dich, Maria!“ Das im griechischen Urtext des Lukasevangeliums an dieser Stelle verwendete Wort χαιρε (chaire) bedeutet wörtlich: Freue dich, sei froh; dies war bei den alten Griechen der übliche Gruß. Der normale Gruß im Hebräischen war שלום (Schalom)‚ was wörtlich Frieden bedeutet. In der lateinischen Übersetzung des Lukasevangeliums wird hier das Wort ave verwendet, dies bedeutet wörtlich ungefähr es soll dir gut gehen und war ein üblicher Gruß bei den alten Römern. Die Worte des Neuen Testamentes sind eine Einladung zur Freude.

    Die zentrale Bedeutung dieses Heilsereignisses für die Christen kommt auch im Gebet Der Engel des Herrn (Angelus) zum Ausdruck, das die Verkündigung des Herrn zum Betrachtungsgegenstand hat. Die Bibelstelle ist auch die Grundlage des Gebets Gegrüßet seist Du, Maria (Ave Maria).

    Kalendarische Festlegung
    Das Festdatum ist vom liturgischen Datum der Geburt Jesu, dem 25. Dezember, abgeleitet (neun Monate vorher) und hat weihnachtlichen Charakter. Sollte, so wie letztmals im Jahr 2013, der 25. März in die Karwoche oder die darauffolgende Osteroktav fallen, wird das Fest auf den ersten Tag nach der Osteroktav (2013 war dies der 8. April) verlegt, da sowohl die Kartage als auch die Tage der Osteroktav liturgisch einen höheren Rang bekleiden und daher das Fest „verdrängen“. Das Fest betrachtet die Menschwerdung des Gottessohnes und zählt daher zu den Herrenfesten.

    Das Fest in den Konfessionen
    In der orthodoxen Kirche zählt das Fest (unter dem griechischen Namen Εὐαγγελισμός/Euangelismos, also Verkündigung der Frohbotschaft) zu den zwölf Hauptfesten. Die dritte Antiphon der Liturgie drückt das Festgeheimnis aus: „Heute ist der Anfang unseres Heils und das Mysterium von Ewigkeit her wird offenbar. Gottes Sohn wird der Jungfrau Kind und Gabriel überbringt die Frohbotschaft der Gnade. Mit ihm rufen auch wir der Gottesgebärerin zu: ‚Freue dich, Gnadenvolle! Der Herr ist mit dir.‘“ Verlegt wird das Fest keinesfalls, sondern es gibt spezielle Vereinigungsliturgien für jeden der beweglichen Feiertage, der mit der Verkündigung zusammenfallen kann. Sogar am Karfreitag wird in diesem Fall die entsprechende Liturgie mit Eucharistie gefeiert. In der griechisch-orthodoxen Kirche und den anderen neukalendarischen orthodoxen Kirchen kann das Fest der Verkündigung allerdings heute nicht mehr mit den Kar- oder Ostertagen zusammenfallen, da es als feststehender Feiertag nach dem mit dem gregorianischen Kalender fast identischen orthodoxen Kalender, die beweglichen Feiertage wie Ostern aber nach dem julianischen Kalender begangen werden. (Der Unterschied zwischen orthodoxem und gregorianischem Kalender tritt erst im Jahre 2800 in Erscheinung; der orthodoxe Kalender stellt in der Jahreslänge eine noch genauere Annäherung an die tropische Umlaufsperiode der Erde dar als der gregorianische Kalender.) Nach dem katholischen liturgischen Kalender des ordentlichen römischen Ritus ist es ein Herrenfest (Annuntiatio Domini), im außerordentlichen Ritus wird es als Marienfest gefeiert (Annuntiatio beatae Mariae virginis). 

    Auch evangelische Kirchen wie die Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika und die Lutherische Kirche der Missouri-Synode verzeichnen das Datum in ihrem Kalender, Martin Luther bezeichnete es als „eins der fürnehmsten Feste“.

    In der anglikanischen Kirche wird das Fest ebenfalls gefeiert.


    Heinrich Campendonk (1889-1957) | Maria Verkündigung | 1919 | 37.2 x 31.5 cm 

    Darstellung in der Kunst
    Die Szene mit Maria und dem Engel wurde vielfach in Bildern und Plastiken dargestellt. Die Szene stellt üblicherweise Maria und den Engel im Innenraum eines Hauses dar, wohl als Symbol für Marias Innerlichkeit, Keuschheit und Jungfräulichkeit. Zuweilen bringt der Engel Maria eine weiße Lilie, ein Symbol der Jungfräulichkeit und Reinheit, während die Gesten des Mädchens Überraschung und Berührtsein ausdrücken. Manchmal wird Maria auch in einem Buch lesend dargestellt, womit auch die Verbindung mit der Ankündigung des Messias beim Propheten Jesaja im Alten Testament unterstrichen wird.
    In vielen Darstellungen erscheint auch der Heilige Geist in Gestalt einer Taube, in anderen Darstellungen wird die Empfängnis durch einen Maria treffenden Lichtstrahl dargestellt. Johann Sebastian Bach schrieb eine Kantate für diesen Tag: Wie schön leuchtet der Morgenstern, BWV 1. Außerdem erweiterte er die Widmung der Kantate Himmelskönig, sei willkommen (BWV 182), die eigentlich für den Palmsonntag geschrieben worden war. WIKIPEDIA




    Text: hier



    Text: hier



    Text: hier


    Tizian, Verkündigung an Maria (um 1540), 266 x 166 cm, Öl auf Leinwand
    Gerhard Richter: «Verkündigung nach Tizian», 1973, Öl auf Leinwand, Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington D.C., USA
    Trotz erkennbarem Vorbild findet das Auge kaum Halt – Gerhard Richter: «Verkündigung nach Tizian», 1973, Öl auf Leinwand, Kunstmuseum Basel. (Bild: © Gerhard Richter)



    Magnifikat (Lk 1,46-55)

    Meine Seele preist die Größe des Herrn,
    und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. 

    Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut,
    siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter! 

    Denn der Mächtige hat Großes an mir getan,
    und sein Name ist heilig. 

    Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
    über alle, die ihn fürchten. 

    Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
    Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; 

    Er stürzt die Mächtigen vom Thron
    und erhöht die Niedrigen. 

    Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
    und lässt die Reichen leer ausgehen. 

    Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
    und denkt an sein Erbarmen, 

    Das er unseren Vätern verheißen hat,
    Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

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    Ave, Maria,
    gratia plena,
    Dominus tecum;

    benedicta tu in mulieribus,
    et benedictus fructus ventris tui, Jesus.

    Sancta Maria, Mater Dei,
    ora pro nobis peccatoribus,
    nunc et in hora mortis nostrae. Amen.


    Gegrüßet seist Du, Maria,
    voll der Gnade,
    der Herr ist mit Dir.

    Du bist gebenedeit unter den Frauen
    und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes, Jesus.

    Heilige Maria, Mutter Gottes,
    bitte für uns Sünder,
    jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.


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    Manchmal hält sich der Karfreitag nicht an seinen ihm zugestandenen Kalenderplatz ...

    • In den letzten Minuten von Germanwings-Flug 4U9525 müssen sich an Bord dramatische Szenen abgespielt haben - das geht aus neuen Erkenntnissen hervor, die der ermittelnde französische Staatsanwalt Brice Robin in Marseille bekanntgab. Demnach war der Co-Pilot der Maschine alleine im Cockpit und leitete bewusst einen Sinkflug ein.
    • Der Flugkapitän versuchte derweil offenbar, zurück ins Cockpit zu gelangen, doch die Tür ließ sich nicht öffnen. Das legen laut Staatsanwalt die Aufnahmen des Stimmrekorders nahe.
    • "Es sieht so aus, als habe der Co-Pilot das Flugzeug vorsätzlich zum Absturz gebracht und so zerstört", sagte Robin. SPIEGEL-ONLINE

    „Warum lässt Gott das zu?“

    Spätestens angesichts der telemedial übermittelten Fotos und Videos von zertrümmerten Wrackteilen des Eurowings Airbus-Flugzeugs A320 aus der unzugänglichen Gebirgswelt in Südfrankreich mit seinen 150 Absturzopfern stellt sich für Viele diese Frage:

    „Warum lässt Gott das zu?“ 

    Wenn es einen Gott gibt, der diese Welt und ihre Menschen geschaffen hat, warum lässt er dann dieses Elend zu? Diese Warum-Frage hat sich beinahe jeder einmal gestellt. Sie taucht in verschiedenen Lebensalterstufen unterschiedlich auf, aber es ist immer die gleiche Frage. 

    Die Frage ist so alt wie die Geschichte der Menschheit. Seitdem Menschen über ihr Verhältnis zu Gott nachdenken, stoßen sie auf diese Frage. Wenn ein Gott ist, der diese Welt gut geschaffen hat, wenn Gott in seinem innersten Wesen Liebe ist, wo liegt dann die Ursache für all den Streit, den Hass, die Vernichtung, den Schmerz in dieser Welt - die Katastrophen - die abgestürzten zerstückelten Toten da in den Alpenfelsen Südfrankreichs?

    Diese Frage aller Fragen befreit uns aber auch von der Frage an uns, warum wir Menschen in unserer Gottesferne so viel "Böses" kreieren und zulassen und leben ...

    Die Bibel hat ihre eigene Formulierung dieser Frage. Sie lautet: 

    „Gott, warum hast du mich verlassen?“ 

    Der biblische Mensch verstand die Nähe Gottes als Heil und Glück. Wo Gott war, da konnte es kein Unglück geben. Wenn Gott da ist, dann geht es mir gut. Daraus folgte: wenn es mir schlecht geht, dann kann Gott nicht anwesend sein, dann muss er mich verlassen haben.

    Die Antwort liegt bereits in der Frage und in dem, der da Karfreitag am Kreuz diese Frage herausgeschrien hat. Wer stößt denn diesen Schrei der Gottverlassenheit aus? Es ist der Mensch Jesus von Nazareth. Von seinem Leben und Wirken waren einige seiner Zeitgenossen so fasziniert, dass sie merkten: in Jesus ist mehr auf dem Plan, als ein fantastischer Prediger und ein begabter Heiler. In seinem Reden und Handeln ist Gott selber dabei. Es gibt zwischen dem, was Jesus tut und dem Willen Gottes keinen Unterschied. Darum fing man an, von ihm als dem "Sohn Gottes" zu sprechen. Man verstand: er gehört mit seinem Handeln und Denken in diesen Gott. Wer sich auf diesen Gedanken einlässt, für den öffnet sich eine neue Welt. Nirgendwo sonst, weder in der Philosophie, noch in den Religionen, geht Gott als Vater & Sohn gleichzeitig so in das Leid mit hinein.

    Im christlichen Glauben sind Gott und sein erlittenes Leid zusammen. Christen bekennen: In Jesus von Nazareth ist Gott auf dem Plan: Was heißt: Gott selber macht die Erfahrung des Scheiterns, des Leidens und des Sterbens... 

    Im Unterschied zu allem anderen philosophischen Reden von Gott steht dieser Gott dem Leid im Sterben Jesu nicht teilnahmslos und unbeteiligt gegenüber - im Gegenteil: ER stirbt mit ... Zugespitzt formuliert heißt dies sogar: selbst das Gefühl der Gottverlassenheit bleibt Gott nicht fremd. Und so betet der sterbende Christus am Kreuz auch folgerichtig:

    aus Rudolf Schäfer: Jesus ... - aber gleichzeitig der menschgewordene GOTT
    „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

    Schon in diesen Formulierungen, einer Aufnahme eines alten israelitischen Gebets (Psalm 22), liegt ein Paradox: Denn der in der Gottverlassenheit vor Wut brüllt, der wendet sich gleichzeitig an eben diesen Gott, den er als „meinen Gott“ bezeichnet - er wendet sich in gewisser Weise also an sich selbst im tiefsten Innern - an sein innerstes Ich, wo Gott in jedem Menschen verortet ist: In dieser Hinrichtungs-Situation ist Jesus mit und in Gott der menschlichen gottlosen Wut und Gewalt ohnmächtig ausgeliefert - den Schicksalswellen diesseitigen Seins - denn Gott geht bis zum Ende und darüberhinaus in jedem mit und hält die Treue, aber er ist nicht der "Große Zampano", den wir uns in solchen Momenten von ihm erhoffen - er kann nicht "Simsalabim" - und er kann nicht - vielleicht noch nicht - dieses Leben paradiesisch und unsterblich gestalten - dazu ist die Freiheit, die er den Menschen lässt, viel zu groß ... Wer einen solchen "allmächtigen" Gott erwartet, der hat ihn irgendwann einmal missverstanden - ein solcher "Gott" würde die Menschheit zu einem programmierten Apparatschik umformulieren. Der Tod ist keine "Strafe" für eine vielleicht irgendwie verfehlte Lebensführung - alle Menschen - auch die gottes"fürchtigsten" - sind bis heute auf dieser Welt am Ende ihres Lebens verstorben - der Tod und die Schicksalsschläge, Unglück und der Irrtum gehören zum Leben wie Gott es geschaffen hat - ebenso wie das Leben, das Wachsen, das Gelingen und das Glück und die Ewigkeit: Gott ist Liebe im Leben   u n d   Tod - er schreit und brüllt mit Jesus - und lässt sich mit in ihm hinrichten - und spürt Verlassenheit und unendlichen Schmerz - und hält unsere Hand in all diesen Lebensbedingungen - im Lachen und Weinen - im Werden und Vergehen: Und auch ein Bruch der eigenen Gotteserfahrung gehört mit in die Gottesbeziehung hinein... 

    Ein bisschen vergleichbar ist diese von Jesus mit Gott gemeinsam erlebte und hinausgebrüllte Situation vielleicht wie die des zweiten Piloten in der Unglücksmaschine, von dem es jetzt heißt, er habe das Cockpit verlassen und hätte vergebens versucht, wieder hineinzukommen, die Tür war plötzlich von innen irgendwie versperrt ... - und Gott kann dann in höchster Not nicht jede menschlich vielleicht pathologisch-suizidale oder als Terroranschlag erdachte Blockade wie von selbst wieder öffnen und lösen ... - er ist mit allen dort zu Tode erschrocken gewesen und stürzt mit allen dort einfach mit in die Tiefe ...

    Was heißt das für uns, die wir unter der Ferne Gottes leiden und eher distanziert formulieren:

    „Warum kann Gott das zulassen?“ 

    Der Gott, dessen Nähe wir in Zeiten der Finsternis suchen, tritt an uns heran, legt seine Hand auf unsere Schulter und spricht: „Es ist gut. Ich kenne deine Not. Ich weiß, was dir zu schaffen macht. Ich habe es am eigenen Leibe erfahren. Und wenn du an Gott - an mich - verzweifelst – ich bin es auch. Und wenn du nicht mehr ein noch aus weißt, wenn du dir die Augen aus dem Kopf weinst und wenn du heiser bist vom Schreien, dann musst du wissen, diese Tiefe kenne ich. Ich bin dort auch gewesen, und ich bin dort bei dir und ich lass dich niemals - auch dann nicht - in dieser paradoxen Erfahrung - allein.“

    Gott kann uns das Leid nicht ersparen, aber in Jesus Christus hilft er uns durch die schwersten Stunden hindurch. Es ist gut zu wissen, dass nicht etwa Gott Leiden schickt, sondern dass er als der Mitleidende auch und gerade in solchen Tiefen bei uns ist. Es ist schmerzlich, dass, solange wir auf dieser Erde leben, das Leid nicht aufgehoben wird. Leid und Schmerz ist die Schattenseite des Lebens. Und doch ist der, der glaubt, in der Tiefe und in der Finsternis nicht allein.

    Dietrich Bonhoeffers hat deutlich zu unterscheiden gewusst zwischen menschlicher Verantwortung und göttlicher Führung. Er hat sich in den Widerstand gegen Hitler begeben, geholfen, jüdische Menschen zu retten und das Attentat vom 20. Juli 1944 mitvorbereitet.

    Als er dann verhaftet wurde und zwei Jahre im Gefängnis saß, bevor er am 6. April 1945 auf Befehl Adolf Hitlers hingerichtet wurde, da hat er sich in diesen – ihm zunächst unverständlichen – Weg ergeben: „Widerstand und Ergebung“ heißt darum auch das Buch, in dem die Briefe gesammelt sind, die Zeugnis ablegen von diesem Weg. Es geht darum, Menschen in ihrer Verantwortung ernst zu nehmen und zu stärken, andererseits aber das Unvermeidliche zu akzeptieren. Der Glaube an Jesus Christus hilft zu beidem, zu Widerstand und Ergebung. 

    „Warum lässt Gott das zu?“ 

    Diese Frage lässt sich nicht ein-für-alle-mal bündig und schlüssig schlussendlich beantworten. Es ist aber ein großer Unterschied, ob ich diese Frage stelle, um Gott die Schuld für das Elend dieser Welt aufzuladen oder ob ich gegen dieses Elend mit Gott gemeinsam ankämpfe und ihn dabei an meiner Seite weiß.

    Ausblick über den Tod hinaus

    Die schreckliche Erfahrung des Sterbens ist beileibe nicht eine wahrzunehmende Gottesferne, denn Gott verheißt auf vielfache Weise, dass der Tod nicht das letzte Wort hat: Wir sehen das vielleicht schon symbolisch am besten an der Metamorphose der Bäume z.B. mit den grünenden Knospenansätzen mitten im letzten Herbstlaub - kurz bevor der Baum in seiner Krone winterkahl wird ...  - oder auch wenn es schon das Karnevalslied ganz banal weiß: " ... auf jeden Dezember - folgt wieder ein Mai ..."
    Sterben heißt nichts anderes als Eintreten in den Gestaltwandel des Lebens, in die letzte große Metamorphose. Im Tod endet nicht das Leben, aber da enden die Lebensgestalten der uns bekannten Geschöpfe. Das ist Schmerz genug. Aber das Sterben als Gestaltwandel bewahrt das gestalthafte Leben vor der Vergreisung und vor der Vergleichgültigung der Werte. Ein Leben ohne Sterben und Tod wäre die Hölle ...   -   
    ... Menschwerdung als Entwicklung über den Tod der Individuen hinaus fixiert nicht deren sterbliche Gestalt. Aber der Geist, der die Creatio continua in Gang hält und neue Lebensgestalten schafft, nimmt die in den vergangenen Lebensgestalten der Geschöpfe wirksam gewesenen geistigen Potenzen in sich auf und sorgt so für eine Weiterentwicklung des Menschseins über das jeweilige Heute hinaus. Das ist Auferstehung in die fortgesetzte Menschwerdung hinein - ohne leibliche Himmelfahrt ..., schreibt Prof. Dr. Klaus-Peter Jörns in seinem Büchlein: Lässt Gott leiden?, Gütersloher Verlagshaus, 2013, S. 29 und 44
    _______________________________________________

    Modifiziert und aktualisiert - mit Materialien aus einer Predigt von: Hans-Jürgen Abromeit, Greifswald - und: Klaus-Peter Jörns: Lässt Gott leiden ? , Gütersloher Verlagshaus 2013 | Bildmaterial: S!NEDi -

    ...............................................

    Und noch einmal ein vielleicht hilfreicher Gedankensprung: Sascha Lobo wies in seiner SPIEGEL-KOLUMNE"Netzreaktionen nach Flugzeugunglück:  Die verlogene Wut beim Posten" darauf hin, dass die Netzreaktionen auf den Germanwings-Absturz zeigen, dass es online kein richtiges oder falsches Trauern gibt... - und er schließt seine Kolumne mit einem Link auf einen Nachruf auf den kürzlich verstorbenen Fantasy-"Scheibenwelt"-Autor Terry Pratchett, den eine "frau meike" auf ihrer Homepage verfasst hat - sie schreibt u.a.:  
    ... Als mein Vater im November 2009 starb, war das das schlimmstmögliche Ereignis, das ich mir bis dahin hatte vorstellen können. Nach einer Woche voller Entsetzen, die ich nach der Diagnose Lungenkrebs bei meinen Eltern verbrachte, starb mein Vater unter großen Qualen und ich wusste nicht, wie ich jemals darüber hinwegkommen sollte. Aber mir fiel ein Satz ein, den ich auf der "Scheibenwelt" zum ersten Mal gehört hatte. Der TOD, ein nüchternes, ernstes und vollkommen unbestechliches Gerippe mit einer Vorliebe für Großbuchstaben, das immer dann zur Stelle ist, wenn jemandes Uhr abgelaufen ist, erklärte einem jungen Mann, dessen Liebste im Sterben liegt und der den TOD fragt, ob das vielleicht gerecht sei, wenn so ein junger Mensch am Beginn seiner Liebe sterbe: “ES GIBT KEINE GERECHTIGKEIT, NUR DEN TOD.”

    Ich habe lange gebraucht, um diesen Satz zu entschlüsseln, um die Größe und Wahrheit, die in ihm liegen, zu erkennen, aber wann immer ich ihn mir heute ins Gedächtnis rufe, überkommt mich Ruhe, eine liebevolle Ruhe, die den Tod umarmen kann als eine Art freundlichen Nachbar, der nur seine Hecke schneidet.

    Als ich von der rasch fortschreitenden Alzheimererkrankung Terry Pratchetts erfuhr, versuchte ich, sie zu verdrängen. Ich wollte mir die Welt minus Terry Pratchett nicht vorstellen, ich wollte mir die Menschen minus Terry Pratchett nicht vorstellen. Wer wird das jetzt machen, die Menschen so zu zeigen, dass sie erträglich sind? Wer wird jetzt dafür sorgen, dass wir einander verzeihen können, dass wir sind wie wir sind? Wer wird jetzt die Wut kleiner machen?

    ES GIBT KEINE GERECHTIGKEIT, NUR DEN TOD. Ich werde mich sicher auch dieses Mal darauf besinnen können. Doch erst einmal muss ich aufhören zu weinen. ...
    Hier würde ich gern abschließend auch Terry Pratchett ergänzen wollen: “ES GIBT KEINE GERECHTIGKEIT, NUR LEBEN MIT DEM TOD.” 




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    bis 08.04.2015
    Allseits trotz der Katastrophe ein frohes Osterfest ...

    S!NEDi

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    A 320-Crash: Andreas L. und all die Fragezeichen ???????????????


    Absturzstelle - Andreas L. - Foto: heavy.com (Ministere de l’Interieur via Getty Images)


    Eine Annäherung an das WARUM ?
    • Es gibt immer wieder weltweit Amokschützen - z.B. in Schulen - oftmals sehr jung , die wahllos Lehrer oder Mitschüler töten ...
    • Es gab (japanische) Kamikaze-Flieger im Krieg ...
    • Es gibt bewusste Geisterfahrer auf der Autobahn - die lediglich einmal in den Verkehrsnachrichten genannt werden möchten ...
    • Es gibt Selbstmordattentäter aller Couleur ...
    • Es gibt Selbstmörder, denen es im Moment völlig egal ist, wen sie mit in den Tod reißen ...
    • Es gibt Feuerwehrleute, die zündeln, um sich bei Löscharbeiten hervorzutun ...
    • Es gibt Krankenpfleger(innen), die oft mehrere Dutzend der ihnen anvertrauten Patienten durch Todesspritzen "erlösen" wollen - oder die sich bei den einzuleitenden Rettungsmaßnahmen hervortun möchten ...
    • Es gab und gibt Serienmörder ...
    • Es gab die Täter beim "Holocaust" und bei der NS-"Euthanasie", die oft für sich gar nicht ahnten, dass sie tatsächlich (Mit-)Täter waren ...
    ... und diese Liste ist sicherlich nicht vollständig. Was in diesen Menschen tatsächlich vorgeht, im Fall des Falles, entzieht sich einfach dem "normalen" Menschenverstand ... - und auch sie selbst werden es kaum mit eigenen Worten beschreiben können ...

    In meinem Psychiatrie-Unterricht in der Fachschule wurden solche Ereignisse als "Primitivreaktionen" - bzw. "Überpersönliche Affektreaktionen" beschrieben - wenn ich mich recht erinnere ...:
    Primitivreaktion
    Das Großhirn kontrolliert und hemmt die entwicklungsgeschichtlich älteren (primitiveren) Teile des Gehirns. Bei besonders starken Affekten kann diese Kontrolle kurzzeitig verloren gehen. Die dann erfolgenden Handlungen nennt man Primitivreaktionen; sie entziehen sich (als Kurzschlusshandlungen) weitgehend der Bewusstseinskontrolle und können vom Handelnden somit nicht immer verantwortet werden. 

    "Irren" ist menschlich - wir können nur Gott danken, dass er uns bis hierher bewahrt hat ...






    Der Aargauer Psychiater Josef Sachs unterstellt dem Co-Piloten keine Bosheit. Aber: «Er wollte nicht sang- und klanglos untergehen.»
    Was bringt jemanden dazu, 149 unschuldige Menschen mit in den Tod zu reissen? 

    Josef Sachs: Hinter einem derartigen erweiterten Suizid steckt ein ganz anderer Mechanismus, als wenn jemand Angehörige mit in den Tod nimmt. Wer auf diese Art Unbeteiligte mit ins Verderben reisst, will, dass die ganze Welt an seinem Leid teilnimmt. Hinter so einer Tat steckt wohl ein Mensch, der sich selbst als sehr bedeutend empfindet. Er wurde aber massiv gekränkt und ist an seinem Umfeld und an der Welt verbittert. Seine Tat ist ein Rache-Akt an der Gesellschaft und beinhaltet die Botschaft: «Seht, wozu ihr mich gebracht habt!»

    Aber die Menschen, die mit ihm gestorben sind, konnten nichts für sein Unglück. Warum war ihm das egal?

    Solche Menschen stecken so tief in einem dunklen Loch, sie können nur noch an sich denken. Die Passagiere, die beim Absturz ums Leben gekommen sind, stehen stellvertretend für die Sündenböcke in der Gesellschaft.

    War es also ein Akt purer Bosheit?

    Nein, es war ein Akt der Verzweiflung. Er wollte diese Verzweiflung aber nicht für sich behalten, sondern allen Menschen mitteilen. Auch wenn er die Auswirkungen nicht mehr mitbekommt – das Bewusstsein, dass alle an seinem Tod teilhaben, reicht ihm. Er wollte nicht sang- und klanglos untergehen.

    Ist eine andere Erklärung ausgeschlossen?

    Nein, aber viel weniger wahrscheinlich. Es gäbe auch die Möglichkeit, dass der Co-Pilot Stimmen gehört hat. Gegen eine derart schwerwiegende psychische Krankheit spricht allerdings, dass Piloten sozial und medizinisch sehr eng kontrolliert werden.

    Der Co-Pilot konnte nicht davon ausgehen, dass sein Kollege auf einem Flug, der nur anderthalb Stunden dauert, das Cockpit verlässt und aufs WC muss. War die Tat das Ergebnis einer Kurzschlussreaktion? 

    Meistens entsteht ein Mitnahme-Suizid nicht aus dem Affekt. Die Vorstellung ist viel eher schon lange in ihm gereift. Es ist wahrscheinlich, dass der Situation eine gewisse Entwicklung oder sogar ein Plan vorausgegangen ist.

    Hätte man ihm nichts anmerken müssen?

    Diesen Menschen merkt man gegen Außen oft nichts an, sie verkörpern nicht das klassische Bild eines Depressiven. Es ist nicht so, dass sie sich immer stärker zurückziehen, ihren Kummer im Alkohol ertränken oder Mühe haben, am Morgen überhaupt aufzustehen. Sie verfügen trotz ihrer Krise noch über eine starke Persönlichkeit und können eine Fassade aufrechterhalten.

    Welche Kränkungen und Verletzungen gehen so einer Tat voraus?

    Das ist sicher nicht ein einzelnes Ereignis, sondern vielmehr ein Problem, das sich über Monate oder sogar Jahre hingezogen hat. Die einzelnen Kränkungen wären isoliert betrachtet vielleicht nicht so schlimm, in der Summe werden sie aber irgendwann nicht mehr tragbar. Am Dienstag oder kurz davor ist wohl etwas passiert, was das Fass schließlich zum Überlaufen gebracht hat.

    Quelle: blick.ch

    S!-Grafik nach einem DPA-Foto


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    Arminia Bielefeld - da ist der Vereinsname bereits seit Jahrzehnten Programm: Dieser Verein ist permanent "arm" - immerzu klamm - und längst 100-fach "fast pleite" - und nur mit "griechischen Finanz-Verhältnissen" zu vergleichen. Die Stadt Bielefeld zum Beispiel stundet dem Verein bis dato 2 Mio. UR - nun war die Frist abgelaufen - aber trotz des DFB-Pokal-Geldsegens durch das Erreichen nun des Halbfinals bittet der Verein die Stadt um eine weitere Stundung ...  - ... mit weit über 25 Millionen uro Verbindlichkeiten, die der Verein klugerweise nun - wenigstens so wie ich das verstehe - in eine Art "Bad Bank" aus dem Vermögen der Lizenzmannschaft ausgegliedert hat ... 
    Diese immense Schuldensumme schiebt man so bis auf den Sankt Nimmerleinstag immer weiter vor sich her - besonders dann, wenn man wie zur Zeit in der 3. Liga spielt, wo fast nix an TV-Tantiemen gezahlt wird - aber man trotz chronisch leerer Kassen so rasch wie möglich den Abstieg aus der 2. Bundesliga im vergangenen Jahr wieder wettmachen will - Tabellenerster in der 3. Liga ist man deshalb seit Wochen - zur Zeit mit 6 Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten ...

    Und trotzdem oder gerade deshalb dringt dieser "arme" Verein nun im DFB-Pokal in die Phalanx der "Großen" und "Übergroßen" ein, weil man sich halt durchgeschossen hat auf dem verarmten Bielefelder Alm-Rasen mit seinen Bolzlöchern, getreten von Spielern, die eben noch viel "Hau-Ruck" zu spielen gelernt haben - und weit entfernt von den filigranen Techniken beispielsweise eines Mario Götze sind ...

    Ganz Fußball-Deutschland reibt sich die verwundert die Augen: Arminia Bielefeld im Halbfinale - neben so großen Namen wie Bayern München, Borussia Dortmund und ... - ebenda - ... dem VfL Wolfsburg, denn dieser VW-Werksverein ist als der nächste Gegner auf dieser Ackeralm zugelost worden ... - und damit hat Bielefeld zumindest vom Geläuf her eine echte Chance - sogar gegen so Supertechniker wie de Bruyne & Co. ...


    Ja - wenn 
    Arminia Bielefeld sich tatsächlich in das Finale in Berlin schießt - und vielleicht sogar siegt - und den Pott holt ... - wenn - dann wäre sie einfach strategisch-finanziell sozusagen nur schön doof - aber eben mit tollem "sportlichen Geist" ausgestattet ... 

    Sie würde beim Pokalgewinn sogar zu internationalen Spielen gemeldet in deruropa-League, aber das wäre dann tatsächlich eine Nummer zu groß - und ein Verbleib in der 2. Liga wäre bei einem tatsächlichen Aufstieg dorthin sofort wieder wegen Überforderung der Lizenzspieler-Abteilung arg gefährdet ...



    NW.de-Screenshut






    ... Und da jammert dann die Bielefelder Tageszeitung via NW.de sogar über das "fehlende Losglück" bei der Auslosung zum DFB-Pokal-Halbfinale für Arminia: Dabei kann man das nach meiner Meinung im Gegenteil doch nur als "Glückslos" bezeichnen - denn so richtige "Deals" zur beiderseitigen Befriedigung kann man nur einfädeln mit Managern und Unterhändlern, die es gewohnt sind, strategisch-finanziell zu operieren - eben sinnvoll zu Geben und zu Nehmen ... - wenn Sie verstehen, was ich meine ... 
    Mit dem Gezocke- und "Mia san mia"-Gehabe eines FC Bayern und der Grubenlampen-Mentalität einer Borussia aus Dortmund wäre da wenig zu machen ...

    DER SPIEGEL 25/1971
    Ich habe deshalb hier jetzt ein Szenario entwickelt, mit welchem die alte Dame Arminia durchaus eine gewisse Tradition mit der eigenen Vergangenheit bilden könnte, hat dieser Verein sich doch schon einmal in der Saison 1970/71 - vor auch schon wieder 45 Jahren - mit immensen pekuniären Mitteln versucht, sich über Wasser zu halten - im damaligen sogenannten Bundesliga-Skandal - aber doch auch letztlich "ärmlich" geschasst - ...


    Bielefelds Gerd Roggensack erzielt gegen gekaufte Schalker 
    am 17. April 1971 das 1:0-Siegtor - (Copyright: imago)

    Und jetzt wäre die Situation - nach meiner unmaßgeblichen Meinung - wieder einmall reif für ein paar - sagen wir es mal so - "Absprachen" zur rechten Zeit - wenn Sie verstehen was ich meine ...

    Der VW-Werksverein aus Wolfsburg käme mit einem sogenannten "abgesprochenen" Sieg
     über Bielefeld (vielleicht auch in Übereinstimmung mit den Interessen des Schiedsrichtergespanns) ins Finale des DFB-Pokals (= "Berlin - Berlin - wir fahren nach Berlin ...") - wahrscheinlich dann sogar gegen Bayern München, das in dieser Saison bereits schon einmal mit 4:1 von Wolfsburg auf eigenem Platz weggehauen wurde ... - Wolfsburg wäre Pokalsieger - und machte so endgültig wieder einmal - nach Magaths goldigen Zeiten - inuropa Furore ... Und sogar Dortmund käme als "Dritter" im Bunde wohl noch in die uropa-League, weil ja Bayern und Wolfsburg sowieso in der Champions-League anzutreten hätten ...also ... = alles prima - alles im Grünen Bereich ...

    Aber - ein solcher "garantiert erfolgreicher" Einzug ins Berliner Finale hat natürlich - wie alles in dieser kapitalistisch "marktkonform" dominierten Welt - seinen schlappen Schnäppchen-Preis: nämlich genau die relativ kleine Summe von nur 27 Millionen uro und ein paar Zerquetschten ...: Damit könnte Arminia seine Verbindlichkeiten mit einem Schlag ablösen - und ging mit einer "schwarzen Null" 
    in die Zweite Liga - in echter Schäuble-Manier ...vielleicht wieder einem Erfolgs DFB-Pokal 2015/2016 - und einer gut eingekauften Mannschaft dazu - und die Stadt Bielefeld bekäme endlich das ihr zustehende gestundete Geld aufs Konto: Ja - sogar Dr. Oetker würde sicherlich seine Schatulle öffnen, um ganz selbstlos mit irgendwelchen Pizza-, Backpulver- und Pudding-Geldern zu "helfen" ... Zum "Dank" liefe Arminia in der nächsten Saison mit einem überdimensionalen VW-Emblem auf dem werbe-plakatierten Trikot auf ... - zigtausendfach in den Fanshops verkauft ...

    Und mit einer guten Serie des VfL Wolfsburg in der Bundesliga und der Champions-League winkt in der Saison 2015/2016 mit de Bruyne und Schürrle sogar das "Triple" - und diese läppischen 27 Mio. uro wären damit ebenso rasch wieder eingespielt: Allen wäre geholfen - und die Phalanx des FC Bayern geräte erneut ins Wanken - diesmal aber von echt erwirtschafteten und seriös "verbuchten" VW-Geldern - und dagegen sieht das Gezocke der Münchener Alt-Oberen des FC Bayern doch noch recht amateurhaft aus ...

    Also -  Arminia  - ein bisschen was geht immer ...: und das Geld liegt auf dem Rasen - wenn man nur genau in die dort hinterlassenen Hufenkuhlen blickt -  - man muss es nur rechtzeitig aufheben ...




    (Anmerkung: Falls es wirklich oder ähnlich so kommt, stehe ich für Stellungnahmen nicht zur Verfügung - dies ist alles nur so als eine Art "Real-Satire" vorausgeahnt -  ... - meint S!NEDi ...)

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    Dietrich Bonhoeffer
    Mit guten Mächten gegen Hitler

    Vor 70 Jahren wurde der Theologe Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenbürg ermordet. Bis zu seinem Tod hatte der evangelische Geistliche dem NS-Regime erbitterten Widerstand geleistet. 

    Von Christian Neeb | SPIEGEL-ONLINE


    Ausflug in den Harz: Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer im Jahr 1932 mit Konfirmanden im Harz. Ein Jahr später begann er, offen gegen den nationalsozialistischen Antisemitismus Stellung zu beziehen. - (C) Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Staatsbibliothek zu Berlin | SPIEGEL-Fotostrecke






    Rauschen. Knacken. Dann die Stimme des jungen Mannes: "Der Mensch und insbesondere der Jugendliche wird so lange das Bedürfnis haben, einem Führer Autorität über sich zu geben, als er sich selbst nicht reif, stark, verantwortlich genug fühlt, den in diese Autorität verlegten Anspruch selbst zu verwirklichen." Es ist der 1. Februar 1933. Im Radio spricht der 26-jährige Theologe Dietrich Bonhoeffer zu den Hörern an ihren Empfängern.

    Gerade einmal zwei Tage ist es her, dass Adolf Hitler und die NSDAP die Macht an sich gerissen haben. Dem Land, durch Wirtschaftskrise und innenpolitische Querelen erstarrt, präsentieren sie einen starken Mann, der ihnen den Ausweg aus der Krise verspricht. Den Aufstieg zur Macht hat Hitlers Partei skrupellos und mit brutaler Gewalt eingeleitet.
    "Der Führer wird sich dieser klaren Begrenzung seiner Autorität verantwortlich bewusst sein müssen", sagt Bonhoeffer in der Berliner Funkstunde. Unerhörte Worte sind das. "Versteht er seine Funktion anders, als sie so in der Sache begründet ist, dann gleitet das Bild des Führers über in das des Verführers." Mitten im Vortrag ist Bonhoeffers Stimme weg, die Übertragung abgebrochen.

    Ob es wirklich eine Zeitüberschreitung in der Rede gab, wie offizielle Stellen behaupteten, oder die Kritik am "Führer"-Kult zum Abbruch führte: Klar ist, dass sich Bonhoeffer mit diesen Worten auf die Abschussliste der Nazis setzte. Sein Mut wurde ihm zum Verhängnis: Am 9. April 1945, wenige Wochen vor der Kapitulation, wurde der Widerstandskämpfer im KZ Flossenbürg ermordet.

    Freiheitskämpfer made in Harlem

    Als Sohn Karl Bonhoeffers, eines bekannten Professors für Psychiatrie und Neurologie, hatte Dietrich Bonhoeffer eine privilegierte Kindheit und Jugend genossen. Die gut situierte Familie lebte in Berlin und besaß ein Ferienhaus im Harz. Nach dem Abitur hastete Bonhoeffer im Laufschritt durch die akademische Laufbahn. In Tübingen, Rom und Berlin studierte er evangelische Theologie. Mit 21 Jahren war er promoviert, mit 24 habilitiert.

    Obwohl die Bergpredigt zum zentralen Thema in Bonhoeffers Theologie wurde, machte erst ein Aufenthalt in New York den jungen Mann 1930 vollends zum Pazifisten. Dort, in den Straßen Harlems und seinen Kirchen, wurde Bonhoeffer zum Pastor, zum Hirten. Er lernte den Dienst an den Menschen kennen und begann, seinen Glauben zu leben. Besonders die Worte seiner US-amerikanischen Kollegen, die absoluten Pazifismus predigten, beeindruckten den jungen Bonhoeffer stark.

    Zurück in Deutschland begann er 1931 seine Arbeit als Assistent von Professor Wilhelm Lütgert. Und schockierte seine Seminarbesucher mit kritischen Aussagen, die dem Zeitgeist und der kriegsdürstenden Rhetorik zuwiderliefen. In einem Klima des aufgebrachten Nationalismus bezog der Theologe als einer von wenigen Stellung. Auch nach seiner unterbrochenen Rede ließ er sich nicht einschüchtern - Bonhoeffer sprach Klartext.

    Dem Rad in die Speichen fallen
    "Die Kirche ist den Opfern jeder Gesellschaftsordnung in unbedingter Weise verpflichtet, auch wenn sie nicht der christlichen Gemeinde angehören", sagte Bonhoeffer im April 1933 bei einem Vortrag vor der Berliner Pfarrerschaft. Es sei sogar denkbar"nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen".
    Getuschel, quietschende Stühle - die ersten Amtsbrüder verließen den Raum, sie ertrugen die Konsequenz der Sätze nicht. Trotzdem ließ sich Dietrich Bonhoeffer nicht entmutigen. Die Kirche müsse den Staat an seine Verantwortung erinnern, rief er in den Saal.

    Den Juden verpflichtet, dem Rad in die Speichen fallen: Da predigte ein evangelischer Geistlicher ohne große Umschweife den notfalls gewaltsamen Widerstand gegen das Regime. Leichtsinnig hatte Bonhoeffer diesen Entschluss nicht gefasst. Gemeinsam mit den Mitgliedern der Bekennenden Kirche sah sich Bonhoeffer der Übermacht der NSDAP-treuen "Deutschen Christen" hilflos gegenüber. Dennoch setzte er sich theologisch mit dem Regime und seinen Auswüchsen auseinander, reiste durch Europa und warnte vor der Kriegsgefahr, die von Deutschland ausging.

    Bomben gegen Hitler

    Im Ferienhaus der Bonhoeffers im Harz kamen immer öfter Kritiker von "Führer" und Partei zusammen. Auch seine Studenten nahm der Religionswissenschaftler hierhin mit. Besonders die Gespräche mit dem Schwager Hans von Dohnanyi, der im Amt Ausland/Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht für Admiral Wilhelm Canaris tätig war, bestätigten ihn in seiner Auflehnung gegen die Nationalsozialisten.

    Es könne sich "auch für einen Pfarrer lohnen, sein Leben für die politische Freiheit einzusetzen": Diesen Satz äußerte Bonhoeffer laut seinem Schüler und Biografen Eberhard Bethge am 4. Februar 1939, dem 33. Geburtstag des Widerstandskämpfers. Zwei Jahre später war Bonhoeffer mit einem Rede- und Schreibverbot belegt.

    Admiral Canaris und Dohnanyi erarbeiteten mittlerweile Putschversuche gegen das Regime. Sie nahmen Bonhoeffer in ihren Kreis auf und ließen ihn als Agenten ins Amt Ausland/Abwehr versetzen. Statt in die USA zu emigrieren und einen angebotenen Lehrstuhl in Harlem anzunehmen, begann der Theologe ein Doppelleben: europaweit auf der Suche nach Unterstützern im Kampf gegen Hitler - und selbst dem Tyrannenmord nicht mehr abgeneigt.

    "Wer bin ich?"

    Im März 1943 organisierte der Kreis um Bonhoeffer, Canaris und Dohnanyi mehrere Anschlagsversuche auf Hitler, die jedoch alle scheiterten. Mal war eine Bombe in Hitlers Flugzeug angeblich durch die Kälte des Flugs vereist, mal verließ der Diktator kurz vor Zündung eines Sprengsatzes den Raum. Am 5. April wurde der Widerstandskämpfer festgenommen und kam in Isolationshaft.
    "[…] Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
    Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
    Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
    ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle […]"

    In einer kargen Zelle im Gefängnis Berlin-Tegel schrieb Dietrich Bonhoeffer am 8. Juli 1944 sein Gedicht "Wer bin ich".


    "Wer bin ich?": Ein Autograf des Gedichts "Wer bin ich?" von Dietrich Bonhoeffer. Der Pfarrer schrieb die Zeilen im Militärgefängnis Berlin-Tegel nieder, seinem Freund Eberhard Bethge legte er das Gedicht in einem Brief vom 8. Juli 1944 bei. Es endet mit dem Vers: "Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!"


    Nach dem gescheiterten Attentat von Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf Hitler stieß die Gestapo im Herbst 1944 auf brisantes Material: Zufällig wurden Geheimpapiere der Verschwörer in einem Panzerschrank des Amts von Canaris gefunden. Dies war das Todesurteil für den Widerstandskämpfer.

    Bonhoeffer, sein Bruder Klaus, Canaris, Dohnanyi und ihre Vertrauten, sie alle wurden inhaftiert, verhört, gefoltert. Aus Berlin-Tegel brachte man sie im Oktober in den Keller der Gestapo-Zentrale in der Prinz-Albrecht-Straße in Berlin - als persönliche Gefangene Hitlers.

    Nackt zum Galgen

    Im Februar 1945 wurde Bonhoeffer ins Konzentrationslager Buchenwald verlegt, im April ins KZ Flossenbürg. Am 5. April verfügte Hitler, die Verschwörer seien zu exekutieren. Drei Tage später fand ein Scheinprozess statt, den die Angeklagten ohne Verteidigung über sich ergehen lassen mussten.

    Ein Gebet in der Zelle, dann musste sich Bonhoeffer ausziehen. Nackt trat er den Gang zum Galgen an - eine letzte Demütigung für den Pastor, der es gewagt hatte, von Anfang an gegen Hitler zu reden. "Ich habe in meiner fast 50-jährigen ärztlichen Tätigkeit kaum je einen Mann so gottergeben sterben sehen", schrieb Hermann Fischer, der Lagerarzt von Flossenbürg später.
    Er und die Mitglieder des SS-Standgerichts, das Bonhoeffer und seine Mitstreiter zum Tode verurteilt hatte, wurden 1956 vom Bundesgerichtshof im Fall Bonhoeffer freigesprochen. Das Urteil sei rechtskräftig, hieß es. Erst 1998 erließ der Bundestag das Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile, und Bonhoeffer wurde rehabilitiert.

    Was bleibt, ist die Erinnerung an einen Mann, der sein Leben für den Kampf gegen das Unrecht opferte - und seine Worte:
    Von guten Mächten

    Von guten Mächten treu und still umgeben, 
    Behütet und getröstet wunderbar, 
    So will ich diese Tage mit euch leben 
    Und mit euch gehen in ein neues Jahr.

    Noch will das alte unsre Herzen quälen, 
    Noch drückt uns böser Tage schwere Last. 
    Ach, Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen 
    Das Heil, für das du uns geschaffen hast.

    Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern 
    Des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, 
    So nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern 
    Aus deiner guten und geliebten Hand.

    Doch willst du uns noch einmal Freude schenken 
    An dieser Welt und ihrer Sonne Glanz, 
    Dann wolln wir des Vergangenen gedenken 
    Und dann gehört dir unser Leben ganz.

    Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, 
    Die du in unsre Dunkelheit gebracht. 
    Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. 
    Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

    Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, 
    So lass uns hören jenen vollen Klang 
    Der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, 
    All deiner Kinder hohen Lobgesang.

    Von guten Mächten wunderbar geborgen, 
    Erwarten wir getrost, was kommen mag. 
    Gott ist bei uns am Abend und am Morgen 
    Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

    Gedichttext aus Eberhard Bethge: Erstes Gebot und Zeitgeschichte. Aufsätze und Reden 1980 - 1990, Chr. Kaiser Verlag, München 1991 in der korrigierten Fassung nach erstmaliger Sichtung einer Xerokopie des Originalbriefes. Dank an Dipl.-Phys. Wilfried Schulz aus Berlin vom BONHOEFFER-Freundeskreis Region Mitte (Berlin-Brandenburg)
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