Are you the publisher? Claim or contact us about this channel


Embed this content in your HTML

Search

Report adult content:

click to rate:

Account: (login)

More Channels


Showcase


Channel Catalog


older | 1 | .... | 63 | 64 | (Page 65) | 66 | 67 | .... | 129 | newer

    0 0


    Manchmal sind es die Vorurteile - vor denen man flüchten muss ...

    Tausendfach auf Facebook geteilt: Bewegender Text von Tina Beckmann setzt Hassparolen das traurige Schicksal von Flüchtlingen entgegen


    Soziale Netzwerke sind Fluch und Segen zugleich. Deutlich wird das vor allem während der Flüchtlingskrise. Öffentliche Hetze gegen Flüchtlinge nimmt ebenso zu wie das Engagement für Menschen, die in Deutschland Schutz suchen. Über mehrere Wochen werden Texte und Bilder digital verbreitet. So erreichen Vorurteile ebenso wie die Entkräftung von Ressentiments täglich Hunderttausende Menschen.

    Die Autorin Tina Beckmann aus Hamm hat sich für das Widerlegen von Vorurteilen entschieden und eine Geschichte über Flüchtlinge auf Facebook verbreitet. "Ich helfe ehrenamtlich in Flüchtlingsunterkünften und habe die Geschichten von Asylbewerbern zusammengetragen, weil sie mich so bewegt haben", sagt die 31-Jährige. "Die Menschen, die zu uns kommen, haben Schreckliches erlebt."

    Ihre Geschichte hat Tina Beckmann am 15. August online gestellt. Seitdem erreichen die Zeilen täglich immer mehr Menschen. "Ich musste diese Zeilen schreiben, weil ich die Hetze gegen Flüchtlinge nicht mehr ertragen habe." Doch dass ihr Text so viele Menschen bewegt, hat die Autorin überrascht. "Die vielen positiven Rückmeldungen haben mich überwältigt und mir gezeigt, dass viele Menschen Flüchtlingen helfen wollen."(caro)
    • »Die kommen doch nur her, um sich hier aushalten zu lassen!« 
    Du bist 29 Jahre alt und hast eine Frau, zwei Kinder und einen Job. . . . Du kannst dir auch mal was leisten, und lebst in einem kleinen Häuschen in der Stadt. Plötzlich ändert sich die politische Lage in deinem Land und ein paar Monate später stehen Soldaten vor deinem Haus. Und vor den Häusern der Nachbarn. Sie sagen, wenn du nicht für sie kämpfst, erschießen sie dich. Dein Nachbar weigert sich. Ein Schuss. Das war?s. Du hörst, wie einer der Soldaten zu deiner Frau sagt, dass sie die Beine breit machen soll. Du schaffst es irgendwie, die Soldaten erst mal loszuwerden, und denkst die halbe Nacht lang nach. Auf einmal hörst du einen Einschlag. Dein Haus hat kein Wohnzimmer mehr. Ihr rennt raus und seht, dass die ganze Straße zerstört ist. Kein Stein steht mehr auf dem anderen. Du bringst deine Familie zurück ins Haus und rennst an die Stelle, an der das Haus deiner Eltern stand. Es ist nicht mehr da. Deine Eltern auch nicht. Du siehst dich um und entdeckst einen Arm mit dem Ring deiner Mutter am Finger. Der Rest deiner Eltern ist nicht mal mehr auffindbar.
    • »Aber die Asylanten haben so viel Luxuszeug! Smartphones, Markenklamotten und so!«
    Du denkst jetzt nicht mehr nach. Du rast nach Hause und rufst, deine Frau soll die Kinder anziehen. Du schnappst dir eine kleine Tasche, denn mehr könnt ihr auf die Dauer nicht tragen, und packst das Nötigste. Nur je 2 Kleidungsstücke pro Kopf passen in die Tasche. Was nimmst du mit??? Du wirst deine Heimat vermutlich nie wiedersehen. Deine Familie nicht, deine Nachbarn nicht, deine Arbeitskollegen . . . Aber wie sollst du in Kontakt bleiben? . . . Hektisch wirfst du also dein Smartphone und das Ladekabel in die Tasche. Dazu etwas Brot und das Lieblingskuscheltier deiner kleinen Tochter.
    • »Die können sich die Flucht doch locker leisten. Dann sind die auch nicht arm!«
    Für den Notfall, denn man hat es kommen sehen, hast du all dein Geld bereits zusammengekratzt. . . . Pro Kopf kostet der nette Schlepper von nebenan schlappe 5.000 Euro. Du hast 15.000. . . . Die Flucht bis zur Landesgrenze dauert zu Fuß zwei Wochen. Du hast Hunger und seit einer Woche kaum etwas gegessen. Du bist schwach, genau wie deine Frau. Aber Hauptsache, die Kinder haben genug. . . . Nach weiteren 2 Wochen seid ihr am Meer. Ihr werdet mitten in der Nacht mit Hunderten anderer Flüchtlinge auf ein Schiff geladen. . . . Das Schiff ist so voll, dass es zu kentern droht. Du betest, dass ihr nicht ertrinkt. Die Leute um dich herum weinen, schreien. Ein paar kleinere Kinder sind verdurstet. Die Schlepper werfen sie über Bord. . . . Ihr werdet ermahnt, die Klappe zu halten, damit euch niemand kommen hört. Deine Große versteht das. Deine Kleine nicht. Sie hört nicht auf zu weinen. Die anderen Flüchtlinge werden nervös. Sie halten deine Frau an, das Kind ruhigzustellen. Sie schafft es nicht. Einer der Männer packt deine Tochter und wirft sie über Bord. Du springst hinterher, aber du findest sie nicht mehr. Nie mehr. In 3 Monaten wäre sie 2 Jahre alt geworden. 
    • »Die haben's hier immer noch zu gut und kriegen alles in den Arsch geschoben«
    Wie du, deine Frau und deine große Tochter es in das Land, das euch aufnimmt, geschafft haben, weißt du nicht mehr. Alles ist wie in Watte gepackt. Deine Frau hat seit dem Tod eurer Tochter nicht mehr gesprochen. Deine Große hat seitdem das Kuscheltier der Kleinen auf dem Arm und ist völlig apathisch. Du musst durchhalten. Ihr seid gleich an der Notunterkunft angekommen. Es ist 22 Uhr. Ein Mann, dessen Sprache du nicht sprichst, führt euch in eine Halle mit Feldbetten. Dicht an dicht stehen sie. 500 Stück. In der Halle ist es stickig und laut. ... Eigentlich kannst du kaum noch stehen. Eigentlich wünscht du dir fast, sie hätten dich erschossen. Stattdessen packst du deine Habseligkeiten aus: Je zwei Teile für jeden, und dein Smartphone. Am nächsten Morgen wird Kleidung verteilt. Auch Markenklamotten sind unter den Spenden. Und ein Spielzeug für deine Tochter. Du bekommst 140 Euro. Für den ganzen Monat.
    • »Die sind doch jetzt hier sicher. Also sollen die sich freuen!«
    Draußen hältst du dein Smartphone in die Luft und hoffst auf Empfang. Du musst wissen, wer aus deiner Stadt noch lebt. Dann kommt ein "besorgter Bürger" vorbei und beschimpft dich. Du verstehst was von "zurück in dein Land!", Bruchstücke von "Smartphone" und "alles in den Arsch gesteckt" konnte irgendwer übersetzen. 

    • Und jetzt sag mir, wie du dich fühlst und was du besitzt. Die Antwort auf beide Fragen ist: "Nichts!"

    Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht vor dem Krieg in der Heimat. Sie suchen Frieden in Europa. | FOTOS: AFP, RTR, DPA, FOTOLIA; | GESTALTUNG: BRINKMANN - NW

    © 2015 Neue Westfälische
    03 - Bielefeld Süd, Donnerstag 10. September 2015


    Okay - ich wollte hier nicht mehr so viel "Copy & Paste" bewerkstelligen - und selbst als Autor mehr Texte spontan verfassen - wie es sich eben für ein Blog auch geziemt: Denn eigentlich ist so ein Blog ja ein Diary, ein Tagebuch, ein Notizbuch für alles, was einem auffällt und ins Auge sticht und in den Sinn kommt ... - und bei mir ist es auch noch mein Forum für meine kreativen Umsetzungen und Arbeiten ...

    Und manchmal sind das eben aber auch die Texte und Abbildungen anderer Menschen, meist Gleichgesinnter natürlich - wo man deren Publikationen schon aus Anerkennung und Übereinstimmung mit der eigenen Denke mit übernehmen muss - oder weil es die eigene Denke zu neuen Verästelungen führt ...: Bei guten Kommentaren z.B. - oder guten Reportagen - bei guten Illustrationen und "Kunstwerken" auch ... - Und so sind einige Dinge in diesen Tagen so wichtig, dass ich diese mir auffallenden betreffenden Fundstücke hier einfach wiedergeben muss - natürlich mit korrekter Quellenangabe...  

    Denn vor vielen vielen Jahren kennzeichnete man solch "entliehenen" Texte vielleicht mit diesem berühmten Kürzel: "G.Klaut" als Quellenangabe - das war zu Zeiten, als man noch einschlägige "Underground-Texte", die etwas jenseits des bürgerlichen "Mainstreams" fungierten, mittels Schere, Uhu und Kopierer zusammenpappte - und es regelrechte klotzige über DIN-A-4-große und weit über 1000 Seiten starke "Schnippelbücher" gab, aus denen man sich illustrationsmäßig bedienen konnte: als Copy & Paste per Hand und Schere und Uhu-Alleskleber und Tesafilm sozusagen, und dann ab damit an den Unikopierer, wo so etwas am billigsten zu vervielfältigen war ... 

    Heute übernehmen so etwas die "#hashtags" in den Sozialen Netzwerken - oder etwa solche Blogs wie dieses hier - und die Bild-Suchmaschinen von Google - aber manche Texte sind eben so wichtig, dass man sie mit einer Veröffentlichung hier einfach "zwingend" vervielfältigen muss - wie gesagt - gerade "in Zeiten wie diesen" ...  - aber heute stehen sie unmittelbarer - im Gegensatz zu früher - permanent dem "politischen" Gegner und dem Andersdenkenden und den Dumpfbacken aus dem "dunklen" Deutschland gegenüber, die sich der gleichen Mechanismen bedienen ... 

    0 0
  • 09/10/15--06:30: Multikulti - Leitkultur

  • "Willkommens-Kultur"- die britische Zeitung "Guardian" meint, dieses Wort könnte ein über die Grenzen Deutschlands feststehender internationaler Begriff werden - auch im Englischen - wie z.B. das Wort "Kindergarten" oder "Sommermärchen" ... Deutschland kreiert also quasi über Nacht einen neuen Begriff in diese "Weltkultur" hinein - und doch muss man sich ja als Autor eines "Culture"-Blogs fragen, welche "Kultur", "Leitkultur" ist hier denn eigentlich immer gemeint - und wird hier andauernd - besonders von den Integrationsgegnern - ins Feld geführt.

    Meistens geschieht das ja im Sinne von "Kultur bewahren" vor "Überfremdung" - gemeint ist dann oft ganz schlicht, das "christliche Abendland" zu schützen vor den zu großen Einflüssen aus dem "Islam" - vor allen Dingen hat man Ängste vor dessen radikalen Randstrukturen ...

    Werte des "Christlichen Abendlandes"
    Aber ebenso, wie das "Christliche" in diesem Abendland inzwischen auch man insgesamt sehr dünne daherkommt - und dieses "Christliche" bzw. auch inzwischen wieder "Jüdische" sich zumeist aus unüberbrückbaren Schismen und Spaltungen über die Jahrhunderte hinweg wie ein vielfältiges Puzzle zusammensetzt - unter all den "glaubenden Schwestern und Brüdern" - aufgeteilt in "Katholisch" (Orthodox und Römisch) und "Evangelisch" - und das Letztere wiederum in "Lutherisch" und "Reformiert" und "Unioniert" und "Freikirchlich" und "Baptistisch" - und in weiteren Glaubensgemeinschaften aufgespalten ist, die von den anderen Kirchen dann als "Sekten" bezeichnet werden (Zeugen Jehovas etwa, Mormonen, Scientology, Bhagwan u.a.m.) - und weitere andere internationale zumeist asiatische Strömungen: Konfuzianismus, Buddhismus, Hinduismus, Daoismus, Shintoismus - aber auch Voodoo aus Afrika bzw. Südamerika ... - und nicht zuletzt das "Jüdische", das sich auch aufteilt in "Liberale" und "Orthodoxe" Strömungen ...

    Als Angela Merkel jüngst in der Schweiz auf einem Podium saß, stellte ihr eine Zuhörerin eine provokante Frage: Was die Kanzlerin denn tun wolle, um Europa vor einer zunehmenden Islamisierung zu schützen. Merkels Antwort war bemerkenswert: Sie mache niemandem einen Vorwurf, der sich zum islamischen Glauben bekenne, sagte Merkel. Aber - die Christen könnten sich ebenso engagiert zeigen. "Haben wir doch auch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind."
    In diese Diskussion schaltete sich jetzt die ehemalige hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann ein. "Ich muss bei den besorgten Mitbürgern immer ein wenig lächeln", sagte die 57-Jährige der "Hamburger Morgenpost". "Ich sage denen gern: Gehen Sie sonntags in die Kirchen, dann müssen Sie keine Angst vor vollen Moscheen haben." 

    Und gut frequentierte christliche Gotteshäuser werden nicht veräußert an andere Glaubensgemeinschaften - wie das ja schon in diesen unseren Landen ja "mangels Masse" geschehen musste ... Im Osten dieses Landes hat man ja am meisten Angst vor "muslimische Überfremdung" - und genau dort sollte man am Sonntagmorgen mal in die Kirchen schauen, wenn denn überhaupt an jedem Sonntag dort noch flächendeckend ein Gottesdienst abgehalten wird ... - aber die leeren christlichen Kirchen und die Kirchenaustritte haben nichts mit "muslimischer Überfremdung" und "vollen Moscheen" zu tun ...

    "Wir müssen draußen bleiben" ...

    Der wichtige kulturelle Baustein "Sprache" ist in Deutschland mit Anglizismen zumindest "europäischen" Ausmaßes durchsetzt, durch Internet und Handel und Wandel mit der Welt ...
    Eine deutsche Schriftform, wie die Fraktur, Gotik und das Sütterlin wurde schon nach dem Weltkrieg quasi "abgeschafft", weil sie zu sehr mit dem NS-Brauchtum assoziiert wurden, obwohl sich auch Hitler von den angeblichen "Juden-Lettern" der gotischen Schwabacher Schrift längst distanziert hatte - und im "Aufbau einer neuen Welt" viele altdeutsche Kultur-"...-Ismen" als zu "alt-romantisch" abgeschafft hatte - und heutzutage ist die zeitgenössische Kunst eines Georg Baselitz oder Gerhard Richter oder sogar bei Anselm Kiefer eigentlich international gefragter denn je - aber nicht mit einer "typisch deutsch" zu bezeichnenden "Leitkultur" behaftet, die meisten Kunstwerke könnten zum Beispiel auch von Amerikanern oder anderen Europäern - oder auch von Asiaten stammen, denn die meisten bekannteren Künstler werden sowieso international und multikulturell ausgebildet und begegnen sich auf internationalen Ausstellungs-Parketts ...: die systemisch-philosophische Metapher des "Flügelschlages eines Schmetterlings in Brasilien, der vielleicht einen Tornado in Texas oder anderswo auslösen kann", beschreibt die dynamische Verbundenheit und die globalen und auch kulturellen Phänomene untereinander allerorten: Die Welt ist ein globales durch und durch visualisiertes Dorf geworden - und noch weiß man nicht, ob sie dabei "verzwergt"und"versimpelt" - also schrumpft und verschlankt - oder weiter "overperformed" werden muss, damit die Anzahl der benötigten Verknüpfungspunkte Schritt halten kann ...

    Und durch das Fallen des Eisernen Vorhangs und der Wiedervereinigung und dem Zusammenwachsen der zwei deutschen Staaten - sowie dem Zuzug vieler russlanddeutscher Menschen (zumeist der Glaubensrichtung der Mennoniten angehörend ...) - der bundesdeutschen Integration von insgesamt fast 20 Millionen Menschen aus unterschiedlichsten Regionen und unterschiedlichsten politischen Systemen aus Ost und West, die manchmal nur noch allenfalls vielleicht biologisch vor ein paar längst verflossenen Generationen eine wage Verwandtschaft aufweisen - fragt man sich doch vielleicht als ein guter Moslem, vielleicht als Schiit oder als Sunnit, was denn diese deutsche "Leitkultur" eigentlich nun sei ... - diese Leitkultur im "christlichen Abendland" - auf die man sich verpflichten soll ...

    Auch wenn Frau Merkel das noch vor ein paar Jahren nicht wahrhaben wollte: Aber Deutschland und Mitteleuropa sind längst im Multikulti angekommen ...
      
    Thilo Sarrazin meint allerdings dazu, das alles was er in seinem auch heute noch äußerst umstrittenen Buch "Deutschland schafft sich ab" prognostiziert habe, nun auch eintreffe, nur noch ein paar Grade radikaler ... Und er sagt auch: "Überall in der Welt haben sich Zivilisationen und Kulturen, die materiell fortgeschritten waren, gegenüber ungeregelter Einwanderung geschützt", und das könne seinetwegen auch ruhig "mit Mauern und Stacheldraht" passieren (Interview in der ZEIT v. 10.09.2015)...

    Was ist also deutsche oder europäische Leitkultur, die es nun besonders zu schützen bzw. weiter zu vermitteln gilt ... Sarrazin und Konsorten malen da einen Popanz an die Wand, der vielleicht abends noch bei den Lagerfeuern in den Flüchtlingscamps an der Wand zu den Ruhehallen tanzt ... - und wenn das Feuer gelöscht ist, ist auch dieses Trugbild weg ...

    Was ist hier vor wem unüberbrückbar zu schützen ... ??? Ich meine, "kulturelle Werte" sind inzwischen globale Übereinkünfte: der Chinese Ai Weiwei zum Beispiel soll als Gastprofessor Kunst in Berlin lehren - und in der Mittagspause nehmen sich viele europäische Menschen, auch Christen, eine kurze Auszeit zur "Zen-Meditation" ... Und die vielen Bundesliga-Spieler, die sich nach jedem Tor bekreuzigen, ob schwarzer oder weißer Hautfarbe - oder Gelb oder Braun ... - die Musik-Festivals in Nah und Fern: das sind globale und internationale Phänomene - und in den ägyptischen oder palästinensischen Charts kann auch schon mal ein Song aus den USA landen ... - Was meinen die also, mit "Leitkultur" ... und was wird hier "überfremdet" ... Eine Gratwanderung zwischen Anpassung und Eigenständigkeit wird hier natürlich wie in jedem Einwanderungsland zu leben sein - aber es kann immer wieder jede Seite von der anderen positiv partizipieren ... - wir müssen es alle wollen ... - und wir müssen sagen: Ja, Deutschland ist Einwanderungsland - und jetzt ist eine weit gefasste Inklusionsdenke und Inklusionspraxis vonnöten ... - Herzlichen Glückwunsch ... S!


    Eine neue Werbekampagne vom italienischen Mode- und Parfumlabel DOLCE & GABBANA namens #DGFAMILY: Sie stellen - vielleicht typisch italienisch - eine Großfamilie mit allen mitzudenkenden sozialen Verstrickungen untereinander und im laufenden Miteinander in den Mittelpunkt - aber man achte besonders auch auf das, was bei dieser für Werbezwecke vor der Kamera kreierten Familie herausgestellt wird und "rüberkommen" soll - was jeweils den Unterschied macht: nämlich dieser offensichtliche MULTIKULTI-Effekt ... - die Werbung schreitet der Wirklichkeit voran ... - die typische gedachte Großfamilie ist in €uropa ein Leben in Vielfalt ... - S!


    0 0

    S!NEDi|art: Ä ne HIPPOCAMPUS - oder et is de Has up de Sandbank, de Schlittschuh löppt ... - [vergrößern: clicken - und dann etwas scrollen ...]





    Seit 1706 wird ein kleines Hirnteil nach dem Seepferdchen (lateinisch Hippocampus) benannt. Das Seepferdchen wurde seinerseits seit den 1570er Jahren in latinisierter Form nach dem Meeresungeheuer Hippokamp aus der griechischen Mythologie bezeichnet, dessen vordere Hälfte ein Pferd, der hintere Teil ein Fisch ist. Der Name dieses Fabelwesens (griechisch ἱππόκαμπος hippokampos) ist zusammengesetzt aus hippos „Pferd“ und kampos „Seeungeheuer“.





    ein gedicht ein gedicht
    [nach dem sketch: ein klavier ein klavier - von Loriot]
    manchmal ist man ja nicht ganz dicht ...


    es hängt ein pferdehalfter im gehirn
    drückt abends mir gegen die stirn
    von innen

    ja - der kleine hippocampus
    trinkt für sein alter zu viel schampus
    und schnaubt dann wie von sinnen

    hinten läuft er aus als fisch
    und ist auch nicht mehr ganz so frisch
    hat nichts mehr zu gewinnen


    es wiehert oft - dies hippotier
    ich hör es meist morgens um vier
    wenn meine träume just verrinnen


    dann bläht's die nüstern dort im kopf
    und schwimmt im kreis dort unterm schopf
    und schabt mit hufen - drinnen ...

    sinedi




    0 0

     La dernière image de la pyramide égyptienne | S!NEDi|art


    0 0




    Schrei Nach Liebe
    Songtext

    Du bist wirklich saudumm
    Darum geht's dir gut
    Haß ist deine Attitüde
    Ständig kocht dein Blut

    Alles muß man dir erklären
    Weil du wirklich gar nichts weist
    Höchstwahrscheinlich nicht einmal
    Was Attitüde heißt

    [Refrain:]
    Deine Gewalt ist nur ein stummer schrei nach Liiiiiebe
    Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit
    Du hast nie gelernt dich zu artikulieren
    Und deine Eltern hatten niemals für dich Zeit
    Oh oh oh Arschloch

    Warum hast du angst vorm streicheln
    Was soll all der Terz
    Unterm Lorbeerkranz mit Eicheln
    Weiß ich, schlägt ein herz

    Und Romantik ist für sich
    Nicht nur graue Theorie
    Zwischen Störkraft und den Onkelz
    Steh ne Kuschelrock LP

    [Refrain]

    Weil du Probleme hast die keinen interessieren
    Weil du angst vor schmusen hast
    Bist du ein Faschist
    Du mußt deinen Selbsthass nicht auf andere projizieren
    Damit keiner merkt was für ein lieber Kerl du bist

    Deine Gewalt ist nur ein stummer schrei nach liebe
    Deine springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit
    du hast nie gelernt dich artikulieren
    Und deine Freundin die hat niemals für dich zeit

    Oh oh oh

    Arschloch

    Arschloch

    Arschloch




    "Schrei nach Liebe" wird zur Hymne gegen Fremdenhass. In mehreren deutschen Großstädten haben heute hunderte Menschen den Ärzte-Hit gemeinsam gesungen. So klang der Flashmob in Münster.







    Der Song ist fast ein Vierteljahrhundert alt, aber so beliebt wie nie zuvor: Eine Aktion gegen Rassismus hat den Ärzte-Song "Schrei nach Liebe" auf Platz eins der offiziellen Single-Charts katapultiert. Inzwischen gibt es auch Nachahmer.

    Ein Musiklehrer wollte ein Zeichen gegen Rassismus setzen, und sein Plan ist voll aufgegangen: Der Ärzte-Song "Schrei nach Liebe" von 1993 steht offiziell auf Platz eins der deutschen Charts - das teilte das Marktforschungsunternehmen GfK Entertainment mit. Demnach kletterte das Stück innerhalb weniger Tage auf den zwölften Platz des Rankings und führt es nun uneinholbar an - erstmals seit der Erstveröffentlichung vor 22 Jahren.

    Urheber dieses Überraschungserfolgs ist der Musiklehrer Gerhard Torges, der mit seiner "Aktion Arschloch!" dem Anti-Nazi-Song zu beträchtlicher Popularität verhalf: Fans sollten sich den Song online kaufen oder bei Radiosendern wünschen, forderte er vor einer Woche.
    Die Ärzte wehrten sich nicht gegen die Aktion.Auf ihrer offiziellen Homepage schrieben die Musiker, dass sie es "gut und wichtig"finden, dass im Radio Stellung bezogen werde: "Die Aktion wäre auch mit jedem anderen Anti-Nazi-Song cool. Wenn es unser Lied sein soll, unterstützen wir das aber natürlich gern."

    Ein Solidaritätssong auch in Großbritannien

    Die Band kündigte zudem an, alle Einnahmen an die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl zu spenden, die zusammen mit 20 Künstlern und dem Bündnis "Kein Bock auf Nazis" einen Aufruf gegen rechtsextreme Angriffe auf Flüchtlinge initiiert hatte. Unterzeichnet wurde der Aufruf unter anderem von den Ärzten, den Toten Hosen, Sportfreunde Stiller, Tocotronic, Beatsteaks, Deichkind und Jan Delay.

    Die Aktion von Musiklehrer Torges findet indes offenbar Nachahmer im Ausland, wie der britische Sender ITV meldet: Die britische Kolumnistin Caitlin Moran und ihr Ehemann Pete Paphides haben andere Prominente zusammengetrommelt, um den Song "Help Is Coming" der Rockband Crowded House erneut zu veröffentlichen. In dem Clip sagt Schauspieler Benedict Cumberbatch über die Flüchtlingskrise: "Während Menschen diese Tragödie aus der Sicherheit unserer Häuser sehen, mit unseren Kindern in Sicherheit, wollen wir Euch sagen, dass wir Euch sehen und hören - und dass Hilfe kommt!"

    SPIEGEL.de

     

    0 0

    S!NEDi|art: rettung eines kleinkindes | weihnachten jeden tag im mittelmeer - nach einem Foto von RTS|NW - click=groß


    0 0


    komm! - ins offene ... hoffentlich haben sie es inzwischen geschafft - und sind in sicherheit - Foto: tagesschau.de




































    Friedrich Hölderlin

    Der Gang aufs Land

    An Landauer

    Komm! ins Offene, Freund!zwar glänzt ein Weniges heute
      Nur herunter und eng schließet der Himmel uns ein.
    Weder die Berge sind noch aufgegangen des Waldes
       Gipfel nach Wunsch und leer ruht von Gesange die Luft.
    Trüb ists heut, es schlummern die Gäng' und die Gassen und fast will
        Mir es scheinen, es sei, als in der bleiernen Zeit.
    Dennoch gelinget der Wunsch, Rechtglaubige zweifeln an Einer
        Stunde nicht und der Lust bleibe geweihet der Tag.
    Denn nicht wenig erfreut, was wir vom Himmel gewonnen,
        Wenn ers weigert und doch gönnet den Kindern zuletzt.
    Nur daß solcher Reden und auch der Schritt’ und der Mühe
        Wert der Gewinn und ganz wahr das Ergötzliche sei.
    Darum hoff ich sogar, es werde, wenn das Gewünschte
        Wir beginnen und erst unsere Zunge gelöst,
    Und gefunden das Wort, und aufgegangen das Herz ist,
        Und von trunkener Stirn' höher Besinnen entspringt,
    Mit der unsern zugleich des Himmels Blüte beginnen,
        Und dem offenen Blick offen der Leuchtende sein.

    Denn nicht Mächtiges ists, zum Leben aber gehört es,
        Was wir wollen, und scheint schicklich und freudig zugleich.
    Aber kommen doch auch der segenbringenden Schwalben
        Immer einige noch, ehe der Sommer, ins Land.
    Nämlich droben zu weihn bei guter Rede den Boden,
        Wo den Gästen das Haus baut der verständige Wirt;
    Daß sie kosten und schaun das Schönste, die Fülle des Landes
        Daß, wie das Herz es wünscht, offen, dem Geiste gemäß
    Mahl und Tanz und Gesang und Stutgards Freude gekrönt sei,
        Deshalb wollen wir heut wünschend den Hügel hinauf.
    Mög' ein Besseres noch das menschenfreundliche Mailicht
        Drüber sprechen, von selbst bildsamen Gästen erklärt,
    Oder, wie sonst, wenns andern gefällt, denn alt ist die Sitte,
        Und es schauen so oft lächelnd die Götter auf uns,
    Möge der Zimmermann vom Gipfel des Daches den Spruch tun,
        Wir, so gut es gelang, haben das Unsre getan.

    Aber schön ist der Ort, wenn in Feiertagen des Frühlings
        Aufgegangen das Tal, wenn mit dem Neckar herab
    Weiden grünend und Wald und all die grünenden Bäume
        Zahllos, blühend weiß, wallen in wiegender Luft,
    Aber mit Wölkchen bedeckt an Bergen herunter der Weinstock
        Dämmert und wächst und erwarmt unter dem sonnigen Duft.

    [Kursiv-Stellen von S!NEDi hervorgehoben]
    merkel - pressekonferenz - Foto: REUTERS|Spiegel.de


    »Geh ins Offene«, hat der Theaterregisseur Michael Schindhelm seiner früheren Wissenschaftskollegin Angela Merkel zum Abschied von der DDR in ein Buch geschrieben. Über diese Widmung hat Merkel vor fast zehn Jahren in einer Rede zum 3. Oktober gesagt: »Sie ist für mich wie die Überschrift über all meine Gefühle, Wünsche und Sehnsüchte aus dieser Zeit. Gehe ins Offene! Das war mit das Schönste, was man mir zu dieser Zeit sagen konnte. Und wie ich losmarschiert bin [...] Das waren unglaubliche Tage, Wochen und Monate. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. 
    Nicht fragen, was nicht geht, sondern fragen, was geht.«

    Nun geht sie wieder ins Offene, und wie! Ausgerechnet Merkel, die Visions-Verweigerin. Es ist ein Merkel-Moment im doppelten Sinne. Anders als bei Fukushima dreht die Kanzlerin nicht in die sichere Mehrheitsmeinung. Anders als bei der Bankenkrise riskiert sie nicht nur, dass sie ein Versprechen nicht einhalten kann (»Die Spareinlagen sind sicher«). Die Kanzlerin läuft nicht nur Gefahr, dass es teuer wird und sie Beliebtheitspunkte verliert. Die Folgen dieser Entscheidung werden nicht allein sie oder ihre Partei zu tragen haben.

    Merkel zeigt also Führung. ... Kaum ausgesprochen, versuchte die Kanzlerin die Wirkung ihrer Worte zurückzunehmen und die Öffnung zur Ausnahme zu erklären. Doch die Botschaft ist unwiderruflich angekommen, nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt.

    "Mama Merkel help us", steht auf einem Schild, dass ein Jugendlicher an der abgesperrten serbisch-ungarischen Grenze hochhält. - Foto: REUTERS|SPIEGEL.de


    Die Deutschen hätten »ihr Gehirn« verloren, sie ließen sich wie ein »Hippie-Staat« von Gefühlen leiten, sagt der britische Politologe Anthony Glees, auch viele Osteuropäer sind mehr überrascht als erfreut. Sie übersehen dabei, dass es auch diese »Hippie-Politik« ist, durch die Deutschland sich zu dem wirtschaftlich erfolgreichen Land entwickelt hat, das sich nun als globaler Sehnsuchtsort kaum noch selbst erkennt.

    Züge, die 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg als Züge der Hoffnung nach Deutschland hineinfahren, Grenzen, die fallen, das sind sehr deutsche Motive, und sie erinnern an die schlimmsten und die schönsten Momente des Landes. Die Herausforderung aber ist weitaus größer als bei der deutschen Einheit. Denn die Unterschiede zwischen denen, die schon hier sind, und denen, die da kommen, sind viel größer, materiell, kulturell. Schon jetzt ist klar, dass es viele Enttäuschungen geben wird an diesem vermeintlichen Sehnsuchtsort.

    Trotzdem spricht viel dafür, dass die Operation gelingt. Zum einen wegen der Flüchtlinge: Die wollen ja gerade nicht länger religiöse Intoleranz und Repression, sondern mehr vom Gegenteil. Zum anderen, weil es im deutschen Hippie-Staat doch immer noch recht sortiert zugeht.

    aus: Tina Hildebrandt, »Merkels Moment«, in »Die Zeit« Nr. 37, 10. September 2015

    ... und gestern fügte Angela Merkel noch hinzu:„Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land", sagte sie.

    Bayerns Ministerpräsident Seehofer, der ja auch den berüchtigten Herrn Orbán Viktor zum "Freistaats"-Besuch neulich eingeladen hat, hat ihr in den vergangenen Tagen mehrfach vorgeworfen, sie habe letztlich den Rechtsstaat ausgehebelt und eine Sogwirkung erzeugt, die zu chaotischen Situationen am Münchner Bahnhof geführt habe.

    Hat die Kanzlerin die Tragweite ihrer Entscheidung vom 5. September überrissen? Hat sie mit den Selfies, die dankbare Syrer mit ihren Handys beim Besuch der Kanzlerin etwa in der Berliner Außenstelle des Flüchtlingsbundesamtes machten, den großen Run auf Deutschland erst so richtig befeuert?

    Die Bilder, die um die Welt gingen, seien nicht die Bilder von ihrem Besuch in Heidenau gewesen, kontert Angela Merkel: „Da gab's nämlich gar keine Fotografen dabei. (...) Sondern die Bilder, die um die Welt gingen, waren die Bürgerinnen und Bürger, die am Morgen nach dieser Entscheidung die Menschen in München und anderswo am Bahnhof empfangen haben”.

    „Da hat die Welt gesagt, das ist aber eine schöne Geste. Und das kam aus dem Herzen der Menschen”, so die Kanzlerin.

    aus: BILD 


    ************************************************************************


    Ja - wann habe ich denn schon mal in diesem Blog die Kanzlerin Merkel ausdrücklich unterstützt und gelobt: Zur Zeit aber - in ihrer Haltung zu den Flüchtlingen aus Syrien und anderswoher muss ich das - und gebe das hier unumwunden zu Protokoll ... Schon in ihrer Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie - und nun wieder - in der Flüchtlingsfrage - zeigt Frau Merkel Mut und steigt aus dem von ihr selbst apostrophierten "Marktkonformen" Duktus aus (hoffentlich nicht nur vorübergehend und aus irgendeinem Kalkül heraus ...) - und brüskiert damit die "Schwester"partei CSU - und große Teile der CDU stößt sie damit vor den Kopf ...

    Und auch neulich - bei einem Podium in der Schweiz sprach sie Klartext - ganz in meinem Sinne - als ihr eine Zuhörerin eine provokante Frage stellte: 
    • Was die Kanzlerin denn tun wolle, um Europa vor einer zunehmenden Islamisierung zu schützen: ... 
    • Merkels Antwort war bemerkenswert: Sie mache niemandem einen Vorwurf, der sich zum islamischen Glauben bekenne, sagte Merkel.
    • Aber - die Christen könnten sich ebenso engagiert zeigen. 
    • "Haben wir doch auch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind."
    • Wer sich um die Kultur des Abendlandes sorge, der solle sich um diese Kultur auch kümmern, sagte Merkel. 
    • Nicht selten sei es bei ihren Landsleuten "mit der Kenntnis über das christliche Abendland nicht so weit her. 
    • Und sich dann anschließend zu beklagen, dass Muslime sich im Koran besser auskennen, das finde ich irgendwie komisch." ...
    • "Und insofern finde ich diese Debatte sehr defensiv, gegen terroristische Gefahren muss man sich wappnen. Und ansonsten ist die europäische Geschichte so reich an so dramatischen und gruseligen Auseinandersetzungen, dass wir sehr vorsichtig sein sollten, uns sofort zu beklagen, wenn woanders was Schlimmes passiert. Wir müssen angehen dagegen, müssen versuchen, das zu bekämpfen, aber wir haben überhaupt keinen Grund zu größerem Hochmut, muss ich sagen. Das sag ich jetzt als deutsche Bundeskanzlerin."

    Wohlgemerkt: Merkel vertritt dabei auch die deutschen Interessen. Deutschland bekennt sich jetzt zu seiner Identität als Einwanderungsland - und verhält sich darum gerade nicht als "Hippie-Staat, der nur von Gefühlen geleitet wird", wie der britische Politikwissenschaftler Anthony Glees gerade befand.

    Und dass passt auch zu jenem Orbán Viktor aus Ungarn ... Ungarn ist nämlich ursprünglich das Gast-, Ein- und Durchwanderungsland meiner Vorväter - mein Großvater ist 1884 als Abkömmling deutschstämmiger bzw. wahrscheinlich ursprünglich lothringischer Einwanderer, die vielleicht schon 200 - 300 Jahre zuvor dort lebten, in Lakoskomárom in Ungarn geboren worden... 

    Diese Siedler aus aller Herren Länder dort im von den Türkenkriegen völlig entvölkerten und verwüsteten Pannonischen Becken haben von Grund auf neuHandangelegt zur Wiederherstellung der Lebensfähigkeit insgesamt dort - das etwa vor 300 - 400 Jahren ... - und haben Ungarn so zu einem Vielvölkerstaat gemacht mit vielen voneinander ge- und verschiedenen Konfessionen ... - und wurden dann erst zwangs- und einmagyarisiert (bitte googeln) - nationalisiert - ab Ende des 18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts ... - so dass erst Ende des 1. Weltkriegs dieses heutige "nationale" Ungarn aus einem sehr bunten Vielvölkerstaat hervortrat - heute sind viele Gegenden noch und wieder zwei- und mehrsprachig ... - aber diese Tatsachen verdrängt Herr Orbán scheinbar gerne - oder er hat gerade dabei im Geschichtsunterricht in seiner Schule gefehlt oder große Angst davor und daher rührt vielleicht auch sein "Vielvölker" -Trauma ...


    Hier eine Szene aus dem weiten Universum christlicher Wertbilder des Herrn Orbán ...

    Diesem unsäglichen Herrn Orbán Viktor, der jüngst bei einer öffentlichen Vereidigung von 900 neuen jungen ungarischen Grenzsoldaten erklärte, mit dem unmenschlichen Grenzzaun wolle er nicht nur die EU-Außengrenze schützen sondern auch “das christliche Europa gegen aggressive Eindringlinge verteidigen" ... - und der in der F.A.Z. öffentlich fragen darf, ob es etwa nicht schon an und für sich besorgniserregend sei, „dass die christliche Kultur Europas bereits kaum noch in der Lage ist, Europa in der eigenen christlichen Wertordnung zu halten?", möchte ich auf seinen eigenen eklatanten Verstoß aller christlichen Werte, ja - der wichtigsten Grundwerte des "christlichen Abendlandes" hinweisen - nämlich die der durchgängigen Gastfreundschaft: 
    • Als der Knecht Abrahams vor der Stadt Nahors in Mesopotamien ankommt und er Rebekka um ein wenig Wasser bittet, lässt sie ihn sofort aus ihrem Krug trinken. 
    • Dann sagt sie „Auch für deine Kamele will ich schöpfen, bis sie sich satt getrunken haben“. 
    • Sie erfüllt den Wunsch des Fremden im Übermaß und sorgt sich ebenso für ihn wie für seine Tiere. 
    • Auch auf die Frage nach einer Herberge antwortet sie ohne Zögern: „Stroh und Futter haben wir reichlich, auch Platz zum Übernachten“. 
    • Als ihr Bruder Laban dann von der Ankunft des Knechtes hört, geht er ihm entgegen und sagt: „Komm, du Gesegneter des Herrn! Warum stehst du hier draußen? Ich habe das Haus aufgeräumt und für die Kamele Platz gemacht“ (Gen 24). 

    Die Bereitschaft, ohne Zögern zu geben, die Offenheit für das Fremde und der Wille zur Begegnung gehören zur gelingenden Gastfreundschaft, die für die Bibel eine Selbstverständlichkeit ist
    • „Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott“ heißt es in Lev 19,34. 
    Jeder ist Ausländer – fast überall.
    Und beim Anblick des Bildes oben, bei dem das kleine syrische Mädchen unter dem von Orbán und seinen Vasallen errichteten Grenzzaun hindurchklettern muss, fällt mir - neben Friedrich Hölderlins unvollendetes Elegie-Fragment „Der Gang aufs Land“ oben - das "christliche Grundgesetz" aus Matthäus 7 ein, das sich Wort für Wort und Vers um Vers in diesem Moment genau an Orbán richtet: 

    aus Matthäus - Kapitel 7 - die Verse:
    • 7 Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 
    • 8 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. 
    • 9 Welcher ist unter euch Menschen, so ihn sein Sohn bittet ums Brot, der ihm einen Stein biete? 
    • 10 oder, so er ihn bittet um einen Fisch, der ihm eine Schlange biete? 
    • 11 So denn ihr, die ihr doch arg seid, könnt dennoch euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!
    • 12 Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch. Das ist das Gesetz und die Propheten.
    • 13 Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis abführt; und ihrer sind viele, die darauf wandeln. 
    • 14 Und die Pforte ist eng, und der Weg ist schmal, der zum Leben führt; und wenige sind ihrer, die ihn finden.
    • 15 Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.
    • 16 An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? 
    • 17 Also ein jeglicher guter Baum bringt gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt arge Früchte. 
    • 18 Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. 
    • 19 Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 
    • 20 Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. 
    • 21 Es werden nicht alle, die zu mir sagen: HERR, HERR! ins Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. 
    • 22 Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: HERR, HERR! haben wir nicht in deinem Namen geweissagt, haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben, und haben wir nicht in deinem Namen viele Taten getan? 
    • 23 Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr Übeltäter!
    P.S.: 
    Warum kann man Herrn Orbán Viktor nicht anklagen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ... ??? 


    0 0

    aufgefischt
    Zwei Kindermenüs zum Preis von einem ... 

    Das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" benutzt das Motiv des toten Flüchtlingsjungen Aylan (†3) als Vorlage für zwei Karikaturen

    S!NEDi|art: Strandgut in Bodrum ...

    Der dreijährige Aylan Kurdi liegt tot am Strand. Das Foto der türkischen Fotografin Nilüfer Demir am Strand von Bodrum ist inzwischen bereits zu einem Emblem der Flüchtlingskrise geworden - und auch ich habe ja an einer Nachempfindung zu dieser eindrücklichen Bildikone gearbeitet (s.o.) ...

    Und doch - jetzt ist diese Katastrophe unter den vielen Hundert tödlichen Katastrophen dieser Tage zum Thema zweier Karikaturen im französischen Satiremagazin "CHARLIE HEBDO" (Stichwort: "JE SUIS CHARLIE") geworden. Auf einer ist ein Motiv zu sehen, das dem Bild des toten Aylan (†3) am Strand von Bodrum offensichtlich nachempfunden wurde... Auf dem Strand daneben steht ein Werbeschild, darauf ist ein einladendes Clownsgesicht zu sehen, das an die frühere Ronald-McDonald-Figur einer Fast-Food-Kette erinnert. Dort steht auf Französisch: "Angebot: Zwei Kindermenüs zum Preis von einem".Überschrieben ist die Karikatur mit dem Ausruf: "Willkommen, Flüchtlinge! SO NAH AM ZIEL ...".


    CHARLIE HEBDO - RiSS

    Und auch in einer zweiten Karikatur geht es um die toten Flüchtlingskinder (der Bruder des kleinen Aylan lag ca. 100 Meter weiter im Sand - ebenfalls tot angespült). Unter dem Titel "Der Beweis, dass Europa christlich ist" sieht der Betrachter eine Art Jesus Christus, der übers Wasser läuft, daneben taucht die Sprechblase auf: "Die Christen gehen übers Wasser". Neben Kinderbeinen, die aus dem Wasser ragen, heißt es: "Muslimische Kinder ertrinken". Beide Zeichnungen stammen von Laurent "Riss" Sourisseau, dem Karikaturisten, dem beim Anschlag auf das Satire-Magazin im Januar 2015 in die Schulter geschossen wurde.

    CHARLIE HEBDO - RiSS


    Beide Karikaturen sind hart, ganz besonders jene mit dem toten Aylan. Sie schockiert. In den sozialen Netzwerken wird die Zeichnung mindestens als zynisch bezeichnet. 

    Einige behaupten, sie sei eine Verhöhnung des Kindes und seines Schicksals. Aber ist sie das tatsächlich...? Steckt nicht eine satirisch durchaus legitime wenn auch bitterböse Attacke auf das westliche Europa darinnen? 
    Kinder als Konsumenten werden umworben, Kinder als Flüchtlinge werden alleingelassen bis zum Tod durch Ertrinken und dann als Strandgut angespült. 
    Und dann werde, so die Suggestion der Jesus-über-dem-Wasser-Zeichnung, auch zwischen den Flüchtlingen nach Religionszugehörigkeit unterschieden - Christen viel gut, Muslime viel Pech.

    Die überwiegende Mehrheit der Reaktionen bei Twitter und Facebook ist negativ. "Immer noch 'Je suis Charlie'?", fragt ein Nutzer. Na-ja - damit verliert "Charlie Hebdo" vielleicht viele Sympathiepunkte, aber kann ein Satiremagazin "gut" sein, das auf Sympathie aus ist und nach allen Seiten offen? Wer nach allen Seiten offen ist - ist nicht ganz dicht ... lautet dazu ja auch ein passender Spruch aus dem "Volksmund" ...

    Bei dem islamistischen Terroranschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ wurden im Januar in Paris zwölf Menschen getötet. Darunter waren die Zeichner Charb, Wolinski, Cabu, Tignous und Honoré, die zu den besten Karikaturisten Frankreichs gehörten. An diesem Donnerstag wird die Zeitschrift in Potsdam mit dem M100 Media Award ausgezeichnet, mit dem das Recht der freien Meinungsäußerung gewürdigt wird. Chefredakteur Gérard Biard wird den Preis auf der Medienkonferenz M100 Sanssouci Colloquium entgegennehmen. Seit dem Anschlag arbeitet das Team in Paris im Haus der Tageszeitung „Libération“. Demnächst sollen die Mitarbeiter in neue eigene Räumlichkeiten umziehen, wie Biard sagte. Ein neues Konzept für das Blatt gebe es nicht. „Wir setzen das fort, was wir bisher gemacht haben.“ Weltweit solidarisierten sich damals Menschen mit der Zeitung und ihren Mitarbeitern - unter anderem mit dem Slogan „Je suis Charlie“ („Ich bin Charlie“). „Heute bekommen wir dieselbe Kritik und dieselben Vorwürfe, die ich 'Ja, aber....' nenne : 'Ja, der Terrorismus ist nicht gut, aber.... ihr seid vielleicht zu weit gegangen'. Das haben wir immer gehört, und das haben wir sehr schnell wieder gehört“, sagte Biard.


    (Textpassagen teilweise aus "Tagesspiegel.de")

    ***********************************************************************

    Nun - wie oben bereits ja abgebildet und notiert - ich war und bin immer noch vom Schicksal des 3-jährigen Aylan und seines Bruders angerührt - und ich habe deshalb dann auch meine Bearbeitung zu dieser Bildikone vorgelegt - mit der ich mich aber auch selbst etwas abreagiere - von meiner Trauer und Aufgebrachtheit insgesamt über diese vertrackten Flüchtlings- und Vertriebenensituationen und den damit verbundenen täglich neuen Ungeheuerlichkeiten auf allen Seiten ... - das Originalbild ist ein Foto der türkischen Fotografin Nilüfer Demir am Strand von Bodrum, von dem man meint, es werde sich in die Augen und Herzen der Menschen als Symbol für diese Flüchtlingsepoche "einbrennen" ... 

    Und - vor einem guten halben Jahr noch haben wir alle den Faustarm nach oben gereckt  - und geschrien: "JE SUIS CHARLIE" - ICH BIN CHARLIE - und die Karikatur und die Satire als Kunstform vehement verteidigt - und ich habe mich echauffiert über das gestellte Seitenstraßenfoto, auf dem die europäische Politprominenz für geschlagene 15 Minuten so getan hat, als marschiere sie tief betroffen in der ersten Reihe mit beim stundenlangen überwältigenden Protestmarsch durch Paris gegen diesen mörderischen Anschlag auf "CHARLIE HEBDO" - mit Live-Übertragungen in ganz €uropa ...
    - Und hinterher versuchte man uns einzureden, man habe diese kaschierte "Polit-Trauer Marke €" aus "Sicherheitsgründen" so inszenieren müssen - und der TAGESSCHAU-Chefredakteur hat den raffiniert dramaturgisch getürkten Bild-Zusammenschnitt mit der Scheinwirkung von echter Marschkolonne und "trauernder Politprominenz" in der ersten Marschierer-Reihe hinterher zu rechtfertigen versucht ...

    Das war wenigstens mein "CHARLIE HEBDO"-Erlebnis: eine echte Trauer und Wut beim Volk und bei mir, dem Fernsehglotzer - und eine hingeheuchelte Trauer mit anschließendem kleinen Klassentreffen bei der Polit-Prominenz ... - diesmal eine echte und einzige Real-Satire ...

    Und nun diese beiden Karikaturen, bei denen es einem zunächst einmal kalt den Buckel herunterläuft - aber gleichzeitig ein eigentlich ungebührliches Situationskichern hochkommt, wie bei den oft etwas schrägen Leuten, die bei ihnen nahegehenden Trauerfeiern - oftmals noch am offenen Grab selbst - mit einem Lachen und Kichern reagieren, und das dann schnell hinter dem tatsächlichen "Überwältigtsein" mit vorgehaltener Hand und Sonnenbrille zu verstecken suchen - um so vielleicht einen Aspekt der Intimsphäre zu schützen - und einfach im Augenblick nur im Paradox reagieren zu können... - ein Lachen, um nicht einfach loszuheulen ... - meiner Meinung nach als eine Form von weggedrückter nicht zugelassener Scham ...

    Und ähnliche Beweggründe unterstelle ich auch mal ganz allgemein der Karikatur insgesamt - der guten Satire - dem tragischen Clown vielleicht - vielleicht auch der "Tragikomödie" als Kunstgattung überhaupt ...: alles, um Momente eines einfrierenden Lächelns zu erzeugen - bzw. um umgekehrt einen inneren eingefrorenen Ernst wieder aufzutauen ... - und das ist schon noch etwas anderes, als über eine anrührende Situation einfach oberflächlich hinwegzulachen - eine Sache mit ihrem Dafür und Wider mit all ihren Aspekten wird "auf den Punkt gebracht": Auch vielleicht im Sinne dieses lapidaren: "Das Leben geht weiter - kopfhoch ...- halt die Ohren steif ... - das wird schon wieder - du schaffst das schon" - was ja als First Aid neue Kräfte mobilisieren soll nach einem emotionalen inneren Bruch ... Und Frau Bundeskanzlerin Merkel ruft ja zur Zeit auch dem in dieser Angelegenheit oft (ver-)zweifelnden Volk entgegen: "Wir schaffen das" - Augen zu und durch: "Geh ins Offene" ...

    Eine wirklich gute Karikatur, wirklich gute Straßenkunst - wirklich gute Graffitis - provozieren ja zunächst einmal ein Innehalten - eine dann folgende Konfrontation und eine "Auseinander-Setzung" mit der vorgefundenen Situation - das kommt dann oft wie "der Blitz aus heiterem Himmel" - und dann folgt folgerichtig der Donner, das Grollen - und manchmal der Groll: Das Wahrnehmen - das tatsächliche Gewahrwerden dessen, was uns diese Situation da tatsächlich zu sagen hat - was sie alles in uns anrührt... (interessant ist in diesem Zusammenhang die sprachliche Nähe von "Gewahr"-werden und "Gefahr"-erkennen...) - das alles kann man nicht in den Sozialen Netzwerken in Sekundenbruchteilen beim Surfen ableisten und mit einem abschließendem Urteil abhaken - Karikatur und Satire brauchen so lange Zeit wie zwischen Blitz und dem nachfolgenden Donner eines vielleicht etwas entfernteren Gewitters - und manchmal "fällt der Groschen ja nur Pfennigweise" ... - wie man früher sagte -  bzw. das 10-Cent-Stück nur 1-Cent-weise ...

    Papst vor Lampedusa
    Und Karikatur und Satire halten wie der Till Eulenspiegel einem immer den Spiegel vor, in dem man sich gern als makellosen und pickelfreien und frisch aufgeputzten Narzissten betrachten möchte, aber oft ist es eben nur ein Zerrspiegel in dem man da blickt: Ein totes Kind lässt uns schlucken - die vielen tausend Wasserleichen verschmähen wir täglich, die Mittelmeer-Wasserleichen, für die einzig der damals neugewählte Papst Franziskus auf die Idee kam, sie vom Schiff aus vor Lampedusa zu ehren, indem er wenigstens einen Kranz ins Wasser ließ - und indem er betete ... Und das nebenstehende Foto ist nicht etwa getürkt auf einer Kulisse im Vatikan aufgenommen worden - sondern echt - in "real life" ...

    Ja - es ist so - 
    Kinder werden von McDonalds und Konsorten zur Kindergeburtstags-Fete und mit "Sonder-Pooah-eeeeihhh-sind-die-Dick-manns" mit samt ihrem elterlichen Anhang natürlich gekonnt mit viel werbestrategischem Herzblut geködert - und in den Einkaufsmärkten verführt man sie mit Süßigkeiten im Kassenbereich und sorgt so für viele tränenreiche und unschöne Stresssituationen - aber die vielen Kinder da abends in der Tagesschau, die unter dem Stacheldrahtverhau herkriechen müssen, die auf dem Arm des Vaters vor Erschöpfung eingeschlafen sind, die von einem Bahnsteig auf die Zugschienen geschleudert werden von ihren vor Angst und Erschöpfung durchgedreht reagierenden Eltern vor der ungarischen schlagstockwedelnden Polizeieskorte - sie sind die Marginalen, die Randerscheinungen, die nur am äußersten Rand der Iris ins Gewahrwerden rücken bei den Tagesnachrichten ...

    Und Herr Orbán Viktor schickt diese Kinder weiter, weil sie sein "Christlich-€uropäisches-Welt- und Wertbild" beschmutzen könnten ... - er und viele Andere geben ihnen keine Chance, weil sie sich muslimische Eltern ausgerechnet in Syrien oder Afghanistan ausgesucht haben ...
    Und nochmal - ganz langsam - für Herrn Orbán zum Mitschreiben hinter seine "christlich" getauften Ohren
    Aber Jesus sprach: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes. Matth. 19,14
    Und auch wenn sich das hier jetzt zum Schluss liest bzw. wahrgenommen wird, wie mein "Pfeifen im dunklen Wald" - vielleicht aus dem "letzten Loch": Diese beiden Karikaturen oben - von "Riss" Sourisseau resp. CHARLIE HEBDO - sind große - allerdings auch provozierende - Kunst - sie sind wunderbar gelungen - sie mussten so und nicht anders kreiert werden ... Karikatur kann gar nicht überziehen - Karikatur muss bloßstellen und ins Mark treffen und Tabus aufs Tapet bringen ... - und sie kann nicht für X jene Fassung - für Y eine andere - und für Z wieder eine andere Nuance veröffentlichen ... - sie muss vergröbern und provozieren - alles Werte, mit denen bis dato einige Muslime Probleme hatten (Todesdrohung an den dänischen Karikaturisten - Anschlag auf CHARLIE HEBDO usw. ... - diese Art von paradoxem "Humor" ist scheinbar den Muslimen weitestgehend unbekannt ...) - aber das sogenannte "christliche Abendland" sollte doch wohl aufgeklärt und klaglos und durchaus auch aufgerüttelt damit umgehen können ... - und darüberhinaus ab und zu vielleicht über sich selbst lachen - was wohl die wichtigste Voraussetzung ist, mit Karikaturen angemessen umzugehen ...  S!



    0 0



    S!NEDi|art:: uralte nsa-abhöranlage über wipfeln

    die lauscher am puls der zeit zeichnen
    all die fakten auf - faktisch immer und über all
    das niesen auch, das husten, das schlucken, rülpsen,
    furzen auch - digital

    nichts entgeht dem großen bruder - der schwester
    sie horchen über all
    den gipfeln mit tiefer ruh
    und gähnen dabei noch tiefer

    manchmal vernehmen die lauscher
    jedoch kaum einen hauch und
    nur das schweigen im walde
    selbst das schweigt auch

    all die vögelein - 
    die auch nicht mehr zwitschern
    warten nur - denn bald 
    ruhest du auch - dann aber ...




    sinedi - unter verwendung von goethe

    0 0

    Als ich heute morgen mein "Google"öffnete, bekam ich den Hinweis, dass heute WELTKINDERTAG sei ...


    anclicken ....

    In Verbindung mit der CHARLIE-HEBDO-Karikatur von neulich - vom Karikaturisten "RiSS" - regte mich dieser Tag dann auch zu zwei Bearbeitungen an ... - so - wie diese Welt derzeitig ja mit Kindern umgeht ...


    S!NEDi | nach -RiSS- CHARLIE HEBDO

    S!NEDi | nach -RiSS- CHARLIE HEBDO



    Weltkindertag in der Bundesrepublik Deutschland: 20. September

    Es gibt kein international einheitliches Datum, was historisch begründet ist. In über 40 Staaten wie in China, in den USA (teilweise), vielen mittel- und osteuropäischen Ländern sowie Nachfolgestaaten der Sowjetunion wird am 1. Juni der internationale Kindertag begangen.

    In vielen anderen Ländern sind es gänzlich andere und sehr verschiedene Daten. In Deutschland und Österreich wird am 20. September der Weltkindertag ausgerichtet, aber auch der 1. Juni als internationaler Kindertag gefeiert.

    Mit der Verabschiedung der Resolution von 1954 wählte die Bundesrepublik Deutschland den 20. September als Weltkindertag. Abgesehen von vereinzelten Aktionen und Festen wurde dieser Tag von der der Bevölkerung kaum wahrgenommen. Dies zeigte sich zum Beispiel auch in der Tatsache, dass der Kindertag in keinen bedeutenden bundesrepublikanischen enzyklopädischen Werk als Stichwort zu finden ist; ganz im Gegensatz zum 1. Juni in vergleichbaren Schriften der DDR und auch im Gegensatz zum internationalen Frauentag. Dies hat verschiedene Gründe. Zum einen wurde dieser Tag nicht propagandistisch genutzt. Im Zentrum standen vor allem nach innengerichtete familienpolitische Themen, Missstände in der Jugendhilfe und Forderungen nach einer kindergerechteren Gesellschaft z.B. bei der Städteplanung. Zum anderen gab es nicht zu unterschätzende gesellschaftspolitische Vorbehalte. Eine konsequente Entwicklung und Umsetzung einiger Kinderrechte im Gegensatz zum damaligen deutschen Familienrecht (Letztlich unterschrieb Deutschland die Kinderrechtskonvention von 1989 deshalb nur unter Vorbehalt, und nahm diese erst 2010 zurück). Erwähnenswerte, regelmäßige Aktionen mit Kinderfesten und politischen Forderungen wurden z.B. von der Deutschen Sektion von UNICEF und vom Deutschen Kinderschutzbundes durchgeführt.

    Erst als das Deutsche Kinderhilfswerk (DKHW) 1989 – im Zuge der Unterzeichnung der Kinderrechtskonvention – den Weltkindertag mit einem Kinderfest in Bonn feierte, wuchs die Bedeutung dieses Datums wieder an. Fortan gab es von der Bundesregierung bzw. –Ministerien jährliche Pressemitteilungen.

    (WIKIPEDIA)

    0 0






    Jan Wagner: "giersch" | gedicht aus: Regentonnenverationen, Hanser Berlin 2014, S. 7


    JAN WAGNER, geboren 1971 in Hamburg, lebt in Berlin. Er schreibt Gedichte und Essays, übersetzt englischsprachige Lyrik und war Mitherausgeber der Internationalen Literaturschachtel.



    Giersch hin - Gier her - 

    ich habe ja schon 2013 einen kleinen Giersch-Wald entdeckt im Garten des Klosters Dalheim - ich weiß zwar nicht, ob es nicht doch "Dill" ist - wie ich anfangs vermutete, der da wucherte - tendiere inzwischen zum "Giersch", zumal Giersch ja eine Klostergartenpflanze par excellence war - und natürlich weil ich mein kleines YouTube-Video mit der Musik von "Nirvana" hier unterbringen möchte ... 


    0 0




    Da ist die züngelnde Würgeschlange der globalen "Marktgerechtigkeit", 
    die Schlange, die unser Leben fest im Griff hat, 
    mancherorts spricht man auch vom globalen neo-liberalen Kapitalismus - oder so ähnlich = 
    Nichts ist ihr heilig, nichts verschmäht sie ... - 
    nun hat sie sich unlängst zur "Lebenden Bombe 2.0" gehäutet ... 

    Selbst das derzeitig größte Flüchtlingsdrama auf diesem Erdenrund hat diese Schlange vielleicht sogar mit angezettelt - und danach ihre global operierenden Schlepperbanden ausgerichtet und auch mit dem so "aktivierten" Kapital rundherum macht sie ihre Deals - große Finanzströme fließen in Sekundenschnelle hin und her - vom und zum IS und wieder zurück - und von dort in die Welt-Rüstungsindustrie und dem Militär - und in die Sicherheitsdienst-Branche und natürlich fließt das alles genauso auch zur "Abwehr" solcherart "Brutalitäten" (z.B. immense Aufrüstung der Ölstaaten besonders auch mit bundesdeutschen Waffen ...) ... - aber vielleicht ist das auch nur wieder eine neue "Verschwörungstheorie", wie ich sie mir vor lauter Rentner-Langeweile mal gerade ausgedacht habe ...

    Aber man zündelte schon ab und an mal in Afghanistan und dann auch mal kurz im Iran (1981 und 2007) - und dann im Irak - und dann in Syrien - und fast hätte ich die Zustände in Beirut - im Libanon - zuvor vergessen - damals - fast direkt nach Vietnam - und in Israel und Palästina zündelt man ja permanent vor sich hin - und dann handelt und wandelt man noch rasch - auch mit Herrn Gaddafi (Schröder im Wüstenzelt) - ehe der Westen ihn dann für immer in die Wüste schickte - wie eben die Herren Bin Laden und Saddam Hussein: diese "Mohre" hatten ihre Schuldigkeit getan - sie wurden kurzerhand ins Jenseits befördert ... - Schluss aus - und dann werden eben neue Geschäftsideen geboren ...



    Mit so alten Familien- und Clan-Unternehmen ist ja beim Geldverdienen kein Staat zu machen ...: Der Westen hat in der Kolonialzeit die "National"grenzen all dieser Wüstenländer eigenhändig im Schweiße seines Angesichts und mit vielen Patronen und Bomben nach eigenem Gutdünken markiert (z.B. mitten durchs "wilde Kurdistan" und durch viele alte Clan- und alte Weideplätze und durch Glaubensbezirke der Sunniten und Schiiten ohne Rücksicht - mittenmang hindurch ...) - und nun bestimmt der Westen auch, wer innerhalb dieser Grenzen das Sagen hat und welche Musik spielt - und wie man diese Länder mit ihren immensen Rohstoffen am besten auspressen kann - ist doch klar - oder ??? - basta ...

    Und das "Böse" nötigt das "Gute" - und umgekehrt - und beide profitieren davon - und bedingen einander ... - und springen je nach Mentalität hin und her - mal hier hin - mal da hin - Bäumchen wechsle dich ...

    Während damals ein paar böse Häscher mal ein Outdoor-Ehepaar in der Wüste kidnappten - um dann irgendwo in deren Heimatländer ein paar Hunderttausend an "Lösegeld" lockerzumachen, überschwemmt man nun einfach in Riesen-Unternehmungen und gezielten Vertreibungen ganz €uropa mit Hunderttausenden von Flüchtlingen, die allerdings der Westen zuvor selbst entsprechend geködert und entsprechend mit ausgehungert hat: emotional und physisch - damit sie quasi als "lebende" Fackeln nun hier einen Flächenbrand anrichten - der dann mit des Volkes Kapital gelöscht werden muss ...  - 

    (man hätte ja auch die Milliarden, die das hier kosten wird, direkt in den Krisenregionen an humanitäre Hilfen investieren können ... - wie man das nun allmählich "nachjustieren" will - hätte nur ganz dumm ausgesehen: hie das Geld für die verkauften Waffen einsacken - und da das Geld zur "Wiedergutmachung" des angerichteten Schadens wieder ausgeben...)



    Da kann die NSA zwar inzwischen punktgenau feststellen, wann in der Ostukraine ein russischer Lastwagen um 3 Meter vor oder zurück gesetzt wird - aber die militärisch brisanten Massen-Phänomene wie damals mal die "Al-Qaida" (spricht nach dem Mord an Bin Laden niemand mehr von ...) und dann die "Taliban" und die bösen Palästinenser PLO oder Hamas - und nun die Schergen der zunächst ISIS genannten und nun als IS bezeichneten Freischärler-Truppen - und damit dann auch noch die Flüchtlingsströme - sie alle kamen plötzlich und ohne Vorankündigung über uns wie aus heiterem Himmel - wie eine eingefallene Heuschreckenplage - so will man uns das tatsächlich weismachen - und bisher dachte man wenigstens nach außen bei der Bundeswehr - wir schicken da mal ein paar AWACS-Aufklärer hin - und bilden ein paar Polizisten aus - un gutt iss ... - was haben wir denn damit zu tun ... ???

    Doch dann fing es allmählich immer mehr an zu dampfen: und nun wird €uropa mal eben mit diesem neu in Szene gesetzten "lebenden humanoiden Kriegsgut" - "Flüchtlinge" genannt - überschwemmt - also mit einer auch moralisch höchst wirksamen "Waffe" - als neue, lebende massenhafte Schutzschilde benutzt bzw. als Geiseln der besonderen Art - und nach den Selbstmordattentätern nun quasi "Lebende Bomben 2.0"... 

    Ein altbewährtes Mittel schon damals z.B. an der deutsch-deutschen Grenze - wo die "Schlepperbanden" - je nach gerader gültiger "nationaler" Sichtweise - auch schon mal als "Fluchthelfer" das "Bundesverdienstkreuz" angeheftet bekamen oder - andersherum - zum "Held der Republik" geadelt wurden ... - 

    Und wie dieses Szenario nun geliftet sicherlich irgendwo mittels Algorithmen in irgendwelchen "Think-Tanks"überarbeitet und neu entwickelt und ausgetüftelt wurde und vielleicht auch so benannt wird ... - bestimmt nicht allein und einsam in den Wüstenzelten irgendwelcher Schlepperbanden auf den Rücken ihrer Kamele oder auf den Laptops in den Kombüsen ihrer altersschwachen Küstenkutter ...

    Und mit diesen neuen und doch schon uralten massenhaften moralisch quasi nicht zu verteidigenden Waffen lässt sich wieder einmal ordentlich Knete hier und da machen - auf allen beteiligten Seiten:- diesmal mit quasi Hunderttausenden aus ihrer Heimat durch Bombenterror entführten und verführten Menschen, die so als "Verfügungsmasse"je nach augenblicklicher Großwetterlage als Faustpfand - mal für diese - mal für jene - hin und her gekarrt und geschippert werden - und jeder Einzelne von ihnen bringt ein paar Tausend ein - je nach Verhandlungsergebnissen auch auf den bilateralen und internationalen Ebenen - und letztlich werden die Wirtschaftssanktionen gegen Herrn Putin fallen müssen: Motto: Sein mia wieda guad ... - und der Herr Orbán aus Ungarn wird zumindest auch seine Schärflein abbekommen - z.B. dann für die"Beseitigung" dieses innereuropäischen Zaunesund der Herr Recep Tayyip Erdoğan aus der Türkei bekommt eine Prämie und die Aussicht auf rasche Aufnahme in die €U, dafür dass er nicht mehr die IS nur ein bisschen und gleichzeitig die Kurden aber richtig bombardiert ... 

    Und das alles wird zum Guten kommen - bis eben leider auf diese paar Kollateralschäden durch bedauerliches Ertrinken da im Mittelmeer - aber selbst die haben ja vorher für die Überfahrt gezahlt ... - und die Masse macht's diesmal - und wo gehobelt wird, da fallen eben auch Späne... - und regt euch nicht auf: jeder muss zusehen, dass er zu etwas kommt im Leben ... - der eine so - die andere eben anders ...

    Geradezu "verdächtig" ist mir folgender Zusammenhang geworden: Der neue Papst Franziskus wurde im März 2013 gewählt - und schon im Juli 2013 machte er sich auf die Socken nach Lampedusa, um dort den damals schon Tausenden Flüchtlingstoten des Mittelmeeres zu gedenken und dort zu beten - und er forderte die Welt auf, sich zu kümmern: "Das geht uns alle an ..." ... Gestern nun - über 2 Jahre später - sprach endlich auch unser Minister des Inneren, Herr de Maizière, angesichts des inzwischen herrschenden Flüchtlings-Chaos erstmals von einer für €uropa "großzügigen" nach oben verbindlich noch abzusprechenden Quote für alle Länder, nach der dann die Vertriebenen und Flüchtlinge "geholt" werden sollen ... - Ich meine: Was wäre wohl, wenn das schon vor 2,5 Jahren, zumindest nach dem Aufruf des Papstes, geschehen wäre ... - und ist das dem Westen "einfach durch die Lappen gegangen" - oder verfolgt(e) man damit irgendeine Strategie, mit dem "Wegschauen" und "Absaufenlassen" - und noch nen Grenzzaun - und noch nen Grenzzaun - und dem Herrn Orbán als "Ausputzer" und "Abräumer" und dem allmählichen "Mürbemachen" der umherirrenden Menschen... - anstatt sie endlich in ein Flugzeug zu setzen, und sie dort hinzufliegen, wohin sie wollen ??? Wer oder Was hindert die Verantwortlichen dieser Welt, diese einfachste humanitäre Form der Hilfe endlich anzubieten ... ??? (siehe dazu auch hier...)

    Zeit genug wäre gewesen - man hätte sogar Haushaltspläne danach rechtzeitig modifizieren können ... - alles das verstehe wer will - ich kann das jedenfalls nicht verstehen ... Und auch jetzt erreichten ja die massiven Flüchtlingsströme €uropa ziemlich plötzlich und unvorbereitet - bis vor ca. 8 Wochen war ausschließlich Griechenland in den Nachrichten: Rauf & Runter und Länge x Höhe - die Flüchtlinge standen im wahrsten Sinne des Wortes [noch] "außen vor" ... und niemand hat angeblich dieses hunderttausendfache Leid kommen sehen ...

    Und hier - vor Ort - quasi an der neuen Front hier tief im "Kampfgebiet" - streiten sich die Hilfsorganisationen eigentlich immer noch über so olle Kamellen wie "Kameralistische" versus "Kaufmännische" Buchführung: also den verschiedenen Abrechnungs- und Verbuchungs-Prinzipien: 
    • Erst helfen | dann abrechnen (wie derzeitig die klassischen Hilfsorganisationen DRK, Maltheser, Johanniter usw. - und wie übrigens auch schon zu Zeiten des "Barmherzigen Samariters" ... - aber das ist wieder eine andere Geschichte ...) - 
    • oder: Zunächst das Budget aushandeln - dann helfen und danach haarklein und abrechnungskonform mit Qualitätsmanagement und allem Pipapo das "Humane Gut" verwalten und verpflegen und fort- und ausbilden - und ein- und wieder ausbürgern (wie z.B. European Homecare - EHC) - schauen wir mal ... 
    Und letzterer Heimbetreiber arbeitet im Gegensatz zu den oben genannten gemeinnützigen Organisationen strikt gewinnorientiert - also "marktgerecht" - und bekommt in Ostwestfalen bei der größten Zeltstadt für fast 1000 Flüchtlinge in Stukenbrock auch prompt den Zuschlag, wahrscheinlich von den gleichen Bezirksverwaltungen, die die "selbstlosen" Hilfsorganisationen noch genüsslich zusehen lassen, wann und wie die ihre bis hierher vorgestreckten Mittel wieder zurückerstattet bekommen ...

    BVB-Fans zur BILD-Flüchtlingskampagne
    Und einen Fetzen dieser Gesamt-Strategie hat uns neulich der unverwüstliche Kai Diekmann von der BILD vorgeführt: Um die Auflage der BILD zu erhöhen, hat man die Aktion "Wir helfen"ins Leben gerufen - wenn schon - denn schon ... und so hilft man nun "selbstredend" mit - und dazu prangt dann das entsprechende BILD-Emblem auf jedem Bundesliga-Trikot - und wer von den Vereinen dabei ausschert - wie z.B. St. Pauli und sagt, wir brauchen doch nicht erst BILD um zu helfen, das machen wir längst selbst - der wird persönlich von K. D. per Sozialem Netzwerk dafür angemacht - damit das dumme Leservolk da "unten" in den Netzwerken, in der Mittagspause und an den Stammtischen was zu reden und zu clicken hat - und man die BILD-Zeitung deshalb kauft und auf ihre Seiten geht - und empört dann den Kopf schüttelt - über BILD oder St. Pauli - je nach gusto - und Kai Diekmann lässt sich dann abends die Zahlen der verkauften Auflage und die Zahlen der Clicks vermelden und lacht sich ins Fäustchen - denn die bringen wieder neue Werbegelder ein - und das alles mit dieser eigentlich vermaledeiten Flüchtlings-Krise - Gott sei Dank ... 

    Und heute Abend wird in der Tagesschau wieder die Spenden-Kontonummer eingeblendet: 

    Empfänger ADH & BEH
    Commerzbank
    IBAN DE53 200 400 600 200 400 600
    BIC COBADEFFXXX
    Stichwort ARD: Hilfe für Flüchtlinge
    www.spendenkonto-nothilfe.de

    ... alles wahrscheinlich ganz "marktkonform" ...: - bei niedrigen Zinsen auf der Moral-Schiene viel an Kaufkraft abschöpfen und einsacken - denn Weihnachten steht auch vor der Tür - und mit Speck fängt man Mäuse - und so schnell lässt sich eine Würgeschlange nicht abschütteln - das hat der gesamte Ostblock nach langem mit großer Geduld ertragenem Leiden  selbst spüren können - nicht wahr Herr Putin... - S!


    0 0


    aufgeschlagen


    James Risen hat Obama wiederholt 
    den „größten Feind der Pressefreiheit 
    in einer Generation“ genannt. 
    Er wirft ihm vor, den Krieg, 
    den sein Vorgänger 
    in einem Ausnahmezustand ausgerufen hatte, 
    in die Normalität überführt - 
    und dramatisch ausgeweitet - zu haben. 
    Das harte Vorgehen gegen 
    regierungskritische Journalisten 
    und Whistleblower 
    sei Teil davon. 
    Sein neues Buch, schreibt er, 
    sei seine Antwort auf den Feldzug 
    der amerikanischen Regierung gegen ihn - 
    und auf den endlosen Krieg. 
    „Meine Antwort ist, weiterzuschreiben, 
    weil ich glaube, 
    wenn Journalisten jemals damit aufhören,
    Machtmissbrauch aufzudecken 
    und öffentlich zu machen, 
    verlieren wir unsere Demokratie.“

    James Risen: "Krieg um jeden Preis"

    "Anti-Terror-Kampf" als Geldmaschine

    George W. Bushs so deklarierter Anti-Terror-Krieg im Irak und Afghanistan hat das Gesicht der Vereinigten Staaten grundsätzlich verändert - das hat auch der amerikanische Journalist James Risen frühzeitig beschrieben. Nun hat er ein neues Buch vorgelegt, das den Kampf gegen den Terror als Milliardengeschäft im Zeichen von Gier und Machtmissbrauch interpretiert.


    Die Vereinigten Staaten von Amerika wurden im Zuge des Antiterror-Krieges von einer offenen Gesellschaft in eine Festung verwandelt, so schreibt der investigative Journalist James Risen in seinem neuen Buch. Dabei sieht Risen nicht mehr nur den militärisch-industriellen Komplex am Werk:

    "Der neue industrielle Heimatschutzkomplex ist von anderer Art. Er besteht zum großen Teil aus einem Netz von Geheimdienstbehörden und ihren privatwirtschaftlichen Kooperationsfirmen: Unternehmen, die vor allem geheime Dienste bereitstellen statt große Waffensysteme und Ausrüstung. Diese externen Auftragsnehmer werden angeheuert, um Washington dabei zu helfen, Umfang und Ausmaß terroristischer Bedrohungen zu beurteilen."

    Und natürlich verdienen diese kein Geld, wenn ihre Expertise lauten sollte: Keine Gefahr im Anzug für die Vereinigten Staaten von Amerika, Krieg vorbei! Krieg um jeden Preis also vielmehr, denn es geht um gigantische Summen. Risen nennt genaue Zahlen und Beträge, führt im Folgenden auf, was private Dienstleister wofür kassieren und präsentiert die größte Zahl in diesem Zusammenhang. Vier Billionen US-Dollar wurden nach seinen Recherchen in der Folge der Anschläge vom 11. September 2001 ausgegeben.

    "Der Krieg gegen den Terror sorgte dafür, dass Gier und Machtmissbrauch ebenso leicht in den Vereinigten Staaten aufblühten, wo die anschwellenden Ausgaben der Regierung für den Antiterrorkampf einen wahren Goldrausch in der Sicherheitsindustrie auslösten... Wie eine Blase an den Finanzmärkten, so blähte sich in Washington bald eine "Antiterrorkampfblase" auf."

    Die CIA und ihre externen Kräfte

    Und hier findet auch der investigative Journalist seine Goldgrube. In diesem Buch sind es neun größere Geschichten in drei Abschnitten: "Gier", "Macht" und "Krieg ohne Ende". Es sind genau recherchierte und belegte Geschichten, etwa von einfachen Armeeoffizieren, die im Irak Bargeld für Wiederaufbau oder für gezielte Bestechung verwalteten, und die ein paar hunderttausend Dollar in die eigene Taschen steckten. Oder über den Glücksritter Dennis Montgomerey, der Millionen mit Software machte, die sich als wirkungslos erwies. Das milliardenschwere Staatsunternehmen NSA hatte Risen schon in seinem letzten Buch "State of War" im Visier, jetzt berichtet er, wie es gegen ehemalige Mitarbeiter vorgeht, die wiederum gegen die Praktiken der NSA klagen oder an die Öffentlichkeit gehen. Und schon vor dem 11. September 2001 zeigte sich der NSA-Direktor Hayden in einem deutlich undemokratischen Licht.

    "In einer Mitteilung vom 14. April 2000 ermahnte Hayden seine Untergebenen zu Loyalität, Beachtung der Vorschriften und Stillschweigen. Er machte klar, dass er den Kongress als Feind und die Weitergabe ungefilterter Informationen an Aufseher des Kongresses als Akt des Verrats betrachtete."

    Wie tief die Geschäftsinteressen des Antiterror-Krieges in die amerikanische Gesellschaft reichen, zeigt das professionelle Netzwerk der Psychologen Mitchell und Jessen, das der Regierung Bush die Unbedenklichkeit der sogenannten verschärften Verhörmethoden bestätigte. Dabei ist der Psychologenzunft längst bekannt, dass Folter grundsätzlich keine zuverlässigen Informationen erbringen kann.Das betreffende Kapitel "Krieg gegen den Anstand" ist eine erhellende Ergänzung zum kürzlich erschienen CIA-Folterbericht. Ein weiteres kriegstreibendes Modell ist das auch bei Berufssoldaten beliebte Drehtür-Prinzip (Revolving Doors):
    "Heute verlässt sich die CIA in solchem Maß auf externe Kräfte, dass viele Agenten begriffen haben, dass man am besten vorankommt, wenn man kündigt - um dann in der nächsten Woche denselben Job als externer Auftragsnehmer zum doppelten Gehalt zu erledigen."

    Und so hält sich der Apparat der Gefahrenabwehr wechselseitig am Leben. Erstmals veröffentlicht wurde in der Originalausgabe dieses Buches 2014 die Geschichte von zwei Milliarden US-Dollar, die im Irak gestohlen wurden und jetzt in Bunkern im Libanon lagern. Die amerikanischen Behörden seien zwar informiert, schreibt Risen, zeigten sich aber an einer Wiederbeschaffung wenig interessiert und behinderten sie sogar. Das ist eine makabre Pointe zur ohnehin haarsträubenden Geschichte vom geheimen Bargeldtransfer in den Irak, mit dem das Buch aufmacht. "Paletten voller Cash" so der Titel, gemeint sind Flugzeugladungen druckfrischer Dollars zur freien Verfügung der Übergangsverwaltung unter Paul Bremer. Diese habe mit Bargeld um sich geworfen, so wollte sie etwa einmal großzügig den Kurdenstaat in Nordirak unterstützen, führt Risen aus:
    "Daher wurden im Juni 2004 drei Chinook-Helikopter mit 1,6 Milliarden Dollar beladen, frisch eingetroffen mit einer Frachtmaschine der amerikanischen Luftwaffe. Die drei Hubschrauber flogen vom Flughafen Bagdad nach Erbil in Kurdistan, wo das Geld einer Zweigstelle der irakischen Zentralbank ausgehändigt wurde. Das Bargeld traf ohne Vorwarnung ein. Keiner der Bankmitarbeiter in Erbil wusste, dass es kommen würde."

    Und keiner weiß, wo es geblieben ist, so Risen, der es auf den Privatkonten mächtiger kurdischer Politiker vermutet. Der gesamte Cash-Sonderetat im Irak belief sich auf insgesamt 20 Milliarden US-Dollar. Ungeklärt ist der Verbleib von 11,7 Milliarden Dollar.

    Risens neuer Lagebericht ist ein Journalistenbuch mit gründlich überarbeiteten Artikeln, mit Register versehen, gut konzipiert, redigiert und übersetzt. Der analytische Fokus auf das Thema Privat-Public-Partnership im Krieg gegen den Terror eröffnet eine weiterreichende Einsicht: Das US-amerikanische Strategiemodell von Überwachungsstaat und Antiterror-Krieg ist ein Segen für die Kriegskassen privater Unternehmer jeder Art. Neu ist dabei die digitale Form des Wirtschaftens. Neu ist auch die Macht der Sicherheitsapparate, eine Sicherheitsarchitektur der Angst, die demokratische Standards unterwandert, weil es vitalere Interessen gibt.


    • James Risen: Krieg um jeden Preis.Gier, Machtmissbrauch und das Milliardengeschäft mit dem Kampf gegen den Terror | Übersetzung von Andreas Simon dos Santos, Westend Verlag, 312 Seiten, € 17,99


    0 0





    »Als Sohn einer Einwandererfamilie 
    freut es mich, Gast zu sein in diesem Land, 
    das großenteils von solchen 
    Familien aufgebaut wurde.«

    Papst Franziskus
    beim Empfang im Weißen Haus 
    durch US-Präsident Barack Obama






    Ansprache von Papst Franziskus vor dem Kongress der Vereinigten Staaten


    Sehr geehrter Herr Vizepräsident,
    sehr geehrter Herr Sprecher,
    verehrte Mitglieder des Kongresses,
    liebe Freunde,

    ich bin sehr dankbar für Ihre Einladung, vor der gemeinsamen Sitzung des Kongresses in dem »Land der Freien und der Heimat der Tapferen« zu sprechen. Der Grund dafür liegt – so meine ich – darin, dass auch ich ein Sohn dieses großen Kontinentes bin, von dem wir alle so viel empfangen haben und dem gegenüber wir eine gemeinsame Verantwortung tragen.

    Jeder Sohn oder jede Tochter eines Landes hat eine Aufgabe, eine persönliche und soziale Verantwortung. Ihre eigene Aufgabe als Mitglieder des Kongresses besteht darin, durch Ihre gesetzgebende Arbeit diesem Land zu ermöglichen, in seiner Eigenschaft als Nation zu wachsen. Sie sind das Gesicht Ihres Volkes, seine Repräsentanten. Sie sind dazu berufen, in unermüdlichem und eifrigem Streben nach dem Gemeinwohl die Würde Ihrer Mitbürger zu verteidigen und zu bewahren, denn das ist die Hauptsorge allen politischen Handelns. Eine politische Gesellschaft hat Bestand, wenn sie – als ihre Berufung – darum bemüht ist, die allgemeinen Bedürfnisse zu befriedigen, und dabei das Wachstum all ihrer Mitglieder anregt, besonders derer, die sich in Situationen größerer Verwundbarkeit oder Gefahr befinden. Gesetzgebende Arbeit basiert immer auf der Sorge für das Volk. Dazu sind Sie von Ihren Wählern aufgefordert, gerufen und versammelt.

    Ihre Arbeit lässt mich in zweifacher Weise an die Gestalt des Mose denken. Einerseits ist der Patriarch und Gesetzgeber des Volkes Israel ein Symbol für die Notwendigkeit der Völker, durch eine gerechte Gesetzgebung ihr Empfinden der Einheit wachzuhalten. Andererseits führt uns die Gestalt des Mose direkt zu Gott und damit zur transzendenten Würde des Menschen. Mose bietet uns eine gute Synthese Ihrer Arbeit: Sie sind aufgefordert, durch die Gesetzgebung das Gott ähnliche Abbild zu schützen, das dieser jedem menschlichen Gesicht eingeformt hat.

    Ich möchte heute nicht nur zu Ihnen, sondern durch Sie zum gesamten Volk der Vereinigten Staaten sprechen. Hier mit ihren Vertretern vereint, möchte ich diese Gelegenheit wahrnehmen, mit den vielen Tausend Männern und Frauen ins Gespräch zu kommen, die täglich darum bemüht sind, eine ehrenwerte Arbeit zu verrichten, das tägliche Brot nach Hause zu bringen, etwas Geld zu sparen und Schritt für Schritt ein besseres Leben für ihre Familien aufzubauen. Es sind Männer und Frauen, die sich nicht einfach damit zufrieden geben, ihre Steuern zu zahlen, sondern die im Stillen das Leben der Gesellschaft unterstützen, indem sie durch ihr Handeln Solidarität schaffen, und Organisationen ins Leben rufen, die den besonders Bedürftigen Hilfe bieten.

    Ich möchte auch mit den vielen alten Menschen ins Gespräch kommen, die im Laufe der Jahre einen reichen Schatz an Weisheit angesammelt haben und die auf vielerlei Weise – besonders durch die Arbeit als Freiwillige – versuchen, ihre Erfahrungen und Einsichten weiterzugeben. Ich weiß, dass viele von ihnen pensioniert, aber nicht untätig sind; sie bleiben aktiv, um dieses Land aufzubauen. Ich möchte auch mit all den jungen Menschen ins Gespräch kommen, die sich für die Verwirklichung ihrer großen und edlen Anliegen einsetzen, die sich nicht durch einfache Angebote irreführen lassen und die schwierigen Situationen zu begegnen wissen, die nicht selten das Ergebnis der Unreife vieler Erwachsener sind. Mit Ihnen allen möchte ich ins Gespräch kommen, und ich möchte das auf dem Weg über die Geschichte Ihres Volkes tun.

    Mein Besuch findet zu einem Zeitpunkt statt, da viele Menschen guten Willens das Gedächtnis einiger berühmter Amerikaner begehen. Ungeachtet der Vielschichtigkeit der Geschichte und der Realität menschlicher Schwäche waren diese Männer und Frauen bei all ihren Unterschiedlichkeiten und ihren Grenzen durch harte Arbeit, Selbsthingabe – und manche sogar um den Preis ihres Lebens – imstande, eine bessere Zukunft aufzubauen. Sie haben grundlegende Werte geschaffen, die im Geist des amerikanischen Volkes für immer Bestand haben werden. Ein Volk mit dieser Geisteshaltung kann viele Krisen, Spannungen und Konflikte durchleben und dabei immer die Quellen finden, um voranzugehen und dies mit Würde zu tun. Diese Männer und Frauen bieten uns einen Weg, die Wirklichkeit zu sehen und zu interpretieren. Wenn wir ihr Gedächtnis ehren, werden wir angeregt, uns sogar mitten in Konflikten und im Hier und Jetzt des Alltags auf unsere innersten kulturellen Reserven zu stützen.

    Vier dieser Amerikaner möchte ich erwähnen: 
    • Abraham Lincoln, 
    • Martin Luther King, 
    • Dorothy Day und 
    • Thomas Merton.

    In dieses Jahr fällt der hundertfünfzigste Jahrestag der Ermordung von Präsident Abraham Lincoln, dem Hüter der Freiheit, der sich unermüdlich dafür einsetzte, dass »diese Nation unter Gott zu neuer Freiheit geboren werde«. Eine Zukunft der Freiheit aufzubauen verlangt eine Liebe zum Gemeinwohl und eine Zusammenarbeit im Geist der Subsidiarität und der Solidarität.

    Wir alle sind uns der beunruhigenden sozialen und politischen Situation der Welt heute sehr bewusst und über sie besorgt. Unsere Welt ist in zunehmendem Maß ein Ort gewaltsamer Konflikte, von Hass und brutalen Grausamkeiten, die sogar im Namen Gottes und der Religion verübt werden. Wir wissen, dass keine Religionsgemeinschaft gegen Formen individueller Verblendung oder gegen ideologische Extremismen gefeit ist. Das bedeutet, dass wir gegenüber jeder Art von Fundamentalismus – sowohl auf religiösem als auch auf jedem anderen Gebiet – sehr aufmerksam sein müssen. Es bedarf einer feinen Ausgewogenheit, um die im Namen einer Religion, einer Ideologie oder eines Wirtschaftssystems verübte Gewalt zu bekämpfen und zugleich die Religionsfreiheit, die Meinungsfreiheit und die persönliche Freiheit zu schützen. Doch es gibt noch eine andere Versuchung, vor der wir uns besonders hüten müssen: Es ist der grob vereinfachende Reduktionismus, der die Wirklichkeit in Gute und Böse oder, wenn Sie wollen, in Gerechte und Sünder unterteilt. Die heutige Welt mit ihren offenen Wunden, unter denen so viele unserer Brüder und Schwestern leiden, verlangt, dass wir jeder Form von Polarisierung entgegentreten, die eine Aufteilung in diese beiden Kategorien versucht. Wir wissen, dass wir in dem Bestreben, uns von dem äußeren Feind zu befreien, in die Versuchung geraten können, den inneren Feind zu nähren. Den Hass von Tyrannen und Mördern nachzuahmen ist der beste Weg, um ihren Platz einzunehmen. Das ist etwas, das Sie als Volk zurückweisen.

    Unsere Antwort muss dagegen eine Antwort der Hoffnung und Heilung, des Friedens und der Gerechtigkeit sein. Wir sind aufgefordert, den Mut und die Intelligenz aufzubringen, die vielen aktuellen geopolitischen und wirtschaftlichen Krisen zu lösen. Auch in der entwickelten Welt sind die Auswirkungen ungerechter Strukturen und Handlungen allzu offensichtlich. Unsere Bemühungen müssen darauf ausgerichtet sein, wieder Hoffnung zu geben, Ungerechtigkeiten zu korrigieren, Verpflichtungen treu einzuhalten und so das Wohl der Einzelnen und der Völker zu fördern. Wir müssen gemeinsam und geschlossen vorangehen, in einem neuen Geist der Brüderlichkeit und der Solidarität, und hingebungsvoll für das Gemeinwohl zusammenarbeiten.

    Die Herausforderungen, denen wir heute begegnen, erfordern eine Erneuerung jenes Geistes der Zusammenarbeit, der im Laufe der Geschichte der Vereinigten Staaten so viel Gutes vollbracht hat. Die Vielschichtigkeit, der Ernst und die Dringlichkeit dieser Herausforderungen verlangen, dass wir unsere Ressourcen und Talente vereinen und uns entschließen, uns gegenseitig zu unterstützen, und dabei unsere unterschiedlichen Meinungen und unsere Gewissensüberzeugungen respektieren.

    In diesem Land haben die verschiedenen Religionsgemeinschaften bedeutend zum Aufbau und zur Stärkung der Gesellschaft beigetragen. Es ist wichtig, dass die Stimme des Glaubens wie in der Vergangenheit so auch heute weiterhin Gehör findet, denn es ist eine Stimme der Geschwisterlichkeit und der Liebe, die versucht, das Beste jedes Menschen und jeder Gesellschaft zum Vorschein zu bringen. Diese Zusammenarbeit ist ein mächtiges Mittel im Kampf zur Ausrottung neuer Formen von Sklaverei, die aus schweren Ungerechtigkeiten hervorgehen. Und diese können nur durch neue politische Maßnahmen und neue Formen gesellschaftlichen Konsenses überwunden werden.

    Ich denke hier an die politische Geschichte der Vereinigten Staaten, wo die Demokratie tief im Geist des amerikanischen Volkes verwurzelt ist. Alles politische Handeln muss dem Wohl der menschlichen Person dienen und es fördern, und es muss auf die Achtung vor der Würde des Menschen gegründet sein. »Wir halten diese Wahrheiten für offensichtlich, dass alle Menschen gleich erschaffen und von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet worden sind, zu denen Leben, Freiheit und Streben nach Glück gehören« (Unabhängigkeitserklärung, 4. Juli 1776). Wenn die Politik wirklich im Dienst des Menschen stehen soll, folgt daraus, dass sie nicht Sklave von Wirtschaft und Finanzwesen sein kann. Die Politik ist hingegen ein Ausdruck unserer dringenden Notwendigkeit, in Einheit zusammenzuleben, um gemeinsam das bestmögliche Gemeinwohl zu schaffen: das einer Gemeinschaft, die Einzelinteressen zurückstellt, um in Gerechtigkeit und Frieden ihre Güter, ihre Interessen und ihr gesellschaftliches Leben zu teilen. Ich unterschätze nicht die Schwierigkeit, die das mit sich bringt, doch ich ermutige Sie in diesem Bemühen.

    Hier denke ich auch an den Marsch, den Martin Luther King vor fünfzig Jahren von Selma nach Montgomery anführte als Teil der Kampagne, um seinen „Traum“ von den vollen bürgerlichen und politischen Rechten für Afro-Amerikaner zu verwirklichen – ein Traum, der immer noch in unseren Herzen nachklingt. Ich freue mich, dass Amerika weiterhin für viele ein Land der „Träume“ ist. Träume, die zum Handeln führen, zur Beteiligung, zum Engagement. Träume, die das Tiefste und Wahrste im Leben eines Volkes erwecken.

    In den letzten Jahrhunderten sind Millionen von Menschen in dieses Land gekommen, um ihren Traum vom Aufbau einer Zukunft in Freiheit zu verfolgen. Wir, die Menschen dieses Kontinents, haben keine Angst vor Fremden, denn die meisten von uns sind einst selber Fremde gewesen. Ich sage Ihnen das als Sohn von Einwanderern, da ich weiß, dass viele von Ihnen ebenfalls von Einwanderern abstammen. Tragischerweise sind die Rechte derer, die lange vor uns hier waren, nicht immer respektiert worden. Diesen Menschen und ihren Nationen möchte ich vom Herzen der amerikanischen Demokratie aus erneut meine größte Hochachtung und Wertschätzung versichern. Diese ersten Kontakte waren oft turbulent und gewaltsam, doch es ist schwierig, die Vergangenheit mit den Kriterien der Gegenwart zu beurteilen. Dennoch dürfen wir, wenn ein Fremder in unserer Mitte eine dringende Bitte an uns richtet, nicht die Sünden und Fehler der Vergangenheit wiederholen. Wir müssen uns jetzt entscheiden, so großherzig und gerecht wie möglich zu leben, indem wir die nachfolgenden Generationen lehren, unseren „Nachbarn“ und unserer Umgebung nicht den Rücken zu kehren. Der Aufbau einer Nation fordert uns auf zu erkennen, dass wir ständig mit anderen in Verbindung stehen und die Mentalität der Feindseligkeit ablehnen müssen, um eine Haltung der gegenseitigen Subsidiarität anzunehmen, in dem ständigen Bemühen, unser Bestes zu tun. Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingt.

    Unsere Welt steht vor einer Flüchtlingskrise, die ein seit dem Zweiten Weltkrieg unerreichtes Ausmaß angenommen hat. Das stellt uns vor große Herausforderungen und schwere Entscheidungen. Auch in diesem Kontinent ziehen Tausende von Menschen nordwärts auf der Suche nach einem besseren Leben für sich und ihre Lieben, auf der Suche nach größeren Möglichkeiten. Ist es nicht das, was wir für unsere eigenen Kinder wünschen? Wir dürfen nicht über ihre Anzahl aus der Fassung geraten, sondern müssen sie vielmehr als Personen sehen, ihnen ins Gesicht schauen, ihre Geschichten anhören und versuchen, so gut wir können, auf ihre Situation zu reagieren. In einer Weise zu reagieren, die immer menschlich, gerecht und brüderlich ist. Wir müssen eine heute allgemeine Versuchung vermeiden: alles, was stört, auszuschließen. Erinnern wir uns an die goldene Regel: »Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen« (Mt 7,12).

    Diese Regel weist uns in eine klare Richtung. Behandeln wir die anderen mit derselben Hingabe und demselben Mitgefühl, mit dem wir behandelt werden möchten! Suchen wir für die anderen nach denselben Möglichkeiten, die wir uns selber wünschen! Begleiten wir die anderen in ihrem Wachstum, wie wir gerne selber begleitet werden möchten! Kurz gesagt: Wenn wir uns Sicherheit wünschen, dann sollten wir Sicherheit geben; wenn wir uns Leben wünschen, dann sollten wir Leben geben; wenn wir uns Möglichkeiten wünschen, dann sollten wir Möglichkeiten bereitstellen. Der Maßstab, den wir an die anderen anlegen, wird der Maßstab sein, mit dem die Zeit uns messen wird. Die goldene Regel erinnert uns auch an unsere Verantwortung, menschliches Leben in jedem Stadium seiner Entwicklung zu schützen und zu verteidigen.

    Diese Einsicht hat mich von Anfang meines Dienstes an dazu geführt, mich auf verschiedenen Ebenen für die weltweite Abschaffung der Todesstrafe einzusetzen. Ich bin überzeugt, dass dieser Weg der beste ist, denn jedes Leben ist unantastbar, jeder Mensch ist mit einer unveräußerlichen Würde begabt, und die Gesellschaft kann aus der Rehabilitation derer, die aufgrund von Verbrechen verurteilt sind, nur Nutzen ziehen. Vor Kurzem haben meine Mitbrüder im Bischofsamt hier in den Vereinigten Staaten ihren Aufruf zur Abschaffung der Todesstrafe erneuert. Ich unterstütze sie nicht nur, sondern ich ermutige auch alle, die davon überzeugt sind, dass eine gerechte und notwendige Bestrafung niemals die Dimension der Hoffnung und das Ziel der Rehabilitierung ausschließen darf.

    In diesen Zeiten, in denen soziale Anliegen eine solche Bedeutung haben, darf ich nicht versäumen, die Dienerin Gottes Dorothy Day zu erwähnen, welche die katholische Sozialbewegung Catholic Worker Movement gegründet hat. Ihr soziales Engagement, ihre Leidenschaft für Gerechtigkeit und für die Sache der Unterdrückten waren vom Evangelium, von ihrem Glauben und vom Vorbild der Heiligen inspiriert.

    Wie viel Fortschritt ist auf diesem Gebiet in so vielen Teilen der Welt gemacht worden! Wie viel ist in diesen ersten Jahren des dritten Jahrtausends getan worden, um Menschen aus der extremen Armut herauszuziehen! Ich weiß, dass Sie meine Überzeugung teilen, dass noch viel mehr getan werden muss und dass in Zeiten der Krise und des wirtschaftlichen Engpasses der Geist weltweiter Solidarität nicht verloren gehen darf. Zugleich möchte ich Sie ermutigen, sich all jener in unserer Umgebung zu erinnern, die in einer Armutsspirale gefangen sind. Auch ihnen muss Hoffnung gegeben werden. Der Kampf gegen Armut und Hunger muss beständig und an vielen Fronten ausgefochten werden, besonders in ihren Ursachen. Ich weiß, dass viele Amerikaner heute wie in der Vergangenheit daran arbeiten, mit diesem Problem fertig zu werden.

    Es versteht sich von selbst, dass ein Teil dieser großen Bemühung darin besteht, Wohlstand zu schaffen und zu verteilen. Die rechte Nutzung der natürlichen Ressourcen, die angemessene Anwendung der Technologie und der Einsatz des Unternehmergeistes sind wesentliche Elemente einer Wirtschaft, die bestrebt ist, modern, solidarisch und nachhaltig zu sein. »Die Unternehmertätigkeit, die eine edle Berufung darstellt und darauf ausgerichtet ist, Wohlstand zu erzeugen und die Welt für alle zu verbessern, kann eine sehr fruchtbringende Art und Weise sein, die Region zu fördern, in der sie ihre Betriebe errichtet, vor allem wenn sie versteht, dass die Schaffung von Arbeitsplätzen ein unausweichlicher Teil ihres Dienstes am Gemeinwohl ist« (Laudato si‘, 129). Dieses Gemeinwohl schließt auch die Erde ein – ein zentrales Thema der Enzyklika, die ich kürzlich schrieb, um »in Bezug auf unser gemeinsames Haus in besonderer Weise mit allen ins Gespräch [zu] kommen« (ebd., 3). »Wir brauchen ein Gespräch, das uns alle zusammenführt, denn die Herausforderung der Umweltsituation, die wir erleben, und ihre menschlichen Wurzeln interessieren und betreffen uns alle« (ebd., 14).

    In Laudato si‘ rufe ich zu einer mutigen und verantwortlichen Anstrengung auf, um unseren »Kurs neu [zu] bestimmen« (ebd., 61) und die schwerwiegendsten Auswirkungen der durch menschliches Handeln verursachten Umweltschädigung zu vermeiden. Ich bin überzeugt, dass wir etwas verändern können, und habe keinen Zweifel, dass die Vereinigten Staaten – und dieser Kongress – dabei eine wichtige Rolle zu spielen haben. Jetzt ist der Moment für mutige Handlungen und Strategien, die darauf angelegt sind,  eine »Kultur der Achtsamkeit« ( ebd. 231) einzuführen und »einen ganzheitlichen Zugang, um die Armut zu bekämpfen, den Ausgeschlossenen ihre Würde zurückzugeben und sich zugleich um die Natur zu kümmern« (ebd. 139).»Die menschliche Freiheit ist in der Lage, die Technik zu beschränken, sie zu lenken« (ebd. 112) und»zu erkennen, wie wir unsere Macht […] ausüben und beschränken müssten« (ebd., 78), um so die Technik»in den Dienst einer anderen Art des Fortschritts zu stellen, der gesünder, menschlicher, sozialer und ganzheitlicher ist« (ebd. 112). In dieser Hinsicht bin ich zuversichtlich, dass Amerikas hervorragende Wissenschafts- und Forschungsinstitute in den kommenden Jahren einen entscheidenden Beitrag liefern können.

    Vor hundert Jahren, zu Beginn des Ersten Weltkriegs, den Papst Benedikt XV. als ein »unnötiges Blutbad« bezeichnete, wurde ein weiterer berühmter Amerikaner geboren: der Zisterziensermönch Thomas Merton. Er ist eine bleibende Quelle spiritueller Inspiration und eine Leitfigur für viele Menschen. In seiner Autobiographie schrieb er:»Ich kam in die Welt. Von Natur aus frei, als Abbild Gottes, war ich trotzdem ein Gefangener meiner eigenen Gewalt und meiner eigenen Ichbezogenheit – ein Abbild der Welt, in die ich hineingeboren worden war. Jene Welt war ein Bild der Hölle, voller Menschen wie ich, die Gott liebten und ihn dennoch hassten, die geboren waren, um ihn zu lieben, und die stattdessen in der Angst eines Hungers lebten, der ohne Hoffnung und in sich selbst widersprüchlich war.« Merton war vor allem ein Mann des Gebetes, ein Denker, der die Sicherheiten seiner Zeit herausgefordert und neue Wege für die Seelen und für die Kirche erschlossen hat. Er war auch ein Mann des Dialogs, ein Förderer des Friedens zwischen Völkern und Religionen.

    Aus dieser Perspektive des Dialogs möchte ich die Bemühungen würdigen, die während der letzten Monate unternommen wurden, um zur Überwindung historischer Unstimmigkeiten beizutragen, die mit schmerzlichen Geschehnissen aus der Vergangenheit verbunden waren. Es ist meine Pflicht, Brücken zu bauen und allen Menschen zu helfen, auf jede mögliche Weise dasselbe zu tun. Wenn Länder, die miteinander im Konflikt standen, den Weg des Dialogs einschlagen – eines Dialogs, der aus sehr legitimen Gründen unterbrochen sein mag –, öffnen sich neue Möglichkeiten für alle. Dazu brauchte und braucht es weiterhin Mut und Kühnheit, was nicht mit Verantwortungslosigkeit zu verwechseln ist. Ein guter politischer Leader ist, wer im Gedanken an die Interessen aller die Gunst der Stunde zu nutzen weiß, in einem Geist der Offenheit und des Pragmatismus. Ein guter politischer Leader entscheidet sich immer dafür, Prozesse in Gang zu setzen, anstatt Räume zu besitzen (vgl. Evangelii gaudium 222-223).

    Im Dienst des Dialogs und des Friedens zu stehen bedeutet auch,  aufrichtig entschlossen zu sein, die vielen bewaffneten Konflikte in aller Welt abzuschwächen und letztlich zu beenden. Hier müssen wir uns selber fragen: Warum werden tödliche Waffen an die verkauft, welche planen, Einzelnen und Gesellschaften unsägliches Leid zuzufügen? Leider ist die Antwort, wie wir alle wissen: einfach um des Geldes willen. Für Geld, das von Blut – oft unschuldigem Blut – trieft. Angesichts dieses beschämenden und schuldhaften Schweigens ist es unsere Pflicht, dem Problem entgegenzutreten und den Waffenhandel zu stoppen.

    Drei Söhne und eine Tochter dieses Landes, vier Einzelpersonen und vier Träume: 
    • Lincoln – Freiheit; 
    • Martin Luther King – Freiheit in der Vielfalt und Nicht-Ausschließung; 
    • Dorothy Day – soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte; 
    • Thomas Merton – Fähigkeit zum Dialog und Öffnung auf Gott hin.

    Vier Vertreter des amerikanischen Volkes.

    Ich werde meinen Besuch in Ihrem Land in Philadelphia abschließen, wo ich am Weltfamilientreffen teilnehmen werde. Es ist mein Wunsch, dass während meines gesamten Besuchs die Familie ein immer wiederkehrendes Thema ist. Wie wesentlich ist die Familie für den Aufbau dieses Landes gewesen! Und wie sehr verdient sie weiterhin unsere Unterstützung und unsere Ermutigung! Doch kann ich meine Sorge um die Familie nicht verbergen, die – vielleicht wie nie zuvor – von innen und von außen bedroht ist. Grundlegende Beziehungen wie die eigentliche Basis von Ehe und Familie werden in Frage gestellt. Ich kann die Bedeutung und vor allem den Reichtum und die Schönheit des Familienlebens nur immer wieder betonen.

    Im Besonderen möchte ich die Aufmerksamkeit auf jene Familienmitglieder lenken, die am meisten verletzlich sind, nämlich die jungen Menschen. Vielen von ihnen winkt eine Zukunft voller unzähliger Möglichkeiten, doch sehr viele andere scheinen desorientiert und ziellos,  gefangen in einem ausweglosen Labyrinth von Gewalt, Misshandlung und Verzweiflung. Ihre Probleme sind unsere Probleme. Wir können ihnen nicht aus dem Weg gehen. Wir müssen sie gemeinsam angehen, darüber sprechen und wirksame Lösungen suchen, anstatt uns in Diskussionen zu verzetteln. Auf die Gefahr hin, allzu sehr zu vereinfachen, könnten wir sagen, dass wir in einer Kultur leben, die junge Menschen zwingt, keine Familie zu gründen, weil es ihnen an Chancen für die Zukunft mangelt. Und auf der anderen Seite bietet diese selbe Kultur anderen so viele Wahlmöglichkeiten, dass auch sie von der Gründung einer Familie abgehalten werden.

    Eine Nation kann als bedeutend angesehen werden, wenn sie 
    • wie Abraham Lincoln die Freiheit verteidigt; 
    • wenn sie eine Kultur pflegt, welche die Menschen befähigt, vom vollen Recht für alle ihre Brüder und Schwestern zu „träumen“, wie Martin Luther King es ersehnte; 
    • wenn sie so nach Gerechtigkeit strebt und sich um die Sache der Unterdrückten bemüht, wie Dorothy Day es tat in ihrer unermüdlichen Arbeit, 
    • der Frucht eines Glaubens, der zum Dialog wird und Frieden sät im kontemplativen Stil Thomas Mertons.

    In diesen Bemerkungen habe ich versucht, etwas von dem Reichtum Ihres kulturellen Erbes, vom Geist des amerikanischen Volkes darzustellen. Es ist mein Wunsch, dass dieser Geist sich weiter entfaltet und wächst, so dass möglichst viele Jugendliche ein Land erben und darin leben können, das unzählige Menschen veranlasst hat zu träumen.

    Gott segne Amerika!

    (Radio Vatikan: rv 24.09.2015 no)


    0 0



    Papst Franziskus an der Klagemauer in Jerusalem





    „Wenn die Politik nicht imstande ist, 
    eine perverse Logik zu durchbrechen, 
    und wenn auch sie nicht 
    über armselige Reden hinauskommt, 
    werden wir weitermachen, 
    ohne die großen Probleme der Menschheit 
    in Angriff zu nehmen.“

    Papst Franziskus: Laudato si'









    Papst Franziskus vor der Vollversammlung der UNO


    Herr Präsident, meine Damen und Herren,

    Einer Tradition folgend, durch die ich mich geehrt fühle, hat der Generalsekretär der Vereinten Nationen wieder einmal den Papst eingeladen, vor dieser ehrenwerten Versammlung der Nationen zu sprechen. Ganz persönlich wie auch im Namen der gesamten katholischen Gemeinschaft möchte ich Ihnen, Herr Ban Ki-moon, meinen aufrichtigsten und herzlichsten Dank zum Ausdruck bringen. Ich danke auch für Ihre freundlichen Worte. Zudem grüße ich die hier anwesenden Staats- und Regierungschefs, die Botschafter, die Diplomaten, die Beamten und die Fachleute, die sie begleiten, das Personal der Vereinten Nationen, das in dieser siebzigsten Sitzung der Vollversammlung beschäftigt ist, das Personal aller Programme und Einrichtungen der UNO für die Familie sowie alle, die in der einen oder anderen Weise an dieser Versammlung teilnehmen. Durch Sie grüße ich auch die Bürger aller bei dieser Begegnung vertretenen Nationen. Danke für die Bemühungen aller und jedes bzw. jeder Einzelnen für das Wohl der Menschheit.

    Dies ist das fünfte Mal, dass ein Papst die Vereinten Nationen besucht. Es kamen meine Vorgänger Paul VI. im Jahr 1965, Johannes Paul II. 1979 und 1995 und mein letzter Vorgänger, der jetzt emeritierte Papst Benedikt XVI., im Jahr 2008. Sie alle sparten nicht mit Ausdrücken der Anerkennung für diese Organisation, die sie als die angemessene juristische und politische Antwort auf den historischen Moment betrachteten, der gekennzeichnet ist durch die technologische Überwindung der Entfernungen und Grenzen und – wie es scheint – jeglicher natürlicher Begrenzungen der Machtbehauptung. Eine unentbehrliche Antwort, da die technologische Macht in den Händen nationalistischer oder pseudo-universalistischer Ideologien imstande ist, schreckliche Gräueltaten hervorzubringen. So kann ich mich nur der Hochschätzung meiner Vorgänger anschließen und erneut die Bedeutung bestätigen, welche die katholische Kirche dieser Institution beimisst, sowie die Hoffnungen bekräftigen, die sie auf ihre Aktivitäten setzt.

    Die Geschichte der von den Staaten organisierten und durch die Vereinten Nationen vertretenen Gemeinschaft, die in diesen Tagen ihr siebzigjähriges Bestehen feiert, ist eine Geschichte bedeutender gemeinsamer Erfolge in einer Zeit ungewöhnlicher Beschleunigung der Ereignisse. Ohne eine erschöpfende Darstellung zu beanspruchen, kann man die Kodifizierung und Entwicklung des internationalen Rechtes, die Aufstellung des internationalen Menschenrechtskatalogs, die Vervollkommnung des humanitären Rechts, die Lösung vieler Konflikte sowie Einsätze für Frieden und Versöhnung und viele andere Leistungen auf allen Gebieten internationaler Planung menschlichen Handelns erwähnen. Alle diese Ergebnisse sind Lichter, die sich gegen das Dunkel der Unordnung abheben, die durch die Formen unkontrollierten Ehrgeizes und durch kollektiven Egoismus verursacht wird. Es stimmt, dass es noch viele ernste Probleme gibt, die nicht gelöst sind, doch es ist klar, dass die Menschheit, wenn all diese internationale Aktivität ausgeblieben wäre, den unkontrollierten Gebrauch der eigenen Möglichkeiten eventuell nicht überlebt hätte. Jeder dieser politischen, juristischen und technischen Fortschritte ist Teil eines Weges der Konkretisierung des Ideals der menschlichen Brüderlichkeit und ein Mittel zu seiner besseren Verwirklichung.

    Darum möchte ich allen Männern und Frauen, die in diesen siebzig Jahren der ganzen Menschheit treu und opferbereit gedient haben, meine Achtung zollen. Besonders möchte ich heute die erwähnen, die für den Frieden und die Versöhnung der Völker ihr Leben hingegeben haben, von Dag Hammarskjöld bis zu den vielen Funktionären aller Ebenen, die bei den humanitären Missionen für Frieden und Versöhnung umgekommen sind.

    Die Erfahrung dieser siebzig Jahre zeigt über alles Erreichte hinaus, dass die Reform und die Anpassung an die Zeiten immer notwendig ist, indem man auf das letzte Ziel zugeht, ausnahmslos allen Ländern eine Beteiligung und einen realen und gerechten Einfluss auf die Entscheidungen zu gewähren. Diese Notwendigkeit einer größeren Gerechtigkeit gilt besonders für die Exekutivorgane wie im Fall des Sicherheitsrates, der Finanzbehörden und der Gruppen und Mechanismen, die speziell für die Bewältigung der Wirtschaftskrisen geschaffen wurden. Das wird hilfreich sein, um alle Art von Missbrauch oder Zinswucher besonders gegenüber den Entwicklungsländern zu begrenzen. Die internationalen Finanzbehörden müssen über die nachhaltige Entwicklung der Länder wachen und diese vor einer erstickenden Unterwerfung durch Kreditsysteme schützen, die – weit davon entfernt, den Fortschritt zu fördern – die Bevölkerung unter das Joch von Mechanismen zwingen, die zu noch größerer Armut, Ausschließung und Abhängigkeit führen.

    Das Werk der Vereinten Nationen kann – angefangen von den Postulaten  der Präambel und der ersten Artikel ihrer Charta – als die Entwicklung und Förderung der Souveränität des Rechtes angesehen werden, da die Gerechtigkeit bekanntlich eine unerlässliche Voraussetzung ist, um das Ideal der universalen Brüderlichkeit zu erreichen. In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, dass die Idee von der Begrenzung der Macht implizit in der Rechtsauffassung enthalten ist. Jedem das Seine zu geben – gemäß der klassischen Definition von Gerechtigkeit – bedeutet, dass weder eine Einzelperson noch eine Menschengruppe sich als allmächtig betrachten darf, dazu berechtigt, über die Würde und die Rechte der anderen Einzelpersonen oder ihrer gesellschaftlichen Gruppierungen hinwegzugehen. Die faktische Verteilung der Macht (auf dem Gebiet von Politik, Wirtschaft, Verteidigung, Technologie u. a. m.) unter vielen verschiedenen Personen und die Schaffung eines rechtlichen Systems zur Regelung der Ansprüche und Interessen konkretisiert die Begrenzung der Macht. Ein weltweiter Überblick zeigt uns jedoch heute viele Scheinrechte und zugleich große schutzlose Bereiche, die vielmehr Opfer einer schlechten Ausübung der Macht sind: die natürliche Umwelt und die weite Welt der ausgeschlossenen Frauen und Männer. Zwei eng miteinander verbundene Bereiche, die durch die vorherrschenden politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu schwachen, anfälligen Teilen der Wirklichkeit gemacht worden sind. Darum müssen ihre Rechte mit Nachdruck behauptet werden, indem man den Umweltschutz verstärkt und der Ausschließung ein Ende bereitet.

    Vor allem ist zu bekräftigen, dass es ein wirkliches „Recht der Umwelt“ gibt, und zwar aus zweifachem Grund. Erstens, weil wir Menschen Teil der Umwelt sind. Wir leben in Gemeinschaft mit ihr, denn die Umwelt selbst schließt ethische Grenzen mit ein, die das menschliche Handeln anerkennen und respektieren muss. Wenn auch der Mensch »völlig neue Fähigkeiten« besitzt, welche »eine Besonderheit [zeigen], die den physischen und biologischen Bereich überschreitet« (Enzyklika Laudato si‘, 81), ist er doch zugleich ein Teil dieser Umwelt. Er hat einen Körper, der aus physischen, chemischen und biologischen Elementen gebildet ist, und kann nur überleben und sich entwickeln, wenn die ökologische Umgebung dafür günstig ist. Daher ist jede Schädigung der Umwelt eine Schädigung der Menschheit. Der zweite Grund besteht darin, dass jedes Geschöpf – besonders die Lebewesen – einen Eigenwert hat, einen Wert des Daseins, des Lebens, der Schönheit und der gegenseitigen Abhängigkeit mit den anderen Geschöpfen. Gemeinsam mit den anderen monotheistischen Religionen glauben wir Christen, dass das Universum aus einer Entscheidung der Liebe des Schöpfers hervorgegangen ist (vgl. ebd., 81), der dem Menschen erlaubt, sich respektvoll der Schöpfung zu bedienen zum Wohl seiner Mitmenschen und zur Ehre des Schöpfers. Er darf sie aber nicht missbrauchen und noch viel weniger ist er berechtigt, sie zu zerstören. Für alle religiösen Überzeugungen ist die Umwelt ein grundlegendes Gut.

    Der Missbrauch und die Zerstörung der Umwelt gehen zugleich mit einem unaufhaltsamen Prozess der Ausschließung einher. Tatsächlich führt ein egoistisches und grenzenloses Streben nach Macht und materiellem Wohlstand dazu, sowohl die verfügbaren materiellen Ressourcen ungebührlich auszunutzen als auch die auszuschließen, die schwach und weniger tüchtig sind, sei es weil sie in anderen Befindlichkeiten leben (Menschen mit Behinderungen), sei es weil ihnen die geeigneten technischen Kenntnisse und Instrumente fehlen oder weil ihre politische Entscheidungsfähigkeit nicht ausreicht. Die wirtschaftliche und soziale Ausschließung ist eine völlige Verweigerung der menschlichen Brüderlichkeit und ein äußerst schwerer Angriff auf die Menschenrechte und auf die Umwelt. Die Ärmsten sind diejenigen, die am meisten unter diesen Angriffen leiden, und zwar aus dreifachem schwerem Grund: Sie sind von der Gesellschaft „weggeworfen“, sind zugleich gezwungen, von Weggeworfenem zu leben, und müssen zu Unrecht die Folgen des Missbrauchs der Umwelt erleiden. Diese Phänomene bilden die heute so verbreitete und unbewusst gefestigte „Wegwerfkultur“.

    Das Dramatische dieser ganzen Situation von Ausschließung und sozialer Ungleichheit mit ihren deutlichen Folgen führt mich gemeinsam mit der gesamten Christenheit und vielen anderen dazu, mir auch meiner eigenen diesbezüglichen schweren Verantwortung bewusst zu werden. Deshalb erhebe ich zusammen mit allen, die in sehnlicher Erwartung nach schnellen und wirksamen Lösungen rufen, meine Stimme. Die Annahme der „2030-Agenda für Nachhaltige Entwicklung“ auf dem Gipfeltreffen, das noch heute beginnen wird, ist ein wichtiges Zeichen der Hoffnung. Ich vertraue auch darauf, dass die UN-Klimakonferenz von Paris zu grundlegenden und wirksamen Vereinbarungen gelangt.

    Es reichen jedoch nicht die feierlich übernommenen Verpflichtungen, auch wenn sie einen notwendigen Schritt auf dem Weg zu den Lösungen darstellen. Die klassische Definition der Gerechtigkeit, auf die ich vorhin anspielte, enthält als wesentliches Element einen beständigen und fortwährenden Willen: Iustitia est constans et perpetua voluntas ius suum cuique tribuendi. Die Welt verlangt von allen Regierenden einen wirklichen, praktischen, beständigen Willen zu konkreten Schritten und unverzüglichen Maßnahmen, um die natürliche Umwelt zu bewahren und zu verbessern und das Phänomen der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ausschließung mit seinen traurigen Folgen wie Menschenhandel, Handel von menschlichen Organen und Geweben, sexuelle Ausbeutung von Knaben und Mädchen, Sklavenarbeit einschließlich Prostitution,  Drogen- und Waffenhandel, Terrorismus und internationale organisierte Kriminalität so schnell wie möglich zu überwinden. Diese Situationen und die Anzahl der unschuldigen Leben, die sie fordern, sind von solchem Ausmaß, dass wir jede Versuchung meiden müssen, einem Nominalismus zu verfallen, der sich in Deklarationen erschöpft und einen Beruhigungseffekt auf  das Gewissen ausübt. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Institutionen wirklich effektiv sind im Kampf gegen all diese Plagen.

    Aufgrund der Vielfalt und der Vielschichtigkeit der Probleme muss man sich zu ihrer Erfassung technischer Mittel bedienen. Das bringt aber eine doppelte Gefahr mit sich: dass man sich auf die bürokratische Übung der Erstellung langer Auflistungen guter Vorsätze – Ziele, Zwecke und statistische Indikatoren – beschränkt oder dass man glaubt, eine einzige theoretische und aprioristische Lösung werde die Antwort auf alle Herausforderungen geben. Man darf in keinem Moment aus den Augen verlieren, dass die politische und wirtschaftliche Aktion nur wirksam ist, wenn sie als eine angemessene Tätigkeit begriffen wird, die von einem immerwährenden Gerechtigkeitsverständnis geleitet ist und zu keinem Zeitpunkt übersieht, dass es vor allen Plänen und Programmen und jenseits davon konkrete Frauen und Männer gibt – Menschen wie die Regierenden –, die leben, ringen und leiden und die sich oft gezwungen sehen, elend und bar aller Rechte zu leben.

    Damit diese konkreten Männer und Frauen der extremen Armut entkommen können, muss man ihnen ermöglichen, ihr eigenes Schicksal in würdiger Weise selbst in die Hand zu nehmen. Die ganzheitliche menschliche Entwicklung und die volle Geltendmachung der Menschenwürde können nicht aufgezwungen werden. Sie müssen für jeden Einzelnen, für jede Familie aufgebaut und entfaltet werden, in Gemeinschaft mit den anderen Menschen und in einer richtigen Beziehung zu all den Kreisen, in denen sich die menschliche Solidarität entwickelt – Freunde, Gemeinschaften, Dörfer und Gemeinden, Schulen, Unternehmen und Gewerkschaften, Provinzen, Nationen usw. Eine unerlässliche Voraussetzung dafür ist das Recht auf Bildung – auch für Mädchen (die in einigen Teilen davon ausgeschlossen sind) –, das an erster Stelle dadurch sichergestellt wird, dass man das vorrangige Erziehungsrecht der Familie und das Recht der Kirchen und sozialer Gruppierungen, die Familien bei der Ausbildung ihrer Kinder zu unterstützen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, respektiert und stärkt. Die so verstandene Volksbildung ist die Grundlage für die Verwirklichung der 2030-Agenda und für die Erholung der Umwelt.

    Zugleich müssen die Regierenden alles tun, was möglich ist, damit alle die minimale materielle und geistige Grundlage haben, um menschenwürdig zu leben und eine Familie zu gründen und zu unterhalten; die Familie ist ja die Urzelle jeder sozialen Entwicklung. Dieses absolute Minimum hat auf materiellem Gebiet drei Namen – Wohnung, Arbeit und Land – und auf geistigem Gebiet einen: geistige Freiheit, welche die Religionsfreiheit, das Recht auf Bildung und die anderen Bürgerrechte umfasst.

    Aus allen diesen Gründen werden das Mittel und der einfachste und geeignetste Indikator für die Erfüllung der neuen Entwicklungs-Agenda der effektive, praktische und unverzügliche Zugang aller zu den unentbehrlichen materiellen und geistigen Gütern sein: eigene Wohnung, würdige und ordnungsgemäß vergütete Arbeit, geeignete Ernährung und Trinkwasser; Religionsfreiheit und allgemeiner: geistige Freiheit und Bildungsfreiheit. Diese Säulen der ganzheitlichen menschlichen Entwicklung haben zugleich ein gemeinsames Fundament, nämlich das Recht auf Leben und noch allgemeiner gesagt: das, was wir als das Existenzrecht der menschlichen Natur selbst bezeichnen könnten.

    Die ökologische Krise könnte zusammen mit der Zerstörung eines großen Teils der biologischen Vielfalt die Existenz der Spezies Mensch selbst in Gefahr bringen. Die unheilvollen Auswirkungen einer unverantwortlichen Zügellosigkeit der allein von Gewinn- und Machtstreben geleiteten Weltwirtschaft müssen ein Aufruf zu einer ernsten Reflexion über den Menschen sein: »Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur« (Benedikt XVI., Ansprache an den Deutschen Bundestag, 22. Sept. 2011; zitiert in Enzyklika Laudato si‘, 6). Die Natur wird geschädigt, »wo wir selbst die letzten Instanzen sind […] Der Verbrauch der Schöpfung setzt dort ein, wo wir keine Instanz mehr über uns haben, sondern nur noch uns selber wollen« (Ders., Ansprache an den Klerus der Diözese Bozen-Brixen, 6. August 2008; zitiert ebd.). Darum verlangen der Umweltschutz und der Kampf gegen die Ausschließung die Anerkennung eines Sittengesetzes, das in die menschliche Natur selbst eingeschrieben ist; dieses Gesetz schließt die natürliche Unterscheidung zwischen Mann und Frau ein (vgl. Enzyklika Laudato si‘ 155) sowie die uneingeschränkte Achtung vor dem Leben in allen seinen Stadien und Dimensionen (vgl. ebd., 123; 136).

    Ohne die Anerkennung einiger unüberwindlicher natürlicher ethischer Grenzen und ohne ein unverzügliches Handeln im Sinne jener Grundpfeiler der ganzheitlichen menschlichen Entwicklung läuft das Ideal, »künftige Generationen vor der Geißel des Krieges zu bewahren« (Charta der Vereinten Nationen, Präambel) und »den sozialen Fortschritt und einen besseren Lebensstandard in größerer Freiheit zu fördern« (ebd.) Gefahr, sich in eine unerreichbare Illusion zu verwandeln oder – noch schlimmer – in leere Worte, die als Ausrede für jede Art von Übergriff und Korruption dienen oder dazu, eine ideologische Kolonialisierung zu fördern, indem man abnorme Lebensmodelle und -stile durchsetzt, die der Identität der Völker fremd und letztlich unverantwortlich sind.

    Der Krieg ist die Negierung aller Rechte und ein dramatischer Angriff auf die Umwelt. Wenn man eine wirkliche ganzheitliche menschliche Entwicklung für alle anstrebt, muss man weiter unermüdlich der Aufgabe nachgehen, den Krieg zwischen den Nationen und den Völkern zu vermeiden.

    Zu diesem Zweck muss die unangefochtene Herrschaft des Rechtes sichergestellt werden sowie der unermüdliche Rückgriff auf die Verhandlung, die guten Dienste und auf das Schiedsverfahren, wie es in der Charta der Vereinten Nationen, einer wirklich grundlegenden Rechtsnorm, vorgeschlagen wird. Die Erfahrung aus den siebzig Jahren des Bestehens der Vereinten Nationen ganz allgemein und im Besonderen die Erfahrung aus den ersten fünfzehn Jahren des dritten Jahrtausends zeigen ebenso die Wirksamkeit der vollen Anwendung der internationalen Normen wie auch ihre Wirkungslosigkeit, wenn sie nicht eingehalten werden. Wenn man die Charta der Vereinten Nationen mit Transparenz und Aufrichtigkeit und ohne Nebenabsichten als obligatorischen rechtlichen Bezugspunkt beachtet und anwendet und nicht als ein Mittel, um unlautere Absichten zu tarnen, erreicht man Ergebnisse des Friedens. Wenn man hingegen die Maßgabe mit einem einfachen Mittel verwechselt, das man gebraucht, wenn es sich als günstig erweist, und umgeht, wenn es das nicht ist, öffnet sich eine wahre „Büchse der Pandora“ voller unkontrollierbarer Kräfte, die den wehrlosen Bevölkerungsschichten, der kulturellen Umwelt und sogar der biologischen Umwelt schweren Schaden zufügen.

    Die Präambel und der erste Artikel der Charta der Vereinten Nationen weisen auf die Grundsteine des internationalen Rechtsgebäudes hin: Friede, friedliche Lösung der Kontroversen und Entwicklung von freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Nationen. Zu diesen Aussagen steht die immer gegenwärtige Tendenz zur Verbreitung von Waffen – besonders solcher zur Massenvernichtung wie es die Atomwaffen sein können – in starkem Kontrast und verleugnet sie in der Praxis. Eine Ethik und ein Recht, die auf der Bedrohung gegenseitiger Zerstörung – und möglicherweise einer Zerstörung der gesamten Menschheit – beruhen, sind widersprüchlich und stellen einen Betrug am gesamten Gefüge der Vereinten Nationen dar, die zu einer „Vereinigung von Nationen aufgrund von Furcht und Misstrauen“ würden. Man muss sich für eine Welt ohne Atomwaffen einsetzen, indem man den Nichtverbreitungsvertrag dem Buchstaben und dem Geist nach gänzlich zur Anwendung bringt bis zu einem völligen Verbot dieser Instrumente.

    Die jüngste Vereinbarung über die Nuklearfrage in einer sensiblen Region Asiens und des Mittleren Ostens ist ein Beweis für die Möglichkeiten des politischen guten Willens und des Rechtes, wenn sie mit Aufrichtigkeit, Geduld und Ausdauer eingesetzt werden. Ich wünsche mir, dass diese Vereinbarung dauerhaft und wirkungsvoll sei und dass sie dank der Zusammenarbeit aller Beteiligten die ersehnten Ergebnisse erziele.

    In diesem Sinn fehlt es nicht an herben Beispielen für die negativen Folgen politischer und militärischer Interventionen, die unter den Mitgliedern der Internationalen Gemeinschaft nicht abgestimmt wurden. Deshalb kann ich – auch wenn es mir lieber wäre, es nicht tun zu müssen – nicht aufhören, meine ständigen Aufrufe in Bezug auf die schmerzliche Situation des gesamten Nahen Ostens, Nordafrikas und anderer afrikanischer Länder zu wiederholen, wo die Christen gemeinsam mit anderen kulturellen und ethnischen Gruppen und sogar gemeinsam mit jenem Teil der Mitglieder der Mehrheitsreligion, die sich nicht in Hass und Wahnsinn verwickeln lassen wollen, gezwungenermaßen Zeugen der Zerstörung ihrer Kultstätten, ihres kulturellen und religiösen Erbes, ihrer Häuser und ihrer Habe geworden sind und vor die Wahl gestellt wurden, zu fliehen oder ihr Festhalten am Guten und am Frieden mit dem Leben oder der Sklaverei zu bezahlen.

    Diese Realitäten müssen ein ernster Aufruf zu einer Gewissenserforschung derer sein, die für die Lenkung der internationalen Angelegenheiten zuständig sind. Nicht nur in den Fällen religiöser oder kultureller Verfolgung, sondern in jeder Konfliktsituation wie in der Ukraine, in Syrien, im Irak, in Libyen, im Süd Sudan und im Gebiet der großen afrikanischen Seen haben konkrete Personen den Vorrang vor Partei-Interessen, so legitim sie auch sein mögen. In den Kriegen und Konflikten gibt es den einzelnen Menschen, unseren Bruder und unsere Schwester – Männer und Frauen, Jugendliche und Alte, Knaben und Mädchen, die weinen, leiden und sterben –, Menschen, die zu Material werden, wenn man sich nur damit beschäftigt, Probleme und Strategien anzuführen und sich in Diskussionen zu ergehen – zu Material, das man wegwerfen kann.

    In meinem Brief vom 9. August 2014 schrieb ich an den Generalsekretär der Vereinten Nationen, dass »das elementarste Verständnis der Menschenwürde die Internationale Gemeinschaft [verpflichtet], alles zu tun, was möglich ist, um – besonders durch die Maßgaben und die Mechanismen des internationalen Rechtes – weitere systematische Gewalttaten gegen die ethnischen und religiösen Minderheiten aufzuhalten und zu verhüten« und um die unschuldige Bevölkerung zu schützen.

    Auf derselben Linie möchte ich eine andere Art von Konfliktsituation erwähnen, die nicht immer so deutlich in Erscheinung tritt, die aber lautlos den Tod von Millionen von Menschen fordert.  Eine andere Art von Krieg erleben viele unserer Gesellschaften mit dem Phänomen des Drogenhandels. Ein „in Kauf genommener“ und ärmlich bekämpfter Krieg. Aufgrund seiner Eigendynamik geht der Drogenhandel einher mit Menschenhandel, Geldwäsche, Waffenhandel, Ausbeutung von Kindern und anderen Formen der Korruption. Einer Korruption, die in die verschiedenen Ebenen des gesellschaftlichen, politischen militärischen, künstlerischen und religiösen Lebens eingedrungen ist und in vielen Fällen eine Parallelstruktur hervorbringt, welche die Glaubwürdigkeit unserer Institutionen in Gefahr bringt.

    Ich habe diese Ausführungen begonnen, indem ich an die Besuche meiner Vorgänger erinnerte. Nun möchte ich, dass meine Worte in besonderer Weise wie eine Fortsetzung der Schlussworte der Ansprache Pauls VI. seien – Worte, die vor fast genau fünfzig Jahren ausgesprochen wurden, aber bleibende Gültigkeit besitzen:»Die Stunde ist gekommen, in der eine Pause, ein Moment der Sammlung, der Reflexion, gleichsam des Gebetes geboten ist: wieder an unseren gemeinsamen Ursprung zu denken, an unsere Geschichte, an unsere gemeinsame Bestimmung. Nie war der Appell an das sittliche Gewissen des Menschen so notwendig wie heute […] Denn die Gefahr kommt weder vom Fortschritt, noch von der Wissenschaft; diese können, wenn sie in rechter Weise genutzt werden, viele schwere Probleme lösen, die die Menschheit bedrängen« (Ansprache an die Vertreter der Staaten, 4. Oktober 1965). Unter anderem wird die gut angewendete menschliche Genialität zweifellos dazu beitragen, die ernsten Herausforderungen der Umweltzerstörung und der Ausschließung zu lösen. Ich fahre fort mit den Worten Pauls VI.: »Die wahre Gefahr liegt im Menschen, der über immer mächtigere Mittel verfügt, die fähig sind, sowohl in den Ruin als auch zu größten Errungenschaften zu führen« (ebd.).

    Das gemeinsame Haus aller Menschen muss sich weiterhin über dem Fundament eines rechten Verständnisses der universalen Brüderlichkeit und der Achtung der Unantastbarkeit jedes menschlichen Lebens erheben – jedes Mannes und jeder Frau; der Armen, der Alten, der Kinder, der Kranken, der Ungeborenen, der Arbeitslosen, der Verlassenen und derer, die man meint „wegwerfen“ zu können, weil man sie nur als Nummern der einen oder anderen Statistik betrachtet. Das gemeinsame Haus aller Menschen muss auch auf dem Verständnis einer gewissen Unantastbarkeit der erschaffenen Natur errichtet werden.

    Dieses Verständnis und diese Achtung erfordern eine höhere Stufe der Weisheit, welche die Transzendenz akzeptiert, auf die Bildung einer allmächtigen Elite verzichtet und begreift, dass der vollkommene Sinn des einzelnen wie des kollektiven Lebens im selbstlosen Dienst an den anderen und in der klugen und respektvollen Nutzung der Schöpfung für das Gemeinwohl liegt. Um die Worte Pauls VI. zu wiederholen: »Das Gebäude der modernen Zivilisation muss auf geistigen Prinzipien errichtet werden, den einzigen, die nicht nur fähig sind, es zu stützen, sondern auch es zu erleuchten« (ebd.).

    Der Gaucho Martin Fierro, ein Klassiker der Literatur meines Heimatlandes, singt: »Die Brüder sollen vereint sein, denn das ist das erste Gesetz. Sie sollen eine wahrhaftige Einheit wahren in guten wie in schwierigen Zeiten. Denn wenn sie untereinander streiten, werden die Feinde von draußen sie verschlingen.«

    Die heutige Welt, die dem Augenschein nach so verbunden ist, erlebt eine zunehmende und beständige soziale Zersplitterung, welche die gesamte »Grundlage des Gesellschaftslebens« gefährdet und »uns schließlich um der Wahrung der jeweils eigenen Interessen willen gegeneinander aufbringt« (Enzyklika Laudato si‘, 229).

    Die gegenwärtige Zeit lädt uns ein, Handlungen zu fördern, die neue Dynamiken in der Gesellschaft erzeugen, bis sie in wichtigen und positiven historischen Ereignissen Frucht bringen (vgl. Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 223). Wir können es uns nicht leisten, „einige Zeitpläne“ auf die Zukunft zu verschieben. Die Zukunft verlangt von uns kritische und globale Entscheidungen im Hinblick auf die weltweiten Konflikte, die die Anzahl der Ausgeschlossenen und Bedürftigen erhöhen.

    Das lobenswerte internationale Rechtsgebäude der Organisation der Vereinten Nationen und aller ihrer Aktivitäten, das noch verbesserungsfähig ist wie jedes menschliche Werk und das zugleich notwendig ist, kann Unterpfand einer sicheren und glücklichen Zukunft für die kommenden Generationen sein. Und das wird es sein, wenn die Vertreter der Staaten verstehen, sektorale Interessen und Ideologien auszublenden, und aufrichtig nach dem suchen, was dem Gemeinwohl dienlich ist. Ich bitte den allmächtigen Gott, dass es so sei, und ich versichere Sie meiner Unterstützung und meines Gebetes sowie der Unterstützung und der Gebete aller Gläubigen der katholischen Kirche, damit diese Institution, alle ihre Mitgliedstaaten und jeder bzw. jede Einzelne ihrer Funktionäre einen wirkungsvollen Dienst an der Menschheit leisten mögen – einen Dienst, der die Verschiedenheit respektiert und das Beste jedes Volkes und jedes Bürgers zum Wohl aller zu stärken weiß.

    Der Segen des Höchsten, Friede und Wohlstand Ihnen allen und allen Ihren Völkern. Danke.

    (radio vatikan)

    0 0

    Ich war vielleicht erst 11 Jahre alt - oder erst 10 - es muss im 3. oder 4. Schuljahr gewesen sein - oder so ungefähr jedenfalls - ich war auf alle Fälle noch sehr jung seinerzeit: ich wollte damals mit dem allerhübschesten Mädchen meiner Klasse, der Marlies, meinen Schulweg gemeinsam gehen - in Marlies war ich echt "verknallt" - und sie besucht mich heute noch manchmal in meinen Träumen - kein bisschen älter geworden ... - und um sie zu solchen gemeinsamen Wegen einzuladen, kritzelte ich ihr auf einen kleinen Zettel: " Liebe Marlies - willst Du nicht mit mir immer morgens zur Schule gehen - und wieder zurück - ich hol Dich auch ab ..." - und ich meine, ich hätte noch ein kleines Herz zum Schluss dahingemalt ...


    Evelyn - die erste ...
    Und in einer Pause gebe ich der Evelyn diesen Zettel zur Weitergabe an Marlies - denn diese Evelyn hat in der Pause "Aufsicht" zu führen ... - und ich bin viel zu schüchtern für eine direkte Zettelübergabe ... Und was macht diese selten dumme Kuh - die gibt den Zettel nicht der Marlies, sondern übergibt ihn der Lehrerin, als die nach der Pause den Unterricht wieder aufnimmt und fortsetzt - und fragt: "Gab es was Besonderes ...???"

    Und diese Lehrerin schickte diesen Zettel doch tatsächlich an meine Eltern - mit einem "Blauen Brief" ... und der Bitte um Kenntnis- und Stellungnahme - nach dem Motto: "Wehret den Anfängen" - Die gute Frau war aus heutiger Sicht jedoch reichlich übermotiviert ...

    Und mein Vater schrieb dieser Lehrerin, sie solle doch wegen solch harmloser Dinge nicht so einen Wiggel machen ... - und ließ mich ungeschoren - so von Mann zu Mann quasi ...

    Und wo mein Vater recht hatte - hatte er recht ... - ich bin ihm heute noch dankbar - und er wird diese Dankbarkeit noch immer spüren - obwohl er schon 44 Jahre tot ist ...

    Aber diese unsägliche Verräterin Evelyn bleibt seitdem eine "dumme Kuh" für mich - unverzeihlich und unverjährt - in all den ca. 57 Jahren seither ... - ich habe sie zum Glück aus den Augen verloren - und muss sie mir malen ...

    Evelyn - diese einmal dumme Kuh - verrät mich mit meinem ersten Liebesbrief an die Lehrerin - das ist einfach unverzeihlich ... - aber so sind die Frauen ...:-) S!

    Evelyn - diese selten dumme Kuh ... | S!NNTAGSMALER


    0 0


    Bundespolizei Bayern: Zeichnung
    Kann ein Kind ein solches Bild malen? Skeptiker im Netz meinen: Nein, die ergreifende Zeichnung, die ein Flüchtlingskind der Polizei in Passau überreicht haben soll, sei gefälscht. Die Beamten wehren sich.

    Ein Bild hat in den vergangenen Tagen Tausende Menschen bewegt: Es ist eine Zeichnung, die ein Flüchtlingskind der Bundespolizei in Passau geschenkt haben soll. Sie zeigt, wie brutal es im Heimatland des Kindes zugeht und was es sich von seinem neuen Leben in Deutschland erhofft. Seit die bayerischen Beamten das Bild fotografierten und am Freitagmorgen twitterten, wurde es in den sozialen Netzwerken Tausende Male geteilt und geliked.

    Die meisten Nutzer waren bewegt, doch einige zweifelten auch an, dass die Zeichnung echt sei. "Das Bild hat niemals ein Kind gemalt", kommentierte ein Nutzer auf Facebook. Die Figuren seien gewollt kindlich gezeichnet. "Außerdem malt ein Kind kein Dach perspektivisch". Eine Nutzerin vermutete dahinter eine "propagandistische Inszenierung der Polizei".

    Die Polizei wehrt sich gegen die Vorwürfe. Er und zwei Kollegen von der Bundespolizeiabteilung Duderstadt hätten die Zeichnung von einem sieben bis acht Jahre alten Mädchen geschenkt bekommen, sagte der Bundespolizist Michael Piltz zu SPIEGEL ONLINE. "Wir saßen am Montagabend im Eingangsbereich der Clearing-Stelle in Passau an einem Tisch, als das Mädchen zu mir kam, mir das Bild gab und wieder wegging", sagte Piltz. Er kenne weder den Namen noch das Heimatland des Kindes.

    Rene Rommel, ebenfalls Polizist, bestätigte die Geschichte auf Facebook und schrieb: "Zuvor habe ich dem Bruder des Kindes einen Papierflieger gefaltet, mit dem der Kleine gespielt hat". Die drei Kollegen aus Duderstadt seien vom 15. bis 23. September in der Clearing-Stelle in Passau im Einsatz gewesen.

    In der Registrierungsstelle für Flüchtlinge habe das Bild am Dienstag an einem Trennzaun gehangen, sagte Werner Straubinger von der Bundespolizeiabteilung Deggendorf zu SPIEGEL ONLINE. Er habe die Zeichnung bei einem Besuch fotografiert und gern mitnehmen wollen. Doch die Kollegen hätten es nicht hergegeben. "Sie sagten, sie hätten es geschenkt bekommen und es sei ihnen viel wert", sagte Straubinger.

    Am Mittwoch fotografierte ein Pressesprecher des Bundespolizeidirektion München das Bild ebenfalls und teilte es auf Twitter. Seither ist es zu einem Symbol für das Leid der Flüchtlingskinder geworden, die meist traumatische Erlebnisse in ihrem Heimatland und eine wochenlange, lebensgefährliche Reise nach Europa hinter sich haben.

    Ob das Mädchen das Bild allein malte, ob sie Hilfe von einem Erwachsenen bekam oder ob sie die Zeichnung eines anderen Kindes vielleicht nur überreichte, ist weiterhin unklar. Vielleicht handelt es sich bei dem kleinen Zeichner auch um einen Jungen, denn der erste Teil der Signatur unten rechts im Bild könnte Mohammed bedeuten. Dort finden sich die Buchstaben MHMD, die im Arabischen für den Vornamen Mohammed stehen.

    Wie Tausende Flüchtlinge in diesen Tagen wurde die Familie des Mädchens vermutlich nach einem kurzen Aufenthalt in der Clearing-Stelle in eines der bundesweiten Aufnahmelager weitergeschickt.

    SPIEGEL.de

    Motiv Diakonie/Caritas-Plakat Flüchtlingshilfe


    ___________________________________________________________

    Also - wie nun dieses Bild zustande gebracht wurde, ist für mich jedenfalls nicht ganz so wichtig: Ich denke, auf alle Fälle waren an dieser eindrücklichen und aufrüttelnden Zeichnung Kinder zumindest mitbeteiligt - wie auch immer ... Vielleicht ist es ein Gemeinschaftswerk von Erwachsenen und Kindern - vielleicht unter Anleitung von ehrenamtlichen Betreuern der betroffenen Kinder in den Durchgangs- und Registrierungsstellen, vielleicht auch nur von einem Kind - irgendwo - aber wahrscheinlich nicht allein: von einem Jungen, von einem Mädchen - in einer Gemeinschaftunterkunft ... - oder die brutaleren Zeichnungen auf der linken Seite vom Bruder - und die schöneren Szenen mit der "Polizi" auf der rechten Seite von der Schwester - und wie alt der oder die Künstler ist/sind, wissen wir überhaupt nicht ... - ist doch auch eigentlich Jacke wie Hose ... 
    Foto: © AFP Syrische Flüchtlingskinder | wochenblatt.de

    Schlafzimmer eines Flüchtlingkindes ...




    Fest steht, dass 40 % aller Flüchtlinge wohl im Kindesalter sind und wenn sie viel Glück haben hier denn auch ankommen ... Und diese Kinder haben diesen ganzen Weg durchgehalten und Eindrücke gesammelt - und sind mit ihren Eltern bereits von einem Kulturschock in den nächsten gefallen - und haben aus ihrer "Heimat" ebenfalls traumatische Eindrücke mitgenommen - und sie sind natürlich von ihren Eltern beeinflusst, die sie immer wieder motivieren mussten ... Und die ihnen natürlich erzählen mussten, von guten Polizisten und schlechten Polizisten, und vom "gelobten Land" da hinter dem Stacheldraht - und immer wieder auf sie einredeten: "Du schaffst das" - "Wir schaffen das" - "Und wir bleiben zusammen"...

    ... an der ungarischen Grenze .... | Foto: REUTERS
    Schon neulich hielt ein kleiner Junge ein Schild in die Kamera: "MAMA MERKEL HELP US"... Ja - was war das denn: Hat da auch vielleicht ein böser Paparazzi rasch ein Schildchen gemalt und es wegen eines guten Fotos einem verdutzten Kind auf dem Rücken seines Vaters auf dem Flüchtlingsmarsch zugesteckt ... ??? Schreibt ein arabisches Kind solche Buchstaben überhaupt - oder sein Papa... - ja - können die denn überhaupt schreiben ???

    Verschwörungstheorien entstehen natürlich hüben wie drüben: War das Foto vom ertrunkenen Aylan (†3) neulich etwa nur ein schlafendes Kind, das rasch an den Strand drapiert wurde ... 
    Ist das ganze Szenario um die Flüchtlinge nur eine "getürkte" Kulissenschieberei, um uns hier unsere Ruhe und unsere ungestörte "Sportschau" zu nehmen und uns das Geld aus der Tasche zu ziehen ...

    Auf all solchen Stuss kommen nur Menschen, die sich die Welt schön malen und die die schnöde Realität, in der sie leben, zu verdrängen versuchen ... Und die genau zu wissen scheinen, was ein Kind malen kann und was nicht: 

    so malte etwa Dietmar ...
    .. und so in etwa Angela ...
    Vor meiner Einschulung vor 61 Jahren, also 1954, mussten wir beim "Eignungstest" auch schon ein Bild malen - von einem Menschen: Und Dietmar, der neben mir malte, zeichnete den Menschen damals mit allen Rippen - als eine Art Gerippe - und ich fand das etwas gruselig - und deshalb weiß ich das heute noch - aber Dietmar bestand darauf, dass ein Mensch eben auch Rippen habe - und er wisse das - und deshalb müsse er sein Wissen nun zum Besten geben ... - und die Angela (... die hieß wirklich so ...) hinter mir malte da noch mit ihren 6 Jahren tatsächlich eine Art Kopffüßler - und vergaß den Bauch mit den ganzen Rippen doch glatt und stattdessen eine Art Leiter...: Und doch - wir alle wurden damals eingeschult: "Ein jeder nach seiner Fasson" - und aus allen ist "etwas geworden" ... - und zum Teil waren einige von uns auch noch traumatisiert ebenfalls durch vielleicht Flucht aus dem Osten und Übergangsheimen und schlechter Ernährung in den ersten Nachkriegszeiten usw...

    Flüchtlingskinderzeichnungen Berlin - REUTERS | SPIEGEL.de


    Und auf einem Vergleichsfoto von REUTERS von Zeichnungen von Flüchtlingskindern in Berlin sieht man auf der einen Seite die Vielfalt insgesamt - auch der Nationalitäten - und auf der anderes Seite - liebe Besserwisser - haben manche Kinder die Häuserdächer durchaus "perspektivisch" angelegt - oder sind dazu angehalten worden - so wie auf dem "Polizi"-Bild ... - 

    Zum Vergleich: Kinderzeichnung aus dem Kosovo-Krieg | care.de


    Also - erst denken - und dann - wenn es denn sein muss - seinen Senf dazugeben ... S!


    0 0

    aufgesprüht


    KAIRO-STREETART 
    als CITIYLEAKS-Beitrag in Köln

    Sein letztes Werk in Ägypten malte Abo Bakr vor drei Monaten: Ein Pärchen, ohne Parolen - im Vergleich zu Früherem harmlos. Als die Polizei kam, musste er mit auf die Wache, ein Verfahren wurde eingeleitet. Als er nach acht Stunden freikam, stellte er es fertig. Die Polizei kam wieder. Er sagte: "Ich musste das fertigmachen. Wir sehen uns vor Gericht."

    Abo Bakr legt letzte Hand an sein Markenzeichen "Fliegen" - Foto: CITYLEAKS-Beitrag auf https://www.facebook.com/WallsOfFreedom



    Im Feierabendverkehr staunen Kölner aus dem Auto über Abo Bakrs Riesen-Sufi. Ein türkischer Rentner fragt, ob er Malerarbeiten in seiner Wohnung übernehmen kann, Hipster machen Handyfotos, ein syrischer Flüchtling unterhält sich mit Abo Bakr, er sucht eine Übersetzungshilfe.

    Vor seinem Bild treffen sich Menschen, die sonst selten zusammenfinden. Es ist aber auf gewisse Weise auch eine sehr bequeme Art, Kunst zu machen, hier in Köln, organisiert, behördlich genehmigt. 

    Abo Bakr "Sufi" - Foto: CITYLEAKS-Beitrag auf https://www.facebook.com/WallsOfFreedom



    Er hat sein Atelier noch immer ein paar Straßen nur vom Tahrir-Platz entfernt, gemeinsam mit 15 Leuten organisieren sie heute vor allem private Treffen, sie wollen außerdem eine Art Refugium gründen, ein Haus, in das sich Künstler zurückziehen können.

    "Offiziell ist die Revolution weg", sagt Abo Bakr. "Aber wer sagt das? Wer bestimmt das?" Er schwärmt von Mariam Malak, einer Einser-Schülerin, die durch ihre Abschlussprüfungen fiel, die Familie vermutete dahinter Manipulation. Die 19-Jährige ließ nicht locker und wurde in den letzten Monaten in Ägypten zum Symbol für den Kampf gegen Korruption. Abo Bakr hofft auf neue Generation des politischen Protests.

    "Weiterkämpfen", sagt er. Dann sagt er noch:"Aber was macht man in der Zeit zwischen den Kämpfen?"

    Die Hebebühne vor der Hauswand wackelt. Ammar Abo Bakr wackelt mit, ein 35-Jähriger mit dunklem Haar und ersten Furchen auf der Stirn, der bei der Arbeit mit dem Pinsel leise singt, sich ganz vertieft. Mit Acrylfarben zieht er auf zehn Metern Höhe die Konturen eines Turbans, im Regen an diesem ersten Herbsttag in Köln zerfließen sie in weiche Flüsse aus Farbe.

    An dem vierstöckigen Sechzigerjahrebau im Stadtteil Mülheim wächst unter Abo Bakrs Händen das Porträt eines Sufi, eines Anhängers der asketischen Strömung des Islam. Geschlossen die Augen, gefaltet die Hände, umgeben von bunten Farben. Ein Mann voller Ruhe.

    Abo Bakr malt legal, ein paar Tage lang ist er für ein Street-Art-Festival "CITYLEAKS" nach Köln gekommen. Um die Nase des Schläfers schwirren Dutzende Fliegen aus schwarzer Farbe. Die Insekten sind Abo Bakrs Markenzeichen. "Weil sie klein sind, aber immer stören", sagt Abo Bakr. "Ägypten schläft. Vielleicht werden wir aber wieder aufwachen."

    Künstler Ammar Abo Bakr: "Weiterkämpfen" - nach einem Foto von: Silviu Guiman | SPIEGEL.de

    Auszug aus: "Graffiti-Kunst in Ägypten: Was vom Arabischen Frühling übrig blieb - Von Eva Thöne | SPIEGEL.de




    *******************************************

    "Weil sie klein sind, aber immer stören", sagt der ägyptische Straßenkünstler Abo Bakr, wenn er sein Graffiti-Markenzeichen umschreibt: die Fliegen, die er seinen Werken zusetzt - die Fliegen, die da hartnäckig "immer stören", obwohl sie nur so klein sind - die Masse machts ... Ja - das ist ein gutes Symbol für die StreetArt insgesamt, nicht nur in Kairo oder nun legal in Köln auf der "CITYLEAKS" ...: StreetArt soll und muss stören - "wie die Fliegen" ... StreetArt muss summen und fiepen - und mancher muss dahin abwehrend schlagen weil sie nervös machen und man von ihnen die "Nase voll" hat ... - StreetArt muss ebenso brummen und "Angriffe" fliegen wie die Fliegen ... 

    Doch leider wird diese so wichtige, vielleicht derzeitig einzige wahre "Kunst" von unten immer mehr vom neoliberalen Kunst-Turbokapitalismus vereinnahmt und "satt" gemacht, der schnöde Mammon wird hierfür als "Fliegenfänger" allerorten benutzt: StreetArt wird inzwischen vielerorts "legal" versprüht - in großen bürgerlichen Museen ausgestellt und auf Kunstmessen und Auktionen vermarktet - und es sind ganz wenige Künstler, die sich dem bewusst entziehen können und wollen ... Doch eine satte rülpsende Zufriedenheit verhindert eindrückliche tatsächliche Kunstimpulse - sie machen müde ...

    An dieser Entwicklung haben sicherlich einige StreetArt-Künstler und -Akteure selbst mitgewirkt, in dem sie teilweise echte unverwechselbare "Marken" mit ihren Werken kreiert haben - und selbst nach allen Regeln und Tricks eines wohl ausgeklügelten Marketings sich dem "Markt" andienten und teilweise regelrecht anbiederten ... - die meisten tun das aber, um sich ab und zu auch mal einen "Café-to-Go" zu leisten, mit dessen Genuss vielleicht der Lösungsmittel-Geruch des Sprühlacks etwas unterdrückt werden kann - und man hinter der Atemschutzmaske einmal Luft holt und tief durchatmet ... 

    Ja - diese "Fliegen" sind aber gleichzeitig auch so etwas wie die "Schmetterlinge im Bauch" der Graffiti-Künstler, die die Liebe zu sich selbst und zu ihrer Kunst wachhalten, die sie immer wieder antreiben - und sie nicht einschlafen lassen: "Vielleicht werden wir wieder aufwachen", wie Abo Bakr meint - auch in Kairo und anderswo - und sich hoffentlich weiterhin ebenso geschickt der populären Vereinnahmung durch das Geld zur Wehr setzen - wie jetzt schon ihrer täglich drohenden Verhaftung durch die jeweiligen "Ordnungshüter", die da gerade "up-to-date" sind ...

    0 0
  • 09/30/15--05:34: Glücklich ...
  • S!NEDi|art: J.L. in pop






    Als ich zur Schule ging, wurde ich gefragt, was ich werden möchte, wenn ich groß bin. Ich antwortete: 'Glücklich!'
    Sie sagten mir, dass ich die Frage nicht verstanden hätte, und ich sagte ihnen, dass sie das Leben nicht verstanden hätten.

    John Lennon


    0 0


    Jesus: 
    »Ich bin eine sprudelnde Quelle«


    »Wenn jemand Durst hat -
    er komme zu mir und trinke!
    Wer trinken wird von dem Wasser, 
    das ich ihm geben werde -
    er wird niemals mehr Durst haben.
    Sondern dieses Wasser, 
    das ich ihm geben werde -
    es wird ihm zu einer Quelle werden, 
    so dass das Wasser für immer sprudelt.«

    Joh 7,37 und 4,14 
    Rückübersetzung aus dem Aramäischen: Günther Schwarz





    Jesus ist unterwegs von Judäa nach Galiläa und kommt dabei durch Samarien. Um die Mittagszeit ist er müde und setzt sich in dem Ort Sycha an einen Brunnen, der »Jakobsbrunnen« genannt wird. Da kommt eine samaritische, also nicht jüdische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus bittet sie um Wasser. Sie fragt ihn überrascht: »Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?« Für Juden waren Samariter Ungläubige. Jesus nennt daraufhin das Wasser »eine Gabe Gottes«, und die Frau bittet daraufhin ihn um ein solches Wasser. Was Jesus geantwortet hat, entnehmen wir dem Zitat oben.

    Der zweifache Charakter des Wassers in seiner materiell-chemischen und in seiner geistig-spirituellen Dimension kommt hier sehr deutlich zum Ausdruck. Wasser gilt in allen Religionen als ein Gottesgeschenk. Gott wirkt durch das Wasser, mit dessen Hilfe er Leben erzeugt und Leben erhält. Wasser ist mehr als H2O. Denen, die Jesus wirklich nachfolgen wollen, hat , der Meister über die Jahrtausende zugerufen: »Wenn jemand Durst hat, er komme zu mir und trinke.« Jesus als Quelle aller Spiritualität. Er preist ein Wasser an, das den Durst für immer stillen soll. So ein Wasser gibt es doch gar nicht, hat die Frau zuerst gedacht. Doch was er dann sagt, klingt anders als die Sprüche der damaligen Wasserverkäufer, und das hat die Samariterin neugierig gemacht. In Jesu Worten zeigt sich eine tiefe Hochachtung vor dem Wasser.

    Was bedeutet Wasser für uns? Neben guter Luft ist sauberes Wasser die Voraussetzung für unser Hiersein. Ohne Wasser kein Leben. Wasser ist elementar, eines der vier Elemente. Kein organisches Leben ist denkbar ohne Wasser. Wasser ist Lebensmittel, Mittel zum Leben. Wasser ist auch Ausdruck des Geistes. Deshalb erneuert sich der Mensch in der Taufe, symbolisch durch Taufwasser.

    Wasser ist eine Meisterleistung der Natur und eine einzigartige Schöpferleistung unseres Planeten. Wasser ist Leben und Urgewalt und unser ständiger Begleiter - vom Mutterleib bis zur letzten Sekunde. Früher betrachteten Menschen aller Kulturen Wasser als etwas Besonderes, ja Heiliges. Das heißt: als etwas Heiles und Heilendes. Doch wir Heutigen werfen unsere Abfälle und unseren Überfluss achtlos in Bäche, Ströme und Seen. Allein die US-Bürger werfen jedes Jahr 40 Millionen Tonnen Giftmüll in das Lebensblut unserer Erde, in das Wasser.

    In Deutschland leiten wir jeden Tag über 100 000 verschiedene Chemikalien ins Wasser. Unsere Ehrfurcht vor den Elementen ist verloren gegangen. Weltweit produzieren wir jedes Jahr 700 Milliarden Plastiktüten. Die Mehrzahl davon landet in den Meeren. Fische fressen sie als vermeintliches Futter und verenden elendig daran. Der Klima- und Ozeanforscher Mojib Latif: »Die Ozeane sterben.«

    Nicht nur Jesus, viele Große in der Geschichte erinnern uns an einen achtsamen Umgang mit Wasser. »Wasser ist das Beste«, sagt der griechische Philosoph Pindar. Sein Landsmann Thales meinte: Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser; aus Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück.« Franz von Assisi preist in seinem Sonnengesang »Schwester Wasser«. Pfarrer Kneipp brachte die Heilerfahrung seines ganzen Lebens auf die Formel »Aqua sanat - Wasser heilt«.

    nach dem 31. von 48 "fundamentalen Jesus-Worten" im II. Teil des neuen Buches von Franz Alt: Was Jesus wirklich gesagt hat - Eine Auferweckung, Gütersloher Verlagshaus, 2015




    --------------------------------------------------------------



    Ja - da bin ich doch momentan ebenfalls wie in einem Wasserbecken ein- und für einige andere Aktivitäten vorübergehend geradezu abgetaucht: ich befinde mich mitten in der Lektüre dieses neuen und für mich äußerst spannenden Jesus-Buches von Franz Alt - ein Buch, das mich fasziniert, auch weil es inhaltlich mich in vielen meiner bisherigen Überlegungen bestätigt - und ich so bei meinen "Schwimmübungen" im "Wasser" dieser spirituell-geistlichen Elemente wieder ein wenig mehr "Grund" unter den Füßen zu spüren bekomme ... - auf dem ich unter dem zunächst oberflächlich hin und her wellenden Sand dann nach und nach zunächst einen ersten "Halt" und dann vielleicht immer mehr einen festeren "Standpunkt" einnehmen könnte - auch wenn ich weiterhin suchend auf der Suche sein werde...

    Alt kommentiert in seinem neuen Buch besonders die Rückübersetzungsbemühungen des Neuen Testamentes vom Altgriechischen Text in die aramäische "Ur"-Sprache und dann ins Deutsche durch Pfarrer Dr. phil. Günther Schwarz ... Denn Jesus und sein Umfeld sprachen und predigten - ja und sinnierten somit auch "kulturell" - in erster Linie in einem Alt-Aramäischen Sprachduktus - wie damals übrigens große Teile aller Bevölkerungsgruppen des Nahen Ostens ... Schwarz konnte mit diesen Sprachforschungen eine ganze Menge bisher dunkler oder undurchsichtiger Textstellen neu und frisch erhellen ... - oft genug zur Überraschung in einer gänzlich undogmatischen  und "einfachen" Unkompliziertheit und erfrischend zeitlosen Ursprünglichkeit ...

    Ein Standardwerk von Günther Schwarz: Das Jesus-Evangelium, Ukkam-Verlag, 1993, 490 S. - habe ich schon seit ein paar Jahren in meinem Bücherschrank - ich wusste aber, dass die dort ausgebreiteten Erkenntnisse und Textfassungen von der offiziellen Theologie eigentlich ignoriert oder auch nie ernstgenommen wurden. Umsomehr bin ich über die späte aber eben doch noch nicht zu späte populäre "Rehabilitation" dieser Forschungen als Lebenswerk von Schwarz durch Franz Alt im wahrsten Sinne des Wortes "be-geistert" ... 

    Darüber hinaus gibt der heute 77 Jahre alte Franz Alt aber auch eindrücklich Zeugnis seiner steten persönlichen Glaubensentwicklung und diesbezüglichen lebenslangen Suche ...

    Ich kann dieses Buch nur jedem spirituell Suchenden dringend empfehlen - ich werde es mir ab jetzt immer wieder auf den Desktop zur Andacht, Anregung und Ermutigung holen ... - und nun natürlich versuchen, noch an weitere Original-Schriften von Günther Schwarz zu gelangen, um dem unverfälschten Jesus vielleicht damit ebenfalls näher zu kommen ...





    Franz Alt: Was Jesus wirklich gesagt hat: Eine Auferweckung
    352 Seiten
    Gütersloher Verlagshaus (Erstausgabe vom 28. September 2015)


    Dazu aus einer Rezension bei AMAZON:


    In der Auseinandersetzung mit dem Islam kommt man automatisch zurück zu Jesus - und dem, was er wirklich gesagt hat. Kein strafender Gott wie der andere, sondern ein Mensch, der stilles Vertrauen fördert, Versöhnung, Nächstenliebe und Menschlichkeit. Franz Alt legt mit diesem fulminanten Buch eine neue Offenbarung frei, die jedem, der die verkleideten amtskirchlichen Worte nicht mehr verstehen kann, einen Durchblick auf jene Dinge gewährt, die in diesem Zusammenhang wichtig sind. 'Die zunehmende Leere der Kirchen hängt wesentlich mit der heutigen Lehre der Kirchen zusammen. Diese hat mit Jesu Lehre nichts mehr zu tun.'(S. 11)

    Die meisten der in diesem Buch zitierten Jesu-Worte wurden in fünfzigjähriger Übersetzungsarbeit aus den ältesten altsyrischen Grundtexten in die aramäische Muttersprache Jesu rückübersetzt und anschließend ins Deutsche übertragen. Der Theologe Günther Schwarz (1929 bis 2009) hat diese Arbeit realisiert. "Damit stellt Schwarz im Gegensatz zu allen anderen Übersetzungen die Sinntreue der Lehre Jesu und sein geistiges Eigentum wieder her.' Er hat wie niemand sonst existierende Übersetzungsfehler erkannt und diese wieder richtig gestellt. Der Unterschied zwischen Jesu Muttersprache Aramäisch zum Griechischen, welches die Basis aller bisherigen Übersetzungen bildete, ist GEWALTIG.

    Mehr als ERHELLEND schon die erste genannte Problematik. 'Führe uns nicht in Versuchung' vermittelt zum Beispiel ein völlig falsches und Jesus bzw. Gottesbild. Denn er ist kein Satan, der uns in Versuchung führt. Trotzdem wird dies milliardenfach tagtäglich so gebetet. Damit wir in Jesus wieder mit Sinn und Verstand bzw. originalgetreu begegnen, liefert dieses Buch herausragende Beispiele, die heute allen Christen anzuraten sind, um die eigene Religion vor allem auch nach außen hin richtig und zutreffend zu vermitteln. Das Göttliche ist einfach das Gute. Die Botschaft von Gott, die wir Jesus verdanken, ist eine gute Nachricht. Alle Evangelisten vermitteln eine Sichtweise Gottes, die in der Aussage gipfelt: das Gute ist möglich, weil es Gott gibt. Das Gute ist da. Es gibt Gutes, man kann es Erfahrung nennen und mehr noch: man kann es tun. Der Aufbau dieses Vertrauens steht in diametralem Gegensatz zu allen heute vermittelten Nachrichten, von Konsum, Ironie, Zynismus bis hin zur fehlenden Mitmenschlichkeit.

    Jesus lehrt uns, was das Wichtigste im Leben ist. Genau deshalb ist dieses Buch von zentraler, ganz entscheidender Bedeutung der heutigen Zeit. Man muss Jesus befreien von unnötigen Elementen und ihn rückführen auf das, was er wirklich gesagt. Nach Heilungen und möglichen Wunder sagte er nicht, ich habe Euch gesund gemacht oder körperlich fit gemacht, sondern: Dein Vertrauen hat dich gesund gemacht. Tatsächlich kann man nach dem Lesen dieses Buches entdecken, was innerer Reichtum wirklich bedeutet, was das Herz gesund sowie die Seele angstfrei macht, unser Denken ruhig und stark öffnet, so dass die innere, wahre Liebe echte Menschlichkeit spüren kann: Jesus lehrte die stille Macht des Guten.

    Viele Atheisten und Kritiker beziehen sich auf ein vermeintliches Jesus Wort: "Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert." Wenn man sie in der echten, aramäischen Bedeutung übersetzt, lauter dieser Satz: "Ich bin nicht gekommen, um Kompromisse zu schließen. Sondern ich bin gekommen, um Streitgespräche zu führen." Man sieht, wie falsche Übersetzungen auch die göttlichsten und humansten Ideen pervertieren kann.

    Franz Alt redet Klartext und zitiert Adonis, den großen syrischen Denker, der meint, dass der religiöse Faschismus den ganzen Nahen Osten im Griff hat. Adonis: "Am Anfang steht der Mord und nicht das Wort." FA plädiert für einen bedinungslosen Frieden und erkennt, dass dieser Frieden aus der Erkenntnis kommen muss für echte Liebe und nicht für Hassreligionen bzw. Ausgrenzung anderer als Ungläubige.

    Jesus erkannte, was den Menschen wirklich fehlte: die Rückbindung an ein Urvertrauen, an eine seelische Heimat, die in der Lage ist, einen Raum zu schaffen für eine größere Realität, die jedem Menschen inhärent ist. Jesus war nach dem Neuen Testament das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Durch ihn ist alles geworden, ohne ihn ist nichts geworden, was geworden ist. (Johannes 1,1-3) Die zentrale Eigenschaft Gottes ist die Liebe. Aus ihr leiten sich alle anderen Eigenschaften her. Die Liebe selbst ist die größte Ermöglicherin alles Denkbaren, die Triebkraft des Guten. Sie ist das Herz aller Religionen. Deshalb sagte Jesus: Gott ist die Liebe.

    Mit diesem Buch muss jeder Christ weite Korrekturen und Abstände nehmen zu dem bisher Gelernten. So ist zum Beispiel der Begriff Jungfrau im Aramäischen gleichbedeutend mit junger Frau. Was man mit diesen Inhalten entdecken kann, formulierte Albert Einstein so: 'Wenn man das Judentum der Propheten und das Christentum ' so wie es Jesus gelehrt hat ' von allen Zutaten der späteren Kirchen, insbesondere der Priester, loslöst, so bleibt die Lehre übrig, die die Menschheit von allen sozialen Krankheiten zu heilen imstande wäre.'

    Mit diesen längst notwendigen Erforschungen durch Franz Alt/Günther Schwarz wird unser Blick frei auf einen Jesus, der zurecht als der größte Philosoph und jener mit den größten Wirkungen auf die Menschheit gesehen wird. Ähnlich gut haben Osho und Eckhart Tolle umschrieben, was Jesus tatsächlich (und ohne amtskirchliches Brimborium) gesagt und gemeint hat.

    Ich bin sicher, dass mit diesem Buch eine Rückkehr zu Jesus, zum Christentum möglich ist und empfehle es jedem, der noch nicht verlernt hat, auf die größte Predigt aller Zeiten, die Bergpredigt, zu hören - mit Herz und Verstand, mit Seele und Vernunft.

    INFO 
    Franz Alt, geboren 1938, studierte Politische Wissenschaften, Geschichte, Philosophie und Theologie. Seit 1968 arbeitete er beim SWF. 20 Jahre moderierte er das Politmagazin "Report Baden Baden". Seit 1992 Leitung der Sendereihe "Zeitsprung" im SWF und seit 1997 des Magazins "Querdenker" in 3 SAT. 1979 wurde er mit dem renommierten Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. In den Neunzigerjahren erhielt er für sein Engagement im Zusammenhang mit ökologischen Themen u.a. den "Europäischen Solarpreis". Mit Publikationen wie "Frieden ist möglich" (1983), "Liebe ist möglich" (1985), "Jesus – der erste neue Mann" (1989), "Die Sonne schickt uns keine Rechnung - Die Energiewende ist möglich" (1995), "Der ökologische Jesus" (1999) und "Sonnige Aussichten" (2008) hat sich der bekannte Fernsehmoderator auch als erfolgreicher Buchautor einen Namen gemacht.





older | 1 | .... | 63 | 64 | (Page 65) | 66 | 67 | .... | 129 | newer