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    Wir müssen das - bei allem was wir bisher wissen und im Respekt und den besten Wünschen für die Opfer - trotzdem mal einzuordnen versuchen - diese Messer-/Axt-Attacke gegen 20 Mitreisende in der Regionalbahn RB 58130 auf dem Weg von Treuchtlingen nach Würzburg, sie sollte dort um 21.12 Uhr ankommen. Um 21.15 Uhr wurde der Notruf getätigt. Nach dem Vorfall stand der Zug auf freier Strecke bei Heidingsfeld - in der Nähe von Würzburg. Diese Attacke wurde von einem heute 17-jährigen vor zwei Jahren in Bayern ankommenden sogenannten unbegleiteten minderjährigen Flüchtling aus Afghanistan verübt, der nach Aufenthalten in diversen Aufnahmelagern, Sondereinrichtungen nun zuletzt als Asylbewerber wohl bei einer Pflegefamilie lebte ... Er verletzte bei der Attacke vier Personen schwer, ehe er von der Polizei auf der Flucht erschossen wurde ...

    Als dieser Junge vor 2-3 Jahren aus der Heimat lostippelte war er 14-/15 Jahre alt ...- er war nach deutschem Recht jetzt bei seiner Erschießung mit 17 Jahren immer noch nicht volljährig ...

    Welche Träume hatte er ursprünglich - welche Sehnsüchte ??? - Was bewog ihn zu dem Weg über 5.000/6.000 Kilometern bis nach Deutschland - wem ist er dabei aufgesessen - wer hat das Geld für ihn an die Schlepperbanden gezahlt ... ??? Welche Perspektiven wurde ihm bisher in Deutschland in den zwei Jahren seines Aufenthaltes geboten oder aufgezeigt ???



    Ich glaube, das eine völlige Perspektivlosigkeit einen 17-jährigen alleinstehenden Menschen nach einer 2-jährigen Herumschubserei dazu bringt in einer Kurzschlusshandlung im Affekt (s)einen Endpunkt zu setzen: - sei es wegen des nicht endenwollenden Kulturschocks - sei es wegen einer innerpsychischen Erkrankung oder aus einer posttraumatischen Belastungsstörung heraus - womit man ja bei der bisher bekannten Biographie des Jungen wohl rechnen muss - oder sei es durch sogenannte "Flashbacks" - plötzlich einschießende Erinnerungsfetzen an traumatische Situationen - oder aus tödlicher Langeweile und Aussichtslosigkeit ... -  Entweder kommt man mit dieser Tat in eine geschlossene Einrichtung - und für die Grundbedürfnisse ist dann erst einmal für lange Zeit gesorgt und man kann kaum noch abgeschoben werden - auch wenn man dann 18 Jahre alt ist - oder man stirbt im Kugelhagel der Polizei - dann war "Allah groß", weil er dem ganzen hoffnungslosen Unterfangen so sein Ende setzte ...

    Wer sich ein wenig in die inneren Vorgänge eines "unbegleiteten minderjährigen Flüchtlings"in Deutschland im Jahre 2016 hineindenken will, muss sich das obige SPIEGEL-TV-Video anschauen ...

    Warum die Polizei so klar ihre finale "tödliche Rolle" in diesem Desaster ganz hyperaktiv einnimmt - und den Täter nicht - wie auch Renate Künst von den Grünen fragt - zunächst einmal nur mit ihren präzisen Waffen "tat-unfähig" schießt, bleibt ein Fragezeichen: hier melden auch Agenturen, der Täter sei bereits "auf der Flucht" gewesen, als er tödlich getroffen wurde. Focus-Online: Der Jugendliche flüchtet, wird von der Polizei verfolgt - und dann erschossen - und ein paar Zeilen weiter wird das in dem Focus-Bericht "Was Sie heute Morgen zum Zug-Attentat wissen müssen"wohl präzisiert: Der Angreifer springt etwa einen halben Meter tief auf den Bahndamm und flüchtet zu Fuß. Ein Sondereinsatzkommando, das zufällig in der Nähe gewesen sei, habe die Verfolgung aufgenommen, so Herrmann*). Als der 17-jährige mit seinen Waffen auf die Einsatzkräfte losgegangen sei, hätten diese das Feuer eröffnet. Der junge Mann wird getötet... - 
    *) bayer. Innenminister



    Auf alle Fälle, so einfach wie der Polizei-Gewerkschaftsmann Wendt die Künast-Frage einfach als nervende bescheuerte "Klugscheißerei" abtut - und im Umkehrschluss als gerechtfertigte "Klugschießerei" aufbauschen will, ist es wohl auch nicht: den Job automatisch ohne Einschaltung des Kopfes zu "erledigen" ist nicht immer der Weisheit letzter Schluss  ... Wendt sagt, Frau Künast schaue wohl zuviel "schlechte Kinofilme" - ich habe den Eindruck, er liest vielleicht zuviel US-Einsatzberichte von den weißen Kollegen in Rambo-Manier drüben gegen schwarze angebliche Missetäter, die ja auch immer mal wieder "liquidiert" werden bzw. "neutralisiert" ...

    In meiner kurzen Bundeswehr-Zeit vor allerdings schon fast 50 Jahren (ich habe dann nach 9 Monaten den Kriegsdienst verweigert) hat man uns hinter vorgehaltener Hand bei der "Wachbelehrung" immer wieder gesagt, wenn wir schießen müssten, falls jemand nach Anrufen und Warnschüssen nicht beigeben würde, sollten wir möglichst "final" - also tödlich - treffen, das erspare eine Menge an Detailaufarbeitungen im Nachhinein ...

    Ein solcher Amoklauf mit abschließender einkalkulierter Tötung durch die Sicherheitskräfte ist sicherlich der in €uropa von "Asylsuchenden" jüngst immer häufiger anzutreffende Spezialfall eines „erweiterten“ Suizids bzw. eines "Mitnahme-Suizids", bei dem häufig dem Täter nicht bekannte Menschen Opfer sind. Die sogenannten "Selbstmord-Attentäter" treten ja in ähnlicher Manier auf ...
    Sie sind vielleicht zumeist von den internalisierten "Leitbildern" aus dem Internet des IS ferngesteuert und angestachelt. 

    Der Begriff „erweiterter Suizid“ wurde 2006 in der Schweiz zum Unwort des Jahres bestimmt. Befremden und eine Diskussion um diesen Begriff gab es auch in Meldungen und Kommentaren zum herbeigeführten Germanwings-Absturz in den Alpen 2015. Für solche Ereignisse wurde der Begriff Pilotensuizid geprägt. Die Klassifikation nach ICD 10*) würde wohl unter Z91.5 erfolgen. 

    *) ICD = Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD, englisch International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) ist das wichtigste, weltweit anerkannte Diagnose­klassifikationssystem der Medizin.


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  • 07/22/16--05:26: ZEIT - INFO-GRAFIK: SAND
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  • 07/22/16--23:34: sprachlos ...


  • Klaus Brinkbäumer, Chefredaktur DER SPIEGEL:

    Die Lage am Samstag
    Liebe Leserin, lieber Leser,

    ein Anschlag per Lkw in Nizza; ein Anschlag per Axt in Würzburg; ein Parteitag, bei dem ein narzisstischer Demagoge, dessen einzige Stärke dieser gewaltige Klang seines Namens ist, zum Präsidentschaftskandidaten ernannt wird; dann diese Woche der Dunkelheit in der Türkei; und nun die Toten von München. Das ist die Bilanz der vergangenen zehn Tage, die wie eine weitere Verdichtung eines ohnehin intensiven Jahres wirkt. Ist die Weltlage schlimmer als je zuvor? Nein, auch frühere Zeiten waren kriegerisch und tödlich, und es gab die Angst vor dem Atomschlag, auch die Angst vor dem Terror der RAF, vieles andere mehr, das allerdings langsam aus der kollektiven Erinnerung verschwindet.

    Ist die Welt also wieder einmal aus den Fugen geraten? Ja, an allzu vielen Schauplätzen sieht es so aus. Politische Fehler wie verlogene, halbherzige oder unterlassene Interventionen im Irak, in Libyen oder Syrien haben sowohl Terrorismus als auch Völkerwanderungen in Gang gebracht. Die Globalisierung hat Kontinente, Länder, Städte aufgeteilt in Gewinner und Verlierer, und die Verlierer können die Produkte der Globalisierung, Smartphone und Social Media, nutzen, um ihre Wut [und ich füge hinzu: ihre angst] zu organisieren. ...
    ........................................................



    ja - da hat es der SPIEGEL-chefredakteur heute morgen zum ausdruck gebracht, wo einem selbst die worte fehlen ... was war das für eine nacht: die meldung, die verwirrungen, die beobachtungen der "zeugen", die sich teils widersprechen und es der polizei so schwermachen in ihrer ermittlungsarbeit: und viel zu viele menschen, die sich in solchen situationen selbst profilieren müssen, ihre schlüsse, ihr halbwissen, ihr vermeintliches ausschnittswissen in die sozialen netzwerke stellen - oder ihr verwackeltes handy-video bei youtube hochladen: seht her - also ich will mit meinen aktionen mindestens auch so viel aufsehen erregen wie jener durchgeknallte attentäter dort ...
    bei bild-de ist die tonspur eines solchen handy-videos verschriftlicht wiedergegeben - das spricht bände über "die lage" dieser nation: wenn durchgeknallte menschen ihre pure angst übertönen müssen, um sich als helden zu generieren:

    BILD dokumentiert das Wortgefecht in Passagen. Vieles ist nicht eindeutig herauszuhören.  
    DIE ABSCHRIFT DES DIALOGS 
    ► Anwohner 1: „ … hat seine Waffe geladen“
    ► Weiterer Anwohner: „... bei den Bullen … “
    ► Anwohner: „Ihr scheiß Kanaken … “
    ► Anwohner 2: „Ihr lauf da umeinander. Ihr Wichser, Alter!“
    ► Mutmaßlicher Täter: „Ich bin Deutscher.“
    ► Ein Anwohner: „Wichser bist Du! Ein Wichser.“
    ► Mutmaßlicher Täter: „Seid Ihr jetzt zufrieden?“
    ► Ein Anwohner: „Wichser du.“
    ► Mutmaßlicher Täter: „ Ich bin hier geboren worden. In einer Hartz-IV-Gegend. (...) Ich war in stationärer Behandlung.“
    ► Mutmaßlicher Täter: „Ich habe nix getan!“
    ► Ein Anwohner: „Du Wichser.“
    ► Mutmaßlicher Täter: „Kein Wort mehr. Halten Sie die Schnauze … !“
    ► Ein Anwohner: „Du Wichser Du!“
    ► Jemand schreit: „Ey! ( … ) Ihr VolIidioten.“ 
    Dann fallen 2 Schüsse, Pause, Schreie. Dann wieder zwei Schüsse. Das Video endet.

    die polizei sagt eindeutig, gehen sie in ihre wohnungen - aber nein: da meinen menschen, "zuerst mit dem toten sprechen" zu müssen - und ihn auch noch provozieren: "ein aufs maul - un gutt is, alter" ...

    nicht die "weltlage ist schlimmer als je zuvor", sondern die menschen in diesem unserem lande: in diesem alltäglichen krieg arm gegen reich verführen die digitalen möglichkeiten und die sozialen netzwerke dazu, sich nicht mehr still in den "luftschutzbunker" zu verziehen, sondern die angst verführt dazu, sich zu präsentieren - sich "final" darzustellen - und dem verhalten des nachbarns in konkurrenz noch eins draufzusetzen: das ist das gefährliche ... - wir gefährden uns selbst mit so einem getöse ... - da wird inzwischen die privat-adresse des täters offen ins netz gestellt - und die ersten erkenntnisse, dass der täter einen facebook-account gehackt hat, um menschen zu dem schnellrestaurant zu locken, wird kommentiert mit: "...das kranke schwein ... - ...der war mehr als krank, ein perverser perser ...".
    "angst essen seele auf" - heißt ein weitsichtiger auch hier zutreffender spielfilm-titel von r.w.fassbinder ...


    der todesschütze - nach BILD.de 
    ist der "killer: der deutsch-iraner ali 
    sonboly (18) - nach SPIEGEL.de:
    david s., 18 Jahre, aus München ...:
    ali (ein muslimisch klingender name)
    oder david (ein christlich-jüdischer name)
    - ist das hier die frage ???..
    schon bei der attacke in würzburg habe ich ja auf dieses eigenartigen konglomerat von amoklauf mit abschließender einkalkulierter (selbst-)tötung durch sich selbst oder durch die sicherheitskräfte bezug genommen. das ist sicherlich der jüngst immer häufiger anzutreffende spezialfall eines „erweiterten“ suizids bzw. eines "mitnahme-suizids", bei dem häufig dem täter nicht bekannte menschen opfer sind. die sogenannten "selbstmord-attentäter" treten ja in ähnlicher manier auf ... - es ist zumeist die tat eines psychisch erkrankten ("ich war in stationärer behandlung ..." - polizei: "wegen depressiver erkrankungen in behandlung") oder von menschen ohne jede persönliche perspektive - meist noch jugendlich jung (dieser david diesmal war gerade 18 ...), deren geplanter abgang dann aber nicht so stickum und allein wie zum beispiel beim robert enke stattfinden soll - sondern noch einmal ein crescendo - einen abschließenden paukenschlag - setzen soll - wie auch beim herbeigeführten germanwings-absturz in den alpen 2015 - das wird regelrecht zur seuche von labilen menschen - und dann gibt es so oberhelden, die das dann auch noch provozieren und filmen und dem suizidalen typen mit ihren handlungen noch flankieren: deeskalation und "beistand" - und ganz natürliche mitmenschlichkeit - sehen diametral anders aus: nämlich vielleicht wirklich mal einfach die schnauze halten, alter - und sich ins stille kämmerlein verziehen - vielleicht hilft beten ...S!



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    je häufiger wir den terrorismus besprechen, bedauern, psychologisieren, herbeikatastrophieren: er brennt sich dadurch immer fester fest - besonders eben auch in die hirne von labilen menschen, die das nicht recht verarbeiten können. es schürt taten und die angst davor, übt eine faszination auf nachahmer aus - lässt ängstliche personen im "stillen kämmerlein" zurück ...

    da ist z.B. das "darknet" - eine nische für kriminelle im internet, wo sie verschlüsselt drogen-, waffen- und geldwaschgeschäfte abwickeln - und flugs berichten die einschlägigen medien nach den neuesten anschlägen: "was ist das darknet" ??? - und beschreibt dann so, mit welchen mitteln man es betreten kann - wie man sich einloggt - und da viele dieser labilen menschen besonders neugierig sind ..., produzieren wir die nächsten gewalttaten, bzw. stehen an deren wiege und am taufbecken ...

    gewiss haben wir ein recht auf information - aber muss man immer flugs als "story"über jeden solchen mist berichten ... ??? die polizei hält oft informationen aus ermittlungstaktischen erwägungen zurück: die medien sollten es in aller selbstverantwortung ebenfalls tun. es gilt rote linien zu ziehen - intern meinetwegen ausgehandelt - vielleicht in einem verschlüsselten "medianet international" ...

    ich jedenfalls werde noch heute alle posts und beiträge zum modernen terrorismus von meinen blogs nehmen - ehrenwort ... meine blogs werden in zukunft "terrorismusfreie zone" - ein entsprechendes logo dafür habe ich kreiert ... 



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    soweit ist es also schon gekommen: beim durchgehen all meiner posts stelle ich fest, wie oft ich das oberthema "flüchtlinge" - "menschen mit migrationshintergrund" gedanklich überschwappen lasse zum themenkomplex "terror", "is", "selbstmordattentat" usw. ...

    ich merke daran wie schnell ich abgerichtet werde - reflexartig also die flüchtlingsproblematik mit selbstmordattentaten koppele: da haben afd und pegida und csu und seehofer ganze arbeit geleistet in meinem "oberstüberl" ... S!




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     ich habe ja versprochen dieses blog nun terrorfrei zu halten ... allerdings kommt es ja nicht nur in meinem "oberstüberl" zu vermixungen von themen über die menschen, die aus ihrer heimat fliehen mussten - und hingeschmissenen terror-auslöse-theorien von kurzschluss-denkern - durch diese falsche mixtur wird immer wieder diese gleichung "flüchtlinge=terror" aufgestellt: 

    • die csu tönt wieder herum, 
    • die afd und pegida werden es ihr bald nachtun - 
    • und selbst so kluge frauen wie sahra wagenknecht fallen auf diese einfache aber falsche milchmädchen-rechnung herein ... 

    deshalb hier diese zeilen aus dem spiegel.de-kommentar von florian gathmann ... - und ich verbuche diesen beitrag unter dem stichwort: schutz der menschen, die sich mit sack & pack und kind & kegel 6000 km auf den weg gemacht haben, um hier schutz und arbeit zu suchen - was man ihnen nicht verdenken kann - und was unser grundgesetz ihnen auch ausdrücklich aus gutem grund anbietet - das thema "terror" wird dabei ja nur "peripher tangiert" ...S!


    Aber ist die Sache wirklich so einfach? Gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen der deutschen Flüchtlingspolitik und dem Terror von Ansbach und Würzburg? Vier Gründe sprechen dagegen:

    1. Die Täter der beiden Anschläge kamen vor dem Herbst 2015 nach Deutschland. Der Ansbacher Flüchtling, ein Syrer, reiste im August 2014 ein, der aus Würzburg - bei ihm ist noch unklar, ob er Afghane oder Pakistani ist - im Juni vergangenen Jahres. Deshalb greift in diesem Fall auch die Forderung der Gegner der deutschen Flüchtlingspolitik ins Leere, die schon lange nach einer sogenannten Obergrenze rufen: einer fixen Zahl von Flüchtlingen, die pro Jahr nach Deutschland kommen dürfen. Beispielsweise 200.000 jährlich, wie es immer wieder von der CSU gefordert wurde.
    2. Die zeitweise ungeordnete Einreise von Flüchtlingen nach Deutschland im Zuge der Grenzöffnung vom vergangenen Herbst führte dazu, dass die Behörden den genauen Überblick verloren, wer sich im Land befindet - zu Recht ein großer Kritikpunkt. Doch die beiden Täter von Ansbach und Würzburg waren registriert und hatten bereits verschiedene Stufen des Asylprozesses durchlaufen. Es ist auch fraglich, ob eine nachträgliche Sicherheitsüberprüfung für jeden Flüchtling in Deutschland, wie sie nun die CSU fordert, in diesen Fällen etwas genützt hätte: Beide Täter zeigten, nach allem was man weiß, keine erkennbaren Anzeichen einer Radikalisierung.
    3. Ein Manko der deutschen Flüchtlingspolitik ist zweifellos, dass man sich um die der Einreise folgenden Schritte zu wenig Gedanken gemacht hat - vor allem um die Integration der Flüchtlinge. Nur: Der Täter von Würzburg galt geradezu als Muster-Integrierter. Der junge Mann lebte in einer Pflegefamilie, war im örtlichen Sportverein und hatte eine Lehrstelle in Aussicht. Der Täter von Ansbach wiederum hätte schon zweimal abgeschoben werden sollen, er stand damit quasi außerhalb des Integrationsrahmens.
    4. Die Abschiebungen von Flüchtlingen ohne Bleiberecht laufen zu schleppend - das ist weitestgehend Konsens. Nun werden Verschärfungen gefordert. Allerdings zeigt der Fall des Ansbacher Täters, wie groß die Hürden im deutschen Rechtsstaat - der nicht zur Debatte steht - bei diesem Thema sind: Der Syrer entging zweimal einer Abschiebung, weil er jeweils ein medizinisches Attest vorlegen konnte.

    Damit ist klar - so bitter das auch ist: Auszuschließen wären die Taten von Ansbach und Würzburg nur gewesen, wenn Deutschland seit Jahren gar keine Flüchtlinge ins Land gelassen hätte. Und das hätten angesichts der Lage in Syrien, Teilen von Afrika und anderen Krisenstaaten wohl nur die wenigsten Deutschen gewollt.

    aus einem spiegel.de-kommentar von florian gathmann






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    du bist ein wertvoller mensch - ich bin ein wertvoller mensch

    Neuro-Linguistisches Programmieren? Ich habe es ausprobiert.

    Helene Flachsenberg bei bento



    "Schließ deine Augen," fordert mich der Coach auf. "Was ist das Schönste, das du je gesehen hast?" Ein romantisches Klavierstück soll mir auf die Sprünge helfen. Vor meinem inneren Auge möchte trotzdem beim besten Willen kein Bild erscheinen. Der Atlantik vielleicht? Oder wenigstens die Ostsee? "Was ist das Leckerste, das du je geschmeckt hast?", geht es weiter. Ich denke an Lasagne und daran, dass die Mittagspause noch zwei Stunden entfernt ist.

    Der Mann, der mir diese Anweisungen gibt, ist ein Trainer für Neuro-Linguistisches-Programmieren, kurz NLP. Das ist eine Coaching-Technik, die mir helfen soll, mein Leben – und auch mich selbst – besser zu machen.

    Besseres Leben, besseres Ich? Das könnte ich gerade gut gebrauchen. Mein Studium ist bald zu Ende, ich schiebe Dauerpanik vor der Zukunft. Will ich danach gleich arbeiten? Oder doch noch mal ins Ausland? Ich habe meine Masterarbeit noch nicht einmal angemeldet und fühle mich schon wie kurz vor dem Burn-Out. Höchste Zeit also für eine Neu-Programmierung.

    Das Neuro-Linguistische Programmieren wurde in den 1980er Jahren an der University of California entwickelt. Einfach gesagt basiert NLP auf der Annahme, dass Menschen ihre Umwelt auf verschiedene Weise wahrnehmen. Der Lehre nach kann man diese Wahrnehmungsprozesse beeinflussen und damit Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen verändern.

    Heute zählt NLP zu den beliebtesten Coaching-Techniken. In fast jeder größeren deutschen Stadt gibt es ein NLP-Institut, das Kurse und Ausbildungen anbietet.

    Anwendungsgebiete gibt es viele: So soll NLP Menschen helfen, ihre Ängste und Schwächen zu überwinden. Auch Verkäufer haben NLP für sich entdeckt – um andere zu beeinflussen und ihren Absatz zu steigern.

    In wissenschaftlichen Studien konnte bislang niemand nachweisen, dass NLP-Techniken wirken. Kritiker werfen NLP deshalb eine Nähe zur Esoterik vor.

    Trotzdem hat NLP viele überzeugte Anhänger. Eine Freundin schwört beispielsweise, mit Hilfe der Methode ihre Angst vor Hunden überwunden zu haben. "Probier' es aus, du wirst schon sehen."

    Ich folge ihrem Rat und finde mich in einem Tagungshotel am Stadtrand von Köln wieder. Einer der bekanntesten deutschen NLP-Trainer gibt hier ein achtstündiges Einsteigerseminar. Der Werbetext verspricht mir "anregende Geschichten und Übungen, die Dir Kraft und Motivation aus deiner inneren Mitte heraus geben werden".

    Schon bevor ich den Saal betrete, höre ich laute Musik: Eye of the Tiger, was sonst. Im Saal wirft ein Beamer Fotos an die Wand: eine übers Meer gleitende Yacht, ein Mann auf einem Berggipfel, ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen. Außer mir sind hier noch etwa 60 Menschen, vom Schul- bis ins Rentenalter, allein oder in Kleingruppen. Manche in Sakko und Kostüm, die meisten in Jeans und T-Shirt.

    Den Coach entdecke ich sofort. Er ist klein, Mitte 40 mit Bauchansatz und Geheimratsecken. Er lächelt ununterbrochen und begrüßt einige Teilnehmer mit langen Umarmungen. Dann tritt er ans Mikro. "Einen wunderschönen guten Morgen!", ruft er. "Ich habe vor 20 Jahren NLP kennengelernt, und es hat mein Leben verändert." Damals, mit 17, seine erste Lebenskrise: Liebeskummer und Suizidgedanken. NLP habe ihn da rausgeholt, sagt er.

    Eigentlich ist er Diplom-Psychologe. Von der klassischen Psychologie hat er sich aber schon lange entfernt. Langwierige Gesprächstherapien findet er überflüssig. Stattdessen setzt er auf NLP als "Kochbuch für unseren Geist". Rezepte für ein besseres Leben.

    Mit seinen Übungen soll ich negative Denkmuster erkennen und überwinden. Die Zutaten zum Glücklich-Sein trage jeder von uns bereits in sich, erklärt er.

    Das Versprechen: Funktioniert ein Mensch mal nicht so, wie er soll, kann man ihn neu programmieren – wie eine defekte Maschine.

    Für mich klingt das alles ein bisschen zu einfach. Trotzdem nimmt mich der Vortrag mit. Der Coach redet lebhaft, in Geschichten und Witzen. Zweiflern begegnet er mit Selbstironie. Aus dem Publikum kommen zustimmende Rufe, Kopfnicken und viel Gelächter.

    Als erstes möchte der Coach uns für das "Wow-Projekt Ich" begeistern. Anfangs verstehe ich nur "Bauprojekt". Eine Powerpoint-Präsentation schafft Klarheit: Ich, das sei "ein einzigartiger, wunderbarer Mensch". Mein erster großer Sieg, als schnellstes Spermium auf dem Weg zur Eizelle. Unglaubliche Daten über den menschlichen Körper, die mich an "Fakt-"Seiten auf Facebook erinnern: Wahrheitsgehalt egal, Hauptsache, alle staunen.

    Bei der ersten Partnerübung werde ich Sabine zugeteilt. Wir sollen uns gegenseitig anschauen, "wahr-nehmen", wertschätzen. Ich fühle mich vor allem beobachtet. "Du bist ein wertvoller Mensch", sagt Sabine schließlich. Muss ich mich bedanken? Ich tue es vorsichtshalber.

    Jetzt betrachte ich sie: Ergrauendes Haar, geblümte Bluse, freundliche Augen. Was für ein Mensch sie wohl ist? Bestimmt hat sie Kinder, denke ich. Vielleicht einen Golden Retriever. Sie dekoriert zu jeder Jahreszeit ihr Wohnzimmer um. "Du bist ein wertvoller Mensch", sage ich. Sie lächelt, und bedankt sich.

    "Wer von euch hat gerade eine ganz besondere Verbindung zu seinem Gegenüber gespürt?", will der Coach wissen. Sabine meldet sich. Ich hebe auch schnell die Hand. Man will ja nicht unhöflich erscheinen.

    "Das Leben ist eine Perlenkette deiner schönsten Momente", setzt der Coach nun an. Deshalb sollen wir uns einen magischen "Wow-Moment" vorstellen. Zur Anregung erzählt der Coach, wie er neulich seine Freundin überrascht hat: Mit Unmengen Teelichtern und langstieligen Rosen in Sektflaschen. Ich bezweifle, dass mein Freund das besonders wow finden würde und stelle mir stattdessen vor, dass ich einen Tag frei habe und an der Elbe sitze. Nicht besonders magisch, zugegeben. Aber doch ein angenehmer Gedanke.

    • So aktiviert ihr unglaubliche Kräfte in euch! Power-Coach

    Wenn wir uns mal mies fühlen, könnte das auch an der Körperhaltung liegen, erklärt der Coach und zeigt uns deshalb einen "Power Move":
    • Die Arme weit ausbreiten, wieder zusammenklatschen und "Yes" schreien. 
    "So aktiviert ihr unglaubliche Kräfte in euch!” Weil alle anderen seinem Vorbild folgen, überwinde auch ich mich zu ein, zwei halbherzigen Power Moves.

    In der Mittagspause sollen wir uns mit anderen Teilnehmern austauschen. Ein paar Leute kenne ich von den Übungen: Corinna zum Beispiel, eine Ergotherapeutin, die sich mit Ende dreißig beruflich umorientieren wollte und jetzt eine NLP-Ausbildung macht. Für den "Practitioner"-Schein war sie schon auf Mallorca und Ibiza. Und natürlich Sabine, die tatsächlich mehrfache Mutter ist und sich von NLP Inspiration für ihren Alltag erhofft.

    Obwohl Corinna und Sabine nett sind, gehe ich lieber am Rhein spazieren. Dabei muss ich feststellen, dass ich mich eigentlich ziemlich gut fühle. Ein bisschen beschwingt sogar. Allerdings könnte das auch daran liegen, dass heute zum ersten Mal seit Wochen die Sonne scheint.

    Nach der Pause stellt der Coach erstmal sein Seminarangebot vor. Dabei klingt er wie ein Verkäufer in einer Dauerwerbesendung. "Im Branchenvergleich ein echtes Schnäppchen" seien seine Seminare. "Ich will den Menschen einfach zeigen, was möglich ist an wow."Die Preise für ein Einsteiger-Seminar gehen bei 400 Euro los. Neben mir streicht sich Sabine eifrig Termine im Programmheft an. Ich bin froh, durch Zufall einen kostenfreien Platz im Schnupperkurs bekommen zu haben.

    Es folgt die nächste Partnerübung. Mark ist um die 20, trägt eine Brille und kann mir beim Sprechen nicht in die Augen sehen. Jetzt soll er mir etwas vortanzen, ich muss die Bewegungen spiegeln. Als wäre das nicht schlimm genug, legt der Coach Tina Turners "Simply the Best" auf. Ich imitiere Marks unbeholfenen Disko-Finger und wünsche mir einen Schnaps.

    Die Musik geht aus. Sofort lasse ich meine Hände sinken. Die anderen Teilnehmer wollen aber gar nicht aufhören: Schwitzend und lachend tanzt Sabine mit Peter, Corinna mit Simone. Es kommt zu spontanen Power Moves. YES! YES! YES!

    Ob wir eine Pause machen wollen, fragt der Coach. "Nein, weitermachen!" kommt es zurück. "Wir sind süchtig!" ruft jemand.

    Schließlich die letzte Übung des Tages: Eine 'Zukunftsreise'. Zur unvermeidlichen Klaviermusik sollen wir uns selbst in einem Jahr vorstellen. Dann in fünf, in zehn Jahren, zuletzt mit 80, 90, und 100 Jahren. Ich grusel mich bei dem Gedanken an all die Falten, die ich dann haben werde. Hinter mir beginnt eine Frau, unkontrolliert zu schluchzen.

    Der Coach ist schon wieder im Jetzt. Er gibt uns noch ein paar Sprüche mit Wandtattoo-Potential mit auf den Weg: "Carpe Diem! Nutze den Tag!" Die Anfangstöne von "Conquest of Paradise" füllen den Raum. "Dies ist deine Zeit, dein Leben", lässt er mich wissen. "Mach daraus dein persönliches Meisterwerk."

    Acht Stunden sind lang: So langsam möchte auch der Guru nach Hause. Er würgt den epischen Chor ab, verabschiedet sich. Das Publikum feiert ihn mit Standing Ovations und ein paar besonders energischen Power Moves.

    Ich schiebe mich schnell in Richtung Ausgang. Mein Kopf tut weh, das beschwingte Gefühl von heute Mittag ist verschwunden.

    Kann NLP Menschen glücklicher machen? Ich sehe die anderen Teilnehmer, die den Coach umringen oder ihre Telefonnummern austauschen und denke: für diesen Moment auf jeden Fall. Kann NLP mir persönlich helfen? Eher nicht. Denn dazu fehlt mir wohl vor allem eins: Der Wille, an das alles zu glauben.



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    nun - was haben nlp und homöopathie gemeinsam?: sie wirken und zeitigen ergebnisse, wenn man auch selbst daran glaubt. es sind eindeutig subjektive phänomene - und deshalb auch "objektiv" mit "wissenschaftlicher""neutralität" nicht zu messen, nie zu "beweisen" ...

    es heißt ja immer noch: wer heilt - hat recht !!! - zu recht ...
    ein spiegelneuron ist eine nervenzelle, die im gehirn von primaten beim betrachten eines vorgangs das gleiche aktivitätsmuster zeigt wie bei dessen eigener ausführung. auch geräusche, die durch früheres lernen mit einer bestimmten handlung verknüpft werden, verursachen bei einem spiegelneuron dasselbe aktivitätsmuster wie eine entsprechende tatsächliche handlung. seit ihrer erstmaligen beschreibung im jahr 1992 wird diskutiert, ob spiegelneuronen an verhaltensmustern von imitation oder möglicherweise sogar mitgefühl (empathie) bei primaten beteiligt sind. (wikipedia)
    vielleicht sind nlp und homöopathie deshalb ein trick dieser "spiegelneuronen" im kopf: anschübe, die zum umfallen programmierte dominostein-kette unserer handlungsabläufe neu aufzustellen: wenn wir etwas hören oder sehen oder abläufe "wahrnehmen", er-leben wir sie in real-life in unserem körper mit: wir spüren, fühlen, schmecken, riechen gleichsam, was da von außen an uns herangetragen wird - und sind "in der szene" ...: mein bruder hat als ca. 6-jähriger vor fast 70 jahren (noch tv-lose zeit) beim betrachten einer pferdeszene laut im kino geschrien: "zäng - zäng - zäng - guck mal wie das pferd die kurve kratzt": kinder werden ganz pferd, wenn sie fury im fernsehen sehen: sie riechen so wie pferd, sie wissen wie hafer schmeckt, sie freuen sich auf das stück zucker - und haben angst vor einer kolik ...

    und bei der "vorstellung" von heilung - anderssein - genesung - "programmiert" sich wahrscheinlich unser körper mit um - deshalb ist das probehandeln in vielen situationen so wichtig - in der phantasie und in echt ... - möglichst natürlich der "positiven" situationen ... - denn vorsicht: das "programmieren" geschieht natürlich auch in richtung unseres inneren "darknets", wir können uns in angst und depression regelrecht hineinsteigern - und finden nicht wieder heraus - weil der "zug" in die "falsche" richtung zu stark wird ...: also ent-spannung, aus-gleich, aus-stieg: neu-programmieren ... ;-)

    homöopathie und auch nlp werden von der "konkurrenz" gern als unwissenschaftliche und unwirksame methoden allenfalls mit "placebo"-effekt abgetan ... aber selbst in einem "wirkungslosen" heilmittel kann eine heilkraft liegen, wenn es mit dem notwendigen "heilauftrag" und einem (oft ein wenig an die alten schamanismen erinnernden) ritual übergeben wird - zum zwecke der heilung - und die patienten bzw. hilfsbedürftigen das nach hier gültiger westlicher schulmedizin "wirkungslose" placebo-heilmittel als solches auch annehmen und ihm vertrauen das heilmittel selbst "aufladen" mit ihrer erwartungshaltung ... (im asiatischen raum haben sich ja ganz andere heilmaßnahmen "wissenschaftlich" durchgesetzt - z.B. tcm und akupunktur - in religiösen bereichen gibt es ja noch einen milden "exorzismus" und zumindest das "besprechen" und das "handauflegen" als stärkende gebete bei erkrankungen ...) 

    böse zungen behaupten, das auch in allopathischen und pharmakologischen arzneimitteln  und heilmitteln nach westlich wissenschaftlicher schulmedizin eine hohe dosis von diesen "placebo"-effekten steckt - zumal die genaue wirkungsweise z.B. bei vielen psychopharmaka und auch beispielsweise dem diabetes-II-mittel "metformin"überhaupt noch nicht richtig erforscht sind ... auch bestimmt ja in zunehmenden maße die pharmazeutische industrie mit ihrer lobby die "zulässigen"normengrenzen hin zur pathologie bei vielen mess-ergebnissen in untersuchungen: z.B. die "gesunden" kurvenverläufe bei elektromagnetischen und chemischen messungen, blutserumgehalte, urin, um "rechtzeitig" oder als "prophylaxe" dann die pharmazeutischen erzeugnise auch an frau oder mann zu bringen durch verschreibungen der niedergelassenen ärzte und therapeuten ...

    krankheiten werden so regelrecht mit angeblich teuren "wissenschaftlich fundierten untersuchungen" und veröffentlichungen "erfunden", damit sie ab dann "rechtzeitig""behandelt" werden können - (z.b. der alters-prostata-"krebs", der sich in dem allermeisten fällen erübrigt - aber immer wieder "gern genommen" wird - um entsprechende op.-teams auch auszulasten ... - bei der vielzahl von unnötigen herzkatheter-untersuchungen und hüft-op's läuft das in hier in deutschland ebenfalls recht "industriemäßig" - und hat mit tatsächlich notwendigem "bedarf" weng zu tun ...) - jedes jahr wird eine hohe zweistellige anzahl von "psychiatrischen erkrankungen" dem icdoder dem dsm hinzugefügt, gegen die jedesmal irgendeine pharmazeutische stoffmixtur gleichzeitig neu auf den markt dringt und entsprechend verschrieben wird ...

    wer nicht an die wirkungsweise von "unwissenschaftlichen" heilbehandlungen oder psycho-stärkungsseminaren glaubt, oder "objektiv" (als subjekt mensch) messen oder "be-urteilen" will und "beweisen" will, oder eben auch das gegenteil ergründen möchte - hat schon verloren - und will dann natürlich sein geld zurück ...

    und - nlp und homöopathie sind techniken - wie z.B. der "erste-hilfe-kurs" bei der führerscheinprüfung -  wie ein ganz bestimmtes hantel-training in der mucki-bude - wie das "intervall-training" bei den leichtathleten usw. man kann auch seine eigene "(um-) programmiertechnik" entwickeln - allerdings gibt es auch da tüftler und "schrauber", die das ganze leben sich "aus-probieren" - ohne jemals "in real-life" tatsächlich an den start zu gehen - und anzukommen ... S!


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  • 07/29/16--00:30: Wasser

  • Dat Wasser vun  Deutschland es jooot

    Stiftung Warentest untersucht Leitungswasser und Stilles Wasser

    Manche Menschen trinken Wasser direkt aus dem Hahn, andere schleppen Flaschen nach Hause. Um ihre Gesundheit muss sich keine der beiden Gruppen sorgen: Mit Mineral- und Leitungswasser ist laut Stiftung Warentest hierzulande alles in Ordnung.

    Stilles Wasser und Leitungswasser sind in Deutschland gesundheitlich unbedenklich. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest nach einer Untersuchung von Leitungswasserproben aus 28 Orten – darunter in der Region Bielefeld – sowie von 30 stillen Mineralwässern.

    Verunreinigungen oder Schadstoffe fanden die Experten dabei kaum bis gar nicht. So lag der Nitratgehalt bei allen Proben in allen Fällen unter dem gesetzlichen Grenzwert. Arzneimittelrückstände und andere Verunreinigungen im Leitungswasser gebe es zwar – allerdings nicht in Konzentrationen, die dem Menschen gefährlich werden könnten.

    Aufpassen müssten höchstens Eltern von Säuglingen: Prinzipiell lässt sich Babynahrung zwar problemlos mit Wasser aus der Leitung zubereiten. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann aber zu Flaschenwasser greifen, das laut Etikett für die Zubereitung von Babynahrung geeignet ist. Für solches Wasser gelten besonders strenge Vorschriften und Grenzwerte. Abkochen sollten Eltern es aber trotzdem, so die Tester.

    Der Begriff Mineralwasser führt dagegen etwas in die Irre. Denn trotz des Namens enthalten viele Wässer der Untersuchung zufolge keine besonders hohe Konzentration von Mineralstoffen. Für Menschen mit Laktoseintoleranz kann es sich aber etwa lohnen, gezielt zu Wasser mit hohem Kalziumgehalt zu greifen. Sportler können mit bestimmten Wässern Magnesiumverluste ausgleichen. Und Wasser mit hohem Sulfatgehalt kann in großen Mengen verdauungsfördernd oder abführend wirken und so zum Beispiel Verstopfung lindern.

    Leitungswasser sei das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland und habe eine gute Qualität. Alle Proben hätten der strengen Trinkwasserverordnung entsprochen. Von den in NRW untersuchten Brunnen in Bielefeld, Duisburg und Köln schneidet das Bielefelder Wasser am besten ab. Es enthalte pro Liter 393 Milligramm Mineralstoffe und keine Verunreinigungen.

    »Leitungswasser ist so gesund wie Flaschenware, unschlagbar günstig und umweltschonend obendrein«, sagte der Vorstand der Stiftung Warentest, Hubertus Primus. So kostet ein Liter Leitungswasser etwa einen halben Cent, das teuerste Mineralwasser im Test dagegen 70 Cent pro Liter. Die Ergebnisse der Studie finden sich in der August-Ausgabe der Zeitschrift »test«.

    »Leitungswasser darf aufbereitet werden, um mögliche Verunreinigungen zu entfernen. Mineralwasser dagegen muss von sich aus natürlich rein sein.«

    »test« sprach für zehn Mineralwässer eine Empfehlung aus. Acht der getesteten deutschen Wässer reichten höhere Werte als das mineralstoffreichste der untersuchten Leitungswässer.

    Während Leitungswasser vorwiegend aus Grundwasser und Talsperren stammt, wird Mineralwasser aus Tiefenbrunnen gefördert. Maik Ramforth-Wüllner, Geschäftsführer bei Mineralquellen Wüllner (Carolinen - Bielefeld), kritisierte diese Gegenüberstellung: »Leitungswasser darf aufbereitet werden, um mögliche Verunreinigungen zu entfernen. Mineralwasser dagegen muss von sich aus natürlich rein sein.«

    (WESTFALEN-BLATT, Nr. 175, v. 29.07.2016/ef/dpa/epd)

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    also - wasser ist ja nicht nur "zum waschen da", wie die drei peheiros das in einem etwas müden aber damals populären song 1956 schon zum besten gaben (höre und siehe unten). wasser wird eben auch getrunken - und das ist gut so ...

    allerdings hat diesmal die zeitschrift "test"äpfel mit birnen verglichen, in dem sie leitungswasser aus 28 regionen deutschlands mit 30 stillen abgefüllten mineralwassern verglich ... - und suggeriert, das sei ähnlich - und wir könnten alle zu hause mit wasserspendern und tafelwasseranlagen herumpanschen was das zeug hält ...

    da sagt der abfüller von carolinen wasser in bielefeld, ramforth-wüllner, völlig zu recht: während leitungswasser aufbereitet werden darf, um mögliche verunreinigungen zu entfernen - und hier und da sogar manchmal chlor zugesetzt werden muss, oder so verunreinigt ist, dass man die bevölkerung in den medien warnt, das wasser nur abgekocht zu verzehren - muss abgefülltes mineralwasser dagegen von sich aus natürlich rein sein. - und das wird in unseren breitengraden immer schwieriger zu finden, wenn durch abwasser chemische reste, spülmittel, plastiksand, pestizide und schwermetallverbindungen ins grundwasser sickern ...

    das wasser ist eines der alten vier grundelemente des lebens - neben luft, erde und feuer ... - grundelemente des lebens sind zu achten und zu schützen - und mit feuer ist sorgsam umzugehen ...
    seien wir also getrost, aber nehmen wir es nicht einfach hin - es bedarf unserer obhut und unserer kontrolle, damit wir noch morgen rülpsen und schwimmen können ...S!




    Die Drei Peheiros

    Wasser ist zum Waschen da 
    Songtext

    Wenn der Beduine mit Kamel
    nach Ägypten zieht
    braucht er kein Öl,
    aber ab und zu mal Wasser,
    denn er kommt sonst nie zu Nasser.
    Oder wenn man auf der Autobahn
    mit dem Auto fährt
    was braucht man dann
    Wasser, den Motot zu kühlen
    und zu Haus braucht mans zum spülen
    man braucht es jedenfalls
    wenn auch selten mal am Hals

    Wasser ist zum Waschen da,
    falleri und fallera
    auch zum Zähneputzen kann man es benutzen
    Wasser braucht das liebe Vieh
    fallera und falleri
    selbst die Feuerwehr benötigt Wasser sehr

    Ohne Wasser gäbs kein Paddelbbot
    keine Ölsardinen auf dem Brot
    und am Strand der Riviera
    wär es heute schon viel leerer
    auch die Wasserspülung wärn wir los
    in der Wasserleitung wüchse Moos
    und Hawaii die Südseeinsel
    wär ein öder Palmenpinsel
    ja selbst der Wasserfloh
    quälte uns dann irgendwo
    Wasser ist zum Waschen da,
    falleri und fallera
    wenn man es nicht hätt
    wär stets die Milch zu fett!

    Einmal baden jährlich, das muss sein
    früher warn die Menschen nicht so fein
    denn zur Zeit des alten Fritzen,
    da genügte schon das Schwitzen,
    ohne Wasser kann es nicht mehr gehn
    wenn wir auch mal bis zum Hals drin stehn
    doch kein Mensch kann so tief sinken
    und das Wasser einmal trinken
    Das weißß doch jeder Tor
    nur der Wein schmeckt nicht nach Chlor
    Wasser ist zum Waschen da,
    falleri und fallera
    auch zum Zähneputzen kann man es benutzen
    Wasser braucht das liebe Vieh
    fallera und falleri
    selbst die Feuerwehr benötigt Wasser sehr

    Auch bei manchen Füßen würde mans begrüßen!!


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    "Wir sind erst angefangen - wir werden immer mehr ..."

    Nachgefragt

    Bilder vom Terror zeigen?

    Fragen an Jens Hoffmann, Psychologe und Experte für Bedrohungsmanagement

    Publik-Forum: Herr Hoffmann, die Bilder des Lastwagens, der in Nizza Menschen überfahren hat, brennen sich ein. Wie sollten Journalisten mit solchen Bildern umgehen?

    Jens Hoffmann: Wir müssen wegkommen davon, ständig Bilder von Attentätern zu veröffentlichen. Viele Täter wünschen sich, noch mal ganz groß rauszukommen. Wenn sie mithilfe von Live-Tatort-Fotos und -Videos in den Medien erscheinen, ist ihnen das gelungen. Die ganze Welt wird dann zur Bühne, der Untergang wird grandios. Diesen Berühmtheitseffekt gilt es zu verringern. Und es sind nicht nur die Bilder: Der Konkurrenzkampf der Medien um eine schnelle Berichterstattung führt dazu, dass noch am selben Tag eingeordnet und kategorisiert werden soll, anstatt erst einmal abzuwarten.

    Aber selbst wenn Fernseh- und Zeitungsjournalisten das tun: Es gibt ja auch noch die sozialen Netzwerke ...

    Hoffmann: Ja, und es ist erschreckend, wie schnell man auf Twitter sofort alles zu sehen bekommt. Die sozialen Netzwerke sind schwer zu kontrollieren. Ich denke aber, dass traditionelle Medien immer noch Leitmedien sind, die einen großen Einfluss und Vorbildfunktion haben. Dafür gibt es durchaus Beispiele.

    Welche denn?

    Hoffmann: Bei der Suizid-Berichterstattung. In den 1980er-Jahren haben sich in der »Wiener Selbstverpflichtung« Medien geeinigt, nicht mehr über Suizide auf U-Bahn-Gleisen zu berichten. Daraufhin hat sich die Quote derer, die Selbstmord im U-Bahn-Schacht begangen haben, um sechzig Prozent verringert. Es gibt viele Studien, die das belegen. Der Nachahmungseffekt ist von enormer Bedeutung – auch mit Blick auf terroristische Attentate. Durch eine extensive Berichterstattung produzieren wir die nächsten Täter mit. Werden Bilder von Terroristen gezeigt, animiert das potenzielle Nachahmer.

    Warum?

    Hoffmann: Gesichter markieren die Individualität der Gewalttäter. Egal ob die drei Mitglieder der rechtsradikalen Serienmördergruppe NSU oder der Anführer der Anschläge vom 11. September – ihre Gesichter kennen die meisten. Es besteht die Gefahr, dass die Täter so zu Ikonen, zu Helden stilisiert werden. Ein wirksames Gegenmittel wäre die mediale Entindividualisierung.

    Das heißt, Medienschaffende sollten ganz auf Bilder von Terroristen verzichten?

    Hoffmann: Nein, aber Täterfotos sollten nur verpixelt erscheinen. Täter sollten zudem weder dämonisiert noch namentlich genannt werden. Wenn radikale Einzeltäter als »gewalttätige Monster« oder »eiskalte Killer« bezeichnet werden, macht sie das größer, als sie sind. Und eine so mächtige negative Identität kann eine hohe Anziehungskraft besitzen für Menschen mit Selbstwertzweifeln. Solche Täter wollen ihre Namen unsterblich machen. So war das zum Beispiel bei dem norwegischen Attentäter, der vor fünf Jahren 77 Menschen tötete. Natürlich müssen Medien über solche Anschläge berichten. Aber Gesichter zu verpixeln und Namen nicht zu nennen, kann Leben retten. Interview: Elisa Rheinheimer-Chabbi
    Jens Hoffmann, geboren 1968, ist Psychologe. Er leitet das Institut für Psychologie und Bedrohungsmanagement (I:P:Bm) in Darmstadt.

    Quelle. PUBLIK-FORUM, Nr. 14/2016 - S. 9

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    Medien zeigen keine Fotos mehr von Attentätern

    Frankreichs Medien wollen künftig keine Fotos von Attentätern mehr abdrucken und so eine Glorifikation der Terroristen verhindern. Eine tiefgründige Berichterstattung über die Täter werde es aber weiterhin geben.


    Paris - Nach den jüngsten Terroranschlägen in Frankreich verzichten französische Medien bewusst auf Bilder von den Attentätern. Man wolle damit eine „posthume Glorifikation“ der Attentäter verhindern, schrieb der Chefredakteur der Tageszeitung „Le Monde“, Jérôme Fenoglio, am Mittwoch in einem Leitartikel.

    Der Nachrichtensender BFMTV schloss sich dem an: „Wir wollen kein Terroristen-Album erstellen“, hieß es in einem Artikel auf der Internetseite. Insbesondere Fotos, auf denen die Täter lachten, seien unangebracht neben den Bildern der Opfer. Eine tiefgründige Berichterstattung über das Profil und den Werdegang der Täter verhindere dies nicht.


    „Le Monde“-Chef Fenoglio forderte zudem zu einer weiteren Debatte über die Terror-Berichterstattung auf. Dies sei unerlässlich, um die „Strategie des Hasses“ der Terroristen zu zerbrechen. - HANDELSBLATT

    Die Tageszeitung Le Monde will in Zukunft keine Fotos von Terroristen mehr zeigen - CLICK HERE



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    wohlgemerkt: mir geht es nicht nur um die täterfotos - sondern mir geht es auch um das ganze prozedere und drum und dran bei diesen terroranschlägen: ich habe ja deshalb hier auch angesichts der internationalen "terror-inflation" in letzter zeit für dieses blog - quasi in einer "selbstverpflichtung"- beschlossen, nicht mehr über terror zu berichten, oder zu spekulieren, zu psychologisieren, zu katastrophieren, um damit die beweggründe der täter zu eruieren usw. - eben einfach, weil das insgesamt diesen tätern die kulisse für ihre inszenierung als bühne bietet - eine bühne, die sie suchen - die bühne, in denen sie ihren allerletzten "big-bang" mit viel nachhall, beifall und echo zu zünden suchen ...

    - und was andere dann dazu bringen kann, so ein verrücktes abgewracktes menschliches "finale" nachzuahmen. ich glaube nicht daran, dass der "is" so "weltweit" zu operieren in der lage ist - ich denke eher, es sind diese menschen, die sich in ihrem eigenen "oberstüberl-darknet" sich diesen "is" als vorbild wählen und sich ihm somit anbiedern - vor ihrem an sich einsamen und verzweifelten abgang - und vielleicht  vorher spontan über das internet eine affinität zu den terror-milizen herstellt, die in etwa der qualität eines "likes" in den sozialen netzwerken entspricht ...

    der "is" selbst verkauft dann natürlich in seinem internet-propaganda-netzwerk diese verirrten taten und täter gerne als teil ihrer eigenen ausgeklügelten strategie, die der öffentlichkeit ihre macht und damit angst und schrecken demonstrieren soll - alles angeblich im namen allahs und des islams ... -

    die terroristen haben vielleicht unser "klammheimliches" mitleid und vielleicht noch ein bedauern für ein solch verirrtes leben verdient - aber nicht unsere eigene angst- oder sensationserfüllte zuwendung - eventuell sogar gepaart mit der selbstdarstellung eines "ich-bin-dabeigewesen" und der perfiden gafferei durch mitrecherche-versuche dieser verqueren beweggründe ... - es ist ein zuviel an guter und positiver lebensenergie, die dafür abgezogen wird ... S!



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    Ein Leben lang im Gespräch: Rupert Neudeck mit einer aus Afghanistan geflüchteten Frau und ihrem Kind im Juli 2015 in Berlin

    Rupert Neudeck: 
    »Eingefahrene Gleise verlassen«

    Was sich im Umgang mit Flüchtlingen und in der deutschen Asyl-Bürokratie ändern muss. Das Vermächtnis des kürzlich verstorbenen Menschenfreunds Rupert Neudeck. Auszug aus seinem letzten Buch »In uns allen steckt ein Flüchtling«

    In meinen Augen ist die wichtigste Forderung: Flüchtlinge müssen gleich nach ihrer Ankunft in Deutschland etwas tun! In der Regel ist in den deutschen Kommunen die Versorgung gut. Gar nicht gut ist aber, dass die Mehrzahl dieser Menschen einfach nichts tun muss und deshalb vieles brachliegt. Und das über Monate. Wir müssen uns bemühen, eine freundliche, aber bestimmte Disziplin in die Asylbewegung zu bekommen. Nur wenn wir das schaffen, können gewaltsame Auseinandersetzungen verhindert werden. Die Flüchtlinge brauchen einen geordneten Tagesablauf. Das kann aber nicht allein durch Deutschunterricht erreicht werden. Es müssen Projekte angestoßen werden, bei denen sich gerade junge Asylbewerber und Flüchtlinge einbringen können, etwa im Baugewerbe oder in anderen handwerklichen Berufen, in denen sie schon in ihrer Heimat Fertigkeiten an den Tag legten. Das ermöglicht ihnen eine Perspektive, und sie fühlen sich in ihrer Wartezeit nicht alleingelassen. Unsere eigene Mitleidshaltung, untermauert von unserem für selbstverständlich gehaltenen Wohlstand, führt dazu, dass wir Flüchtlinge noch immer als arme, abhängige Wesen sehen, denen im nächsten Krankenhaus eine Infusion gelegt werden muss. Passivität ist das größte Hindernis für Integration.

    Vom ersten Tag ihrer Ankunft an sollte man den Flüchtlingen aber keine Angebote machen, sondern sie sollten einen Zettel in ihrer Sprache überreicht bekommen, auf dem ihre Verpflichtungen festgehalten sind. Zu diesen gehört aber nicht nur der tägliche Deutschunterricht, sondern auch das Reinemachen der Einrichtungen einschließlich der Toiletten und des gesamten Geländes.

    Wollen sich gegenwärtig Flüchtlinge selbst an Reinigungs- und Küchendiensten beteiligen, müssen sie regelrecht darum kämpfen, denn Organisationen, die für die Erstaufnahme zuständig sind, geben die Anträge zur Reinigung der Unterkünfte an Firmen weiter, die davon profitieren.

    Jeder Mensch lebt und erlebt sich durch ein Tätigsein. Das muss am Anfang nicht unbedingt eine tariflich entlohnte Arbeit sein, aber es sollten Möglichkeiten geschaffen werden, tagsüber etwas Sinnvolles zu tun. Deshalb sollten Asylbewerber etwa in Kommunen allgemeine Arbeitsdienste übernehmen oder in den Natur- und Umweltschutz eingeführt werden.

    Viele Helfer sind über solche Forderungen schockiert, meinen, so etwas könne man den »armen Flüchtlingen« nicht zumuten, die sollten nach ihren schweren Erlebnissen erst einmal gar keine Verpflichtung habe. So wurde das auch lange Zeit gehandhabt, das war aber oft genug der verkehrte Weg. Menschen brauchen das Gefühl, nützlich zu sein, auch wollen Flüchtlinge für das großzügige Geschenk der Aufnahme etwas zurückgeben. Vor über zehn Jahren wurde ich von der Stadtbehörde meiner Heimatgemeinde gebeten, eine Streitschlichtung zu übernehmen. Bei mir konnten sie sich sicher sein, dass ich nicht gegen Ausländer war. Der Hintergrund: Troisdorf war eine größere Gruppe von Somaliern zugewiesen worden, die alle in einem Haus leben sollten. Die Somalier lehnten aber dieses gemeinsame Haus ab, mit der Begründung, dass sie verfeindeten Stämmen angehörten. Nachdem ich mir das angehört hatte, sagte ich mit äußerster Schärfe: »Wenn Sie Ihre Stammeskonflikte weiter fortsetzen wollen, gibt es nur den Weg zurück nach Somalia. In Deutschland, in Troisdorf, müssen diese Art Auseinandersetzungen beendet werden. Hier kämpfen nicht mehr Stämme gegeneinander, sondern hier wartet jeder darauf, dass er baldmöglichst die deutsche Staatsbürgerschaft bekommt.« Und danach war es auf einmal möglich, dass die verschiedenen Stämme zusammenlebten.

    Kein Süßholz raspeln

    Noch ein zweiter Satz ist ähnlich falsch, so rührend-romantisch er auch im ersten Moment wirkt. Zum ersten Mal hörte ich ihn in einer Frauengruppe in Troisdorf, dort meinte man: »Wir versuchen, die Wünsche, die die Flüchtlinge haben, zu erfahren und diese auch real werden zu lassen.« Ich halte ein solches Vorgehen für kontraproduktiv, insbesondere in Bezug auf unser aller Anliegen, das Einleben der Menschen, die von weither zu uns kommen, zu erleichtern. Um das zu gewährleisten, ist es wenig sinnvoll, Süßholz zu raspeln, in diesem Fall ist Klarheit angesagt.

    Es war vielleicht der mutigste und wahrscheinlich tollkühnste Satz, den Angela Merkel in ihrer Kanzlerschaft verlauten ließ: »Deutsche Gründlichkeit ist super, aber jetzt ist deutsche Flexibilität gefragt.« Tollkühn ist der Satz, weil er allem widerspricht, was man von deutschen Ämtern gewohnt ist.

    Um die deutsche Gründlichkeit zu begreifen, ein paar Beispiele. In der ostfriesischen Stadt Leer bietet die dortige Volkshochschule Integrationskurse an, die in der Regel vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bezahlt werden. Eine Teilnehmerin hatte an einem Kurstag nur mit Bleistift unterschrieben. Der aufmerksamen Sachbearbeiterin fiel das auf, denn »gemäß § 2 Absatz 4 Satz 2 AbrRL« sind Eintragungen in die Liste mit einem Kugelschreiber oder einem ähnlich radierfesten Stift vorzunehmen. Der Tag dieser Teilnehmerin – man ist ja so herrlich unflexibel im Größenwahn deutscher Gründlichkeit – würde als Fehlzeit gewertet werden müssen, dies jedenfalls teilte die Sachbearbeiterin der Volkshochschule mit. Auch eine andere deutsche Staatsvertreterin mit Hoheitsaufgaben befasste sich ausgiebig mit den Möglichkeiten eines Betrugs am Staatsvermögen. Sie vermisste bei der Unterschrift eines Herrn nicht nur »Andeutungen von Buchstaben«, sondern auch »einzelne individuelle Merkmale«. Auch sie stellte »selbst zu vertretende Fehlzeiten« fest. Gitta Connemann, geboren in Leer und CDU-Mitglied, meinte, bei dem Herrn handle es sich womöglich um einen Analphabeten. Das könne die fehlende »Andeutung von Buchstaben« erklären.

    Der Kölner Kardinal Rainer Woelki stellte den jammernden Behörden Gebäude für Flüchtlinge zur Verfügung. Es hieß, eines der Häuser würde nicht den Baustandards entsprechen, ein zweites Gebäude stünde unter Denkmalschutz. Denkmalschutz ist in unserem Luxusland ja auch wichtiger als Flüchtlingsschutz.

    Handwerk und Gewerbe suchen dringend Leute, doch das kümmert die dogmatisch agierenden Arbeitsagenturen so gut wie gar nicht. Immerhin: Die Industrie- und Handelskammer (IHK) gab im Februar 2016 leise kund, dass man hoffe, die Flüchtlinge würden die Stellen einnehmen, die zukünftig kaum noch zu besetzen seien, insbesondere im Handwerk. Trotzdem sind die bürokratischen Grenzen bislang geblieben, sie weisen die Worte der Kanzlerin über eine dringend gebrauchte deutsche Flexibilität als pure Utopie aus.

    Es bedarf also einer immensen Aufräumarbeit, um die eingefahrenen Gleise zu verlassen. Sie ist aber nötig, denn es geht um ziemlich viel, im Grunde um alles.

    Und wäre es nicht auch für alle einfacher, den Syrern den Aufenthaltstitel gleich den einst geretteten Vietnamesen zu geben? Die Vietnamesen mussten damals keinen Asylantrag stellen und konnten sich vom ersten Moment an in der Bundesrepublik sicher fühlen. Ihr gutes Einleben hatte auch damit zu tun – warum diesem Beispiel nicht folgen?

    Rupert Neudeck: In uns allen steckt ein Flüchtling. C. H. Beck. 169 Seiten. 10 Abb. 14,95 €; Publik-Forum-Best.-Nr. 3818

    aus: PUBLIK-FORUM, Nr. 14|2016 - S. 18-19



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  • 07/30/16--11:19: (link)notes - in wort & bild

  • Denken besteht darin, Ähnlichkeiten wahrzunehmen. 
    Ich mache oft die Erfahrung, dass ich plötzlich Ähnlichkeiten zwischen Ereignissen wahrnehme, zwischen einem gegenwärtigen Ereignis und einem früheren Ereignis. Oder zwischen den Dingen, die gleichzeitig stattfinden. Ich gehe diesen Beziehungen nach.

    Byung-Chul Han, 2014



    - Was ist "Synchronizität" im Sinne C.G. Jung's ???

    - Was ist "Koinzidenz" ... ???
    - Was ist "Korrelation" ... ??? 

    Alles schon mal da gewesen ???

    ... der Schrubber heute im Badezimmer 
    und der Bart Erdoğan's - 
    wenn der so von hinten 
    in einem gleißenden Spot 
    angestrahlt wird - 
    und warum tauchen dann 
    oft Pantomime-Bilder in mir 
    von A.H. vor dem Spiegel auf ... ???


    Wir werden Unsterblichkeit erreichen um den Preis des Lebens. 

    Byung-Chul Han, 2014 





    - das ist dann das "Reich Gottes" ... ???
    mein lieber Meister Eckhart


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  • 07/31/16--00:27: Puppen sind wir ...
  • Das Kunstwerk "Auf der Lichtung" von Anthony Cragg steht im Herzen von Sennestadt - S!NED!-art





    Georg Büchner

    Dantons Tod

    Zweiter Akt - Fünfte Szene


    Ein Zimmer

    Es ist Nacht.

    Danton (am Fenster).

    Will denn das nie aufhören? Wird das Licht nie ausglühn und der Schall nie modern? Will's denn nie still und dunkel werden, dass wir uns die garstigen Sünden einander nicht mehr anhören und ansehen?– September! –

    Julie (ruft von innen). Danton! Danton!

    Danton. He?

    Julie (tritt ein). Was rufst du?

    Danton. Rief ich?

    Julie. Du sprachst von garstigen Sünden, und dann stöhntest du: September!

    Danton. Ich, ich? Nein, ich sprach nicht; das dacht' ich kaum, das waren nur ganz leise, heimliche Gedanken.

    Julie. Du zitterst, Danton!

    Danton. Und soll ich nicht zittern, wenn so die Wände plaudern? Wenn mein Leib so zerteilt ist, daß meine Gedanken unstet, umirrend mit den Lippen der Steine reden? Das ist seltsam.

    Julie. Georg, mein Georg!

    Danton. Ja, Julie, das ist sehr seltsam. Ich möchte nicht mehr denken, wenn das gleich so spricht. Es gibt Gedanken, Julie, für die es keine Ohren geben sollte. Das ist nicht gut, daß sie bei der Geburt gleich schreien wie Kinder; das ist nicht gut.

    Julie. Gott erhalte dir deine Sinne! – Georg, Georg, erkennst du mich?

    Danton. Ei warum nicht! Du bist ein Mensch und dann eine Frau und endlich meine Frau, und die Erde hat fünf Weltteile, Europa, Asien, Afrika, Amerika, Australien, und zwei mal zwei macht vier. Ich bin bei Sinnen, siehst du. – Schrie's nicht September? Sagtest du nicht so was?

    Julie. Ja, Danton, durch alle Zimmer hört ich's.

    Danton. Wie ich ans Fenster kam – (er sieht hinaus:) die Stadt ist ruhig, alle Lichter aus...

    Julie. Ein Kind schreit in der Nähe.

    Danton. Wie ich ans Fenster kam – durch alle Gassen schrie und zetert' es: September!

    Julie. Du träumtest, Danton. Fass dich!

    Danton. Träumtest? Ja, ich träumte; doch das war anders, ich will dir es gleich sagen – mein armer Kopf ist schwach – gleich! So, jetzt hab ich's:
    Unter mir keuchte die Erdkugel in ihrem Schwung; ich hatte sie wie ein wildes Roß gepackt, mit riesigen Gliedern wühlt' ich in ihren Mähnen und preßt' ich ihre Rippen, das Haupt abwärts gewandt, die Haare flatternd über dem Abgrund; so ward ich geschleift. 
    Da schrie ich in der Angst, und ich erwachte. Ich trat ans Fenster – und da hört' ich's, Julie.

    Was das Wort nur will? Warum gerade das? Was hab ich damit zu schaffen? Was streckt es nach mir die blutigen Hände? Ich hab es nicht geschlagen. – O hilf mir, Julie, mein Sinn ist stumpf! War's nicht im September, Julie?

    Julie. Die Könige waren nur noch vierzig Stunden von Paris...

    Danton. Die Festungen gefallen, die Aristokraten in der Stadt...

    Julie. Die Republik war verloren.

    Danton. Ja, verloren. Wir konnten den Feind nicht im Rücken lassen, wir wären Narren gewesen: zwei Feinde auf einem Brett; wir oder sie, der Stärkere stößt den Schwächeren hinunter – ist das nicht billig?

    Julie. Ja, ja.

    Danton. Wir schlugen sie – das war kein Mord, das war Krieg nach innen.

    Julie. Du hast das Vaterland gerettet.

    Danton. Ja, das hab ich; das war Notwehr, wir mussten. Der Mann am Kreuze hat sich's bequem gemacht: es muss ja Ärgernis kommen, doch wehe dem, durch welchen Ärgernis kommt! – Es muss; das war dies Muss. Wer will der Hand fluchen, auf die der Fluch des Muss gefallen? Wer hat das Muss gesprochen, wer? Was ist das, was in uns lügt, hurt, stiehlt und mordet?

    Puppen sind wir, von unbekannten Gewalten am Draht gezogen; nichts, nichts wir selbst! die Schwerter, mit denen Geister kämpfen – man sieht nur die Hände nicht, wie im Märchen. – 
    Jetzt bin ich ruhig.

    Julie. Ganz ruhig, lieb Herz?

    Danton. Ja, Julie; komm, zu Bette!




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  • 07/31/16--08:42: man - man - man ...


  • man - man - man = wenn alles ich ins allgemeine zergeht | S!NED!art

    "Das 'Man' verkörpert die gesellschaftliche Konformität. Es schreibt uns vor, wie wir zu leben, zu handeln, wahrzunehmen, zu denken, zu urteilen haben: 'Wir genießen und vergnügen uns, wie man genießt: wir lesen, sehen und urteilen über Literatur und Kunst, wie man sieht und urteilt; [...] wir finden 'empörend', was man empörend findet.'"

    Zitat aus: Byung-Chul Han | "Die Austreibung des Anderen. Gesellschaft, Wahrnehmung und Kommunikation heute", Fischer 2016 - mit einem Zitat von: Martin Heidegger, Sein und Zeit, Tübingen 1977

    Byung-Chul Han ist Professor für Philosophie und Kulturwissenschaft an der Universität der Künste Berlin.


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    DAS EVANGELIUM NACH LUKAS 19, 1-10

    Zachäus

    19

    1 Und er ging nach Jericho hinein und zog hindurch. 2 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. 3 Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. 4 Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. 5 Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. 6 Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. 
    7 Als sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. 8 Zachäus aber trat vor den Herrn und sprach: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. 9 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist Abrahams Sohn. 10 Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.


    Text der Predigt von Papst Franziskus bei der Abschlussmesse des Weltjugendtages, Krakau, Campus Misericordiae, 31. Juli 2016

    Liebe junge Freunde,

    ihr seid nach Krakau gekommen, um Jesus zu begegnen. Und das Evangelium erzählt uns heute ausgerechnet von der Begegnung zwischen Jesus und einem Mann, dem Zachäus, in Jericho (vgl. Lk 19,1-10). Dort beschränkt Jesus sich nicht darauf, zu predigen oder jemanden zu besuchen, sondern er will – wie der Evangelist sagt – durch die Stadt gehen (vgl. V. 1). Mit anderen Worten, Jesus möchte sich dem Leben eines jeden nähern, unseren Weg ganz und gar gehen, damit sein Leben und unser Leben sich wirklich begegnen.

    Und so kommt es zu der äußerst überraschenden Begegnung, der Begegnung mit Zachäus, dem obersten Zollpächter, das heißt dem Chef der Steuereinnehmer. Zachäus war also ein reicher Mitarbeiter der verhassten römischen Besatzer; er war ein Ausbeuter seines Volkes, einer, der sich wegen seines üblen Rufes nicht einmal dem Meister nähern konnte. Doch die Begegnung mit Jesus verändert sein Leben, wie es für jeden von uns war und jeden Tag sein kann. Zachäus musste aber einige Hindernisse überwinden, um Jesus zu begegnen: wenigstens drei, die auch uns etwas sagen können.

    Das erste ist seine geringe Körpergröße. Es gelang Zachäus nicht, den Meister zu sehen, weil er selbst klein war. Auch heute können wir Gefahr laufen, Jesus fern zu bleiben, weil wir uns ihm nicht gewachsen fühlen, weil wir eine geringe Meinung von uns selber haben. Das ist eine große Versuchung, die nicht nur die Selbsteinschätzung betrifft, sondern auch den Glauben angeht. Denn der Glaube sagt uns: » Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es « (1 Joh 3,1): Wir sind nach seinem Bild geschaffen; Jesus hat unser Menschsein angenommen und sein Herz wird sich nie von uns trennen; der Heilige Geist möchte in uns wohnen; wir sind zur ewigen Freude mit Gott berufen! Das ist unsere „Körpergröße“, das ist unsere geistliche Identität: Wir sind Gottes geliebte Kinder, immer. Begreift also, dass sich selbst nicht zu akzeptieren, unzufrieden zu leben und negative Gedanken zu haben bedeutet, unsere wahrste Identität nicht zu erkennen: Das ist, als wendete ich mich ab, während Gott mich anschauen möchte; es bedeutet, den Traum, den er für mich hegt, auslöschen zu wollen. Gott liebt uns so, wie wir sind, und keine Sünde, keine schlechte Angewohnheit, kein Fehler bringt ihn davon ab. Für Jesus – das zeigt uns das Evangelium – ist niemand gering und entfernt, niemand unbedeutend, sondern alle sind wir bevorzugt und wichtig: Du bist wichtig! Und Gott rechnet mit dir aufgrund dessen, was du bist, nicht aufgrund dessen, was du hast: In seinen Augen ist es absolut unbedeutend, welches Kleid du trägst oder welches Handy du benutzt; es ist ihm nicht wichtig, ob du mit der Mode gehst, sondern du selbst bist ihm wichtig. In seinen Augen bist du wertvoll, und dein Wert ist unschätzbar.

    Wenn es uns geschieht, dass wir in unserem Leben wenig erwarten, anstatt hohe Ziele anzustreben, dann kann uns diese große Wahrheit helfen: Gott ist in seiner Liebe zu uns treu, sogar hartnäckig. Er wird uns helfen, daran zu denken, dass er uns mehr liebt als wir uns selbst, dass er „immer für uns schwärmt“ wie der Unverbesserlichste der Fans. Immer erwartet er uns voller Hoffnung, auch wenn wir uns in unseren Traurigkeiten verschließen und ständig über empfangenes Unrecht und über die Vergangenheit brüten. Doch die Traurigkeit liebzugewinnen, ist unserer spirituellen Statur nicht würdig! Es ist vielmehr ein Virus, der alles verseucht und blockiert, der jede Tür verschließt, der verhindert, das Leben neu zu entfachen und von vorn zu beginnen. Gott ist dagegen hartnäckig hoffnungsvoll: Er glaubt immer, dass wir wieder aufstehen können, und findet sich nicht damit ab, uns erloschen und freudlos zu sehen. Denn wir sind immer seine geliebten Kinder. Erinnern wir uns daran zu Anfang jedes Tages! Es wird uns gut tun, es an jedem Morgen im Gebet zu sagen: „Herr, ich danke dir, dass du mich liebst; Mach, dass ich mich in mein Leben verliebe!“ Nicht in meine schlechten Angewohnheiten – die müssen korrigiert werden –, sondern in mein Leben, das ein großes Geschenk ist: Es ist die Zeit, zu lieben und geliebt zu werden.



    Zachäus hatte ein zweites Hindernis auf dem Weg zur Begegnung mit Jesus: die lähmende Scham. Wir können uns vorstellen, was im Herzen von Zachäus vorging, bevor er auf jenen Maulbeerfeigenbaum stieg, es wird ein ziemlicher Kampf gewesen sein: auf der einen Seite eine gute Neugier, nämlich die, Jesus kennen zu lernen; auf der anderen das Risiko einer entsetzlichen Blamage. Zachäus war eine bekannte Persönlichkeit. Er wusste, dass er sich mit dem Versuch, auf den Baum zu steigen, in den Augen aller lächerlich machen würde – er, ein Vorgesetzter, ein Machtmensch. Doch er hat die Scham überwunden, weil die Anziehungskraft Jesu stärker war. Ihr werdet erfahren haben, was passiert, wenn ein Mensch so attraktiv wird, dass man sich in ihn verliebt: Dann kann es geschehen, dass man bereitwillig Dinge tut, die man sonst nie getan hätte. Etwas Ähnliches geschah im Herzen von Zachäus, als Jesus ihm so wichtig wurde, dass er für ihn alles getan hätte, denn Jesus war der Einzige, der ihn aus dem Fließsand der Sünde und der Unzufriedenheit herausziehen konnte. Und so gewann die lähmende Scham nicht die Oberhand. Zachäus »lief voraus«, sagt das Evangelium, »stieg hinauf« und dann, als Jesus ihn rief, »stieg er schnell herunter« (V. 4.6). Er ist das Risiko eingegangen und hat sich selbst aufs Spiel gesetzt. Das ist auch für uns das Geheimnis der Freude: die gute Neugier nicht auslöschen, sondern sich selbst aufs Spiel setzen, denn das Leben darf nicht in eine Schublade eingeschlossen werden. Vor Jesus kann man nicht mit verschlungenen Armen abwartend sitzen bleiben; ihm, der uns das Leben schenkt, kann man nicht mit einem Gedanken oder mit einer bloßen „Kurzmeldung“ antworten!

    Liebe junge Freunde, schämt euch nicht, alles vor ihn zu bringen, besonders die Schwachheiten, die Mühen und die Sünden in der Beichte: Er wird es verstehen, euch mit seiner Vergebung und seinem Frieden zu überraschen. Habt keine Angst, ihm mit dem ganzen Elan eures Herzens „Ja“ zu sagen, ihm großherzig zu antworten, ihm zu folgen! Lasst eure Seele nicht betäuben, sondern setzt auf das Ziel der schönen Liebe, die auch den Verzicht und ein starkes „Nein“ zum Doping des Erfolgs um jeden Preis und zur Droge eines Denkens verlangt, das nur um sich selbst und die eigenen Annehmlichkeiten kreist.

    Nach der geringen Körpergröße und der lähmenden Scham gibt es ein drittes Hindernis, das Zachäus angehen musste – nicht mehr in seinem Innern, sondern in seiner Umgebung. Es ist die raunende Menge, die ihn zuerst aufgehalten und dann kritisiert hat: Jesus durfte doch nicht in sein Haus eintreten, in das Haus eines Sünders! Wie schwierig ist es, Jesus wirklich aufzunehmen, wie hart ist es, einen Gott zu akzeptieren, »der voll Erbarmen ist« (Eph 2,4)! Sie mögen euch hemmen, indem sie versuchen, euch einzureden, dass Gott fern, streng und wenig einfühlsam ist, gut mit den Guten und böse mit den Bösen. Stattdessen lässt unser himmlischer Vater »seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten« (Mt 5,45) und lädt uns ein zum wahren Mut: stärker zu sein als das Böse, indem wir alle lieben, sogar die Feinde. Sie mögen euch belächeln, weil ihr an die sanfte und demütige Kraft der Barmherzigkeit glaubt. Habt keine Angst, sondern denkt an die Worte dieser Tage: »Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden« (Mt 5,7). Sie mögen euch als Träumer beurteilen, weil ihr an eine neue Menschheit glaubt, die den Hass zwischen den Völkern nicht annimmt, die die Grenzen der Länder nicht als Barrieren ansieht und die eigenen Traditionen ohne Egoismen und Ressentiments hütet. Verliert nicht den Mut: Mit eurem Lächeln und mit euren offenen Armen predigt ihr Hoffnung und seid ein Segen für die eine Menschheitsfamilie, die ihr hier so gut vertretet!

    Die Menge hat Zachäus an jenem Tag das Urteil gesprochen, sie hat ihn von oben herab angesehen; Jesus hingegen hat das Gegenteil getan: Er hat zu ihm hinaufgeschaut (V. 5). Der Blick Jesu reicht über die Mängel hinaus und sieht die Person; er bleibt nicht bei dem Schlechten aus der Vergangenheit stehen, sondern ahnt das Gute in der Zukunft; er gibt angesichts der Absperrungen nicht auf, sondern sucht den Weg der Einheit und der Gemeinschaft; mitten unter allen hält er sich nicht bei der äußeren Erscheinung auf, sondern schaut auf das Herz. Mit diesem Blick Jesu könnt ihr eine andere Menschheit wachsen lassen, ohne zu erwarten, dass man euch lobt, sondern indem ihr das Gute um seiner selbst willen sucht und froh seid, euer Herz rein zu halten und friedlich für Ehrlichkeit und Gerechtigkeit zu kämpfen. Bleibt nicht an der Oberfläche der Dinge stehen und misstraut den weltlichen Huldigungen des Scheins, dem Make-Up der Seele, um besser zu erscheinen. Installiert hingegen gut die stabilste Verbindung, die eines Herzens, welches das Gute sieht und unermüdlich vermittelt. Und jene Freude, die ihr umsonst von Gott empfangen habt, gebt sie umsonst weiter (vgl. Mt 10,8), denn viele warten auf sie!

    Hören wir schließlich die Worte Jesu an Zachäus, die eigens für uns gesagt scheinen: » Komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein « (V. 5). Jesus richtet dieselbe Aufforderung an dich: „Heute muss ich in deinem Haus zu Gast sein.“ Der Weltjugendtag, könnten wir sagen, beginnt heute und geht morgen zu Hause weiter, denn dort will Jesus dir von nun an begegnen. Der Herr will nicht nur in dieser schönen Stadt oder in den lieben Erinnerungen bleiben, sondern er möchte zu dir nach Hause kommen, in deinem Alltagsleben wohnen: im Studium und in den ersten Arbeitsjahren, in den Situationen von Freundschaft und liebevoller Zuneigung, in den Plänen und den Träumen. Wie gefällt es ihm, wenn all das im Gebet vor ihn getragen wird! Wie hofft er, dass unter all den Kontakten und Chat des Alltags an erster Stelle der goldene Faden des Gebetes stehe! Wie wünscht er sich, dass sein Wort zu jedem deiner Tage spreche, dass sein Evangelium das Deine werde und dein „Navigator“ auf den Straßen des Lebens sei!


    Während Jesus dich bittet, zu dir nach Hause kommen zu dürfen, ruft er dich beim Namen, wie er es mit Zachäus getan hat. Dein Name ist ihm kostbar. Der Name Zachäus erinnerte in der Sprache der Zeit an das Gedenken Gottes. Vertraut dem Gedenken Gottes: Sein Gedächtnis ist keine „Festplatte“, die alle unsere Daten registriert und archiviert, sondern ein Herz, das weich ist vor Mitgefühl, das Freude daran hat, jede Spur des Bösen in uns auszulöschen. Versuchen nun auch wir, das treue Gedächtnis Gottes nachzuahmen und das Gute, das wir in diesen Tagen empfangen haben, zu bewahren. Im Stillen gedenken wir dieser Begegnung, bewahren wir die Erinnerung an die Gegenwart Gottes und seines Wortes, lassen wir in uns die Stimme Jesu, die uns beim Namen ruft, wieder aufleben. So beten wir schweigend, indem wir uns erinnern und dem Herrn danken, der uns hier haben wollte und uns begegnet ist.

    (rv 31.07.2016 ord)

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