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    Mit "Der Auftrag" (siehe Besprechungen unten) schließt Konrad Kästner an seinen preisgekrönten Dokumentarfilm "Kathedralen" an. In dem er zusammen mit der Kamerafrau Eva Katharina Bühler Bilder einer Stadt in China eingefangen hat, die für eine Million Menschen gebaut wurde, aber leer steht. Eine Geisterstadt, Investitionsblase. Babylon nach der Zerschlagung. Oder davor.
    Als Untermalung der entseelten Bilder ertönt eine Erzählung von Michael Ende: "Die Bahnhofshalle stand auf einer großen Scholle." Ein Feuerwehrmann, der als Einziger versucht, die Menschen aufzuhalten, die von einem Prediger angestachelt das goldene Kalb Mammon anbeten und in den eigenen Untergang taumeln, wird von diesen als "Ungläubiger" niedergemetzelt. Es ist gut, sich an den Feuerwehrmann zu erinnern, wenn man den "Auftrag" sieht.
    Denn wie der Bahnhof auf der großen Scholle steht das experimentelle Stück auf den kapitalismuskritischen "Kathedralen" und führt vor Augen, dass ein derartiges Ungleichgewicht in der Geldverteilung, wie wir es uns realiter leisten, geradezu zwangsläufig Demagogen gebiert.

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    Im Rahmen der experimentellen Reihe FORMATE entsteht Konrad Kästners multimediales Projekt, das die Grenzen von Dokumentarfilm und fiktionalem Theater auflöst. Der Dokumentarfilmer macht sich mit seinem Filmteam auf in den Osten der Republik. In einer widersprüchlichen Region zwischen Flüchtlingsheimen, Tagebau, Selbstironie und Angst vor Veränderungen sucht er nach nichts Geringerem als der nackten Wahrheit. Es entsteht ein wildes Roadmovie, ein multimediales Theaterspektakel frei nach der Novelle Der Auftrag – Vom Beobachten des Beobachters der Beobachter von Friedrich Dürrenmatt. Woher kommt dieses Gefühl, unsere Sicherheit und Kultur – wenn nicht gar unsere ganze Zivilisation – sei bedroht? Entspricht der rote Faden der andauernden Krisen unserer unmittelbaren Lebenswirklichkeit, ist er empfunden, Realität oder journalistisch herbeigezaubert? Sind die Algorithmen der sozialen Netzwerke ein Echo unserer Erlebniswünsche? Steuern wir unsere sozialen Cluster oder werden wir manipuliert? Konrad Kästner knüpft mit dieser Arbeit an seinen preisgekrönten Dokumentarfilm Kathedralen an. Ihn beschäftigt nun die Wechselwirkung zwischen Medien und dem Objekt der Berichterstattung. Bei seiner Recherche findet er mysteriöse Spuren, die von den karstigen Landschaften des Ostens quer durch Deutschland bis ins Herz Nordrhein-Westfalens führen, das überraschenderweise hier, in Bielefeld, im TAM ZWEI zu schlagen scheint. Ein Abend über den Menschen im Zeitalter der Beobachtung. (Theater Bielefeld)



    Geistige Brandstifter: Georg Böhm spielt Steve Zänke. FOTO: PHILIPP OTTENDÖRFER | NW

    Dem Populismus auf der Spur

    Uraufführung: Konrad Kästners nach Dürrenmatt konzipierter Theateressay "Der Auftrag" erzählt im Bielefelder Theater am Alten Markt von der dunklen Kunst des Feuerlegens

    Von Antje Doßmann | NW

    Dieses Stück ist eine Zumutung. Das fängt schon beim Platznehmen an. "Der Auftrag" ist irritierend, beklemmend, zutiefst beunruhigend. Das Gegenteil eines Katzenvideos. Man sollte es sich anschauen. Konrad Kästner hat das Stück für das Bielefelder Theater am Alten Markt konzipiert, Dariusch Yazdkhasti die Dramaturgie übernommen, am Samstag feierte es Premiere.

    Frei, sehr frei, nach Friedrich Dürrenmatts Novelle "Der Auftrag oder Vom Beobachten des Beobachters der Beobachter" (Link) ist daraus ein multimediales, gesellschaftsanalytisches Sezierstück entstanden mit einem ganz zurückhaltend agierenden Georg Böhm in der Hauptrolle.

    Den ganzen Bericht lesen = click here

    • Die nächsten Vorstellungen: 1. und 8. Dezember sowie am 13. und 14. Januar. Karten gibt es unter Tel. (05 21) 55 54 44. Weitere Informationen unter www.theater-bielefeld.de .

    Szenenfoto:  PHILIPP OTTENDÖRFER | WB

    Wir im Echoraum

    In »Der Auftrag« ist der Schauspieler der »persönliche Algorithmus« des Publikums

    Burgit Hörttrich | WB

    Die Wahrheit tut weh. Kein Problem: Dann gibt Schauspieler Georg Böhm alias Steve Zänke (»Ich bin Ihr persönlicher Algorithmus«) uns, dem Publikum, das, was wir wollen. Katzenvideos. Und fragt anschließend: »Oder wollen Sie sich lieber aufregen?«

    Im TAM-zwei war als Uraufführung ein Mix aus Video-Dokumentation und Schauspiel zu sehen: »Der Auftrag«. Konrad Kästner hat Friedrich Dürrenmatts Novelle (Link) frei, sehr frei auf die Bühne, auf die Leinwände gebracht. Die Bühne: ein Echoraum, eine Filterblase, in der jedem Nutzer vom Algorithmus eine eigene Auswahl von Neuigkeiten geliefert wird. Keine Informationen, nichts, was die eigene Weltsicht stört.

    Kästner und Böhm begeben sich in die Untiefen des Populismus – in »Dunkeldeutschland«, genauer: Dresden, Kästners Heimat. Und in Bielefeld.

    In einer Welt, in der Fakten unwichtig geworden sind, in einer Welt, in der die irrsinnigsten Gerüchte tausende von Likes bekommen, in einer Welt, in der es Menschen gibt, die die Apokalypse ausrufen – in dieser Welt ist es normal, dass jeder jeden beobachtet. Böhm (alias Zänke): »Der Mensch ist ein beobachteter Mensch. . . Dem Staat ist der Mensch und dem Menschen der Staat immer verdächtiger.« Aber dann wird es dunkel. Böhm alias Zänke beobachtet uns, das Publikum, nicht mehr und wir, das Publikum, nicht mehr ihn: »Wenn ich Sie nicht sehe und Sie mich nicht sehen, dann kommen Sie sich doch sinnlos vor. Nicht beobachtet, nicht beachtet, nicht geachtet, bedeutungslos, sinnlos.«

    Überall Verschwörungen, überall Feinde, überall Plakate mit »Merkel muss weg«. Und die Autobahn-Moschee? Glyphosat in Spekulatius? Alles wahr, stand ja bei Facebook. Propaganda, sagt Böhm alias Zänke, Propaganda hat keine Chance mehr, denn: »Wir sind unser eigenes Massenmedium.« Dazwischen auf den Leinwänden: Pegida-Aufmärsche, der Tag der deutschen Einheit in Dresden, Identitäre, Reichsbürger, AfD, Entrüstete, Besorgte: »Ich bin ja kein Nazi, aber. . .«

    Die Zuschauer im TAM-zwei werden aufs Glatteis geführt: Mal sollen sie die Plätze tauschen, dann wiederum den Schauspieler mit der Handylampe anstrahlen und weil sie dann schon mal stehen, auch gleich das Deutschlandlied singen. Ein vermeintliches Grundgesetz mit plumpen (Rechtschreib-)Fehlern ist zu sehen.

    Wir, das Publikum, wir im Echoraum, fallen auf so etwas nicht herein, denn: »Wir sind schlau. Wir gehen ins Theater.«

    Kurz vor Schluss – die Stimmung ist depressiv, zu Lachen gibt es wirklich nichts – rüttelt Böhm (alias Zänke) die Zuschauer noch einmal auf, holt sie in die wirkliche Wirklichkeit (?) zurück: »Ich frage mich manchmal, wer das Volk eigentlich ist? Die Mehrheit? Die Wenigen? Alle? Keiner? Ihr? Wir? Wer? Wer bestimmt das? Die? Das hier ist unser Land. Mein Land. Und das lasse ich mir nicht wegnehmen!«
    Nicht von denen.

    Dabei bleibt Georg Böhm immer angenehm unaufgeregt. Im Gegensatz zu denen. Den Geiferern.

    70 Minuten, die alles andere sind als ein Spaß. 70 Minuten, die uns, das Publikum 2016/2017, angehen. Denn das Stück handelt von Menschen im Zeitalter der Beobachtung. Manipulation leicht gemacht. Wird es etwas ändern? Nein. Natürlich nicht.

    © WESTFALEN-BLATT, Montag 28. November 2016


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  • 11/28/16--09:46: Blasen von den Filterblasen
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    Katakomben-"Spottkreuz" - Kritzelzeichnung/-karikatur/-cartoon zu Jesus in Rom ... (bild: pius-kirchgessner)



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    Das ist so wichtig, Graffities und Karikaturen aus ihrem antiken Ursprung heraus vorzustellen: die ritzigen Höhlenmalereien, einfache Umrisse auf Felsen und verrußten Wohnplätzen, künstlerisch und ausdrucksstark ... ja - das hat natürlich auch Verwandtschaft mit der ersten Schrift - und damit mit Kommunikation, mit dem Dialog, mit der authentischen Mit-teilung (= geteiltes Leid = halbes Leid) ...

    Das ist so wichtig, sich ein Bild zu machen: ein Bild sagt mehr als 1000 Worte ... - Ein-bildung ... - ge-bildet sein ...: Bildung ...

    Alles, was Menschen planen, schaffen und hoffen, trägt ein unsichtbares Verfallsdatum. Was wir denken, sagen und schreiben, ist oft bald Schnee von gestern - (aber das Internet vergisst nichts ...). Vielleicht üben die Zeugnisse der Vergangenheit - ausgegrabene Steine, Knochen oder Papyrusfetzen, Höhlen, Felsen, Mumien, Katakomben - deshalb eine so starke Faszination aus, weil sie uns ein Stück "Unvergänglichkeit" vortäuschen.

    Die Szene beginnt ganz harmlos. Jesus kommt zum Tempel, um dort nach Art der Schriftgelehrten einen Vortrag zu halten. Doch kaum setzt er dazu an, schleppen seine Gegner eine Frau an, die beim Ehebruch ertappt wurde.

    Jesus soll über den Fall entscheiden, denn das Gesetz aus dem Alten Testament verlangt, dass diese Frau gesteinigt werden muss. Eigentlich stecken hinterhältige Motive dahinter. Jesus hatte sich dazu bekannt, das Gesetz erfüllen zu wollen. Andererseits hat sich Jesus zum "Freund der Sünder und Zöllner" erklärt und gesagt: "Ich richte niemanden!" Das Vorgehen der Ankläger ist eine Falle: Jesus soll Stellung nehmen, damit er durch seine Antwort selber zu Fall gebracht werden kann. Dann ist nicht die Frau, sondern er angeklagt.

    Doch die Souveränität Jesus zeigt sich darin, dass er sich dieser Alternative durch eine vielsagende Geste entzieht: Er bückt sich und "schreibt" oder malt - macht sich seine "Planungsskizze" - seine "Begrifflichkeit" in den Sand auf den Boden. Die Ausleger früherer Zeiten haben sich oft gefragt, was Jesus da wohl in den Sand gekritzelt hat. Jesus lässt sich nicht zu einem schnellen Urteil verleiten. Er bewertet nicht gleich. Er denkt nach. Er überlegt. Er lässt sich Zeit. Er unterbricht die Aufgeregtheit der Ordnungshüter.

    Als seine Gegner dennoch weiterfragen, richtet sich Jesus nur kurz auf, sagt seinen berühmten Satz "Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!" und bückt sich erneut und schreibt weiter.

    Das waren die Inhalte der ersten Karikaturen, der ersten geritzten Umrisse, der ersten Skizzen und Pläne. Problemlösungen, Ehrfurcht vor der Schöpfung, Kommunikation und Auseinandersetzung ...

    Die ersten Karikaturen waren keine "Witzzeichnungen": das waren im wahrsten Sinne des Wortes "Mindmaps" ...

    Machen wir uns ein Bild - rücken wir das alles ins "richtige" und angemessene Licht ... - S!


    Jesus "schreibt": nachzulesen in Johannes 8, 2-11


    Textbausteine: CLICK HERE


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    Rotzfrecher Satire-Import

    Experiment: Der Terroranschlag auf Charlie Hebdo hat das Magazin zu einer internationalen Ikone gemacht. Ab heute erscheint die bissige Satire auch auf Deutsch

    Von Sebastian Kunigkeit

    Charlie Hebdo lässt seinen bissigen Humor auf Deutschland los. Das französische Satiremagazin bringt an diesem Donnerstag erstmals eine deutschsprachige Ausgabe in den Handel - ein Experiment. "Wir haben Deutschland gewählt, da wir bei Veranstaltungen hier so warm willkommen geheißen wurden", erklärte das Team.

    Mit dem Terroranschlag vom 7. Januar 2015, bei dem Islamisten zwölf Menschen ermordeten, war das Magazin weltweit zu trauriger Berühmtheit gekommen. Auch in Deutschland machten viele Menschen sich den Solidaritäts-Slogan "Je suis Charlie" (Ich bin Charlie) zu eigen und entdeckten die provokante Satire des Blattes, das in Frankreich seit Jahrzehnten die Politik durch den Kakao zieht. Die "Nummer der Überlebenden" eine Woche nach dem Anschlag verkaufte sich in Deutschland 70.000 Mal. Sie erschien allerdings nur auf Französisch.

    Nun soll die Sprachbarriere wegfallen: Die deutsche Ausgabe erscheint wöchentlich und hat 16 Seiten, wie die französische. Zunächst wird sie auch in weiten Teilen eine Übersetzung der Originalausgabe sein. Allerdings will die Pariser Redaktion auch exklusive Texte und Zeichnungen schaffen und damit allzu Frankreich-spezifische Themen ersetzen. Für später ist auch die Zusammenarbeit mit deutschen Satirikern gewünscht. Zum Start werden 200.000 Exemplare gedruckt.

    Gesteuert wird das Ganze von einer deutschen Chefredakteurin, sie arbeitet aus Sicherheitsgründen unter Pseudonym und nennt sich Minka Schneider. Knapp zwei Jahre nach dem Anschlag entsteht Charlie weiterhin an einem geheimen Ort und unter strengem Polizeischutz.

    Die große Frage ist jetzt: Kann der scharfe Ton des Blattes auch auf der anderen Seite des Rheins funktionieren? "Humor gibt es ja überall, selbst in Deutschland, da bin ich sicher", sagte der Zeichner und publizistische Leiter Riss dem ARD-"Europamagazin". "Das ist ein Experiment für uns, dass wir Charlie Hebdo in einer Fremdsprache herausgeben und versuchen, neue Liebhaber für die Zeitschrift zu finden, die sie dann verteidigen können."




    Auf einem Werbeplakat zum Start der deutschen Ausgabe sitzt Kanzlerin Angela Merkel auf der Toilette und liest Charlie Hebdo. Darunter steht: "Wirkt befreiend."

    Im Vergleich zu manch anderen Karikaturen ist das noch ziemlich harmlos: Der Humor von Charlie Hebdo ist nicht gerade feinfühlig, sondern stets rotzfrech und oft an der Grenze zur Beleidigung. Politische Korrektheit hat die Macher noch nie geschert - und damit ecken sie oft an.

    Als Europa im vergangenen Jahr vom Foto des toten Flüchtlingsjungen Aylan am türkischen Strand aufgerüttelt wurde, zeichnete Charlie ein Fastfood-Werbeschild neben die Leiche des Kindes und versah die Szene mit dem Kommentar: "So nah am Ziel. . .". Nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht stellte die Redaktion die Frage: "Was wäre der kleine Aylan geworden, wenn er groß geworden wäre? Arsch-Grapscher in Köln." Empörte Stimmen warfen dem Blatt Rassismus vor, doch Verteidiger argumentierten, dass Charlie eben rassistische Haltungen karikiere. Manchmal geht es aber auch ganz humorfrei: Für die erste deutsche Ausgabe hat Riss eine vierseitige Reportage gezeichnet, die auch in der bereits am Mittwoch erschienenen französischen Version abgedruckt ist. Das Stück ist eine Art Bestandsaufnahme der sozialen und wirtschaftlichen Lage Deutschlands durch zahlreiche Interviews.

    Die Redaktion von Charlie musste nach dem Terror nicht nur mit den psychologischen Folgen des Anschlags klarkommen. Die Zeitschrift habe es geschafft, ihren Geist zu bewahren, meint Riss heute. "Wären wir nicht in der Lage gewesen, das wiederzufinden, dann wären wir nicht in der Lage gewesen, Charlie weiterzumachen. Das war die Herausforderung, diesen Geist der Reflexion, des Witzes wiederzufinden, der Provokation."

    Titel der deutschen Ausgabe


    Text: © 2016 Neue Westfälische, Donnerstag 01. Dezember 2016

    & click here

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    Das inzwischen makaber berühmte "CHARLIE HEBDO" im "Böhmermann-Land" - wenn das man gut geht ... - denn die französischen und spektakulären Zeichnungen schockieren - und sollen das auch ...: nach meiner bisherigen Interpretation muss man ein wenig "um die Ecke denken", um lachen zu müssen - sie sind also etwas hintergründig ...

    Vordergründig steht wie gesagt der schreierische Schock, aber den muss man quasi durchdringen zu dem tieferen Sinn dahinter:

    So auf einer der "typischen" CHARLIE-HEBDO-Karikaturen, die seinerzeit dem Bild des toten Aylan (†3) am Strand von Bodrum offensichtlich nachempfunden wurde... Auf dem Strand daneben steht ein Werbeschild, darauf ist ein einladendes Clownsgesicht zu sehen, das an die frühere Ronald-McDonald-Figur einer Fast-Food-Kette erinnert. Dort steht auf Französisch: "Angebot: Zwei Kindermenüs zum Preis von einem".Überschrieben ist die Karikatur mit dem Ausruf: "Willkommen, Flüchtlinge! SO NAH AM ZIEL ...":


    Ja - es ist so -
    Kinder werden von McDonalds und Konsorten zur Kindergeburtstags-Fete und mit "Sonder-Pooah-eeeeihhh-sind-die-Dick-manns" mit samt ihrem elterlichen Anhang natürlich gekonnt mit viel werbestrategischem Herzblut geködert - und in den Einkaufsmärkten verführt man sie mit Süßigkeiten im Kassenbereich und sorgt so für viele tränenreiche und unschöne Stresssituationen - aber die vielen Kinder, die unter dem Stacheldrahtverhau herkriechen müssen, die auf dem Arm des Vaters vor Erschöpfung eingeschlafen sind, die jetzt mit ihren Eltern an der Grenzmauer von Syrien in die Türkei gestoppt werden - nachdem sie dem Bombenhagel in Aleppo entkommen sind - sie sind die Marginalen, die Randerscheinungen, die nur am äußersten Rand der Iris ins Gewahrwerden rücken bei den Tagesnachrichten ...

    Und Karikaturen, bei denen es einem zunächst einmal kalt den Buckel herunterläuft - aber gleichzeitig ein eigentlich ungebührliches Situationskichern hochkommt, wie bei den oft etwas schrägen Leuten, die bei ihnen nahegehenden Trauerfeiern - oftmals noch am offenen Grab selbst - mit einem Lachen und Kichern reagieren, und das dann schnell hinter dem tatsächlichen "Überwältigtsein" mit vorgehaltener Hand und Sonnenbrille zu verstecken suchen - um so vielleicht einen Aspekt der Intimsphäre zu schützen - und einfach im Augenblick nur im Paradox reagieren zu können... - ein Lachen, um nicht einfach loszuheulen ... - meiner Meinung nach als eine Form von weggedrückter nicht zugelassener Scham ...

    Und ähnliche Beweggründe unterstelle ich auch mal ganz allgemein der Karikatur insgesamt - der guten Satire - dem tragischen Clown vielleicht - vielleicht auch der "Tragikomödie" als Kunstgattung überhaupt ...: alles, um Momente eines einfrierenden Lächelns zu erzeugen - bzw. um umgekehrt einen inneren eingefrorenen Ernst wieder aufzutauen ... - und das ist schon noch etwas anderes, als über eine anrührende Situation einfach oberflächlich hinwegzulachen - eine Sache mit ihrem Dafür und Wider mit all ihren Aspekten wird "auf den Punkt gebracht": Auch vielleicht im Sinne dieses lapidaren: "Das Leben geht weiter - kopfhoch ...- halt die Ohren steif ... - das wird schon wieder - du schaffst das schon" - was ja als First Aid neue Kräfte mobilisieren soll nach einem emotionalen inneren Bruch ...

    Eine wirklich gute Karikatur, wirklich gute Straßenkunst - wirklich gute Graffitis - provozieren ja zunächst einmal ein Innehalten - eine dann folgende Konfrontation und eine "Auseinander-Setzung" mit der vorgefundenen Situation - das kommt dann oft wie "der Blitz aus heiterem Himmel" - und dann folgt folgerichtig der Donner, das Grollen - und manchmal der Groll: Das Wahrnehmen - das tatsächliche Gewahrwerden dessen, was uns diese Situation da tatsächlich zu sagen hat - was sie alles in uns anrührt... (interessant ist in diesem Zusammenhang die sprachliche Nähe von "Gewahr"-werden und "Gefahr"-erkennen...) - das alles kann man nicht in den Sozialen Netzwerken in Sekundenbruchteilen beim Surfen ableisten und mit einem abschließendem Urteil abhaken - Karikatur und Satire brauchen so lange Zeit wie zwischen Blitz und dem nachfolgenden Donner eines vielleicht etwas entfernteren Gewitters - und manchmal "fällt der Groschen ja nur Pfennigweise" ... - wie man früher sagte -  bzw. das 10-Cent-Stück nur 1-Cent-weise ...

    Und Karikatur und Satire halten wie der Till Eulenspiegel einem immer den Spiegel vor, in dem man sich gern als makellosen und pickelfreien und frisch aufgeputzten Narzissten betrachten möchte, aber oft ist es eben nur ein Zerrspiegel in dem man da blickt: Ein totes Kind lässt uns schlucken - die vielen tausend Wasserleichen verschmähen wir täglich, die Mittelmeer-Wasserleichen, für die einzig der damals neugewählte Papst Franziskus auf die Idee kam, sie vom Schiff aus vor Lampedusa zu ehren, indem er wenigstens einen Kranz ins Wasser ließ - und indem er betete ... S!

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    PETER HENISCH - S!|art nach einem imago-foto

    SPIEGEL ONLINE: Welche Rolle spielt eigentlich Religion in Österreich? Geht es auch hier, wie manche Rechte in Deutschland anführen, um die Rettung des christlichen Abendlandes?
    Der Schriftsteller Peter Henisch: Dass nun auf einmal so vielen Leuten das christliche Abendland am Herzen liegt, ist ja eigentlich ein Witz. Bis vor relativ kurzer Zeit war Religion hier fast kein Thema mehr. Das Leben der meisten Taufscheinchristen ist zunehmend profan verlaufen. Hier wie auch in vielen anderen europäischen Ländern hat das immer blasser werdende Christentum kaum mehr mit der eigenen Identität verbunden. Dass die Religion jetzt als Vorwand missbraucht wird... dass man sein angebliches Christentum in Abgrenzung zu den Muslimen wiederentdeckt... dass man sich eine Identität einredet oder einreden lässt, die vor allem die eigenen Ressentiments rechtfertigt...: Also das ist eine Frechheit, die zum Himmel schreit. Hier in Österreich wird dann von manchen auch die Erinnerung an die Türkenbelagerungen heraufbeschworen, da war ja Wien das Bollwerk, an dem die Muslime gescheitert sind. Die Berufung darauf ist besonders komisch, in einer sonst so geschichtsvergessenen Zeit. Man weiß nicht recht, wer man ist, woher man kommt, wohin man geht und wozu das alles führen soll. Aber wer DIE ANDEREN sind, die nicht hierher gehören, das weiß man wieder.

    Das ganze Interview lesen: CLICK HERE


    Zur Person

    Peter Henisch, geboren 1943 in Wien, ist einer der bekanntesten Schriftsteller Österreichs. Er hat mehrere Romane geschrieben, die stark autobiografisch geprägt sind. Bekannt wurde er 1975 mit "Die kleine Figur meines Vaters", in dem er sich mit seinem Vater auseinandersetzt, der offizieller Kriegsfotograf der Wehrmacht war und später für die Sozialdemokraten arbeitete. In seinem neuesten Roman "Suchbild mit Katze" beschäftigt er sich mit seiner Kindheit im Wien der Nachkriegsjahre, mit einer Zeit, die so anders war als die heutige: Die Wegwerfgesellschaft sei damals "undenkbar" gewesen, der Materialismus nicht ausgeprägt. Den Aufstieg der Populisten, die Angst vor Überfremdung und die Lage der muslimischen Flüchtlinge sieht er mit Sorge.

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    tja - da unterscheidet sich die österreichische seele wohl kaum von der deutschen - und von der bayerischen ja wohl noch weniger - wie überhaupt die abgrenzungen zwischen all den staaten nur überkommene füllsel aus der monarchistischen geschichte sind, ansonsten haben sie mit dem normalen alltäglichen leben eigentlich nichts zu tun, es sind wohlgepflegte hirngespinste - die psychiatrie würde sie mit "fixen ideen" umschreiben müssen - aber um die kriege geführt werden und menschen getötet ...

    ansonsten sind die staatengrenzen vielleicht noch für "fußball-'länder'spiele" wichtig und für den medaillenspiegel bei olympischen "spielen" - und für diese spielerei mit "pässen" und "visum" - und dem veralteten "blut-&-boden"-denken ... - aber die gene und die menschen haben mit dem stücksken landschaft auf dem sie herumtollen nichts gemein, außer "postfaktischen" gefühlen - grenzen und nationen sind eigentlich kein "faktum" - sondern ideen und gefühle ...

    und so wird auch jeweils nach gutdünken um das sogenannte "christliche abendland" zumindest in den jeweiligen beton-köpfen eine imaginäre natodrahtbewährte "grenze" bis hin sogar zur mauer gezogen, obwohl man schon seit jahr & tag keine kirche mehr von innen gesehen hat - und man ja längst vergessen hat, dass der jude jesus von nazareth ein gleichnis erzählt von der selbstlosen errettung eines samariters und er am jakobsbrunnen eine samariterin trifft, also mitglieder einer von den frommen juden damals verachteten sekte und gleichzeitig die bewohner einer angrenzenden verfeindeten provinz - sicherlich mindestens so unterschiedlich wie juden und muslime zum christentum heutzutage ... jesus bemüht sich also darum, grenzen in den herzen und köpfen und auf der landkarte abzubauen - und brücken zu bauen zum hinüber und herüber ...: also der vermeintliche begründer des "christentums" schottete sich keinesfalls ab - sondern lebte und kommunizierte über alle grenzen hinweg, auch über die "grenzen" der gene, des glaubens, der ideologien, der gesellschaftlichen kasten und gruppen und zwischen reich & arm ...

    ach - wenn diese holz- und betonköpfe des "christlichen abendlandes" doch einmal wieder ihr neues testament in die hand nehmen würden, und den tatsächlichen geist der bergpredigt, der feindesliebe und all der gleichnisse zum "reich gottes" lesen und be-"herzigen" würden ... - beten wir darum ... S!


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    Verkündigung

    Bild: ART-magazin


    Die Frage, ob er an Gott glaube, hat der Künstler Otto Dix öffentlich nie beantwortet. Wie sehr sich der Maler der Neuen Sachlichkeit allerdings mit religiösen Themen auseinandersetzte, zeigt seine intensive Beschäftigung mit den Gemälden des Isenheimer Altars von Matthias Grünewald. Das Original sah Dix zum ersten Mal 1945 als Kriegsgefangener in Colmar. Grünewalds schonungslose Darstellung von Kriegsgräueln zog den Expressionisten in ihren Bann und beeinflusste seine eigene Interpretation des Kriegshorrors.

    Anlässlich des 125. Geburtstages von Otto Dix und des 500-jährigen Bestehens des Isenheimer Altars zeigt das Musée Unterlinden in Colmar bis Ende Januar die Ausstellung Otto Dix – Isenheimer Altar. - PublikForum



    verkündigung a.d. isenheimer altar
    -gedreht-
    an dem Bild der "verkündigung" von otto dix ist die darstellung der maria so authentisch und zeitgemäß: sie war ja wohl ein junges mädchen (eine "jung"(e)frau) - vielleicht 15/16 jahre alt, als ihr diese "kunde"überbracht wurde ... - und genauso hat dix sie unter einhaltung aller ikonographischen konventionen gemalt - zumindest wenn man das "original" auf dem isenheimer altar spiegelverkehrt wiedergibt ... S!

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  • 12/01/16--23:31: Otto Dix (125)
  • Schonungsloser Realist

    Vor 125 Jahren wurde Otto Dix geboren – Kunst gegen Militarismus

    Unbequem, sperrig, berüchtigt: Mit verstörenden Kriegsbildern und schonungslosen Porträts entlarvte Otto Dix das Deutschland des 20. Jahrhunderts. Vor 125 Jahren wurde er in der Nähe von Gera geboren.


    Wahrheitssuche. Dix-Selbstbildnis aus dem Jahr 1942. -FOTO: KUNSTMUSEUM STUTTGART


    »Die Neue Sachlichkeit, das habe ich erfunden«, soll Otto Dix für sich reklamiert haben. Sein monumentales Triptychon »Großstadt« im Kunstmuseum Stuttgart vereint die Facetten seiner beißenden Gesellschaftskritik wie kein zweites Werk. Dix scheut sich nicht, rohe Gewalt, nackte Angst und die Not des Proletariats sowie die aufgestaute Lebensgier einer Großstadtbourgeoisie abzubilden. »Dix suchte das Typische seiner Zeit in den Extremen«, fasst Direktorin Ulrike Groos zusammen.

    Im Kaiserreich in Dresden ausgebildet, sei er zum »berüchtigten Malerstar der Weimarer Republik« avanciert, sagt Olaf Peters vom Institut für Kunstgeschichte der Uni Halle-Wittenberg. Seine dadaistischen und schonungslos wirklichkeitsnahen Kriegsbilder seien skandalisiert worden. »Seine Porträts galten als zu entlarvend und sein zunehmend altmeisterlicher Stil wurde von linken Kritikern als reaktionär verunglimpft.« In Abkehr von Expressionismus und Dadaismus wollte Dix die Weimarer Republik so zeigen, wie er sie sah.

    Otto Dix wurde 1891 in Untermhaus bei Gera geboren und starb im Sommer 1969 mit 77 Jahren in Singen am Bodensee. Der Realist und Expressionist ist der einzige deutsche Maler der Gegenwart, der sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik ausstellte und offiziell anerkannt wurde. Obwohl er im Westen lebte, reiste er regelmäßig nach Dresden, wo er ein Atelier hatte. Später war es sein ausdrücklicher Wunsch, dass Stuttgart Standort seines Hauptwerks »Großstadt« wird. Dort porträtiert er gleichermaßen Dirnen, Verbrecher und Spießbürger.

    Mehr als 400 Arbeiten umfasst die Geraer Sammlung. Der 300 Werke umfassende Bestand des Kunstmuseums Stuttgart gilt als weltweit bedeutendster Fundus – mit dem »Selbstbildnis als Soldat« und dem »Bildnis der Tänzerin Anita Berber«.

    Viele Dix-Werke sind Anklagen gegen Krieg und Militarismus. Besonders der Erste Weltkrieg, dessen Gräuel Dix als Soldat an der Front erlebte, hinterließ tiefe Spuren. Dix malte ausgemergelte Strichmädchen, vergnügungssüchtige Großstadtmenschen zwischen Luxus und Elend, aber auch Selbstmörder. 1934 verhängten die Nazis ein Ausstellungs- und Malverbot. Viele seiner Werke wurden aus den Galerien verstoßen, als »entartete Kunst« diffamiert und verbrannt. Dix ging in die innere Emigration. »Ich sitze immer zwischen den Stühlen«, soll er über sich selbst gesagt haben. »Er war einer der ersten Künstler, der die Schrecken des modernen Krieges und die zerrissene Nachkriegsrealität in seinen Werken festgehalten hat«, betont Ulrike Groos. Viele Werke klagten die Sinnlosigkeit des Krieges, seinen falschen Heroismus und die technisierte Wucht der Vernichtung an. Dix sei aber auch ein begnadeter Porträtmaler gewesen.

    Zum 125. Geburtstag gibt es bundesweit zahlreiche Ausstellungen. So zeigt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf vom 11. Februar bis 14. Mai eine große Schau mit dem Titel »Otto Dix – Der böse Blick«. In Friedrichshafen beginnt heute eine große Retrospektive mit mehr als 400 Arbeiten im Zeppelin-Museum (bis zum 17. April). Ebenfalls heute wird in Gera das Geburtshaus mit einer Sonderausstellung zu den Silberstiftzeichnungen wiedereröffnet. (Text: dpa - WESTFALEN-BLATT)



    S!|video



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    ich habe es geahnt: da mauscheln sich schuldner, gläubiger usw. eine schuldenberechnung zurecht, einen schuldenberg - eine halde - die wächst und wächst - wie seinerzeit der butterberg (hört man auch nichts mehr von ...) - von der jede interessenseite etwas hat: die u den großen dräuenden zeigefinger und den buhmann griechenland  als "schwarzen peter" in der ecke - zumal unter sozialistischer regierung - und griechenland kann so weitermachen wie bisher, die dicken zahlen keine steuer, die yachten in den häfen glucksen vor sich hin - im "status quo" all überall -  und der sozialistische herr tsipras ist vorn am bug als galionsfigur auf der luxusyacht fest verankert, damit alles gut geht ... - nur der fitte herr varoufakis hatte den braten rasch gerochen - und ging gerne zurück in die reihe und lacht sich mit herrn zizek - ebenfalls ein durchblicker - ins fäustchen ... - und der olle schäuble kann weiter sudoku spielen während der haushaltsdebatte: so funktioniert politik und finanzpolitik heute alle dölmern vor sich hin, "hängen den verschiedenen interpretationsschulen nach": nennwert-schulden oder zeitwert-schulden - das ist hier die frage ... - schreiben dazu schlaue bücher, die kein mensch liest, halten teuerst bezahlte vorträge dazu - löffeln ihre suppen im 4-sterne-restaurant ... - und sagen auf dem nachhauseweg zum chauffeur: "was war das wieder für ein tag - die begreifen es einfach nicht" ... - und der chauffeur sagt: "ja - leider verstehe ich nichts davon" ... - und der e-chauffierte denkt leise: "und ich onnich" ... S!

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    Run auf Nikoläuse - Die Bundesbürger geben zu Weihnachten immer mehr Geld für Süßigkeiten aus. Allein 2015 stieg der Umsatz mit Schoko-Nikoläusen, Adventskalendern und anderen Weihnachtsspezialitäten laut Nielsen um 6,7 Prozent auf fast 600 Millionen Euro. Schoko-Nikoläuse belegten mit gut 159 Millionen Euro Platz eins. 
    (dpa) © 2016 Neue Westfälische

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  • 12/05/16--07:59: Der Herrnhuter Adventsstern
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    Kreuz von Arnulf Rainer - Stuttgart

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    "Wir gedenken heute in den Kirchen Jerusalems bestimmter Ereignisse. Aber wir tun dies nicht, weil sie an genau diesem Ort stattgefunden haben – sondern weil es jemand im Mittelalter oder bestenfalls im vierten oder fünften Jahrhundert so festgelegt hat. Jerusalem ist eine Erinnerungslandschaft."

    Dieter Vieweger hat Theologie sowie Ur- und Frühgeschichte studiert, seit 2005 arbeitet er als Direktor des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes (DEI) in Jerusalem und Amman.

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    Der große Big-Data-Schwindel
    Von Andreas Rosenfelder | welt|n24.de


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    ach - was weiß ich denn ... - wer sagt mir denn nun, ob nicht der "welt"-artikel von rosenfelder nur eine beruhigung sein soll - um die fakten aus einem f.a.z.-artikel zum gleichen thema kleinzuschreiben und zu verschleiern ... - und nur ich den lesen kann und meines gleichen - und ob du - werter leser - nicht unter dem gleichen link einen ganz anderen beitrag zu lesen bekommst,  - oder umgekehrt - oder so - recherche-verbund hin oder her ... 

    natürlich wollen jetzt einige trittbrettfahrer kohle machen, die nun plötzlich ganz amerika durchmanipuliert haben - aber warum lässt sich amerika dermaßen manipulieren und korrumpieren ...???

    und vielleicht geht es ja noch weiter: für mich und für dich hat trump gewonnen, aber vielleicht gibt es menschen, die eindeutige nachrichten haben, dass hillary clinton klare siegerin ist --- und der brexit gar kein brexit ist - und es nie eine balkanroute gegeben hat - und syrien ein friedliebendes land ist und bleibt: apropos "lügenpresse" ... - und wer hat jetzt den van der bellen an die macht verholfen - mit welchen manipulationen an den siegessicheren hofer vorbei ... ???

    ich glaube auch, dass in silicon valley in ein paar thinktanks die weichen gestellt werden, um menschen gegen und mit viel knete an die macht zu verhelfen - oder eben nicht - oder doch - nicht ...??? ... - aber so plump, wie es jetzt beschrieben wird ... ???: 

    wenn ich in 2017 "gezielte" desinformationen auf meinen internet-seiten lese - nun gut - ich muss sie erst einmal also solche definieren - und meinen bruder kann ich nicht fragen - weil der ja andere nachrichten bekommen hat - und wir beiden haben zwar die gleiche internet-e-zeitung - aber er bekommt seine fassung und ich meine - und meine frau auf ihrem tablet wieder eine andere: da soll dann noch einer durchblicken ... - und wenn ich deshalb nicht mehr wählen gehe ("macht doch was ihr wollt" ...) gewinnen garantiert die falschen - aber vielleicht gibt es gar keine "richtigen" mehr ... S!




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  • 12/06/16--01:08: der einsame nikolaus
  • Pilgerstätte in der Türkei
    Keiner will zum Nikolaus nach Myra

    Normalerweise pilgern Tausende am 6. Dezember zur Wirkungsstätte des Heiligen im antiken Myra. Doch in diesem Jahr wird kaum jemand an der türkischen Mittelmeerküste erwartet.

    VON SUSANNE GÜSTEN | DER TAGESSPIEGEL


    Sankt Nikolaus war im 4. Jahrhundert Bischof von Myra im kleinasiatischen Lykien. FOTO: EPD


    Sankt Nikolaus hat Namenstag, doch in diesem Jahr wird er ihn im kleinen Kreise feiern müssen. An der historischen Wirkungsstätte des Heiligen im antiken Myra an der türkischen Mittelmeerküste wird zwar wie jedes Jahr am 6. Dezember auch an diesem Dienstag eine orthodoxe Messe zelebriert, um des einstigen Bischofs dieser Stadt zu gedenken. Anders als in vergangenen Jahren rechnet die Kirche diesmal aber nicht mit großem Andrang zur Nikolausmesse. Denn die Scharen christlicher Touristen, die sich früher in der historischen Kirche drängten, bleiben an der türkischen Riviera in diesem Jahr aus. Und einheimische Christen gibt es in Myra, das heute Demre heißt, schon lange nicht mehr.

    Zu dem Gottesdienst reist der Metropolit von Myra mit einem kleinen Gefolge eigens aus Istanbul an, wo er am Patriarchat von Konstantinopel beheimatet ist. Nur eine kleine Dienstwohnung unterhält die Kirche in Demre selbst, denn für eine Messe im Jahr lohnt es sich nicht, dauerhaft einen Geistlichen dort zu stationieren. Erst seit zehn Jahren darf die Nikolausmesse überhaupt wieder in Myra stattfinden – seit ausgerechnet die islamisch inspirierte AKP-Regierung mit den Verboten der streng säkularen Türkei brach.

    Freudige Ereignisse waren diese Nikolausmessen in den vergangenen Jahren, zu denen tausende Touristen aus ihren Hotels in der Region Antalya in die historische Kirche strömten und ihren Garten füllten. Aus Griechenland wurden eigens zum Nikolaustag Touren mit Fähren und Bussen organisiert, doch auch Christen der westlichen Tradition und weniger gläubige Besucher huldigten dem Nikolaus, der es aus einer lykischen Hafenstadt zum Heiligen und zum Weltstar schaffte.

    In der nahen Hafenstadt Patara geboren, soll Nikolaus in jungen Jahren vom römischen Kaiser Diokletian wegen seines christlichen Glaubens verfolgt worden sein. Als erster Bischof von Myra machte er sich im vierten Jahrhundert durch Wundertaten und Hilfe für die Schwächsten der Gesellschaft einen Namen. Unter anderem erweckte er drei Jungen wieder zum Leben, die ermordet und in einem Salzfass versteckt worden waren.

    Die Grundlage für seinen bis heute andauernden Ruhm legte der Bischof mit seiner Mildtätigkeit und seiner Hilfe für die Armen. Der Legende nach warf er unerkannt Säckchen voller Geldmünzen durch den Schornstein von Häusern, um den Töchtern der Armen zu einer Aussteuer zu verhelfen und ihnen damit eine Eheschließung zu ermöglichen. Weil er die jungen Frauen damit vor der Prostitution rettete, wurde Sankt Nikolaus unter anderem zum Schutzheiligen der Jungfrauen. Die Vorstellung, dass die Weihnachtsgeschenke durch den Schornstein ins Zimmer sausen, hat sich bis heute besonders im anglo-amerikanischen Kulturkreis gehalten.

    Keine Touristen mehr

    Nach dem Tod des Bischofs, der in seiner Kirche in Myra begraben wurde, verbreiteten sich die Legenden vom Nikolaus in der ganzen christlichen Welt. Im 11. Jahrhundert raubten italienische Piraten die Gebeine des Heiligen und brachten sie nach Bari. Nur einige Knochen, die von den Italienern übersehen wurden, liegen heute im Museum der Touristenhochburg Antalya. Für Demre, den Heimatort des Heiligen an der türkischen Südküste, blieb Sankt Nikolaus bis heute ein Segen: Viele Touristen an der türkischen Riviera machen einen Abstecher dorthin, um den Heiligen zu besuchen.

    So war es zumindest bisher, doch in diesem Jahr ist der Tourismus in der Region zusammengebrochen. Glatt halbiert hat sich die Besucherzahl in der Provinz Antalya, zu der Demre gehört, gegenüber dem Vorjahr. Die Terroranschläge der vergangenen Monate in Istanbul und Ankara sind urlaubshungrigen Europäern nur allzu gegenwärtig – schließlich wurden dabei auch etliche Touristen getötet. Dazu kommen der Krieg im nahen Syrien und die bewaffneten Auseinandersetzungen im ebenfalls nicht weit entfernten Kurdengebiet der Türkei. Erst im vergangenen Monat gab es einen Raketenangriff auf Antalya, der der kurdischen Rebellenorganisation PKK zugeschrieben wurde.

    Wie in der gesamten Urlaubsprovinz liegt daher auch in Demre die Tourismusbranche am Boden. Im Jachthafen von Demre schaukeln die Ausflugsboote fest vertäut am Kai, denn trotz Schleuderpreisen finden sich keine Gäste. „Wir könnten täglich 2500 Gäste ausfahren, doch es kommen höchstens 150 bis 200“, sagt ein Kapitän. „Damit können wir uns nicht über Wasser halten – wir gehen alle unter.“

    Da nutzt es derzeit auch nichts, dass es in Demre eine neue Attraktion gibt, die eigentlich mehr Besucher verdient hätte. In Andriake, der antiken Hafenstadt von Myra, eröffnete nach jahrelanger Arbeit in diesem Sommer ein ehrgeiziges Museum für Lykische Kultur. Der Apostel Paulus stieg hier auf dem Weg nach Rom einst um von einem Schiff ins andere. Nun wurden erstmals die Hafenanlagen, Badehäuser, Synagogen und Kirchen aus jener Zeit freigelegt. In einem restaurierten römischen Getreidespeicher aus dem zweiten Jahrhundert sind die Funde aus der Ausgrabung ausgestellt. Doch das Museum wartet noch vergeblich auf Besucher. Und am Nikolaustag dürfte auch manch muslimischer Bewohner von Demre den Heiligen um bessere Zeiten anflehen.

    ach - ich kann das ja auch irgendwie verstehen: der nikolaus kommt immer zu uns - nicht wir zu ihm: er lässt sich auf einem schlitten mit weißen rentieren durch den himmel schippern - und da ich meine schuhe vor die tür gestellt habe - als zeichen des "willkommens" - füllt er diese mit süßigkeiten oder rute - je nachdem ...

    der türkische tourismus hat in diesem jahr die rute bekommen: aber wer so überwältigend einen despoten unterstützt und die treue hält, kann eigentlich nichts anderes "von außenstehenden" erwarten ...

    das heilige bildnis des st. nikolaus in "myra" wird nun spinnweben ansetzen und muss bessere zeiten abwarten ... - aber er wird ja sowieso eher "virtuell" verehrt ... S!

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  • 12/06/16--05:52: könnte von mir sein ....
  • also - die folgende kolumne von sibylle berg könnte auch von mir sein - wenn sie sie nicht geschrieben hätte ... und außerdem entlarvt sie mich und die inhalte dieses "wat(s)chblogs" (von: engl. to watch„aufpassen, beobachten“ - und dt./österreichisch/bayrisch: watschen - abwatschen: "heftig kritisieren, ohrfeigen"), denn ich habe nach dem letzten wahlerfolg eines amerikanischen präsidentschaftskandidaten beschlossen, mich noch mehr der "kultur" zuzuwenden und tagespolitische ereignisse allerhöchstens noch zu streifen - den namen des gemeinten amerikanischen präsidentschaftskandidaten hier in den posts möglichst außenvorzulassen ... kultur, kunst, ausstellungen, konzerte, erlesene pop-kultur, das sind die die anker dafür, nicht in alltags-psychosen zu verfallen und auf irgendwelche psychopharmaka angewiesen zu werden ...

    will sagen: die "politischen" augen zu - und durch: bis man in den gleißenden spotkegel des scheinwerferlichts der kultur blinzeln kann ...

    mal sehen, wann die sensibel programmierten algorithmen für die artikelauswahl das exakt geschnallt haben, die man meiner ip-adresse von irgendwelchen außenposten der "dienstleister"-agentur "cambridge-analytica" zuordnet - und wie man mich wohl wieder in den "mainstream" anzudocken und einzuverleiben gedenkt ... S!



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    die quadratur des gesichtskreises:
    geh mir aus der sonne - 
    aus dem gesichtskreis
    raunte der olle diogenes zu alexander:
    da ist das feld längst abgesteckt
    und das fell versoffen
    das gesicht in quadranten zerlegt
    in länge - tiefe - breite - ganz 3d
    kubiknase² - kubikauge² - kubikmund²
    ist das nicht vermessen - nicht wahr ...

    alles nur äußerlich
    doch wie's darinnen aussieht
    geht niemand was an ...
    was denkt das verdunkelte gesicht
    was schwant mir
    ich fühle sie kommen
    von oben und von unten
    an allen ecken und enden

    da ist bewegung
    ein abwägen
    eine face-senke links

    eins, zwei, drei, vier 
    eckenstein,
    alles muss verstecken sein
    hinter mir und vorder mir 
    gilt es nicht,
    und an beiden seiten nicht
    eins, zwei, drei – sie kommen

    spürst du es auch
    sie kriechen heran
    das summen im ohr ist kein tinnitus
    sondern das scannen deiner daten
    wie denkst du
    wie fühlst du
    sie zählen dich an
    sie zählen dich ab
    es zahlt sich nicht aus
    aus schluss vorbei

    und zum schluss
    wieder dieses schrille fiepen
    der meerschweinchen
    vor dem sich sogar
    die ratte erschrickt
    und verkriecht sich
     in die asymmetrie ...

    sinedi




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    Neue Übersetzung der Bibel

    Ohne Jungfrau geht's nicht

    Von Philipp Gessler | taz

    Zum Nikolaustag veröffentlicht die katholische Kirche eine neue Übersetzung der Bibel ins Deutsche. Frauen und Juden kommen nun etwas besser weg.

    Etwas überspitzt gesagt: dass Frauen in der katholischen Kirche so wenig zu sagen haben, dass die Kirche Roms mit einer glorifizierten Jungfräulichkeit über Jahrhunderte großes Unheil in den Seelen junger Frauen angerichtet hat, ja, dass der uralte christliche Antijudaismus in fast zweitausend Jahren Kirchengeschichte so wüten konnte – das hat auch mit ungenauen, ideologisch verfremdeten oder schlicht fehlerhaften Übersetzungen der Bibel zu tun.

    Daran ist zu denken, wenn am Dienstag, zum Nikolaustag in der katholischen Kirche, eine neue Bibelübersetzung für den deutschsprachigen Raum veröffentlicht wird, genannt „Einheitsübersetzung“.

    Allein diese Einheitsübersetzung der Bibel ist die Ausgabe, die für die rund 24 Millionen katholischen Gläubigen Deutschlands gültig ist. Sie wird in der Messe als Wort Gottes verkündet. Da müssen jedes Wort und jedes Komma stimmen. Weshalb sie auch vom Vatikan in Rom eine Genehmigung brauchte, bevor sie in den Druck gehen konnte.
    Zehn Jahre lang haben über 60 Fachleute an ihr gearbeitet. Es ist die erste Revision der Einheitsübersetzung seit 1979. Startauflage: 100.000 Stück.

    Polemik korrigiert

    Frauen sollten genau auf diese neue Bibel schauen – und Juden. Denn die neue Bibelübersetzung versucht, dem Volk Israel so gerecht zu werden, wie es die Ursprungstexte eigentlich meinten, die im Wesentlichen in altem Hebräisch und Altgriechisch verfasst worden sind. Die stellenweise anzutreffende antijüdische Polemik des frühen Christentum soll korrigiert werden.

    So wird beispielsweise in der neuen Übersetzung bei Lukas (Kapitel 2, Vers 25) von Jesus als dem „Trost Israels“ gesprochen. Im Gegensatz zur „Rettung Israels“ in der alten Einheitsübersetzung – als ob das Volk Israel gerettet werden müsste. Ähnlich im Römer-Brief des Paulus. In der alten Übersetzung nennt der Apostel die Juden dort knallhart „Feinde Gottes“. Während die neue sie schlicht „Feinde“ nennt, aber auch „von Gott Geliebte“.

    Aus der „Verwerfung“ der Juden im Römerbrief des Paulus (11,15) ist nun eine sanftere „Zurückweisung“ geworden. Der Münchner Neutestamentler Knut Backhaus, einer der Übersetzer der neuen Bibel, schreibt dazu der taz: „Die Rede davon, dass Gott die Juden ‚verworfen‘ habe, hat ja in der Geschichte arge Folgen gehabt und entspricht nicht dem Gedankengang des Paulus im Kontext.“



    Die „junge Frau“ Maria

    Vielleicht noch brisanter ist der Umgang der neuen Übersetzung mit den Frauen – ein für die katholische Kirche mit ihren zölibatär lebenden Priestern seit Jahrhunderten äußerst schwieriges Thema. Es fängt damit an, dass die Übersetzerinnen und Übersetzer der neuen Bibel sich entschlossen haben, in den Briefen des Paulus an die frühen christlichen Gemeinden die Anrede „Brüder und Schwestern“ zu nutzen. Denn Männer und Frauen waren gemeint. Und das, obwohl das Original nur von „Brüdern“ spricht.
    Schon diese Interpretation soll dem Vatikan aufgestoßen sein. Die Briefe des Paulus, zumindest die, die als original gelten, gehören zu den ältesten Schriften des Neuen Testaments. Sie sind von immenser theologischer Bedeutung. Bis heute.

    Sehr umstritten ist auch eine berühmte Stelle im Alten Testament, also der hebräischen, jüdischen Bibel, die das Christentum übernommen hat. Der Prophet Jesaja sagt da (7,14): „Siehe, die Jungfrau hat empfangen …“ – eine Stelle, die die frühen Christen auf die Geburt Jesu bezogen. Als habe Jesaja Jesus als den Messias vorhergesagt, geboren von einer Jungfrau. Nach dem hebräischen Original ist an dieser Stelle eigentlich die Übersetzung „Siehe, die junge Frau hat empfangen …“ angemessen. Doch auch die neue Einheitsübersetzung belässt es bei „Jungfrau“.

    Warum? „Konsequent wäre es gewesen“, sagt der emeritierte Tübinger Theologe Michael Theobald, ebenfalls ein Übersetzer der neuen Bibel. Aber dies sei für die neue Bibel „nicht durchsetzbar“ gewesen. Mehr will er zu diesem Konflikt nicht sagen. Maria keine „Jungfrau“ mehr, sondern nur noch eine „junge Frau“? Undenkbar!

    otto dix malt hier wohl ziemlich "urtext-authentisch" die maria der verkündigung als eine etwas überraschte junge frau -
    vielleicht 15 / 16 jahre alt - der plötzlich ihre schwangerschaft bewusst wird - und dabei einen engel fantasiert, der ihr diese botschaft überbringt ...


    Manchmal inkonsequent

    Übrigens: Auch der Verfasser des Matthäus-Evangeliums im Neuen Testament, wohl ein gelehrter Jude und Anhänger Christi, zitiert um das Jahr 80 diese Jesaja-Stelle – und schrieb statt „junge Frau“ das falsche „Jungfrau“. Denn er nutzte offenbar nicht den hebräischen Urtext, sondern nur eine griechische Übersetzung der hebräischen Bibel, die „Septuaginta“. Und bereits da stand nicht mehr „junge Frau“, sondern „Jungfrau“. Ein gravierender Übersetzungsfehler schon damals – mit weitreichenden Folgen.
    Die neue Einheitsübersetzung korrigiert an manchen Stellen die Marginalisierung von Frauen aus früheren Übersetzungen. So heißt es jetzt endlich korrekt von Paulus im Römerbrief (16,7): „Grüßt Andronikus und Junia … sie ragen heraus unter den Aposteln“. Das ist ein Fortschritt. Denn die alte Einheitsübersetzung folgte noch der Tradition, dass hier „Junias“ gegrüßt werde – was ein Männername ist, aber eine völlig abwegige Übersetzung. Sie sollte vermeiden, dass Paulus eine Frau als „Apostel“ bezeichnet.
    Inkonsequent aber ist, wie die neue Übersetzung wenige Zeilen zuvor mit Phoebe umgeht: Die Geschäftsfrau aus Kenchreä, einem Hafen von Korinth, soll im Winter 56/57 einen Brief des Paulus an die junge, aber sehr wichtige christliche Gemeinde in Rom überbringen – und Paulus ist an mehreren Stellen voll des Lobes für diese Frau. Phoebe stand offenbar der Gemeinde ihrer Heimatstadt vor. Damit war sie das, was man heute wohl eine Priesterin oder zumindest eine Diakonin nennen würde. In Paulu s ’ Brief wird sie auch „diakonos“ genannt, also eigentlich: „Diakonin“. Die aber darf es in der katholischen Kirche (noch) nicht geben. Weshalb Phoebe auch in der neuen Einheitsübersetzung bloß als die „Dienerin der Gemeinde von Kenchreä“ auftaucht.

    Das „Schweigen“ der Frauen

    Fast ein Skandal ist der Umgang der neuen Übersetzung mit der vielleicht berüchtigsten Stelle des Paulus. Es ist ein Satz mit weitreichenden Folgen für die Rolle der Frau in der katholischen Kirche. In seinem ersten Brief an die Korinther (14,33+34) schreibt er: „Wie es in allen Gemeinden […] üblich ist, sollen die Frauen in den Versammlungen schweigen.“

    Die Salzburger Neutestamentlerin Marlis Gielen, eine weitere Übersetzerin der neuen Bibel, sagt der taz: Es sei in der Forschung praktisch Konsens, dass die Empfehlung „… sollen die Frauen in den Versammlungen schweigen“ nicht von Paulus stamme, sondern ein späterer Einschub sei. Gielen wollte das in einer Fußnote in der neuen Bibel notiert sehen – und auch die alte Einheitsübersetzung macht zumindest darauf aufmerksam, dass dieser Einschub „in Spannung“ stehe zu anderen Aussagen des Paulus.

    Etwa zu einer Stelle, in der er lang und breit erklärt, was Frauen alles im Gottesdienst ganz selbstverständlich tun, nämlich unter anderem prophetisch reden (1. Korinther, 11,5). Diese Fußnote von Gielen und anderen Fachleuten in einem Entwurf für die revidierte Bibel aber ist in der neuen Einheitsübersetzung nicht mehr zu finden. Diese Streichung habe sie „jetzt erst gesehen“, sagt sie der taz. Dabei sei doch zuvor klar gewesen, dass das angeblich angemessene Schweigen der Frauen im Gottesdienst „ein Kuckucksei“ gewesen sei. Warum die Fußnote dazu nun verschwunden, wo sie auf der Strecke blieb – das kann sich Marlis Gielen überhaupt nicht erklären.

    Papst Franziskus hat stets betont, die Juden müssten nicht „gerettet“ werden. Die neue Einheitsübersetzung gibt ihm da recht. Im Mai hat Franziskus vor 870 Ordensoberinnen aus aller Welt zudem angekündigt, er wolle eine Studienkommission zur Rolle von Diakoninnen in der frühen Kirche einsetzen. Die kann nur eines herausfinden: Es gab sehr wohl schon einmal Diakoninnen in der Kirche – nämlich Phoebe und ihre Schwestern. Und geschwiegen haben die nie.


    auch bei einer bibelübersetzung kann der "teufel im detail stecken": in ökumenischer eintracht zieht die katholische "einheitsübersetzung" der bibel pünktlich zu weihnachten nach erscheinen der neuen "luther-bibel" nun nach - und beide können sich nicht dazu durchringen, aus der "jungfrau" endlich urtext-gemäß eine "junge frau" in den text aufzunehmen ... - warum dann überhaupt immer mal wieder revidiert wird, um dabei wichtige erkenntnisse der bibelforschung zu ignorieren ist mir schleierhaft ... - es geht wahrscheinlich auch diesen verlagshäusern um knete und weihnachts- und luther-jubiläumsgeschäft ...

    und dann forscht der leser und vergleicht mit den vorgängerversionen - aber niemand nähert sich tatsächlich dem längst fälligen aramäischen urtext tatsächlich an und erkenntnisse einer entsprechenden zeitgemäßen rückübersetzung - z.b. von günther schwarz - bleiben außen vor ... und wir können jetzt schon wetten, dass die nächsten bibel-revisionen schon in 5 - 8 jahren neu auf den markt kommen - allerdings immer noch mit einer "schweigenden jungfrau" statt einer "jungen frau" als gemeindevorsteherin - da seien die herren vor ... S!

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  • 12/07/16--07:31: fake-news - und anderes ...
  • ACHTUNG - DIESER POST BEINHALTET KEINE "VERSCHWÖRUNGSTHEORIE" - SONDERN IST TATSACHE UND "FAKT"

    ich muss einfach in diesen zeiten und in diesem blog mich auf meine "fakten" und meinen emotionalen postfaktizitäten und meinen interpretationen dazu konzentrieren: zu kultur, kunst, ausstellungen, musik, spiritualität und und und ...


    ich habe unten einen link gesetzt zu einem beitrag auf sz-online zu der unaufhaltsamen verbreitung von "fake-news", auf die sich viele amis mit vergnügen stürzen - und trump wählen: auch habe ich leider erst heute gecheckt, dass irgendwelche internet-automaten-spammer wohl aus st. petersburg (russland) - so zeigt das google-analytics an - meine blogadressen benutzen um damit wahlaufrufe für trump und andere spams und fakes ins netz zu pusten ... - google-analytics hat mir das unmissverständlich angezeigt - und dagegen kann man nichts unternehmen - und auch mein "kaspersky" kann da nichts machen... 

    diese virtuelle art & weise besucht meine seiten gar nicht tatsächlich, sondern irgendwelche entsprechend programmierten algorithmen haben von irgendwoher meine blogadressen erfasst - und setzen diese nun als spam-versende-tickets ein: "... vote for trump" - so endete der aufruf, anstatt dort in google analytics wie eigentlich üblich die sprache und den sitz des users anzuzeigen, der meine blogs geclickt hat ...

    und dieser umstand war nicht nur einmal gegeben - sonder einige huntertmal in 4 verschiedenen blogs ...

    ich habe nun in panik - wie der vogel strauß - alle meine google-analytics-eintragungen und -konten gelöscht: denn was ich nicht weiß, macht mich erst einmal nicht heiß ... (= kopf in den sand stecken) --- das eigentlich kompliziertere "filtern" dieser art nachrichten aus den analytics-ergebnissen greift ja auch nicht diese spammer direkt an - sondern man sieht einfach ihr geister-unwesen nicht mehr ... - augen zu und durch ...

    es ist für blogger und user eine scheiß zeit - und ich habe wenig hoffnung, dass sie alsbald besser wird - 

    und mit solchen fisimatenten gewinnt man sogar die amerikanische präsidentschaftswahl - na dann prost ... S! 

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    und doch - man muss die kirche im dorf lassen:

    Sascha Lobo | SPIEGEL-Kolumne: "Trump hat mit Big Data gewonnen" - Wie unser Technik-Aberglaube allen schadet ... - CLICK HERE


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    Eichhörnchen steckt fest

    Tierrettung: Eine Stunde lang bemühen sich Helfer um ein Tier, das in einem Gullydeckel klemmt. Inzwischen ist der Nager wieder wohlauf

    Von Britta Schultejans


    Ein Eichhörnchen ist in München in einem Gullydeckel stecken geblieben - weil es zu breite Hüften hatte. Die Tierrettung wurde von einer Passantin zur Hilfe gerufen. Das Tier war in einem der Löcher im Deckel stecken geblieben und konnte weder vor noch zurück. Die "Erste-Hilfe-Maßnahme Pflanzenöl" blieb erfolglos, weil das Eichhörnchen einfach zu sehr feststeckte.

    Als die Wildtierassistentin eintraf, war das Eichhörnchen schon stark unterkühlt. "Es wirkte kraftlos. Seine Vorderkrallen waren durch die verzweifelten Befreiungsversuche stark abgewetzt." Die Lage schien aussichtslos, weil die Hüften des Hörnchens nach Angaben der Tierrettung zu breit waren, um es wieder aus dem Loch herauszuziehen. Auch das Bad im Olivenöl sorgte nicht dafür, dass das Tier aus dem Gullydeckel flutschte. Mit vereinten Kräften hoben die Passantin und die Mitarbeiterin der Tierrettung schließlich den gusseisernen Deckel hoch und zogen das Tier von unten heraus. Nach einer guten Stunde war das völlig erschöpfte Tier - ein Männchen - endlich gerettet, in ein warmes Handtuch gewickelt und mit Glukose gefüttert. Es kam in die Auffangstation des Vereins Eichhörnchen Schutz, wo es, weil es vor Olivenöl troff, "Olivio" genannt und mit Nüssen gefüttert wurde.

    "Er wäre beinahe gestorben", sagte Sabine Gallenberger von dem Verein, der pro Jahr Hunderte Eichhörnchen aufnimmt, aufpäppelt und auswildert. Das schätzungsweise knapp ein Jahr alte Tier sei ohnehin schon schlecht ernährt gewesen. "Jetzt isst er viel und schläft sehr viel." Was "Olivio" im Gully wollte, kann Gallenberger nur mutmaßen. Womöglich sei er auf der Suche nach Wasser oder Nahrung gewesen. Nach Angaben der Tierrettung geraten Eichhörnchen immer wieder in solch missliche Lagen. "Solche Fälle häufen sich", sagte Evelyne Menges von der Tierrettung.


    © 2016 Neue Westfälische, Donnerstag 08. Dezember 2016


    das sind die echten tragödien, die das leben schreibt - ganz und gar in real life und wenig virtuell - und die es auf die titelseite meiner e-morgenzeitung brachte ... und in diesen unseren zeiten ist das so kurz vor weihnachten auch gut so - dass uns der kleine "olivio" in seinem missgeschick eine meldung wert ist ...

    da fiebert man direkt mit mit ihm - und nach kurzer erholungsphase wird er (es ist ein neugieriges eichhörnchen-männchen) wieder ausgewildert - und da bleibt uns, ihm alles alles gute zu wünschen: und vorsicht vor den gullydeckeln - deine herbstnüsse hast du bestimmt woanders versteckt ... S! 

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    gestern dieses videosequenz da: 
    wie eine junge frau
    mit einem tritt in den rücken
    die stufen zum bahnsteig hinunterfällt:
    das geht mir durch & durch

    da spüre ich wieder dein knie
    und die wucht des "pferdekusses"
    wie ich ins straucheln 
    und dann ins schlingern gerate
    und noch "warum denn nur?" stöhne
    oder zumindest stöhnen will

    ehe ich dann hals über kopf stürze
    seelenbruch - "psychogen-fraktur
    diagnostiziert die ansässige psychiatrie 
    und gibt mir ein glas 
    abgestandenes leitungswasser:
    aber so etwas zahlt 
    keine kasse - 
    da müssen sie sich
    schon selbst helfen:

    vielleicht mit einer gipsschale
    oder einem feuchten kondom
    oder eben cash löhnen
    nach jeder sitzung
    hier - in den klingelbeutel

    hinter der bühne polterte es
    da stolperte jemand
    weil der spot ausgefallen ist
    in der requisite:
    aber wer lässt hier auch immer
    seine klamotten liegen

    wenn du mal drübersprechen willst
    wenn es dir wieder besser geht
    also - nur wenn es dir wieder besser geht
    reden hilft
    das ist immer ein 
    kommen & gehen
    und - gut dass wir mal
    drübergesprochen haben ...

    die seele mal wieder baumeln lassen
    und abhängen - mit der schlinge
    um den hals ...
    gerne - ich bin ein
    guter zuhörer und ab-
    und auf-schneider ...

    ja - nun sag schon - 
    was war denn los
    zwischen euch ...
    ach - ich kann es mir
    schon denken ...
    so genau will ich es 
    auch gar nicht wissen ...

    und just jetzt flüchtet 
    die gemeine stubenspinne
    ehe ich sie ohne jeden skrupel 
    dann doch aufstaubsauge
    zum guten schluss ...

    sinedi




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    Umberto Eco 

    hat in einem Essay (Komplett-Abdruck hier) eine Liste von Merkmalen aufgestellt, die typisch sind für das Gebilde, das er als Urfaschismus oder ewigen Faschismus bezeichnen möchte:

    Diese Merkmale lassen sich nicht zu einem System organisieren; viele von ihnen widersprechen einander und lassen sich außerdem auch anderen Formen des Despotismus oder Fanatismus zuordnen. Aber jedes einzelne von ihnen kann zum Kristallisationspunkt für den Faschismus werden.

    1. Das erste Merkmal des Urfaschismus ist der Traditionskult. Traditionalismus ist natürlich viel älter als der Faschismus. Er war nicht nur typisch für das konterrevolutionäre katholische Denken nach der Französischen Revolution, sondern entstand schon im hellenistischen Synkretismus als Reaktion auf den griechischen Rationalismus der Klassik. Synkretismus ist nicht nur, wie es im Wörterbuch heißt, "die Vermischung verschiedener Religionen, Konfessionen oder philosophischer Lehren". Eine jede der ursprünglichen Botschaften enthält einen Splitter der Weisheit, und wenn sie auch unterschiedliche oder unvereinbare Dinge verkünden mögen, so beziehen sie sich doch sämtlich auf die gleiche ursprüngliche Wahrheit. Es kann daher keinen Fortschritt der Erkenntnis geben. Die Wahrheit ist ein für allemal verlautbart, und uns bleibt nur, ihre unverständliche Bedeutung zu interpretieren.

    Die Nazi-Gnosis nährte sich aus traditionalistischen, synkretistischen, okkulten Elementen. Der einflußreichste Urheber der Theorien der neuen italienischen Rechten, Julius Evola, verschmolz den Heiligen Gral mit den Protokollen der Weisen von Zion, Alchemie mit dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Daß die italienische Rechte vor kurzem ihren Kanon um Werke von De Maistre, Guenon und Gramsci bereicherte, um ihre Offenheit zu demonstrieren, ist ein Beleg des Synkretismus. Wenn man in amerikanischen Buchhandlungen in den Regalen mit dem Etikett New Age herumstöbert, findet man dort sogar den heiligen Augustin, der nach meiner Kenntnis kein Faschist war. Aber der heilige Augustin in Verbindung mit Stonehenge - da springt uns ein Symptom des Urfaschismus ins Auge.

    2. Traditionalismus impliziert die Ablehnung der Moderne. Sowohl Faschisten als auch Nazis verehrten die Technologie, während traditionalistische Denker sie gewöhnlich als Negation traditioneller geistiger Werte ablehnen. Aber obwohl der Nazismus auf seine industriellen Leistungen stolz war, lag sein Modernismus nur an der Oberfläche einer Ideologie, die sich auf Blut und Boden gründete. Die Ablehnung der modernen Welt tarnte sich als Ablehnung kapitalistischer Lebensweise, aber in erster Linie ging es um die Ablehnung des Geistes von 1789. Die Aufklärung, das

    Zeitalter der Vernunft, gilt als Beginn moderner Entartung. In diesem Sinne läßt sich Urfaschismus als Traditionalismus definieren.

    3. Irrationalismus ist auch abhängig vom Kult der Aktion um der Aktion willen. Eine in sich schöne Aktion muß vor dem Denken erfolgen oder ganz ohne Denken. Denken ist eine Form der Kastration. Daher wird Kultur verdächtig, sobald sie mit kritischen Einstellungen identifiziert wird. Mißtrauen gegenüber der Welt des Intellekts war immer ein Symptom des Urfaschismus.

    4. Kein synkretistischer Glaube kann analytischer Kritik widerstehen. Der kritische Geist macht Unterscheidungen. In der modernen Kultur lobt die Wissenschaft mangelnde Übereinstimmung als nützlich für die Bereicherung des Wissens. Für den Urfaschismus ist fehlende Übereinstimmung Verrat.

    5. Zudem sind Meinungsverschiedenheiten ein Anzeichen der Vielfalt. Der Urfaschismus wächst und sucht Unterstützung, indem er die natürliche Angst vor Unterschieden ausbeutet und verschärft. Der erste Appell einer faschistischen oder vorfaschistischen Bewegung richtet sich gegen Eindringlinge. So ist der Urfaschismus qua Definition rassistisch.

    6. Der Urfaschismus entstand aus individueller oder sozialer Frustration. Deshalb gehörte zu den typischen Merkmalen des historischen Faschismus der Appell an eine frustrierte Mittelklasse, eine Klasse, die unter einer ökonomischen Krise oder der Empfindung politischer Demütigung litt und sich vor dem Druck sozialer Gruppen von unten fürchtete. In unserer Zeit, da die alten "Proletarier" zu Kleinbürgern werden (und die Lumpenproletarier von der politischen Szene weitgehend ausgeschlossen sind), wird der Faschismus von morgen sein Publikum in dieser neuen Mehrheit finden.

    7. Den Menschen, die sich einer ausgeprägten sozialen Identität beraubt fühlen, spricht der Urfaschismus als einziges Privileg das häufigste zu: im selben Land geboren zu sein. Dies ist der Ursprung des Nationalismus. Außerdem bezieht eine Nation ihre Identität nur aus ihren Feinden. Daher liegt an der Wurzel der urfaschistischen Psychologie die Obsession einer Verschwörung, am besten einer internationalen Verschwörung. Die Anhänger müssen sich belagert fühlen. Am leichtesten läßt sich dieser Verschwörung mit einem Appell an den Fremdenhaß begegnen.

    8. Die Anhänger müssen sich vom offensichtlichen Reichtum und der Macht ihrer Feinde gedemütigt fühlen. Als ich ein Junge war, lehrte man mich, an die Engländer als das Volk mit den fünf Mahlzeiten zu denken. Sie aßen häufiger als die armen, aber nüchternen Italiener. Juden sind reich und helfen einander über ein geheimes Netz gegenseitiger Unterstützung. Aber die Anhänger müssen auch überzeugt sein, daß sie ihre Feinde besiegen können. Daher, durch ständige Verlagerung des rhetorischen Brennpunkts, sind die Feinde gleichzeitig zu stark und zu schwach. Faschistische Regierungen sind dazu verurteilt, Kriege zu verlieren, weil sie konstitutiv unfähig sind, die Stärke des Feindes richtig einzuschätzen.

    9. Im Urfaschismus gibt es keinen Kampf ums Überleben - das Leben ist nur um des Kampfes willen da. Pazifismus ist daher Kollaboration mit dem Feind. Er ist schlecht, weil das Leben ein ständiger Kampf ist. Das jedoch führt zu einem Armageddon-Komplex. Da die Feinde besiegt werden müssen, ist auch eine Entscheidungsschlacht erforderlich, und danach wird die Bewegung die Weltherrschaft antreten. Aber eine solche "Endlösung" impliziert auch wieder eine Friedensära, ein neues Goldenes Zeitalter, was dem Prinzip des ständigen Krieges widerspricht. Keinem faschistischen Führer ist jemals die Lösung dieses Problems gelungen.

    10. Elitedenken ist ein typischer Aspekt jeder reaktionären Ideologie, insoweit sie im Grunde aristokratisch ist, und aristokratisches und militaristisches Elitedenken hat eine grausame Verachtung des Schwächeren im Gefolge. Der Urfaschismus kann nur ein allgemeines Eliteempfinden vertreten. Jeder Bürger gehört dem besten Volke der Welt an, die besten Bürger sind die Mitglieder der Partei, jeder Bürger kann (oder sollte) der Partei beitreten. Aber ohne Plebejer keine Patrizier. Der Führer weiß, daß seine Macht ihm nicht demokratisch übertragen, sondern gewaltsam erobert wurde, und ihm ist ebenso klar, daß seine Kraft in der Schwäche der Massen wurzelt; sie sind so schwach, daß sie einen Führer brauchen und verdienen. Da die Gruppe hierarchisch organisiert ist (dem militärischen Modell nachempfunden), verachtet jeder Unterführer seine Untergebenen, und jeder von diesen verachtet die ihm Untergebenen. Das verstärkt das massenhafte Elitebewußtsein.

    11. In einer solchen Perspektive werden alle zum Heldentum erzogen. In jeder Mythologie ist der Held ein außergewöhnliches Wesen, aber in der urfaschistischen Ideologie ist Heldentum die Norm. Dieser Kult des Heldentums hängt aufs engste mit dem Todeskult zusammen. Es war kein Zufall, daß ein Motto der Falangisten lautete: "Viva la Muerte". In nichtfaschistischen Gesellschaften gilt der Tod als eine unangenehme Erscheinung, der man mit Würde begegnen soll; dem Gläubigen ist er der schmerzhafte Weg zu jenseitigem Glück. Im Gegensatz dazu sucht der urfaschistische Held den heroischen Tod als beste Belohnung für ein heldisches Leben. Der urfaschistische Held erwartet den Tod mit Ungeduld. In seiner Ungeduld schickt er allerdings gern andere in den Tod.

    12. Da sowohl endloser Krieg als auch Heroismus recht schwierige Spiele sind, überträgt der Urfaschist seinen Willen zur Macht auf die Sexualität. Hier liegt der Ursprung des machismo (zu dem Frauenverachtung ebenso gehört wie gewalttätige Intoleranz gegenüber ungewöhnlichen Sexualgewohnheiten, von der Keuschheit bis zur Homosexualität). Da auch die Sexualität ein schwieriges Spiel ist, neigt der Urfaschist zum Spiel mit Waffen - das wird zu einer phallischen Ersatzübung.

    13. Der Urfaschismus gründet sich auf einen selektiven Populismus, einen sozusagen qualitativen Populismus. In einer Demokratie haben die Bürger individuelle Rechte, aber in ihrer Gesamtheit besitzen sie politischen Einfluß nur unter einem quantitativen Gesichtspunkt - man folgt den Entscheidungen der Mehrheit. Für den Urfaschismus jedoch haben Individuen als Individuen keinerlei Rechte, das Volk dagegen wird als eine Qualität begriffen, als monolithische Einheit, die den Willen aller zum Ausdruck bringt. Da eine große Menschenmenge keinen gemeinsamen Willen besitzen kann, präsentiert sich der Führer als Deuter. Da sie ihre Delegationsmacht verloren haben,

    handeln die Bürger nicht mehr; sie werden lediglich zusammengerufen, um die Rolle des Volkes zu spielen. Daher ist das Volk nichts als eine theatralische Fiktion. Für ein gutes Beispiel des qualitativen Populismus bedürfen wir nicht länger der Piazza Venezia in Rom oder des Nürnberger Parteitagsgeländes. In der Zukunft erwartet uns ein TV- oder Internet-Populismus, in dem die emotionale Reaktion einer ausgewählten Gruppe von Bürgern als Stimme des Volkes dargestellt und akzeptiert werden kann. Aufgrund seines qualitativen Populismus muß der Urfaschismus gegen "verrottete" parlamentarische Regierungen eingestellt sein. Wo immer ein Politiker die Legitimität eines Parlaments in Zweifel zieht, weil es den Willen des Volkes nicht mehr zum Ausdruck bringe, riecht es nach Urfaschismus.

    14. Der Urfaschismus spricht Newspeak. Orwell erfand in "1984" Newspeak als offizielle Sprache von Ingsoc, dem englischen Sozialismus. Aber Elemente des Urfaschismus sind verschiedenen Formen der Diktatur gemeinsam. Alle Nazi- oder faschistischen Schulbücher bedienten sich eines verarmten Vokabulars und einer elementaren Syntax, um die Instrumente komplexen und kritischen Denkens im Keim zu ersticken. Aber wir müssen uns auch auf andere Formen von Newspeak einstellen, selbst wenn sie in der scheinbar unschuldigen Form einer populären Talk-Show daherkommen.

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