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    Antonio Tajani
    Alles schon vergessen?

    Das Europaparlament hat einen neuen Präsidenten. Und Schriftsteller Friedrich Christian Delius noch ein paar Nachfragen. 

    VON FRIEDRICH CHRISTIAN DELIUS


    F.C.Delius - Foto: Original in zeit.de


    Alles vergessen? Warum wählt das Europaparlament unter mehr als 700 Köpfen ausgerechnet den Kampfgefährten und Intimus von Europas erfolgreichstem Populisten zu seinem Präsidenten? Antonio Tajani, der einer Partei angehört, die keine Partei in unserem Sinn, sondern wie eine Firma organisiert ist, in der allein der Chef über seine Angestellten-Abgeordneten bestimmt?

    Erinnert sich überhaupt noch jemand an einen gewissen Silvio Berlusconi, der Italien 20 Jahre lang heruntergewirtschaftet hat und dessen Gift der Destruktion bis heute wirkt? An einen charmanten Herrn, der sich nur an der Macht halten konnte, weil er Gesetze durchgesetzt hat, die ihn vor laufenden Ermittlungsverfahren wegen Korruption und anderen Prozessen schützten, sei es durch Verkürzung der Verjährungsfristen, seltsame Ermittlungserschwernisse oder Richterbestechung?

    Vor Big Trump gab es schon Little Trump

    Gab es da nicht einen italienischen Machthaber, der nur an der Macht geblieben ist, weil er Abgeordnete kaufte – und weil ihm Leute wie Tajani in Rom und Brüssel den Rücken freihielten? Einen Ministerpräsidenten, der fast täglich gegen das demokratische Prinzip der Gewaltenteilung polemisierte, Richter zu Terroristen erklärte und Mafiakritiker wie Roberto Saviano für gefährlicher hielt als die Mafia? Ein gewisser Cavaliere, der sich nie um Interessenkonflikte scherte und seine Medienmacht als Regierungschef zur Medienübermacht ausbauen konnte? Der bereits in den 90er Jahren das Vokabular benutzte, mit dem heute Le Pen, Wilders und Gauland operieren, und mit ähnlichem Furor gegen Europa hetzte wie seine Epigonen? Der kleine Trump vor dem großen Trump?

    Alles vergessen?

    Und unsere deutschen Christdemokraten? Lesen sie keine Zeitungen? Zugegeben, nur die „Süddeutsche Zeitung“ hat über das alles berichtet, die meisten anderen deutschen Blätter delektierten sich eher an der unterhaltsamen Seite des Mannes. Wo informieren sich Christdemokraten über ihre Fraktionskollegen? Wer in den 90er Jahren zu jung zum Zeitunglesen war, braucht nur „Citizen Berlusconi“ von Alexander Stille aufzuschlagen (Verlag C. H. Beck, 2006).

    Oder will man alles auf Helmut Kohl schieben, der sich von Berlusconi einwickeln ließ und die erwiesenermaßen mafiagestützte „Forza Italia“ in die Europäische Volkspartei EVP aufgenommen hat? Oder auf Angela Merkel, die nicht verhindert hat, dass danach erklärte Antidemokraten wie Viktor Orbán zum EVP-Parteifreund wurden? War der Kanzlerin und den christdemokratischen Europaabgeordneten die EVP-Macht auch diesmal wichtiger als der Abstand zu Parteien, die das Aushängeschild von klügeren Kriminellen, Rechtspopulisten und Faschisten sind? Warum wird Manfred Weber (CSU) nun allseits gelobt dafür, unter Dutzenden Kandidaten zielsicher einen Helfershelfer des Mannes aufs Schild gehoben zu haben, der wie kein Zweiter die europäischen Werte bekämpft, verhöhnt und unterwandert hat? Wie tief sind die Christdemokraten gesunken, dass sie im allgemeinen Trump-Fieber ihre Straßburger Trampelei nicht einmal bemerken?

    Der Schriftsteller Friedrich Christian Delius lebt in Berlin und Rom.

    DER TAGESSPIEGEL 

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  • 01/21/17--13:52: noch gar kein festes Eis ...
  • S!-photography

    Es darf keinen Schlussstrich
    unter der Erinnerung geben.
    Was geschehen ist, muss präsent bleiben.
    Es geht dabei allerdings nicht um Deutsche,
    die mit dem Gewicht ihres eigenen Gewissens
    nicht zurechtkommen.
    Das anzunehmen, ist allein schon
    Ausdruck unermesslicher Selbstbezogenheit. 
    Es geht darum, das Andenken der Opfer zu ehren.
    Und zuallererst geht es um eine kollektive Verantwortung
    für die Zukunft.

    „Nie wieder“ ist keine Floskel. 
    „Nie wieder“ ist das, was wir alle uns zu Herzen nehmen 
    und wofür wir eintreten müssen, 
    jeden Tag aufs Neue. 
    Und wenn man sich die Welt von heute ansieht, 
    dann beschleicht einen das Gefühl, 
    dass wir uns eher noch viel mehr erinnern müssten.

    Dinah Riese - taz (click here)




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  • 01/22/17--10:33: PROTEST - Alicia Keys

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    fotomontage: S!NED!|art


    einen menschen so einfach beiseiteräumen
    wie eben das tempo-taschentuch
    erst besudeln 
    dan zerknüllen
    und dann ab in die spülung
    auf nimmerwiedersehen
    warum lachst du

    das beiseiteräumen erfolgt
    automatisch schritt für schritt
    wie ein uhrwerk
    ein rädchen greift ins andere
    da ist die anklage wegen bummelei
    der verstoß gegen die grundordnung
    da ist dann der deal:
    "ich gehe freiwillig - und ihr helft mir
    vor den eltern ..."
    damit ich nicht weinen muss

    eine jede bekommt was sie verdient hat
    bohnerwachsgeruch
    desinfektionsmittelgeruch
    isopropanol - karbol - cardiazol
    "das ist nur ein kleiner pieks"
    "und danach hilfst du in der
    kartoffelschälküche"
    und sei nicht so albern
    warum lachst du

    sei nimmer fruchtbar
    und mehre dich nicht
    und fahre gen osten
    roter backstein - gelber backstein
    bellende schäferhunde
    stahlhelme
    glänzende lederstiefel
    damit ich nicht weinen muss

    "hast du deine gelbe suppe
    auch ausgesaugt"
    "ich drück dir sonst den rest noch rein
    ich versprechs dir"
    "für führer - volk und vaterland"
    und dann ab in die spülung
    auf nimmerwiedersehen
    warum lachst du

    wir haben von nichts gewusst
    das wussten wir nicht
    wir haben an ihrer welken leichenhaut
    keinen einstich mehr feststellen können
    sie war ja nur noch haut & knochen
    es ist doch alles 
    mit rechten dingen zugegangen:
    der wald steht schwarz und schweiget
    und aus den wiesen steiget's
    damit ich nicht weinen muss

    es war aber auch kalt
    auf der rückfahrt
    im reichsbahn-güterwaggon ...
    auf nimmerwiedersehen
    aber wir hören noch voneinander
    was - warum lachst du ...
    damit ich nicht weinen muss!

    sinedi



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    genossen
     gerade habe ich erst die "eilmeldung" erhalten: schulz soll statt gabriel der kanzlerkandidat der spd werden ... 

    nun da muss ich mir doch etwas verwundert die äuglein reiben: sooooviel demut hätte ich dem gabriel nun wirklich nicht zugetraut ...


    und noch etwas bewirkt das in deutschland:

    es wird ein "ruck" durch den bätterwald und dem publikum gehen - und das ist gut so ...:

    denn endlich tritt der aufgeblasene blondmähnig eingefärbte möchtegern-rocker (70) mit seinen überlangen schlipsen da drüben in den usa hierzulande nicht mehr so inflationär in den vordergrund: germany & urope first ...

    und wir hier können uns endlich wieder den eigenen hausgemachten problemen zuwenden ...

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    Willy Fleckhaus und die legendären regenbogen-rücken von suhrkamp | bild: ndr = CLICK HERE
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    Konsequent modern

    Das absolute Auge: Willy Fleckhaus, dem legendären Gestalter von Buchcovern, Zeitschriften-Layouts, Plakaten und vielen anderen Drucksachen, ist in Hamburg eine umfangreiche Ausstellung gewidmet

    Von Nicole Büsing und Heiko Klaas


    Hamburg. Willy Fleckhaus war ein Autodidakt. Doch bei wem hätte einer wie er schon in die Lehre gehen sollen? Das, was der 1925 in Velbert geborene Gestalter seit Ende der 1940er Jahre in Deutschland etabliert hat, nämlich eine konsequent moderne Gestaltung von Zeitschriften-Layouts und Buchcovern, Plakaten, Kunstkatalogen und Firmenbroschüren, gab es zuvor in Deutschland nicht. Die richtungweisenden Ideen des Bauhauses waren von den Nationalsozialisten geächtet worden, und in den ersten Jahren der Nachkriegszeit brach sich eher eine gewisse Biederkeit Bahn als ein gestalterischer Aufbruch.

    Willy Fleckhaus suchte sich seine Vorbilder und Inspirationsquellen daher in Amerika und der Schweiz, den Eldorados der progressiven Typografie. Dem langjährigen Gestalter der legendären Jugendzeitschrift twen, des Frankfurter Allgemeine Magazins und genialen Erfinder der Regenbogen-Buchrücken, die die schmalen Bände der "edition suhrkamp" bis heute zum Hingucker in jedem anspruchsvollen Bücherregal machen, widmet das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) jetzt unter dem Titel "Willy Fleckhaus. Design - Revolte - Regenbogen" eine sehenswerte Ausstellung. Zusammengestellt hat die chronologisch aufgebaute Schau der Münchner Publizist, Fotografie-Experte und Sammler Hans-Michael Koetzle. "Neben Otl Aicher war Willy Fleckhaus der wichtigste deutsche Grafikdesigner. Er hat dem Lebensgefühl im Nachkriegsdeutschland eine Form gegeben", so Koetzle.

    click here


    Die Schau versammelt rund 350 Exponate, darunter natürlich ein ganzes Regenbogen-Spektrum an Suhrkamp-Bänden, etliche groß aufgezogene Cover und Bildstrecken aus der freizügigen, viele Tabus der Adenauer-Zeit brechenden twen und rund 50 exemplarische Ausgaben des 1980 gegründeten und 1999 eingestellten Frankfurter Allgemeine Magazins. Was aber den besonderen Reiz der Schau ausmacht, das sind die vielen von Fleckhaus für twen verwendeten Originalfotografien so berühmter Fotografen wie Will McBride, Richard Avedon oder Ulrich Mack. Ob anonyme Studenten und Kommunarden oder bekannte Gesichter wie Uschi Obermaier, Juliette Gréco, Hildegard Knef, Françoise Hardy oder Jean-Paul Belmondo. Das Nebeneinander von Fotovorlage und Magazinstrecke macht erst deutlich, wie stark Fleckhaus mit dem "Rohmaterial" gearbeitet hat. Erst durch das Bestimmen des Bildauschnitts, die Erhöhung der Körnigkeit, das kühne Freistellen von Motiven oder das seitenverkehrte Spiegeln der Vorlage entstand so etwas wie eine unverwechselbare gestalterische Handschrift. "Er hatte das absolute Auge", beschreibt Hans-Michael Koetzle Fleckhaus? geniale Gabe, aus einem guten Foto, einer Handvoll Schriften und kleinen, dezent verspielten Details Magazinseiten zu gestalten, die bis heute Kult- und Vorbildcharakter haben.

    Auch wenn man ihn "Deutschlands teuersten Bleistift" genannt hat, weil er seine Fotografen schon einmal wochenlang um die halbe Welt schickte, damit sie nur die allerbesten Bilder mit nach Hause brachten, als Star der Branche hat sich Fleckhaus nie geriert. Er hat weder Vorträge gehalten, noch seine Werke signiert. Mitten im Zenit seiner Karriere ist Willy Fleckhaus im Herbst 1983 mit nur 58 Jahren in der Toskana an Herzversagen gestorben. Der Paradigmenwechsel aber, den er im deutschen Buch- und Zeitschriftenbetrieb eingeleitet hat, hält bis heute an. Das Berufsbild des kreativ denkenden Artdirectors hat er in Deutschland etabliert. Willy Fleckhaus? Entwürfe - allen voran das 1963 konzipierte minimalistische Design der Edition Suhrkamp, welches erst 2004 vom Verlag leicht modifiziert wurde - sind ebenso radikal wie zeitlos elegant. Das New Yorker Museum of Modern Art präsentiert eine kleine Auswahl davon in seiner Designabteilung. Den ganzen Willy Fleckhaus aber kann man in Hamburg noch bis Anfang Mai entdecken.


    • "Willy Fleckhaus. Design - Revolte -Regenbogen", Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) Hamburg, bis 7. Mai 2017. Di.-So. 10-18 Uhr. Do. 10-21 Uhr. Ein Katalog ist in Vorbereitung.
    click here




    © 2017 Neue Westfälische
    03 - Bielefeld Süd, Donnerstag 26. Januar 2017

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    jo - von 62 bis 65 - vor gefühlten 120 jahren - habe ich in einem zeitungsverlag noch den beruf des schriftsetzers erlernt - so richtig mit bleilettern und regletten und gevierten und cicero und nonpareille ... es war ja von anfang an ein aussterbender beruf - und warum man uns den überhaupt noch beibrachte und dazu strenge auslese betrieb - war sicherlich seinem legendären ruf geschuldet: der schriftsetzer galt nämlich als die "krone des proletariats": auf den schriftsetzer war ein agitator angewiesen, wenn er seine flugblätter drucken ließ ...obwohl die schwarze kunst die braune soße auch nicht zu verhindern wusste ...  - ein beruf - dem man heute noch in irgendwelchen show-veranstaltungen im museum beiwohnen kann ...

    auf alle fälle sparte ich von meinem lehrlingsgehalt (ich war damals noch "lehrling" - kein "azubi") immer das geld zusammen, um am kiosk die neueste "twen" zu kaufen: einmal wegen dem lebensgefühl, das dort verströmt wurde - und zum zweiten waren das die gestaltungen und designs von willy fleckhaus - seine moderne typographie - sie stachelte uns an zu unseren handwerklichen berufsschul-entwurfsskizzen als "typograph" - als schriftsetzer ...
    hier arbeite ich schon ganz "modern" am
    leuchhtisch für offset-druckvorlagen 
    (ca. 1968)

    mein lehrmeister schüttelte dazu oft den kopf - und verstand die welt nicht mehr: eine breite weiße 16:9-fläche mit hinten links oben einer grauen großen zahl oder buchstaben-kombination: "was soll das", stöhnte er dann ... - aber das war eben willy fleckhaus, der uns kleinen lehrlingen der 'schwarzen kunst' die flötentöne beibrachte - denn wir hatten als "vorbilder" eigentlich immer nur schweizerische typographie-lehrbücher, die von der "teutschen" druckpropaganda und ihren simplen gestaltungsfähigkeiten verschont geblieben waren - aber nun auch schon allmählich in die jahre kamen ...

    "twen" - das war das druck-ästhetische maß aller dinge damals - und erst 20 jahre später kam mit "tempo" ein vielleicht eben solches zeitgeist-magazin auf den markt - das aber typographisch nicht an "twen" heranreichte ... - und heute haben wir uns durch pinterest und "diversity"-flickenteppiche all die hehren gestaltungsprinzipien in den klump gehauen - und die einfachen blog-baukasten-gestaltungsmöglichkeiten im internet lassen das layoutmäßig auch gar nicht mehr zu ...: aber jeder so - wie er es verdient hat ... S!


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    erna kronshage -"re-konstruiert" nach einer porträtphotographie | S!NED!|art


    okay - das fing ja mit erna kronshage alles vor 75 jahren an - ist klar: lasst die toten ruhen - ich denke dann immer an unseren trauspruch: 
    alles hat seine zeit - und alles vorhaben unter dem himmel hat seine stunde: geboren werden hat seine zeit, sterben hat seine zeit; pflanzen hat seine zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine zeit; töten hat seine zeit, heilen hat seine zeit; abbrechen hat seine zeit, bauen hat seine zeit; weinen hat seine zeit, lachen hat seine zeit; klagen hat seine zeit, tanzen hat seine zeit; steine wegwerfen hat seine zeit, steine sammeln hat seine zeit; herzen hat seine zeit, aufhören zu herzen hat seine zeit; suchen hat seine zeit, verlieren hat seine zeit; behalten hat seine zeit, wegwerfen hat seine zeit; zerreißen hat seine zeit, zunähen hat seine zeit; schweigen hat seine zeit, reden hat seine zeit; lieben hat seine zeit, hassen hat seine zeit; streit hat seine Zeit, friede hat seine zeit. man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen gewinn davon. ich sah die Arbeit, die gott den menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen. er hat alles schön gemacht zu seiner zeit, auch hat er die ewigkeit in ihr herz gelegt; nur dass der mensch nicht ergründen kann das werk, das gott tut, weder anfang noch ende. da merkte ich, dass es nichts besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem leben. denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten mut bei all seinem mühen, das ist eine gabe gottes (kohelet 3, 1-13)
    na ja - der schluss klingt so ein wenig wie "friss oder stirb" - oder "so jung kommen wir nicht wieder zusammen"... das ist so mit den dualitäten: das eine ist nur von uns benannt, weil es das andere - meist das gegenteil - auch gibt ... - und "seine zeit" ist ja keine maßgabe - keine zeitspanne - die lässt ja offen - wann diese und jene zeit endet und die andere beginnt. ja ist das überhaupt so ... endet zeit ??? - und setzt sie neu an - ist die zeitspanne bemessen, die alle zeit der welt hat: muss man nach 75/73 jahren endlich ruhe geben - oder ist noch zeit ... ??? in detmold stand ein kleiner wachsoldat aus auschwitz vor gericht: über 90 jahre alt - und die nebenkläger aus israel angereist oder aus ungarn - sie sind so alt wie der angeklagte: ich meine, hatte man nicht früher etwas zeit für einen solchen prozess - der herr hanning hat sich ja nicht versteckt, der lebte da immer in lage - mit schlechtem gewissen - verdrängte die zeit, wollte die zeit überlisten ...

    und wer wann hinter erna die tür zugeschlagen hatte, die ich nun wieder weit aufgemacht habe, weiß ich nicht: ich spürte aber den drang, in alten zeiten herumzukramen: die zeit lässt sich nicht einsperren. sie kreucht und fleucht wie der flaschengeist: einmal aus der pulle entwichen, lässt sie keine ruhe: biedert sich förmlich an: wenn du erst einmal im ruhestand bist, kannst du dir mit ihr sogar die zeit totschlagen: also jeder feierabend-"künstler" findet in und mit der zeit sein thema - und erna ist da echt multimedial - quasi zeitos ... -

    ich habe dieses thema nicht gesucht - ich habe es gefunden - da kann man nichts machen: es plumpst einem vor die füße ... es lässt mich nicht mehr los - vielleicht muss ich noch mehr auf zeit spielen ... - das spiel verzögern - um noch mal 75 jahre ...

    wie sonst soll man sich 73 jahre nach ernas ermordung mit ihr als person beschäftigen - in einer rekonstruktionsannäherung - mit ihrem (er-)leben - mit diesen w-fragen: wer - wann - wo - wie - warum - weshalb - wieso ... also versuchen, einen zugang zu finden zu ihrem sosein damals - und ihrem charakter und habitus.

    dazu hilft auch das nachempfinden ihres porträts - mit diesem für mein dafürhalten vielleicht eine spur zu abweisenden und vielleicht auch stolzen und tapferen - fast überheblich und etwas spöttischem gesichtsausdruck - vor der alten plattenkamera im fotogeschäft, zu dem sie ein paar kilometer mit dem fahrrad strampeln musste - wo wahrscheinlich in wirklichkeit in ihr aufregung und herzpumpern vorherrschte ...

    auf dem original sw-fotoporträt im zeittypischen sepia-ton hatte sie zwar eindeutig lippenstift aufgetragen - aber eigentlich trug man zu der zeit - mitten im krieg und auf dem land - als junges "braves" mädchen von 18 jahren keinen lippenstift - allerdings war die farbfotografie ja damals auch noch gar nicht so fortgeschritten und alltäglich wie heute - und für ein porträtfoto konnte man das als "schminke" - als ein mehr an "profilierung" - schon mal in der tönung insgesamt verwenden ..., um hinterher nicht den abzug retuschieren zu müssen -

    aus meiner ehemaligen berufstätigkeit in der sozialarbeit bin ich ja immer diesen Stichworten verpflichtet:
    • "niederschwellige angebote machen", 
    • den "klienten" dort abholen "wo er gerade steht", 
    • "barriere-freiheit" - nicht nur in bauten und auf der straße sondern auch im internet - 
    • möglichst "leichte sprache" verwenden - verständlich sein - und nicht zuletzt dieses derzeitige "zauberwort":
    • "inklusion" 
    - wobei ich "inklusion" nicht nur als ein begriff der integrationsarbeit von menschen mit behinderungen oder andersartigkeiten in eine "normalität" verstehe (was immer darunter auch in der ausgehenden postmoderne einzusortieren ist), sondern als eine haltung - die haltung der"diversity"-philosophyund vielfältigkeit: vielfalt statt einfalt - inklusion in allen lebensbereichen ... - allerdings darf die "vielfalt" nicht zur "beliebigkeit" hinabsinken ...

    und das gerade auch als antwort auf alle ausgrenzungen, "exklusionen" und liquidierungen der andersartigkeiten, die vor allem unsere elterngeneration - und eben besonders auch meine tante in ihrem lebensschicksal - in der ns-zeit er- und durchleben mussten ... - die aber beispielsweise bei der separierung von alten und/oder behinderten menschen gegen ihren willen heute immer noch nicht überwunden scheinen - und deren überbleibsel oder auch neu gestalt annehmenden varianten wir jetzt im umgang und im zusammenleben und in der auseinandersetzung mit den tragischen flüchtlingsschicksalen aus dem gesamten nahen osten und aus afghanistan täglich neu erleben - besonders auch dieses niederträchtige neue entfachen der alten rechten und einfachen ideologien und slogans - manchmal nicht einmal in neuen gewändern ...

    und dem also etwas entgegenzusetzen - zum beispiel auch mit den multimedialen und vielseitig einsetzbaren möglichkeiten der gedenk- und info|doku|blogs zum opferschicksal erna kronshages - auch in schule, studium, bildung, geschichtswerkstätten und initiativen:  ganz & gar nichtkommerziell -  ohne verlag und ohne isbn-nr. ... - nur ein click entfernt - und ziemlich "barrierefrei" - mit: "erna-kronshage-in-memoriam" - und hier sind endlich alle multimedialen info- und doku-angebote zu erna kronshage in schrift, bild und video unter diesem einen click miteinander vereint ...


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    Lebensläufe haben ein langes Gedächtnis. Persönliche Biographien ebenso wie die gemeinsame Geschichte. Was sich an Erfahrungen in ihnen aufbewahrt, kann im Laufe der Zeit überlagert, vertuscht, verdrängt oder totgeschwiegen, nicht aber ungeschehen gemacht werden.  

    Erinnern ist mehr als bloßes zur Kenntnis nehmen. Wer sich erinnert oder erinnert wird, dem werden Ereignisse und Erfahrungen persönlicher und kollektiver Vergangenheit ins Gedächtnis gerufen, seien sie freudvoll oder schmerzlich. 

    Er-innern, so sagt es das Wort, geht uns innerlich an, es betrifft uns. Manches Erinnern erfordert Mut und Beharrlichkeit. Manches Erinnern ist eine Pflicht, die uns der Wille zur Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit gegenüber Schuld und Versagen auferlegt. ...

    „Das Denken an vergangene Angelegenheiten“, schreibt Hannah Arendt, „bedeutet für menschliche Wesen, sich in die Dimension der Tiefe zu begeben, Wurzeln zu schlagen und so sich selbst zu stabilisieren, so daß man nicht bei allem Möglichen – dem Zeitgeist, der Geschichte oder einfach der Versuchung – hinweggeschwemmt wird“.

    Dr. Hartmut Traub, Auszug aus dem Redemanuskript zur Gedenkfeier für die Opfer der NS-"Euthanasie" am 27.01. 2017 im Deutschen Bundestag




    alle redebeiträge dieser feierstunde können hier nachgelesen werden (link)

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    selbst die kunst holt martin schulz aufs papier | S!NED!|art


    vor der letzten bundestagswahl, 2013, hat frau merkel den hehren satz gesagt: "sie kennen mich" ... - und prompt vermeldete damals der deutschlandfunk:

    "die Bürger stimmen am wahltag nicht über programme, politische konzepte oder erklärungsangebote ab. sie verleihen vielmehr ein viel diffuser zu erfassendes vertrauen, dass sich auf politische akteure richtet und persönliche glaubwürdigkeit zum überragenden faktor im wettbewerb der parteien macht. der entscheidende satz angela merkels im rededuell mit ihrem herausforderer peer steinbrück lautete deshalb: 'sie kennen mich'." ...

    nun aber - wo martin schulz seinen hut überraschend in den ring geworfen hat, fragt man in den medien: für was steht dieser mann ? - was ist seine message ? und was bitteschön ist die message der spd ... ???

    aber niemand fragt bei der zerrissenen union danach: frau merkel ist zweimal in ihrer regierungszeit für überraschungen und initiativen aufgefallen: einmal - als sie als letzte siegeschance vor der landtagswahl in baden-württemberg mit einer starken grünen klientel nach fukushima den atomausstieg verkündete, den sie ein halbes jahr zuvor selbst mit der f.d.p. festgeklopft hatte - und dieser schnellschuss wird nun wohl die abfindungen an die atombeteiber für die schließungen der meiler besonders teuer werden lassen ... - die landtagswahl in baden-württemberg ging trotzdem verloren: also diese initiative war ein eigentlich ein politischer fehlschuss - so sehr ich ihn als tatsächlich "betroffener bürger" natürlich begrüße...
    S!|art: wir schaffen das ...

    die zweite initiative merkels war ihr:"wir schaffen das!", wozu sie aber nun mit vielen vereinten kräften aus csu und de-maiziere-kreisen längst kräftig zurückrudern muss - also auch ein schuss in den ofen ...

    ansonsten hielt und hält es frau merkel immer mit den re-aktiven äußerungen, die sie erst dann tut, wenn die meinungsforschunginsitute dafür grünes licht geben oder die wirtschaft und ihre lobby - auch international - die sache abnicken ...

    bei allen mist, den der gerhard schröder einstmals verzapft hat (hartz IV - agenda 2010 ...  - und sein ständiges  "basta" - und sein spd-selbstmord dabei bei den wählern ...): politik im eigentlichen sinne hat dieser mann bedeutend mehr gemacht als seine nachfolgerin, die sich immer "abstimmt" - aber wenig eigene ideen kreiert - und wenn, dann von ihrer partei und ihren partnern rasch zurückgepfiffen wird...

    da machte mir der martin schulz gestern bei anne will einen besseren eindruck, politikfähig zu sein ... - schauen wir mal ... - und für was er steht, hat er gesagt und strahlt er auch aus - ein mann aus dem volk - ein mann ein wort ... - basta ... S!

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    S!NED!|art: und wahrscheinlich guckt wieder keine sau ...


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    "Ein Kind entsteht"

    Fotograf Lennart Nilsson ist tot

    Er wurde berühmt mit Fotografien von Embryonen, sein Bildband "Ein Kind entsteht" steht in vielen Wohnzimmern. Lennart Nilsson ist im Alter von 94 Jahren gestorben.

    Quelle: ZEIT ONLINE, AFP, rav

    Lennart Nilsson nach einer Fotografie 2009 aus WIKIPEDIA | Bearbeitung: S!|art


    Der schwedische Fotograf Lennart Nilsson ist tot. Wie seine Familie der schwedischen Nachrichtenagentur TT sagte, starb er im Alter von 94 Jahren.

    Internationale Berühmtheit erlangte Nilsson mit seinen Aufnahmen von werdenden Embryonen. Anfang der 1960er Jahre begann er, mithilfe von Endoskopen Aufnahmen im Mutterleib zu machen. Das New Yorker Magazin Life brachte Nilssons Bild eines in seiner Fruchtblase schwimmenden Embryos 1965 auf seiner Titelseite.

    Der darauffolgende Band Ein Kind entsteht – eine Bilddokumentation über entstehendes Leben im Mutterleib – ist bis heute weltweit ein Bestseller. Darin findet sich auch das berühmte Bild eines Fötus, der an seinem Daumen zu lutschen scheint.


    Nilsson hatte als Kriegs- und Porträtfotograf begonnen. Bereits in den 1950er Jahren wandte er sich der Fotografie mit optischen Makrospezialgeräten zu. 1959 veröffentlichte er ein vielbeachtetes Werk über Ameisen.

    Ab den 1970er Jahren stellte Nilsson sein Wissen in den Dienst des Stockholmer Karolinska-Instituts, das alljährlich die Wissenschaftsnobelpreise verleiht. Er sei nur "ein vom Menschen faszinierter Fotograf", pflegte Nilsson zu sagen.



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    ... und wie überall: die kehrseite der medaille:


    Bilder des ungeborenen Lebens
    Von Irene Meichsner | deutschlandradio kultur


    Vor 50 Jahren zeigte das amerikanische Magazin "Life" erstmals Fotos menschlicher Embryos. Bis heute hinterlassen die Bilder einen nachhaltigen Eindruck: Weil der schwedische Fotograf Lennart Nilsson das ungeborene Leben ästhetisch inszenierte.

    "Wie soll man nicht an die Existenz Gottes und die Allmacht des Schöpfers glauben, wenn man Lennart Nilssons betörend schöne Fotos gesehen hat?"

    So wie dieser Mann aus Chicago reagierten viele Leser auf die ersten Farbbilder von menschlichen Embryos, die das amerikanische Magazin "Life" am 30. April 1965 veröffentlichte. Nur wenige waren so schockiert wie diese Leserin aus Philadelphia:

    "Jede amerikanische Frau, die noch einen Rest von Anstand oder Gefühl für ihre persönliche Intimsphäre besitzt, sollte Sie verklagen!"

    Gestochen scharfe Aufnahmen

    "Life" hatte die Geschichte als "Drama des Lebens vor der Geburt" inszeniert, die gesamte Auflage von acht Millionen Exemplaren war binnen weniger Tage ausverkauft. Das Titelbild zeigte einen 18 Wochen alten Fötus in seiner Fruchtblase - gestochen scharf, fast transparent, vor einem dunklen Hintergrund, der an einen Sternenhimmel erinnerte.

    "Ganz allein schwebt er im Raum, ausgetopft aus dem Inneren einer Frau", schrieb die Medizinhistorikerin Barbara Duden, für die dieser ans Licht der Öffentlichkeit gezerrte Fötus den "Prototyp des beziehungslosen Individuums" und damit auch eine neue Form der "Weltdeutung" repräsentierte.

    "Wie ein Astronaut hängt er in seiner Kapsel und ist nur durch die Nabelschnur am Versorgungssystem der Plazenta angeschlossen. So verkörpert er nicht nur ein hilfsbedürftiges, sondern vor allem ein belieferungs- und versorgungsbedürftiges Menschenwesen."

    Föten aus legalen Abtreibungen

    Was viele heute nicht mehr wissen, obwohl es "Life" seinerzeit gar nicht verschwieg: Die meisten dieser hoch ästhetischen Fotografien täuschten "Leben" nur vor. Die abgebildeten Föten stammten aus legalen Abtreibungen oder sogenannten extrauterinen Schwangerschaften, bei denen sich die befruchtete Eizelle außerhalb der Gebärmutterschleimhaut einnistet und die deswegen abgebrochen werden mussten.

    "Wenn wir eine Eileiterschwangerschaft hatten und wir das Herz noch im Ultraschallbild schlagen sahen, dann haben wir Lennart angerufen. Vielleicht in einem von zehn Fällen sah der Fötus gut aus, was die äußere Gestalt angeht. Und dann fotografierte Lennart den Fötus im Operationssaal, wenn er gerade frisch herausgenommen worden war", erzählte der schwedische Gynäkologe Lars Hamberger.

    Er schrieb auch den Text zu dem Bildband "Ein Kind entsteht", den Nilsson ebenfalls 1965 veröffentlichte. Das Buch - inzwischen mehrfach überarbeitet und in über 20 Sprachen übersetzt - hat unzählige Frauen durch die Schwangerschaft begleitet.

    Aber wie war Nilsson auf die Idee gekommen, Embryos zu fotografieren? Hintergrund war eine Liberalisierung des schwedischen Abtreibungsrechts Anfang der 50er-Jahre. Nilsson, damals schon ein bekannter Pressefotograf, wurde für einen Artikel über Abtreibungsgegner unter Ärzten und Wissenschaftlern engagiert.

    "Wir besuchten Professor Axel Ingelmann-Sundberg, damals Chefarzt im Sabbatsbergs-Hospital. Er lieh uns einen Embryo, der zu Lehrzwecken verwendet wurde. Er hatte jahrelang in Formaldehyd gelegen. Ich machte Großaufnahmen und war überrascht, dass Embryos in einem so frühen Entwicklungsstadium schon so menschlich, so weit entwickelt waren. 1964 machte ich auch als erster auf der ganzen Welt im Danderyds-Hospital ein endoskopisches Porträt eines Fötus, lebendig im Uterus der Mutter."

    Niedlich - dieser Fötus-Leichnam - Foto: Lennart Nilsson - Quelle: fotografiska.eu


    Als Leichenschau kritisiert

    Tatsächlich hatte die hohe Kunst aber vor allem darin bestanden, tote oder sterbende Embryos so lebendig wie möglich aussehen zu lassen.

    "Ich lernte, wie sich das Licht in Wasser bewegt. Das meiste Licht kommt von oben."

    Barbara Duden sprach von einer "Hochglanzleichenschau". Nilssons Bilder von menschlichen Embryos wurden zum allgemeinen Kulturgut. Das Wissen um ihre Herkunft habe selbst Abtreibungsgegner nicht daran gehindert, sich ihrer Symbolkraft zu bedienen, schreibt die schwedische Kultur- und Medienwissenschaftlerin Solveig Jülich.

    Stanley Kubrick ließ am Ende seines Films "2001 - Odyssee im Weltraum" einen Embryo in seiner Fruchtblase auf die Erde zurückblicken. Zwei der legendären Fotografien erreichten an Bord der Raumsonden Voyager 1 und 2 inzwischen den Rand unseres Sonnensystems. Sie wurden auf Speicherplatten mit Informationen über die Menschheit verewigt - ein Gruß von der Erde an extraterrestrisches Leben.

    Dr. h.c. Lennart Nilsson (Fotograf, Wissenschaftsjournalist) mit einer Endoskopkamera - er machte als erster Aufnahmen von Embryos im Mutterleib (imago / teutopress)

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    unsichtbares sichtbar machen - das faszinierte in den 60er/70er jahren - gerade wenn es um das ungeborene leben ging. denn so "anmutig" solche fotos auf unseren beschützerinstinkt auch wirken - so wurden sie vor allen dingen von den abtreibungsgegnern auch propagandistisch ausgenutzt - mit einer ungeheuren aggressivität ... - 


    und wer weiß, wann in den usa auch dazu wieder diese debatte losgetreten wird bei einer solchen regierung: die organisation "planned parenthood" bekommt künftig keine staatlichen gelder mehr aus den usa: der neue präsident hat in einer seiner ersten amtshandlungen die zuschüsse für die internationale sektion und andere organisationen gestrichen, die im ausland frauen in familienfragen beraten und dabei auch abtreibungen als optionen nennen.

    der neue sprecher des weißen hauses sagte, diese entscheidung sollte niemanden überraschen: "ich denke, der präsident hat kein geheimnis daraus gemacht, dass er ein "pro-life"-präsident sein wird." die regierung sichere damit nicht nur das Leben von ungeborenen, sondern spare auch steuermittel, die im ausland für dinge ausgegeben worden wären, "die den werten dieses präsidenten entgegenlaufen". und das foto der unterzeichnung zeigt, wie ausschließlich männer am schreibtisch des präsidenten über frauen bestimmen – und sich dabei auch noch freuen ...

    diese kontroversen entwicklungen insgesamt wurden sicherlich leider auch mit den handwerklich tollen bildern von lennart nilsson losgetreten und befeuert, und der ja tragischerweise tatsächlich mit den manipulierten fotos von abgetriebenen föten diese werke "schoss" für eine reportage zu schwedischen abtreibungsgegnern ...: die ach so süßen hochglanz-anti-abtreibungs-plakate der entsprechenden organisationen stammten also gar nicht aus dem mutterleib, sondern waren aufnahmen von abgetriebenen toten föten ...

    also kritisch gesehen war lennart nilsson ein ganz besonderer sensations-paparazzi, der sich nicht scheute, mit totem gewebe lebendige embryos vorzutäuschen, um der sensation willen - ethisch war und ist das schon grenzwertig ...: manches unsichtbare sollte vielleicht auch als ein geheimnis unsichtbar bleiben ... S! 



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  • 02/01/17--04:50: SCHULZ FOR CHANCELLOR
  • der wahlkampf hat begonnen: schulz-plakat in obama-style in schwarz-rot-gold
    Bitte kopieren - 
    herunterladen - 
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    auf Plakate - 
    auf Flugblätter - 
    usw.:

    gegen AfD, Pegida und Konsorten

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  • 02/01/17--23:38: FDT

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    Schulz setzt aufs Gefühl. Seine Kampagne wird, das lassen erste Auftritte als Kandidat vermuten, Merkel dort angreifen, wo sie am verletzbarsten ist: in ihrer Kommunikation. Nach zwölf Jahren im Amt hat sie die Fühlung zu weiten Teilen des Volkes verloren. Viele Menschen sind verstört von ihrer chaotischen Flüchtlingspolitik. Ihre hermetische Technokraten-Sprache schreckt ab, auch ihr immer mehr zum Vorschein kommender Hang zu pampiger Rechthaberei. 
    Ein seriöses politisches Alternativ-Angebot ist von ihrem Herausforderer aber bisher noch nicht gekommen. Martin Schulz macht im Grunde das, was die Populisten von ganz links bis ganz rechts, von Sahra Wagenknecht bis Frauke Petry machen: Er bedient die anti-elitären Ressentiments, die im Volke schlummern, auch die latenten Aversionen gegen alles Gebildete und Intellektuelle. Seiner breit ausgestellten Normalität ist das Absichtsvoll-Instrumentelle stets anzumerken. Und sie wirkt ein bisschen peinlich bei einem Mann, der mehr als 20 Jahre finanziell üppig versorgt im Europaparlament gesessen hat und dort zuletzt als Präsident durchaus zu genau jenem "Establishment" gehörte, von dem er sich nun so wortreich als Mann des Volkes abzugrenzen versucht."Auszug aus "stern-mobil"

    bearbeitung: S!|art



    das schreibt der stern-redakteur tilman gerwien, jahrgang 1964, der bei axel springer die journaille erlernte - und bei "welt" und "capital" arbeitete - durchaus meinungsmachende medien aus einer ganz bestimmten politischen "ecke" ...

    gerwien könnte und müsste deshalb eigentlich wissen, dass ein bisschen "populismus" - wie er es nennt - schon vonnöten ist, wenn man als kontrahent von angela merkel als spitzenkandidat einer abgeschlagenen partei seinen hut in den ring der bundestagswahl wirft: "populismus" um "populär" zu werden und auf augenhöhe mit der abgehobenen aber einsamen rautenkönigin zu kommen ("sie kennen mich" ... - mit anderen worten: wozu soll ich ihnen dazu noch ein programm präsentieren ...) ...

    was gerwien bei seiner argumentation übersieht, ist die frage, wie stark die unterstellte berufliche karriere denn nun den menschen verändert - und ob man die bodenhaftung dabei verliert, was gerwien ja tatsächlich angela merkel unterstellt ...

    das "gemeine volk", die "wählerschaft", hat ja nichts gegen berufliche karriere - und es bewundert menschen, die es "von ganz unten" nach "ganz oben" schaffen ohne sponsor und tantiemen ... - schulz war ja nie helmut schmidts "junge" - wie merkel etwa kohls "mädchen" ...

    martin schulz musste sich im uropa-parlament schon mit rechtspopulisten und linkspopulisten herumschlagen, wovon frau merkel bisher ja verschont blieb (mit sahra wagenknecht hat sie sich meines wissens noch nie einen verbalen "schlagabtausch" geliefert ... - das lässt sie andere machen ...: und ich glaube, das geschieht nicht aus souveränität sondern aus "schiss") ...

    gerwien schreibt im schlusssatz seines artikels davon, dass martin schulz ein "netter" populist sei ... - immerhin ...!!!

    ich behaupte mal, dass wahlkampf immer etwas mit populimus und taktik zu tun hat: die hamburger sturmflut spülte seinerzeit helmut schmidt in die spur - und das elbhochwasser bescherte gerhard schröder eine zweite amtszeit - naturkatastrophen, die man rasch mit hilfe der medien in populäre politik umzumünzen verstand - der atomausstieg nach fukushima befeuerte angela merkel - ebenfalls eine "naturkatastrophe", die ihr da vor die füße fiel - und ihr "wir schaffen das" in einem frühen stadium des flüchtlingsstromes - vor der leider noch populäreren schließung der "Balkan-Route" durch populisten anderer couleur - auch wieder eine art "naturkatastrophe" - zufälle ohne jedes politische kalkül oder programm - und damals fragte sich auch alle welt:  " w i e  schaffen wir das" ... - worüber frau merkel dann abrupt verstummte ... - und sicherlich sich erst in münchen rückversichern musste ...

    und wie schreibt eigentlich ein redakteur, der bei "springer" war und bei der "welt" und der "capital" ??? ohne populismus keine verkaufte auflage - das müsste ja bei der springer-schule das erste gebot gewesen sein - und all die rücksichtnahmen auf große werbekunden und lobbyisten ...

    martin schulz muss kein "netter" populist sein, aber er muss "aufrichtig" sein - und mir in augenhöhe in die augen schauen können - alles andere ist fast zweitrangig - und das kann er - und das kann seine gegnerin nicht (mehr) ...: mal sehen, wie die "marktgerechte demokratie" (merkel) das bewertet ... - denn alle welt ruft jetzt nach "seriösen politischen alernativ-angeboten" von martin schulz zu angela merkel - ähhh ? - was hat denn frau merkel außer eben dieser "marktgerechten demokratie" als schlagwort für den globalliberalen turbokapitalismus bisher zu kreieren vermocht ... ??? - und heute küsst sie wieder erdogan den ringfinger ... S!

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  • 02/02/17--13:15: YES - WE CAN
  • Martin Schulz: YES - WE CAN - S!|art

    KOPIERVORLAGE | XXL = click here



    Martin Schulz sagt: 
    „Zusammen mit den kreativen Köpfen 
    und allen, 
    die Deutschland besser machen wollen, sollten wir den neuen Schwung nutzen.“ 

    Das Land gerechter machen und das mutlose Weiter-so beenden. 

    An einem Mangel 
    an Ideen 
    sollte das nicht scheitern.


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    Babyversorgung im Flüchtlingslager - hier hilft man sich (Bild: Iker Pastor, Anadolu Agency/Getty Images)


    Geburtshilfe am Limit

    Hebammen-Alltag: Fehlende Entbindungsstationen, der Kampf um jeden Cent und gefährdete Schwangere - drei Frauen berichten

    Von Anneke Quasdorf | NW


    Die Anfragen kommen täglich mehrfach, meist klingen die Stimmen aus dem Hörer verzweifelt: Fünf bis sechs Frauen rufen pro Tag bei Hebamme Daniela Wandel im Kreis Minden-Lübbecke an. Helfen kann die Geburtshelferin nicht. "Ich habe erst ab Oktober wieder Kapazitäten." Die Frauen, für die dieser Zeitraum infrage kommt, wissen aber unter Umständen noch gar nicht, dass sie schwanger sind. Alle anderen haben Pech. 

    Für Wandel eine schwierige Situation. Sie weiß: Auch woanders werden die Frauen nicht fündig, alle Kolleginnen sind ausgebucht. "Ich mache mir große Sorgen um all die Frauen, die im Sommer entbinden und niemanden an ihrer Seite haben." Denn Wochenbett, das heißt: Blutungen, Schwächung, Rückbildung der Gebärmutter. Es heißt aber auch: Glückshormone, Heultage, Überforderung und Angst. Für all das gibt es die Hebamme. Sie leistet elementare medizinische Versorgung von Mutter und Kind, ist gleichzeitig Stütze und Begleiterin.

    Fehlt sie, müssen Mutter und Kind regelmäßig aus dem Haus, zum Gynäkologen und zum Kinderarzt. "Das ist nach einer Geburt anstrengend genug. Kommen Komplikationen wie Brustentzündungen, Fieber, entzündete Kaiserschnittnarben dazu, wird es dramatisch", sagt Veronika Penner, Hebamme aus Bielefeld. "Und da reden wir noch nicht mal über emotionale Bedürftigkeiten."

    Gynäkologe Rolf Englisch, Vorsitzender des Landesverbandes der Frauenärzte Westfalen-Lippe, hat noch andere Bedenken: "Wenn Kinder- und Frauenärzte Untersuchungen machen müssen, die bislang die Hebammen geleistet haben - wer soll das zusätzliche Arbeitspensum auffangen?"

    Doch nicht nur vor und nach der Geburt, auch währenddessen wird die Versorgungslage immer schlechter. Das betrifft schon die Anzahl der Geburtskliniken. 63 Entbindungsstationen wurden laut der Krankenhausgesellschaft NRW im Land seit 2003 geschlossen, sechs davon in OWL.

    In den Kliniken herrscht Personalmangel; vielen Hebammen reicht die Festanstellung nicht aus, um die Arbeitsbedingungen in Kauf zu nehmen. "Wir wissen, dass es vielerorts Standard ist, dass Hebammen allein drei oder gar fünf Geburten betreuen", sagt die NRW-Vorsitzende des Hebammen-Landesverbands, Barbara Blomeier. "Das sind keine Zustände."

    Eine, die weiß, wie sich die Zahlen im Alltag niederschlagen, ist Hebamme Andrea Rautenberg aus Borgentreich. Seit 38 Jahren arbeitet sie in dem Beruf, lange angestellt in Düsseldorf und Bielefeld, heute frei im Kreis Höxter. Sie weiß: "Die Minderversorgung hier auf dem Land ist so groß, dass es für die Frauen wieder ein Risiko darstellt, schwanger zu werden."

    Bis zu 50 Kilometer müssten die Frauen zurücklegen, um medizinische Hilfe zu bekommen. "Jetzt hatten wir wochenlang Minusgrade mit Glätte, Eis und Schnee. Die einzigen Geburtskliniken sind in Kassel, Höxter oder Paderborn. Da müssen Sie aus Warburg aber erst hinkommen."

    Nicht nur die Patientinnen sind benachteiligt. Auch Hebammen müssen sich auf dem Land weit mehr abstrampeln, um auf ihre Kosten zu kommen. Für einen Geburtsvorbereitungskurs können sie 5,60 Euro brutto pro Stunde abrechnen. Für einen halbstündigen Hausbesuch bekommen sie 26 Euro, Anfahrtswege werden mit 35 Cent pro Kilometer vergütet.

    Für Rautenberg bedeutet das: "Wenn ich Kurse gebe, macht?s nur die Masse. Das ist auf dem Land schwierig. Selbst bei einem ausgebuchten Rückbildungskurs stehe ich nach zehn Wochen Kursdauer mit 350 Euro da. Dafür stellt sich kein Handwerker hin."

    Ein weiteres Problem: Von der Krankenkasse bekommt Rautenberg einen Radius von 20 Kilometern zugewiesen, innerhalb dessen sie Kilometergeld abrechnen kann. "Damit komme ich im Kreis Höxter nicht aus. Da ist viel Feld und Wald - aber keine Patientin."

    Auf den Entbindungsstationen läuft es auch nicht besser, weiß Rautenberg. Jahrelang hat sie Schichtdienste geschoben, zwei bis drei Geburten gleichzeitig betreut. "Damit ist es in einem Schichtdienst aber nicht getan. Da musst du noch auf Telefon und Türklingel achten, dokumentieren und Patientinnen aus der Ambulanz betreuen."


    S!|art


    Mutterseelenallein

    Hebammenmangel

    Kommentar von Anneke Quasdorf | NW

    Auf der Homepage des Hebammenverbandes heißt es: "Immer mehr Fälle von geburtshilflicher Unterversorgung in Deutschland." Ich bin so ein Fall. Zwölf Stunden lag ich allein im Kreißsaal. Das heißt, ganz allein war ich nicht. Da waren noch der Bauch und die Schmerzen und die Angst. Und ab und an eine Hebamme - wenn ich in meiner Verzweiflung nach ihr klingelte.

    Am Ende ging es meiner Tochter und mir gut. Wir hatten alles bekommen, was es dazu brauchte - Hygiene, Schmerzmittel, PDA und einen Notkaiserschnitt. Trotzdem waren wir unterversorgt. Denn wir hatten nichts von dem, was es braucht, um das zu schaffen, was Hebammen ein Geburtserlebnis nennen: Beistand, Zeit, Ratschläge, Anleitung und Fürsorge.

    Eine Beleghebamme, die mich in Schwangerschaft und zur Geburt begleitete, konnte ich Monate zuvor in Bielefeld nicht mehr finden. Und meinen Mann, der mehr als willig zum Spenden von Fürsorge angetreten war, hatte das Klinikpersonal nach Hause befohlen. Für ihn war kein Platz in dem Vierbettzimmer mit drei leeren Notfall-Betten. Man würde ihn anrufen, wenn es wirklich losginge.

    Mein Fall ist einer, wie es ihn vermutlich tausendfach im Jahr in Deutschland gibt. Er ist die logische Konsequenz daraus, was passiert, wenn etwas so Ursprüngliches und Emotionales wie Schwangerschaft und Geburt in die kalkulierenden Mühlen von Wirtschaft und Rentabilität gerät.

    Die Lösung für das Dilemma ist einfach: mehr Geld für Hebammenleistungen. Nur so lässt sich der Hebammenberuf retten. Klingt einfach. Der Haken: Es müsste schnell gehen. Wie aussichtsreich das ist, zeigt die Stellungnahme des Gesundheitsministeriums NRW auf eine Anfrage zum Thema. Dort beschäftigt man sich in den kommenden drei Jahren an einem extra eingerichteten runden Tisch damit, wie man die Versorgung durch Hebammen in NRW überhaupt ermitteln könnte. Da hat man keine Fragen mehr. Und auch keine Zuversicht.

    Die Hebamme ist einer der ältesten Frauenberufe. Immer schon haben seine Vertreterinnen schwere Schlachten schlagen müssen. Im Mittelalter gegen die Kirche, in der Neuzeit gegen die akademische Medizin. Der Gegner des 21. Jahrhunderts heißt Versicherungsbranche. Und es sieht ganz so aus, als ob die Geburtshelferinnen dieses Mal verlieren.

    anneke.quasdorf@ihr-kommentar.de
    © 2017 Neue Westfälische
    03 - Bielefeld Süd, Freitag 03. Februar 2017

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  • 02/06/17--20:56: CRAZY
  • Music - CLICK HERE


    Gnarls Barkley | CRAZY

    Deutscher Text:

    Ich erinnere mich,
    erinnere mich, wie ich meinen Verstand verlor.
    Da war etwas so angenehmes an diesem Ort
    Selbst deine Gefühle hatten ein Echo
    Und soviel Raum…

    Und wenn du da draußen bist,
    sorglos,
    ja, ich war neben der Spur
    Aber das war nicht, weil ich zuwenig wusste.
    Ich wusste einfach zuviel.

    Macht mich das verrückt?
    Möglich.

    Und ich hoffe, dass du dich großartig amüsierst.
    Aber überdenke es zweimal.
    Das ist mein einziger Rat.

    Komm schon
    Wer wer wer glaubst du, dass du bist?
    Hahaha, Du Narr!
    Du glaubst wirklich, du hast die Kontrolle?
    Also,

    Ich glaube, du bist verrückt.
    So wie ich.

    Meine Helden hatten den Mut, ihre Leben auf Messers Schneide zu setzen
    Und alles, woran ich mich erinnere, ist, dass ich dachte: „Ich möchte sein wie sie“

    Seit ich klein war,
    seit ich klein war, sah es lustig aus.
    Und es ist kein Zufall, dass ich gekommen bin
    Und ich kann sterben, wenn ich es erledigt habe.

    Aber vielleicht bin ich verrückt.
    Vielleicht bist du verrückt.
    Vielleicht sind wir verrückt.
    Wahrscheinlich.

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    tja - da bekam ich vor kurzem eine großartige einladung: in einer schule für schülerinnen und schüler "mit förderbedarf" soll ich ende des monats über das "euthanasie"-opferschicksal meiner tante erna kronshage sprechen ...

    und die lehrerin schrieb noch: "das thema 'euthanasie' stellt für diese schülergruppe natürlich eine besondere herausforderung dar, da sie in der ns-zeit ebenfalls davon betroffen gewesen wären."

    wow - dachte ich: eine echte herausforderung - und: "wie sag ich's meinem kinde" ...

    aber bei allen derzeitig diskutierten "inklusionen" und "exklusionen" empfinde ich es richtig - die "ns"-euthanasie über alle vermeintlichen barrieren hinweg zu kommunizieren.

    meine bisherige "routine"-powerpoint-präsentation konnte ich in diesem fall natürlich knicken ...

    mir fiel dann die "einfache sprache" ein, in der eine liebe "schicksals"-kollegin, nämlich sigrid falkenstein, bereits das "euthanasie"-schicksal ihrer tante anna lehnkering erfolgreich "übersetzt" und herausgegeben (Link) hat ...

    nun habe ich leider keine ausbildung in den regeln und normen der "einfachen sprache" absolviert - aber ich habe versucht, mich leidlich an dieserbroschüre von der lebenshilfe (link) entlang zu hangeln.

    ich überlegte weiterhin nach ausdrucksstarkem illustrierenden - aber nicht schockierenden - aber auch nichts beschönigenden - fremd-bildmaterial dazu - was ja auch nicht so einfach zu finden ist in google-bild.

    eine große quelle in dieser hinsicht waren die filmstills von "nebel im august", die ich nach einer integrationsbearbeitung gut verwenden konnte - oder auch bildmaterial der "electro-shock-therapy"-behandlung, die ich dann allerdings in die gefühlte "cardiazol"-ära zu "übertragen" hatte ...

    eine frage war auch die tatsächliche farbigkeit des bildmaterials: irgendwo las ich etwas von "kontrastreich" und mit klaren formen und begrenzungen - aber ich wusste nicht: farbig??? oder lieber schwarz-weiß ??? - und eine ernsthafte und relevant angemessene comic- bzw. graphic-novel-umsetzung steht ja noch aus ...

    und - ein so komplexes thema ganz einfach sprachlich und bildlich darzustellen - ist so einfach wenigstens nicht ...!!! - S!


    Unbedingt hier clicken ... - und wer Verbesserungsvorschläge und Korrekturen  zur "einfachen Sprache" hat: bitte rückmelden - danke ...





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    Bearbeitung einer OriginalGraphic: PIXELLEO/FOTOLIA - PublikForum
    Trump, Schulz und der Negerkuss

    Worte bergen eine enorme politische Sprengkraft in sich, sagt die Linguistin Elisabeth Wehling. Sie erklärt, wie Sprache unser Denken und Handeln prägt und warum sie im Konflikt mit Rechtspopulisten besonders wichtig ist

    Publik-Forum: Frau Wehling, Sie haben Donald Trump das Sprachvermögen eines Grundschülers attestiert. Ist der Mann wirklich so dumm?

    Elisabeth Wehling: Nein, das ist Kalkül. Er kann auch anders sprechen, aber er nutzt die Sprache eines Viertklässlers. Mit einfachen Worten erreicht man die Menschen direkt – übrigens nicht nur die weniger Gebildeten, sondern alle Menschen. Das weiß Donald Trump. Er orientiert sich an Frames.

    Was sind denn Frames?

    Wehling: Frames sind Deutungsrahmen, die unser Gehirn aktiviert, wenn Sie ein bestimmtes Wort hören oder lesen. Ein Frame speist sich aus Ihrer Welterfahrung. Wenn Sie zum Beispiel »Feuerzeug« lesen, rekrutiert Ihr Gehirn alles, was Sie dazu abgespeichert haben: Gerüche, Geräusche, Gefühle, auch die prototypische Bewegung, die Sie ausführen, wenn Sie ein Feuerzeug benutzen.

    Wo liegt das Problem?

    Wehling: Ein Problem ist das zunächst nicht. Man sollte nur wissen: All das wird automatisch abgerufen, ohne dass es uns bewusst ist. Und die Denkrahmen, die Ihr Gehirn abruft, wenn Sie ein Wort hören, prägen Ihre Wahrnehmung ganz entscheidend. Nehmen wir das Thema Umwelt: Das progressiv-politische Spektrum betont, wie wichtig es sei, die Erde zu schützen – aber die Sprache versagt ihnen oft. Zum Beispiel »erneuerbare Energien«: Das impliziert, dass zuvor Schaden genommen wurde. Denn was erneuert werden muss, ist vorher abgenutzt worden. Das ist aber komplett irreführend. Wenn Sie erneuerbare Energie befürworten, sollten Sie also eher von sauberen Energien sprechen.

    Warum sollten wir Begriffe wie Flüchtling oder Klimawandel aus unserem Vokabular streichen?

    Wehling: Die Endung -ling ist oft negativ besetzt, sie macht diese Menschen klein und wertet sie ab. Außerdem, das ist wichtiger, ist das Wort im Deutschen männlich. Wir assoziieren also stereotype männliche Merkmale und blenden Frauen und Kinder schnell aus. Besser ist es, von Geflüchteten zu sprechen, oder von der flüchtenden Frau, dem flüchtenden Mann. Und der Klimawandel … ein Wandel ist nichts Negatives, es wandelt sich ja alles. Die moralische Dringlichkeit wird so nicht begreifbar gemacht. Ähnlich verhält es sich mit »Erderwärmung«. Wärme wird von den meisten als positiv empfunden. Und »Erwärmung« ist in der Alltagssprache ein emotionales Konzept: Ich erwärme mich für einen Menschen, eine Idee. Wer der Meinung ist, dass die Umwelt und damit auch wir Menschen wirklich in Gefahr sind, der sollte lieber von Erdüberhitzung reden.

    Übertreiben Sie da nicht ein bisschen? Ist es nicht müßig, sich neue Worte auszudenken?

    Wehling: Die Begriffe, die wir verwenden, führen uns oft gedanklich auf die falsche Fährte. Dann assoziiert unser Gehirn damit Dinge, die gar nicht gemeint sind. Zum Beispiel lesen Sie »Flüchtling hat Terroranschlag begangen«. Wirklich? Oder hat sich nicht vielmehr ein Terrorist als Geflüchteter getarnt? Das ist ein großer Unterschied, der Auswirkungen auf unser Denken hat. Das Wort »Tarnung« ist der passendere Frame. Die Macht der Sprache wird massiv unterschätzt. Andere Worte zu wählen bedeutet eine andere Wahrnehmung, andere Denkmuster, ein anderes Verhalten.

    Was ist falsch daran, wenn eine linke Flüchtlingsaktivistin sagt, dass sie Obergrenzen für Geflüchtete ablehnt?

    Wehling: Faktisch ist das nicht wirklich falsch, aber sie nutzt damit ein Sprachbild, das ihre eigene Sicht auf die Dinge nicht wiedergibt. Denn unser Gehirn kann Verneinungen schlecht verarbeiten. Wenn ich also mit Blick auf Zuwanderung sage: »Das Boot ist nicht voll«, bleibt trotzdem das Bild eines vollen Bootes hängen. Zurück zu den Obergrenzen: Damit verbindet das Gehirn den Frame Raum, Platz. Es ist nicht genügend Raum da, was stellvertretend für Ressourcen steht, also nicht genügend Platz in der Bildung, in der Arbeit, bei der Krankenversorgung. Das ist ein Blickwinkel, der nationales Eigeninteresse in den Fokus stellt. Diese Sichtweise ist natürlich legitim, die Frage ist nur, ob eine linke Aktivistin dieses Weltbild teilt. Wohl kaum.

    Was sollte sie denn stattdessen sagen?

    Wehling: Sie könnte von einer Untergrenze sprechen. Das stellt die Menschlichkeit in den Vordergrund. Wie viele Menschen müsste Deutschland denn mindestens aufnehmen, um seiner moralischen Verpflichtung gerecht zu werden? Und statt ständig von Flüchtlingskrise zu reden, könnte man auch von einer Aufnahmekrise sprechen, oder von einer Solidaritätskrise, die wir ja innerhalb Europas haben. Und schon ändert sich der Blickwinkel.

    Einige dürften von dieser »Political Correctness« genervt sein. Wieso soll ich nicht mehr sagen dürfen, was ich will?

    Wehling: Zunächst einmal: Der Begriff »Political Correctness« wurde von einem konservativen »Thinktank« erfunden, um die Idee ins Lächerliche zu ziehen, dass man menschlich und moralisch handelt und mit anderen Menschen respektvoll umgeht. Man muss sich als progressiv gestimmter Mensch nicht davon irritieren lassen, dass einem die Gegenseite Political Correctness vorwirft. Ich denke aber, dass es keinen Aufschrei gäbe, wenn wir beginnen würden, von einer Aufnahmekrise statt einer Flüchtlingskrise zu sprechen. Und wenn doch, muss man das aushalten.

    Eine »Man wird ja wohl noch sagen dürfen-Haltung« ist aber weit verbreitet

    Wehling: Ja, das ist ein Totschlagargument. Wenn Menschen das Gefühl haben, man verbietet ihnen das Wort, fühlen sie sich in ihrer Identität angegriffen. Es darf nicht von oben bestimmt werden, was gesagt werden darf und was nicht. Ich möchte dazu anregen, dass jeder Einzelne im Freundeskreis oder mit Kollegen darüber diskutiert, was bestimmte Worte transportieren und was man stattdessen sagen könnte. Ihre Bekannte findet es lächerlich, dass sie nicht mehr »Negerkuss« sagen soll? Fragen Sie doch mal nach, was ihr Weltbild ist: »Denkst du, dass Menschen nicht gleichwertig sind – oder ist dir gar nicht bewusst, dass du genau das mit dem Wort ›Neger‹ transportierst?« Wer für ein menschliches Weltbild wirbt, sollte das mit aller Klarheit und Deutlichkeit tun. Unsere Sprache ist zu wichtig, als dass wir sie einfach vernachlässigen könnten.

    Kann man denn »von unten« die Sprache revolutionieren?

    Wehling: Natürlich! Das beginnt mit dem Gespräch in der Kneipe, beim Frisör, während der Taxifahrt oder beim Elternabend. Diese Diskussionen prägen das kollektive Denken mehr als jede Politikerrede.

    Apropos Politiker: Besteht nicht die Gefahr, dass Populisten noch mehr Zulauf bekommen, wenn Politiker neue Begriffe einführen und gestelzt und abgehoben sprechen?

    Wehling: Es geht eben gerade nicht darum, gestelzt zu sprechen! Im Gegenteil: Es ist wichtig, dass Politiker ihr Weltbild und die Werte, die dahinterstecken, klar vermitteln. Was steckt denn hinter dem Begriff »Gerechtigkeit«? Dass alle das bekommen, was sie verdienen? Oder dass alle das erhalten, was sie brauchen? Oft wird die eigene Ideologie durch Sprache verschlüsselt oder abgeschwächt, indem Sprachbilder der politischen Gegner übernommen werden – zum Beispiel das Boot, das nicht voll ist.

    Die SPD hat mit Martin Schulz einen Spitzenkandidaten ernannt, der eine kernige Sprache spricht. Kommt das an?

    Wehling: Ich denke, dass die SPD mit Martin Schulz gute Chancen hat. Er spricht so, wie ihm der Mund gewachsen ist, und wirkt dadurch authentisch.

    In einem Interview sagten Sie, die Menschen verließen sich bei Wahlentscheidungen primär auf ihr Bauchgefühl. Sind Emotionen im Wahlkampf also wichtiger als Fakten?

    Wehling: Das kann leicht so missverstanden werden. Ich meine mit Bauchgefühl nicht in erster Linie Emotionen, sondern eher eine Art moralischen Kompass – das Weltbild, das den eigenen Entscheidungen zugrunde liegt. Die Ansicht, Menschen handelten rational und vernunftgesteuert, wenn man nur alle Fakten auf den Tisch lege, hält sich hartnäckig. Doch damit hinken wir den Erkenntnissen der Hirnforschung hinterher. Die zeigen, dass in politischen Debatten nicht Fakten bedeutend sind, sondern die Frames, also die gedanklichen Deutungsrahmen. Es ist deshalb höchste Zeit, unsere Naivität gegenüber der Bedeutung von Sprache in der Politik abzulegen.

    Nutzen Populisten die Sprache besser als die etablierten Parteien?

    Wehling: Ja. Das stimmt leider. Wobei ich das Wort »Populisten« verharmlosend finde. Das sind oft Neofaschisten; zumindest übernehmen sie ganz gezielt eine faschistische Rhetorik, wie ja die Debatte um Björn Höcke gezeigt hat. Nun ist nicht jedes AfD-Mitglied ein Sprachgenie, aber die Parteispitze ist gut darin, Framing-Strukturen zu schaffen, die ihr Weltbild klar vermitteln. Sie kommen bei den Menschen an, weil sie nah am Alltag sind. SPD, CDU & Co. müssen da mithalten können: Wer Wählerinnen und Wähler erreichen will, muss die Frames kennen, um das eigene Weltbild richtig zu kommunizieren.
    Interview: Elisa Rheinheimer-Chabbi





    Elisabeth Wehling, geboren 1981, ist Linguistin und Kognitionsforscherin. Sie forscht an der University of California in Berkeley. 2016 erschien ihr Bestseller »Politisches Framing. Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht«. Halem. 226 Seiten. 21 €

    aus: PublikForum 03/2017 - S. 20/21

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