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    Es soll diesmal
    niemand behaupten, 
    das alles nicht 
    gewusst zu haben ... - 
    bzw. dies sei 
    alles eine 
    "Verschwörungstheorie":

    Kanzlerin Merkel: 
    „Wir leben ja in einer Demokratie und sind auch froh darüber und das ist eine parlamentarische Demokratie und deshalb ist das Budgetrecht ein Kernrecht des Parlaments und insofern werden wir Wege finden, wie die parlamentarische Mitbestimmung so gestaltet wird, dass sie trotzdem auch - marktkonform ist, also auf den Märkten die entsprechenden - Signale sich -  ergeben...”
     Presseunterrichtung vom 1.9.2011 bei einem Besuch des portugiesischen Premiers Coelho ...


    Zugegeben - ich habe diesen brisanten Satz aus dem Munde der Kanzlerin vom 01.09.2011 damals überhört - und ich habe auch überlesen, dass dieser Begriff  "Marktkonforme Demokratie" auf Platz 3 der "Unwort"-Rangliste des Jahres gesetzt wurde.
    Jetzt - in der Lektüre des umstrittenen Schirrmacher-Buches "EGO ..." ist mir der Zündstoff dieses Begriffes jedoch noch mal in aller Schärfe deutlich geworden ...

    Schirrmacher: EGO - Das Spiel des Lebens, Blessing 2013, S. 172:
    "Das also ist die Maschine, die die europäische Politik und ihre Bürger immer weiter gegen die Gitterstäbe ihres Käfigs presst? Das ist die Rationalität, der ganze Staaten in immer größerem Umfang ihre eigenen rationalen Entscheidungen anpassen müssen? Man hätte erwartet, dass etwas Skepsis einkehrt, und sei es nur in Form einer Inspektion, die feststellt, ob die fabelhafte Maschine »Markt«, die alle in Atem hält, wirklich so funktioniert, wie es in der veralteten Betriebsanleitung steht.
    Wie konnte inmitten einer Marktkrise Angela Merkels Satz von »einer marktkonformen Demokratie« fallen und als Vision erscheinen, und wieso gab es zwar Reparaturanstrengungen in Staaten, aber nicht in Märkten? Die Antwort lautet: Weil fast alle politischen und gesellschaftlichen Eliten die Theorie, dass der Markt es besser weiß als man selbst, mit einem Naturgesetz verwechseln. Nur wegen dieser Umetikettierung war es möglich, dass die »Kemschmelze« der Finanzmärkte nicht etwa Zweifel am Allwissenden auslöste, sondern die politische Vision einer dem Markt gehorchenden Demokratie in die Welt setzte, die wie Phönix aus der toxischen Asche steigen sollte."


    Aus: SPIEGEL-GESPRÄCH mit Frank Schirrmacher zu seinem Buch "EGO": "Alles ist ökonomisiert" (DER SPIEGEL 7/2013, S. 118-120):
    SPIEGEL: Wenn man sich die Forderungen aus Italien oder Frankreich in der Euro-
    Krise ansieht, muss man sich möglicherweise wünschen, dass die Bundeskanzlerin etwas von Spieltheorie versteht.

    Schirrmacher: Die Physikerin Angela Merkel halte ich für die oberste Spieltheoretikerin im Lande, in dieser Disziplin braucht sie keine Beratung mehr. Angela Merkel regiert in dieser kommunikationsgedopten Moderne durch Schweigen, durch Mimik und angeblich durch Kleidungscodes.
    Das ist dann wirklich die „Kultur des verdeckten Spiels“ als Handlungsmaxime. Es geht in diesem Fall doch nicht um Deutschland versus Italien. Es geht um Europa versus automatisierte Märkte. Es geht, so ungern das auch gehört wird, um das Wesen von Überwachung und Kontrolle in der modernen Gesellschaft. Tun wir nichts, werden wir uns in unserem Leben immer häufiger in der Duellsituation des Kalten Krieges wiederfinden, in der es nur darum geht, wer als Erster die Nerven verliert und wer das bessere Pokerface hat.




    Aus NachDenkSeiten - Die kritische Webseite: Frank Schirrmachers neues Buch „Ego“ – Überhaupt nicht marktkonform - Verantwortlich: Jens Berger - 
    In seinem neuen Buch „Ego – Das Spiel Lebens“ wirft FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher einen tiefen Blick in das Betriebssystem des Kapitalismus. Die Software dieses Betriebssystems ist es, die Schirrmacher in den Mittelpunkt seiner Betrachtung stellt. Diese Software ist auf dem Modell des egoistischen Menschen aufgebaut und steuert heute nicht nur die vernetzten Märkte des Finanzsystems, sondern ist zudem bereits auf dem besten Weg, die Demokratie abzulösen. Es ist zu wünschen, dass Schirrmachers Buch weitere Diskussion über das Wesen des modernen Kapitalismus auslöst – denn nur, wenn wir das Betriebssystem verstehen, können wir es ändern. Von Jens Berger.


    Dieses Buch basiert auf einer einzigen These, [...] (dem) „ökonomischen Imperialismus“ [...]. Damit ist gemeint, dass die Gedankenmodelle der Ökonomie praktisch alle anderen Sozialwissenschaften erobert haben und sie beherrschen.
    Frank Schirrmacher
    Was meint Angela Merkel eigentlich, wenn sie von „marktkonformer Politik“ spricht? Um erahnen zu können, was „marktkonform“ ist, muss man sich zunächst einmal vergegenwärtigen, was Märkte sind und wie sie ticken. Die Vorstellung von lautstark gestikulierenden Börsenhändlern, die sich gegenseitig ihre Order zurufen, gehört schon lange der Vergangenheit an. Heute handeln Supercomputer im Nanosekundentakt miteinander, sie kaufen, verkaufen, täuschen, manipulieren und testen dabei ihre Gegenspieler. Oder um es kurz zu sagen – sie spielen. „Ego – Das Spiel des Lebens“ wirft einen Blick auf dieses Spiel, seine Spieler und die Spielregeln.

    Grundlage der Spielregeln sind dabei Rechenmodelle, genauer gesagt Computercode, basierend auf Algorithmen. Der Mensch ist in diesen Modellen ein „homo oeconomicus“, ein „rationaler Agent“, dessen einziger Antrieb es ist, im Sinne des Egoismus seinen eigenen Nutzen zu maximieren. Rational ist im Sinne dieses Menschenbilds stets nur ein Handeln, dessen einzige Triebfeder der Egoismus ist. Der „rationale Agent“ stellt nicht nur die Grundlage neoklassischer und neoliberaler ökonomischer Modelle dar, er ist auch die Kernkomponente der „Spieltheorie“, einem mathematischen Modell, bei dem mehrere Spieler auf Basis „rationaler“, also egoistischer, Motive gegeneinander antreten.

    Schirrmachers Reise in die Welt der Algorithmen beginnt in den 1950ern, als die USA in Denkfabriken des militärisch-industriellen Komplexes, wie der Rand-Corporation, die Spieltheorie als Handlungsmodell für den Kalten Krieg weiterentwickelten, um im Pokerspiel der beiden atomaren Supermächte zu gewinnen. Dieses Spiel haben, wie wir alle wissen, die USA gewonnen. Nach dem Ende des Kalten Krieges verfügten die Denkfabriken des militärisch-industriellen Komplexes nun über ausgefeilte spieltheoretische Algorithmen und hoch spezialisierte Physiker und Mathematiker, denen das Spielfeld abhanden gekommen war.
    Nach einem 50 Jahre währenden Kalten Krieg [...] befinden wir uns nach dem Ende des Kommunismus in einem neuen Kalten Krieg zwischen demokratischen Nationalstaaten und globalisierten Finanzmarktkörpern.
    Frank Schirrmacher
    Viele dieser Forscher fanden in den 1990ern bei den boomenden Investmentbanken einen neuen Arbeitsplatz. Die Finanzmärkte waren das neue spieltheoretische Schlachtfeld, auf dem es sehr viel Geld zu verdienen gab. So entwickelten die Mathematiker und Physiker[*] auf Basis der Spieltheorie des Kalten Krieges die Algorithmen, die heute den Handel an den Finanzmärkten bestimmen. Wenn wir also heute von „den Märkten“ sprechen, dann sprechen wir streng genommen vom Ergebnis eines Spiels, dessen Spieler auf Basis vorgegebener Algorithmen handeln, die wiederum den Egoismus der handelnden Subjekte als „Ratio“ verklären und ihn zu alleinigen Triebfeder menschlichen Handelns machen.
    Doch das Problem ist, dass die Theorie nicht nur Handeln beschreibt, sondern Handeln erzwingt, sie ist nicht nur deskriptiv, sondern auch normativ. Sie postuliert nicht nur Egoisten, sie produziert sie auch.
    Frank Schirrmacher
    Im komplexen Spiel der Finanzmärkte gewinnt nur derjenige, der selbst streng „rational“ – also egoistisch – handelt. Hier setzt Schirrmachers Kritik im Kern an. Ihm geht es in seinem Buch vor allem um die Frage, „ob die Doktrin des »rationalen Selbstinteresses«, als des vernünftigen Egoismus, nicht gerade im Begriff ist, puren Irrsinn zu produzieren?“ Wer sich die Ereignisse auf den Finanzmärkten anschaut, kommt wohl nicht darum herum, diese Frage zu bejahen. Und dies geht weit über Subprime-Kredite, Lehman, HRE und Griechenland-Anleihen hinaus. Die Krise ist vielmehr der Normalzustand an den Märkten. In den USA wird eine Aktie heute im Schnitt zweiundzwanzig Sekunden gehalten – vor vier Jahren waren es noch zwei Monate. Zwischen 2006 und 2011 gab es fast laut Schirrmachers Quellen fast 19.000 ultraschnelle und völlig unerwartete Ereignisse am Aktienmarkt. Instabilität ist keine Ausnahme, kein schwarzer Schwan, sondern die Regel.
    Die Krise ist nur ein Symptom. Sie zeigt die Instabilität nicht nur von Märkten, sondern von Gesellschaften, in denen Gesellschaften wie Märkte und Menschen als „homo oeconomicus“ organisiert werden. In meinen Augen: der erste Fall eines Systemversagens der Informationsökonomie.
    Frank Schirrmacher
    Handelt es sich wirklich, wie Schirrmacher schreibt, um ein Systemversagen? Oder ist dieses vermeintliche Versagen nicht doch vielmehr die nächste Stufe im großen Spiel um Geld und Macht? Ging es gestern noch um Subprimekredite und Kreditderivate, geht es heute ganze Volkswirtschaften. Das System hat nicht versagt, es hat heute mehr Macht als je zuvor und da jeder Spieler für systemrelevant erklärt wurde, steht der Verlierer bereits fest – die Gesellschaft.

    Auch wenn Schirrmachers These vom Systemversagen der Informationsökonomie einer gründlichen Prüfung nicht standhält, hat er sehr wohl erkannt, wohin die Reise seit der Finanzkrise geht. Nicht nur das Spielfeld, sondern auch die Spieler und der Einsatz haben sich seit dem Beginn der Krise verändert. Spielten früher Finanzinstitute gegeneinander und der Staat schaute diesem Treiben zu, sind die Nationalstaaten heute mehr oder weniger unfreiwillig selbst in die Rolle eines Mitspielers getrieben worden. Das Schicksal ganzer Volkswirtschaften bestimmen heute nicht mehr die gewählten Regierungen. Unser Schicksal ist vielmehr der Einsatz im großen Spiel, dessen Regeln sich seit Beginn des Kalten Kriegs nicht verändert haben.
    Bürger und Staat haben keine Souveränität mehr, sondern »spielen« sie nur. Darum werden Parlamente zu Staffagen und Öffentlichkeiten zu Echoräumen, die man anspricht, um in Wahrheit Märkte zu beeinflussen.
    Frank Schirrmacher
    Eine Politik, die „marktkonform“ ist, ist somit nichts großartig anderes als eine Politik, die dieses Spiel angenommen hat und sich den Spielregeln beugt. In einer Welt, in der das neoklassische Bild des „homo oeconomicus“ grundlegendes Element der Spielregeln ist und der Egoismus zum rationalen Handeln erklärt wird, bleibt jedoch kein Platz mehr für den Menschen als Mensch. Die „neue Supertheorie“, die laut Schirrmacher eine Melange aus neoklassischer und neoliberaler Ökonomie, Darwinismus und Computertechnologie ist, droht vielmehr in letzter Konsequenz zu einem neuen Totalitarismus zu werden.

    Frank Schirrmacher gebührt Respekt und Anerkennung dafür, dass er die Auswüchse des modernen Kapitalismus im Kern benennt. Man kann sich vortrefflich darüber streiten, ob „Ego“ wirklich „ohne Zweifel links“ ist, wie Jakob Augstein es formuliert. Die Kritik an den Auswüchsen des modernen Kapitalismus, dem Dogma effizienter Märkte und der Prämisse, Egoismus sei die maßgebliche Triebfeder menschlichen Handelns, ist sowohl links als auch konservativ. Wenn Politiker und Leitartikler, die sich selbst als Konservative sehen, dies nicht wahrhaben wollen, liegt es vielleicht daran, dass sie eigentlich keine Konservativen, sondern vielmehr Marktliberale sind, die ihre Werte schon längst über Bord geworfen haben. Daher ist es auch ein großer Gewinn für die Debattenkultur, dass diese äußerst wichtige Debatte nicht von einem „Linken“, sondern vom konservativen Vordenker Frank Schirrmacher angestoßen wurde. Denn auf die Frage, ob Algorithmen oder gewählte Politiker über uns unsere Zukunft entscheiden sollen, müssten Linke und Konservative eigentlich die gleiche Antwort haben.

    [«*] im Englischen werden die Programmierer der Handelsalgorithmen der Wall Street heute nicht umsonst „Rocket Scientists“ genannt

    Link um den Text zu hören:
     http://www.nachdenkseiten.de/?p=16222#podPressPlayerSpace_2





    Aus: Cicero Online: MERKEL UND GAUCK - Die Demokratie-Lehrlinge
    VON FRANK A. MEYER - 16. APRIL 2012
    ... Was meint die Kanzlerin überhaupt mit Demokratie? Kürzlich war sie selber hilfreich bei der Klärung dieser Frage, als sie ihren Wunsch nach einer „marktkonformen Demokratie“ zum Ausdruck brachte.
    Eine knappere Formel für ein monumentales Missverständnis ist kaum vorstellbar: Die Demokratie soll sich nach den Märkten richten – die gerade dabei sind, die Demokratie nachhaltig zu beschädigen.
    Angela Merkels Formel war kein Versprecher. Schon am 18. Januar 2005 lobte sie in der Financial Times Friedrich August von Hayek (1899 bis 1992), den wohl größten Propheten mächtiger Märkte: Er habe „die geistigen Grundlagen der freiheitlichen Gesellschaft im Kampf gegen staatlichen Interventionismus und Diktatur herausgearbeitet“.
    Wie aber hält es von Hayek, der offensichtlich zu Merkels Freiheits- und Demokratielehrern zählt, mit der Demokratie? Sie ist für den neoliberalen Meisterdenker „ein durch das Erpressungs- und Korruptionssystem der Politik hervorgebrachtes System“ – nichts als ein „Wortfetisch“.

    Angela Merkels „marktkonforme Demokratie“ – Allmacht der Märkte?
    Für von Hayek ist deshalb auch das demokratische Prinzip „one man, one vote“ ein Ärgernis: „Es kann vernünftigerweise argumentiert werden, dass den Idealen der Demokratie besser gedient wäre, wenn alle Staatsangestellten oder alle Empfänger von öffentlichen Unterstützungen vom Wahlrecht ausgeschlossen wären.“
    Kein Wahlrecht für Beamte, Hartz-IV-Bedürftige und Rentner: Wer hat, der soll auch das Sagen haben – von Hayeks Demokratie-Utopie.
    Die Bundeskanzlerin pries in ihrer Eloge auf den Demokratieverächter auch dessen Aktualität: „In der Globalisierungsdebatte sind seine Ideen hochaktuell.“
    Leider: Der global entfesselte Finanzkapitalismus drängt die demokratisch legitimierte Staatsmacht seit der ersten Finanzkrise 2008 immer weiter in die Defensive. Die Kanzlerin hetzt von Gipfel zu Gipfel, um das Feuer zu löschen, das Brandstifter im Geiste von Hayeks entfacht haben. ...


    Ingo Schulze, Deutscher Schriftsteller, *1962, in seiner "Dresdner Rede" am 26.02.2012:
    "Eigentlich muss man Angela Merkel dafür dankbar sein, dass ihr der Begriff der „marktkonformen Demokratie“ entschlüpft ist. Denn damit hat sie unsere demokratische Verfasstheit auf den Punkt gebracht. Die Analogie zu Putins „gelenkter Demokratie“ erleichtert das Verstehen.
    Wären die großen Medien aufmerksamer gewesen, hätten sie die Bundeskanzlerin bitten können, diesen Begriff zu erklären. Aber nicht einmal das wurde ihr abverlangt. Marktkonforme Demokratie ist das allerschönste unserer neuen demokratischen Kleider, an dem öffentlich meines Wissens noch niemand Anstoß genommen hat.
    Es gilt als Selbstverständlichkeit, dass die Demokratie auf den Kopf gestellt wird. Müssten nicht die Akteure an den Börsen versuchen, das Vertrauen des Gemeinwesens zurückgewinnen? Und geht es nicht statt um marktkonforme Demokratie um demokratiekonforme Märkte? Demokratiekonforme Märkte wären Märkte, auf denen eben nicht alles erlaubt sein darf, was Geld bringt, vom dubiosen Finanzprodukt bis zur Spekulation mit Lebensmitteln?
    Das auszusprechen entlarvt mich – Sie wissen es bereits – als unverzeihlich dumm, von meiner Eignung zu einem Amte ganz zu Schweigen.
    Demokratiekonforme Märkte einzufordern ist aber auch eine Frage von Leben und Tod. Denn unser Alltag ist von einer mörderischen Doppelbödigkeit gekennzeichnet. Was bei uns zu Verarmung, Unfreiheit, Krankheit, Benachteiligung, Ausgrenzung führt, kostet anderswo Menschenleben.
    Nachdem im Oktober 2008 die Regierungschefs der Euro-Staaten zusammenkamen und 1,7 Billionen Euro bereitstellten, um die Kreditgeschäfte unter den Banken wieder zu beleben, kürzten dieselben Länder in der Folge ihre Zuwendungen an die Hilfsorganisationen als auch die Kredite für die ärmsten Länder massiv. Das mit der Nahrungs-Nothilfe betraute Welternährungsprogramm der UNO verfügte über einen Etat von sechs Milliarden Dollar. 2011 waren es nur noch knapp drei Milliarden Dollar. Das bedeutete unter anderem: Die Schulspeisung von einer Million unterernährter Kinder in Bangladesch musste gestrichen werden. Die 300000 somalischen Flüchtlinge erhalten heute nur noch eine Tagesration von 1500 Kalorien, statt des Existenzminimums von 2200 Kalorien." 

    http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/SchulzeDresden.pdf


    Merkel über Allmacht: "Ich will, dass es in Deutschland klare Mehrheitsverhältnisse gibt, um einmal zwischen Bundestag und Bundesrat durchzuregieren." (FAZ, 24.6.05)



    demuth | spd.de-blog:Merkels "Unwort des Jahres“: Die marktkonforme Demokratie der Kanzlerin:
    Das Begriffspaar „Döner-Morde“ hat die zweifelhafte Ehre des „Unworts des Jahres 2011“ wahrlich verdient. Unterzugehen droht allerdings, dass unsere Kanzlerin Angela Merkel nicht minder die zweifelhafte Ehre besitzt, dass sich eine ihrer Äußerungen auf Platz 3 der „Unwörter des Jahres“ wiederfindet: „marktkonforme Demokratie“. Merkel sagte im Wortlaut: „Wir leben ja in einer Demokratie und sind auch froh darüber. Das ist eine parlamentarische Demokratie. Deshalb ist das Budgetrecht ein Kernrecht des Parlaments. Insofern werden wir Wege finden, die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist, also dass sich auf den Märkten die entsprechenden Signale ergeben."

    Eine marktkonforme Demokratie also. Dies bedeutet nichts anderes, als dass nicht mehr allein Bürger als Wähler bestimmen sollen, sondern Spekulanten, Finanzmärkte, Hedgefonds und Banken. Und das in einer Zeit, in der sich sowieso die Bürger massenhaft von der Politik abwenden. Interessanterweise hat Merkel hingegen die Einführung von direkter Demokratie abgelehnt, Protestierende gegen Atomkraftwerke oder Stuttgart 21 als „Dagegen“-Bürger sogar diffamiert. Merkel tut auch nichts, um die Demokratie zu stärken. Sie macht nichts gegen den massiven Eindruck bei den Bürgern, die Politik sei nicht nur machtlos geworden und werde getrieben von den Finanzmärkten, sondern die gemachte Politik nutze auch nicht mehr der Mehrheit der Bürger, sondern nur einer kleinen Minderheit von Reichen. Selbst Frank Schirrmacher formulierte in der linken Umtrieben unverdächtigen FAZ: „Es zeigt sich – wie die Linke immer behauptet hat –, dass ein System, das angetreten ist, das Vorankommen von vielen zu ermöglichen, sich zu einem System pervertiert hat, das die wenigen bereichert". Merkel interessiert weder die eine noch die andere Frage. Sie  hat nach dem Lehman-Desaster 2007 das Gelegenheitsfenster verstreichen lassen, eine Besteuerung von Spekulanten durch eine Finanztransaktionssteuer einzuführen. Heute hat sich die Finanzlobby wieder berappelt und schießt dagegen, sei es in Großbritannien oder in Deutschland über die FDP. Merkel zeigt aber auch kein Handeln angesichts der Tatsache, dass das oberste Zehntel aller Haushalte mit den höchsten Einkommen hat heute fast elf Mal so viel Geld zur Verfügung wie die zehn Prozent mit den niedrigsten Einkommen. Nein, Merkel macht nichts dergleichen.

    Schaut man genauer hin, sieht man: Merkel hat gar kein wertgeladenes Verständnis von Demokratie, sie hat auch nie eine wertgeleitete Debatte über „Demokratie“ oder deren Zustand geführt – wie allerdings auch nicht zu anderen Themen. Ihr Umgang mit demokratischen Prozessen gleicht ihrer Politik: Für sie ist „Demokratie“ und demokratische Prozesse einfach ein Werkzeug unter vielen – genauso wie der Umgang mit Lobbygruppen, mit der CDU, mit dem Parlament – mit der sie ihre pragmatische Machtpolitik umsetzt.  Der demokratische Prozess ist derart für die „Physikerin der Macht“ nur einer der bestehenden Einfluss- und Prozessfaktoren im politischen Betrieb von vielen anderen.

    http://www.spd.de/profil/4173/blog/merkels-unwort-des-jahres-die-marktkonforme-demokratie-der-kanzlerin


    http://www.nachdenken-in-duesseldorf.de - autor: düssi: Merkel lüftet das Geheimnis um die “marktkonforme Demokratie” - 24. Januar 2013
    Seit Merkel ihre Idee von der “marktkonformen Demokratie” ins Spiel gebracht hat, wird gerätselt und gestritten, was denn darunter eigentlich genau zu verstehen ist. Manche, wie wohl auch die Juroren, die den Begriff 2011 auf Platz 3 der Wahl zum “Unwort des Jahres” gesetzt haben, sehen in dem Wortpaar einen unvereinbaren Widerspruch, denn in der Demokratie entscheiden die Wähler, nicht der “Markt”. Andere scheinen weniger Probleme damit zu haben und die “marktkonforme Demokratie” so schnell wie möglich errichten zu wollen. Aber was verstehen sie darunter? Wie passen “marktkonform” und “Demokratie” zusammen? Wer entscheidet denn nun in so einem System, und wie wird, wenn man davon ausgeht, dass es der Wähler ist, die Marktkonformität hergestellt?

    Merkel sagte damals: „Wir leben ja in einer Demokratie und sind auch froh darüber. Das ist eine parlamentarische Demokratie. Deshalb ist das Budgetrecht ein Kernrecht des Parlaments. Insofern werden wir Wege finden, die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist, also dass sich auf den Märkten die entsprechenden Signale ergeben.”

    Nun hat sie auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos den Vorhang ein bischen gelüftet und Details dazu verraten, wie das funktionieren soll. Natürlich wird das Fast-Unwort des Jahres 2011 nicht mehr verwendet, statt dessen heisst die Zukunftsvision der neoliberalen Eliten nun “EU-Pakt für mehr Wettbewerbsfähigkeit” (ich schlage an der Stelle für die Wahl zum Unwort des Jahres 2013 schon mal “Wettbewerbsfähigkeit” vor).

    Die Marschrichtung wird schnell klar, wenn, wie es im verlinkten Bericht auf tagesschau.de steht, Merkel meint,  “Es dürfe dabei nicht so weit kommen, dass etwa die Lohnstückkosten in der EU sich auf einem Mittelmaß einpendelten. Auch die Mobilität der Arbeitskräfte müsse erhöht werden, Stichwort: gemeinsamer Arbeitsmarkt.” Das ist die neoliberale Logik: die Lohnstückkosten dürfen sich nicht auf ein Mittelmaß einpendeln, d.h. sie sollen in der EU auseinanderdriften, und wenn man dann einen gemeinsamen Arbeitsmarkt hat, entsteht ein Wettbewerb – um die niedrigsten Lohnstückkosten. Dieser Wettbewerb führt dann zu einer Lohnsenkungsspirale innerhalb der EU, und dadurch wird die EU auf dem globalen Markt wettbewerbsfähiger. So einfach ist das.

    Skurille Äusserungen wie “Im Augenblick ist unser deutsches Wachstum fast ausschließlich binnengetrieben. Wir haben alles getan, um den Binnenkonsum zu erhöhen.” will ich mal überspringen, denn dazu fällt mir nichts ein. Alles getan? Meint sie das ernst oder leidet auch sie unter einem fortschreitenden Realitätsverlust? Es scheint fast so, denn “Merkel verwies darauf, dass die EU mit dem dauerhaften Rettungsschirm ESM ein Instrument geschaffen habe, das die Solidarität stärke“… ja nee, is klar.

    Jetzt aber zum interessanten Teil des Artikels. Eben der Lösung des eingangs erwähnten Rätsels, wie denn eine “marktkonforme Demokratie” aussehen könnte. Merkel führt aus: “Was jetzt noch fehle, sei ein Pakt für Wettbewerbsfähigkeit. Hierfür müssten die Nationalstaaten Verträge mit der EU-Kommission schließen, in denen sie sich verpflichten, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. ‘Die nationalen Parlamente müssten solche Verträge legitimieren.’ Nur so könne es einen Überblick geben, welches Land an der Verbesserung seiner Wettbewerbsfähigkeit arbeite.”

    Die Staaten, gemeint sind wohl die Regierungen, sollen sich also durch Verträge gegenüber der – nicht demokratisch gewählten, sondern von den Regierungen nominierten -  EU-Kommission zu einer Politik der Verbesserung der “Wettbewerbsfähigkeit” (also zu nichts anderem als der Agenda 2020 für Europa, die alle neoliberalen Wunschträume wahr macht) verpflichten. Das – demokratisch gewählte – EU-Parlament hat dies abzunicken und so zu “legitimieren”. Damit ist das Rätsel gelöst: in der marktkonformen Demokratie wird die Marktkonformität dadurch hergestellt, dass der Wähler nichts mehr zu melden hat, und das Parlament dient der Herstellung des Scheins einer demokratischen Legitimation.

    Ich gebe zu, nicht wirklich überraschend. Das hätte man schon ahnen können, nicht zuletzt, weil dieser Zustand ja weitestgehend schon hergestellt ist. Aber jetzt soll der endgültige Übergang zur Schein- oder Postdemokratie zur offiziellen europäischen Politik werden: “Während diese Abkommen für die Euro-Staaten verpflichtend sein sollen, könnten sich auch Nicht-Euro-Länder anschließen. Der EU-Gipfel soll diese Reformen auf dem Juni-Gipfel beschließen.”

    Das “Europa der Bürger” wäre dann wohl endgültig Geschichte.

    Link zur Davos-Rede: http://www.bundeskanzlerin.de/Content/DE/Rede/2013/01/2013-01-24-merkel-davos.html;jsessionid=01C13A8F7E7642DAA715F39E16723827.s3t1


    ... und hier noch 3 Original-Beiträge, die  das parlamentarische Demokratieverständnis unserer Bundeskanzlerin ziemlich eindeutig veranschaulichen:




    aus der Rede der Vorsitzenden der CDU Deutschlands,
    Dr. Angela Merkel, MdB,
    anlässlich der Festveranstaltung „60 Jahre CDU“
    am 16. Juni 2005, Berlin
    Politik ohne Angst. Politik mit Mut – das ist heute erneut gefragt. Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit. Unsere Werte müssen sich auch im Zeitalter von Globalisierung und Wissensgesellschaft behaupten. Und wenn sie sich behaupten sollen, dann müssen wir bereit sein, die Weichen richtig zu stellen. Auch da sind wieder Widerstände zu überwinden. Es sind wieder Prioritäten zu setzen. Ist dem Wichtigen der Vorrang vor dem weniger Wichtigen zu geben. 
    http://www.cdu.de/doc/pdf/05_06_16_Rede_Merkel_60_Jahre_CDU.pdf



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    s!NEdiphoto|graphy: schleimpfropf einer nacktschnecke - vielleicht






    war es der glasklare geleeartige schleimpfropf einer nacktschnecke oder nur ein gemeiner regentropf etwa, der einstmals sicherlich erstmals zu der erkenntnis führteaus gläsernen steinen oder kristallen die ersten lupen zu reiben und zu schleifen:

    "heureka - heureka" schrie der uroptiker - und ihm schauderte vor der mikroskopischen welt, die er wahrnahm, als er einmal durch drei dieser aufgetürmten krümellinsen blickte:
    riesige blattlausäuglein zwinkerten ihm zu - und er sah den gelben blutsaft in den adern der blätter pulsieren ...
    und als mal ein urschmetterling des weges tanzte und sich unter seinem gelupe niederließ, war der uroptiker urplötzlich mitten in herrlichste farbspiele verfangen, die von den flatternden buntgescheckten flügelschuppen des falters her reflektierten ...

    es ist überliefert, dass er alsbald verrückt wurde - er wurde die farben dieses allzubunten schuppengeflechtreflexes nie mehr los - und in einer felshöhle verbrachte er den rest seines irdischen daseins: "heureka - heureka" ...




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    s!NEdi|photo|Graphy: gottes maschinenraum: irgendwo den falschen schalter umgelegt ...




    Was ist das - der "Gotteshammer" ... ???

    Nach einem Meteoriten-Hagel in Russland und dem Vorbeiflug eines weiteren Himmelskörpers (2012 DA14) in bedrohlicher Nähe zur Erde, überschrieb SPIEGEL-ONLINE einen Artikel mit der Überschrift: "Warten auf Gottes Hammer" ... http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/einschlag-in-russland-welche-gefahren-von-meteoriten-drohen-a-883696.html. Der SPIEGEL hat diese Überschrift eben nicht etwa in Anführungsstrichelchen gesetzt - nein, das stand so da, als wäre der Gotteshammer ein feststehender und für jeden gleich erklärbarer Begriff, der irgendwie auf eine hammerharte Bestrafung durch Gott Bezug nahm ...
    Es gab auch keinen Hinweis auf den SF-Roman von Arthur C. Clarke "Der Hammer Gottes" (The Hammer of God) (s. Abb.), der 1993 erschien. In ihm wird im Jahre 2109 ein Asteroid namens "Kali" (Hindu-Göttin der Vernichtung) bekämpft, der den Kurs der Erde kreuzt - aber auch in diesem Roman müssen sich die professionellen Retter  mit den Gläubigen vom "Chrislam" auseinandersetzen, die den Asteroiden als "Fingerzeig" Gottes betrachten ...


    Immer nach großen Katastrophen und Ereignissen stellt sich der Mensch - hauptsächlich erstaunlicherweise der Atheist - die Frage: "Wie konnte Gott das zulassen" ... ??? Das war nach der Sintflut schon so, nach Auschwitz, nach Tschernobyl, nach 9/11, nach Fukushima - und nun nach dem Meteoriten-Hagel in Russland.


    Bild: CORBIS/SPIEGEL-ONLINE



    Während man sich in der katastrophenarmen Zeit um Gott einen Kehricht kümmert, wird er sofort mit Vorwürfen überschüttet, wenn irgendwo eine die Menschheit bedrohende Unregelmäßigkeit geschieht, sei es aus der "Hybris", der "Gottlosigkeit" und Selbstüberschätzung der Menschheit selbst heraus, sei es aus irgendwelchen Naturkatastrophen, da der Globus bekanntlich zwischendurch auch mal "quietscht und eiert" ...

    Nach Katastrophen entsteht eine gewisse Hysterie, die auf die Größenordnung schaut, da muss sich Gott speziell rechtfertigen. Bei kleineren Sachen ist man bereit, darüber hinwegzusehen. Gott hingegen sieht über gar keine Sache hinweg.

    Man muss sich jedoch als Mensch auch der Grenzen Gottes bewusst werden - ja, auch der Atheist, der ja rasch dann und zynisch mit seinen Vorwürfen gegenüber Gott zur Stelle ist, der aber vorher die Existenz Gottes rundweg leugnet.

    Ja - auch der "allmächtige" Gott ist begrenzt. Seine Grenzen liegen in den Naturgesetzen, in der Entwicklung der menschlichen Natur und der menschlichen Freiheit und Fehler. Jesus, als Gottes Sohn, hat das bitterlich erleiden müssen, als er von Menschen - also seinesgleichen - in ur-menschlichen Intrigen  böswillig verraten, alleingelassen und gelüncht wurde.

    Wir können Gott nicht immer dann - für die negativen Erträge - verantwortlich machen  - also für Krankheiten, Unfälle und Naturkatastrophen - weil wir erkennen werden, wie wenig wir dabei gewinnen - und wie viel wir verlieren, wenn wir Gott immer dann wegen solcher Dinge zürnen. Es fällt den Menschen hoffentlich leichter, einen Gott zu verehren, dem Leiden verhasst sind, der sie aber nicht verhindern kann - und das ist besser als einen "strafenden Gott" und eben "allmächtigen" Gott zu bemühen, dem wir alle Schandtaten in die Schuhe schieben können. 

    Gott verursacht nicht unser Unglück. Manches Unglück ist einfaches Missgeschick, anderes wird von schlechten Menschen verursacht oder ist nur die unvermeidliche Folge unseres menschlichen, sterblichen Daseins in einer Welt unabänderlicher Naturgesetze. 

    Die schmerzlichen Dinge, die uns widerfahren, sind nicht etwa Strafen für schlechtes Betragen und schon gar nicht in irgendeiner Weise Teil eines Gottesplans. Weil das Unglück nicht von Gott kommt, brauchen wir uns nicht von Gott verlassen oder verletzt zu fühlen, wenn uns ein Schicksalsschlag trifft. Wir können uns an Ihn wenden, damit er uns hilft, dieses Schicksal zu ertragen, gerade weil wir wissen, dass Gott genauso von ihm betroffen wird wie wir: Gott fühlt wie wir den Schmerz, Gott trauert mit uns, Gott leidet, Gott wischt sich und uns die Tränen ... Wir können nie tiefer fallen - als in Gottes Hand ...

    Und wir können ihn im Gebet bitten, an unserer Seite zu stehen bei einem Schicksalsschlag. Eine solche Haltung Gott gegenüber hat etwas von "Vertrauen", "Zuversicht" - und von der "Gewissheit" ("Gewissen"), dass da ein Gott um mich ist, der es gut mit mir meint - und der mir "instinktiv" mit meinem inneren Kompass die Orientierung zeigt: Gott als "Navi" - der zwar weiß, wo es im Moment lang geht - der aber nicht jedes Schlagloch und jede Tagesbaustelle und jeden Erdrutsch und möglichen Zusammenstoß zuvor schon eingescannt hat ...

    Ja - in dem neulich schon einmal hier zitierten Psalm 23 heißt es: "Der HERR ist mein Hirt; darum leide ich keine Not. Er bringt mich auf saftige Weiden, lässt mich ruhen am frischen Wasser und gibt mir neue Kraft. Auf sicheren Wegen leitet er mich, dafür bürgt er mit seinem Namen. Und muss ich auch durchs finstere Tal [!] – ich fürchte kein Unheil! Du, HERR, bist ja bei mir; du schützt mich und du führst mich, das macht mir Mut. Vor den Augen meiner Feinde deckst du mir deinen Tisch; festlich nimmst du mich bei dir auf und füllst mir den Becher randvoll. Deine Güte und Liebe umgeben mich an jedem neuen Tag; in deinem Haus darf ich nun bleiben mein Leben lang." (Übersetzung: Gute Nachricht)

    Das Böse, das uns im Leben widerfährt, hat keinen Sinn in dem Augenblick, in dem es uns widerfährt - und es macht schon gar keinen "göttlichen Sinn". Aber wir Menschen können ihm einen Sinn verleihen. Wir können es von seiner Sinnlosigkeit befreien, indem wir ihm eine Bedeutung geben. Die Frage, die wir stellen sollten, lautet aber nicht: „Warum geschah mir das? Was habe ich getan, um so etwas zu verdienen?" (Auf diese Frage gibt es wirklich keine Antwort): Besser wäre es, zu fragen: „Was kann ich, da mir Solches widerfahren ist, jetzt tun? - Wie komme ich mit Gott darüber in den Dialog - und darüber hinweg, ohne es zu verdrängen und abzuspalten? Wie kann ich es mit ihm bearbeiten und mich "auseinandersetzen" damit - Wie kann ich das mit ihm beklagen ... Und vernehme ich überhaupt seine Stimme?" (s. hierzu auch die Geschichte von Hiob...) 




    Aber welche Rolle spielt nun Gott dabei? Wenn Gott nicht die Ursache des Bösen ist, das Menschen widerfährt - und wenn er es auch nicht verhindern kann - was soll uns ein solcher Gott dann überhaupt? Wie ändert nun Gott unser Leben, wenn er weder durch Tod noch durch Heilung eingreift? 

    Nun - Gott gibt es den Menschen ein, anderen, die von Leid betroffen sind, zu helfen, und durch diese Hilfe werden sie der Gefahr entrissen, sich allein, verlassen oder verurteilt zu fühlen. Gott verursacht oder verhütet zwar nicht die menschlichen Schicksalsschläge, aber er hilft, dass Menschen einander beistehen - Solidarität und Nächstenliebe zeigen - und Gott selbst führt uns an seiner Hand - durch dick und dünn - wenn wir wollen können wir auch in unserem Nächsten Gottes Atem, seinen Odem, auch heut noch spüren ... - seinen Atem, der einen Neuanfang ermöglicht ...

    Ein chassidischer Rabbiner des 19. Jahrhunderts drückte es einmal so aus: „Menschen sind die Sprache Gottes." 

    Gott offenbart seinen Widerwillen gegen Krebs und Geburtsschädigungen und Katastrophen aller Art nicht dadurch, dass er sie nicht geschehen oder nur "bösen" Menschen widerfahren lässt, sondern dadurch, dass er gute Freunde und Nachbarn veranlasst, die Last tragen zu helfen und die Leere auszufüllen - und selbst "da" zu sein.

    Die Verheißung in Psalm 91 lautet: "Gott hat seinen Engeln befohlen, dich zu beschützen, wohin du auch gehst. Sie werden dich auf Händen tragen, damit du nicht über Steine stolperst."
    Und die Not kennt viele Engel ...

    siehe hierzu unbedingt auch: http://nunchic.blogspot.de/2013/02/papst-benedikts-uberweltbild.html


    (Text - unter Verwendung von Materialien von Harold S. Kushner, jüdischer Rabbi und Bestseller-Autor, Interpret besonders auch der biblischen Geschichten über Vergebung und persönlichem Wert,  Ratgeber zur Bewältigung von Trauer, Tragödien und Ungerechtigkeiten ...)


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    FRANKFURTER RUNDSCHAU | Meinung | 20. FEBRUAR 2013
    ZU "EGO" VON FRANK SCHIRRMACHER

    Die Neo-Paranoia

    Von MATTHIAS HORX

    (Dieses Bild ist auch im Original bei http://www.fr-online.de/meinung/-ego--von-frank-schirrmacher-die-neo-paranoia,1472602,21893264.html zu sehen - mit dieser Bildunterschrift dazu): Die vor 20 Jahren entstandene Bielefeld-Verschwörung betrachtet Verschwörungstheorien aus humoristischer Sicht. Die Satire zweifelt die Existenz der Stadt Bielefeld an. Foto: dpa


    Frank Schirrmachers neues Buch „Ego“ lässt phantasievolle Weltverschwörungstheorien aussehen wie kalter Kaffee. Doch auf Dauer werden alle Übertreibungen irgendwann relativiert. Das verschwörungsaffine Publikum lässt seine eitle Propheten schnell wieder fallen.

    In meiner Jugend glaubten wir (jedenfalls einige von uns), dass die CIA Beruhigungsdrogen ins Trinkwasser einspeiste, um Bürger zu unkritischen Konsumenten zu versklaven. Sonnenklar, dass das Pyramiden-Auge auf dem Dollarzeichen auf eine Bilderberger-Verschwörung hinwies. Und natürlich waren ewig leuchtende Glühbirnen und wirksame Krebsmittel längst erfunden – nur hielt der Schweinekapitalismus diese Errungenschaften aus Profitgründen zurück.

    Im Vergleich zu dem, was uns der Feuilletonchef einer seriösen Zeitung, Frank Schirrmacher, in seinem neuen Buch „Ego“ kredenzt, war das allerdings eher kalter Kaffee. Finstere Spieltheoretiker aus dem Pentagon, so die Kurzinhaltsangabe, tüftelten in den 60er-Jahren teuflische Methoden aus, die Menschheit zu unterjochen. Diese Methoden wurden von der Wall Street übernommen und gipfeln heute in einem Kapitalgefängnis, gegen das die „Schöne neue Welt “ von Aldous Huxley geradezu ein antiautoritärer Kindergarten ist.

    Spieltheorie ist heute ein wichtiger Bestandteil der neuen Zukunftswissenschaften und beschäftigt sich mit der Frage, wie und unter welchen Umständen Menschen kooperieren, wann Systeme instabil werden, wo die sogenannten Tipping Points liegen. Spieltheorie handelt von der Verzahnung von Eigen- und Gruppeninteressen. Sie lässt sich zur Prognose von internationalen Spannungen einsetzen und kann unbedachte Handlungen, die zu Kriegen führen, verhindern.

    Der Film „13 Tage“ mit Kevin Costner zeigt das anhand der Kubakrise. In der politischen Prognostik kann man sie nutzen, um Bildungs-, Gesundheits-, Sozial- oder auch Steuersysteme zu verbessern. Von all dem findet sich in Schirrmachers Buch kein einziger Clou. Es ist so, als würde er den Bäckern die Schuld an der gigantischen Kohlenhydratverseuchung der Welt geben. Das ist auch – irgendwie – logisch.

    Klar verteilte Alarmismus-Rollen

    Bislang waren die Alarmismus-Rollen klar verteilt. Die Linke war für die Verschwörungstheorien des bösen Geldes zuständig. Siehe neomarxistische Pamphlete wie „Empört Euch“ von Stéphane Hessel oder „Das Imperium der Schande“ von Jean Ziegler.

    Im rechts-konservativen Bereich sorgte man sich um die Freiheit, das Individuum, die Bindungen. Jetzt verbindet Schirrmacher beides zu einer postideologischen Paranoia-Philosophie. Die Klage über den „überbordenden Egoismus“, so alt wie die Menschheit selbst, fusioniert mit der Vorstellung einer imperialen Kapitalmacht, die „den Menschen“ gleichsam umprogrammiert. Innere Zersetzung plus äußere Verschwörung – das ist der Stoff, aus dem Scientology-Weltbilder geformt sind. Dort wimmelt es, wie in Schirrmachers Prosa, ebenfalls von Monstern, Blutsaugern, Aliens und geheimen Unterdrückungsagenturen.

    Man soll sich nichts vormachen: Der Bedarf nach solchen eindeutigen Weltbildern ist riesengroß. Doch auf Dauer werden alle Übertreibungen irgendwann relativiert. Alle Trends erleben eine Korrektur. Das verschwörungsaffine Publikum liebt seine eitlen Propheten, aber genauso schnell lässt es sie wieder fallen. Heute Talkshow, morgen Mehrzweckhalle. Das lässt uns die Hoffnung darauf, dass wir eines Tages wieder einen aufklärerischen Diskurs über die Zukunft führen können.

    Matthias Horx ist Trend- und Zukunftsforscher

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    sinedi's Kommentar:

    Schirrmacher's "EGO" - ein "Schwarzer Schwan" für Matthias Horx und Cornelius Tittel ...
    Viele Rezensenten des neuen Buches von Frank Schirrmacher "EGO - DAS SPIEL DES LEBENS", Blessing-Verlag, 2013, beklagen den Umfang und die Fülle an Material und dass es als "Sachbuch" so umfangreich geworden ist, so dass man es lange lesen muss und nur schwer "verdauen" kann, bis man "durch" ist ... 
    Es hat den Anschein, als habe sich Matthias Horx, dieser "Trend- und Zukunftsforscher" (Horx lebt ja in Wien - und da haben alle Menschen irgendeinen bedeutenden Titel - hier fast so als habe er gar einen akademischen Abschluss in dieser Disziplin ergattert ...), also als habe sich Matthias Horx gar nicht erst die Zeit genommen, das neue Buch tatsächlich auch zu lesen und durchzuarbeiten, so wie ich es - ich gebe zu: mit Disziplin - getan habe. 
    Ich stelle mir eher vor, Horx hat in einer Kneipe einen guten alten Bekannten getroffen, und hat sich den Inhalt kurz erzählen lassen bei einem oder mehreren Bierchen - und hat dann Zuhause schnell nochmal bei Amazon geklickt, was der Klappentext denn so an Infos hergibt - oder er hat in der WELT den ebenso oberflächlichen Verriss von Cornelius Tittel überflogen, um dann den vorgelegten Text einfach mal mit der "Bielefeld-Verschwörung" zu vergleichen - und sein "Wissen" und die "Möglichkeiten" der Spieltheorie aus seiner Sicht kurz - also quasi amtlicherseits - darzulegen. 
    Zwar sind diese Ausführungen zur Spieltheorie des Herrn Horx inhaltlich durchaus identisch mit dem, was ich aus Schirrmachers Zeilen dazu auch mitgenommen habe, doch tut Horx so, als ließe sich mit seinem "speziellen" Wissen eine solche "übertriebene" und "einseitige" Theorie, wie sie Schirrmacher entwickelt und einordnet, beileibe nicht ablesen, denn Horx liest die Möglichkeiten der Theorie als "Verbesserungs"möglichkeiten - während der böse Herr Schirrmacher sie bestenfalls als "Verschlimmbesserung" und Katastrophe sieht ... - aber das ist mit allen "Ingredienzien" so - die Dosis macht es, ob es Gift oder Wohltat wird ... 
    Ich habe eigentlich keine Brüche im Argumentationsaufbau des Buches von Schirrmacher ausmachen können. Mit großer Präzision, mit Hintergründen und geschichtlicher Entwicklung, mit der jeweiligen kulturellen Einordnung in den Zeitgeist und vielen Belegen usw. führt er aus, wie diese Algorithmen der "Spieltheorie" die Ausgangsbasis bilden für den sich daraus entwickelnden egoistischen "homo oeconomicus" der sich derzeitig weiter zu entwickeln scheint zu einem kommerziell verwertbaren "Schatten" des normalen Menschen, namens "Nummer 2", wobei er in der derzeitigen Wall-Street-/Silicon-Valley-Variante von den einschlägigen Programmierern weiterhin dahin modifiziert wird/worden ist, dass diese Aspekte eben inzwischen maßgeblich die Finanzflüsse und Börsenspekulationsgeschäfte im Nanosekundenbruchteilbereich beeinflussen und ganze Kontinente im Nu an den Rand des wirtschaftlichen Abgrunds führen und Regierungen sprachlos machen können. Da handelt nicht mehr ein mit Vernunft begabter Mensch mit freiem Willen und Skrupel und Gewissen, sondern nur noch sein Abklatsch, eine Fratze, ein Apparatschik, ein sich entwickelndes "Monster" - wie Schirrmachen ihn nennt, der gnadenlos um seinen Vorteil kämpft - über alle Vernunft hinweg ...
    Und das ist ja keine "Verschwörungstheorie" oder auch kein Science-fiction mehr, sondern dass ist ja abends um 19.50 Uhr bei den Börsennachrichten vor der Tagesschau und den anschließenden Nachrichten in der 20.00-Uhr-Tagesschau bzw. im anschließenden "Brennpunkt" - (wenn es das Thema will) - seit 2007/2008 - also seit fast 5/6 Jahren - ununterbrochen in verschiedenen Intensitäten wahrzunehmen.  
    Und - lieber Herr Horx - die Börsennachrichten und die anschließende Tagesschau schaue ich - meistens hellwach - in der tatsächlich existierenden Stadt "Bielefeld" im leider eingemeindeten Stadtteil "Sennestadt" an - das nur kurz zur Richtigstellung des abgelutschten Vergleiches mit der "Bielefeld-Verschwörung", die kürzlich sogar jene Frau Bundeskanzlerin bemühte ... 
    Es wird bekritelt, dass Schirrmacher in seinem Buch gar nicht die Entwicklung des Charakterzuges "Ego(ismus)" seit der Steinzeit skizziert, doch er weist minutiös und für mich in wirklich ausreichendem Maße nach, wie mit Hilfe der "egoistischen" Programmierung und Algorithmen-Bildung (wie im "Kalten Krieg" Ost gegen West: jeder sucht bei einer alternativen Fragestellung und Auseinandersetzung grundsätzlich immer und überall mit buchstäblich "aller Gewaltandrohung" nur nach seinem eigenen Vorteil - ohne Rücksicht auf den Anderen - und blufft, trickst, betrügt und belügt dabei - lässt Andere über die Klinge springen ...), dass also mit dieser egoistischen Programmierung aus dem Bereich der "Spieltheorie" der "homo oeconomicus" gefüttert wird - und dieses Verhalten "Nummer 2", sozusagen der "pekuniäre Schatten" des normalen Menschen, anerzogen bekommt - ohne Rücksicht auf Verluste: Nimm skrupellos was du kriegen kannst ...
    Ja - und der Herr Schirrmacher war wahrscheinlich sogar einer der Chefredakteure, die diese Bundeskanzlerin Angela Merkel 2008 filmreif (und fast beispiellos)
    einlud bzw. einbestellte  - 5 Minuten vor 12 sozusagen - auf dem Höhepunkt der Lehman-Krise - als Auswirkung dieses unbeherrschten außer Kontrolle geratenen Treibens der einschlägigen Computerprogramme - um sie vor Panik zu warnen, wahrscheinlich damit es nicht "aus Versehen", wegen unbedachtsamer Äußerungen, zum totalen finanziellen GAU kommt - und nicht unbedingt um die Bevölkerung zu beruhigen - sondern in erster Linie "die Märkte" ("marktkonforme Demokratie" - s. dazu: http://nunchic.blogspot.de/2013/02/ demokratie-marktkonform-this-is-end.html) - was aber auch zeigt, dass sich die deutsche und die europäische Politikin einem Irrflug befand ... - (Blindflug - völlig außer Kontrolle geraten - man hatte - teilweise wie heute noch - keinerlei Plan oder Abwehrmöglichkeiten) - den "Trend- und Zukunftsforscher" Horx hatte die Frau Bundeskanzlerin seinerzeit trotz seiner Kompetenzen leider nicht hinzugebeten ... Aber das war ja auch kein Film, kein Spaß, kein Spiel - keine "Verschwörungstheorie" - das war purer realer Ernst - und wenn man sich kniff, spürte man im Augenblick ganz wach - in "Echtzeit" und im Hier und Jetzt - den Schmerz ... (kursiv = Originalton Schirrmacher).
    Im August 2012 verlor Knight Capital innerhalb von einer Dreiviertel Stunde fast eine halbe Milliarde Dollar, ohne dass die Ursachen dafür bis heute irgendwie erkennbar sind - zwar tauchte das Geld später aus dem Nichts wieder auf - aber das waren keine "Rechenfehler" oder Bilanzfälschungen, sondern Operationen die automatisch "vielleicht nicht mal von Menschen gemacht" irgendwo und irgendwie in weltweiten blitzschnellen Finanztransaktionen und Auktionen abliefen (wir Laien und Amateure können ja bruchstückhaft und rudimentär sehen - wie das mit ollen oder auch neuen Klamotten statt Kapital z.B. bei ebay-Auktionen funktioniert und beispielsweise der "biet-o-matic"-Software und PayPal ...) - mit Wetten völlig Unbeteiligter auf dieses und jenes Ergebnis und der damit verbundenen Generierung des "Kapitals" aus dem Nichts - oder des automatisch ablaufenden vorprogrammierten minimalen Gewinns bei riesigen Einzeltransaktionen rund um den Erdball im Nanosekundentakt - und da mischen mit Sicherheit inzwischen die Chinesen mit - und sicherlich auch Indien und Israel und der Irak, Nord- und Südkorea usw. ... - jeder nach seiner Fasson und seinem politischen Gutdünken - ein Handels- und Währungskrieg mit neuen Mitteln ...
    Was sich da liest wie eine dieser "Verschwörungstheorien" ist sicherlich sehr nahe dran an der Wahrheit - ich glaube wenigstens daran - und wenn Herr Horx nun schreibt: "Heute Talkshow, morgen Mehrzweckhalle", dann weiß und fühlt er sicherlich auch persönlich und hautnah durch die verschiedenen Epochen seiner "Trend- und Zukunftsforschung" wovon er dabei spricht... 
    Ich kann sogar irgendwie diesen Neid nachvollziehen, dass man als solch ambitionierter "Fachmann" nicht selbst darauf gekommen ist, was der Schirrmacher da nun zum besten gibt - und dem Herrn Cornelius Tittel als direkter Fach-Kollege und Konkurrent von Herrn Schirrmacher von der WELT wird es sicherlich dabei nicht besser ergehen: ein Feuilletonist beschreibt da ein Stück Wirklichkeit in der tatsächlichen Welt, so wie es sein könnte, und wofür eine Menge an Indizien aufgezählt werden können: Und das ist ja schon mindestens so überraschend und überrumpelnd, als dass beispielsweise der Herr Baselitz mal eine Oktober-Nummer der WELT von vorne bis hinten vollkritzeln bzw. "gestalten" darf ...  
    Ich habe das Schirrmacher-Buch "mit hohem Gewinn" - wie man so sagt - gelesen. Es wird jetzt sicherlich nicht die "Bibel" ersetzen, aber es lässt mich wachsamer werden. Und wenn ich früher ungläubig die Versteigerung der Telekommunikationsfrequenzen (UMTS) unter Kanzler Gerhard Schröder 2000 und (LTE) 2010 unter Kanzlerin Angela Merkel verfolgte, die insgesamt über 55 Mrd. EUR einbrachten - quasi Kapital aus dem "Nichts" - und dann den urplötzlichen Rücktritt damals von Oskar Lafontaine 1999 als Finanzminister - und heutzutage die täglichen Gestaltungen des Benzinpreises wahrnehme, oder jetzt von den weltweiten Fußballergebnis-Manipulationen und von Wett-Mafia höre, von der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an den Wüstenstaat Katar, vom jährlichen Verhökern der Bundesliga-Übertragungsrechte, vom Pferdepfleisch-Skandal, jedes Jahr neu von den Grippe-Schutzimpfungen, die Obst- und Gemüsepreise verfolge und kurz vor Weihnachten von Würmern im Fisch, von der Vogelgrippe, von genmanipuliertem Gemüse, von Maul- und Klauenseuchen und Rinder-Wahnsinn lese - Nachrichten höre von den mittlerweile zyklischen "Rettungsschirm"-Nachtsitzungen in Brüssel, Paris und Berlin (warum "tagen" die eigentlich immer nachts und nicht wie ehrliche Menschen am Tag) - um nur Einiges zu nennen - dann ahne ich zumindest vielleicht, was da im Background eigentlich tatsächlich läuft auf den "globalen" Märkten dieser Welt - und warum ich nur 1% Zinsen auf mein hart Erspartes bekomme, das ich als alter "EGO" partout nicht "zirkulieren" lassen möchte  ...

    (zu "Bielefeld-Verschwörung" und "EGO DAS SPIEL DES LEBENS" clicken Sie auch rechts auf die entsprechenden Labels ...)

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    Link zum Vergrößern:



    Diese Big-Data-Anzeige erschien auf S. 12 des SPIEGELS Nr. 8|2013 vom 18|02|2013: Bitte studieren Sie den Text - und vergleichen Sie ihn mit den Thesen von Frank Schirrmacher in seinem neuesten EGO-Buch - und während sich die Kritik noch streitet, ob Schirrmachers Buch "Verschwörungstheorie", "Paranoia" oder  "Science-fiction" ist ...:

    HAT DIE ZUKUNFT SCHON LÄNGST BEGONNEN ...:

    "JETZT ENTSCHEIDEN FAKTEN, 
    WELCHE KAMPAGNE WIR SCHALTEN - 
    UND NICHT MEHR UNSER BAUCHGEFÜHL." (Zitat aus der obigen IBM-Anzeige)


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    s!NEdi|photo|graohic: galanthus weint



    am tränenmeer der galanthus
    bleibt uns kein auge trocken
    im hintergrund

    bachs toccata und fuge
    und dazu kräuseln sich
    die wasser ...

    der schwarze schwan
    ist soeben abgetaucht
    und hat all unbill 

    mit in die tiefe gerissen
    es ist jetzt serenadenzeit
    bis zum nächsten malheur

    da drehen sich notenschlüssel
    vom wasser in den abendnebel
    wenn der schwan singt

    beben im meer die tränen
    und zerplatzen im dickicht -
    wenn der schwarze schwan singt

    sinedi








    Bach hören: Toccata & Fuge d-Moll BWV 565 - Lautsprecher-Symbol an-/ausclicken ...




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    s!NEdi|graphic: monster im kühlschrank

    "Die Monster des Doktor Frank Schirrmacher

    Digitale Tyrannei und Raubtier-Algorithmen: Die Thesen in Schirrmachers neuem Buch zeugen von Paranoia. Seine Quellenarbeit ist unseriös, sein Menschen- und Geschichtsbild fragwürdig. Von Cornelius Tittel" - WELT ONLINE | http://www.welt.de/kultur/article113687605/Die-Monster-des-Doktor-Frank-Schirrmacher.html

    und daraus das Zitat (also Tittel schreibt zum Inhalt des Buches von Schirrmacher): ... 

    "Nach 1989 wechseln viele von ihnen, darunter herausragende Physiker, an die Wall Street, wo sie die Logik des Kalten Krieges auf die Gesellschaft übertragen und die einst modellhafte Behauptung vom ausschließlich egoistischen Menschen zur Grundlage neuer Börsen-Algorithmen machen. Diese wiederum werden durch den unaufhaltsamen Siegeszug des Personal Computers so gefährlich wie die Atombombe. "Nun konnte Nummer 2, der neue 'homo oeconomicus', in jedermanns Küchel (sic!), jeden Speicher und jeden Keller eindringen. Sein Medium war Elektrizität, die Menschen und Märkte miteinander vernetzte." Wehe dem, der Menschen und Märkte miteinander vernetzt!

    Spätestens im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, so Schirrmacher, ist das Ego-Modell zu einem neuen Naturgesetz geworden. Der Mensch hat seine Seele verloren und ist dank eines von "Big Data" installierten Doppelgängers komplett berechenbar und somit auf Finanzmarktplätzen, bei Amazon oder via Facebook der totalen kommerziellen Ausbeutung preisgegeben.

    Doch die genialen, aber leider ebenso neoliberalen wie wahnsinnigen Wissenschaftler haben nicht nur aus Menschen Ego-Monster gemacht. Ähnlich schlimm: Sie haben auch Monster in Gestalt von Börsen-Algorithmen erschaffen, die sich nun verselbstständigen und außerhalb jeder menschlichen Kontrolle gegen andere Börsen-Algorithmen Krieg führen...". ...

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    und dazu heute - aus meiner Heimatzeitung der Titelaufmacher:

    Stromlobby will im Notfall Kühlschränke abschalten

    Eingriff aus Angst vor einem Blackout geplant / Hersteller protestieren | VON STEFAN SCHELP


    Bielefeld. Der lange Arm der Energiekonzerne reicht künftig bis in die deutschen Küchen. Per Chip in den Haushaltsgeräten wollen die Stromriesen Kühlschränke, Durchlauferhitzer oder Klimaanlagen herunterregeln. Eingreifen wollen die Konzerne immer dann, wenn durch eine Überlastung des Stromnetzes ein Blackout, also ein großflächiger Totalausfall der Stromversorgung, droht. Die Hersteller von Haushaltsgeräten laufen Sturm gegen die Pläne.

    Aufgeregt sind die Hersteller auch, weil sie den Energiekonzernen unterstellen, keineswegs nur am Temperaturregler drehen zu wollen, sondern die Geräte aus der Ferne gleich ganz abstellen zu wollen. „Das ist ein Eingriff in die Selbstbestimmung des Verbrauchers“, kritisiert Fridolin Weindl, Sprecher des Haushaltsgeräteherstellers Bosch. Darin ist er sich einig mit dem heimischen Produzenten Miele. „Gegen die Pläne werden wir angehen“, versichert Sprecherin Reinhild Portmann. Miele und Bosch sind Mitglieder im Branchenverband CECED, der den Widerstand organisiert.

    Weindls Kritik entzündet sich auch daran, dass der Verbraucher die Kosten für die technische Aufrüstung der Geräte tragen soll. Bis zu 50 Euro werde die Ausrüstung kosten, meint Weindl. Diese Schätzung sei viel zu hoch gegriffen, meint dagegen Gerald Kaendler vom Verband Entso-e, dem Verband europäischer Übertragungsnetzbetreiber. „Die Kosten liegen im einstelligen Euro-Bereich.“ Es gehe lediglich darum, Neugeräte mit einem Chip auszurüsten, der ins Übertragungsnetz „hineinhorcht“. Rutsche die Frequenz unter oder über eine festgelegte Schwelle der für eine sichere Stromversorgung nötigen 50 Hertz, würde der Kühlschrank von sich aus das Kühlziel um rund ein Grad anheben. „Kein zentrales Eingreifen des Stromversorgers“, stellt Kaendler klar, „es geht nicht um eine Fernbedienung.“ Der Kunde merke nichts davon, dafür sei der Eingriff ein „signifikanter Beitrag zur Systemsicherheit“.

    Das genau bezweifelt der Herstellerverband. Denn moderne Kühlschränke der Effizienzklasse AAA+ verbrauchten heute 75 Prozent weniger Energie als noch vor 15 Jahren, sagt Weindl. Der Auftrag seiner Branche sei „die sichere Kühlung von Lebensmitteln“. Würden Geräte zentral abgeschaltet, müsste Technik – ein Puffer – vorgehalten werden, damit Kühlketten nicht unterbrochen würden. Hier gebe es zwar erste Überlegungen, die seien allerdings noch nicht ausgereift, sagt Weindl. Auch dies seien Kosten, die letztendlich der Verbraucher tragen müsse. ...

    © 2013 Neue Westfälische,Bielefeld, Samstag 23. Februar 2013






    sinedi's kommentar:
    Da will der Herr Tittel von der WELT seinen Fachkollegen "Doktor Frank Schirrmacher" von der FAZ wegen seines Buches "EGO - Das Spiel des Lebens" so richtig vorführen - und es ihm so richtig mitgeben... - einen Verriss schreiben, der sich gewaschen hat: Da wird einfach mal dem Herrn Schirrmacher - dem Kollegen aus der Konkurrenzredaktion - "Paranoia" unterstellt, ob seines Buches - und seinen Erkenntnissen darin. 
    WIKIPEDIA schreibt zu diesem Begriff "Paranoia" (griechisch παράνοια paránoia, aus παρὰ parà „neben“ und νοῦς noûs „Verstand“: 
    wörtlich also: „neben dem Verstand“, „verrückt“, „wahnsinnig“) ist im engeren Sinn die Bezeichnung für eine psychische Störung, in deren Mittelpunkt Wahnbildungen stehen. Häufiger taucht der Begriff jedoch in seiner adjektivischen Form paranoid auf (s. Infobox ICD 10), der auf Verfolgungsängste oder Verfolgungswahn hinweist. Die Betroffenen leiden an einer verzerrten Wahrnehmung ihrer Umgebung in Richtung auf eine feindselige (im Extrem bösartig verfolgende) Haltung ihrer Person gegenüber. Die Folgen reichen über ängstliches oder aggressives Misstrauen bis hin zur Überzeugung von einer Verschwörung anderer gegen sich." 
    Tja, Herr Tittel, dass geht schon meines Erachtens weit über die normale Konkurrentenschelte unter Kollegen hinaus - das ist eher mit so etwas wie Rufmord zu vergleichen ... 
    Aber Herr Schirrmacher ist das ja gewohnt, von Kollegen am liebsten beseitigt gesehen zu werden (denn im Skandal-Krimi "Der Sturm", 2012, vom "SZ"-Feuilletonchef Thomas Steinfeld unter Pseudonym verfasst, musste eine erfundene Pendantperson, die Herrn Schirrmacher in vielen Zügen sehr ähnlich ist, einen grausamen Tod sterben ...). 
    Ja was ist das? Branchenneid? - Kollegenneid? Und während sonst gerade von der angeblich "seriösen" Presse ein hohes Maß an Fairness und political correctness eingefordert wird und sie dies auch für sich selbst andauernd reklamiert (... wir sind doch nicht so wie diese BLÖD-Zeitung ...) schlägt man sich hier - indirekt und verdeckt - dass die Fetzen fliegen ... 
    Und Herr Tittel macht sich dann mal gerade über einen Setzfehler auf S. 150 des Buches lustig ("Küchel" [sic!]), der dem Autor Schirrmacher nun wirklich nicht anzukreiden ist (übrigens - im SPIEGEL-Essay dazu von Schirrmacher ist der gemeinte Abschnitt mit dem gemeinten Wort fehlerfrei erschienen! ...) - aber hauptsächlich natürlich geht es dem Herrn Tittel um die Argumentation, dass da etwas "in jedermanns Küche, jeden Speicher und jeden Keller eindringen" könne: "Sein Medium war Elektrizität, die Menschen und Märkte miteinander vernetzte." Dieser Fakt, dieser behauptete Umstand erscheint dann dem Herrn Tittel also so maßlos übertrieben und an den Haaren herbeigezogen, dass er damit die "Paranoia" des Kollegen "Doktor Frank Schirrmacher" sicherlich eindeutig zu belegen trachtet. 
    Doch leider muss ich auch in diesem Falle sagen (s. schon:  http://nunchic.blogspot.de/2013/02/frank-schirrmacher-ego-von-wegen.html): 
     DIE ZUKUNFT, lieber Herr Tittel, HAT SCHON - ohne jede "Paranoia"  - LÄNGST BEGONNEN ...: 
    Denn just heute morgen steht auf der Titel-Seite meiner jedem Verdacht erhabenen Heimat-Zeitung die Schlagzeile: "Stromlobby will im Notfall Kühlschränke abschalten" und dazu: ... "Der lange Arm der Energiekonzerne reicht künftig bis in die deutschen Küchen. Per Chip in den Haushaltsgeräten wollen die Stromriesen Kühlschränke, Durchlauferhitzer oder Klimaanlagen herunterregeln. Eingreifen wollen die Konzerne immer dann, wenn durch eine Überlastung des Stromnetzes ein Blackout, also ein großflächiger Totalausfall der Stromversorgung, droht." ...  
    Also genau das ist ja modifiziert das Szenario, dass Schirrmacher in seinem Buch und dem Essay dazu beschreibt ... 
    Lieber Herr Tittel, Sie sollten schleunigst anfangen umzudenken, Herrn Schirrmacher danken, dass er Ihnen die Augen geöffnet hat - und sich für Ihre "Paranoia"-Diagnose schleunigst in Demut entschuldigen ... 



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    3sat-Video/Kulturzeit (Link):http://www.3sat.de/mediathek/index.php?display=1&mode=play&obj=34856


    Dieses 5.35-min. Video aus der 3sat-Kulturzeit vom 13.02.2013 weist auf das neue Buch "EGO - Das Spiel des Lebens" von Frank Schirrmacher, Blessing-Verlag 2013, hin. 
    Frank Schirrmacher erzählt davon, wie nach dem Ende des Kalten Krieges ein neuer Kalter Krieg im Herzen unserer Gesellschaft eröffnet wird... (Dieses Blog berichtete ...)

    (c) 3sat-Kulturzeit/ZDF: Bericht Stefan Gagstetter | Kamera Harald Kühne | Schnitt C.G. Fell




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    Die Notwendigkeit des Erinnerns


    Gedenktafel am eigenen Haus

    Elmar Nolte erinnert an jüdische Vorbesitzer


    Warburg (ado). Es gehört zu den Baudenkmälern Warburgs: das Goldschmidt-Haus, 1538 erbaut. Die Fassade hat Eigentümer Elmar Nolte nun renovieren lassen – und ein persönliches Anliegen verwirklicht. „Bis weit in die Nachkriegszeit wurde das Haus nur Judenhaus genannt“, erzählt er. Die antisemitische Bezeichnung stammt aus der Nazi-Zeit. „Ich habe mich entschieden, eine Gedenktafel anzubringen, die dem Gebäude den Namen Goldschmidt-Haus verleiht.“ In Gedenken an die jüdischen Familien Berg und Goldschmidt, die das Haus bis 1942 besaßen. Susanne und Julie Goldschmidt wurden in Theresienstadt ermordet.


    © 2013 Neue Westfälische - NW am Sonntag, Sonntag 24. Februar 2013

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    sinedi's kommentar:
    Ich habe hier ja vor einigen Wochen von der Legung eines "Stolpersteines" zum Gedenken an meine Tante Erna Kronshage berichtet, die 1944 Opfer der NS-"Euthanasie" wurde ...Hier hat nun der Nachbesitzer eines historischen Hauses in Warburg vorbildhaft sogar eine Gedenktafel an sein Haus anbringen lassen, die an die jüdischen Vorbesitzer des Anwesens erinnert, die 1942 in Theresienstadt umgebracht wurden. Ich nenne dies einen verantwortungsvollen und angemessen würdigen Umgang mit der Geschichte , die uns überkommene Kulturgüter und Bausubstanzen erzählen, der hoffentlich viele Nachahmer findet - denn allzu oft  wird bei einer ähnlichen Sachlage darüber viel zu schnell hinweggegangen und hinweggeplant ...

    Einschlägige Links auf diesem Blog zur Gedenkkultur in Deutschland: 

    http://nunchic.blogspot.de/2013/01/stolperstein-fur-erna-kronshage-in.html

    http://nunchic.blogspot.de/2013/01/stolpersteine-tag-des-gedenkens-die.html

    http://nunchic.blogspot.de/2012/12/inklusion-und-die-aufarbeitung-der-ns.html

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    s!NEdi | gesammelte werke: nunc|hic | jetzt|hier

    ... und als Bonus: 
    s!NEdi-Bildmaterial zum OSCAR-FILMSONG: 
    ADELE "SKYFALL"

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    DIE OSCARS FÜR DIE "KURZEN" ...

    Bei der Oscarverleihung in der vergangenen Nacht wurden auch für Kurzfilme Preise vergeben:


    THE WINNER IS:











    DER "KURZE" IN SEINER GANZEN LÄNGE:







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    THE WINNER IS:








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    s!NEdi|phot|graphic: dadrinnen das gewusel - und was bleibt ???

    dadrinnen das gewusel die gardinen wurden vorgezogen gewiss die fassade muss gewahrt sein versteht sich versteht sich doch von selbst wer will sich schon in die karten spucken lassen da wird suppe versalzen da wird [sich] geliebt kartoffeln werden gerieben und gestampft milch hinzugeschüttet allerlei düfte dampfen da krähen suchen nach dem kaninchen was gestern überfahren wurde da klingelt das telefon oder das handy da summt der pc kreiert das leben immer wieder neu immer wieder anders da macht man zäsur zieht man bilanz zieht man den schlussstrich: und - was bleibt ...???


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    s!NEdi|photo|graphic: eine der gesetzestafeln | "die gesetzestafeln zerbrach keiner mehr" ...



    Die Maulwürfe oder Euer Wille geschehe

    Erich Kästner - 1951

    I
    Als sie, krank von den letzten Kriegen,
    tief in die Erde hinunterstiegen,
    in die Kellerstädte, die drunten liegen,
    war noch keinem der Völker klar,
    daß es ein Abschied für immer war.

    Sie stauten sich vor den Türen der Schächte
    mit Nähmaschinen und Akten und Vieh,
    daß man sie endlich nach unten brächte,
    hinab in die künstlichen Tage und Nächte.
    Und sie erbrachen, wenn einer schrie.

    Ach, sie erschraken vor jeder Wolke!
    War´s Hexerei oder war´s noch Natur?
    Brachte sie Regen für Flüsse und Flur?
    Oder hing Gift überm wartenden Volke,
    das verstört in die Tiefe fuhr.

    Sie flohen aus Gottes guter Stube.
    Sie ließen die Wiesen, die Häuser, das Wehr,
    den Hügelwind und den Wald und das Meer.
    Sie fuhren mit Fahrstühlen in die Grube.
    Und die Erde ward wüst und leer.

    II

    Drunten in den versunkenen Städten,
    versunken, wie einst Vineta versank,
    lebten sie weiter, hörten Motetten,
    teilten Atome, lasen Gazetten,
    lagen in Betten und hielten die Bank.

    Ihre Neue Welt glich gekachelten Träumen.
    Der Horizont war aus blauem Glas.
    Die Angst schlief ein. Und die Menschheit vergaß.
    Nur manchmal erzählten die Mütter von Bäumen
    und die Märchen vom Veilchen, vom Mond und vom Gras.

    Himmel und Erde wurden zur Fabel.
    Das Gewesene klang wie ein altes Gedicht.
    Man wußte nichts mehr vom Turmbau zu Babel.
    Man wußte nichts mehr von Kain und Abel.
    Und auf die Gräber schien Neonlicht.

    Fachleute saßen an blanken, bequemen
    Geräten und trieben Spiegelmagie.
    An Periskopen hantierten sie
    und gaben acht, ob die anderen kämen.
    Aber die anderen kamen nie.

    III

    Droben zerfielen inzwischen die Städte.
    Brücken und Bahnhöfe stürzten ein.
    Die Fabriken sahn aus wie verrenkte Skelette.
    Die Menschheit hatte die große Wette
    verloren, und Pan war wieder allein.

    Der Wald rückte vor, überfiel die Ruinen,
    stieg durch die Fenster, zertrat die Maschinen,
    steckte sich Türme ins grüne Haar,
    griff Lokomotiven, spielte mit ihnen
    und holte Christus vom Hochaltar.

    Nun galten wieder die ewigen Regeln.
    Die Gesetzestafeln zerbrach keiner mehr.
    Es gehorchten die Rose, der Schnee und der Bär.
    Der Himmel gehörte wieder den Vögeln
    und den kleinen und großen Fischen das Meer.

    Nur einmal, im Frühling, durchquerten das Schweigen
    rollende Panzer, als ging´s in die Schlacht.
    Sie kehrten, beladen mit Kirschblütenzweigen,
    zurück, um sie drunten den Kindern zu zeigen.
    Dann schlossen sich wieder die Türen zum Schacht.



    "Die Maulwürfe ..." - gelesen von Erich Kästner | Bildmaterial von s!NEdi | lyrik|slide|show: bitte Lautsprechersymbol an-/ausschalten ...(möglichst "synchron" - gleich von Anfang an...)


    s!NEdi|photo|graphic



    sinedi meint dazu: 
    In diesem Gedicht von Kästner aus dem Jahre 1951 beschreibt er eine äußerst prekäre posttraumatische Endzeitsituation. Wahrscheinlich aufgrund eines Nuklearschlages oder eines Umweltunfalles ist die Menschheit gezwungen, in der Erde, unter Tage, quasi eingebunkert und eingebuddelt wie die Maulwürfe ihr Leben zu fristen. Der fehlgeleitete Wille des Menschen hat ihm das eingebrockt ... - Gottes Wille war "außen vor" - darüber hat sich der Mensch mal wieder hinweggesetzt ... 
    Das tatsächliche Leben "da draußen", die Erinnerung an die Natur, an Sonne und Mond gerät immer mehr in Vergessenheit. Den Kindern holt man Kirschblüten mit einem Panzer, um sie ihnen dann unten im Bunker vorzuführen ... Eine schreckliche Szene - ... 
    Als Kästner 1951 "Die Maulwürfe" schreibt, sind die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki durch die USA zwar 6 Jahre her, aber er kennt noch nicht Tschernobyl oder auch nicht Fukushima - und er kennt noch keinen Vietnam-Krieg, keinen Krieg in Afghanistan - und keinen 9/11-Anschlag, denn der findet erst 50 Jahre später statt...
    Und doch hat Kästner eine weitreichende posttraumatische Lage der Menschheit fast seherisch geahnt und skizziert...
     
    Die Computer und das Fernsehen, die er auch kaum kennen kann, beschreibt er treffend mit: "Fachleute saßen an blanken, bequemen Geräten und trieben Spiegelmagie. An Periskopen hantierten sie und gaben acht, ob die anderen kämen. Aber die anderen kamen nie." 
    "Die anderen", das war vielleicht der Feind - oder es waren andere Überlebende, oder Retter, Befreier vielleicht, Hoffnungsträger, Seelsorger: Kästner lässt das offen ... - und so ein wenig erinnert dieses geschilderte "Warten" bzw. "acht gebenan das berühmte Stück "Warten auf Godot" ... (eben vergebens Ausschau zu halten auf jemanden, den man ahnt, aber den man nicht benennen kann ...). Dieses Theaterstück von Samuel Beckett entstand fast zur gleichen Zeit, ab 1948 - und wurde 1952 uraufgeführt. 
    In diesem Stück wird bis zum Schluss nicht klar, wer "Godot" ist und warum genau man in einer so „gottverlassenen Gegend“ auf ihn wartet - genauso wenig, wie man in "Maulwürfe" mittels "Periskopen" vergebens Ausschau hält auf "die anderen", die aber "nie kommen". Mit seiner ins Leere laufenden Handlung, den sich im Kreise drehenden Figuren und dem wenig Hoffnung lassenden Schluss – alles Merkmale, die nicht eben Optimismus und Vertrauen in die Sinnhaftigkeit des menschlichen Lebens verbreiten – steht das Stück "Godot" der zeitgenössischen Philosophie des Existenzialismus nahe und gilt als ein typisches Beispiel des Theaters des Absurden der Jahre um 1950 - während  "Die Maulwürfe" zum Schluss ja auch wieder die "Türen zum Schacht" schließen, nachdem man die "Kirschblütenzweige im Frühling", "um sie den Kindern zu zeigen", mit dem Panzer eingebracht hatte... Ein echtes "Happy End" bleibt auch hier aus - man  kommt aus den "Kellerstädten", in die man sich  in Not und Furcht rasch hineingeflüchtet hat, nicht so ohne weiteres wieder heraus - und auch hier läuft die Handlung letztlich ins Leere - ins Schwarze - in den Dreck ...
    Die menschliche Existenz als Grenzsituation zwischen Leben und Tod, Gestalten, die auf der ewig enttäuschten Illusion des Wartens beharren oder in tragikomischer Hilflosigkeit die Gewissheit ihres Verfalls überspielen – darum geht es sowohl in "Godot" von Beckett als auch in den "Maulwürfen" von Kästner. Im Zyklus solcher endzeitlichen Szenarien zeigt sich menschliche Apokalypse auf der vergeblichen Suche nach Formen des Überlebens, nach Variationen eines End-Zeitvertreibs. 
    Die Figur "Godot" in dem Stück wird mit Verweis auf das englische Wort God und die französische Diminutiv-Endung -ot als "kleiner Gott" gedeutet, auf dessen Ankunft der Mensch vergeblich hofft. Nachdem der Mensch diesen Gott ja aus seinem Denken und Leben, aus dem Wissen und Fühlen ganz und gar "mit Haut und Haaren" verbannt hat - und damit auch diese leise aber verlässliche "innere Stimme", dieses Wispern des "Gewissens", zum verstummen bringt. Dass man wahrscheinlich (unbewusst) nach so einem "kleinen Gott" Ausschau hält, wird vor allem im "Godot" daran verdeutlicht, das wiederholt aus der Bibel zitiert und daran erinnert wird, dass man tatsächlich auf "etwas" warte, während aber auch zwischendurch dieser Grund des Wartens immer wieder ausgeklammert wird und man den vermeintlichen Treffpunkt doch endlich gern mal verlassen möchte - um dieses unselige Warten endlich zu einem Ende zu bringen ...
    Auch Kästner erwähnt in seinen "Maulwürfen", dass man aus "Gottes guter Stube" - aus der Welt da oben mit "Himmel und Erde" - fliehen musste - und so diese Erde wie zu Beginn der Schöpfung nun wieder "wüst und leer" sei. Für Gott und den Menschen ist sie also wieder ein absolut brachliegender unbebauter Acker: also - packt an - auf ein Neues ...???  
    Aber der Mensch ohne Gott hat sich ja verkrochen, eingebuddelt, ist hinabgestiegen, eingefahren "indie Grube" unter diesem Acker, dieser Erde, wie der Maulwurf - ihm wird so ein Neuanfang allein - ohne einen Gott - kaum gelingen. Wer oder was sollte ihn rechtzeitig wecken, ihm "Odem einhauchen", ihn aus dem Verlies emporhieven und befreien, ihn antreiben, ihn anstacheln, ihn motivieren, ihm Aufgaben stellen - wer lacht mit ihm, wer weint mit ihm, wer streichelt ihm übers Haar - wer hilft ihm über seine "posttraumatischen Belastungsstörungen" hinweg (diesen Begriff kannte Kästner 1951 sicherlich noch nicht - so knapp nach dem Weltkrieg) ... ???  
    Nur hier und da erinnern sich die Mütter bei der Gute-Nacht-Geschichte für die Kinder an einstmals, an "Bäume, ...die Märchen vom Veilchen, vom Mond und vom Gras" ...
    "Man wusste nichts mehr vom Turmbau zu Babel. Man wusste nichts mehr von Kain und Abel. Und auf die Gräber schien Neonlicht."
     
    Will wohl heißen: die Neigung zur Hybris des Menschen gerät da unten völlig in Vergessenheit, wird "abgespalten", verdrängt - ebenso wie der menschliche Neid, der sich zu tödlichem Hass ausweiten kann. Also es gerät in Vergessenheit, dass der Mensch wohl selbst mit all diesen "Kehrseiten der Medaille" sein Schicksal da unter Tage zu verantworten hat ...  Gestorben wird zwar immer noch - aber eine "Auferstehung" aus den Gräbern tief unten "bei Neonlicht" ist nicht mehr so recht  denkbar - erinnerbar ...: Eine Auferstehung unter Tage in das Neonlicht eines ansonsten schwarzen Kellers hinein - das fühlt sich denn doch schon eher nach einer "Hölle" als nach einem frühen sonnigen milden Ostermorgen an ... Jede Hoffnung erstirbt in einer Wüste und Leere unter Tage und über Tage gleichermaßen - und die Luft ist hitzig und trocken ...  
    Aber die Natur - Gottes ureigenste Schöpfung - zumindest "nicht vom Menschen gemacht" - bemächtigt sich allmählich wieder der Erde da oben über Tage - besiedelt die Öde und Leere - der Wald "zertrat die Maschinen" und "holte Christus vom Hochaltar" ...
    Während also die Menschen in der "guten alten Zeit" ihren Jesus immer ferner, immer höher, immer "heiliger" angesiedelt und gestaltet haben, mehr wie so einen Luxus-Gott mit Goldkrone und viel Lametta - fast so ausgeschmückt wie das "Goldene Kalb", das man umtanzt, holt die Natur diese völlig überhöhte und überzeichnete "allmächtige" Popanzfigur wieder runter vom Sockel - vom Thron - zurück auf die Erde - mit in die Grubenschächte, wo wir uns mit ihm gemeinsam an seiner Hand sicherlich auch aus diesem Kellerverlies befreien können ...
     
    Es gelten da oben - über Tage - quasi zur Neuschöpfung nämlich wieder "die alten Regeln - die Gesetzestafeln zerbrach keiner mehr". Die Aufklärung, die Wissenschaft, nämlich alles was sich selbst als "gottgleich" interpretiert oder entsprechend feiern lässt, hat verloren ... Und all unser "Umweltschutz" - ja nur unserem angeblichen "Fortschritt" und unserer "Bequemlichkeit" geschuldet - hat sich quasi selbst erledigt: "der Himmel gehörte den Vögeln und den kleinen und großen Fischen das Meer" - wie es war zu Anfang ... - und jetzt und hier und wahrscheinlich immerdar ... - also in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft - aber dass es so kommt, dazu muss der Mensch aufgrund seiner eigenen Dummheit (zunächst...) in "den Keller" gehen - ganz tief in sich gehen - Einkehr halten - zur Besinnung kommen ... - muss die Hybris im Sand verbuddeln - und demütig werden ... - oder wieder so etwas wie "fromm" - und er darf wieder staunen und an Wunder glauben - und kann und wird nicht alles ergründen müssen - und nicht für 3 Milliarden Dollar sein Gehirn verkarten lassen - und für ebenso viel Geld einen Teilchenbeschleuniger bauen - warum auch ... 
    Die Kirschblütenzweige werden zwar mittels eines Panzers geschnitten und eingeholt - um sie den da unten vegetierenden blassen Kindern, die nie eine Sonne und einen Mond gesehen haben - höchstenfalls durch Papas "Periskop" - "zu zeigen", um sie "be-greifen" zu lassen - "be-greifbar" zu machen ... 
    So kann wieder allmähliche Sehnsucht geweckt werden und wachsen und Hoffnung anschaulich sein ...



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    s!NEdi|photo|graphic: capri im mondlicht ...



     bei capri versinkt
    auch der schneeweiße vollmond 
    im tiefblauen meer

    wie sonst die rote sonne -
    nur eine zeitlang später ...




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    ZDF
    "heute-show" erzürnt katholische Kirche 
    Thema: Die Päpstin - Kirche am Scheideweg 
         
    Ein Team der satirischen ZDF-"heute-Show" hat die Spitze der katholischen Kirche in Deutschland verärgert. Auslöser war ein Zusammentreffen der "heute-show"-Komikerin Carolin Kebekus, 32, mit dem Kölner Kardinal Joachim Meisner, 79, vorige Woche. Bei einer Pressekonferenz  der deutschen Bischöfe in Trier hatte Kebekus den Würdenträger vor laufender Kamera nach Aufstiegschancen von Frauen in der Kirche gefragt - und mit einer Bewerbungsmappe in der Hand erklärt: Sie wolle Päpstin werden. 

    Meisners Antwort: "Da haben Sie nicht die Figur dazu." Noch vor Ort soll ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz darauf hingewirkt haben, dass die Szene nicht ausgestrahlt werde, heißt es im ZDF. Er habe sich zwischen Kamera und Kardinal gestellt.

    Nach dem Vorfall soll die katholische Kirche sich bei der Senderspitze über die "heute-show" beschwert haben. In der von Oliver Welke moderierten Sendung am vergangenen Freitag wurde der Beitrag wie geplant gezeigt.

    aus: DER SPIEGEL 9|2013 - S. 139

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    Das Tarot-Spiel kennt seit dem Mittelalter die Trumpf-Karte II mit der Bezeichnung: "Die Päpstin" - LA PAPESSE - hier drückt sich der jahrhunderte alte Traum des gemeinen Kirchenvolkes aus, endlich mal eine Frau zur Päpstin zu haben ... - schon seit mindestens 360 Jahren kämpfen die "Laien" in der Katholischen Kirche um diesen Schritt zur "Emanzipation" ... - und machen seit dieser Zeit auch aus Enttäuschung ihre Witze und Jokes darüber - und erzählen sich dazu einschlägige Legenden ...

    Was nun also als etwas plumpe ZDF-Satire daherkommt, hat einen durchaus ernstzunehmenden uralten historischen Hintergrund.


    Oben ist eine dieser "Päpstinnen"-Trumpfkarte aus dem Marseille-Tarot zu sehen, einem Motiv des Meister-Kartenstechers Jean Noblet nachempfunden, einem wahren und bekannten Künstler zu seiner Zeit.


    Das Tarot-Deck des Jean Noblet ist der früheste Tarot im so genannten Marseille-Stil und wurde in Paris ca. 1650 zum ersten Mal erstellt und veröffentlicht. Die einzige bekannte Kopie dieses 360 Jahre alten Karten-Decks befindet sich in der Bibliothèque Nationale, der Französischen Nationalbibliothek. Dieses Deck ist auch ungewöhnlich klein, mit Karten von nur 9,8 x 6,1 cm. Dieses Noblet-Tarot hat aber eine Reihe von gut erhaltenen Vorläufer-Decks bzw. Einzelkarten aus den Jahrhunderten, die in einigen Museen in ganz Europa ausliegen, besonders im Mittelmeer-Raum - und jedes dieser historischen Decks enthält die Trumpfkarte II: Die Päpstin - als festen Bestandteil ...


    Die Darstellungen einer Päpstin im Tarot-Kartenspiel gehen insgesamt zurück auf eine damals äußerst bekannte Legende aus dem Mittelalter, die sogar bis zur Reformationszeit selbst vom Vatikan und seinen Würdenträgern geglaubt wurde ... :



    Der historische Background: Päpstin Johanna - Legende oder Wahrheit ???

    Bei Päpstin Johanna (auch Johannes Anglicus sowie Giovanni Femina, Jutta, Frau Jutte, Gilberta, Agnes oder Glancia genannt) handelt es sich um einen Legendenstoff, der von einer sich als Mann ausgebenden gelehrten Frau erzählt, die als Papst amtierte.

    Die Legende um die Päpstin Johanna ist seit dem 13. Jahrhundert überliefert. Die ursprünglichen Formen der Sage berichteten von einer namenlosen Päpstin, die gegen Ende des 11. Jahrhunderts amtiert haben soll (Chronica universalis Mettensis des Jean de Mailly und Tractatus de diversis materiis predicabilibus des Stephan von Bourbon Mitte des 13. Jahrhunderts). Martin von Troppau verlegt diese Legende in seiner 1277 veröffentlichten Chronik in das 9. Jahrhundert und ergänzte die Schwangerschaft und Niederkunft der Päpstin während einer Prozession

    Dieser alte Stich zeigt: Niederkunft der 'Päpstin' Johanna während einer Prozession. Bild: bistummainz.de

    Zwei Versionen Martins beschreiben entweder den Tod der Päpstin und ihres Kindes bei der Geburt oder ihre Verbannung in ein Kloster. Spätere Überlieferungen der Legende schmücken meist die erste Version weiter aus, und der Päpstin werden andere Namen gegeben. Martins Version der Legende bildet auch die Basis der Version in der Schedelschen Weltchronik, die ebenfalls weite Verbreitung fand.

    Quellen der Legende, die vor das 13. Jahrhundert datiert werden, sind nicht bekannt. Wohl aber erwähnt sie Bartolomeo Platina 1479.

    Erste ernsthafte Zweifel an der Historizität der Legende, die lange Zeit selbst von den Päpsten für echt gehalten wurde, finden sich schon bei dem reformierten Kirchengeschichtler David Blondel (1590–1655). 

    (aus: Wikipedia)





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    s!nedi|photo|graphy: tulpen an kerze
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    welches geräusch entsteht wohl
    wenn die tulpe verbrennt:
    wird es zischelnd summen, ziepen
    vielleicht etwa so wie "ffffttt"


    wie riecht wohl der rauch
    wenn die tulpe verbrennt:
    nach honigmalz und rebenstock
    mit einem kleinen schuss erdbeersekt




    die asche schwebt glutgerändert 
    wenn die tulpe verbrennt:
    kleinknitterigrußige flusen steigen empor
    wie angekokeltes apfelsinenpapier von früher 



    ja - und hat sie schmerzen - tut ihr was weh
    wenn die tulpe verbrennt:
    oder weint jemand in ihrer näh
    wird sie überhaupt vermisst ...



    das ist so leicht dahin gesagt
    wenn die tulpe verbrennt:
    ab in die grüne tonne
    zu den kleinen schwarzen knackkäfern




    wer weiß was da frei wird
    wenn die tulpe verbrennt:
    ein neues leuchtgas - ein teegemisch
    vielleicht ein rauschfutter für die meisen


    photos & text: s!NEdi

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    Georg Seeßlen - der Freitag -  über die Wahl in Italien

    Italiens Wahlergebnis: Nein - ich mag meine Suppe nicht ...

    Das Land hat falsch gewählt? Dann lasst doch gleich die Finanzmärkte entscheiden

    Die Italiener haben gewählt, und Deutschland ist entsetzt, empört, und betroffen über so viel Unverstand. Schon reagieren auch die Finanzmärkte und treiben die Zinsen für römische Staatspapiere nach oben. Wer nicht demokratisch und marktkonform wählt, muss eben fühlen. Weil die Deutschen zu den Opfer eines wenig EU-freundlichen Wahlergebnisses zählen könnten, nehmen sich die Politiker, die mediale Öffentlichkeit und die Experten gern das Recht heraus, den unreifen und unbotmäßigen Liegestuhlverleiher jenseits der Alpen Maß zu nehmen. „Italien braucht ein politisches Führungspersonal mit dem man Zukunft verbindet", tönt Ruprecht Polenz von der CDU. [...und keine "zwei Clowns" - muss man inzwischen das Zitat von SPD(!)-Kanzlerkandidat Steinbrück hinzufügen ... - "gesagt ist gesagt ..."] . 

    Dass es dabei mitnichten um die Zukunft des arbeitslosen Jugendlichen, Pensionärs und in prekäre Arbeit Gepressten geht, sondern um »unsere" Zukunft, ist nur allzu klar. „Stabile Verhältnisse" wollen wir haben, weil das im europäischen, vor allem in deutschem Interesse liegt.

    Blitzschnell entsteht so eine Konsens-Erzählung: Die infantilen Italiener wählen disziplinlos und nach Lust und Laune die „Unregierbarkeit". Sie schaden damit besonders „den Finanzmärkten", die in ihrer göttlichen Unbarmherzigkeit eben nicht nur die Italiener, die es nicht besser verdienen, bestrafen, sondern auch "uns" den Dax vermiesen. 

    Ein interessanter Nebeneffekt: Daheim dürfen wir gelegentlich ein wenig skeptisch gegenüber der Macht dieser Märkte sein und auf Abstand zur Idee des Merkelismus von  einer "marktkonformen Demokratie" gehen. Doch im ökonomischen Abhängigkeitsverhältnis zwischen den EU-Nationen entsteht eine neue Allianz.

    So wie in Italien klar ist, dass man nicht mehr aus der europäischen Falle herauskommt - egal, wen man wählt -, dürfte nun ebenso den europäischen Profiteuren des Merkelismus klar werden, dass sie in der Falle italienischer Verhältnisse stecken. Man hat in Wahrheit keine Wahl, weil die Macht eben von Finanzpakten und Finanzinvestoren ausgeht. So ohnmächtig ist der Wähler und zugleich so mächtig, weil ein bisschen Anarchie und Chaos eben schon ausreichen, um das europäische Finanzsystem aufzuscheuchen. Es war die einzige Wahl, die Italiens Wähler wirklich hatten: Europa zu ärgern.
                                       
    Und für dieses Vergnügen müssen wir einen hohen Preis bezahlen, auf den die deutsche Presse uns schon einmal einstimmt. Sie findet nichts dabei, dass man nach einer Wahl nicht mehr nach den Menschen, sondern nach den Märkten fragt, und dass sich deshalb genau jene zu den Auswirkungen dieses Votums äußern, die das ökonomische Desaster angerichtet haben. 

    In deutschen Zeitungen haben sich wohl noch nie so viele Chef-Volkswirte von Großbanken, Börsianer und Manager zu Wort melden dürfen, um unvernünftiges Wahlvolk abzukanzeln. So sagt der BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber: "Jetzt kommt es darauf an, schnell für geordnete Verhältnisse zu sorgen, um die Wirtschaft nicht weiter zu belasten und anstehende Investitionsprojekte nicht zu gefährden." 


    Der Merkelismus, die "marktkonforme Demokratie" und die Finanzmärkte zur Wahl in Italien ...


    Ob eine Wahl gelungen ist oder nicht, darüber entscheiden also die Bankiers des EU-Staates mit der größten Richtlinienkompetenz. Ich frage mich, ob nicht längst der nächste Schritt zur marktkonformen Demokratie fällig ist. Lasst doch die Finanzmärkte gleich direkt ihre idealen Regierungen wählen.
    Diese Märkte sollten das Recht haben, eine Regierung aufzulösen und sich eine neue zu bilden. Das Recht, ein Volk aufzulösen haben sie ja schon.

    Georg Seeßlen ist Feuilletonist, Radiomacher und Italien-Freund

    (c) Georg Seeßlen - der Freitag, vom 28.02.2013 - 9. Woche - S.1


    Titelseite: THE ECONOMIST





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    ACHTUNG: DIESE BILD.DE-SCHLAGZEILE IST
    K E I N E    SATIRE:

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    Keine Einigung in letzter Minute. Wie erwartet! Jetzt eskaliert der US-Haushaltsstreit. Das Land steuert auf massive Etatkürzungen zu.

    Das Spitzentreffen im Weißen Haus zu den drohenden Milliarden-Kürzungen der Staatsausgaben ist am Freitag ohne Ergebnis zu Ende gegangen. US-Präsident Barack Obama warnte bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus, dass die „dummen und willkürlichen” Einschnitte der US-Wirtschaft schaden und Arbeitsplätze vernichten würden.
    Für das Scheitern der Verhandlungen machte Obama die Weigerung der Republikaner, Steuerschlupflöcher für Reiche zu schließen, verantwortlich.
    Der Präsident muss das drakonische Spargesetz vom Sommer 2011 am Freitag bis Mitternacht (23.59 Uhr Ortszeit, Samstag 5.59 Uhr MEZ) umsetzen.

    Das Gesetz sieht alleine im aktuellen Haushaltsjahr Kürzungen von 85 Milliarden Dollar (65 Milliarden Euro) quer durch alle Ressorts vor.
    „All das wird einen Dominoeffekt in der Wirtschaft haben”, warnte Obama. Es werde zu Entlassungen und Lohnkürzungen kommen. „Nicht jeder wird den Schmerz durch die Kürzungen sofort spüren. Aber der Schmerz wird echt sein.”
    Obama hatte sich zuvor mit Spitzen des Kongresses getroffen, um noch einmal über den sogenannten Sequester (Zwangseinsparungen) zu verhandeln, den Spar-Hammer doch noch abzuwenden. Doch in seltener Einigkeit urteilten US-Medien schon vorher: Dieses Treffen hat nur noch eine symbolische Wirkung.
    An dem Treffen im Weißen Haus nahmen der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhaus, John Boehner und der oberste Republikaner im Senat, Mitch McConnell, teil. Auch die Top-Demokraten im Senat und im Repräsentantenhaus, Harry Reid und Nancy Pelosi, erschienen zu den Gesprächen im Oval Office.
    Der Sprecher des Repräsentantenhauses, der Republikaner John Boehner, bekräftigte nach dem Treffen sein Nein zu weiteren Steuererhöhungen, wie sie Obama zur Schuldenreduzierung fordert.

    Niemand rechnet nun damit, dass um Mitternacht Ortszeit in den USA die Lichter ausgehen.

    Der 1. März sei als Anfangsdatum des Zwangssparen zwar nur ein „symbolischer Moment”, sagt Danny Werfel vom Budgetamt des Weißen Hauses dem Magazin „Politico”.
    Aber „die Realität ist, dass es außerordentlich problematisch und ernst wird”. Die Negativfolgen der Einschnitte würden exponentiell zunehmen. Viele Behörden etwa müssen ihre Mitarbeiter für einen Tag pro Woche beurlauben, um Gehalt zu sparen.
    Deren unerledigte Arbeit türmt sich auf. Steuererstattungen lassen auf sich warten, Hilfszahlungen für Bauern verzögern sich, die Raumfahrtbehörde Nasa muss vielleicht Satellitenstarts absagen.

    Die Einschnitte könnten die US-Konjunktur weiter schwächen und hunderttausende Jobs kosten. Die Sparzwänge würden sich auch im öffentlichen Leben auswirken: An Flughäfen und bei Behörden drohen lange Warteschlangen, Nationalparks müssten teilweise oder ganz schließen, Lebensmittelkontrollen würden eingeschränkt. In Schulen könnten tausende Lehrerstellen wegfallen.

    Wie kam es überhaupt so weit?

    Die Einschnitte waren als Drohkulisse gedacht, damit sich Demokraten und Republikaner auf einen ausgewogenen Plan zum Abbau des irren Schuldenberges von mehr als 16 Billionen Dollar verständigen. Schon im Sommer 2011 wurden die Maßnahmen beschlossen.
    Solange aber die Klagen der Bürger ausbleiben, herrscht in Washington kein politischer Druck. So verabschiedete sich der Kongress am Donnerstag einfach in eine einwöchige Pause.

    Ist eine Lösung in Sicht?

    Seit Jahren hangelt sich Washington von einem Ultimatum zur nächsten Deadline, am Ende rauft man sicher immer irgendwie zusammen. Bis zum 27. März muss der Kongress eine neue Übergangsregelung verabschieden, um die laufende Staatsfinanzierung im Haushaltjahr 2013 zu gewährleisten. Und wenn man schon mal verhandelt, könnte versucht werden, die jetzt greifenden Kürzungen wieder zu entschärfen. (Text: BILD.DE)


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    Liebe Landsleute - liebe Amerikaner!

    Wir haben es bei unserem Herumgezocke endlich geschafft:

    Wir stehen jetzt direkt am Abgrund - kurz vor der Pleite ...

    Und da sage ich Euch:

    PACKT MAL EINEN NACKTEN PRÄSIDENTEN IN DIE TASCHE ...

    SACHDIENLICHE SPENDEN ERBETEN AN 
    MR. PRESIDENT OBAMA  
    WHITE HOUSE - WASHINGTON D.C. -
    USA

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    s!NEdi|photo|graphic: plan-picture

    S.P.O.N. - Der Kritiker:

    eine botschaft aus der zukunft

    Eine Kolumne von Georg Diez

    Wie sieht unser Leben übermorgen aus? Wie unser politisches Engagement? Wer einen Vorgeschmack auf das Kommende haben will, sollte nach Neu-Delhi reisen. Dort denkt das Kunstkollektiv Cybermohalla die Konzepte der Politik, der Demokratie und der Repräsentation radikal neu.

    Die erkältete Kommunistin Anita Cherian, die ich im United Coffee House am Connaught Place traf, bestellte sich etwas zu essen, das aussah wie zwei halbe Hamburger mit einem Berg grüner Linsen. Sie entschuldigte sich, dass sie erkältet war, und erzählte dann von ihrer Arbeit und ihrem Aktivismus - die Kulturpolitik, die ihr fast wichtiger ist als ihre Stelle als Professorin für Literatur und Theater, aber sie ist ja auch eine Kommunistin.



    s!NEdi|photo|graphic nach: Nikolaus Hirsch and Michel Müller with Cybermohalla Ensemble, Bureau of Contemporary Jobs in the Cybermohalla Hub at Sarai Reader 09: The Exhibition, Devi Art Foundation, Gurgaon, 2012–2013. Photo: Shamsher Ali




    "Es geht dabei", sagte sie, "um Gestaltung, um Beteiligung, um Demokratie. Um den Glauben daran, dass der Staat für die Bürger da ist. Dieser Glaube hat es zurzeit sehr schwer in Indien. Alle reden nur von Notwendigkeiten, von Automatismen, von den Dingen, die man nicht beeinflussen kann. Indien, sagen sie, ist zu groß, um es zu gestalten. In Indien, sagen sie, geschieht, was geschieht. Es ist eine neue Form von Gesellschaft, und ich fürchte, es ist die Zukunft: die funktionelle Demokratie, die im Grunde keine Demokratie mehr ist."


    So ist das in Neu-Delhi. Das Goethe Institut hatte Christopher Roth und mich hierhin eingeladen, eine Konferenz zum Thema "What happened 2081?" zu veranstalten, und dauernd überfällt einen dann die Zukunft an unerwarteten Orten, beim Abendessen im touristischen Herzen der Riesenstadt, in der Metro auf Betonstelzen hoch über den Müllkippen und den mit Stacheldraht geschützten Gärten der Reichen hinweg, in der Auto-Rikscha, in der man den Straßenverkehr als vernunftfreie Zone erleben kann, die man nur heil durchquert, wenn man alles ganz buddhistisch geschehen lässt: totale Aufmerksamkeit bei totaler Gelassenheit.

    Vergessen wir langsam alles?

    Links und rechts sind hier ebenso fließende Kategorien wie richtig oder falsch, wie heil oder kaputt, wie hell oder dunkel, wie drinnen oder draußen. Die schöne Fiktion des dualistischen Weltbildes wird zerrieben, übrig bleibt ein Gefühl von Zerstörung, in der auch wieder Freiheit liegen kann - davon erzählt zum Beispiel das Kunstkollektiv Cybermohalla, dessen Name schon die neue Realität unseres jungen, wirren Jahrhunderts ausdrückt: Zum Cyber kommt immer auch das Mohalla, was auf Hindi und Urdu Gegend, Viertel, Kiez bedeutet.

    Ganz fern und ganz nah also, intim und abwesend, fremd und vertraut, alles gleichzeitig - wer ist der neue Mensch dieser Zeit, wie wird er leben, wie wird er arbeiten, wie wird er denken?

    Wird er sich von Ort und Zeit befreien, wird er die Stadt anders lesen, wird das Imaginäre real, wird Spekulation Wirklichkeit? Das sind einige der Fragen, die Cybermohalla an die Zukunft hat: Vergessen wir langsam alles? Wann hast du das Gefühl, dass es unzählige Versionen von dir gibt, die durch die Stadt laufen? Wann fühlst du dich in der Stadt allein? Wann würdest du dich gern verlieren? Wenn du eine Gruppe gründen solltest, was für eine Gruppe wäre das?

    Es gibt von Cybermohalla ein sehr schönes, kluges Buch, das auf Englisch bei Sternberg Press erschienen ist. Es gibt ihr Architekturdenkgebäude, das Cybermohalla Hub, das gerade in der Devi Art Foundation aufgebaut ist, draußen, am Rande der Stadt, eine offene, dreistöckige Holzkonstruktion, in der Wohnen und Arbeiten, Archiv und Gegenwart, Drinnen und Draußen eins wird. Es gibt auch schon einen Ausdruck für diese intellektuell-spirituell-spekulative Sicht auf die Welt, wie sie sein könnte, nicht wie sie ist: die Neu-Delhi-Transzendentalisten, die ihre Stadt lesen wie eine Botschaft aus der Zukunft, die wir nur entschlüsseln müssen, durch Unschärfe, Fiktion, Verwirrung, Fälschung, Inkohärenz.

    Die Schemen der Zukunft sind erkennbar

    Anita, die erkältete Kommunistin, die den Staat nicht stürzen will, sondern ihn verändern, hat eine im Grunde sehr europäische Sicht auf die Fragen von Politik, Demokratie und Repräsentation - was sie als indische Realität beschreibt, klingt wie eine Mischung aus der Technokratendemokratie, die in Teilen von Europa installiert wurde, und dem demokratiefreien Kapitalismus, wie er in China praktiziert wird.

    Cybermohalla sind da schon einen Schritt weiter. Sie haben sich unabhängig gemacht von Vorstellungen aus dem 20. Jahrhundert und von Realitäten, die ihnen entzogen sind - und so entwerfen und bauen und basteln sie selbst an den Lebensmodellen und Denkweisen, die ihnen eine Organisation von Alltag und Arbeit und Aktivismus ermöglichen, so wie sie sich Freiheit und Glück vorstellen. Die Schemen dieser Zukunft sind erkennbar, aber eher in Neu-Delhi, Johannesburg oder São Paulo als in Berlin, Moskau oder Miami.

    Vor der Tür des United Coffee House, auf dem wüsten Connaught Place, sieht es aus, als habe gerade eine Rakete eingeschlagen, und nun müssten die Trümmer weggeräumt werden. Es ist immer noch unklar, ob das alles hier, die Stadt und ihre Menschen, ein Werk der Zerstörung ist oder eine Gesellschaft im Aufbau. 

    (S.P.O.N.-Kolumne: Georg Diez - spiegel.de - Bildmaterial: s!NEdi bzw. blogs.guggenheim.org - Video: LOUISIANA-MUSEUM, DK)



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